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Ich (19) bringe nichts zu Ende - warum?

L9arpubxia hat die Diskussion gestartet


Nachdem ich heute ein Projekt zu Ende gebracht habe, das ich vor knapp drei Monaten angefangen, in zwei Wochen fast erledigt hatte und den letzten Schritt seitdem vor mir hergeschoben habe, ist mir aufgefallen, wieviele Dinge ich in meinem Leben nicht zu Ende bringe. Ich fange viel an, begeistere nicht schnell und kann auch sehr diszipliniert und konzentriert arbeiten - für ein paar Tage.

So im Allgemeinen lasse ich mich nicht schnell ablenken, ich kann stundenlang in einem Buch versinken oder Matheaufgaben lösen, wenn es sein muss, aber längerfristige Aufgaben schiebe ich gerne vor mir her, vor allem wenn kein Druck von außen kommt.

Vielleicht bin ich einfach faul im klassischen Sinne, vielleicht steckt aber auch was anderes dahinter- ich weiß es nicht.

In der Schule war ich immer sehr gut, habe stets meine Hausaufgaben gemacht und gute Noten geschrieben, lernen musste ich zum Glück nie viel, aber in den letzten drei Schuljahren hat sich das geändert. Ich hatte keine Motivation mehr, meine Hausaufgaben zu machen, hab mich auch bei Präsentationen oder so immer weniger angestrengt und selbst für das Abi kaum gelernt. Wenn ich aus der Schule wieder kam, war ich oft todmüde und hab meine Zeit dann auf der Couch mit fernsehen oder ähnlichem verbracht, obwohl ich die Schulstunden bleibe nicht konzentriert mitgearbeitet hatte. Aber auch sonst im außerschulischen Bereich gibt es eine Menge Sachen, die ich angefangen, aber nie zu Ende gebracht habe:

- ich habe mehrere Sportarten angefangen: Schwimmen, Karate, Volleyball, Tischtennis und Reiten. Einen Teil davon musste ich durch Umzug aufgeben, aber vor allem Tischtennis, das ich knapp 9 Jahre gemacht habe, habe ich am Ende einfach so laufen lassen und schlichtweg die Motivation verloren.

- Früher habe ich Bücher regelrecht verschlungen, heute habe ich einen Haufen, die ich angefangen habe zu lesen, aber nie beendet habe.

- Meine Nachmittage früher habe ich auch mit Geschichten schreiben verbracht und wurde für diese auch immer wieder von Lehrern, Freunde und Familie gelobt und auch wenn ich gerne mal wieder eine schreiben würde - ich krieg es nicht auf die Reihe.

- Ich nähe und stricke gerne, es macht mir Spaß etwas entstehen zu sehen und bin immer unheimlich stolz, selbstgemachte Klamotten zu tragen, habe aber eine angefangene Strickjacke, ein T-Shirt und einen Pullover zuhause liegen, die noch auf Fertigstellung warten.

- Weiterhin gibt es einige Sachen, die ich mir beibringen möchte, so zum Beispiel das Schreiben mit zehn Fingern, Programmieren mit Java (das ich sowieso fürs Studium brauchen werde) oder eine neue Fremdsprache, aber ich fange immer mal wieder an und höre dann genauso schnell wieder auf.

- Ich versuche, künstliche Nahrungsmittel zu vermeiden, aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen, weil ich gegen Massentierhaltung und zu viel Chemie in Lebensmitteln bin und außerdem gerne meinen Plastikverbrauch reduzieren würde, greife aber trotzdem ziemlich häufig zur Kekspackung im Supermarktregal.

Das alles macht mich manchmal unfassbar wütend auf mich selbst. Wie kann es denn sein, dass ich manchmal für die einfachsten Dinge im Leben (Kochen, das Zimmer kehren, aufstehen..) nicht die Energie aufbringe? Es ist außerdem ein bisschen traurig, da ich dadurch in allem nur mittelmäßig bin, sonst würde ich inzwischen vielleicht Wettschwimmen machen oder Mitglied einer Volleyballmannschaft sein. Außerdem ist es ziemlich nervig, Dinge immer auf den letzten Drücker zu machen - ich weiß das, schiebe aber trotzdem alles vor mir her.

Regelmäßig bekomme ich ein schlechtes Gewissen wegen all der Dinge, die ich nicht mache, so zum Beispiel versuche ich seit mehreren Wochen Postkarten zu schreiben, eine Sache von ner halben Stunde, aber ich krieg’s nicht auf die Reihe. Und manchmal bleibe ich einfach im Bett und schaue Filme, anstatt mich mit meinen Freunden zu treffen, obwohl ich mir jedes mal vornehme, mehr unter Menschen zu gehen.

Ist das normal? Welche Ursachen könnte dieses Verhalten haben? Was kann ich gegen dieses Gefühl des Scheiterns tun? Wie kann ich es ändern? Kann ja schlecht so bleiben, da ich ja nächstes Jahr mit dem Studium anfange und dann wohl kaum viel Zeit fürs Nichtbeenden von Projekten haben werde.

Danke für eure Ratschläge :)

Antworten
mqon dB+steKrnxe


Welche Ursachen könnte dieses Verhalten haben?

Ganz allgemein sind die Ursachen von Verhalten das Denken, das Fühlen und der Charakter. So ist zumindest mein Menschenbild.

Wenn Du den konkreten Ursachen bei Dir auf den Grund gehen möchtest, könnte ich mir deshalb vorstellen, es wäre sinnvoll, wenn Du Dich damit auseinandersetzt, was Du für eine Mensch bist, wie Du denkst, wie Du fühlst und was für einen Charakter Du hast.

Wenn Du willst, können wir im Rahmen dieser Diskussion eventuell ein paar Schritte in dieser Richtung machen.

Ist das normal?

Ich finde das alles nicht wirklich normal. Leider ist es heute jedoch sehr verbreitet. Ein Grund sich Sorgen zu machen ist es nicht. Da Du darunter leidest, wäre es jedoch schön, wenn Du etwas an Deiner Einstellung verändern könntest. Einfach ist das allerdings nicht.

Wie kann ich es ändern? Kann ja schlecht so bleiben, da ich ja nächstes Jahr mit dem Studium anfange und dann wohl kaum viel Zeit fürs Nichtbeenden von Projekten haben werde.

Ich halte es ehrlich gesagt nicht für realistisch, innerhalb von einem Jahr etwas daran zu ändern. Es haben sich schon viele mit derartigen Einschränkungen irgendwie durch's Studium gemogelt. Das ist natürlich bitter. Aber ich könnte mir vorstellen, auch Dir wird ein derartiges Schicksal nicht erspart bleiben.

Es könnte natürlich auch sein, Du hast Glück und es passiert ein Wunder.

@:)

L!aruxbia


@ mond+sterne

Danke für die sachliche und ausführliche Antwort! :-)

Wenn Du willst, können wir im Rahmen dieser Diskussion eventuell ein paar Schritte in dieser Richtung machen.

Das fände ich toll, vielleicht hilft es mir weiter. Liebend gerne also!

Ich halte es ehrlich gesagt nicht für realistisch, innerhalb von einem Jahr etwas daran zu ändern. Es haben sich schon viele mit derartigen Einschränkungen irgendwie durch's Studium gemogelt.

Das wäre wirklich ein Wunder (an die ich nicht glaube), wenn ich das so schnell ändern würde. Aber bis Ende des Studiums wäre schon toll. Mich dadurch mogeln werde ich glaub ich auch nicht, denn wenn ich merke, dass etwas nicht gut läuft, dann mach ich schon was. Für Physik z.B. habe ich vor jeder Klausur gelernt nachdem ich dort eine 3 geschrieben hatte.

Trotzdem würde ich gerne von dieser absolut schlechten Angewohnheit des Aufschiebens wegkommen.

E/hemalixger Nu2tz$er (#5_744x13)


Mir gings mit 19 nicht anders, war schon immer ein fürchterlicher Chaot und hab mit großer Begeisterung immer wieder neue Projekte begonnen ohne die alten zu beenden. Jetzt bist du erwachsen und musst lernen für dich zu sorgen und dir selbst mal ein paar Arschtritte geben. Mir haben Terminkalender und Post Its sehr geholfen um das Chaos in meinem Kopf etwas zu ordnen und mir etwas Druck zu geben. Ansonsten habe ich sehr gerne Zeit mit dem Zerdenken von Projekten verbracht, über das Schreiben von Postkarten kann man immerhin sich Monate den Kopf zerbrechen.

Versuch dir Dinge die du bewusst aufgeschoben hast mal aufzuschreiben. Du wirkst sehr reflektiert, also sollte das kein großes Problem sein. Bei mir war das ein super Mittel um endlich mal die nötige Selbstdisziplin zu erlangen. Ist übrigens auch viel schöner eine Sache gut abzuschließen als unglücklich mit 5 neuen Ideen in den Wolken zu hängen.

mFond+2sterne


Das fände ich toll, vielleicht hilft es mir weiter. Liebend gerne also!

Ok, dann schreibe ich zunächst einige Dinge zu Deinem Charakter, wie ich sie aus Deinem Eingangspost herausgelesen habe.

Du bist begeisterungsfähig. Du kannst Dich für viele Dinge aus den unterschiedlichsten Dingen begeistern. Im sportlichen Bereich hast Du Dich beispielsweise eine Zeit lang für Tischtennis begeistert.

Aber Du kannst Dich auch für intellektuelle Dinge begeistern und hast schon dementsprechend viele Bücher gelesen.

...

...

Also, Du bist sehr begeisterungsfähig. Aber die Begeisterung ist auch schnell wieder vorbei. Ich habe den Eindruck, Du bist jetzt in einer Phase, wo Du Dich gerade für nichts so richtig begeistern kannst.

Damit bin ich bei einem Wesenszug von Dir, den ich noch nicht kenne. Was ist es, was die Begeisterung wieder verfliegen lässt?

Mir fallen einige Möglichkeiten dazu ein. Aber weil ich Dich nicht beeinflussen möchte, stelle ich die Frage offen.

Soweit erstmal

:)D

L ar;ubxia


@ Suppenfleisch

Haha, dann bin ich ja zumindest schonmal nicht die Einzige, der das so geht :-D

Ja, du hast recht. Aufschreiben hilft. Wenn ich einen produktiven Energieschub habe, schreibe ich mir immer To-Do-Listen und arbeite sie dann auch überwiegend komplett ab. Sie sind ganz praktisch um einen Anfangspunkt zu finden und die Gedanken zu ordnen...aber eben nur, wenn ich irgendwie motiviert bin. Wenn nicht, dann ignoriere ich sie einfach ^^

Vielleicht sollte ich mir öfters welche schreiben, danke für den Tipp!

L3arubxia


@ mond+sterne

Ja, das stimmt schon. Ich konnte mich zum Beispiel nie für ein Lieblingsfach entscheiden, oder für ein Lieblingsbuch/-gericht/-spiel, etc.

Vielleicht ist es gerade das: Es gibt ziemlich viel, was ich gerne machen/können würde, sodass ich mich keiner Sache richtig verschreibe.

Nebenbei kann ich ziemlich perfektionistisch sein und stelle ziemlich hohe Anforderungen an mich selbst (etwas, das mein Vater wohl an mich weitergegeben hat. Früher war ich selbst als Klassenbeste noch nicht gut genug.), manchmal habe ich also Angst ein Projekt abzuschließen, wenn möglicherweise noch Fehler drin sind.

Interesse verliere ich glaube ich auch, wenn ich keine schnellen Erfolge sehe. Da ich in der Schule immer so nebenbei gelernt habe, durch Zuhören im Unterricht, ist es jetzt ungewohnt zu sehen, wieviel Zeit ich in etwas stecken muss, um etwas zu wiederholen und zu lernen. Realistisch betrachtet ist es logisch, dass ich eine neue Sprache nicht an einem Tag lernen kann, aber es "frustriert" mich trotzdem - unterbewusst.

Beim Tischtennis im Speziellen hing der Verlust an Interesse auch mit den Leuten aus dem Verein zusammen. Von Anfang an war ich eine der wenigen Mädchen im Verein und erst in den letzten Jahren haben ein Trainer und ich zusammen eine Mädchen-/Damenmannschaft aufgestellt. Problem war nur die mangelnde Unterstützung vom (männlichen) Vorstand und der anderen (männlichen) Mannschaften, die immer wieder die Überzeugung geäußert haben, dass ein Mädchen nie so gut werden kann wie ein Junge.

Ich bin offen für konstruktive Kritik und begrüße sie sogar, aber wenn mir jemand das Gefühl gibt, dass ich keine Chance auf Verbesserung oder Erfolg habe, zweifele ich sehr schnell an mir selbst und gebe auf.

ERhemaliwger Nutzwer1 (#5_7441x3)


Hol dir am besten noch eine Pinnwand, auf welche du dir alle wichtigen Erledigungen und wünschte draufpinnst. Hab eine an der Wand wo mein Schreibtisch steht aufgehangen und bekomme dadurch dann doch öfter mal ein schlechtes Gewissen und verhindere so super meine chronische Aufschieberei.

Und sobald man den Arsch doch regelmäßig hochbekommt wird man durch die Früchte seiner Arbeit sehr belohnt. Das wird schon :)

LLarubixa


@ Suppenfleisch

Das ist eine gute Idee!

Danke für die vielen nützlichen Anregungen, die machen Hoffnung :)

mWondH+stersne


Du hast einen langen an mich gerichteten Beitrag geschrieben. Aber ich bekomme auch gerade den Arsch nicht hoch, um da näher drauf einzugehen.

Muss ich natürlich auch nicht. Ich schreib hier ja freiwillig.

Alles Gute für Dich.

@:)

T#änzexr46


manchmal habe ich also Angst ein Projekt abzuschließen, wenn möglicherweise noch Fehler drin sind.

aber wenn mir jemand das Gefühl gibt, dass ich keine Chance auf Verbesserung oder Erfolg habe, zweifele ich sehr schnell an mir selbst und gebe auf.

Also ich könnte mir vorstellen, dass du erfolgreicher etwas auch zum Ende bringst, wenn du a) die Erwartung an das Ergebnis zurückschraubst und b) in jedem Ergebnis den Erfolg zu sehen lernst. - Ich könnte mir vorstellen, dass es das ist, was dich vor dem Abschluß von irgendwas abhält... die Vorstellung: "Das Ergebnis wird nicht gut genug sein"... mit der Folge, dass es dann eben gar nicht erst fertig wird. - Versuch einmal nicht das Ergebnis als Abschlus eines Projekts zu sehen, sondern den Abschluss selbst -egal mit welchem Ergebnis. Setze dich nicht selbst unter solchen Erfolgsdruck - dann wird auch die Motivation wieder besser werden, davon bin ich überzeugt.

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