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Welche Therapiemethode für meine Probleme?

wvaldhlaeufxer hat die Diskussion gestartet


Liebe Lesende,

ich bin das erste Mal auf der Suche nach einem Psychotherapeuten und bin ratlos. Zwei Erstgespräche hatte ich bereits und bei beiden wurden mir unterschiedliche Ratschläge gegeben. Die eine riet mir zur verhaltenstherapeutischen Klinik, die andere zu Psychiater (, der mir Antidepressiva verschreiben soll...) und Traumatherapie. Beide setzten offenbar unterschiedliche Schwerpunkte, fühlten sich nicht zuständig und schickten mich weiter. Jetzt stehe ich wieder ohnmächtig vor einer langen Liste Telefonnummern und weiß gar nicht mehr, wohin ich mich nun richten soll. Kann mir jemand helfen?

Ich möchte nur kurz anreißen, was mich bedrückt bzw. aus welchen Gründen ich eine Therapie machen möchte oder muss, wenn ich irgendwie weiter mein Leben leben möchte:

- Ich habe seit meiner Kindheit depressive Phasen (ich sehe die Anfänge zeitlich parallel zu den ersten Mobbing-Erfahrungen in der Grundschule), die im Schnitt einmal pro Jahr auftreten und Wochen oder mehrere Monate dauern. Die ausufernden Beschreibungen dieser sind in einem früheren Faden nachzulesen.

- Ich habe praktisch genauso lange Schlafstörungen (Ein- sowie Durchschlafen) und Albträume, seit letztem Herbst habe ich keine drei Tage am Stück mehr als sechs Stunden geschlafen

- Ich leide unter starken Selbstzweifeln, Hass auf mein Selbst und meinen Körper und suizidalen Gedanken

- In den depressiven Phasen schneide und verletze ich mich (diese Gewohnheit besteht auch schon seit meiner Kindheit), scheinbar gegen meinen bewussten Willen

- Zwanghaftes Essverhalten seit etwa 6 Jahren (immer zu wenig, phasenweise so wenig wie möglich, zwischendurch und grade akut wieder bulimische Phasen)

- Ich fühle mich schon immer unwohl unter vielen Menschen auf engem Raum und in engen Räumen, bekomme seit einem Jahr aber mit zunehmender Häufigkeit regelmäßig Panikattacken mit Atemnot, Zittern, Schweißausbrüchen und Übelkeit, bis zur Flucht und Erbrechen. Ich habe oft schon zeitlich vor Situationen, in denen ich potentiell Angst bekommen könnte, Panik, sodass ich gar nicht erst dort hingehen kann.

- Letzten Winter hat sich mir eine vergessene Erinnerung plötzlich wieder aufgedrängt... so eine Heideröslein-Geschichte, die mir anscheinend vor fünf Jahren passiert ist. Die Bilder überwältigen mich im Alltag, ich kann sie nicht mehr wegschieben. Sie schieben sich über die Realität und ich falle in die Erinnerung wie in einen Albtraum (deshalb die Traumatherapie-Empfehlung).

- Ich verliere mein Selbstgefühl und den Bezug zu meinem eigenen Außen, meine gesamte Identität als körperliches und sexuelles Wesen ist zerrüttet, ich ekele mich vor mir Selbst, ich habe Hass auf meine äußere Hülle und Fantasien, sie zu zerstören; ich fühle mich darin eingeengt und verschlossen.

An welche Art von Therapeuten sollte ich mich mit diesen angesammelten Zipperlein wenden?

Ich suche nach einer ambulanten Therapie, eine Klinik kommt für mich zunächst eher nicht in Frage.

Entschuldigt den langen Text. Ich stehe vor einem Berg und bin dankbar für jeden Rat! %:|

Antworten
Oqptimlismxus


Hallo waldlaeufer

Da hast Du wohl einen schweren Rucksack zu tragen.

Manchmal braucht es wohl nicht einfach ein "Entweder-Oder" sondern ein "Sowohl-als-Auch".

Medikamente plus Psychotherapie sind keine schlechte Kombination. Die Medikamente können Dir für eine gewisse Zeit (solange Du es brauchst und es sinnvoll ist) eine Art Schutzpufferzone schaffen und parallel dazu kannst Du in der Psychotherapie Vergangenes, Schmerzliches aufarbeiten und gleichzeitig lernen, in der Zukunft anders damit umzugehen.

Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute. :)*

B!eniataB.


Schau doch einmal in die Bücherei. Systemische Therapie für Dummies.

Das könnte gut passen. Bietet viel Informationen, das Buch.

wiald|lae'ucfer


Danke für Eure Antworten und für Deinen Wunsch, Optimismus.

Bei "Sowohl-als-auch" ist nur eben die Frage, welche Art Psychotherapie die richtige ist. Und ein Psychiatäer wurde mir empfohlen, auf Grund der These, dass meine Depressionen eine neuronale Ursache hätten. Abgesehen davon, dass ich darüber auch nichts weiß, ist es so, dass ich jetzt grade gar nicht akut depressiv bin.

Antidepressiva verschreibt man doch nicht provisorisch, sonder akut, oder?

Si. &wallixsii


Wenn du absehbar phasenweise depri bist macht's vllt schon Sinn. So als Hilfsmittel wie Optimismus schrieb, die eigentliche Lösung liegt wohl öfters eher bei der begleitenden Therapie... aber welche..? Das ist verständlicherweise schwierig zu entscheiden, ich glaub (hab da nicht so viel Ahnung) das ist wirklich persönlich individuell. Beides bietet sehr viel Potential. Hast du Ahnungen (ob's hilfreich wäre) und Ängste (vor den jeweilgen Konfrontationen die die Therapien bieten) wenn du es dir jeweils vorstellst wie es wäre?

(reine Neugier: Was ist eine Heideröslein-Geschichte?)

Freut mich übrigens für dich dass du zwischenzeitlich doch in der Richtung aktiv wurdest :)^ verlier jetzt nicht den Mut :)*

wPal)dlaeufxer


Bekannt sind mir die Formen Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie, Analytisch, Traumatherapie und Psychiater. Angst habe ich davor, Medikamente zu bekommen und möchte das wirklich nur im Notfall. Das ist zumindest so mein erstes Gefühl. Andererseits habe ich eben kein Wissen über die Materie. Es kann ja schon sein, dass es neuronale Gründe für Depressionen gibt und man diese sonst nicht loswird.

Eine Ahnung, obs hilfreich wäre... Verhaltens- und Analytische Therapie stelle ich mir irgendwie an der Oberfläche und Symptomen kratzend vor, als ob die nicht so sehr Ursachen behandeln. Aber wahrscheinlich ist das klischeehaftes Unwissen? Eigentlich bin ich tatsächlich weitgehend unvoreingenommen ahnungslos. Ich habe noch nie eine Therapie gemacht und auch keine aus erster Hand berichteten Erfahrungen vorliegen.

Das Heideröslein ist ein Gedicht von Goethe, das metaphorisch arbeitet und eigentlich nicht vom Röslein spricht.Ich bekomme es nicht hin, darüber zu schreiben.https://de.wikipedia.org/wiki/Heidenr%C3%B6slein

PGeeKIlexe


Hallo waldlaeufer,

im Grossen und Ganzen ist es nicht so wichtig welche Therapieform du wählst. Im Durchschnitt hat keine der Behandlungsformen bessere oder schlechtere Behandlungsergebnisse. Du wirst im ersten Gespräch mit dem Therapeut vor allem für dich selber rausfinden ob du dich gut aufgehoben fühlst.

Ich persönlich habe die Vorstellung das eine Verhaltenstherapie die schwächste Therapieform sein kann für deine Probleme. Bei Trauma ist auf jeden Fall "Verarbeitung" angesagt, nicht (nur) Kompensation durch Verhaltensanpassung. Ob das klappt hängt allerdings dann auch sehr vom (Verhaltens-)Therapeuten ab.

Ich würde dir vor allem raten, nicht zu lange zu warten sondern dich zu kümmern (evtl. mit Hilfe des Hausarztes), so dass du beginnen kannst.

Und ja, eine EMDR Traumatherapie kann helfen, ist aber auch nur eine Methode, so wie die anderen auch. Und die Methode ist nur ein sehr kleiner Einflussfaktor in der Therapie der sicher nicht im Vordergrund stehen muss.

Eine analytische Therapie kramt unverarbeitete Emotionen hervor und herstrukturiert diese dann. Das ist quasi weiterbohren an der Quelle, während die Basis von Verhaltenstherapie das Resultat /Verhalten herstrukturiert. Klingt alles ein bisschen abstrakt. Deshalb mach dir nicht zu viele Sorgen im Vorhinein. Guck, ob du schnell einen Therapeuten findest. Ich drück dir die Daumen!

Was Medikamente betrifft, musst du nichts nehmen wenn du nicht willst. Wenn dein Alltagsleben ungefähr ok und möglich ist ohne stundenlange, zehrende Heulkrämpfe, ohne ernsthafte Verwahrlosung von dir selber (z.B. nicht mehr aus dem Bett kommen, nicht oder kaum essen, Alkoholkonsum) sind Medikamente auch nicht dringend nötig. Wenn du dir unsicher bist, lass dich noch einmal von deinem Arzt beraten. Wenn du keine Medikamente willst, bleib ruhig bei der Meinung und versuch es ruhig erst mal ohne. @:)

spchneckBe19x85


Ich habe nur Erfahrung mit Medis, Psychoanalyse und Verhaltenstherapie:

Medis: Tjo, ich war in der Situation, wo ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe. Die medikamentöse Einstellung (bis aufs Optimum, ich habe aber auch eine langfristige Persönlichkeitsstörung) hat bei mir ziemlich lange gedauert. Aber ich bekam (Gott sei Dank) neben den Antidepressiva auch Benzodiazepine, also Notfallmedikamente, die mich in ganz schlimmen Phasen aufgefangen haben. Ich habe sie nicht wirklich oft gebraucht, aber einige Male haben sie mir wirklich den Arsch gerettet.

Psychoanalyse ist - meiner Meinung nach - etwas für Leute, die nicht wissen, worin der Auslöser ihrer Erkrankung liegt. Um verborgene Probleme aus der Kindheit / Elternhaus usw. aufzudröseln, ist sie wirklich praktisch. Allerdings ist sie bei darüber hinausgehenden Dingen (z.B. Lösungsstrategien) wirklich hilflos. So habe ich es zumindest empfunden.

Verhaltenstherapie: Das hat bei mir am besten geholfen (neben den Medis), weil ich meine Auslöser kannte und Hilfe brauchte, wie ich mit aktuellen Dingen (z.B. Ängsten, Bildern) umgehen soll. Zumindest bei meiner Therapeutin lag der Fokus zwar schon auf dem Hier und Jetzt, aber Vergangenes war nicht aus der Therapie ausgeschlossen. Damit habe ich wirklich gute Erfahrungen gemacht. Die Chemie zwischen mir der Therapeutin hat auch wirklich gut gepasst (distanziert und respektvoll, aber nicht unangenehm distanziert).

Mit spezifischer Traumatherapie habe ich - wie gesagt - keine Erfahrungen.

Im Zuge meiner eigenen Geschichte habe ich jedoch gelernt, dass mir zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Dinge gut taten. Am Anfang war das Reden, dann tauchten immer mehr Bilder auf, die ich verbal nicht fassen konnte. Da bin ich dann auf Kunstherapie gestoßen und habe viel gemalt. Das hat mir zu dem Zeitpunkt wirklich den Arsch gerettet und diese "andere" Sprache half mir dabei, die Bilder aus meinem Kopf aufs Papier umzulegen.

Will heißen: Eine Therapie ist immer ein Weg. Und so wie auf dem Lebensweg, lauern unterschiedliche Stolpersteine, Überraschungen und Möglichkeiten hinter verborgenen Ecken. Wenn man am Anfang dieses Weges steht, ist alles unübersichtlich und macht Angst. Riesen Angst. Die Lösung besteht aber letztlich darin, sich auf den Weg durchs Labyrinth zu machen. Ich habe zu meinem Psychiater (nach Suizidversuch) mal gesagt: Ich bin an der Stelle meines Lebens falsch abgebogen und möchte mit Ihnen an der Hand an die Kreuzung zurückgehen und den richtigen Weg suchen.

Das fasst es, meiner Meinung nach, ganz gut.

Habe Mut :)*

S..c waGllisii


Verhaltens- und Analytische Therapie stelle ich mir irgendwie an der Oberfläche und Symptomen kratzend vor, als ob die nicht so sehr Ursachen behandeln. Aber wahrscheinlich ist das klischeehaftes Unwissen?

Was die Verhaltenstherapie betrifft teile ich ehrlich gesagt dieses Klischee (aber wie gesagt nicht wirklich Ahnung), allerdings vermute ich dass sie v.a. für die Förderung der Alltagstauglichkeit (hemmende Ängste, Panik, Phobien) trotzdem sehr effektiv sein kann.

wHaldltafeuxfer


Danke für Eure Antworten!

Eine Therapie ist immer ein Weg.

Das klingt Mutmachend. Ich bin auch etwas stolz darauf, überhaupt endlich an dem Punkt zu sein, dass ich bewusst entschieden habe, Hilfe zu brauchen und zu suchen. So weit war ich noch nie. Ich will oder denke ich muss sonst immer alles alleine schaffen. Insofern ist wahrscheinlich jede Therapie erstmal gut und ein Weg.

S"a0ldxo


Dass Bilder auftauchen ist ein Ruf Deines Unterbewusstseins, das gehört werden möchte. Erlebnisse, wie Du sie gehabt hast, gehen nicht durch Verdrängen vorbei. Sie sind immer da, beeinflussen Dein Handeln und bleiben solange präsent, bis Du Dich um sie kümmerst, Dich ihnen zuwendest und sie auflöst.

Das funktioniert aber, von daher könntest Du auch die Bilder als Ausgangspunkt nehmen und damit zu einem Therapeuten gehen. Die meisten Therapeuten fragen einen ohnehin häufig zu Anfang, worüber man sprechen möchte bzw wie es einem geht. Denn immer das, was einen am meisten stört ist das, was gerade dran ist. Und wenn dieses Bild mit dem Heideröslein da ist, dann kannst Du das aufnehmen. Wenn Du noch nicht drüber reden kannst, nimm den Wikipedia Text (so, wie Du das hier gemacht hast - ein guter Anfang!) und gib ihm dem Therapeuten. Wenn er Dich versteht (und ich habe Dich z.B. verstanden und ich bin noch nicht mal Therapeut), dann wird er da mit Dir zusammen ansetzen und Dich behutsam weiterführen. Du kannst jederzeit stop sagen und bestimmen, was Thema ist und wie weit Du gehen möchtest.

Aber Du solltest es auch, denn ein Therapeut kann Dir nur helfen, wenn Du Dir helfen lässt.

Ich empfehle gerne eine Atem- oder Hypnosetherapie.

w`aldlaexufer


Lieber Saldo,

danke, Dein Beitrag hat mir sehr geholfen!

Denn immer das, was einen am meisten stört ist das, was gerade dran ist.

Mich verunsichert vor Allem der Berg an Problemen, eins nach dem anderen ist vermutlich eine gute Denkweise für mich. Ich denke, dann suche ich jetzt nach jemandem mit Traumatherapeutischer Ausrichtung.

Ich empfehle gerne eine Atem- oder Hypnosetherapie.

Das hört sich auch interessant an, ich wusste nicht, dass es so etwas gibt. Ich hatte schonmal einen Faden gestartet, um nach genau solchen alternativen Wegen zu fragen, weil mich ganzheitliche Methoden ansprechen. Wenn ich in Paniksituationen komme oder nicht schlafen kann, versuche ich Atemmeditationen zu machen, was allerdings nicht so gut klappt.

wualgdlaaeufexr


Und ja, dass mit dem Sprechen darüber fällt mir sehr schwer. Das ist auch das Problem daran, Therapeuten anzurufen. Jedes Mal bin ich enorm gehemmt, brauche sehr viel Energie, um überhaupt zum Hörer zu greifen. Dann bin ich beim Telefonieren so nervös, dass ich kaum mehr weiß, was ich sagen will. Einem Fremden am Telefon kurz angebunden die eigenen Probleme zu schildern ist für mich sehr schwierig. Ich habe mir schon Stichpunkte aufgeschrieben, um mich daran entlang zu hangeln.

O]ptyimixsmus


waldlaeufer

Diese Schwierigkeit haben sehr viele Menschen, die sich in Therapie begeben möchten. Die Therapeuten kennen das also sehr gut ;-)

Nur Mut :)*

bTdak


Und möchtest du nicht lieber dich mit Sport beschäftigen, irgendwas was dir gefällt?

Wenn du männlich wärest - hätte ich dir Kampsport empfohlen. Es hilft gut, die eigene Wahrnehmung zu erhöhen, und auch zu positiven und neuen Gedanken zu kommen..

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