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Tochter (16), Zwangsstörung, jetzt Depression+Selbstmordgedanken

HBor"stHanxna hat die Diskussion gestartet


Hallo liebes Forum,

seit langem lese ich still mit und habe lange gekämpft, ob ich diesen Beitrag schreiben soll. Jetzt bin ich aber total am Ende und weiß nicht weiter...

Meine Tochter ist seit Juli wegen Zwangsstörungen in therapeutischer Behandlung, nimmt momentan 2 x täglich 250 mg Quetiapin retard. So, die Zwangsstörungen hat sie nie wirklich im Griff gehabt, jetzt bricht aber alles über sie ein. Ihr Freund hat vor ca. 2 Monaten mit ihr Schluß gemacht und seitdem ist es immer schlimmer geworden. Einige Zeit hat sie noch Hoffnung gehabt, dass sie wieder zusammenkommen, seit gut zwei Wochen ist es klar, dass es nicht so ist.

Nun habe ich das Gefühl, dass sie depressiv wird. Sie geht teilweise nicht zur Schule. Aktuell liegt sie seit zwei Tagen im Bett (schläft viel) und geht nicht zur Schule, obwohl sie eigentlich heute wollte. Heute Nacht schrieb mir ihr Ex, dass sie Selbstmordgedanken hat (die beiden haben noch viel Whatsapp-Kontakt, weil sie sonst durchdreht).

Am Montag hatte sie einen Termin bei ihrer Therapeutin, die hat wohl auch schon mit ihr darüber gesprochen, ich weiß aber nichts genaues.

Ich bin total verzweifelt und weiß nicht was ich tun soll, ich will ihr so gerne helfen...

Stundenweise ist sie besser drauf und macht auch Pläne, dann ist aber wieder alles weg...

Das sind jetzt nur so die wichtigsten Punkte, mir schwirrt der Kopf, ich könnte einen Roman schreiben, weiß aber nicht, was wichtig ist...

Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich selbst in eine Depression schlittere, könnte die ganze Zeit weinen...

Kann mir jemand einen Rat geben? Die Therapeutin habe ich heute morgen kontaktiert, sie wird sich heute noch melden.

Ich habe solche Angst....

Antworten
d{anaeD8x7


Mh, das ist eine scheiß Situation in der du da steckst. Ganz akut würde ich das Gespräch mit der Therapeutin abwarten und gegebenenfalls eine Einweisung vornehmen lassen. Deine Tochter würde vermutlich rasen vor Wut, aber besser rasend vor Wut als tot und für den Ex wäre das sicher auch eine Erleichterung. Gerade muss der sich ja furchtbar verantwortlich fühlen, dabei ist er es gar nicht und kann auch nicht wirklich was machen. Wenn der nun einmal den Akku leer hat und deine Tochter springt wird niemand so schnell wieder froh. :-|

Langfristig würde ich dir empfehlen dich einer Gruppe für Angehörige psychisch kranker Menschen anzuschließen, wenn es sowas bei euch gibt. So eine Belastung muss man nicht alleine schultern und die Erfahrung anderer kann ungemein wertvoll sein, damit man nicht in dem Versuch zu helfen eine krankmachende Situation noch stabilisiert.

Ich wünsch dir viel Kraft. @:) @:)

D0ieK1ruemi


Redet deine Tochter denn auch mit dir? Sie hat eine Therapeutin, sie hat noch Kontakt zum Ex, aber was ist mit dir? Oder hat sie eine andere Vertrauensperson, mit der sie sich austauschen kann?

Den Kontakt zum Ex halte ich für falsch, der junge Mann sollte einen sauberen Schnitt ziehen.

Die Therapeutin sollte ggf herausfinden, wie realitätsnah die Suizidgedanken deiner Tochter sind und sie ggf mit akuter Depression stationär einweisen--wenn es denn eine akute Depression ist und nicht nur Liebeskummer mit erpresserischer Neigung.

P2eddxi


Deine Angst kann ich verstehen. :)_

Ich habe zwar kein selbstmordgefährdetes Kind, aber eine Tochter mit einer schweren Erkrankung. So meinte ich das.

Hast Du selber für Dich auch Hilfe? Du sagst, dass Du wohl selber auch in eine Depression steuerst? Habt Ihr mit der Therapeutin gemeinsam mal überlegt, ob Deine Tochter vielleicht mal in eine Klinik sollte?

H5orstHainna


Danke euch für die schnellen Beiträge.

Mh, mit mir reden, also ich rede sehr viel mit ihr, sie sagt aber entweder nichts oder zuckt mir der Schulter. Sie redet nur über die normalen Dinge. Evtl. will sie nichts sagen, weil sie sieht wie ich traurig bin.

Sie hat aktuell eine beste Freundin, die einzige (außer dem Ex), die auch über die Zwangsstörungen Bescheid weiß. Ich kenne sie allerdings nicht, nur den Namen (Tel.Nr. habe ich). Habe auch schon überlegt, sie anzuschreiben und sie auszufragen. Allerdings kenne ich sie wie gesagt nicht, der Schuß könnte nach hinten losgehen?

nicht nur Liebeskummer mit erpresserischer Neigung.

Das habe ich mir auch schon überlegt...

Einen Kontaktabbruch zum Ex halte ich eigentlich auch für besser, aber vielleicht ist es für sie so besser aushaltbar (auch in Anbetracht ihrer sonstigen Krankheit)...

Tja, Hilfe für mich... Habs heute meinem Mann gesagt... Auch über den aktuellen Zustand von ihr... Seither hab ich das immer alleine gemeistert, weil er mit psychischen Sachen einfach nicht umgehen kann...

CUara2maluax 2


Was hat sie denn für Zwangsstörungen? Du musst nicht antworten, wenn du nicht willst.

Wenn sie nicht in die Schule geht und wenn sie mit Selbstmord droht und anderen das mitteilt, dann ist das ein innerer Hilferuf. Im Grunde geht es bei einem selbst meist um Bedürfnisse, die man gerne befriedigen will. Und wenn sie einem verweigert werden, wie im dem Fall mit dem Freund, dann hat man verschiedene Möglichkeiten, um damit umzugehen. Je weniger man sich selbst kennt und je weniger man es gelernt hat, für die eigenen Bedürfnisse selbst Verantwortung zu übernehmen und auch für sich selbst da sein zu können, desto mehr macht man sich von anderen und von äußeren Umständen abhängig. Und je mehr man von anderen abhängig ist, desto mehr wird man Ängste fühlen können oder sich verlassen fühlen, sollte etwas nicht nach Plan funktionieren. Viele ziehen sich dann ganz zurück und werden depressiv. Je nachdem wie stark das ist und man kommt nicht mehr an denjenigen heran, dann ist es besser man handelt.

C8aram`ala x2


Habe noch etwas vergessen. :-)

Macht deine Tochter denn eine Gesprächs- und/oder Verhaltenstherapie, damit sie lernen kann, mit ihren Gefühlen und Gedanken umzugehen oder wird sie nur über Medikamente eingestellt?

Manchmal genügen auch schon neuere Denkansätze, um aus einem Tief herauszukommen. Das Büchlein von Doris Wolf: Verschreibungen zum Glücklichsein finde ich zum Beispiel recht hilfreich. Doris Wolf ist selbst Therapeutin und hat einige Bücher darüber geschrieben.

d(anaxe87


Selbst wenn das Hauptelement der Suizidandrohung "Erpressung" sein sollte, so glaube ich kaum das es ihr bewusst ist und würde nichts riskieren wollen. Nicht das sie nachher sich so reinsteigert das es schief geht oder sie einen Versuch unternimmt der dann ungewollt klappt.

o:n(odiksexp


Hallo! Da ihr Ex Dich über ihre Selbstmordgedanken informiert hat, scheint er mir nicht ganz schlecht zu sein. Ich vermute eher, dass schon die Depression Deiner Tochter Grund für die Trennung war, als jetzt der Liebeskummer für ihre Selbsmordgedanken.

Mag schon sein, dass diese "erpresserisch" gemeint sind, aber da kann ganz schnell Ernst draus werden. Die Therapeutin scheint ja sehr bemüht, aber ich kenne die geringe Gesprächszeit, die man da hat. Deshalb glaube ich, dass es ohne Psychiatrie nicht gehen wird - alles andere wäre ein Risiko. Es gibt nun mal Medis, die nur stationär genommen werden dürfen. Ganz viele Kraftsterne für Euch beide :)*

DpieKruDemi


Mh, mit mir reden, also ich rede sehr viel mit ihr, sie sagt aber entweder nichts oder zuckt mir der Schulter. Sie redet nur über die normalen Dinge. Evtl. will sie nichts sagen, weil sie sieht wie ich traurig bin.

Sie hat aktuell eine beste Freundin, die einzige (außer dem Ex), die auch über die Zwangsstörungen Bescheid weiß. Ich kenne sie allerdings nicht, nur den Namen (Tel.Nr. habe ich). Habe auch schon überlegt, sie anzuschreiben und sie auszufragen. Allerdings kenne ich sie wie gesagt nicht, der Schuß könnte nach hinten losgehen?

Dass du viel mit ihr redest, sie dabei aber wenig sagt, ist schade. Auf keinen Fall ihre Freundin ausfragen, dass ist ein immenser Vertrauensbruch. Und daran scheint es ohnehin deiner Tochter zu mangeln: Vertrauen in ihre Mutter.

Warte erstmal dass Feedback der Therapeutin ab, ggf hat sie eine gute Lösung, in dieser akuten Situation tätig zu werden.

LEifemGi+d


Das ist wirklich eine schlimme Situation!

Einen Rat kann ich auch nicht wirklich gebeb, ausser,

pass bitte auf, falls einer der Ärzte auf die Idee kommen sollte,

Deiner Tochter Antidepressiva zu geben.

Die [...] verstärken zu Beginn häufig suizidale Gedanken,

gerade bei Jugendlichen, und man kommt häufig schwer wieder davon weg,

weil es starke Absetzsymptome geben kann... [...]

Viel Glück!

P$ed]di


Also, das mit den Antidepressiva: hier würde ich eher dem Arzt vertrauen, als einem Laien.

Dass Antidepressiva zu Anfang die suizidalen Gedanken verstärken können ist richtig. Nach der Eingewöhnungszeit aber geht es den Patienten besser und suizidale Gedanken werden geringer, verschwinden oft sogar ganz. Außerdem ist es ein Trugschluss, dass immer Absetztsymptome dabei sind. Antidepressiva werden meist ausgeschlichen. Das sind Erfahrungswerte von mir und meinen Mitpatienten, als ich in einer Klinik war.

[...]

Und Antidepressiva haben mir geholfen, haben mich überhaupt erst Therapiefähig gemacht.

Also, ich plädiere hier nicht für und auch nicht gegen ADs. Denn ich bin kein Arzt. Ich schildere nur meine eigenen persönlichen Erfahrungen. Und niemand wird gezwungen, ADs zu nehmen. Das muß jeder selber entscheiden. So wie auch jeder selber entscheidet, ob er ein Antibiotikum bei einem bakteriellen Infekt nehmen möchte um damit seine Krankheit zu heilen, aber teilweise mit den Nebenwirkungen wie Durchfall und oft einer zerstörten Darmflora leben möchte.

L(ife*mxid


Sorry, aber es ist kein Geheimnis, dass sich die Wirkung von AD zumindest bei leichten bis mittelschweren Depressionen auf Placebo-Niveau bewegt...seit 2008 bekannt und in den Leitlnien der Ärzteschaft werden sie dafür auch nicht mehr empfohlen.

Eine neuere Untersuchung hat gerade letzte Woche gezeigt, dass bei Jugendlichen und Kindern keine Wirkung von AD (bis auf angeblich eines) nachgewiesen wurde.

Dennoch werden sie sehr häufig innerhalb von Minuten verordnet und die Patienten laufen Gefahr in einen Kreislauf der Psychopharmaka zu enden, oft mit jahrelanger unnötiger Einnahme der Tabletten einhergehend mit beträchtlichen Nebenwirkungen!

Der Vergleich mit AB hinkt ein wenig, da es hier um die Psyche geht und keiner weiss, warum die AD wirken sollten...die Serotonin-Hyppthese ist längst als Pharma-Lüge entlarvt worden!

Ich spreche leider auch aus Erfahrung und habe beruflich mit Medikamenten zu tun!

Ich empfehle hier auch nichts, sondern mahne zur Vorsicht, gerade bei so einem jungen Mädchen!

Und die Absetzsymptome sind häufiger als bekannt , weil häufig einfach ein viel zu schnelles Abtitrieren von den Ärzten empfohlen wird.

Ich spreche den AD die Wirkung nicht ab, aber Zuckerpillen hätten den gleichen Effekt!

B9irkenz^wexig


Mh, mit mir reden, also ich rede sehr viel mit ihr, sie sagt aber entweder nichts oder zuckt mir der Schulter.

das bauchschmerzt mich im ersten moment.

du redest, sie schweigt.

was redest du?

fragst du sie aus, so wie du am liebsten ihre freundin ausfragen würdest?

manchmal tut miteinander schweigen viel besser. und schafft viel mehr vertrauen.

H.ypmerhixon


Hinweis

Ob eine Behandlung mit Antidepressiva notwendig ist müssen die Psychologen und Fachärzte entscheiden, ebenso ob ambulant oder stationär behandelt werden muss.

Die Einschätzung der Therapeutin sollte abgewartet werden.

Lifemid

Sorry, aber es ist kein Geheimnis, dass sich die Wirkung von AD zumindest bei leichten bis mittelschweren Depressionen auf Placebo-Niveau bewegt...seit 2008 bekannt und in den Leitlnien der Ärzteschaft werden sie dafür auch nicht mehr empfohlen.

Das Thema Wirksamkeit der Antidepressiva wird kontrovers diskutiert. Sie können helfen, aber Risiko und Nutzen müssen sorgfältig überlegt werden.

In der Ärztezeitung heißt es:

[[http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/depressionen/article/816691/antidepressiva-besser-ihr-ruf.html Antidepressiva besser als ihr Ruf]]

Eine Metaanalyse des US-Psychologen und Pharmaka-Kritikers Professor Irving Kirsch sorgte 2008 für Furore: Antidepressiva, so sein Ergebnis, sind kaum wirksamer als Placebo, allenfalls bei schweren Depressionen.


Ein Unterschied auf der Hamilton-Depressionsskala (HAM-D) zwischen Arznei- und Placebotherapie von mindestens drei Punkten, wie er von der britischen Behörde NICE als klinisch relevant beurteilt wurde, lasse sich nur bei schwer Depressiven erzielen. Kirsch nennt die Wirksamkeit von Antidepressiva daher einen Mythos.

Weiter:

In einer aktuellen Analyse hat ein Team um den US-Psychiater Dr. Robert Gibbons von der Universität in Chicago Daten auf Ebene einzelner Patienten aus Studien mit Venlafaxin und Fluoxetin analysiert (Arch Gen Psychiatry 2012; 69: 572).

Der SSNRI Venlafaxin zählt zu einer neuen Generation von Antidepressiva....

Dabei kam er zu völlig anderen Schlussfolgerungen als Kirsch: Im Schnitt mussten etwa fünf Patienten mit Antidepressiva behandelt werden, damit einer auf die Therapie ansprach - bessere Werte gibt es auch bei vielen internistischen Arzneitherapien nicht.

Weiter:

Gute Wirkung bei leichten und schweren Depressionen

Ganz anders sah es bei Venlafaxin-Retard aus: Hier zeigten sich tatsächlich keine nennenswerten Unterschiede zwischen leicht und schwer Kranken, die Verum-Placebo-Differenz beim HAM-D lag bei 2,5 Punkten (leicht Kranke) und bei 2,2 Punkten (schwer Depressive).

Bei schnell wirksamem Venlafaxin deutete sich wiederum eine leicht stärkere Wirkung bei schwer Depressiven an, allerdings war hier der Unterschied geringer als mit Fluoxetin.

Fazit der Studie der Universität in Chicago:

Fazit: Gibbons Daten legen nahe, dass sowohl bei leicht als auch bei schwer Depressiven moderne Arzneien gut wirken, wobei SSRI bei Erwachsenen mit schwerer Depression etwas besser zu wirken scheinen als bei leicht Depressiven. Dies lässt sich aber nicht auf alle Antidepressiva oder alle Altersgruppen übertragen

Aber

Es sollte in jedem Einzelfall sorgfältig geprüft und abgewogen werden ob der Einsatz von Antidepressiva zur Behandlungsstrategie notwendig ist oder nicht. Voreilig und leichtfertig sollten sie nicht geben werden. Der behandelnde Arzt muss die Dosierung und die Wirksamkeit in der Behandlung regelmäßig überprüfen.

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