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Stress im Gottesdienst

p[rinsehssaxlle hat die Diskussion gestartet


Hallo!

Meine Familie ist sehr streng katholisch gläubig. Ich irgendwie nicht mehr.

Wenn ich im Gottesdienst sitze, bekomme ich totalen Stress, ich pule meine Haut auf und ich möchte nur noch weg.

Meine Mutter macht sich Vorwürfe, sehr starke sogar, dass meine Schwester nicht mehr jede Woche zum Gottesdienst geht. Sie glaubt, dass sie in der Erziehung versagt hat und hat Angst, dass meine Schwester "weiter vom richtigen Weg abkommt".

Ich glaube nicht mehr an Gott, wirklich nicht. Aber ich habe viel zu viel Angst, dass meiner Mutter zu sagen. Und ich habe Angst, dass, so unlogisch und widersprüchlich es auch erscheint, alles stimmt und ich dann in der Hölle lande. Aber andererseits will ich gar nicht an den christlichen Gott glauben.

Ich will nicht mehr diese Stressanfäle bekommen, habe keine Ahnung, was ich tun soll.

Bin 16.

LG

Antworten
pwrinse|ssaxlle


Die kurze Zwischenlösung ist, sich auf dem Klo einzusperren, aber das kann ja nicht jeden Sonntag so laufen.

~vy~ka@ra~yx~


Höre auf Deinen Bauch. Wenn Du nicht mehr glaubst, glaubst Du nicht mehr. Vielleicht ändert sich das im Laufe Deines Lebens ja wieder. Aber jetzt willst Du halt nichts davon wissen und das steht Dir auch zu. Das Du denkst, deswegen in der Hölle zu landen, zeigt nur, dass Dir der Glaube, so wie Du ihn glaubst, nur geschadet hat. :-(

wval.dl^aeuf{er


Deine Mama hat sicher einfach Sorgen, weil in ihrer Weltsicht das einzige Leben, das dir gut tun kann, eben das streng christliche ist. Vielleicht kannst du ihr deine Entscheidung, die Gottesdienste nicht mehr zu besuchen, damit erklären, dass es dir mit der Atmosphäre dort nicht gut geht? Erzähl ihr ruhig, dass du dort Stress empfindest und nervös an dir herumkratzt. Ich denke nicht, dass deine Mutter das möchte. Möglicherweise ist körperliche Reaktion für sie ein "greifbares" Indiz für deine Ablehnung.

Glauben ist für mich übrigens nichts Festes, sondern eine Stütze im Leben, die für jeden Unterschiedlich ist. Bloß weil es für deine Mutter eine Hölle gibt, muss es sie für dich nicht geben. Du wirst für nichts bestraft, dass sich nicht in deinem Horizont befindet.

H-ypaxtia


Und ich habe Angst, dass, so unlogisch und widersprüchlich es auch erscheint, alles stimmt und ich dann in der Hölle lande.

Kann ich gut nachfühlen, mir ging es genau so!

... keine Ahnung, was ich tun soll.

Irgendwann muss deine Mutter sich damit abfinden, dass du nicht mehr zur Kirche gehst.

Ich habe damals das Theater mitgespielt bis ich ich auszog um zu studieren. Vom frömmelnden Getue vieler Katholiken habe ich mich definitiv distanziert, ich bin immer noch wütend darüber wie unsere kindliche Leichtgläubigkeit ausgenutzt wurde, um uns die die wahnsinnigsten Geschichten als bare Münze zu verklickern! Ich habe dann aber im Laufe der Jahre tief gläubige Menschen kennen gelernt, die mir ein anderes Verständnis von Religion ermöglichten als das, was ich als Kind erfahren hatte. Mittlerweile habe ich Interesse an Theologie und sehe ich mich (fast) wieder als Christin ;-)

Ich denke als erstes solltest du versuchen deiner Mutter klar zu machen, dass man auch ohne die sonntäglichen Gottesdienste nicht nur ein guter Mensch sein kann, sondern sogar ein guter Christ!

pwrinseassaxlle


Aber das will ich gar nicht sein.

Ein allmächtiger Gott, der den Menschen so erschaffen hat, dass er schlecht wird, muss sich selbst an sich selbst opfern, damit er mich wieder zu sich nehmen kann. Wtf? Ich dachte, er wäre allmächtig.

Meine Cousine geht inzwischen auch nicht mehr in die Kirche, und darüber hatte sich meine Mutter auch so abfällig geäußert.

Die Jugendarbeit in unserer Gemeinde ist auch sehr stark, wenn ich da fehle, werden die Betreuer mich nerven und nerven. Das war schonmal so, als ich nicht mit auf die Freizeit wollte.

GNe?istLluxft


Wenn du dich im Gottesdienst unwohl fühlst dann gehe heraus. Sprich mit deiner Mutter darüber was an dem Glauben nicht stimmt, wie du darauf gekommen bist und wie sehr dich das belastet.

p_r!inseAssaxlle


Ich habe so Angst, dass sie sich etwas antut oder einfach ausrastet. Sie hat leicht cholerische Züge und meinte schon einmal, sie wünschte, sie wäre tot. Der Auszug meiner Schwester war schon kaum zu verkraften für sie, nächstes/übernächstes Jahr werde ich wohl ausziehen und wenn sie jetzt noch erfährt, dass ich Ihrer Meinung nach in der Hölle lande, wird sie vollkommen zusammenbrechen.

C{arKamcala 2


Ich selbst glaube zwar an Gott, aber auf meine persönliche Art und Weise.

Egal in welcher Religion man sich befindet, ihre Herangehensweisen sind meist monoton, weltfremd und vor allem beantworten sie keine wesentlichen Fragen. Wenn sie nicht auf das Leben und die Bedürfnisse des Menschen eingehen können, denn beides spielt wohl eine nicht wegzudenkende wichtige Rolle, dann geht sie daran vorbei und damit disqualifiziert sie sich leider für die meisten. Entweder man entwickelt Ängste vor ihren Dogmen, wie du, absolut verständlich, oder man wird fanatisch werden, meist auch aus Angst, wie die Eltern. Und wenn eine Religion so etwas auslöst, dann ist sie leider falsch interpretiert worden.

Die Bibel selbst enthält nur wenige Aufzeichnungen, Evangelien, aber zur Auswahl haben damals über dreißig gestanden und ein "weltlicher" Kaiser hat bestimmt, was in die Bibel gehört und was nicht. Dem ist glaube ich nichts mehr hinzuzufügen. Wenn du Angst hast, schau dir auf Youtube entsprechende Sendungen an, wie die Bibel entstanden ist. An der Kerngeschichte, die durchaus Interessantes und vielleicht auch Wahres enthalten kann, haben so viele dranrumgeschraubt, so dass sie sich in einigen Punkten auch selbst widersprechen.

Ich würde bei den Eltern versuchen sachlich zu argumentieren, vielleicht genau mit den spärlich vorhandenen Bibelevangelien und sagen, dass du deinen eigenen Weg hier finden willst, du dich damit nicht identifizieren kannst. Das ist ein erster Abnabelungsprozess und der ist auch wichtig, wenn du dich so unwohl fühlst.

s_t.ecppo2x5


Wir Menschen haben keinen freien Willen, nämlich was das Denken angeht. Jeder kann das für sich selbst ausprobieren, z.B. einen Baum anzukukken und mit aller vorhandenen Willenskraft versuchen zu denken "die Blätter dieses Baums sind blau". Das gelingt niemandem. Entsprechend verhält es sich mit dem Religiösen Glauben. Ich vermute, dass es ganz viele Leute gibt, diewo nach intensivster Gewissenserforschung vor sich selbst zugeben werden, dass sie nicht genau wissen, OB sie überhaupt glauben oder nicht. Was viel Sinn macht, denn wenn jemand 100% weiss dass er/sie glaubt, dann hat das ERNSTE Konsequenzen für dessen Lebensführung. Ich vermute, dass die "echtesten" Gläubigen diejenigen sind, die nicht durch Indoktrination im Kinder-Alter, sondern erst als Erwachsene zum Glauben gefunden haben. Wie bei meiner Frau, die in Mitteldeutschland gottlos erzogen und dann erst Christin geworden ist. Ich selber bin Gnostischer ATheist, denn ich weiss, dass alle Götter, diewo "wir kennen" abhängig existieren, nämlich als Idee, produziert in dem Gehirn des jeweiligen Gläubigen. Eine Idee, welche versucht, das unbeschreibbare zu beschreiben, nämlich was am Anfang der Physikalischen Welt steht und unerfahrbar und damit unbeschreibbar sein MUSS weil es sonst selbst Teil der physikalischen Welt sein bzw nen anfang haben muss.

Ich bin dem Religiösen Glauben gegenüber nicht feindlich eingestellt, umso mehr aber der Indoktrination von Kindern. Die Angst vor der Hölle wird in unschuldige Kindergehirne eingepflanzt, und entzieht sich, haargenau wie die Unmöglichkeit die Blätter eines Baumes für blau zu befinden, der freien Willensentscheidung. Diese existenziellste aller möglichen Androhungen ist ein mächtiges unstoffliches Werkzeug, mit dem die Entwicklung des Individuums weg vom Glauben verhindert werden kann. Sowohl die Entwicklung eines Erwachsenen Ungläubigen zum Religiös-Gläubigen, als auch die eines Religiös-Gläubigen zum ATheisten ist das Ergebnis eines Prozesses, der sehr lange dauern kann.

Wenn'z du nicht mehr zum Gottesdienst willst, wirst Du wohl gegenüber Deinen Eltern Farbe bekennen müssen. Wenn jemand Dir dann entgegenhält "aber das kann nicht sein, denn ohne Gott kann es weder Moral noch Lebens-Sinn geben" dann solltest du wissen, dass Moral und Lebenssinn im Gehirn selbst produziert werden, ganz genau wie oben angedeutet, alle bekannten Götter selbst. Die von der Religion proklamierte Moral und Lebenssinn sind im wesentlichen die in den Gehirnen bronzezeitlicher Heiliger Männer produzierten Gedanken. Übrigens sind alle Gesetze bloße Gedanken, auch und gerade die physikalischen Gesetze. Wir Menschen sind m.E. religiöser als wir glauben, ich kenne jedenfalls Leute, welche es entrüstet ablehnen zu akzeptieren, dass die physikalischen Gesetze nicht ausserhalb des Gehirns existieren, und in diesem Sinne nicht "mächtig" sind und der Physikalischen Welt etwas VOR-schreiben, sondern nur BE-schreiben, wasse so tut weil se so ist wie sie ist, und ledigklich der Natur ihrer Existenz nicht entflieht, welche wir als "physikalisch" bezeichnen.

kynuDddexly


prinsessalle

Ich nehme an, du wohnst noch zuhause.

Ich (24 Jahre) bin selbst aus einer streng katholischen Familie und meine Geschwister und ich waren in der Kirchenschule, jeden Sonntag und sogar manchmal vorher Samstags in der Messe, also doppelt. Bei uns gab es nie eine Ausrede, außer einer war wirklich krank, aber der blieb dann die Zeit allein zuhause und die Anderen haben für eine zügige Genesung gebetet.

Irgendwann fing jeder von uns an, sich gegen dieses strickt vorgeschriebene Glaubensbild aufzulehnen. Denn bei uns war es üblich, dass die Pfarrer und in der Schule genau sagten, was der Text zu bedeuten hatte. Natürlich wurde unser Widerspruch unseren Eltern mitgeteilt und es gab Diskussion, aber am Schluss konnten unsere Eltern nichts gegen unsere Ansichten tun, den auf jedes Argument von Ihnen aus der Bibel, hatten wir ein Gegenargument aus der Bibel.

Es war ein schwerer Kampf, auch dass wir nicht jedesmal in die Kirche wollten und damit argumentien das Gott überall sei.

Heute sind wir alle ausgezogen, meine älteste Schwester hatte meiner Mutter klar gesagt, dass Sie aus der Kirche ausgetreten ist, dass Sie zwar an Gott glaubt, sich aber nicht einschränken lässt in Ihrem Glauben. Meine ältere Schwester und ich sind auch beide ausgetreten ohne es meiner Mutter zu sagen. Bei meinem Bruder weiß ich es nicht, aber er geht auch nicht mehr in die Kirche.

Als ich meinem Mann (damals Freund) sagte, dass ich austreten möchte und er es sich doch auch überlegen soll, war er überrascht, da ich die Bibel so gut kenne und er immer dachte, mein Glaube wäre an die Kirche gebunden. Bei Ihm war es eigentlich egal, seine Familie ist nur scheinheilig, die gehen nie in die Kirche und selbst bei Taufen, Firmung usw. verlassen die Männer stets die Kirche. Heute glaube ich wieder an Gott, aber auf meine Art und für mich ist die Kirche nur eine Geld macherei! Im Durchschnitt ohne Zuschläge verdient ein Pfarrer 4.500 €, ein Bischof 8.000 € und ein Erzbischof 11.000 €, davon müssen Sie im Durchschnitt 600 € Wohngeld zahlen und erhalten eine Haushaltshilfe. Was hat das noch mit in Demut leben zu tun?!!

Nun erwarte ich ein Kind, mein Mann möchte es Taufen lassen, ich bin mir nicht einmal sicher, ob dies geht, aber eins steht fest es darf seinen Glauben frei wählen und dass muss meine Mutter akzeptieren, sonst werden die Besuche bei Ihr kurz und nie ohne mich stattfinden!

Ich kann nur sagen, es wird nicht leicht, weil Ihnen damals in Ihrer Kindheit alles fest eingetrichtert wurde, dass es nicht mehr rausgeht. Sie kann dich nicht zwingen!

Ups, doch so lang. |-o

EFhemalZigeEr Nutazer; (#5730x12)


prinsessalle

ich kann dich so gut verstehen, hab das auch durch.

Bin in einer katholischen Familie groß geworden , in einem kleinen Dorf . Es gab da auch noch ein paar wenige "Abtrünnige" ]:D , aber die meisten waren damals mehr oder weniger streng katholisch und sonntäglicher Kirchengang war Pflicht.

Schon als Kind empfand ich manche Dinge schrecklich - scheinheilig . Andere Rituale liebte ich.

Da ich immer schon ein Trotzkopf war , bekam ich da auch öfteres diesen gewaschen.

Später war ich in einem Internat , geführt von einem Orden und da ist mein Widerstand immer mehr gewachsen. Manche Schwestern mochte ich trotzdem gern, die waren weltoffener und wirkten authentisch.

Ich konnte immer weniger mit diesem Glauben anfangen . Auch mir wurde oft übel , ich bekam Brechreiz in der Kirche, wenn ich die Predigt anhörte von Nächstenliebe etca . - eine Schwester die andächtig und umstrahlt von einem Heiligenschein vor mir knieend, kurz zuvor ihr Boshaftigkeit an uns ausgelassen hatte. Das fand ich wirklich zum "Kotzen".

Ich kann dir nur raten, bleib bei dir ( du bist deswegen nicht schlechter als ein gläubiger Mensch) sag deinen Eltern wie du es siehst. Sie haben es zu akzeptieren.

Wenn du das nicht machst, wirst du krank !!!

Ich bin diesen Weg gegangen , es war nicht leicht - aber ich lebe noch ;-D .

Ganz wichtig- bitte lass dir kein schlechtes Gewissen einreden, diese emotionale Erpressung fand ich am Allerschlimmsten. Such dir Menschen, mit denen du reden kannst über deine Ängste ( die sind echt fies ) . Du schaffst das, und du wirst dich frei fühlen .Das geht nicht von heute auf morgen - es ist ein Prozess.

Ich glaube mittlerweile trotzdem an etwas - aber ich weiß nicht genau an was ;-D . Es hat keinen Namen , hilft mir einfach Ohnmachtsgefühle besser zu ertragen .

KKleixo


prinsessalle

Ich habe so Angst, dass sie sich etwas antut oder einfach ausrastet. Sie hat leicht cholerische Züge und meinte schon einmal, sie wünschte, sie wäre tot. Der Auszug meiner Schwester war schon kaum zu verkraften für sie, nächstes/übernächstes Jahr werde ich wohl ausziehen und wenn sie jetzt noch erfährt, dass ich Ihrer Meinung nach in der Hölle lande, wird sie vollkommen zusammenbrechen.

Was sagt Deine Therapeutin?

p8rinses|sa^llxe


Ich hatte mit ihr darüber geredet, aber sie meinte erst mal nur, dass sie sieht, wie viel Stress mir das macht. Irgendwie gehen die Sitzungen immer sehr schnell vorbei.

SychruNnxd


prinsessallee

Grundsätzlich ist es so, dass zum Glauben niemand gezwungen werden kann. Das Glauben spielt sich im Kopf ab und da kann bekanntlich niemand hineinsehen. Du kannst vielleicht zum Vollzug bestimmter Rituale genötigt werden, durch Druck, Zwang oder Drohungen. Aber selbst wenn du Rituale vollziehst, heißt das noch lange nicht, dass du glaubst.

Es gibt kein Vertun, dass es dein gutes Recht ist, nicht an einen Gott zu glauben und entsprechend die Teilnahme an religiösen Ritualen zu verweigern. Wem auch immer das nicht passt, dem bleibt nichts anderes übrig, als deine Entscheidung hinzunehmen. Das gilt auch für deine Mutter.

Da, wie du schreibst, binnen Jahresfrist dein Auszug von zuhause ansteht, könntest du natürlich den Kopf einziehen und dich vordergründig um des keineswegs lieben Freidens willen den Vorstellungen deiner Mutter fügen. Ich fürchte aber, dass du damit nicht glücklich wirst. Ich würde daher und nicht zuletzt auch aus Gründen der Fairness mit der Mutter reden. Die allermeisten Menschen werden ihrer Mutter wohl ungern wehtun. Es gibt aber Dinge im Leben, die ausgefochten werden müssen. Dazu gehört auch das Recht, die sog. Gretchenfrage für sich persönlich so zu beantworten, dass man dazu stehen kann. Da helfen erfahrungsgemäß faule Kompromisse nicht weiter, sondern machen alles nur noch schlimmer.

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