» »

Über das Wesen von Unzufriedenheit

Efl Pin^toVr hat die Diskussion gestartet


Hallo Forengemeinde,

nun ich würde gerne im folgenden einige (eigene) Gedanken loswerden bezüglich zu Fragen welche die eigene Unzufriedenheit betreffen. Wie entsteht innere Unzufriedenheit und was meint die Ratgeberliteratur dazu wie man damit umgehen sollte. Darüber hinaus noch die Frage, ob wir nicht dazu verdammt ewig Unzufrieden zu sein.

Im Grunde genommen ensteht ein Gefühl der Unzufriedenheit immer dann wenn die Wirklichkeit den Erwartungen hinterhinkt. Man kann das auch allgemein als Ist/Sollwert Differenz ausdrücken. Der Ist-Wert ist durch die unmittelbare Umgebung chrakterisiert, das Hier und Jetzt eben. Soll Zustände können inhaltlich ganz vielfältig sein. Logischerweise liegen sie in der Zukunft und beinhalten das Mögliche, eben das was noch kommen vermag. Sie erzeugen im Individuum eine Spannung und motivieren ihn in der Regel dazu sich aktiv auf diesen Soll-Zustand hinzubewegen. Über das Maß der Enttäuschungen oder Unzufriedenheit entscheidet Lücke zwischen Ist und Soll. Diese entsteht folglich dann wenn a) der Sollzustand nicht erreicht wurde oder b) der Sollzustand formal erreicht wurde dieser aber nicht den Erwartungen entspricht. Nun welche Möglichkeiten bieten sich nun aus dieser recht unangenehmen Situation zu entkommen? Zunächst natürlich die Ursachenforschung: War im Falle von a) der Sollzustand unrealistisch hoch oder habe ich mich nur zu wenig hinbewegt auf diesen Zustand? Also gibt es folglich drei Möglichkeiten, 1. ich bemühe mich weiterhin um den Sollzustand, laufe aber Gefahr ihn nie zu erreichen oder in b) zu münden oder 2. ich schraube den Sollzustand eben runter ("Wer keine Erwartungen hat kann ich auch nicht enttäuscht werden")

Eine Lösung die mir auch nicht gerade zufriedenstellend erscheint. Eine Lösung die aber vielfach propagiert wird. Wenn ich alles so akzeptiere wie gerade ist, welchen Antrieb sollte ich dann haben einen Sollzustand anzustreben. Wenn ich alles akzeptiere und mich damit abfinde kommt das einer Resignation gleich.

Die dritte Möglichkeit wäre in der Situation zu verharren. Man leidet und leidet und lässt es gewissermaßen über sich ergehen.

Nun die Diskussion, was habt ihr für Strategien gefunden, die nicht zu oben genannten Problemen führen?

viele Grüße

Antworten
Kcleio


El Pintor

nun ich würde gerne im folgenden einige (eigene) Gedanken loswerden bezüglich zu Fragen welche die eigene Unzufriedenheit betreffen. Wie entsteht innere Unzufriedenheit und was meint die Ratgeberliteratur dazu wie man damit umgehen sollte. Darüber hinaus noch die Frage, ob wir nicht dazu verdammt ewig Unzufrieden zu sein.

Keine Ahnung. Ich habe mir immer Strategien gesucht, die auch meinem Naturell entsprechen. Allerdings denke ich, dass auch eine gewisse Zufriedenheit meinem Naturell entspricht. Ich war nie jemand, die irgendwie alles wollte, genauso bin ich auch vom Naturell sehr lebensfroh.

Im Grunde genommen ensteht ein Gefühl der Unzufriedenheit immer dann wenn die Wirklichkeit den Erwartungen hinterhinkt. Man kann das auch allgemein als Ist/Sollwert Differenz ausdrücken. Der Ist-Wert ist durch die unmittelbare Umgebung chrakterisiert, das Hier und Jetzt eben.

Meiner Ansicht nach entsteht sie mit dem Vergleich und der Bewertung des Ergebnisses.

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.

Søren Aabye Kierkegaard

Auch entsteht sie schon, durch falsche Annahmen. Was ist denn der Istzustand? Was der Sollzustand? Wie komme ich auf die Idee, dass der Istzustand und/oder der Sollzustand, korrekt sind?

Soll Zustände können inhaltlich ganz vielfältig sein. Logischerweise liegen sie in der Zukunft und beinhalten das Mögliche, eben das was noch kommen vermag. Sie erzeugen im Individuum eine Spannung und motivieren ihn in der Regel dazu sich aktiv auf diesen Soll-Zustand hinzubewegen. Über das Maß der Enttäuschungen oder Unzufriedenheit entscheidet Lücke zwischen Ist und Soll.

Vor allem aber, dass man ständig dem Sollzustand hinterherhängt, anstatt die Gegenwart zu genießen und das wahrzunehmen, was ist.

Diese entsteht folglich dann wenn a) der Sollzustand nicht erreicht wurde oder b) der Sollzustand formal erreicht wurde dieser aber nicht den Erwartungen entspricht.

Naja, wenn man sich nicht kennt und gar nicht weiß, womit man zufrieden ist, dann ist man gar nicht in der Lage eine realistische Erwartungshaltung aufzubauen. Wenn ich ständig nur jene Dinge sehe, die nicht sind, ständig herumkritisiere, dann steigere ich meine Unzufriedenheit, meine Wut, etc. Sehe ich, was ich habe, was mir gefällt, was mich berührt, bin ich zufrieden. Mit welcher Einstellung ich in den Tag gehe, entscheide ich.

Nun welche Möglichkeiten bieten sich nun aus dieser recht unangenehmen Situation zu entkommen?

Gar nicht erst so eine Situation für sich zu schaffen bzw. sich bewusst zu entscheiden, worauf ich wie viel Zeit verwende und mit welchen Situationen ich unzufrieden sein will.

Zunächst natürlich die Ursachenforschung: War im Falle von a) der Sollzustand unrealistisch hoch oder habe ich mich nur zu wenig hinbewegt auf diesen Zustand? Also gibt es folglich drei Möglichkeiten, 1. ich bemühe mich weiterhin um den Sollzustand, laufe aber Gefahr ihn nie zu erreichen oder in b) zu münden oder

Es gibt nichts zu erreichen.

2. ich schraube den Sollzustand eben runter ("Wer keine Erwartungen hat kann ich auch nicht enttäuscht werden")

Es gibt einen Unterschied zwischen unrealistischen und realistischen Erwartungen. Wenn ich unrealistische Erwartungen aufstelle, täusche ich mich, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn sie realistisch sind, dann gibt es keine Täuschung. Dann kann ich mir auch vertrauen.

Eine Lösung die mir auch nicht gerade zufriedenstellend erscheint. Eine Lösung die aber vielfach propagiert wird.

Zufrieden zu sein bedeutet für mich, damit zufrieden zu sein, was realistisch machbar ist, vor allem aber bedeutet es, nicht mehr zu wollen, als machbar ist. Das ist aber nur ein Teil – eher der kleinere. Der größere ist einfach damit zufrieden zu sein, was ich heute und jetzt habe, mich daran zu erfreuen und es zu genießen.

Wenn ich alles so akzeptiere wie gerade ist, welchen Antrieb sollte ich dann haben einen Sollzustand anzustreben. Wenn ich alles akzeptiere und mich damit abfinde kommt das einer Resignation gleich.

Wie soll denn das Nichtabfinden und Nichtakzeptieren ausschauen? Es bleibt ja trotzdem, wie es ist. Das heißt, ich rege mich nur unnütz auf, bzw. schade nur mir selbst. Also eine meiner Strategien:

Gott, gib mir die Gelassenheit,

Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Das hießt also, das, was ich für mich als gut und das, was ich für mich als schlecht bewerte, auf eine neutrale/gleichwertige/wertfreie Ebene zu stellen – Gleichmütig gegenüber Dingen zu sein. Meine Motivation hat das noch nie beeinflusst. Allerdings arbeite ich noch an meiner Gleichmut. :-)

Die dritte Möglichkeit wäre in der Situation zu verharren. Man leidet und leidet und lässt es gewissermaßen über sich ergehen.

Es gibt keine Situation, die ich über mich ergehen lasse, es sei denn, ich gehe mit dieser Einstellung in den Tag. Ob ich leide oder nicht, ist meine Entscheidung.

Nun die Diskussion, was habt ihr für Strategien gefunden, die nicht zu oben genannten Problemen führen?

Zwei habe ich schon erwähnt, hier noch eine wichtige:

Selig sind jene, die über sich selbst lachen können, denn sie werden immer genug Unterhaltung haben.

L*ewiaxn


Ich stolpere ueber das Wort "Sollzustand". Dieses Wort drueckt fuer mich aus, dass man dem Leben die Freiheit nicht geben mag, so unvorhersehbar zu sein, wie es aber nunmal ist.

Ich denke, man kann schon versuchen, aktiv zu handeln und das Leben zu gestalten, aber um nicht staendig enttaeuscht zu werden, muss man offen dafuer sein, dass es oft anders laeuft als geplant. Und dann braucht man Flexibilitaet, um damit umzugehen.

Manche Leute nehmen es als spannende Herausforderung, wenn so etwas passiert; sie ziehen Zufriedenhait aus ihren Moeglichkeiten, flexibel zu reagieren und Vorstellungen zu entwickeln und zu veraendern.

Krlexio


Lewian

Ich denke, man kann schon versuchen, aktiv zu handeln und das Leben zu gestalten, aber um nicht staendig enttaeuscht zu werden, muss man offen dafuer sein, dass es oft anders laeuft als geplant. Und dann braucht man Flexibilitaet, um damit umzugehen.

Ein Wahres Wort. Es ergeben sich im Leben oft Wege, die geradezu einladen und durch diese eigene vorgefasste Meinung, dass es der Weg nicht sein soll/kann/darf, geht man ihn nicht. Auch so ein Vorurteil und ich spreche nur über mich. :-D Wenn man dieses Sollergebnis loslässt, kann es passieren, dass es plötzlich ganz anders läuft und eigentlich viel besser, als man es sich in seinem "Soll" vorgestellt hat. ;-D

Ich denke aber trotzdem auch, dass das auch mit eine Veranlagung ist, aber auch sicher viel Vorurteil.

Manche Leute nehmen es als spannende Herausforderung, wenn so etwas passiert; sie ziehen Zufriedenhait aus ihren Moeglichkeiten, flexibel zu reagieren und Vorstellungen zu entwickeln und zu veraendern.

Kinder z. B. Die können das noch ganz gut. :-)

E<l Pin1tgor


Meiner Ansicht nach entsteht sie mit dem Vergleich und der Bewertung des Ergebnisses.

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.

Søren Aabye Kierkegaard

Auch entsteht sie schon, durch falsche Annahmen. Was ist denn der Istzustand? Was der Sollzustand?

Ich glaube Kierkegaard bezieht sich da eher auf interindividuelle Vergleiche. Nun jeder Mensch der irgendwie an der Gesellschaft teilnehmen will gerät unweigerlich in diesen ist/soll Zustand da die Teilhabe nunmal an bestimmte Normen, Bedingungen, Regeln bzw. Pflichten geknüpft ist. Das schlüpfen in soziale Rollen (Berufe) ist an Bedingungen geknüpft. Also beispielsweise wenn jemand Arzt werden will muss derjenige ein Studium absolvieren, Klausuren ablegen usw. Der Sollzustand wird eben in diesem Falle ganz klar von Außen also von der Gesellschaft vorgegeben Von einem Arzt wird dies und jenes erwartet. Natürlich kann ich auch Ist/Soll-Wert Diskrepanzen im privaten kreiieren. Weniger Rauchen etc. Genaugenommen stellt jede willentliche Veränderung einen so eine Diskrepanz dar.

Wie komme ich auf die Idee, dass der Istzustand und/oder der Sollzustand, korrekt sind?

Was meinst du mit korrekt? Korrekt im wahrhaftigen Sinne oder korrekt für mich, im Sinne von das richtige für mich?

Gott, gib mir die Gelassenheit,//

Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

//und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Schau dieser Aphorismus bringt es doch genau auf den Punkt. Er bringt eben jene Unschärfen zum Ausdruck die der Problematik zu Grunde liegen. Diese Weisheit von der hier die Rede ist ist wohl ein Ideal, mehr nicht. Woher will ich denn wissen was in meiner Macht liegt und was nicht? Durch Empirie, durch Wahrscheinlichkeiten? Nehmen wir ein Beispiel aus dem Bereich des Fussballs. Wenn in Dfb-Pokal viertklassige Teams gegen Bundesligisten antreten ist die Chance auf dem Papier das Spiel zu gewinnen meist sehr gering. Formal haben sie eine Chance auf den Sieg. War das gegnerische Team im Falle einer Niederlage einfach zu stark oder hat man nicht genug gekämpft, also hat die "Einstellung" nicht gepasst. Du siehst es ist eben nicht so einfach zu bestimmen welche Dinge veränderbar sind und welche nicht. Das ist nicht Trennscharf. Genauso ist der Begriff Realität eben schwammig.

Es gibt keine Situation, die ich über mich ergehen lasse, es sei denn, ich gehe mit dieser Einstellung in den Tag. Ob ich leide oder nicht, ist meine Entscheidung.

Ja das ist ja das Mantra der Verhaltenstherapie. Ich finde diesem Spruch immer etwas perfide, wenn man ihn an Opfer von Vergewaltugungen oder Hungerenden Kindern anwendet.

Ich stolpere ueber das Wort "Sollzustand". Dieses Wort drueckt fuer mich aus, dass man dem Leben die Freiheit nicht geben mag, so unvorhersehbar zu sein, wie es aber nunmal ist.

Ich denke, man kann schon versuchen, aktiv zu handeln und das Leben zu gestalten, aber um nicht staendig enttaeuscht zu werden, muss man offen dafuer sein, dass es oft anders laeuft als geplant. Und dann braucht man Flexibilitaet, um damit umzugehen.

Manche Leute nehmen es als spannende Herausforderung, wenn so etwas passiert; sie ziehen Zufriedenhait aus ihren Moeglichkeiten, flexibel zu reagieren und Vorstellungen zu entwickeln und zu veraendern.

Nun wenn ich so lebe bin ich immer nur Sklave wechselnder Umweltbedingungen. Also wenn ich zb. Arbeitsplatz bedingt durch einen Umzug meinen Freundeskreis verliere entseht ein Sollzustand (Bedürfnisbedingt). Ich sehe mich also gezwungen darauf in der Weise zu reagieren wie ich es eingangs erwähnt habe mit den Problematiken.

K1leixo


El Pintor

Ich glaube Kierkegaard bezieht sich da eher auf interindividuelle Vergleiche. Nun jeder Mensch der irgendwie an der Gesellschaft teilnehmen will gerät unweigerlich in diesen ist/soll Zustand da die Teilhabe nunmal an bestimmte Normen, Bedingungen, Regeln bzw. Pflichten geknüpft ist. Das schlüpfen in soziale Rollen (Berufe) ist an Bedingungen geknüpft. Also beispielsweise wenn jemand Arzt werden will muss derjenige ein Studium absolvieren, Klausuren ablegen usw. Der Sollzustand wird eben in diesem Falle ganz klar von Außen also von der Gesellschaft vorgegeben Von einem Arzt wird dies und jenes erwartet.

Deswegen sagt der Satz ja auch nicht ganz aus, was ich meine Ich schicke voraus, dass ich die Sätze zitiert habe, weil sie aus meiner Sicht einfach das aussagen, wie ich es sehe. Sie wurden nur schon einmal formuliert... Ich erwähnte ja, dass es die Bewertung ist, die zur Unzufriedenheit führt. Das Vergleichen alleine führt noch nicht zur Unzufriedenheit. Erwartungen anderer sind für mich sekundär. Für die bin ich nicht verantwortlich.

Natürlich kann ich auch Ist/Soll-Wert Diskrepanzen im privaten kreiieren. Weniger Rauchen etc. Genaugenommen stellt jede willentliche Veränderung einen so eine Diskrepanz dar.

Genau, insofern finde ich es sehr wichtig für mich etwas zu wollen, was auch realisierbar ist. Will ich rauchen, rauche ich. Will ich nicht rauchen, rauche ich nicht.

Was meinst du mit korrekt? Korrekt im wahrhaftigen Sinne oder korrekt für mich, im Sinne von das richtige für mich?

Ich meine korrekt im Sinne von realistisch und abgezielt auf meine Bedürfnisse. Gehe ich von falschen Annahmen aus, wird mein Sollzustand nicht realisierbar sein.

Schau dieser Aphorismus bringt es doch genau auf den Punkt. Er bringt eben jene Unschärfen zum Ausdruck die der Problematik zu Grunde liegen. Diese Weisheit von der hier die Rede ist ist wohl ein Ideal, mehr nicht. Woher will ich denn wissen was in meiner Macht liegt und was nicht?

Indem ich mich gut kenne.

Durch Empirie, durch Wahrscheinlichkeiten? Nehmen wir ein Beispiel aus dem Bereich des Fussballs. Wenn in Dfb-Pokal viertklassige Teams gegen Bundesligisten antreten ist die Chance auf dem Papier das Spiel zu gewinnen meist sehr gering. Formal haben sie eine Chance auf den Sieg. War das gegnerische Team im Falle einer Niederlage einfach zu stark oder hat man nicht genug gekämpft, also hat die "Einstellung" nicht gepasst. Du siehst es ist eben nicht so einfach zu bestimmen welche Dinge veränderbar sind und welche nicht. Das ist nicht Trennscharf. Genauso ist der Begriff Realität eben schwammig.

Da geht es um ein Team, was aus Einzelsicht gleich viele unbekannte Xe bedeutet, weil eine Schätzung herangezogen werden muss, wenn man unbedingt Hellsehen will, also voraussagen, wer gewinnen wird. Ich finde solche Denkaufgaben zwar spannend, aber irrelevant.

Ich kann nur sagen, wie ich in einem Team vorgehe. Ich gebe mein bestes und habe auch nicht das Ziel zu gewinnen, wenn es auch ein Wunsch wäre, gut zu spielen. Es hängt eben davon ab, welche Tagesverfassung ich und meine Teammitglieder haben und das gegnerische Team. Trotzdem bin ich da ein schlechtes Beispiel, weil mir überhaupt nichts am "gewinnen" liegt. Ich spiele, weil es mir Freude macht und nicht um zu gewinnen. Ist auch so eine Veranlagung.

Ja das ist ja das Mantra der Verhaltenstherapie. Ich finde diesem Spruch immer etwas perfide, wenn man ihn an Opfer von Vergewaltugungen oder Hungerenden Kindern anwendet.

Ich sehe da keinen Zusammenhang zwischen Opfer und hungernden Kindern. Ob ich mich als Opfer sehe, liegt an meiner Einstellung. Ob ich hungere, an meinem Magen. Wenn ich Hunger habe, habe ich Hunger. Deswegen kann ich immer noch zufrieden sein. Ein Kind ist da ein schlechtes Beispiel, weil es ja noch kein Selbstbewusstsein hat. Es ist aber nicht automatisch gesagt, dass hungernde Kinder unzufrieden sind. Sie haben hunger.

Nun wenn ich so lebe bin ich immer nur Sklave wechselnder Umweltbedingungen. Also wenn ich zb. Arbeitsplatz bedingt durch einen Umzug meinen Freundeskreis verliere entseht ein Sollzustand (Bedürfnisbedingt). Ich sehe mich also gezwungen darauf in der Weise zu reagieren wie ich es eingangs erwähnt habe mit den Problematiken.

Das heißt ja nicht automatisch, dass ich auch unzufrieden werde. Ich kann doch zufrieden seine, auch wenn etwas nicht so läuft, wie ich mir das wünschen würde. Zufriedenheit ist ein Zustand, der nur an mir liegt. Von je mehr Dingen ich meine Zufriedenheit abhängig mache, umso ungewisser wird es, dass ich diesen Zustand behalte. Ich kann sagen: Das ist ne Scheißsituation und trotzdem zufrieden sein. Wenn ich meine Zufriedenheit von einen Sollzustand abhängig mache, dass die Welt so ist, wie ich sie will, Menschen so sind, wie ich will, Situationen, etc. – damit mache ich mich ganz sicher unzufrieden. Ich sage auch nicht, dass ich das immer schaffe, diese Einstellung zu haben, aber auch das ist dann meine Entscheidung.

Ging übrigens vor kurzem um genau dassebe Thema:

[[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/719640/]]

Ohne wirkliches Ziel

LcewAiaxn


El Pintor

Nun wenn ich so lebe bin ich immer nur Sklave wechselnder Umweltbedingungen.

Nein, Sklave bist du nicht. Du kannst kreativ sein und hast viele Moeglichkeiten. Allerdings hast du nicht die volle Kontrolle. Du kannst nicht festlegen, was passieren wird (und auch nicht, wie du dich fuehlen wirst).

Das ist ja schon gekommen hier, auch von Kleio, und von dir schon diskutiert, dass man einiges bewusst beeinflussen und aendern kann, aber anderes auch nicht, und dass nicht immer so ganz klar ist, im Vorhinein, was veraenderbar ist und was nicht. Man probiert Dinge aus und manchmal hat man Erfolg, manchmal auch nicht, und manchmal tauchen neue unerwartete Moeglichkeiten auf, die man gar nicht auf der Rechnung hatte. Damit umzugehen ist grundsaetzlich ein kreativer Prozess, den man auch reizvoll finden kann. Es muss nicht die Quelle von Unzufriedenheit sein.

Wenn ich meine Zufriedenheit von einen Sollzustand abhängig mache, dass die Welt so ist, wie ich sie will, Menschen so sind, wie ich will, Situationen, etc. – damit mache ich mich ganz sicher unzufrieden.

Das trifft es sehr gut, finde ich.

EOl KPintoxr


Erwartungen anderer sind für mich sekundär. Für die bin ich nicht verantwortlich.

So einfach geht das natürlich nicht ;-). Wie gesagt wenn du Teil einer Gruppe sein willst ist das an bestimmte Bedingungen und Erwartungen geknüpft, von denen du dich nicht einfach freisprechen kannst. Im Extremfall droht die Isolation. Das ist ein Irrglaube zu meinen man sei nicht von anderen abhängig. Wenn du alleine im Wald lebst bist du womöglich autark und unabhängig wobei du eben auch emotional abhängig von anderen bist und ohne deren Zuwendung wirst du nicht überleben.

Da geht es um ein Team, was aus Einzelsicht gleich viele unbekannte Xe bedeutet, weil eine Schätzung herangezogen werden muss, wenn man unbedingt Hellsehen will, also voraussagen, wer gewinnen wird. Ich finde solche Denkaufgaben zwar spannend, aber irrelevant.

Ich wollte mit dem Beispiel lediglich illustrieren wie schwierig es ist eben den Anteil am "objektiv" Möglichen zu identifizieren. Da das Mögliche eben eine qualitative Größe, keine quantitative Größe darstellt. Spricht man beispielsweise von einem Potential von einem Menschen, dann ist überhaupt noch nicht klar wie hoch dieses tatsächlich ist. Selbstkenntnis indem Zusammenhang setzt natürlich voraus dass man die Frage "Wer bin ich" zweifelsfrei beantworten kann, was ein eigenes Problem an sich darstellt.

Ich sehe da keinen Zusammenhang zwischen Opfer und hungernden Kindern. Ob ich mich als Opfer sehe, liegt an meiner Einstellung. Ob ich hungere, an meinem Magen. Wenn ich Hunger habe, habe ich Hunger. Deswegen kann ich immer noch zufrieden sein.

Wenn der Hungerzustand ein befriedigender wäre, wären glaube ich alle Menschen längst tot ;-). Es gibt Dinge denke ich, die sind per se schlecht. Ein Hungergefühl zu erleiden ist schlecht, Mißbrauchopfer zu werden ist schlecht usw. Genauso gibt es Dinge die sind insich Gut. D.h. es ist keine Einstellungssache wie behauptet wird. Es ist nicht die Sicht der Dinge die uns beunruhigen sondern es sind die Dinge selbst, um Epiktets Spruch abzuwandeln.

Wenn ich meine Zufriedenheit von einen Sollzustand abhängig mache, dass die Welt so ist, wie ich sie will, Menschen so sind, wie ich will, Situationen, etc. – damit mache ich mich ganz sicher unzufrieden.

Was propagierst du dann? Soll ich meinen Willen, meine Begierden, Wünsche, Sehnsüchte, Träume soweit mundtot machen dass ich es ertrage wenn sie nicht in Erfüllung gehen werden? Nehmen wir zur Veranschaulichung einen Absoluten Beginner. So werden jene Menschen bezeichnet die noch nie Sex hatten. Gehen wir von dem Fall aus diese Menschen wollen eigentlich Sex haben aber haben es aus diversen Gründen eben noch nicht fertig gebracht. In Ihnen schlummert ein Bedürfnis, eine Neugier, ein Verlangen welches nicht befriedigt wird.Das löst sicherlich Unzufriedenheit aus. Was sollen diese Menschen nun machen? Deine Lösung wäre von dem Wunsch abzusehen, sie sollen versuchen sich Ihre Neugier und Begierde auszureden. Ich glaube das würde vielleicht irgendwie funktionieren, aber das würde bei den Betroffenen sicherlich einen faden Nachgeschmack nach sich ziehen. Wirklich zufrieden wären diese Leute erst dann wenn sie Ihr Bedürfnis befriedigen könnten. Man kann Emotionen nicht beliebig rationalisieren. Sag mal jemand der Liebeskummer hat, das sei alles gar nicht so schlimm.

v.ampi~rellxa75


Ich glaube die Wurzel der Unzufriedenheit vieler Menschen liegt in Neid und Missgunst.

Eine Freundin hat mir von einem Experiment erzählt, dessen Ergebnis so derartig passt, dass ich aber gerade leider nicht belegen kann: Menschen wurden 5.000 Euro angeboten, Cash sofort ... einzige Bedingung: wenn man das annimmt, bekommt der Nachbar 10.000, woraufhin 2/3 kein Geld wollten.

Sprich, die Unzufriedenheit kommt aus diesem bekloppten ' mein Auto, mein Haus, mein Boot" Ding.

Deswegen sind arme Menschen in armen Ländern auch meist zufriedener *:)

j6uszt_lowoYkixng?


Vampirella, unzufrieden wäre ich erst dann, wenn ich herausfinde, dass ich die 5.000 nicht bekomme weil das nur ein Test war ;-)

Allgemein, ich versuche immer was Positives zu suchen, und mag es noch so klein sein. Da kann der Tag lang und besch*** gewesen sein, aber die Pizza vom Lieferdienst war lecker und ich musste nicht kochen.

Oder: ich hab keine Motivation irgendwas zu tun, immerhin kann ich mein Schlafdefizit aufholen.

Klingt vielleicht für manche doof, aber das empfinde ich schon als gut, und was soll ich mich darüber aufregen wie schlimm mein Tag war, war eben so und ändern geht nicht unbedingt. Aber deshalb muss ich mir nicht auch noch den Abend davon versauen lassen.

Klar, das sind jetzt kleine Beispiele, aber auch bei größeren Dingen gehts notfalls (mit mehr Kreativität). Single? Och, kannst am Wochenende einfach rumgammeln ohne wenn und aber,...

vRampireRllWa75


Danke, just looking? seh ich genau so.

Aber viele denken ja, man wäre grenzdebil mit so einer Einstellung. ;-D

jDust_IloFokinxg?


Kann sein, aber das sehe ich eben anders. So wie ich mich über die 5.000 freue, da ist die Freude über 10.000 bei anderen wahrscheinlich nicht mal größer, und selbst wenn sie größer wäre, who cares? Selbst wenn man sagen würde: Du bekommst 5.000, dein Nachbar eine Million, selbst das würde für mich keinen Unterschied machen, denn ich gewinne ja auch, und das nicht unbedingt zu knapp. (Böse gedacht, wenn ich meinen Nachbarn nicht mögen würde, dann würde der mit einer Million unter Umständen wegziehen, das Problem wäre also dann mit diesem einen Menschen persönlich vermutlich gelöst.)

LEaRuc+olxa


Unzufriedenheit ist doch biologisch/evolutionär sinnvoll - damit man dem Sollzustand hinterhertrottet und dabei quasi nebenbei die Dinge tut, von denen man sich Erfüllung erhofft (und die halt genau die sind, die man "biologisch sinnvollerweise tun sollte", sprich, für den eigenen Erhalt, die Zeugung des Nachwuchses und den Erhalt des Nachwuchses zu sorgen).

So gesehen sind wir biologische Roboter die darauf programmiert sind, möglichst optimal das Erbgut zu verbreiten. Um das und nix anderes dreht es sich. Unzufriedenheit ist dafür sinnvoll. Ob es einem subjektiv gut geht oder nicht, ist egal. Der Mechanismus des "theoretisch gut gehen könnens" dient nur dazu, die Motivation aufrechtzuerhalten.

Das klingt sicherlich furchtbar zynisch, scheint mir aber der Fall zu sein.

Ein Problem ist es ja nur, wenn die Unzufriedenheit zu groß wird (sprich, Depression).

Dazu hab ich allerdings auch eine (noch zynischere) These - wer zu doll bei "Sollerfüllung" versagt, hat keinen biologischen nutzen, und bekommt dann so miese Gefühle, dass er dazu geneigt ist, seinem Dasein selber ein Ende zu setzen (damit er, wenn er schon nix nützt, wengistens anderen, die das besser hinbekommen, nicht zur Last fällt).

Ich sehe in dem von kleio zitierten Gelassenheitsgebet auch fast alles was es so an therapeutischer Weisheit gibt in wenigen Zeilen vereint. Genau darum geht es.

@ kleio

Wie meinst Du das?

Es gibt nichts zu erreichen.

der Satz scheint mir sehr wichtig.

N}oytMich>aelCaxine


Wenn ich meine Zufriedenheit von einen Sollzustand abhängig mache, dass die Welt so ist, wie ich sie will, Menschen so sind, wie ich will, Situationen, etc. – damit mache ich mich ganz sicher unzufrieden.

Was propagierst du dann? Soll ich meinen Willen, meine Begierden, Wünsche, Sehnsüchte, Träume soweit mundtot machen dass ich es ertrage wenn sie nicht in Erfüllung gehen werden?

Das ist eine der zentralen Fragen, die in sämtlichen Fäden dieser Art immer wieder auftaucht. Diese Frage mal selbst richtig anzuschauen und zu verstehen warum sie eigentlich auf einem Paradoxon beruht kann der Schlüssel sein um sich von Unzufriedenheit zu verabschieden. Dazu hilft erst mal eine nüchterne und interessierte Haltung an sich selbst mit der man diese Frage betrachtet.

Welche Haltung Deinerseits steckt Deiner Meinung nach hinter dieser Frage?

Nicht das Grundgefühl -das ist einigermassen sichtbar: Ohnmacht, Verzweiflung, Ärger, Wut und so weiter - irgendetwas davon in unterschiedlicher Ausprägung je nachdem um welchen Wunsch, welche Begierde, welchen Traum und so weiter es geht.

Es geht wirklich um Deine Haltung! Welches Ziel hat diese Frage? Was erwartest Du zu hören? Was erwartest Du von anderen was sie Dir geben sollen um diese Frage tatsächlich für Dich konstruktiv beantworten zu können?

Wünsche, Traume, Sehnsüchte, Begierden sind zunächst ja positiv - sie geben uns zuerst ein positives Gefühl. Deshalb wollen wir die ja haben?! Sonst kämen wir nicht auf die Idee sie zu verfolgen?! Sie geben uns das positive Gefühl der Möglichkeiten, der Gestaltung, zukünftiger positver Gefühle und so weiter. Allein für diesen Part können wir dankbar sein, dass sie da sind. Das liegt in unserer Hand. Woher sonst nehmen wir unsere Handlungsrichtung? (siehe La Rucola)

Wenn der Hungerzustand ein befriedigender wäre, wären glaube ich alle Menschen längst tot ;-). Es gibt Dinge denke ich, die sind per se schlecht. Ein Hungergefühl zu erleiden ist schlecht,

Wenn ich am verhungern bin, weil ich wirklich nichts an der jetzigen Situation ändern kann ( ich steh in der Wüste und finde keine Maus zu Essen) ist das natürlich lebensbedrohlich dramatisch. Das unterscheidet sich stark von einer Situation in der ich Hunger habe, aber gerade weder in ein Restaurant noch an meinen Kühlschrank kann. Denke da sind wir uns einig. Wenn ich also in zweiter Situation so unzufrieden bin, wie in erster stimmt was mit meiner inneren Bewertungswelt nicht. Die habe aber nur ich selbst in der Hand. Niemand sonst.

Mißbrauchopfer zu werden ist schlecht usw. Genauso gibt es Dinge die sind insich Gut. D.h. es ist keine Einstellungssache wie behauptet wird. Es ist nicht die Sicht der Dinge die uns beunruhigen sondern es sind die Dinge selbst, um Epiktets Spruch abzuwandeln.

Die Dinge selbst sind:

Mein Körper benötigt Nahrung in einem bestimmten Umfang um gut zu funktionieren. Das variiert unterschiedlich von Mensch zu Mensch was die genaue Menge anlangt. Wenn es also um mich als Person gehen soll kann ich, um meine Zufriedenheit mit meinem Essverhalten zu erkennen nur mich und meinen Körper beobachten. Mein Zufriedenheitsgefühl hat ja sonst keiner?

Aber: Menschen, bei denen z.B. Zufriedenheit falsch verschaltet ist nämlich nicht: Körper ist gut funktionsfähig -> ich fühle mich zufrieden, sondern: Körper ist unter oder überversorgt -> ich fühle mich zufrieden haben früher oder später ein Problem der Über oder Unterversorgung, also mit der stofflichen Realität ihrer selbst.

Die Realität ist hier also: Zufriedenheit führt nicht automatisch zu den stofflich qualitativ richtigen Entscheidungen. Bei Menschen bei denen das falsch verschaltet ist kann das zu Fettsucht / Magersucht oder was auch immer führen. (Sucht)

In diesen Extremfällen ist offensichtlich, dass die Zufriedenheit der Faktor ist, der vom Betroffenen selbst aktiv geändert werden muss, indem der Betroffene früher oder später erkennt, dass der Körper elementare Dienste versagt.

Wozu ist das Zufriedenheitsgefühl also da, wenn es uns auch in die Irre führen kann? Und wer hat es in der Hand darauf so Einfluss zu nehmen, dass wir - in diesem Beispiel - eben nicht verhungern oder verfetten? Wer entscheidet einem Gefühl nachzugehen oder nicht? Und auf welcher Entscheidungsgrundlage?

Zusammengefasst ist die Ursprungsfrage : Wer übernimmt die Verantwortung für meine Gefühle und wie?

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz   © med1 Online Service GmbH