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Fühle mich leer ohne Drogen

C2om0ran


Da du den Scheiß ja am Ende deiner Pubertät angefangen hast, hattest du noch nie die Chance, dich als Mensch im Erwachsenenalter mal bewusst wahrzunehmen.

Ist dein Therapeut wirklich mit deiner Mutter bekannt? Dann unterstütze ich das, was Falco geschrieben hat: bitte ihn, einen neuen Therapeuten zu vermitteln. Die Befangenheit wird ein Profi verstehen und deinen Wechsel unterstützen. Du brauchst unbedingt einen Therapeuten, wo du frei und offen sein kannst und dich darauf verlässt, dass er seine Schweigepflicht auch einhält.

Vielleicht bin ich wirklich noch nicht bereit, etwas zu ändern und versuche mir das die ganze Zeit einzureden. Warum auch immer...

Weil es Verzicht bedeutet. Verzicht auf etwas, was dich in einer sehr prägenden Phase deines Lebens beherrscht. Dein Leben ohne Drogen lag in der Kindheit und frühen Jugend. Du unterschätzt das Potenzial, was auf dich als Erwachsene wartet und glaubst immer, dass du in deine wahrgenommene frühe Jugend zurückfallen müsstest, wenn du jetzt auf diesen Eskapismus verzichtest.

Das ist ja genau dein Irrtum - einfach weil du vom echten Leben noch nicht so viel mitbekommen hast. Und die Erinnerungen an früher bringst du ja auch mit unschönen Wahrnehmungen in Erinnerung, wie man aus deinen Fäden herauslesen kann. Essstörungen, Übergewicht, Untergewicht, Erinnerung an Schläge der Mutter ...

Das ist nicht dein Leben, das war nur der etwas unglückliche Start in dein Leben. Mit Drogen bleibst du für immer auf dem Abstellgleis. Ohne Drogen kannst du Fahrt aufnehmen. Du brauchst dringend ein sicheres Umfeld, Bestätigung und Beschäftigung und eine gute Therapie. Dann steht dir fast alles offen, wie es die nächsten 60 Jahre weitergehen kann.

BtrigiHe


Danke für deine Antwort zu den Medikamenten. Ich denke auch, du bist sehr ungeduldig, ist aber kein Wunder, denn gerade Drogen bieten die "schnelle Erlösung" und du hast dich an diese Wirkung gewöhnt. Dagegen erscheint dir jetzt alles schal, das ist genau die Wirkung, die Dorgenkonsum nach sich zieht. Es braucht schon eine längere Zeit der Umgewöhnung, bis sich das wieder zurechtrücken kann, ganz zu schweigen von der viel milderen Wirkung einer medikamentösen Einstellung.

Ich hätte übrigens früher für mich auch sofort unterschrieben, was du als Gleichung hier eingebracht hast: Unglücklichsein = meine Persönlichkeit. Dass das gar nicht stimmt - das festzustellen, hat eine Weile gedauert. War ein ziemlich langer Weg, aber er hat mich frei gemacht, hat sich insofern gelohnt. Aber ich will nicht verhehlen, dass es ein Quantensprung und einiges an Arbeit war.

Es kommt halt auf die Zielsetzung an, was es einem wert ist, eine freie Persönlichkeit zu werden.

C}innxia


Ich bin bereit das junge Erwachsenenleben zu starten, ich freue mich auch schon auf meine erste Wohnung in ein paar Monaten, wenn alles klappt. :)z Vielleicht wird das der Neustart für mich sein. Wenn ich erstmal für mich sein kann und einfach leben kann, wird sich meine Stimmung bestimmt verbessern.

Mein Psychiater und mein Therapeut kennen beide meine Mutter, aber das ist eigentlich nichts schlimmes. Das Problem ist dabei nur, dass sie mir niemals glauben würden. Und darauf habe ich echt keine Lust.

Wie lange braucht die Umgewöhnung? Würde wenn schon, auf alles (auch Antidepressiva) verzichten, wenn Teilzeit nichts bringt bzw. schief läuft.

Ich war irgendwie schon immer ein ruhiger, in mich gekehrtes Kind, ich denke schon, dass das irgendwie dazugehört. Aber vielleicht hast du auch recht und es ist doch nicht so.

Frei wollte ich immer sein, ich träume irgendwie von einem freien Leben.

B8rigxie


Wie lange braucht die Umgewöhnung? Würde wenn schon, auf alles (auch Antidepressiva) verzichten, wenn Teilzeit nichts bringt bzw. schief läuft.

Ich glaube, dass dir die Frage, wie lange es dauern kann, echt nichts bringt, sie zeigt nur deine große Ungeduld. Sieh es mal so: Auch der Weg gehört mit zum Ziel, es geht um deine Entwicklung.

Und man sollte gewappnet sein: Es bleibt auf jedem Entwicklungsweg eine gewisse Störanfälligkeit bestehen, das gehört einfach mit dazu. Gelegentlich passieren in jedem Leben Dinge, die uns ganz normal für eine Weile herunterziehen. Der an Drogen Gewöhnte will das aber nicht und greift bei diesen Stimmungsstörungen meist sehr schnell wieder zum Stimmungsaufheller. Genau damit macht er sich aber jedesmal neu von dieser künstlichen Stimulation abhängig.

Es gilt auch mal etwas durchzuhalten und auszuhalten - DICH auszuhalten. Das hat auch etwas Gutes: Daran reifen wir.

Bei dir ist aber wirklich noch alles drin, auch weil du noch so jung bist; es ist immer deine eigene Entscheidung, und wenn man sich dafür zu schwach fühlt, gibts Hilfestellungen.

CEin}nia


Das Problem ist, dass diese Gefühl nicht durch äußere Einflüsse entsteht, sondern einfach irgendwie von innen kommt. Es kann alles noch so toll laufen, es ist trotzdem da. Das ist es ja.

BWrigixe


Gefühle kommen IMMER von innen, nämlich durch unsere Gedanken. Die Geschehnisse außen können nur Gedanken auslösen, meist Katastrophengedanken: "Wie kann das nur sein!? Warum muss IMMER mir das passieren?! Das Leben ist schrecklich! Ich HASSE es!" Solche Selbstgespräche laufen den ganzen Tag ab, ohne dass es uns bewusst wird und bewirken, dass wir uns schrecklich fühlen und das ganze Leben wie durch eine graue Brille sehen. Deshalb ist es so wichtig, diesen Prozess zu erkennen. Auf sich allein gestellt ist das anfangs fast unmöglich, man braucht in der Regel Hilfe dabei. Für so etwas sind Therapien gedacht.

C4yxtex


Das Problem ist, dass diese Gefühl nicht durch äußere Einflüsse entsteht, sondern einfach irgendwie von innen kommt.

Daneben gibt es aber auch ein Inneres, das problemfrei und unveränderbar ist. Sozusagen der Hintergrund, vor dem das Leben passiert, die Leinwand, auf der das eigene Leben projiziert. DIESES Innere gibt die Stabilität, manche sagen dem Gastgeber, manche Beobachter, manche "ich".

C{innxia


Also muss ich meine Gedanken ändern? Wie soll das funktionieren? Ich kann mir die ganze Zeit einreden, dass alles toll ist, aber ich glaube das dann doch selbst nicht wirklich? Man hat doch ein inneres Wertesystem, das ist halt da und dadurch entstehen diese Gedanken. Man müsste dann ja sein inneres Wertesystem ändern und da frage ich mich: wie soll das bitteschön funktionieren? Das baut man sich doch durch Erfahrungen im ganzen bisherigen Leben auf. Da gibt es doch keinen Knopf, der das alles löscht und neuinstalliert als wäre man gerade frisch geboren. ":/

BDrigxie


Abner sicher kann man das ändern, das habe ich z. B. zu 90 % getan! Wäre das nicht möglich, käme ja niemand je aus seinen schwarzen Gedanken heraus. Dass das funktioniert, siehst du schon daran, dass Menschen lernen können, mit Unglück und Krankheit zurechtzukommen. Das geht in aller Regel über allmähliche Änderung der Gedanken und daraus folgend der Einstellung dazu.

Wir sind zunächst das Produkt aus Erziehung und Umfeld und Erleben bzw. Erfahrung, aber wenn man die Gedankenabläufe hinterfragt und durchschaut - indem man sie auf deren Wahrheitsgehalt hin prüft und ob nicht eine andere Betrachtung möglich ist - dann lässt sich sehr viel gedanklich relativieren und umstellen. Es gibt viele Beispiele dafür.

Ganz simpel: Du wachst morgens auf und dein erster Gedanke ist: "Uaaaah, schon wieder so ein blöder Tag! Ich wäre froh, wenn er schon vorbei wäre!" Wenn du dich dann aber fragst: "Stimmt das so überhaupt? Ist das wirklich ein blöder Tag, oder denke ich das nur?" lautet die Antwort vielleicht: "Nein, das stimmt so nicht. Ich warte ab und gebe dem Tag eine Chance. Ich freue mich jetzt mal auf das, was mir heute begegnet" -

das nennt man dann einen bewussten Entschluss, und ich garantiere dir, es macht einen himmelweiten Unterschied, welchen Gedanken du für wahr hältst - du denkst das nicht nur, du lebst das auch und bekommst auf beides ein entsprechendes Echo.

C;omrxan


Da gibt es doch keinen Knopf, der das alles löscht und neuinstalliert als wäre man gerade frisch geboren. ":/

Einen Knopf nicht, aber einen langen Fluss. Positive Gehirnwäsche. Funktioniert aber nur, wenn deine Gefühle ständig auf dem Prüfstand stehen, warum du diese hast und inwieweit sie gerechtfertigt sind.

C!in'nxia


Ich greife jetzt mal dein Beispiel auf: wenn ich mir sage, dass der Tag doch nicht so scheiße ist, glaube ich das aber selbst nicht. Ich weiß ja eigentlich dann, was ich wirklich denke und was ich versuche zu denken.

Oder habe ich was falsch verstanden?

Crygtex


Ich schlage folgende Variante vor: "Ok, jetzt denkt es in mir: Scheisse Tag etc. Interessant.

Egal, das ist jetzt nicht so wichtig -ich konzentriere mich gerade aufs Kochen, aufs Atmen, aufs die Leute beobachten, aufs Fahrradfahren." Was immer Du grad machst.

C}oJmxran


Ich greife jetzt mal dein Beispiel auf: wenn ich mir sage, dass der Tag doch nicht so scheiße ist, glaube ich das aber selbst nicht.

Es geht um das Wollen. Willst du, dass der Tag scheiße ist? Um dich irgendwie zu strafen oder Dritte, indem du den Tag scheiße findest? Oder wünschst du dir, er wäre doch irgendwie toll und cool? Versuche das herauszufinden.

Der Wille ist Voraussetzung, dass der Glaube folgt. Das ist das Grundprinzip der Suggestion, welches auch bei der Hypnose Anwendung findet. Wenn jemand Möhren hasst, dann wird er auch unter der besten Hypnose keine Möhren essen, solange man ihm sagt, dass es Möhren sind. Wenn er aber den Wunsch verspürt, Möhren essen zu können, weil sie so gesund sind, dann wird man ihm in Hypnose schrittweise beibringen können, Möhen zu lieben. Aber nur, weil er sich dieses Ziel auch selbst wünscht.

Was in Hypnose in mehr oder weniger tiefem Trancezustand schon einige Zeit braucht, braucht mit wachem Verstand noch mehr Zeit. Das Suggestionsprinzip ist aber das gleiche. Fokussiere dich auf die guten Dinge. Setze dich damit auseinander, warum du glaubst, dass der Tag scheiße ist. Und wenn dann zwischendrin doch mal ein Lichtblick guter Laune ist, mache ihn heilig. ICH WILL, ICH WILL, ICH WILL, dass sich so ein Moment wiederholt.

Es braucht Zeit und Achtsamkeit. Betäubung durch Drogen stiehlt dir diese Zeit. Mit Willen und eigener Vorstellungskraft kannst du eine Menge erreichen. Man muss aber lernen, damit aktiv umzugehen. Die Ungeduld ist glaube ich ein großer Feind von dir. Du willst die schnelle Lösung. Wenn ich dir aber sage: nimm dir mal 2 Jahre vor und arbeite daran (z.B. während deiner Ausbildung) - wäre die Dauer erschreckend lang? Vielleicht, in deiner jetztigen Lage. Aber auch, wenn du 50 weitere Jahre davon profitieren würdest?

Denk mal darüber nach.

Cwyt>ex


Der Wille ist Voraussetzung, dass der Glaube folgt. Das ist das Grundprinzip der Suggestion, welches auch bei der Hypnose Anwendung findet.

Meine Mutter hat uns als Kind oft an solche Seminare mitgeschleppt. Die Kernaussage war jeweils: Du fühlst Dich nicht gut? Es liegt an Dir, Du musst nur wollen. Oder eine Abwandlung davon. Die mitschwingende Botschaft ist: Es ist Deine Schuld, Du hättest es in der Hand. Es geht Dir schlecht, weil Du schwach bist.

So kann man sicher grosse Kräfte mobilisieren, es ist aber im Grunde von Angst motiviert.

Was hilft, wenn es einem nicht gut geht? Grundlegend ist erstmal das Menschenbild. Meins geht in etwa so: Jeder Mensch ist einzigartig (ok, das ist ein Fakt, kein Bild). Er hat alle Fähigkeiten in sich, ein wunderbares, einzigartiges Leben zu haben, ohne sich dabei sorgen zu müssen oder sich ohne unmittelbaren Anlass zu ängstigen (da sind sicher die meisten einverstanden, dass Sorgen, Aengste das Leben weder verlängern noch verbessern). Es geht also erstmal darum, diese Wahrheit tief zu erkennen. Dann enspannt sich schon vieles. Es geht gar nicht darum, etwas zu "erreichen". Ich meine, es macht Spass wie ein Spiel, und man darf unbedingt, aber es ist keine Ueberlebensfrage, keine Heilsfrage.

Ein anderes Menschenbild, die christliche Variante, geht davon aus, dass der Mensch unvollkommen auf die Welt kommt, als ein Sünder (Adam hat in den Apfel gebissen). Seither ist das Leben auf dieser Welt Leiden und Strafe, und Erfüllung gibt es eher erst nach dem Tod, vielleicht schon vorher. Dem kann man versuchen zu entkommen: mit Erfolg, mit Drogen, Sex, mit Macht, mit Ansehen, Bewunderung anderer, Philantropie etc. etc. Diese rastlosen wahnsinnig energieaufwendigen Bemühungen helfen nicht nachhaltig: ich hab Einiges probiert :-) Eine Unzufriedenheit bleibt.

C4om<raxn


Die mitschwingende Botschaft ist: Es ist Deine Schuld, Du hättest es in der Hand. Es geht Dir schlecht, weil Du schwach bist.

Das lag vermutlich eher an den Seminaren als an der Grundidee der Suggestion. Meine Erfahrungen sind da deutlich anders (ich habe selbst eine Menge Praxis mit Selbsthypnose und Autosuggestion und nie kam es mir dabei in den Sinn, mich schwach zu nennen oder mir Angst zu machen ;-) ).

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