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Vergewaltigungen

mAondB+sternxe


Ich kämpfe sehr mit den Schuld- und Schamgefühlen, eben weil ich nicht genug Kraft angewandt habe. Also bin ich schuld und dafür schäme ich mich. Und ich schäme mich für die Handlung an sich.

Du bist nicht Schuld. Das steht außer Frage.

Die Frage, ob Du genügend Kraft aufgewendet hast, entscheidet lediglich darüber, ob man jemand anders wegen Vergewaltigung bestrafen kann.

D@é.lNiée


Theoretisch weiß ich das ;-) .

Ich habe mich im Studium mehrmals wissenschaftlich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, u.a. die Schuld- und Schamgefühle und Möglichkeiten zur Unterstützung von Betroffenen mit einer bestimmten Methode der Gesprächstherapie.

Bloß ist es für mich etwas anderes, weil es mich selbst betrifft. Deshalb kann ichs darauf nicht anwenden.

Aber ich versuche ja bald, da irgendwie mal dran zu kommen. Ich bin schon unheimlich erleichtert, dass ich überhaupt so langsam mal mehr darüber schreiben kann. Ich war hier mal als Alias zu dem Thema unterwegs, habe es bei mir im Thread auch mal angedeutet, aber meine wirkliche Auseinandersetzung damit fängt ja erst ganz langsam an.

Dié.lxiée


Das schlimme an diesen Situationen ist dieses Gefühl der Wertlosigkeit an sich. Das ich nur auf meine Geschlechtsteile reduziert werde und nicht das Recht habe Nein sagen zu dürfen bzw mein Nein missachtet wird. Dass sich mit Gewalt genommen wird, worauf nur ich ein Recht habe, nämlich mein Körper und meine Sexualität. Dass meine Gefühle dem anderen scheißegal sind, weil er mich als F*ckmaterial ansieht was über ihren Körper nicht selbst zu bestimmen hat.

Das kann ich ziemlich gut verstehen.

Ich wehre mich seitdem total gegen Sexualität an sich schon, weil ich nicht etwas fühlen will (Lust oder sonst was), was jemand anderes gefühlt hat, als er es sich von mir mit Gewalt genommen hat. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen.

Klar, bei Vergewaltigungen spielen Macht und Kontrolle auch eine große Bedeutung, aber weil jemand Macht und Kontrolle über mich hatte, kämpfe ich jetzt verzweifelt darum, sie nie wieder herzugeben oder zu verlieren - mir selbst gegenüber.

Und sexuelle Erregung, die ja beim Täter wohl doch schon vorhanden sein muss - sei es durch die Macht oder einfach Lust - will ich nicht spüren.

m&ond+Dsterxne


Theoretisch weiß ich das ;-) .

Was macht es Dir als Betroffene praktisch so schwer zu verstehen, dass Du nicht schuld bist?

D;é.lxiée


Ich weiß, dass ich bei der "Sache" als Kind unschuldig war. Die Jugendlichen waren einfach stärker und ich noch klein.

Später war der Erwachsene ebenso stärker und mir überlegen, ich hätte schreien können wie ich wollte, mich hätte niemand hören können. Und Flucht war ausgeschlossen, weil ich sonst wohl ertrunken wäre.

Das war auch der einzige Vorfall der zur Anzeige gebracht wurde, weil es letztendlich doch einen Zeugen gab.

Aber später war ich nicht mehr klein und hilflos und ein Kind, sondern fast erwachsen. In mir eingesperrt, aber eigentlich in einem Raum voller Menschen. Ich hätte nicht einmal sonderlich laut schreien müssen, aber ich habe gar nichts gesagt.

Und noch viel später, da ist die Lage einfach noch komplizierter und das ist auch das Ereignis, an dem ich am meisten zu knabbern habe. Aber das ist kompliziert und über die genauen Umstände schreibe oder rede ich nicht. Engste Vertraute kennen den groben Umriss, aber die wichtigen Details bringe ich nicht über meine Lippen vor lauter Scham.

In meiner Biographie gibt es durch meine Opferhaltung mittlerweile eine ganze Reihe von Übergriffen und sachlich gesprochen kann ich differenzieren, dass ich das alles bisher nie verarbeitet habe und dadurch wohl auch die gewisse Ausstrahlung habe, aber eine Stimme in mir sagt eben, dass es doch was bedeuten muss, dass es mir immer wieder passiert. Dass es dafür eine andere Begründung gibt.

*

Ich glaube, ein weiterer Punkt, dass viele so lange daran leiden, ist auch, dass man vieles oft verdrängt. Viele dieser Taten sind bis ins Detail in mein Gedächtnis gebrannt, aber manchmal wünsche ich mir, sie zu vergessen und verdränge es ins Unendliche, bis irgendwas - sei es eine Berührung oder nur ein Wort oder ein Geruch - dazu führt, dass mich die Bilder erschlagen. Ich konnte ganz lange nicht mehr das Meer sehen/riechen oder hören oder einen großen See, ohne mich zu erinnern. Mittlerweile geht es wieder, aber nur, wenn ich das Meer auch sehen kann, nicht nur rieche oder höre. Und die Umgebung dazu, also alles nördliche geht, solange ich meine Augen auf habe. Mittelmeer oder sowas gar nicht.

Dadurch, dass es immer wieder hochkommt, lässt es einen nicht in Ruhe.

Und wenn es mal gerade nicht so präsent ist, dann ist es unterbewusst doch irgendwie da und letztendlich weiß ich immer, dass irgendwas nicht stimmt, aber will dann einfach nicht sehen, was es ist und kehre es um, wie automatisch. Da war gerade in der Klinik ein Vorfall, der ganz anders hätte ablaufen können, wenn ich aus meinem Muster hätte ausbrechen können. Aber das ist halt unheimlich schwer.

*

Ich weiß, dass es wahrscheinlich total Quark ist, aber ich stelle mir immer vor, dass ich mich noch verletzlicher mache, wenn ich darüber rede. Und dass es wieder realer wird, wenn ich es ausspreche. Dann werden die Bilder intensiver, erdrückender und ich fühle mich dann immer, als ob es mich zerreißen würde. Und dann mache ich immer Dinge, die ich nicht tun sollte und verliere die Kontrolle, bloß ging es bisher immer gut.

Gleichzeitig sehe ich die ganze Handlung eben als schrecklich schmutzig an und ekel mich so vor mir selbst, dass ich Angst habe, dass andere es auch tun, wenn ich es erzähle. Ich wurde eigentlich ganz anders erzogen, aber letztendlich wurde ich zu einem verklemmten Etwas, das über sowas nicht spricht.

mRo;nd+usterxne


@:)

Zcwergoeqlf2


Dé.liée

Ich weiß, dass es wahrscheinlich total Quark ist, aber ich stelle mir immer vor, dass ich mich noch verletzlicher mache, wenn ich darüber rede. Und dass es wieder realer wird, wenn ich es ausspreche. Dann werden die Bilder intensiver, erdrückender und ich fühle mich dann immer, als ob es mich zerreißen würde.

das finde ich so überhaupt keinen Quark. Sondern unglaublich nachvollziehbar, weil es mir viele Jahre ähnlich ging. Ich kann das sehr gut verstehen und möchte dich gerne einfach mal virtuell drücken, wenn ich darf.

:)_

D;é.dliéxe


Danke :)_ .

Ich bin gerade selbst erstaunt, wie gut ich für meine Verhältnisse meine Gedanken dazu mal sortieren konnte. Bzw. die Gefühle, die beim Schreiben hoch kamen, so ein kleines bisschen annehmen konnte, wenn auch sehr distanziert von mir selbst.

Das ist so der Batzen, den ich jetzt langsam mal aufarbeiten müsste, aber die Angst davor und die Scham sind so überwältigend.

Zfw4e~rgeSlfx2


Das ist so der Batzen, den ich jetzt langsam mal aufarbeiten müsste, aber die Angst davor und die Scham sind so überwältigend.

ich kann dich so gut verstehen. Es erfodert viel Kraft und Mut, sich dem zu stellen. Und ich wünsche dir, dass du es schaffst. :)*

Als ich "meinen Batzen" endlich aufarbeiten und der Knoten in meiner Brust und meinem Herzen geplatzt war, ging es mir wesentlich besser als vorher. Daher kann ich dir nur empfehlen, dich dem zu stellen. Aber bitte denke immer daraund und vergiß niemals, dass du keinerlei Schuld am Geschehen trägst. Das hat bei mir nämlich auch eine Rolle gespielt, wenn auch anders...

Zcwergxelf2


es haben sich in obigem Text 2 Fehler eingeschlichen.

*erfordert

*daran und...

D^é.l.iée


Danke! @:)

Als ich "meinen Batzen" endlich aufarbeiten und der Knoten in meiner Brust und meinem Herzen geplatzt war, ging es mir wesentlich besser als vorher.

Das freut mich wirklich sehr für Dich! :)*

*

Mir ist noch was eingefallen: Ich habe keinem einzigen von denen den Tod gewünscht oder sowas. Manche waren Fremde, aber manche kannte ich persönlich und habe sie auch noch öfter wieder gesehen. Das war ein schreckliches Gefühl, besonders bei einer Person war es für mich nur sehr sehr schwer zu ertragen, weil ich dadurch noch weniger vergessen konnte, was passiert ist.

Ich frage mich im Nachhinein oft, warum ich zumindest bei manchen nicht anders gehandelt habe. 2 hätte ich gewiss anzeigen können. Komischerweise würde es mir bei einer fremden Person, die man im Nachhinein fassen würde, leichter fallen als bei Menschen aus dem näheren Bekanntenkreis, weil sie mit Freunden von einem selbst befreundet sind.

Sie haben also - bis auf den einen - alle keine Strafe bekommen und natürlich denke ich manchmal, dass sie doch irgendwas verdient haben müssen, weil sie mir das angetan haben und in meiner momentanen Sicht mein Leben ein bisschen mehr zerstört haben, aber meistens denke ich eben genau nicht so, weil die Schuldgefühle überwiegen.

*

Lieber TE, hast du durch die ganzen Rückmeldungen denn ein bisschen die Fragen für Dich klären können?

Z0we}rgexlf2


Ich frage mich im Nachhinein oft, warum ich zumindest bei manchen nicht anders gehandelt habe. 2 hätte ich gewiss anzeigen können. Komischerweise würde es mir bei einer fremden Person, die man im Nachhinein fassen würde, leichter fallen als bei Menschen aus dem näheren Bekanntenkreis, weil sie mit Freunden von einem selbst befreundet sind.

Auch das kenne ich sehr gut, man hat einfach Skrupel. Leider an der völlig falschen Stelle, denn hier wäre eine Anzeige der absolut richtige Weg gewesen.

Sie haben also - bis auf den einen - alle keine Strafe bekommen und natürlich denke ich manchmal, dass sie doch irgendwas verdient haben müssen, weil sie mir das angetan haben und in meiner momentanen Sicht mein Leben ein bisschen mehr zerstört haben, aber meistens denke ich eben genau nicht so, weil die Schuldgefühle überwiegen.

Das ist schade, denn verdient hätten es alle, dass sie zur Rechenschaft gezogen und einem Richter vorgeführt werden. Aber das kannst du ja immer noch tun. Ich wünsche dir alles Gute und ganz viel Kraft. :)*

Dfé.Tliéxe


Das ist schade, denn verdient hätten es alle, dass sie zur Rechenschaft gezogen und einem Richter vorgeführt werden. Aber das kannst du ja immer noch tun.

Hm ja, viele Übergriffe sind in Clubs passiert, manche im Ausland. Das würde wahrlich schwer werden. Aber ich versuche trotzdem irgendwie Frieden mit mir zu schließen.

fPalcoE pelegCrinoidxes


Ich habe das Gefühl, daß Random_dawg hier gar nicht mehr schreiben wird. Was ich sehr schade finde. Mich würde wirklich interessieren, ob sich seine Meinung geändert hat. Er hat ja jetzt viele Erfahrungsberichte lesen können und gehört, wie sich das Opfer fühlt.

Pxfeffer1mijn!zboxnbon


Mich würde auch mal was interessieren....

Allein das Wort Vergewaltigung ist ja gekennzeichnet durch "Gewalt" ich habe oft das Gefühl, dass nur Übergriffe als Gewalt angesehen werden, die mit sichtbaren Spuren von Gewaltanwendung, am besten von Fremden, einhergehen.

Ich sehe das aber so, dass jeder sexuelle Übergriff einer Person egal ob bekannt oder fremd, einer Vergewaltigung gleichkommt wenn ich diesen Übergriff nicht will. Wenn ich also begrapscht werde, ist das für mich ein sexueller Übergriff und keine Belästigung; eine Belästigung wäre wenn man sexuelles zu mir sagt oder bilder zeigt.

Wenn ich also diese Definition zugrunde lege, würde ich gerne mal wissen, wie viele Frauen/Mädchen schon Opfer sexualisierter Gewalt wurden, ohne das dies zur Anzeige gebracht wurde, weil eben keine sichtbaren Spuren vorhanden waren. Ich glaube da würden sich alle wundern wie oft das vorkommt.

und dann würde mich noch interessieren, was in dem Fall Männer, dazu bewegt, sexuelle Handlungen gegen ein klares Nein oder sichtlichen Unwillen an einer Frau/ einem Mädchen vorzunehmen.

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