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Über das Wesen von Unzufriedenheit

EWl +Pintxor


Diese Frage mal selbst richtig anzuschauen und zu verstehen warum sie eigentlich auf einem Paradoxon beruht kann der Schlüssel sein um sich von Unzufriedenheit zu verabschieden. Dazu hilft erst mal eine nüchterne und interessierte Haltung an sich selbst mit der man diese Frage betrachtet.

Also du meinst vermutlich dass Ich Produzent dieser Wünsche, Begierden usw. bin und folglich auch nur ich selbst dafür verantwortlich gemacht werden kann bzw. in der Lage bin damit umzugehen. Das setzt eben ein Ich als Instanz voraus welches vollkommen frei und distanziert sich gegenüber jenen Wünschen verhält. Gewissermaßen eine Instanz welche ordnet, frei von Affekten. Die Existenz eines solchen ist aufjedenfall fraglich wenn man zum Beispiel bedenkt dass ca 90% aller tagtäglichen Entscheidungen unbewusst getroffen werden. Da habe ich so meine Zweifel mit der Freiheit.

Welche Haltung Deinerseits steckt Deiner Meinung nach hinter dieser Frage?

Meine Haltung gegenüber Gefühlen ist jene sie als wahr anzusehen und nicht zu leugnen oder sie gar rationalisieren zu wollen. Wenn ich das anerkenne bin ich zwar abhängig von Ihnen aber es entspräche sozusagen der wahren Natur des Menschen. Ich kann in diesem Fall nur dafür Sorgen dass meine Bedürfnisse in Erfüllung gehen. Selbstverantwortung, Selbstkontrolle sind demnach nur Begriffe, Worthülsen, sie beinhalten bestimmte Prämissen deren Beweis sie schuldig bleiben.

Wenn ich am verhungern bin, weil ich wirklich nichts an der jetzigen Situation ändern kann ( ich steh in der Wüste und finde keine Maus zu Essen) ist das natürlich lebensbedrohlich dramatisch. Das unterscheidet sich stark von einer Situation in der ich Hunger habe, aber gerade weder in ein Restaurant noch an meinen Kühlschrank kann. Denke da sind wir uns einig.

Nun sicher die Situation differieren hinsichtlich Dringlichkeit etwas zu Essen. Da aber deine Argumentationsweise jene ist dass das Wohlbefinden reine Einstellungssache und situationsunabhängig ist, müsste es der Person in der Wüste auch gut gehen. Mit dieser Logik könnte man die Flüchtlinge auch wieder nach Hause schicken mit dem Vermerk sie sollten mal gefälligst an Ihrer Einstellung arbeiten die Bedingungen dort zum Leben sind doch gar nicht so schlecht.

Die Realität ist hier also: Zufriedenheit führt nicht automatisch zu den stofflich qualitativ richtigen Entscheidungen. Bei Menschen bei denen das falsch verschaltet ist kann das zu Fettsucht / Magersucht oder was auch immer führen. (Sucht)

Nun damit erhebst du ein Absolutheitsanspruch was die "stofflich qualitativ richtigen Entscheidungen" betrifft. Also wenn der Fettleibige sich wohl fühlt wird das erst zum Problem wenn er damit gegen eine Norm verstößt.

Wozu ist das Zufriedenheitsgefühl also da, wenn es uns auch in die Irre führen kann?

Wer bestimmt was die "Irre" ist?

Und wer hat es in der Hand darauf so Einfluss zu nehmen, dass wir - in diesem Beispiel - eben nicht verhungern oder verfetten? Wer entscheidet einem Gefühl nachzugehen oder nicht? Und auf welcher Entscheidungsgrundlage?

Zusammengefasst ist die Ursprungsfrage : Wer übernimmt die Verantwortung für meine Gefühle und wie?

Die Bewertung der aus dem Gefühl resultierenden Zielszustandes hängt natürlich zunächst mal von mir ab. Letztlich muss ich mir über die Folgen im klaren sein soweit ich das eben abschätzen. Lerne ich lieber für das unangenehm gewordene Studium oder folge ich dem Impuls und gehe ein Eis essen? Welche Handlung wäre die richtige? Die allermeisten würden sagen für das Studium lernen, weil sie denken das würde sich über kurz oder lang rentiert. Belohnungsaufschub nennt man das. Wer garantiert Ihnen denn das diese Belohnung irgendwann eintritt?

E:vowluzzjexr


Unzufriedenheit wächst immer auf dem eigenen Mist. ;-D

N{otMxicdhaelxCaine


Wer garantiert Ihnen denn das diese Belohnung irgendwann eintritt?

Das ist die Haltung, die hinter Deiner Ausgangsfrage steckt auf die ich eingestiegen bin. Und die Realität ist: Keiner. Nie. Diese Realität ist Teil des Erwachsen werdens und die gilt es zu akzeptieren und dann damit zu leben.

Das ist das was Kleio schon geschrieben hat: Ziele sind wichtig, Flexibilität bei der Erreichung von Zielen ist essentiell, wenn man wirklich nicht unzufrieden sein will. Solange Du selbst Dich nicht gut genug kennst um einschätzen zu können welche Ziele Du erreichen kannst und welche nicht geht nur Try and Error. Und wenn Du ein Ziel anstrebst bist Du in erster Linie dafür zuständig es zu erreichen oder - falls Du auf dem Weg merkst, dass Du das nicht packst oder das es keinen Spass macht - Dir ein anderes Ziel zu suchen und zu wechseln. Die Belohnung durch Dritte innerhalb eines vorgeschriebenen Zielsystems (z.B. Studium) erfolgt ja nur, wenn Du das Ziel nach deren Vorgaben auch erreichst. Wenn Du das nicht schaffst ist es an Dir Dein Zielsystem anzupassen. Die Uni kann ja vorher genausowenig wissen ob Du für das Studium geeignet bist wie Du?! Die können nur nach allgemeinen Kriterien der Hochschulreife gehen. Deine Einzelleistung erkennen die auch erst wenn Du sie tatsächlich erbringst.

Als Kind kannst Du bestimmte Garantien noch von den Eltern ohne Gegenleistung verlangen (Grundbedürfnisse decken - manche Kinder erhalten ja nicht mal das). Als Erwachsener ist da zunächst niemand mehr von dem Du die verlangen kannst, oder? Wer soll das denn sein?

Du kannst um Hilfe bitten! Ja! Aber verlangen? Und wenn Dir die Hilfe, die Du bekommst dann nicht gefällt - wer ist dafür zuständig?

Um etwas von anderen verlangen zu können gehen wir Menschen irgendwelche Commitments ein ( beispielsweise Verträge jedweder Art, in denen Leistung und Gegenleistung geregelt werden oder Beziehungen mit anderen Menschen, die für unsere immateriellen Bedürfnisse sorgen). Die sind immer zwei oder mehrseitig und verlangt immer etwas von allen Beteilligten. Wenn eine Vertragspartei nicht mehr leisten kann, ist der Vertrag in Gefahr und Lösungen gefragt. Notfalls Vertragskündigung / auflösung.

Meine Haltung gegenüber Gefühlen ist jene sie als wahr anzusehen und nicht zu leugnen oder sie gar rationalisieren zu wollen. Wenn ich das anerkenne bin ich zwar abhängig von Ihnen aber es entspräche sozusagen der wahren Natur des Menschen. Ich kann in diesem Fall nur dafür Sorgen dass meine Bedürfnisse in Erfüllung gehen. Selbstverantwortung, Selbstkontrolle sind demnach nur Begriffe, Worthülsen, sie beinhalten bestimmte Prämissen deren Beweis sie schuldig bleiben.

Deine Gefühle sind genauso wahr für Dich wie meine für mich. Keiner verlangt, dass Du sie rationalisierst oder leugnest. Sie sind da. Du kannst aber auch nicht von anderen verlangen, dass Deine Gefühle für die anderen wahr und real sind?! Es sind ja Deine?!

Es bleibt trotzdem die Frage: Wie verwendest Du sie? Sind sie lästige Anhängsel? Sind sie Informationsquelle?

Wenn Du z.b. frustriert bist, weil Du zum 800sten Mal Dein Leistungsziel in der von Dir gewählten Sportart nicht erreicht hast ist das ein nachvollziehbarer Gefühlszustand. Du kannst den ganzen Abend deshalb rumfrusten. Auch noch den nächsten Tag. Und auch einen Monat oder ein Jahr.

Oder Du handelst und trainierst härter, suchst den besten Trainer auf, den Du finden kannst, überarbeitest Deine Trainingsstrategie, suchst neue Ansätze.

Oder stellst mal Deine Leistungsziele auf den Prüfstand: Ist das realistisch? Nach 800 Fehlversuchen - ist es realistisch da zu hoffen, dass ich besser werde? (je nach Sportart kann die Antwort nein, unwahrscheinlich, möglich, eventuell möglich, ja lauten).

Oder Du fragst Dich was den Reiz dieser Sportart für Dich ausmacht und warum Du die mal gewählt hast.Gibts eine andere, die besser passt? Haben sich Deine Interessen unmerklich bereits schon lagen verändert? Ist es notwendig das gesteckte Leistungsziel zu erreichen um Spass zu haben? Oder machts auch so Spass?

All das führt zwangsläufig auch zu einer emotionalen Neubewertung und ändert Deine Gefühle - manchmal vielleicht minimal - manchmal werden sie noch negativer - manchmal treten sie auch nur in den Hintergrund und bleiben eben als Frust da. Gefühle hängen an Gedanken. Einfach weil Dein emotionaler Fokus weg vom "ich kann nix" (in diesem Beispiel) zu "welche Möglichkeiten habe ich realistischerweise" wandert.

Gefühle wollen uns zum Handlen animieren. Negative Gefühle sind Warnzeichen: Hier geht etwas schief! Handle mal damit es besser wird! Wenn Du sie nur anstarrst ändert sich nichts. Benutze sie als Informationsquelle, als Handlungsgrundlage!

Gefühle sagen Dir nicht zwangsläufig wie Du das tun sollst. Dazu hast Du einen Kopf, der Informationen verarbeiten kann, ein Wertesystem was Du selbst ausbauen und umbauen kannst und einen Körper um Dinge auszuprobieren und festzustellen was sich besser anfühlt als vorher. So lernst Du Dich selbst kennen und je besser Du Dich kennst desto einfacher ist es in neuen Situationen einzuschätzen ob die Erfolgswahrscheinlichkeit höher oder niederer ist.

N|otMicha1elCaixne


Nun sicher die Situation differieren hinsichtlich Dringlichkeit etwas zu Essen. Da aber deine Argumentationsweise jene ist dass das Wohlbefinden reine Einstellungssache und situationsunabhängig ist, müsste es der Person in der Wüste auch gut gehen. Mit dieser Logik könnte man die Flüchtlinge auch wieder nach Hause schicken mit dem Vermerk sie sollten mal gefälligst an Ihrer Einstellung arbeiten die Bedingungen dort zum Leben sind doch gar nicht so schlecht.

Du vermischst die stoffliche Realität mit der Glaubens/Gedanken"realität".Die "stoffliche Realität" für Flüchtlinge ist, dass sie wenn sie bleiben wo sie sind erschossen oder sonst wie getötet werden können. Die Wahrscheinlichkeit dafür mag in unterschiedlichen Regionen unterschiedlich sein, aber sie ist so hoch, dass Menschen Handlungsentscheidungen treffen und das ist doch auch richtig so?! Es ist doch völlig korrekt die eigenen Chancen anhand der eigenen Kriterien zu bewerten und danach zu handeln?

Es kommt ja nicht bei jedem Menschen dasselbe dabei heraus? Auch nicht bei jedem Menschen der in einem Kriegsgebiet lebt? Es gibt ja auch Menschen, die trotz Gefahr nicht von dort fliehen, sondern bleiben wo sie sind und das Risko eingehen. Die haben andere Prioritäten als die Menschen, die flüchten. Die Menschen die flüchten haben die Priorität: ich will überleben um jeden Preis. Ich hab meine Möglichkeiten angeschaut und hier wo ich bin halte ich das für unrealistisch. Also gebe ich eine Menge meines Besitzes auf und gehe ins Unbekannte in der Hoffnung das es dort besser ist.

Diejenigen die dort bleiben haben vielleicht die Priorität: ich will an der Zukunft meines Landes beteilligt sein, ich will in erster Linie an meinem Besitz festhalten oder unbedingt in meiner Heimat bleiben oder was auch immer.

Verstehst Du? Diese inneren gedanklichen Realitäten - einmal: ich könnte erschossen werden also gehe ich da weg und ein andermal: ich will hier etwas bewirken oder meinen besitz nicht aufgeben - sind die Handlungsgrundlagen. Glaubst Du etwa die die dort bleiben finden es lustig? Die stofflich materielle Welt besteht ja immer gleichzeitig mit der individuell gedanklichen. Die Frage ist was wir aus der individuell gedanklichen machen um uns die für uns guten und passenden stofflich materielle Welt zu gestalten wie wir sie brauchen?

In der Wüstensituation habe ich vermutlich nur eine Priorität: überleben. Und die Wahrscheinlichkeiten sind in der von mir beschriebenen Situation extremst gering. Wenn ich weder eine essbare maus finde noch zufällig auf menschen treffe werde ich dort sterben - ganz egal wie furchtbar ich mich dabei fühle. Wenn ich in dieser Situation im Kopf mantramässig herunterbete: ich werde sterben - ich habe hunger - ich bin ja so arm dran verpasse ich die letze gelegenheit mich an schöne Dinge in meinem Leben zu erinnern oder vielleicht doch noch eine Maus zu ergattern. Das ist die Realität in so einer Situation.

Wenn ich also schlau bin gehe ich gar nicht erst allein in die Wüste - klar ,). Daher macht das auch kaum jemand.

L2aPRWuc@ola


Naja man muss schon unterscheiden ob ein "aktiver Qualzustand" vorliegt (siehe Flüchtlinge), wo ein starker Drang resultiert, was daran zu ändern, oder ob "schmerzfreier Neutralzustand" erreicht ist, aber halt noch viel Luft nach oben ist.

Also was Geld angeht z.B. gibt es einen aktiven Mangel, der Leid und Not verursacht, der nicht wünschenswert ist und der bekämpft werden sollte. Wenn der Grundbedarf allerdings gedeckt ist, kann trotzdem Unzufriedenheit entstehen, weil da noch so viel mehr wäre, wenn man es sich nur leisten könnte, aber es zu unterlassen erzeugt zumindest keine existenziellen Qualen sondern "nur Unzufriedenheit und Begehrlichkeit".

Ich denke, hier muss man eine wichtige Trennlinie ziehen.

E<l P`innKtoxr


Das ist die Haltung, die hinter Deiner Ausgangsfrage steckt auf die ich eingestiegen bin. Und die Realität ist: Keiner. Nie. Diese Realität ist Teil des Erwachsen werdens und die gilt es zu akzeptieren und dann damit zu leben.

Ist mir schon bewusst das mir keiner etwas "schuldet". Diese Erwartungshaltung habe ich auch nicht. Die Sache mit den Zielen ist ja folgende. Fakt ist jeder Mensch ist dazu genötigt irgendwie seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Nun bietet unsere tausende von Möglichkeiten davon das zu realisieren. Am schönsten wäre es natürlich wenn die Ziele die es in unserer Gesellschaft gibt kongruent zu den eigenen sind. Und genau da liegt ja der Hund begraben. Ich bin weder an Gewinnmaximierung noch Produktivitätssteigerungen interessiert, ferner benötige ich auch nicht das aktuelle iphone 6. Ich werde dazu genötigt irgendwas darzustellen was ich eigentlich gar nicht sein will. Und ich will auch nicht zu jenen Leuten gehören welche für ihren zukünftigen Chef leben. Bei dem das eigene Leben als Projekt stilisiert wird wo ja keine "Lücke" im Lebenslauf enstehen darf. Mir ist klar das man mit dieser Verweigerungshaltung auf Dauer sich selbst ins abseits manövriert. Verantwortung für Fremdziele fällt mir schwer, ja das gebe ich zu.

Oder Du handelst und trainierst härter, suchst den besten Trainer auf, den Du finden kannst, überarbeitest Deine Trainingsstrategie, suchst neue Ansätze. Ist es notwendig das gesteckte Leistungsziel zu erreichen um Spass zu haben? Oder machts auch so Spass?

Ich habe Probleme mit der Leistungsideologie und Steigerungslogik. Mein Motiv zu leisten ist extrem gering. Dabei ist Leistung unweigerlich mit Anerkennung in unserer Gesellschaft attribuiert. Und deshalb lechzen viele Menschen dem so hinterher.

Gefühle wollen uns zum Handlen animieren. Negative Gefühle sind Warnzeichen: Hier geht etwas schief! Handle mal damit es besser wird! Wenn Du sie nur anstarrst ändert sich nichts. Benutze sie als Informationsquelle, als Handlungsgrundlage!

Ja seh ich genauso. Nur die Verhaltenstherapie meint ja die negative Gefühle entstünden durch einen Bewertungsfehler beispielsweise einer Ist/Soll Wert Differenz.

EXl PZinMtor


Du vermischst die stoffliche Realität mit der Glaubens/Gedanken"realität".Die "stoffliche Realität" für Flüchtlinge ist, dass sie wenn sie bleiben wo sie sind erschossen oder sonst wie getötet werden können. Die Wahrscheinlichkeit dafür mag in unterschiedlichen Regionen unterschiedlich sein, aber sie ist so hoch, dass Menschen Handlungsentscheidungen treffen und das ist doch auch richtig so?! Es ist doch völlig korrekt die eigenen Chancen anhand der eigenen Kriterien zu bewerten und danach zu handeln?

Nun nicht falsch verstehen ich habe nichts dagegen dass Sie hier Ihre Chance suchen. Es war aber nur vielmehr so dass die "stoffliche Realität" also jene welche unabhängig von Beobachter existiert, ihnen wohl Anlass gegeben hat das Weite zu suchen. D.h. in diesem Fall waren es die prekären Zustände für eine Hohe Anzahl von Menschen.

Die Frage ist was wir aus der individuell gedanklichen machen um uns die für uns guten und passenden stofflich materielle Welt zu gestalten wie wir sie brauchen?

Die Aufgabe wäre es die "individuell gedankliche" der "stofflich realen" Welt wie du es nennst so gut wie möglich zu Deckung zu bringen.

N_otMic|hael7Caine


Fakt ist jeder Mensch ist dazu genötigt irgendwie seinen Lebensunterhalt zu bestreiten

Von wem? Doch von seinen eigenen Bedürfnissen oder? Das ist doch etwas selbstinduziertes, oder? Dazu genötigt wird ein Mensch also von seiner eigenen Biologie, oder nicht?

Nur die Verhaltenstherapie meint ja die negative Gefühle entstünden durch einen Bewertungsfehler beispielsweise einer Ist/Soll Wert Differenz.

Ich weiss nicht - vielleicht verstehst Du ja was miss?

Negative Gefühle entstehen ganz allgmein gesprochen normalerweise wenn ich gegen meine eigene Realität lebe. Meine Realität wird von meinen Bedürfnissen bestimmt. Nicht nur von einem - sondern von allen. Mein Job ist es die im Blick zu haben und so gut wie möglich für die zu Sorgen, egal wie widersprüchlich sie sind.

Wenn ich in meinem eigenen Wertesystem beispielsweise auf Priorität 1 habe keinerlei Konflikte ertragen zu müssen, habe ich ein Problem, weil das in der Realität unmöglich ist. Wenn ich verstanden habe wie Werte meine eigenen Entscheidungen beeinflussen und habe ich eine Ahnung wie das bei anderen Menschen abläuft, selbst wenn ich deren Wertesystem nicht kenne und weiss, dass es unmöglich ist nicht in Konflikt zu kommen.

Jeder Mensch den ich treffe macht ja wie ich selbst sein eigenes Wertesystem. In dem moment wo wir handeln erkennen wir früher oder später Diskrepanzen zwischen unserem und dem den Gegenübers und das führt zu Konflikten. Das müssen wir aushalten können?!

Die Existenz von Konflikte abzulehnen wäre also ähnlich sinnlos wie die Existenz von Regen zu leugnen, weil mans lieber sonnig hat.

Dir geht es darum Deine eigenen Prioritäten zu leben ohne das andere oder die Gesellschaft das doooooooof finden. Wird nicht passieren. Es wird immer Leute geben, die Deine Prioritäten echt sch.. finden. Deshalb ist es ja so wichtig Leute mit ähnlichen Prioritäten zu finden?!

Wenn Deine Prioritäten nicht realistisch sind wirst Du Dich schlecht fühlen. Wenn Du verleugnen willst, dass Regen existiert wird Dir der Regen beweisen dass das nicht der Fall ist. Du kannst Dir nur einen Schirm zu legen und dann weniger nass werden. Mehr geht nicht.

Dabei ist Leistung unweigerlich mit Anerkennung in unserer Gesellschaft attribuiert. Und deshalb lechzen viele Menschen dem so hinterher.

Wenn Deine Priorität für Leistung tatsächlich und authentisch gefühlt sehr niedrig ist Du aber eigentlich auch nach Anerkennung lechzt hast Du hier auf den ersten Blick ein Paradoxon. Das ist richtig. Allerdings wirst Du unter diesen Umständen die Leistung anderer ja auch nicht anerkennen oder? Leistung hat ja bei Dir einen niedrigen Stellenwert? Warum also bei anderen etwas anerkennen was Deinem Wertesystem nach nicht anerkennenswert ist? Und warum sollte es Dir etwas ausmachen, wenn andere Dir dann mangelhafte Leistung vorwerfen, wenn Du wirklich und tatsächlich authentisch gefühlt Leistung nicht als Priorität hast?

Wenn mich jemand dafür kritisiert, dass ich nicht skydiven kann - was juckt mich das? Das kommt in meiner Priorität doch nicht mal vor? Oder das ich nicht das neueste Iphone habe? Auch das kommt in meiner Prioritätenliste nicht vor. Es ist mir wurscht. Wenn sich das anders anfühlen würde müsste ich mich fragen ob ich da nicht was verdränge?! Ob ich nich eigentlich skydiven will? Und unbeding ein IPhone 6 brauche? Dann wäre ich da unbewusst vielleicht auf einem ganz anderen Trip?

Was erkennnst du statt dessen an? Wie drückst Du Anerkennung da aus?

und so weiter.

Gerade bei Leistung kommt am Schluss bei den meisten Menschen raus, dass sie authentisch natürlich sehr wohl gerne etwas leisten aber Angst vor der Bewertung der anderen oder dem Versagen haben was zwangsläufig mit dem Erringen von Leistungsfähigkeit in einem Gebiet einher geht. Keiner kann ohne Übung große Leistungen erbringen. Und alle machen Fehler während sie üben. Und sehr viele werden nie herausragend auf dem Gebiet auf dem sie üben, sondern bleiben bei durchschnittlichen Leistungen. So ist die Realität nun mal.

Was weh tut, wenn wir nicht äußerlich an Leib und Leben bedroht sind, sind immer innere Paradoxon. Mit denen können wir umgehen lernen.

K:leiyo


El Pintor

So einfach geht das natürlich nicht . Wie gesagt wenn du Teil einer Gruppe sein willst ist das an bestimmte Bedingungen und Erwartungen geknüpft, von denen du dich nicht einfach freisprechen kannst. Im Extremfall droht die Isolation. Das ist ein Irrglaube zu meinen man sei nicht von anderen abhängig. Wenn du alleine im Wald lebst bist du womöglich autark und unabhängig wobei du eben auch emotional abhängig von anderen bist und ohne deren Zuwendung wirst du nicht überleben.

Mit Du wirst Du mich nicht persönlich meinen - hoffe ich. Ich reflektiere, wie ich die Dinge für mich sehe in einem Ist- oder zumindest Solzustand und nicht, wie ich sie bei anderen einschätze oder werte. Eine einzelne allgemeingültige Erwartungshaltung anderer mir gegenüber kann ich nicht identifizieren. Es werden mir die unterschiedlichsten Erwartungshaltungen entgegengebracht. Teilweise begründet, weil ich gewisse Leistungen zugesagt habe, teilweise unbegründet, weil ich nichts zugesagt habe, also wird da von mir auch nichts kommen. Eine einheitliche allgemeine Gruppe kann ich auch nicht erkennen. Es gibt die unterschiedlichsten Lebensauffassungen und Weltanschauungen, die gar nicht so vieler Gruppen bedürfen, damit ich in eine dieser Gruppierungen hineinpasse oder "dazu gehöre". Als Kind wollte ich unbedingt dazu gehören. Je älter ich wurde, umso weniger. Ich bin alleine genug und nicht erst etwas Wert, wenn mich eine Gruppe anerkennt. Dass Kinder Zuwendung brauchen, ist klar. Aber ich bin ja kein Kind. Ich kann ganz gut mit meiner eigenen Zuneigung leben.

Ich bin emotionale nicht von anderen abhängig. Ich bin auch sonst von andern nicht abhängig. Ich gehe eine Berufsverbindung freiwillig ein weil ich etwas biete, mir etwas geboten wird, also bekommen wir beide, was wir wollen. Das kann man natürlich als Abhängigkeit ansehen, aber irgendwie kann ich in diesem Zusammenhang mit dem Wort nichts anfangen. Ich bin ja nicht abhängig sondern mein Job.

Ich wollte mit dem Beispiel lediglich illustrieren wie schwierig es ist eben den Anteil am "objektiv" Möglichen zu identifizieren.

Ich bin ein "Subjekt", also ich alles subjektiv, was ich sage.

Da das Mögliche eben eine qualitative Größe, keine quantitative Größe darstellt. Spricht man beispielsweise von einem Potential von einem Menschen, dann ist überhaupt noch nicht klar wie hoch dieses tatsächlich ist.

Es sind Annahmen.

Selbstkenntnis indem Zusammenhang setzt natürlich voraus dass man die Frage "Wer bin ich" zweifelsfrei beantworten kann, was ein eigenes Problem an sich darstellt.

Ich kann ganz gut sagen, wer ich bin. Ich kann mich auch sehr gut einschätzen, sowohl für mich als auch in Bezug auf das gesellschaftliche Leben. Selbstbild und Fremdbild unterscheiden sich nicht besonders, wenn ich mir die richtige Umgebung – also richtig für mich, in der ich mich wohl fühle – gesucht habe. Habe ich die falsche Umgebung, dann wird Selbst- und Fremdbild extrem abweichend sein. Ergo - wechsle ich die Umgebung.

Wenn der Hungerzustand ein befriedigender wäre, wären glaube ich alle Menschen längst tot . Es gibt Dinge denke ich, die sind per se schlecht.

Wenn Du damit meinst, dass sie für mich, also die, die Hunger hat, vergewaltigt wird, schlimm, schmerzhaft, etc. sind, dann sehe ich das auch so.

Ein Hungergefühl zu erleiden ist schlecht, Mißbrauchopfer zu werden ist schlecht usw. Wenn Du es als Wertung meinst, so mache ich sie erst durch meine Wertung schlecht.

Genauso gibt es Dinge die sind insich Gut. D.h. es ist keine Einstellungssache wie behauptet wird. Es ist nicht die Sicht der Dinge die uns beunruhigen sondern es sind die Dinge selbst, um Epiktets Spruch abzuwandeln.

so lange sie mich nur so lange beunruhigen, so lange sie da sind. Ich bin ein Vergewaltigungsopfer, so lange die Vergewaltigung dauert. Wie lange es mich schmerzt, wie lange ich das schlecht finde, dass mir das passiert ist, wie lange ich den Täter verurteile, verfluche, das liegt an mir. Insofern liegt es ab da an mir, wie lange ich Opfer bin. Wie gesagt – mit Hungerbeispiel kann ich nichts anfangen, denn wenn ich nichts zu essen habe, dann hungere ich und wenn ich verhungere, dann bin ich tot. Gerade da würde ich – ich sage nicht, dass ich es jetzt könnte, aber das wäre mein Sollzustand – trotz Hungers gerne in der Lage sein die Gegenwart wahrzunehmen, immer noch alles Schöne zu sehen, richen, fühlen und nicht nur, dass es schlecht ist, dass ich da verhungere. Kann mir ja passieren, das gilt auch für Krankheiten. Ja, ist mir klar, dass das eine Herausforderung ist. Ich z. B. habe Glück – ich habe immer wieder eine Krankheit, nicht sterbenskrank, aber eine, die mein Leben einschränkt und bleibt. Insofern kann ich mich darin üben, über diese Krankheit bzw. Gebrechen hinauszuschauen. Wenn ich wollte, könnte ich den ganzen Tag jammern, wie scheiße es mir geht und wie toll es noch war, als ich noch nicht dieses oder jenes Gebrechen hatte. Ich habe z. B. einen Tinnitus. Ich habe sehr lange gebraucht - Monate, bis ich über den hinweghören konnte, weil ich all diese Wertungen auflösen musste. Es gab auch einen Faden, der perfekte Moment und das wäre auch ein perfekter Moment. Schmerzen sind nicht per se schlecht, sie werden erst dazu gemacht besser gesagt dazu gedacht, genauso wie eben Freude, Liebe, keine Ahnung, per se gut in sich gemacht – gedacht werden.

Was propagierst du dann? Soll ich meinen Willen, meine Begierden, Wünsche, Sehnsüchte, Träume soweit mundtot machen dass ich es ertrage wenn sie nicht in Erfüllung gehen werden?

Es gibt nichts zu ertragen. Aber etwas, was verständlicher ist – was Du machst, ist Deine Entscheidung. Der Wille – auch so ein Begriff, das sehr schön aber auch teuflisch werden kann - je nachdem, was ich daraus mache. Wenn ich etwas unrealistischen will, dann werde ich unzufrieden sein. Ich kann meinen Willen ändern, muss aber nicht. Mir geht es darum, dass ich mir dessen bewusst bin und wenn es mir zu blöd wird, ich also zu viel leide, weil ich mir etwas so sehnsüchtig wünsche, was schlichtweg unrealistisch ist, dass ich das dann ändere, weil ich es kann. Das heißt z. B. nicht, dass ich nichts will, aber ich versuche einen für mich gesunden Weg zu gehen, dass ich mich dann nicht ständig darüber ärgere, was alles nicht geht und nur, weil ich mir ein falsches Ziel gesetzt habe. Ich finde aber auch Zufriedenheit "gut". ;-D

Wie Du das machst, das weiß ich ja nicht und ich propagiere auch nichts. Du wolltest doch wissen, was andere für Strategien haben.

Nehmen wir zur Veranschaulichung einen Absoluten Beginner. So werden jene Menschen bezeichnet die noch nie Sex hatten. Gehen wir von dem Fall aus diese Menschen wollen eigentlich Sex haben aber haben es aus diversen Gründen eben noch nicht fertig gebracht. In Ihnen schlummert ein Bedürfnis, eine Neugier, ein Verlangen welches nicht befriedigt wird.Das löst sicherlich Unzufriedenheit aus. Was sollen diese Menschen nun machen? Deine Lösung wäre von dem Wunsch abzusehen, sie sollen versuchen sich Ihre Neugier und Begierde auszureden. Ich glaube das würde vielleicht irgendwie funktionieren, aber das würde bei den Betroffenen sicherlich einen faden Nachgeschmack nach sich ziehen. Wirklich zufrieden wären diese Leute erst dann wenn sie Ihr Bedürfnis befriedigen könnten. Man kann Emotionen nicht beliebig rationalisieren.

Wie schon erwähnt – es "soll" jeder damit so umgehen, wie er es für richtig sieht.

Ich kann Dir nur sagen, wie ich damit umgegangen bin. Meine Lösung war, mich von diesen Annahmen zu trennen. Gerade, da ich nie vorher Sex hatte, konnte ich doch gar nicht wissen, ob ich denn Sex haben will. Ich bin zwar neugierig, aber so nun auch nicht, dass ich etwas übers Kreuz brechen muss. Es gibt ja so viele Dinge, die meine Neugier erwecken. In dem Fall ist sowohl Wille als auch Wunsch hinfällig. Ich alleine kann keinen Sex wollen, und ob ich ihn mir wünsche, kann ich nicht wissen, da ich gar nicht weiß, ob er mir gefallen würde. Das ganze kam natürlich in einem Alter, in dem gewisse Dinge noch ganz schön beeindruckend waren, was "man" denn in welchem Alter gemacht haben "sollte". Da bin ich meiner Mutter auch sehr dankbar, denn diese Dinge hat sie mir klar gemacht. Was soll ich unbedingt mit 18 Jahren Sex haben wollen? Es läuft mir nichts weg, vor allem wollte ich auch schon von mir aus nie nur Sex haben, da gehört schon die Person der Begierde dazu und die gab es ja nicht. Somit war es für mich nicht sehr schwer, solche Gedanken gar nicht zu produzieren, erst als dann die Person meiner Begierde aufgetaucht war. Du schreibst, man kann Emotionen nicht beliebig rationalisieren – also bei mir waren die Emotionen doch erst da, als ich mich dann verliebt hatte. Vorher waren die Solls emotionalisiert, Sex=gut, Sexhaben=gut, etc. etc.

Sag mal jemand der Liebeskummer hat, das sei alles gar nicht so schlimm.

Warum soll ich das, wenn es für diesen jemanden schlimm ist. Das gleiche gilt für mich. Wenn für mich etwas schlimm ist, ist es so. Worum es mir geht ist, dass ich mir dessen bewusst bin, dass ich selbst meine Wertung/Einstufung aufstelle. Ich hatte einmal Liebeskummer und seitdem nie wieder. Trennungsschmerz - ja, trennen = Schmerz, packen und ausziehen = weniger Schmerz, vorbei = kein Schmerz, nach vorne schauen. Kein Liebeskummer. Also Loslassen und nicht an irrationalen Gedanken und Gefühlen festhängen, obwohl es vorbei ist. Wenn ich also Liebeskummer haben wollte, würde ich ständig daran denken, wie schön es doch war, warum es nun so gekommen ist, etc. etc. und würde mich in diesem Kummer festhalten.

Was ich mir bewusst bin ist, dass letztlich alles Annahmen sind. Welche zutrifft, weiß ich erst, wenn sie zutrifft und diese deshalb auch sparsam einsetze, bzw. nicht zu viel Energie auf Wenns/Solls/Vielleichts zu legen. Was ich weiß ist jetzt – jetzt – jetzt. Da gibt es nichts zu erreichen oder nicht zu erreichen, sondern den Augenblick zu genießen.

L~aRucogla


Also gerade was das harte Los des Ungevögeltseins angeht, ist das sogar sehr von der subjektiven Wertung stattfindet.. Jemand, der "zu alt" noch in diesem Zustand ist und darunter leidet, möge sich mal kritisch hinterfragen, was genau daran eigentlich das Problem ist. Ist der Verzicht darauf, auf die Sache an sich, wirklich so eine Qual? Oder ist es nicht vielmehr ein Makel, ein Kratzer im Ego, und deswegen nicht wünschenswert? Und wenn letzteres der Fall ist (wo ich mir bei den meisten doch ziemlich sicher bin), dann liegt das durchaus daran, dass man sehr stark von aussen gesteuert ist und Ego und Selbstwert von Erfüllung von Maßstäben, die andere einem vorgeben, abhängig macht.

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