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Die Einsamkeit zerstört mich!

JkamieS-Ellixot hat die Diskussion gestartet


Hallo,

Ich bin 24 Jahre alt und lebe schon seit 6 Jahren alleine. Zu meiner gesamten Familie habe ich aufgrund verschiedener Vorkommnisse keinen Kontakt, unter anderem wegen Missbrauch. Ich habe auch nur einen Bürojob in einer kleinen Firma, die aus 3 Leuten besteht, das meiste kann ich von Zuhause aus leiten (Kundenanrufe, Papierkram am Computer). Das Geld ist ziemlich knapp und ich komme gerade so über die Runden, das ist auch noch alles erträglich, am Schlimmsten ist einfach das Alleinsein.

Ich habe keinen einzigen Freund, ich unterhalte mich bloß mit den Kunden von meiner Arbeit oder mit meinem Chef, ansonsten mit wirklich niemandem. Ich hatte noch nie wirklich viele Freunde, ich war damals in der Schule eher das Mobbingopfer, aber es gab da immer 2-3 Personen, mit denen ich mich gut verstand und auch mal etwas unternahm. Nach meinem 18. Lebensjahr bekam ich eine Angststörung, die mir dann auch noch den letzten sozialen Kontakt nahm, weil ich ihnen zu anstrengend wurde. Ich kann das auch total nachvollziehen, ich habe mich bemüht und eine Therapie gemacht. Ich bin so gut wie gar nicht mehr rausgegangen, aber all' das habe ich mit der Zeit in den Griff bekommen und habe dann versucht den Kontakt wieder aufzugreifen. Es kam jedoch nichts zurück, entweder wurde mir gar nicht zurückgeschrieben oder nur so Sachen wie 'Hmm ja keine Ahnung oder, 'Mal schauen vielleicht ein anderes Mal'. Natürlich habe ich bemerkt, dass sie keine Lust mehr auf mich hatten und gab dann schließlich auf. Eine Weile war das Alleinsein auch in Ordnung, ich hatte schließlich keine andere Wahl, aber mittlerweile zermürbt es mich. Vor allen Dingen an den klassischen Tagen wie Geburtstag, Weihnachten und Silvester. Auf Facebook sah ich immer, was meine alten Klassenkameraden so trieben und wie sie und deren Freunde tolle Partys feiern und um die Welt reisten. Irgendwann habe ich Facebook dann gelöscht, weil es mich deprimiert hat. Das war dann endgültig der Schuss in die soziale Isolation.

Ich schaute den ganzen Tag fernsehen, von morgens bis abends und rutschte in eine leichte Depression. Die Wocheneinkäufe waren ein Highlight, weil ich mich da manchmal mit der Kassiererin unterhalten konnte, diese wurde aber nach einem Jahr versetzt und ich sah sie nicht mehr.

Nun sehnte ich mich nach partnerschaftlicher Nähe und versuchte mittels sozialer Netzwerke jemanden kennenzulernen, das ging allerdings auch in die Hose. Sobald sie erfuhren, dass ich null Erfahrung hatte wurde ich uninteressant, außerdem bin ich auch nicht gerade eine Schönheit, das kann ich ganz realistisch betrachtet sagen. Bisher war ich 4x richtig verliebt gewesen, aber daraus wurde nie etwas, das waren stets unerreichbare Personen (in Form von wesentlich älter als ich und vergeben). Nach mehreren gescheiterten Versuchen war mein Selbstbewusstsein auf dem Nullpunkt und ich fing an über alles nachzudenken. Ich fragte mich, was mit mir falsch ist, dass ich ständig abgewiesen werde, versuchte an mir und meiner Ausstrahlung zu arbeiten und das Beste aus mir rauszuholen. Mit mäßigem Erfolg. Ich wollte mich dann damit abfinden, dass ich wohl alleine bleiben würde und versuchte meinen Alltag ohne menschliche Nähe zu gestalten. Mit allen Mitteln wollte ich verdrängen, dass ich unsichtbar für andere schien. Ich habe mir einen Hund gekauft (eine der besten Entscheidungen meines Lebens!), dieser füllt meinen Tag wenigstens ein bisschen und gab mir neue Lebensfreude. Eine Zeit lang war alles in Ordnung.

Nun ist die Einsamkeit mit voller Wucht zurück, der Gedanke, dass ich nie eine richtige Familie haben werde macht mich kaputt, obwohl ich mir immer eine gewünscht habe. Früher habe ich mir vorgestellt, wie ich mit meinem Partner/in in unserem Haus sitze und unseren Kindern beim Spielen zuschaue. Also die klassischste Version einer Familie, die existiert. Aber zugegebenermaßen wollte ich es immer so. Aber nun kam alles anders und es lässt sich nicht umsetzen.

Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, ich weiß, es muss an mir liegen und ich sollte nicht aufgeben, aber mir gehen die Ideen aus. Alleine in eine Bar zu gehen kommt mir irgendwie albern vor, zumal dafür auch defintiv seit ich den Hund habe das Geld fehlt. Auch ein Kinobesuch ist oft nicht drin. Ich habe mir auch mal Stammtische oder Gruppenaktivitäten hier in der Gegend angeschaut, aber diese sind sehr seniorenlastig und es fehlt mir auch der Mut da aufzuschlagen.

Hat hier vielleicht jemand noch eine Idee, wie ich soziale Kontakte aufbauen kann? Oder wie man die Einsamkeit akzeptiert? Ich bedanke mich jetzt schon einmal für eure Antworten.

Liebe Grüße @:) @:)

Antworten
L<ichtjAmHo_rizoxnt


Mir fallen nur die üblichen Tipps ein wie Sportverein, Volkshochschulkurse… Oder Wochenend-Job im Tierheim...

Was hast Du denn bisher probiert?

GRrazOia


Liebe Jamie-Elliott,

ich kann nachvollziehen, wie du dich fühlst. :°_

Es heißt ja immer wieder, dass man als Hundebesitzer beim Gassigehen leicht Kontakte knüpfen kann. Vielleicht kannst du dir Orte aussuchen, an denen tendenziell eher Leute in deinem Alter (mit oder ohne Hund) unterwegs sind. Alternativ würde mir noch eine Hundeschule einfallen, aber ob da die richtigen Leute anzutreffen sind, ist schwer zu sagen.

Was du auch noch machen könntest, wäre eine Anzeige in einem sozialen Netzwerk aufzugeben, und zwar keine klassische Kontaktanzeige, sondern vielleicht eine Anzeige, um jemanden zum gemeinsamen Gassigehen mit deinem Hund zu finden.

Ich glaube, dein Hund eröffnet dir da ganz gute Möglichkeiten, unverfänglich Kontakte zu knüpfen und Leute kennenzulernen. :)z

Was meinst du?

Alles Liebe

Grazia

P-owwerPufPfi


Also ich habe meine Sozialphobie sehr gut mit einer Verhaltenstherapie in den Griff bekommen. Heute merkt das niemand mehr bzw. ich selber nur, wenn ich längere Zeit nicht mehr unter Menschen war.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei dir nicht anschlägt. Hast du denn auch wirklich an dir gearbeitet?

Meiner Meinung nach hörst du dich nicht therapiert an. Hier würde ich ansetzen - und zwar so lange, bis du diesen Text aus einer völlig anderen Pespektive schreiben würdest.

Soziale Kontakte baut man über willkürliches Ansprechen auf. Mein Therapeut hat von mir verlangt, dass ich mich den Situationen stelle, vor denen ich Angst habe.

-Ich musste Fremde ansprechen und Smaltalk mit ihnen halten

-Bekannte nach Treffen fragen

-Telefonieren

-Mich freiwillig für Referate in der Uni melden

-In Gruppensitiationen genau die Dinge tun, die ich mir innerlich verboten hätte (Witze, Kommentare, etc.)

Ich muss sagen, das hat mir sehr geholfen. Irgendwann hab ich gemerkt, dass andere Menschen sehr positiv auf mich reagieren, seitdem habe ich keine Angst davor und kann sehr leicht neue Kontakte knüpfen! :)^

Allerdings hat mein Therapeut auch mit allen negativen Gedanken und der Opferrolle aufgeräumt. Das sind alles parallele, reziproke Baustellen.

F<aPSoLa


Ich sehe es ähnlich wie PowerPuffi. Hast du das Gefühl, dass dir die Therapie geholfen hat? Und falls ja, was ist dadurch anders geworden?

Was mir spontan einfällt, wo du Kontakte knüpfen kannst: Ehrenamt! Alten Leuten vorlesen, Patin für ein Kind (in manchen Städten gibt es so Tandemprogramme für sozial benachteiligte Kinder), Flüchtlingshilfe, Tafel, ... es gibt mit Sicherheit etwas, was dir liegt und gefällt. Vielleicht lernst du dadurch nicht primär Leute in deinem Alter kennen, aber ich bin mir sicher, dass es dir ein gutes Gefühl geben wird, mehr als jedes Hobby, weil du die Erfahrung machst, dass du etwas geben kannst und einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leistest, also genau das Gegenteil von "unsichtbar scheinen" @:)

PJowerRPuxffi


Zum Thema Leute in deinem Alter: ich kann FaSoLa nur zustimmen! :)z

Durch die Therapie hab ich zum Beispiel auch gelernt, mich auf Leute einzulassen, die auf dem ersten Blick nicht meinem Freundschaftsschema entsprechen: auch ältere Leute, generell ANDERE Leute (Hautfarbe, Sprache, Alter, Musikgeschmack, sexuelle Ausrichtung etc.) sind eine große Bereicherung. Je durchwachsener dein Freundeskreis, desto mehr Impulse bekommst du.

JNamive-El2liot


Ich war in Therapie wegen einer Agoraphobie, nicht wegen einer sozialen Phobie und ja, sie hat mir wirklich geholfen. Ich kann nun viel besser mit den Panikattacken umgehen und gehe nun auch wieder raus. Das Thema Einsamkeit spielte dabei nicht wirklich eine Rolle.

@ Grazia

Beim Thema Kontaktanzeige bin ich eher skeptisch. Da melden sich oft nur 'Idioten', Menschen die wirklich Interesse an einer Freundschaft haben fragen sich mit Sicherheit, was ein Mensch mit 24 für Probleme hat, wenn er bereits jetzt keine Freunde mehr hat.

@ FaSoLa Das mit dem Ehrenamt klingt gut,

ich werde mich mal hier umsehen, was es für Angebote gibt. Es muss halt nur mit meinem jetzigen Job und dem Hund vereinbar sein.

sLk5adiex22


Natürlich gibt es auch viele Idioten im Netz, aber auch sympathische einsame und kluge Leute.

Die Idee mit den sozialen Netzwerken und Kontaktanzeigen kann doch sehr hilfreich sein.

Wenn du jemand online kennenlernst kannst du doch in der ersten Zeit nur schriftlich mit demjenigen kommunizieren und telefonieren.So erfährst du doch auch einiges über den Charakter des Anderen.

Auf diesem Weg kannst du besser Spreu vom Weizen trennen und du merkst wer tatsächlich an dir Interesse hat..

Die Chance, dass du dich mit unangenehmen Leuten triffst, verringert sich wenn du im Vorfeld unsympathische Kandidaten aussortierst..

FdaShoLxa


Vielleicht gibt es an deinem Wohnort eine Freiwilligen -Börse, wo du gebündelt alle Angebote sichten kannst. Ansonsten ist es ja ein weites Feld, so dass man immer schauen kann, was innden eigenen Alltag passt. Ich kümmere mich z. B. Ca zwei Stunden pro Woche, mal ist es mehr, wenn akut was anliegt, mal weniger, wenn ich keine Zeit habe. Bei meinem Job war es mir wichtig, dass es was flexibles ist. Was ich sagen will: das geht bestimmt, dauert vielleicht nur einen Moment, bis du was passendes hast.

Lebst du in einem Dorf oder in einer (größeren) Stadt?

J+aymie-El^lioxt


@ skadie22

Meine Skepsis bei den sozialen Netzwerken rührt daher, dass ich schon schlechte Erfahrungen machen durfte. Ich schrieb mit jemanden, der total nett schien beim schreiben, sowie beim telefonieren. Allerdings stellte er sich dann beim realen Treffen als sadistisches ****loch raus, der dachte er könnte mich fertig machen. Das war jetzt nur ein Einzelfall, hat mich aber dennoch schockiert, wie gut er schauspielern konnte und ich kann da nun den Leuten kaum noch trauen.

@ FaSoLa

Das wäre natürlich super, wenn das klappen könnte. Danke für den Tipp! Ich wohne in einer (kleinen) Stadt, viele Angebote in der Hinsicht sind mir nicht bekannt. Es gibt hier ein Tierheim, das ist aber immer überbelegt mit Praktikanten, das hätte ich echt toll gefunden, wenn ich dort was bekommen hätte.

mMs962


Ich würde Facebook aktivieren und dann öffentlich eine Hundeausführgruppe gründen, die sich dann über whatsapp verabredet. Und dann auch Leute akzeptieren, die ganz anders sind als du.

In größeren Städten gibt es Freizeitgruppen bei Facebook, denen du dich anschließen kannst.

Du kannst auch b im Tierheim fragen, ob sie am WE jemanden zum Gassigehen brauchen (Praktikanten arbeiten vermutlich eher nicht am WE ) und dann gehst du mit deinem Hund und einem vom Tierheim zusammen. Ich denke, da triffst du auch noch andere Wochenendhelfer.

Was hast du für einen Hund?

Käme er für ein Agilitytraining in Frage? Ein Hundesportverein wäre für dich doch super. Es macht total Spaß und weil du durch den Spaß lockerer wirst, lernst du leichter Leute kennen.

Jzamie-EMllioxt


@ ms92

Also die Idee so eine Gruppe zu gründen ist ja ganz gut, allerdings wird das schwierig werden dafür überhaupt Teilnehmer zu finden, vor allen Dingen, weil mich ja niemand kennt.

Ich habe auch schon bei Facebook geschaut und manche Gruppe gefunden, die aber wie gesagt sehr seniorenlastig sind... nicht das ich ein Problem mit älteren Menschen hätte, allerdings fürchte ich, dass da die Gespräche doch weit auseinander gehen.

Das mit dem Tierheim werde ich aber mal gleich morgen nachfragen, danke!

Ich habe eine Mischlingshündin, sie ist eher klein, aber ziemlich fit und bewegungsfreudig, ob das was für sie wäre weiß ich nicht, ein Versuch wäre es aber bestimmt wert. Ich muss auch gestehen, dass ich vorher nie was von dem Traininh gehört habe und mich damit nicht auskenne.

s1k,adixe22


Leider gibt es auch viele unangenehme Leute..... :°_

Dafür braucht man dann ein etwas dickes Fell und man darf sich nicht so schnell abschrecken lassen.

Es wird bestimmt Männer geben, welches sich gerne mit dir treffen würden und die du auch sympathisch findest.....aber man braucht erstmal einige Dates , um jemand passenden zu finden.

Jyamiee-Evlxliot


@ skadie22

Ich hatte wirklich schon einige Dates, meine nicht vorhandene Erfahrung war wohl auch ein ziemlicher Abturner, dagegen kann ich nur leider nichts tun.

PvlüscGhbixest


Gibt es bei dir vor Ort einen Verein der Angebote für Psychisch Kranke hat?

Da kann jeder hingehen, auch wer nicht krank ist.

Hier gibt es so etwas. Da wird sonntags mal gebruncht, es gibt Nachmittags Kaffe und Kuchen etc.

Es gibt verschiedene Freizeitaktivitäten und es ist alles preislich sehr günstig.

Guck doch mal, ob es bei dir vor Ort sowas gibt.

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