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Vergewaltigungen

r{anzdUom_Ndawxg hat die Diskussion gestartet


Vorbemerkung: ich würde diese Diskussion gerne sachlich herangehen und eure ehrliche Meinung hören.

Immer wieder lese ich, dass besonders Frauen den Tätern einer Vergewaltigung, bei der das Opfer während der Tat nichts mitbekommen hat, den Tod wünschen (oder sehr lange Inhaftierung). Ich verteidige keineswegs den Täter, aber als Mann fällt es mir irgendwie trotzdem sehr schwer dies nachzuvollziehen. Warum ist es so, dass Opfer einer solchen Vergewaltigung für den Rest ihres Lebens traumatisiert sind? Es fällt mir einfach sehr schwierig soetwas mit dem Tod / einer Jahrzehnte langen Gefängnisstrafe "gleichzusetzen" (auch wenn die meisten Menschen sagen, es gäbe keine gerechte Strafe, da die Tat schlimm genug sei). Letzendlich haben die Opfer während der Tat ja nichts mitbekommen. Wüssten sie im Nachhinein nicht, was passiert ist, so ginge es ihnen doch so wie immer, oder liege ich da falsch? (natürlich vorausgesetzt sie wurden von keiner Krankheit wie etwa HIV infiziert).

Ist das Schamgefühl denn so stark, dass man damit nicht mehr leben kann? Warum kommt man darüber denn so schwer hinweg?

Das sind alles so Fragen die für euch offensichtlich sind, ich sie mir aber so leid es mir tut nicht erklären kann. Bitte verzeiht mir wenn ich das alles so kalt rüberbringe, aber als jemand der soetwas nie erfahren hat fällt es mir sehr schwer das nachzuvollziehen (ich würde wetten dass die meisten Männer das auch nicht ganz verstehen, sich aber nicht trauen dies zu sagen).

Danke im Voraus!

Antworten
m~iniamia


Was wäre denn, wenn du wüsstest, dass du oral und anal vergewaltigt worden wärst?

m5ond+Ssterxne


Es gibt die unterschiedlichsten Fälle von Vergewaltigung und die Betroffenen gehen damit sehr unterschiedlich um. Deshalb finde ich es schwer, so allgemein darüber zu diskutieren. Ganz sicher kann man sagen, dass nicht alle Frauen lebenslang davon traumatisiert sind, und auch dass allen Frauen eine Bestrafung der Täter wichtig ist, stimmt so nicht.

Umgekehrt hast Du ein theoretisches Beispiel konstruiert, das schon relativ speziell ist, weil die Frau nichts von der Vergewaltigung mitbekommen hat. Dazu kann ich nichts genaues sagen.

Warum kommt man darüber denn so schwer hinweg?

Weil es viele Fragen aufwirft, über die man mit niemandem reden kann. Dafür braucht man einen empathischen Zuhörer, der dieses heikle Thema mit angemessener Sensibilität angeht.

Wenn man so jemanden nicht hat, bleibt am Ende nur Wut und Hass auf den Täter oder eventuell auch auf Männer ganz allgemein. Nach rationalen Erklärungen für das, was aus Hass gefordert wird, wirst Du wohl vergeblich suchen.

@:)

PEaul_Revxere


Ich denke, dass Frauen hierzulande in der heutigen Zeit (glücklicherweise) seltener mit Gewalt konfrontiert werden, als bspw. Männer. Wenn es dann jedoch zu einem Übergriff kommt ist die Reaktion weitaus heftiger. Das plötzliche Wegfallen des Schutzgefühls, der eigenen Unantastbarkeit etc.

f0alco pKelegricnoigdxes


@ Paul Revere,

wie kommst du denn darauf, daß Frauen hier weniger Gewalt erfahren, als Männer? Hast du denn eine Quelle?

Ztw;ergYelf2


ich schließe mich der Frage über mir an. ;-D

P}auli_4Revexre


wie kommst du denn darauf, daß Frauen hier weniger Gewalt erfahren, als Männer? Hast du denn eine Quelle?

Ich hatte einfach mal angenommen, dass Vergewaltigungen von Frauen seltener sind, als Schlägereien unter Männern. Klar muss man noch häusliche Gewalt mit dazu zählen, aber selbst dann denke/hoffe ich, dass Männer einfach aufgrund ihrer Art und unserer Gesellschaft häufiger mit Gewalt konfrontiert werden.

f`alcmo pelegprinoidexs


Wie bekommt eine Frau nichts mit, du meinst, daß sie bewusstlos war?

Ich kann dir nur sagen, eine Vergewaltigung ist etwas der schlimmsten Dinge, die einer Person angetan werden können. Schmerzen, Angst(teilweise Todesangst), Ekel, Scham, Unterdrückt werden, sich wertlos fühlen, machtlos sein... und danach? Wer glaubt einem, wem kann man sich anvertrauen und ernstgenommen werden?

Ich denke mal, daß es einem vergewaltigten Mann da gefühlsmäßig nicht anders geht, als einer Frau.

E-hemaligger Nuttzer 2(#476%793^)


Hab jetzt lange überlegt ob ich überhaupt schreiben soll, aber naja.

Der Knackpunkt ist dass man es eben mitbekommt. Völlig unmöglich dass man es nicht spätestens im Nachhinein merkt, auch ohne dass einem einer das sagen muss. (Ich geh jetzt bei dem Szenario von k.o. geschlagen oder unter Betäubungsmittel gesetzt aus) man hat noch tagelang Schmerzen, ausserdem war es bei mir so, dass ich nachher auf dem weg nachhause die hose vollgeblutet hatte.

Nebenbei bin ich einer, der der Ansicht ist, die derzeitige Gesetzgebung ist bei Vergewaltigung zu lasch (wenn es denn überhaupt zur Anzeige/zu einem Verfahren kommt). die Strafen sind ein Witz, für das was man den Opfern angetan hat.

Auch wenn es mir grad nicht leicht gefallen ist, aber ich habe darüber nachgedacht, was jetzt wäre, wenn die Vergewaltigung tatsächlich passiert wenn die Person ohne Bewusstsein ist. mein Ergebnis: Man kann absolut nicht sagen, was schlimmer wäre, ob mit oder ohne Bewusstsein, es ist alles beide gleich schlimm. Mit Bewusstsein durchlebt man die Tat, man leidet hinterher, hat aber jemanden den man hassen bzw. meiden oder anzeigen kann. Ohne Bewusstsein: ja man kriegt die tat vielleicht nicht mit, dafür wird es hinterher umso schlimmer. Man denkt verzweifelt nach WAS passiert sein könnte, WER es denn gewesen sein könnte. Wem traut man noch? es könnte theoretisch genauso ein Person gewesen sein, die einem nahe steht - nur wird man das nie erfahren. Und vor allem hat man dann sicher immer im Kopf, dass es jederzeit wieder passieren könnte und langsam wird jeder und alles verdächtig.

Ganz toll sind dann übrigens immer die Stimmen die einem selbst die Teilschuld geben. Da will man dann auch lieber mit keinem sprechen bevor man den Mut zusammen nimmt und dann sowas zu hören kriegt. Man ist dann nämlich in so einer Situation wo man sich durch sowas angegriffen fühlt, aber dann selbst denkt ob man nicht doch selber schuld ist. Klingt voll nach Klischee, aber leider hat man diese Torfköpfe auch immer wieder. bei Frauen: Sie hats doch gewollt, Sie schläft doch eh mit männern da ist das ja nicht so schlimm, hätte sie nicht so was enges/kurzes, whatever getragen, sie hat es mit ihrem verhalten provoziert (sei es jetzt bücken, oder der große Busen, oder aus einem echten fall, da fühlte sich der Täter provoziert weil sie ihm in die Augen (!!!) gesehen hatte (wo soll sie sonst hinsehen?)) bei männern: passiert sowas doch eh nicht, hat man sowieso spass dabei gehabt, Männer schreien nur Vergewaltigung, wenn es ihnen zwar gefallen hat, aber die Person scheiße war, ein mann kann sich doch wehren wenn er was nicht will, die nuttig-karte hab ich auch schon abgekriegt, mann soll sich nicht so anstellen.... ganz zu schweigen dass man dann als schwach, blöde und sonstwas dasteht und das Gefühl kriegt der gegenüber würde am liebsten loslachen. Ehrlich....wem will man sich dann noch anvertrauen? übrigens, wenn man dann mal seinen Mut zusammen kriegt, gibt es immer noch Polizisten die sich einen dreck besser verhalten, dann kommt man sich gleich nochmal schäbiger vor.

Falco pelegrinoides, hat es gut beschrieben wie man sich in etwa fühlt. und alles bricht über sekundenschnelle auf einem herein. Man fühlt sich taub und möchte am liebsten Tod sein. Etwas das eigentlich schön sein sollte wird einem gegen seinen willen mit Gewalt angetan und hinterlässt nur schmerz, böses und verletztheit. Jemand übernimmt alle Kontrolle und man ist wehrlos und starr vor Angst (ist auch so eine Sache: weil dann heisst es wieder "warum haben Sie sich nicht gewehrt". weil man komplett starr vor angst war, der/die anderen in der Übermacht und man nur wollte das es endlich ein ende hat und man irgendwie heil wieder weg kommt) man fühlt sich wie ein innen leeres und totes Spielzeug des anderen. Besonders schlimm ist es wenn der eigene Körper dann auf die Idee kommt mit unangemessenen Reaktionen entgegenzusteuern obwohl man die Situation einfach furchtbar und in keinster Weise erregend findet. dann ekelt man sich nicht nur vor dem Täter und der Sache und hasst es sondern auch noch vor sich selbst. das ist als würde einen der eigene körper verraten und dabei kräftig enttäuschen.

Um jetzt darauf zurück zu kommen wie es nachhinein ist und wieso das für viele Opfer ein langes Trauma ist: Kopfmässig weiß man dass es eine/mehrere bestimmte Person/en war/en (bei Bewusstsein, beim eingangsszenario wird man ja im dunkeln gelassen und zermattert sich auch deswegen weiter den kopf) und eben nur diese es sind die man hassen muss und dass andere eben nicht so sind. kopfmässig. doch man fühlt sich so zerbrochen und durcheinander, dass man anfängt ganze gruppen zu meiden, Situationen zu meiden, ungern das haus verlässt (es könnte wieder passieren!), man hält Personen auf Distanz, vermeidet nähe (derjenige könnte ja auch so sein). Gleichzeitig sitzt man aber allein da und durchlebt die Situation immer und immer wieder.

Für den Täter ist die Sache gegessen, denn ich bezweifle das der im Normalfall da noch länger daran denkt oder daran zu knabbern hat.

Aber wie gesagt man hasst langsam seine eigenen Körper, man zweifelt an sich selbst ob man nicht doch was getan hat was es provoziert hat. Vielen Opfern fällt es sehr schwer überhaupt wieder körperliche Nähe zuzulassen. stell dir vor...nachdem man durch die hölle gegangen ist, trifft man jemanden in dem man sich verliebt und mit dem man auch körperlich zusammen sein will, aber es geht nicht. denn nähe löst in Zukunft panik aus. Eine bestimmte Berührung ruft dir die Tat ins Gedächtnis zurück. Ist nicht bei jedem so, aber doch bei vielen. Viele leiden jahre, Jahrzehnte weil sie keine kontakte mehr zulassen können obwohl sie wollen, sich nicht mehr raustrauen, angst haben. Und nie wieder die verdammte Erinnerung aus den Kopf kriegen. du kannst Jahre nicht dran denken und zack...hast du es wieder im Kopf. Deswegen finde ich die Schreie nach längeren Haftstrafen nicht ungerechtfertigt. Die opfer leiden nach der Tat immerhin auch noch jahrelang weiter. Aber juckt das jemanden? es ist ja nicht so als würde man es nach der tat vergessen und es hätte keine weiteren Konsequenzen. Ganz schlimm ist auch, dass man dazu neigt es für sich selbst zu behalten. Wem will man es denn auch sagen? Wer könnte es verstehen? Wem zieht man mit ins seelische tief? allen voran, selbst wenn man weiß das man selbst nichts dafür konnte und es der andere ist der verachtenswert ist, man schämt sich trotzdem selbst dass es einem passiert ist. ausserdem, würde man reden müsste man die ganze Situation auch noch mal durchgehen.

P&aulh_RevmerBe


Ich denke mal, daß es einem vergewaltigten Mann da gefühlsmäßig nicht anders geht, als einer Frau.

Das denke ich hingegen schon. Ich bin überzeugt, dass die sexuelle Orientierung, wenn ein heterosexueller Mann von einem Mann vergewaltigt wird auch noch eine Wirkung hat. Scham und Machtlosigkeit werden bei dem Männerbild in unserer Gesellschaft auch eine andere Wirkung auf ein männliches Opfer haben.

fralco pQele-grinoidxes


Bei einem homosexuellen Mann aber auch.

PDau~l_R0evexre


Bei einem homosexuellen Mann aber auch.

Wie meinst du das?

Ich wollte gezielt darauf hinaus, dass es sicherlich noch eine andere Wirkung hat, wenn jemand entgegen seiner sexuellen Orientierung vergewaltigt wird. Ein heterosexueller Mann von einem Mann, oder eine lesbische Frau von einem Mann. Selbst da wird es, denke ich, unterschiede in der Gefühlswelt geben.

T`halxina


@ catsdream

Was Du beschrieben hast ist beeindruckend offen und ich hoffe, Du konntest es mittlerweile einigermaßen verarbeiten. Gerade Männer scheuen sich ja oft offen über eine Vergewaltigung zu sprechen und ich finde es toll, dass Du das hier beschrieben hast.

Es gibt viel zu Viele die die Auswirkungen sexueller Gewalt völlig unterschätzen bzw Gewalt nicht mal als solche erkennen (wie leider grade erst hier in einem anderen Pfad zu lesen)

f*alco% pelegrin"oidexs


Ja Catsdream, man redet uU nimmt einen die Polizei ernst aber bei Gericht kann das echt so schlimm sein, daß man es nicht mehr aushält. Ich habe dissoziert und dann alles widerlegt, weil ich unfähig war zu sprechen. Wollte aber trotzdem weitermachen und bin ans zuständige Gericht weitergeleitet worden. Dort war ich mit einem Richter alleine in einem Raum und bat, daß doch bitte eine Frau dabei wäre oder wenigstens die Anwältin aber es kam zur Antwort er wäre das gewöhnt, saß ganz lässig auf dem Tisch. Ich konnte nicht reden und habe die Anzeige zurückgezogen.

Ich glaube, daß es sehr an die Substanz geht, soetwas durchzuziehen.

R`aBci\sxa


Das denke ich hingegen schon. Ich bin überzeugt, dass die sexuelle Orientierung, wenn ein heterosexueller Mann von einem Mann vergewaltigt wird auch noch eine Wirkung hat. Scham und Machtlosigkeit werden bei dem Männerbild in unserer Gesellschaft auch eine andere Wirkung auf ein männliches Opfer haben.

Männer können auch von Frauen vergewaltigt werden (das nennt sich dann auch "forced to penetrate") und werden das auch. Leider ist die Dunkelziffer hierbei aber wahrscheinlich so hoch, dass man wohl kaum konkrete Zahlen liefern kann.

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