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Mein Mann ist pathologischer Lügner - (wie) kann ich ihm helfen?

P3ythnonisxt


Also ja, die Lügen sehe ich immer als eine Art Wunschdenken. Er wünscht sich, er hätte die Rechnung bezahlt, er wünscht sich, er hätte die Lizenz noch usw. Ihm ist es ja auch sichtlich peinlich, wenn es dann rauskommt. Selbst dann versucht er sich noch rauszuwinden und lügt weiter.

Das spricht ja für einen gewissen Realitätsverlust. Lücken in den Erinnerungen, Lücken in der Kognition. Und dann ein Decken dieser, vielleicht aus Scham. Es ist klar, dass sich das von außen dann wie Lügen und Vertrauensbruch anfühlt.

Was würde von ärztlicher Seite ggf gemacht werden:

Von psychotherapeutischer/psychiatrischer Seite: Fragebögen/Tests zur Diagnose.

Ich denke, Tests auf Demenz und Depression wären hier die naheliegendsten.

[[https://de.wikipedia.org/wiki/Demenz]]

[[https://de.wikipedia.org/wiki/Depression]]

Dann weiter je nach Ausgang: bildgebende Verfahren des Gehirns, Medikamente, Verhaltenstherapie/tiefen-psych. Therapie für Depressive, Therapien zur Aktivierungs/Erhaltung der Kognition und Erinnerung für Demente. Zu diesen Diagnoseleistungen, dazu sollte er sich auf jeden Fall durchringen. Ein "Was ist mit mir los? Warum sagt meine Frau, ich lüge in bestimmten Situationen (und hat ja auch Beweise), aber ich habe selbst nicht den Eindruck?" Er hat ja dann immer noch die Kontrolle über Art und Umfang der sich anschließenden Therapien.

Die Paartherapie war eher so eine Idee um das Drama raus zu nehmen und zu zeigen "schau, wir schaffen das zusammen, denn es geht ja auch um uns". Letztendlich muss er die Krankheit als solche anerkennen.

Paartherapien (da wo sich beide beteiligen) fördern die Kommunikation zwischen den Partnern (da hat er deiner Meinung nach ein Defizit), aber nicht notwendigerweise den Zusammenhalt, sondern eher die Streitkultur, das Zu-Wort-Kommen, Argumentieren, das Für-sich-Sprechen, das Weniger-für-den-anderen-sprechen, und auch die Gelassenheit und Freiheit für den anderen. Das "Du bist ein Ich", "Ich bin ein Ich", "wenn es passt, wird phasenweise ein wir draus, aber es bleiben zwei Individuen". Aber sie gehen von bestimmten Voraussetzungen aus: dass beide an sich psychisch gesund sind. Genau so wie ein Physiotherapeut jemand mit gebrochenem Bein zum Chirurgen/Orthopäden schickt, anstatt ein gebrochenes Bein mit manueller Therapie wieder kurieren zu wollen.

Hat man einen dementen oder depressiven Part würde ich nicht bei der Paartherapie ansetzen, sondern bei 2 Einzeltherapien.

Er seine Therapie - mit den Symptomen, die du schon nanntest. Aber würde jemand seine eigene fortschreitende Demenz oder Depression merken? Vermutlich entsteht der Leidensdruck da häufig mehr von außen. Von andere, die die Veränderungen merken.

Du deine Therapie - mit deinen Fragen von Verantwortung für dich, für die Kinder, Verantwortung über das Wissen über das derzeit gesetzwidrige berufliche Ausüben des Mannes, Rolle als Angehöriger eines vermeintlich derzeit psychisch beeinträchtigten Menschen, deiner Verzweiflung und Hilflosigkeit ggü. den Veränderungen des einst geliebten Mannes, der sich nun verändert. Als Verhaltenstherapie in Gesprächsform, ggf. auch in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige.

Zu beachten: die ärztliche Schweigepflicht gilt auch für Ehepartner.

Bei einer Paartherapie müssen beide wollen und sie hat auch nur eine gewisse Tiefe und Themenspektrum. Bei zwei Einzeltherapien hat jeder für sich die Kontrolle, dafür aber in die volle medizinische Tiefe, mit Überweisungen an die Fachärzte.

A*liceuimWoqnde)rlansd


LaRucola:

Weißt Du zufällig, wie Lügen und eine schizoide Persönlichkeitsstörung zusammenhängen?

S'el"b5stwxert


Gerne. Auch interessant zum Thema - eine Reportage von SWR2 - mit Hintergründen und Expertenstimmen:

[[http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/tandem/wenn-menschen-ihr-leben-erfinden-ich-luege-also-bin-ich/-/id=8986864/did=16078600/nid=8986864/1swbtx2/index.html]]

Puythoanisxt


Pseudologie klingt halt irgendwie so ganz eng abgegrenzt und phänotypisch (also in der Erscheinung/im Verhalten verankert), wo Depressionen, Demenz, Persönlichkeitsstörungen (z.B. schizoid) ein viel breiteres Spektrum haben. Aber auch viel mehr Wissen, um Diagnose, Ursachen, Therapieaussichten.

SpelbsDtwexrt


Da gebe ich Ihnen Recht Pythonist.

Letztendlich ist eine Pseudologie ein Symptom einer darunter liegenden psychischen Erkrankung. Eben beispielsweise einer massiven negativen Störung des eigenen Selbstwertgefühls (Narzissmus) oder aber einer Borderline-Störung oder evtl. auch einer Schizophrenie. Häufig wie gesagt auch eines ADHS - wenn es zu einer Schädigung des Selbstwertgefühls kam z.B. in Folge erlebter Ausgrenzung.

Und das ist eben das besonders Schwere an der Erkrankung: Ein Mensch, der massiv sein eigenes Leben färbt, um Ablehnung zu vermeiden und um Anerkennung zu erhalten, muss eingestehen, dass er sein Leben "erlügt", dass er sich ablehnenswert verhält.

Und er muss in einem zweiten Schritt lernen, sich so angenommen zu fühlen, wie er ist. Am Anfang dieser Reise erscheint das vielen wie die Quadratur des Kreises. Aber es gibt Menschen, die ihr Selbstwertgefühl reparieren konnten. Die dann ihre Kompensationsstrategien (hier: Lügen/Schönfärben/Konfabulieren) allmählich ablegen konnten.

Das soll der Thread-Erstellerin Mut machen.

Reye


Ich glaube nicht, dass Du da wirklich helfen kannst. Im Gegenteil, je mehr Druck Du aufbaust, desto unmöglicher wird es ihm werden, darauf adäquat zu reagieren. Ohne Krankheitseinsicht seinerseits ist es mehr als schwierig; vielleicht musst Du Dich zuerst räumlich und psychisch distanzieren: aus Selbstschutz, und um ihm aufzuzeigen, dass seine bisherigen Strategien nicht mehr funktionieren.

asbso}l?utwe5ilsxsoist


Ich glaube nicht, dass Du da wirklich helfen kannst. Im Gegenteil, je mehr Druck Du aufbaust, desto unmöglicher wird es ihm werden, darauf adäquat zu reagieren. Ohne Krankheitseinsicht seinerseits ist es mehr als schwierig; vielleicht musst Du Dich zuerst räumlich und psychisch distanzieren: aus Selbstschutz, und um ihm aufzuzeigen, dass seine bisherigen Strategien nicht mehr funktionieren.

Ja, möglich. Aber wie schon gesagt bin ich gerade jetzt auch auf Ihn angewiesen. Ich werde auch keinen Druck mehr aufbauen. Ich habe das Thema und meine Befürchtungen angesprochen und jetzt lass ihc das erstmal bis das Baby da ist und sich alles eingependelt hat.

Das soll der Thread-Erstellerin Mut machen.

Danke @:) tut es.

Pseudologie klingt halt irgendwie so ganz eng abgegrenzt und phänotypisch (also in der Erscheinung/im Verhalten verankert), wo Depressionen, Demenz, Persönlichkeitsstörungen (z.B. schizoid) ein viel breiteres Spektrum haben. Aber auch viel mehr Wissen, um Diagnose, Ursachen, Therapieaussichten.

Ja, das weiß ich. Ich bin halt kein Psychiater und ich bin auch kein Psychologe. Das dem ganzen etwas tiefgreifenderes zugrunde liegt scheint mir nur logisch. Ich versuche auch nur, mir klar zu werden, in welche Richtung das geht. Ob er jetzt Borderliner oder Narzisst ist kann ich schlecht einschäzen.

Ich weiß, dass er als Kind immer der Sündenbock für seine Schwetser war, das sagt diese sogar selber. Er hat immer alles einstecken müssen und hat so im Alter von ca. 8-9 Jahren angefangen, im Freundeskreis durch Lügen Anerkennung zu bekommen. Er ist auch überdurchschnittlich intelligent, musste aber mehrfach die Schule wechseln, weil er entweder massiven Stress mit Lehrern oder anderen Schülern hatte.

S@elNbstwe3rxt


Gut. Diese Zeichen verdichten den Verdacht zu einer "klassischen" Pseudologischen Erkrankung:

Im Kindesalter Ablehnung durch Peers UND durch die Familie, aufgrund der Sündenbockrolle Angst vor Strafen, um das Alter von zehn Jahren erste "positive" Erfahrungen durch die Wirkung von Lügen. Dadurch Glücksgefühle, die letztlich zu einer regelrechten Sucht führen: Alleine das Lügen löst ein Glücksgefühl aus. Letztlich vergleichbar mit dem Wodka beim Alkoholiker.

Schwierig wird es, wenn dann in der späten Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter nicht der Absprung von diesem Verhalten geschafft wird. Dann verschlimmern sich die Verhaltensmuster und gleichzeitig wird aufgrund der Lügen immer mehr Ablehnung erfahren - was den Druck zu Lügen wiederum erhöht. Eine Abwärtsspirale.

Zu diesem klassischen Bild liefert Ihnen mein erster Link (zu der englischen Ursachenbeschreibung) wertvolle Hinweise.

Alles gute Ihnen.

LleYw ixan


Grundsaetzlich kann man nicht ueber ein Internetforum wie dieses serioese Diagnosen stellen, schon gar nicht, wenn man ueberhaupt keinen direkten Kontakt mit der Person hat, die diagnostiziert wird.

Auch du, absolutweilssoist selber, kannst als Nicht-Fachperson und Ehefrau keine Diagnosen stellen.

Die einzige Moeglichkeit, verlaesslich Hilfe zu bekommen, ist, den Mann dazu zu bewegen, professionelle Hilfe anzunehmen. Ich persoenlich bin beim Stichwort "Paartherapie" skeptisch, weil ich vermute (aber auch ich kann's natuerlich nicht genau wissen), dass dieses ein Problem von ihm ist, dass nicht in erster Linie ein "Paarproblem" ist. Allerdings leuchtet mir schon ein, dass du denkst, vielleicht kannst du ihn eher bewegen dazu, ueberhaupt was Therapeutisches zu tun, wenn du ihm anbietest, mit ihm Paartherapie zu machen. Allerdings kann es auch sein, dass er mit dir zusammen in einer Therapie weniger ehrlich zeigt, was mit ihm los ist; es kann sein, dass er dir gegenueber immer soweit heile Welt spielen wurde, wie er irgend kann (kann gut sein, er glaubt, dir damit was Gutes zu tun, oder er hat grosse Angst, dass du ihn verlaesst), aber dass er offener waere, wenn er alleine mit einem Therapeuten arbeiten wuerde, zu dem er keine persoenliche Beziehung hat.

Und ansonsten empfehle ich dir, eure Beziehung innerlich ernsthaft auf den Pruefstand zu stellen, denn ich halte es fuer gesund, wenn du dir seine Luegen ab einem bestimmten Punkt (der eigentlich schon ueberschritten ist) nicht mehr bieten laesst. Ich meine das nicht als Rat, dich zu trennen, aber du solltest dir eine innere Einstellung verschaffen, die dich selber davor schuetzt, beliebig belogen und in seine Probleme hereingezogen zu werden, weil du letzten Endes weisst, dass du Alternativen hast, auch wenn er nicht mitspielt.

a[bsolTutweinlssoxist


Und ansonsten empfehle ich dir, eure Beziehung innerlich ernsthaft auf den Pruefstand zu stellen, denn ich halte es fuer gesund, wenn du dir seine Luegen ab einem bestimmten Punkt (der eigentlich schon ueberschritten ist) nicht mehr bieten laesst. Ich meine das nicht als Rat, dich zu trennen, aber du solltest dir eine innere Einstellung verschaffen, die dich selber davor schuetzt, beliebig belogen und in seine Probleme hereingezogen zu werden, weil du letzten Endes weisst, dass du Alternativen hast, auch wenn er nicht mitspielt.

Da hast du sicher recht. Ich bin halt doch auch jedes Mal wieder traurig, weil es schwer ist, das nicht persönlich zu nehmen.

Grundsätzlich denke ich natürlich immer: WARUM NUR ???

Er sagt ja selber, er hat mir dies oder das nicht erzählt um mich zu schützen und ich glaube er kann tatsächlich nicht verstehen, dass es doch viel leichter wäre, mit mir zu reden. Das sind wahrscheinlich antrainierte Mechanismen und mit 40 Jahren so etwas umzutrainieren, dazu fehlt mir auf jeden Fall die fachliche Kompetenz.

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