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Plötzlich ist der Boden weg O_o

RwoteAutos}BlauezsKLichxt hat die Diskussion gestartet


Einen schönen guten Morgen,

Ich bin seit Jahren stiller Mitleser dieses Forums und habe es doch jetzt mal tatsächlich geschafft mich hier anzumelden.

Zur Zeit befinde ich mich im Nacht-(Bereitschafts)Dienst und bin nun knappe 20 Stunden wach. ich bitte daher etwaige orthographische Schwächen zu entschuldigen.

Zu meiner Person:

Fast 30, männlich, seit 4 Jahren fest liiert, demnächst anstehende Verlobung, super Freunde und absolut stabile familiäre Verhältnisse. Wir sind beide Vollzeit und unbefristet im Gesundheitswesen beschäftigt, haben ein gutes Haushaltseinkommen, ich habe vor kurzem ein Haus erworben, ich bin in der Woche 4-6 mal sportlich aktiv, habe Hobbys die mich ausfüllen und selbst die Arbeit in der Notfallmedizin macht mir trotz allen negativen Seiten tierisch Spaß.

Kurzum meine Sozialanamnese ist nicht die schlechteste.

Aufgewachsen bin ich ebenfalls in stabilen Verhältnissen (bis auf (friedliche) Trennung der Eltern im Alter von 12). Ich hatte und habe einen großen und super tollen Freundeskreis.

Ich würde mich selbst als psychisch relativ stabil bezeichnen und hatte trotz einiger Schicksalsschläge (Krankheit der geliebten Großeltern, eigene Schwere Erkrankung vor 3 Jahren) nie riesen Probleme im Leben klar zu kommen.

Jedenfalls vor knap einer Woche bin ich mit meinem Hund zur Tierklinik wegen eines Harnweginfektes. Dort angekommen teilte man mir nach dem Urinstatus mit, dass ich mit allem (inkl. Sofortige Erlösung) meines sonst gesunden Tieres zu rechnen habe. (Es wurde dort eine falsch positive Hämolye diagnostiziert). Nach 3 Stündchen warten und bangen stellte es sich doch nur als Harnwegsinfekt dar und alles war super.

Seit diesem Zeitpunkt steht meine Welt Kopf. Ich habe seit der Aussage, dass ich meinen Beschützer, besten Freund und absoluten Traumhund sofort verlieren kann die verschiedensten Probleme mein Leben zu bestreiten.

Ich wache beispielsweise 3-4 mal jede Nacht tränenüberströmt auf und muss nachsehen ob mein (gesunder) Hund noch atmet. Bei dem leisesten Gedanken an das Tier schießen mir (selbst im Dienst) die Tränen in die Augen. Ich kann auch nur noch schwer ohne ihn das Haus verlassen, weil ich Angst habe er könne nicht mehr da sein wenn ich zurückkomme. Das alles kenne ich sonst von mir garnicht.

Geredet habe ich mit Freunden und Freundin darüber seit dem Tag an dem es "Klick" gemacht hat. Geholfen hat es bisher nicht.

Daher wollte ich hier mal nachfragen ob vielleicht jemand einen Tipp für mich hat was noch helfen könnte. (Kenne berufsbedingt leider nur Anästhesisten gut privat und keinen Psychiater ;-) )

Ergänzend sollte ich bzgl. meiner Person noch anmerken, dass ich aufgrund von Studium, Ausbildung etc. seit jetzt genau 14 Jahren nicht mehr in Urlaub war. (Hatte nie die Zeit habe nur gearbeitet/gelernt)

Wobei ich gerade merke, dass das niederschreiben bereits ganz gut getan hat :)z

Antworten
w7intersNonne x01


Mensch, da hat es dich aber wirklich doof erwischt. :°_ Vielleicht bist du auf Grund deines jahrelangen "nur" funktionierens etwas zu verletzlich geworden?

Vielleicht bessert es sich langsam, wenn mehr Zeit vergeht und wenn du versuchst mal ganz realistisch anzunehmen, dass jedes Tier mal sterben muss. So ist der Lauf der Dinge nun mal auf dieser Welt, kennst du ja als jeman, der im Gesundheitswesen tätig ist.

Realistisch die Situation einordnen, heißt aber auch, dass dein Hund wahrscheinlich momentan noch ein langes Leben vor sich hat.

Und glaube, mir, ich weiß, wie man sein Herz auch an ein Tier hängen kann (habe bitterlich geweint beim Tod meiner Katze und war auch einige Wochen sehr traurig)..... aber ich kenne von mir auch, wenn mir alles zuviel wird, dass ich dann eher weinerlich, emmotionaler bin.

Versuche doch mal Urlaub zu bekommen, raus aus dem Alltag....erholen, an etwas anderes denken.

2h76wodrkxs


Es kann sein, dass die Sache mit dem Hund eine Lawine losgetreten hat. Das es also gar nicht primär und ausschließlich um die Sache mit dem Hund geht.

Cpomrxan


Hast du dich im Leben vielleicht bisher zu sicher und geborgen gefühlt und jetzt wurde dir klar, dass es nicht immer so bleibt? Du bist ja noch relativ jung, da weist man Vieles noch von sich, von dem man zwar rational betrachtet weiß, aber es nicht als zum Leben dazugehörig bewertet. Und plötzlich ist es dann doch ganz nah.

Dmakkxi


Hallo RoteAutosBlauesLicht,

der Gedanke, dass unsere Hündin in nicht allzu ferner Zukunft nicht mehr bei mir ist, treibt mir auch oft die Tränen in die Augen. Aber es nützt ja nichts, deshalb verdränge ich das so schnell wie möglich wieder und dann geht es auch.

Dass Dich die Angst um Deinen Hund im Moment so wegbämst hat vermutlich echt irgendwelche tieferliegenden Gründe. Du schreibst von einer überstandenen, schweren Erkrankung, könnte das etwas sein, was Du noch nicht richtig verarbeitet hast und das jetzt in dem Moment, wo Du nicht wusstest, ob Dein Hund lebt oder stirbt, an die Oberfläche gelangt ist?

2E76woxrks


Hast du dich im Leben vielleicht bisher zu sicher und geborgen gefühlt und jetzt wurde dir klar, dass es nicht immer so bleibt? Du bist ja noch relativ jung, da weist man Vieles noch von sich, von dem man zwar rational betrachtet weiß, aber es nicht als zum Leben dazugehörig bewertet. Und plötzlich ist es dann doch ganz nah.

Comran

Das ist auch möglich. Als ich noch 20 war, dachte ich auch immer, sterben tun die Leute nur woanders, nicht bei uns in der Familie. Natürlich wußte ich, dass das nicht sein kann, aber im Gefühl war es so...bis dann halt der erste Tod kam.

ABER...normalerweise verpackt man das dann, aber beim TE scheint da ja jetzt ein Dauerbrenner ins Rollen gekommen zu sein.

M8iss|MaQrie


Ich kann dich da voll verstehen, mir gehts bei den MIezen genauso.

Ich mach mir mehr Sorgen um Sie als um mich @:)

Weißt du was ich glaube.

Wie du schreibst hast du dein Leben eigentlich nur mit Arbeit vollgestopft.

Kann es sein dass die "vertane" Zeit in den Kopf geschossen ist, die dein Unterbewusstsein

auf einen Duscher nachholen will?

Geh mal in dich und überlege.

Die Arbeit ist wichtig aber du gehst in die Arbeit um zu Leben, du lebst niccht um zu arbeiten :)^

Versuche dir mehr Zeit mit deinen Lieben (ob Mensch oder Tier) zu gönnen.

sFcIhilchxer


Dir ist wohl zum ersten mal bewusst geworden, dass das Leben endlich ist. Und jetzt sind vielleicht Verlustängste frei geworden. Wenn es erst eine Woche her ist, dann würde ich abwarten und mit Deiner Freundin darüber sprechen.

P_ythoVnist


schilcher hat das Wort genannt, dass mir auch in den Sinn kam: Verlustangst.

Mein Ansatz wäre dann zu schauen, was die Psychotherapeutische Literatur darüber schreibt. Über mögliche Ursachen und Therapieansätze. Auch Eigentherapie-Ansätze.

Z.B. das hier für Betroffene, auch wenn es meist um Verlustängste zu anderen Menschen, und nicht Haustieren geht:

[[https://www.amazon.de/Verlustangst-wie-%C3%BCberwinden-Fachratgeber-Klett-Cotta/dp/3608860347]]

Hast du diese Verlustängste auch in Bezug auf andere? Deine Großeltern hattest du ja geschrieben, aber auch z.B. um die Freundin? Oder die weiteren Freunde? Oder die getrennt lebenden Eltern?

Konfrontationstherapie wirkt oft sehr gut gegen Ängste, die nicht dein Leben oder deine Gesundheit gefährden. Konfrontation (und diese stufenweise steigern, immer so dass es aushaltbar ist) wäre in diesem Fall vielleicht, dass du bewusst auch Zeiten ohne den Hund schaffst, so absurd das auch klingen mag. Ihn auch mal paar Stunden, 1 Tag, einige Tage, 1-2 Wochen weggibst und merkst: du überlebst. Und er kommt zurück: gesund. Und es geht weiter. Und auch wenn die Freude danach groß ist, ihn wiederzuhaben, können sich durch diese Erlebnisse die Verlustängste reduzieren.

Das andere Stichwort wäre Projektion. Du könntest den Verlauf der Beziehung und deine Erfahrungen mit der Krankheit der geliebten Großeltern nun eben auf den geliebten Hund beziehen. Hier liegt die Chance darin, das besser zu trennen. Großeltern = Großeltern, Hund = Hund. Und gleichzeitig einen gewissen Realismus aufzubauen. Hunde werden bei weitem nicht so alt wie Menschen. Und es gilt auch für die Hundebesitzer, sich ein kleines bisschen mental darauf vorzubereiten, dass ihr Hund nicht für immer bei ihnen sein wird.

Was ich sehr gut verstehen kann, ist, dass dich diese abrupte Information in der Tierklinik aus der Bahn geworfen hat, denn es trifft einen unerwartet und unvorbereitet, ohne Zeit für einen potenziellen Abschied. Und das wird einem dort bewusst.

Sollte das noch länger so bleiben ("3-4 mal jede Nacht tränenüberströmt" finde ich ein deutliches Warnzeichen!) fände ich sehr ratsam, psychotherapeutische und ggf. psychiatrische Unterstützung zu suchen. In Richtung depressive Verstimmung / depressive Episode. Dann wäre erstmal eine körperliche Stabilisierung angesagt (z.B. mit Beruhigungsmitteln und/oder Antidepressiva), bevor später die Tiefendiagnose und Therapie (z.B. als Verhaltenstherapie oder Konfrontationstherapie, aber vielleicht auch anders) beginnt. Ausschlaggebend dafür wird sein, welchen Effekt dein Verlustangst-Verhalten auf dich hat: auf die Arbeit, auf Beziehungen zu anderen Menschen (Freundin, Eltern, Kollegen, Freunde), auf dein allgemeines Befinden.

Plyt(honisxt


BTW: Wie verarbeitest du deine Eindrücke aus deinem Job, der Notfallmedizin? Auch da kann ich mir sinnbildlich vorstellen, dass die Angst um den Hund für die Angst steht, die Patienten zu verlieren. Ohne etwas machen zu können. Auch das kann ich mir vorstellen: in der Notfallmedizin kannst du selbst aktiv agieren, und bis immer informiert. Bei den 3 Stunden warten, ob es der Hund schafft, musstest du vermutlich solange draußen warten, wie alle anderen Hundebesitzer auch. Und das ist für einen Notfallmediziner natürlich eine Situation von Ohnmacht. Während du gutes medizinisches Wissen hast, aber hier auch merkst, was Diagnosefehler bedeuten können. Dir könnte bewusst geworden sein, dass falsche Diagnosen auch falsche Therapien nach sich ziehen können. Und dass die, die eigentlich retten und helfen wollen, durch Fehler eben auch - in wenigen Fällen - unbeabsichtigt die Situation eines Patienten verschlimmern können. Gleichzeitig bekommst du als Notfallmediziner ja die krassen Fälle auf den Tisch, und eher selten die harmlosen. Ich denke, dass sich auch dadurch die Fokussierung auf krasse Fälle schärft und ein bisschen verengt.

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