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Neid und Gefühl von Unzulänglichkeit durch Social Media Accounts

B}riagidxa hat die Diskussion gestartet


Hi zusammen,

hab mich registriert, weil mich mal ein bisschen Input interessiert zu meinem Problem - das mir selbst anonym schon fast peinlich ist, und ich es im wahren Leben mit niemandem bereden will:

Neid allgemein, und speziell beneide ich wahllos junge, attraktive (erfolgreiche?) Leute auf Social Media. Ich stalke sozusagen diverse Instagram-Accounts und beneide und beneide.

Zu mir:

Anfang 30, habe einen guten Job, der zu mir passt und mir oft Spaß macht. Ich habe einen großen Freundes- und Bekanntenkreis und auch eine gute Beziehung zu meinen Eltern und Geschwistern.

Eine Partnerschaft hatte ich schon länger nicht mehr. Kein Mann gefällt mir, und wenn doch mal, dann ist es ein Unerreichbarer. Der Leidensdruck einen Partner zu finden ist aber nicht so groß, da ich keinen Kinderwunsch habe und nicht bereit bin Kompromisse einzugehen.

Dass ich aber eine latente Unzufriedenheit im Leben habe, merke ich daran, dass ich sehr schnell extrem neidisch werde. Habe mich schon immer mit allen verglichen, wollte die Beste/Klügste/Schönste sein. Und vor ein paar Jahren habe ich zufällig begonnen, wahllos junge, attraktive Leute auf Instagram zu "beobachten". Dabei steht Social Media für das, was ich geradezu "verachte" bei Menschen: dieses sich selbst im Internet profilieren, seinen Alltag aufzuhübschen und alles zu dokumentieren. Diese "wenn man es nicht postet, findet man selbst nicht statt"-Mentalität eben. Aber trotzdem (oder deshalb?) ist es wie ein Zwang dass ich auf solche Accounts gehen - und mich dann schlechter fühle.

Hauptsächlich junge Models, die das vermeintlich perfekte Leben führen, in einer sexy Stadt wohnen und neben ihren Modelfotos noch haufenweise Bilder von ihrem Jetsetter-Leben posten. Die Instagram-Optik macht ihr übriges, dass alle immer toll aussehen und jedes Foto gleich ganz ästhetisch wird. Selbst ein Foto von einer Tasse Tee und einem Buch wird auf einmal Sinnbild für ein begehrenswertes Leben...

Ich habe das alles eigentlich durchschaut, aber trotzdem erweckt es in mir so eine Sehnsucht...nach jung und schön sein und einem aufregenden Leben - was auch immer das heißt.

Mein absurder Anspruch an mich, dass ich "wunderschön" sein will ist dabei zentral. Ich bin das, was man allgemein als gutaussehend bezeichnet. Aber es reicht mir nicht. Es ist als ob ich mich nach einer Bestätigung von außen sehne: ja, Du gehörst zum elitären Club der "Schönen". Dass das total unreif und kontraproduktiv ist so zu denken ist mir völlig klar. Ich nehme es nicht so schrecklich ernst und kann über mich lachen, dass mir sowas durch den Kopf geht, in meinem Alter! Aber die Gedanken und Gefühle sind da und sie beeinflussen mich.

Ja, ich sollte mich auf MEIN Leben konzentrieren. Und nicht nach falschen Idealen schielen und mich dabei immer unzulänglich fühlen. Den Fokus von Äußerlichkeiten nehmen. Ich weiß es in der Theorie. Aber wie "fühlt" man das dann auch? Ich frage mich, was mir fehlt bzw was ich bräuchte, um nicht dieses "ich will alles"/"es ist nie genug"-Gefühl zu haben. Wäre ich zufrieden, wenn ich neben einer Karriere so auch noch ein erfolgreiches Fotomodell wäre nebenher und einen Mann nach meinen Wünschen an meiner Seite? Oder würde ich dann etwas anderes finden, was mir nicht passt?

Ich weiß, dass keiner mir hier diese Fragen so beantworten kann. Aber hier im Forum sind einige, die doch recht erfahrene reflektierte und menschenkennende Antworten geben, deswegen interessiert mich jede Meinung/Kommentar dazu.

Danke schonmal.

Antworten
Nfordxi84


Du solltest dir immer im klaren sein das die Sachen auf Facebook, Instagram und Co. nicht das wahre Leben der betreffenden Person darstellen sondern bloß eine gefilterte Variante. Es wird nur das gezeigt was man zeigen will bzw. was für andere "gut" aussieht. Das dahinter vielleicht nen ganzer Haufen Arbeit, gescheiterte Beziehungen, fehlende echte Freunde usw. stecken und die Personen vielleicht lieber mal nen Tag ungeschminkt und ungestylt auf der Couch liegen würden sieht man nicht. Oder auch der nervige Arbeitsalltag in dem selbst die tollen Models bloß einfache Angestellte sind die ausgetauscht werden wenn sie was falsch machen oder zu zickig sind.

Ich weiß das hilft dir in deinem Neid nicht, die Frage ist aber wieso du da so neidisch bist bzw. wieso du dir diesen Kram anguckst wenn du weißt wie du darauf reagierst.

BYritgixda


Ja, ich bin mir vollstenst darüber im Klaren und durchschau es alles wirklich. Wie du sagst, gerade das Leben solcher Persönlichkeiten ist sicher anstrengend - muss es ja sein wenn man sich eigentlich rund um die Uhr inszenieren will/muss. Auch mit dem Modealltag hast du ja völlig recht.

Es ist wie eine kleine Sucht, dass ich trotzdem immer wieder gucken will. Einerseits "inspiriert" es mich vielleicht auch mal ein bisschen, und erweckt auch Lebenshunger in mir und sorgt vllt auch dafür, dass ich trainieren gehe oder den Wochenend-Trip doch mache. Aber ja, hauptsächlich erweckt es Sehnsüchte, unrealistische.

Mich würde interessieren wie Leute, die mit sich und ihrem Leben im Reinen sind mit Neid umgehen. Bzw ob sie überhaupt Neid empfinden. Jeder hat doch verborgene Wünsche und Sehnsüchte (oder?) und wenn man sie dann vor der Nase hat - egal ob nur Schein oder vllt auch echt - wie lässt man das an sich abprallen?

Bei mir scheint es eben speziell das Thema Aussehen, reisen, schön wohnen usw zu betreffen. Da bin ich ganz empfänglich. Auf Fotos wo eine Mutter beglückt ihr Kind im Arm hält reagiere ich zB gar nicht mit Neid - eher mit Erleichterung, dass ich keins hab ;-)

L"ichStAmoHoriz onxt


Ich kann nicht sagen, dass ich mit meinem Leben (und mit mir) im Reinen bin. Trotzdem überfällt mich Neid nur selten. Warum weiß ich nicht. Vielleicht ist es das (woher auch immer stammende…) Wissen (Annahme?), das selbst das von außen betrachtet tollste Leben seine Haken und Ösen hat, und dass man die - würde man mit so einer tollen Person tauschen - immer auch nehmen müsste. Da behalte ich lieber die, die ich schon kenne, meine eigenen.

Wenn ich spontan sagen sollte, worum ich andere beneide, dann fiele mir nichts ein, das man auf geposteten Fotos sehen könnte… Es sind eher persönliche Eigenschaften. Mut, Zuversicht, körperliche Fitness, Durchsetzungsvermögen etc. Wenn ich fremde Leute im Internet sehe, weiß ich doch gar nicht, ob sie diese Eigenschaften alle besitzen.

B(ri`gida


Genau! Dem allen stimme ich eigentlich zu und finde es total nachvollziehbar und vernünftig und klingt nach einer gesunden Einstellung. Das sind alles Dinge, die mein Verstand auch weiß - aber da ist dann diese "unreife" Seite in mir, die wirklich nach Glitzerbildern guckt und sich genau ausmalt, wie ich doch bitteschön aussehen will, wie der Kerl dazu aussehen soll und wie das Leben sonst noch gern sein darf. Und das obwohl ich wirklich wirklich mittels Menschenverstand und auch Erfahrung weiß, dass wirklich jeder sein Päckchen zu tragen hat, Haken und Ösen. Und obwohl ich mit vielen meiner Charakter-Eigenschaften (bis auf den Neid ;-) zufrieden bin und doch eigentlich kein oberflächliches sich ironiefrei inszenierendens Instagram-Püppchen sein will.

L|ichtAMmHor.izoxnt


Einfach mal eine Woche probehalber nicht diesen Accounts folgen? Und schauen, was passiert?

SUunflo]wer_7x3


Lass' Dich nicht blenden!

Ich bin in letzter Zeit auch öfter mal auf Instagramm - und finde das, was Dich dort verunsichert, einfach nur hohl. Die Fotos, mit denen Leute sich als so toll darstellen (Klamotten "outfit of the day", Einrichtung,...): Kritisch betrachtet ist es der immerselbe Trend und die immerselben Dinge und Marken, mit denen man sich ach-so-hip vorkommt. Ich finde es einfach nur zum BElächeln.

Man sollte auch mal die Motivation hinterfragen, warum Leute täglich ihr Outfit, Essen und und und dort ÖFFENTLICH dokumentieren. Provokant formuliert: Da trifft äußere Perfektion auf mangelnde Hirnmasse. Oder so.

Mein Account ist nicht öffentlich. Die meiner Kontakte dort auch nicht. Wir sind Fotofans und über die halbe Welt verstreut und halten uns so in best. Bereichen auf dem Laufenden.

Ich bin mit meinem Leben auch nicht immer im Reinen und mit meinem Körper auch nicht. Aber da ist keine großartige Unzufriedenheit. Ich bin halt schlichtweg Durchschnitt und auf Selbstinszenierung nicht scharf. Input nehme ich gerne, aber mich runterziehen lassen: Nöö. Wissen wir, wie es bei denen im Zimmer nebenan aussieht, wenn da ein Zmmer toll präsentiert wird? Wie der Kontostand bei all den Klamotten aussieht? Sind die Leute glücklich, oder warum brauchen sie dieses öffentliche Lob in Massen?

Letztlich ist es Deine Entscheidung: Dein reales Leben so gut wie möglich zu gestalten - oder virtuellen Blendern hinterherzuhecheln.

B!rAigidxa


Habe ich schon gemacht. Habe durchaus auch Pausen :=o

Aber irgendwann bin ich dann doch wieder neugierig oder was auch immer und gucke wieder rein.

Also mit eine Woche oder ein paar Wochen mal nicht gucken ist es nicht getan - leider.

Es ist nicht so, dass ich dann jedes mal in Depressionen verfalle. Manchmal habe ich dann auch echt mehr Lust, mir was Nettes zum Anziehen zu kaufen, oder manchmal vergleiche ich dann auch "ins Positive", so von wegen "Die hängt gerade mit Knackfigur am Stand in XY..aber ich geh auch bald in Urlaub".

Ich frage mich allgemein woher diese Fixierung auf äußere Schönheit kommt und warum mir das in meinem Alter noch so wichtig ist. Und warum ich gerade in dem Bereich Komplexe habe, in anderen aber nicht. Ich bin nie wegen Aussehen gemobbt worden oder irgendwie negativ beurteilt, ich weiß durchaus dass es Leute gibt, denen ich gefalle...warum ist das nicht genug? Und warum ist mir das so wichtig? Warum will ich mich hier mit unrealistischen Topmodel-Idealen messen, wo ich mich aber doch auch nicht in anderen Bereichen mit der allerobersten Weltspitze messe. Ich spiele Tennis und bin überhaupt nicht enttäuscht, dass ich nicht in der Weltrangliste bin. Ich bin auch nicht neidisch auf hocherfolgreiche Businessfrauen. Es ist nur das verdammte Aussehen.

Bpri'gi@da


@ Sunflower73:

Ich bin in letzter Zeit auch öfter mal auf Instagramm - und finde das, was Dich dort verunsichert, einfach nur hohl. Die Fotos, mit denen Leute sich als so toll darstellen (Klamotten "outfit of the day", Einrichtung,...): Kritisch betrachtet ist es der immerselbe Trend und die immerselben Dinge und Marken, mit denen man sich ach-so-hip vorkommt. Ich finde es einfach nur zum BElächeln.

Man sollte auch mal die Motivation hinterfragen, warum Leute täglich ihr Outfit, Essen und und und dort ÖFFENTLICH dokumentieren. Provokant formuliert: Da trifft äußere Perfektion auf mangelnde Hirnmasse. Oder so.

Das Ding ist ja: ich finde es auch alles hohl und albern und geradezu erbärmlich wenn man sich so darstellt. Und ja, mit solchen Leuten würde ich nicht befreundet sein wollen und auch nicht selbst so sein wollen! ich bin nicht neidisch auf diesen Insta-Wahn und auf diese Leute direkt, weil ich nicht so eine Social Media-Hure sein will. Ich will quasi deren Leben/Aussehen - aber im Privaten.

Ich will nicht selbst online stattfinden. Hoffe ich kann das einigermaßen erklären. Mir ist wichtig rüberzubringen, dass ich wirklich gar nichts von diesen neuen "Influencern" halte, die Geld von Firmen bekommen weil sie deren Produkte auf ihrem Account präsentieren etc. Trotzdem kriege ich Neid-Stiche wenn ich hübsche Menschen an schönen Orten sehe die VERMEINTLICH glücklich aussehen.

B~ri(gbidxa


@ Sunflower73:

und Nachtrag: ja es ist wirklich IMMER das gleiche und ich kann auch schon im Schlaf runterleihern was alle immer posten, welche Marken und auch noch welche Kommentare. Es ist widerlich berechenbar.

Vielleicht ist das auch meine Art von "Trash TV"? Gucke ich zB seit Jahr und Tag nicht mehr..aber vielleicht ist das ein Ersatz.

Sfun/flqower_7x3


Ich see hier irgendwie zwei Aspekte:

1. Gucken.

2. Was man selber aus dem Gesehenen macht.

Gucken kannst Du ja - aber was machst DU inhaltlich draus? Du äußerst Dich so klar und kritisch an, aber WAS nagt dann dennoch so an Dir? Was könnte dahinter stecken?

Wie gesagt: Ich gucke momentan auch gerne zur Entspannung mal rein, wenn ich nicht mal mehr Facebook-Artikel lesen mag wg. zu viel Input den ganzen Tag über im Job. Aber es tngiert mich in meinem Wert NULL; es ist einfach belustigtes Kopfschütteln und Schmunzeln. Somit stellt ds Gucken keinen Belastungsfaktor dar und ich mache weiter, wenn ich darauf Lust habe.

Bfr'ig[ida


Gucken kannst Du ja - aber was machst DU inhaltlich draus? Du äußerst Dich so klar und kritisch an, aber WAS nagt dann dennoch so an Dir? Was könnte dahinter stecken?

Genau. Das frage ich mich ja eben auch. Und am Ende komme ich immer bei: ich bin mit meinem Aussehen nicht zufrieden weil ich nicht meinen überzogenen Ansprüchen entspreche (und mit Anfang 30 nicht aussehe wie ein knackiges 20jähriges Model..um s mal überspitzt zu sagen).

Und das ist doch auch total hohl! Das kann doch nicht sein, dass ich mit meiner Persönlichkeit, meinem Job, was ich erreicht habe etc recht zufrieden bin, aber es an mir nagt, dass meine Hülle nicht nach Wunsch ist. Ich denk mir ja selbst manchmal "wenn man sonst keine Probleme hat..". Trotzdem überschattet das vieles. Oft denke ich, ich könnte Dinge noch mehr genießen wenn ich schöner wäre. Zum Glück kann ich dann auch mal schnell einchecken im Oberstübchen und mir den Kopf waschen. Dennoch: ein latentes Unzufriedenheitsgefühl ist da.

Ich frage mich schon auch ob es mit mangelnder Partnerschaft zu tun hat. Fühle ich micht nicht wertgeschätzt von Männern und deswegen nicht attraktiv genug und denke ich müsste "perfekt" aussehen.. ???

L0icht8AmHyorizoxnt


Vielleicht ist es einfach die Sehnsucht nach heiler Welt. Andere schauen sich Schmachtfetzen an, in denen immer die Sonne scheint, und Du eben Accounts von (scheinbar) perfekten Menschen mit (scheinbar) perfektem Leben.

BLrigxida


Ja, LichtamHorizont, ich glaub das trifft es auch ziemlich genau!

Vielleicht eine Mischung aus Trash TV und Heile-Welt-Gucken ;-D

Was an sich ja auch nicht verwerflich ist, aber an meiner eigenen unterschwellig nagenden Unzufriedenheit bzw dem Neid merke ich ja, dass es einfach was mit mir direkt zu tun hat.

Aber wie schon gesagt wurde...mehr als wissen, dass alles Schein ist und dass ich hier mein reales Leben habe und daraus was machen kann, hilft wohl auch nicht.

Ich gehöre leider allgemein eher zu der Sorte Mensch, die sich immer hinterfragt, hadert und nach Optimum strebt. Und damit ist man eben vor Neid leider nicht gefeit. Ich bewundere (um nicht zu sagen, ich beneide ;-) ) wirklich die Menschen, die da nicht anfällig sind, den Fokus nicht so sehr auf dem (eigenen) Aussehen haben und sich nicht den Kopf nach anderen verdrehen und ständig vergleichen.

Da ich aber schon immer so war denke ich, dass ich keine 180 Grad Wandlung mehr machen werden, sondern vielleicht wäre der Weg eher, zu akzeptieren, dass ich nun mal so bin und das zu mir gehört.. ???

B|enitaxB9.


Hört sich jetzt mal ganz trivial an. Mach die nächste Reise in ein schönes Land wie zum Beispiel Kuba. Schönheit findest Du dort an jeder Ecke, aber geh aufs Land, wo es Lebensmittelkarten gibt, um für ein 6 jährigen Kind einen Liter Milch zu bekommen, wo Bohnen und Reis aus dem Sack mit der Schaufel entnommen werden. Wo man als Lehrer 18 € im Monat verdient.

Und schau diese Menschen an, die sich trotzdem und selbst als glücklich bezeichnen.

Demut ist etwas, was man mal erfahren sollte, statt sich solchem Kopfkino zu unterwerfen.

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