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emotional abhängig

g-aenzAlich hat die Diskussion gestartet


Ich habe eine emotionale Abhängigkeitsstörung. Immer wieder suche ich nach Bestätigung bei Männern, weil ich sie mir nicht selbst geben kann. Ich wünsche mir jemanden an meiner Seite, der mir zeigt, dass ich etwas wert bin und dass ich vielleicht doch nicht so ein Arschloch bin, wie ich glaube zu sein. Die Verantwortung liegt nicht bei meinem Partner, ganz klar, es ist meine Aufgabe, mir die nötige Sicherheit zu spenden und mich nicht von den Launen meines Partners abhängig zu machen bzw runterziehen zu lassen. Wieso verwende ich immer alles gleich gegen mich oder fasse Dinge persönlich auf. Wieso kann ich nicht stark sein, wieso überspiele ich meine Unsicherheit mit Coolness, statt schwach zu sein. Denn auch das ist okay. Ich bin unauthentisch – und das nicht nur meinem Freund gegenüber. Ich bin es mir selbst gegenüber, weil ich mir nicht eingestehen möchte, schwach und feige zu sein.

Die Angst ist mein Lebensbegleiter, schon seit meiner Kindheit. Wieso bin ich eigentlich so ein unbeliebter Mensch? Mit den Jahren kehrte ich immer mehr in mich, ich wurde ruhiger und möchte am liebsten nur alleine sein. Ich hasse Menschenmassen und ich mag es nicht, viele Menschen um mich herum zu haben. Menschen finden mich komisch, wenn sie auf mich treffen. Komisch und dumm, weil ich zurückhaltend bin und nichts sage – außer hin und wieder Dinge zu kommentieren, um noch irgendwie ein Lebenszeichen inmitten einer Diskussion von mir zu geben. Ich kann mich nie aktiv an Diskussionen beteiligen, weil ich Angst habe, dass mein Beitrag dumm sein könnte oder ich nicht wahrgenommen werde. Angst vor Ablehnung und Unbeachtung. Ich hasse mich und mein Leben und würde am liebsten einfach allem ein Ende setzen oder zumindest auf Pause drücken.

Ich führe seit einigen Monaten eine Fernbeziehung zu einem wunderbaren Mann. Kultiviert, belesen und gebildet. Ich fühle mich neben ihm dumm und wertlos. Er könnte so viel schönere und gebildetere Frauen haben als mich. Was hat nur dazu geführt, dass ich mich so sehr ablehne und keine positive Energie an mich heranlasse. Ich habe abgeschlossen. Aufgegeben mit dem Gedanken, dass sich in meinem Leben doch noch etwas zum Guten wenden könnte. Ich habe nie etwas zuende gebracht, bis auf meine Hochschulreife, die ich mit Ach und Krach erlangt habe. Zwei Ausbildungen abgebrochen, weil ich kein Durchhaltevermögen gezeigt habe. Weil ich vor mir selbst geflüchtet bin.

Meine Eltern haben mir immer wieder eingeredet, ein Versager zu sein. Sie haben gottverdammt recht. Ich habe nichts, was ich in meinem Leben erstrebenswert genug erachte. Nichts, worauf ich mich fokussieren kann. Nichts, was mich motiviert und beschwingt und was mein Leben lebenswert macht. Zerbrochene Freundschaften; psychopathische Ex-Freunde, die mich womöglich bis an mein Lebensende traumatisiert haben; alle Beziehungen, die allesamt ich beendet habe, weil mir nicht die nötige Sicherheit gegeben wurde, nach der ich mich sehne.

Keine Gewissheit über meinen beruflichen Werdegang. Keine Freunde, mit denen ich über meinen Kummer sprechen kann und keine Eltern, die sich für mich interessieren. Meine Probleme werden bagatellisiert und als nichtig abgetan. Postpubertäre Depressionen oder so.

Ich weiß nicht, was ich in meinem Leben noch erreichen möchte. Alles erscheint mir so abstrakt und irreal. Ich lebe nur noch, weil ich mir nichts antun kann. Weil ich Angst um meine Mutter habe, da sie selbst depressiv ist und die Gefahr droht, dass sie sich ebenfalls etwas antun würde, wenn sie erfährt, dass ihr größtes Sorgenkind nicht mehr ist. Ich möchte niemanden enttäuschen. Aber durch meine Existenz enttäusche ich alle umso mehr. Man verwehrte mir meine Freiheit. Ich bin in einem extrem traditionellen Haushalt aufgewachsen. Ich durfte nie männliche Freunde nachhause einladen oder gar haben. Mein Vater hat mich eines Tages verprügelt, als er erfuhr, dass ich im Alter von 11 Jahren einen Spielfreund hatte. Die Beziehung zu meinem Vater ist, seit dem ich denken kann, gestört. Er hat mir nie die selbstverständliche Liebe entgegengebracht, die man als Kind erfährt. Nähe habe ich zu ihm immer durch seine körperliche Gewalt erfahren. Es tut mir weh, darüber zu schreiben und es tut mir weh, dass mir nie geholfen wurde.

Ich lebe nur noch in den Tag hinein. Ohne Struktur und Verstand. Ich bin froh, wenn ich müde genug bin, um frühstmöglich einzuschlafen, aber meine Gedanken bringen mich um den Schlaf, sodass ich meist erst gegen 2/3 Uhr einschlafe.

Wie fühlen sich kleine Erfolgserlebnisse im Alltag an? Wie fühlt es sich an, die Angst mal beiseite zu schieben und den Schweinehund bellen zu lassen, ohne dabei einzuknicken? Wo sind die Momente hin, die mich daran erinnern, dass das Leben doch nicht so schrecklich ist und ich doch kein so schlechter Mensch bin. Meine Hilfe und meine Unterstützung wird schon lange nicht mehr eingefordert oder beansprucht. Ich kann für niemanden da sein, dabei bin ich so gerne für meine Mitmenschen da. Ich fühle mich nutz-und wertlos.

Meinem aktuellen Freund gegenüber taue ich so langsam auf und er spürt immer mehr meine eigentlich völlig instabile Persönlichkeit. Ich bin unsicher und lege vieles auf die Goldwaage. Er nimmt mein Verhalten persönlich, weil er sich nicht erklären kann, wodurch meine Launen bedingt sind. Es ist so schwer, darüber zu sprechen, weil man den Menschen, den man liebt, nicht durch seine Schwächen vergraulen möchte und weil fehlender Lebensinhalt und Todessehnsucht abschreckt und unattraktiv macht. Ich frage mich sowieso, was genau mich für ihn so anziehend macht. Immer wieder hebt er den guten Sex hervor, als hätte ich keine anderen Qualitäten, naja, vielleicht hat er sogar recht. Da ist was dran. Ich liebe Sex und sehne mich sehr nach körperlicher Nähe. Mir wurde Nähe nie mitgegeben. Ich wurde nie gekuschelt als Kind und wenn ich das Bedürfnis hatte, mit meiner Mutter zu kuscheln, wurde ich von meinem Vater kritisiert, dass ich aufhören solle, ständig kuscheln zu wollen. Ich sei ja so erwachsen. Mit 12 ist man erwachsen, alles klar. Ich hasse ihn und ich hoffe, er kriegt das zurück, was er mir und meiner Familie all die Jahre angetan hat, seelischen Terrorismus.

Warum ich nun hier schreibe? Keine Ahnung. Was ich mir erhoffe? Ich wollte mir einfach mal den angestaunten Frust von der Seele schreiben. Vielleicht erkennt sich jemand in meinen Beschreibungen und Schilderungen wieder und hat doch den ein oder anderen passenden Rat für mich. Ich bin sehr verzweifelt. Falls von Interesse, ich bin 24.

Antworten
mEond+`stern<e


:)_

w@ei!hnachtNssternxchen3


Fühl dich mal gedrückt. :°_ Tut mir leid, dass du so eine beschissene Kindheit hattest, das wünscht man wirklich keinem Kind.

Warum ich nun hier schreibe? Keine Ahnung. Was ich mir erhoffe? Ich wollte mir einfach mal den angestaunten Frust von der Seele schreiben.

Weil ich mich sehr wohl und sehr gut in dir wiedererkenne: Naja, ich nehme an, du möchtest etwas ändern, oder? Weil du mit deinen Selbstzweifeln und deiner Abhängigkeit nicht auf Dauer leben möchtest. Das Trauma aus deiner Kindheit verarbeiten möchtest. Endlich dein Leben irgendwie sortieren und was draus machen. Oder?

PJlRüscuhbxiest


Warst du diesbezüglich schon mal in psychologischer Behandlung?

gCaenzglich


Ich war schon in stationärer Behandlung in meiner Jugend... aber das hat nur kurzzeitig etwas gebracht. 7 Jahre später geht's mir noch schlechter. Die Probleme werden schwerwiegender mit zunehmendem Alter, habe ich das Gefühl. Mittlerweile sind es andere Dinge, die mich beschäftigen und unglücklich bzw traurig machen.

Ich bin auch aktuell in Verhaltenstherapie, aber wirklich profitieren tue ich nicht davon - außer, dass mir zugehört wird.

Ich meine mich so gut zu kennen, dass ich weiß, was ich in entscheidenden Situationen machen muss oder wie ich wieder besserer Stimmung bin, aber ich schaff es einfach nicht, ich habe keinen Antrieb. Mir bringt die Therapie irgendwie nichts.

gYaeLnzlCich


Das ist ja das Traurige, es hilft mir einfach nichts mehr. Ich habe mich und mein Verhalten schon so häufig reflektiert, ich kenne mich ziemlich gut und genau und weiß, dass ich da ohne meinen eigenen Antrieb aber auch nicht mehr rauskomme. Ich möchte gleichzeitig aber auch nicht von Antidepressiva abhängig sein oder auf Hilfe anderer. Ich möchte endlich auf natürlichem Wege wieder "gesund" werden. Frei von jeglichem seelischen Balast. Ein normales Leben führen. Eigenständig und unabhängig. Ich möchte mich nicht von den Launen meines Partners abhängig machen und ich möchte nicht immer alles gleich persönlich nehmen, wenn mal mein Gegenüber keinen so guten Tag hatte. Ich möchte leben. Studieren gehen, mich über den Umstand freuen, dass es Menschen gibt, die mich scheinbar so toll finden, dass sie mit mir zusammen sein möchten und die kleinen Momente des Lebens genießen. Aber all das erscheint mir wie ein kleiner, fast nicht erkennbarer Fleck am Horizont.

Cgara\malaJ K2


Verstehen kann ich ansatzweise, was du schreibst. Das ist ein schlimmes Gefühl, das kann ich mir vorstellen.

Du schreibst vieles, was du willst und was du nicht willst. Das sind tiefliegende Bedürfnisse und für mich sind sie logisch nachvollziehbar.

Du hast dich selbst nie wirklich kennen lernen dürfen, so wie ich das hier herauslese, noch nicht einmal deine guten Seiten und deshalb lebst du mehr über andere als über dich selbst. Wenn du jemanden gefunden hast, der einige starke Charaktereigenschaften hat, die du selbst eher an dir vermisst, dann geht es dir vielleicht ein Stück weit besser, bis du merkst, du fühlst dich auch damit nicht wohl. Du nimmst den anderen natürlicherweise persönlich, weil du einen Teil deiner Persönlichkeit über ihn ausgleichst und das sind deine Schwächen. Das ist weder gut noch schlecht, sondern normal, wenn man sich selbst nicht leben kann. :-)

Das mit dem selbst leben können, aus sich selbst heraus, das wünscht man sich zwar und wenn man Therapien macht, hofft man, hier auch auf Hilfe, aber sie kann nur dann fruchten, wenn sie das eigene Innere auch erreicht. Ich weiß auch nicht recht wie ich es erklären soll, aber im Grunde kann man eine Beziehung zu sich selbst aufbauen, denn in einem selbst ist alles vorhanden, um glücklich sein zu können. Man besteht ja nicht nur aus dem äußeren Körper und gewissen Gehirnfunktionen, sondern im Grunde aus dem, was dahinterliegt. Durch eine entsprechende Erziehung und durch das, was man bereits mit ins Leben bringt, kann das unterdrückt oder verschüttet sein, aber es ist immer noch da. Ich will hier auch keinen esoterisches Schnickschnack anfangen, weil mir das ein zu verwaschener und auch von Missbrauch geprägter Bereich ist. Aber man kann das eigene Innere durchaus näher kennenlernen, denn lebendig ist es in jedem Fall über die eigenen Gefühle.

Hilfreich kann vielleicht das Buch von Klaus Renn sein. Es heißt Focusing. Hier geht es darum über den Körper die Seele kennenzulernen. Er vergleicht das eigene Innere unter anderem mit einem Computer. Das finde ich recht lebensnah. Auch Ralf Bihlmaier hat ein Buch geschrieben, was die seelischen Zusammenhänge näher erklärt. Vielleicht kann etwas davon ein Ansatz sein, den du selbst einmal verfolgen willst, neben deiner Therapie.

g6aen=zliech


Das, was du schreibst, stimmt zum Teil. Ich habe mich nie wirklich kennenlernen können. Ich weiß im Grunde gar nicht, wo meine Stärken und Fähigkeiten liegen, aber auch deshalb nicht, weil ich mir etwaige Stärken gar nicht eingestehen würde. Ich bin so geblendet von den vielen negativen Eigenschaften, die mir als Kind und Heranwachsende zugesprochen wurden, dass ich Menschen wenig Glauben schenke, wenn sie mir sagen, dass ich in dies und jenes gut sei. Jedoch weiß ich aber, dass ich kein schlechter Mensch bin - ich habe ein hohes Maß an Empathie und ich glaube, dass ich dadurch im sozialen Bereich gut aufgehoben wäre. Aber mit meiner instabilen Persönlichkeit und meinen Depressionen möchte ich nicht andere Menschen noch zusätzlich belasten. Wobei die Probleme anderer vielleicht von meinen eigenen Sorgen ablenken würden.

Ich weiß nicht, wohin mit mir, was ich im Leben erreichen möchte. Ich habe keine Wünsche und keine Ziele. Ich möchte einfach nicht mehr diesem allgegenwärtigen Kampf begegnen. Ich möchte mich nicht mehr mit qualvollen Gedanken auseinandersetzen. Aufhören, zu grübeln. Raus aus dem Gedankenkarussell.

Ich habe schon Angst, dass sich mein aktueller Freund von mir trennen könnte und schon mit dem Gedanken gespielt - das Resultat dessen sähe nicht gut aus... Ich fühle mich sehr krank. Alleine schon dadurch, dass ich mich so von meinem Partner abhängig mache, dass ich als Individuum gar nicht mehr auf dieser Welt sein möchte und kann, weil ich nie gelernt habe, mich so sehr wertzuschätzen, dass ich mit mir alleine auskomme. Ich brauche jemanden an meiner Seite, der mich an die Hand nimmt und der neben mir stark ist und an dessen Schulter ich mich anlehnen kann. Der mir Halt und Stabilität gibt. All das, was mir fehlt.

Cbaramahla 2


Es ist nicht schlimm jemanden zu brauchen, denke ich. Das kann eine Stütze sein, die man sich auch eingestehen kann. Sich angenommen, versorgt und sicher zu fühlen, ist ein tiefes Grundbedürfnis. Wenn du dich in der Nähe eines anderen Menschen besser fühlen kannst, dann kannst du das vielleicht annehmen oder gelingt dir das nicht? Eine solche Sicherheit kann eine Basis sein, über die du dann dich selbst besser kennenlernen kannst und du lernen kannst deine Stärken und Schwächen zu akzeptieren und sie auch offen zu leben.

Angst und ein Gedankenkarussel sagt für mich im Grunde aus: Ich glaube, meine Bedürfnisse werden nicht erfüllt. Und dann die Frage, was braucht man, um die Angst zu verlieren?

Es gibt ja auch Selbsthilfegruppen für Angst- und Panikpatienten. Hast du da mal Kontakt aufgenommen?

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