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Ich bekomme Angst, wenn jemand Schreit

_mParv>at%i_ hat die Diskussion gestartet


Hallo, ich bin gerade von einem Termin bei meinem Thera zurückgekommen und bin nervlich ziemlich angeschlagen. Ich muss erst mal etwas ausholen: Die letzten Sitzungen ging es hauptsächlich um Ängste (Angst vorm Auto fahren) und chronische Schmerzen, die wahrscheinlich auch durch Ängste aufrecht erhalten werden. Eigentlich bin ich wegen einer PTBS in Therapie gegangen, der Rest hat sich dann noch so ergeben. Zudem will mein Thera die Therapie verlängern, da wir noch mein Problem mit dem Haare reißen *Augenbrauen und Wimpern* angehen wollen, was wohl auch mit Ängsten bzw. unterdrückten Gefühlen zu tun hat.

Der Zwischenstand ist:

- Die PTBS habe ich gut überwunden - na ja, dachte ich, aber dazu später.

- Ich fahre wieder Auto seit fast einem Jahr, aber hauptsächlich bekannte Strecken, bei wenig Verkehr, nicht allein und am Wochenende. Mich ins Auto zu setzten ist oft noch eine ziemliche Überwindung.

- Die Schmerzen bekomm ich nicht in Griff. Habe schon so viel versucht. Aber da gehe ich jetzt nicht zu sehr ins Detail, da es den Rahmen sprengen würde.

Die Therapie hat mir also schon gut geholfen. Vor allem konnte ich mich und meine Gefühle besser kennenlernen. Gefühle sind für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Ich kann sie nur schwer ausdrücken und mit Worten beschreiben. Ich merke oft nur körperliche Reaktionen, wie Anspannung, Schwitzen, Tränen, Herzrasen usw. aber ich kann es nur schwer mit einem Gefühl in Verbindung bringen. Aber mir wird durch die Therapie so vieles plötzlich klarer. Was jetzt zu meinem Anliegen führt.

Ich habe schon eine Weile die Vermutung, dass, wenn jemand Schreit/Brüllt, starke Ängste in mir ausgelöst werden. Meine zweite Vermutung ist, dass das etwas mit meinem Trauma zu tun hat, als mich mit 14 mal ein Mann mit einem Gewehr bedrohte und mich ziemlich arg anbrüllte, was ich zu tun und zu lassen habe. Es war ein reines Machtspiel - körperlich ist mir zum Glück nichts passiert.

Mal ein paar Beispiele, wie sich das heute bei mir äußert:

- Ich bin launisch und lasse es z.T. an meinem Mann aus. Mein Mann ist verständlicher weise genervt, wird etwas lauter im Ton (es ist noch nicht mal ein Schreien) und sagt, ich soll meinen Mund halten. Das reicht schon, dass ich regelrecht erstarre, Herzrasen bekomme und meinem Mann erst mal nicht mehr unter die Augen treten will, weil ich plötzlich so ein überaus ungutes Gefühl habe, wo mir jetzt klar ist, dass es nur Angst sein kann.

- Meine Nachbarn sind sexuell sehr aktiv und... laut. Frühs oder mitten in der Nacht kommt es vor, dass ich regelrecht vor Schreck durch den Orgasmus meines Nachbarn wach werde und Herzrasen und Schweißausbrüche bekomme. Ich weiß, es sind nur Lustschreie, aber bei mir wird dabei irgendein Schalter umgelegt.

- Und jetzt noch ein Beispiel, was heute bei meinem Thera passiert ist... Mein Thera hat die Praxis in einem Mehrfamilienhaus. Sein Nachbar ist oft laut. Bisher habe ich aber zum Glück nicht so viel davon mitbekommen, aber heute war volle Action. Der Typ hat übelst mit jemanden gestritten (wahrscheinlich mit seiner Frau/Freundin). Man kann sich ja jetzt denken, was in mir vorging.

Meinem Thera habe ich von meiner Angst nichts gesagt, was ich wahrscheinlich hätte tun sollen. Er merkte aber die ganze Sitzung über, dass ich sehr angespannt und unkonzentriert bin. Er dachte aber eher, dass die Ursache das Thema war, was wir besprochen haben. Das mag meine Angst eher noch verschlimmert haben, aber die eigentliche Ursache war eher sein Nachbar.

Soll ich mit meinem Thera bei der nächsten Sitzung über die zvergangene Sitzung reden? Mit ihm darüber reden, dass ich irgendein Problem damit habe, wenn jemand lauter wird? Ich habe nur Angst davor, dass das Trauma wieder zum Thema wird. Ich war so froh, das abgehakt zu haben.

Antworten
f1alxco pBelegriUnoxides


Liebe Parvati,

an deiner Stelle würde ich mit dem Therapeuten in der nächsten Stunde darüber reden. Es kann dir nur helfen, wenn ihr in der Therapie an deinem Problem arbeitet. Du magst zwar jetzt schon etwas Angst davor haben aber nach einiger Zeit, wirst du dich merklich besser in solchen Situationen fühlen. Es ist ja auch kein Wunder, wenn du als Kind mit einem Gewehr bedroht wurdest, daß du das nicht einfach so leicht wegstecken konntest. Können ja sicher auch die meisten Erwachsenen nicht. Das ist ja auch irgendwie ein Trauma. Dein Therapeut wird dich da bestimmt verstehen und mit dir gemeinsam an der Verarbeitung arbeiten.

Liebe Grüße

_)Parv]ati_


Danke dir für deine Antwort :) Bleibt mir wohl nix anderes übrig, als über meinen eigenen Schatten zu springen und das mal anzusprechen...

Noch was anderes: Könnte mir jemand den Unterschied zwischen einer Angststörung und einer generalisierten Angststörung erklären? Oder anders gefragt: Was macht eine Angststörung zu einer generalisierten Angststörung?

Letzteres hat mir kurzlich mein Therapeut diagnostiziert und jetzt habe ich mich ein wenig zur generalisierten Angststörung belesen und finde mich darin überhaupt nicht wieder. Dass ich spezielle Ängste habe, z.B. Angst vorm Auto fahren, weiß ich ja. Aber wie er jetzt auf eine generalisierte Angststörung kommt ist mir ein Rätsel ":/

sKoYfasüßikartoQffexl


Naja also, ich bekomme auch ein mulmiges Gefühl und Herzrasen, wenn mich jemand volle Kanone anschreit. Man weiß ja nie, wie weit dieser Mensch dann noch geht, wenn er verbal schon die Kontrolle verliert. Ich finde das normal, dann so zu fühlen.

_@Par}vaxti_


@ sofasüßkartoffel

Mir geht es weniger darum, wenn mich jemand persönlich extrem anschreit sondern mehr darum, wenn ich generell jemanden schreien höre. Dafür muss ich ihn noch nicht mal zwingend sehen. Zudem habe ich dieses Angstgefühl nur bei Männern und nicht, wenn Frauen oder Kinder schreien oder gar mich gezielt anschreien.

L_icAhtAVmHorizxont


Ich kann es auch nicht leiden, wenn geschrien wird - auch (bzw. vor allem) wenn nicht ich angeschrien werde. Wenn sich in meiner Nähe zwei Menschen anschreien, bekomme ich auch Herzklopfen und steife Gliedmaßen. Das können auf der Straße Leute sein, oder in der Nachbarschaft, in der Wohnung über/unter mir oder so.

Manchmal stellt sich später heraus, dass es kein aggressives Schreien war, sondern vielleicht welche zu viel getrunken und daher nur zu laut geredet haben, oder ich höre dann lautes Lachen, dann bin ich sehr beruhigt.

Wenn mich ein enger Vertrauter anschreit (z.B. Partner, oder auch mein Vater…), ist es noch anders - dann schreie ich zurück. Denn diese Leute kann ich "berechnen", mit deren Wut umgehen, kenne in der Regel den Grund. Schreit mich ein eher Fremder an, kommt es darauf an, wie ich die Person spontan einschätze (gefährlich/nicht gefährlich). Tatsächlich ist es für mich aber weniger schlimm, direkt angeschrien zu werden, als wenn sich in der Umgebung Leute anschreien.

Woher ich dieses Trauma habe, weiß ich nicht.

@ TE

Definitiv würde ich das in der nächsten Therapiestunde ansprechen.

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