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Warum ist die Trennung der Eltern schlimm? Und bleibt es?

ebvelinua.Msamira hat die Diskussion gestartet


Die Eltern einer langjährigen Freundin (wir sind quasi mehr oder weniger zusammen groß geworden) haben sich getrennt, als sie noch recht jung/klein war. Sie haben sich nicht im Streit getrennt. Der Kontakt bestand immer noch, aber beide Elternteile gingen neue Beziehungen ein. Sie wuchs recht "normal" auf, es gab keinerlei Gewalt, eher viel Freiheit. Neulich meinte sie aber, dass die Trennung trotzdem schlimm war für sie und sie beeinflusst hat.

Aber warum ist das schlimm für viele Kinder? Es ist doch viel schlimmer, wenn sich die Eltern nichts mehr zu sagen haben oder gar viel streiten?

Antworten
ervel%ina."samixra


Heute ist das doch so häufig. (Beziehungen sind meiner Meinung nach sowieso nicht für das ganze Leben gemacht.)

e=veliunaP.samiirxa


Geht es anderen Betroffenen auch so? Und wie erklärt ihr euch das?

mpal=ikax82


Ich denke es liegt daran, dass man seine Eltern als "Einheit" kennenlernt, wenn man auf die Welt kommt. Und das ist einfach so, gegeben. Man hat ja im Vorfeld nicht erlebt, wie sie zusammen gekommen sind bzw. als sie es nochnicht waren.

Und wenn die Beziehung der Eltern dann in die Brüche geht, zerbricht das ureigene Nest des Vertrauens.

Aus rationalem Grund ist es für alle Beteiligten vielleicht oft gut, da sonst nur gestritten wird, oder Gewalt im Spiel ist etc. Aber die Welt, wie man sie von Anfang an kennengelernt hat ist nicht mehr die gleiche, sie ist aus den Fugen. Und da ist es manchmal egal, wie alt man bei der Trennung ist. (hier gilt vermutlich noch, je jünger desto einfacher, da man sich nicht oder nur wenig daran erinnert, wie es war als die Eltern noch ein Paar waren) ich war 8, und bin danach mit einem sehr liebvollem Stiefvater aufgewachsen, der wirklich zum Vater für mich wurde, mein Papa blieb aber mein Papa bis er gestorben ist. Als ich älter wurde, so ab 20, habe ich auch verstanden, warum meine Eltern nicht mehr zusammen funktioniert hätten, dass der Alkohol der Grund war hab ich auch schon vorher gewußt - aber ich konnte es emotional einfach nicht einordnen

ein Bekannter von mir erlebte die Situation, dass seine Eltern im Begriff waren sich zu trennen, als er 38 war. Das war für ihn die Hölle. Ich denke im Kiga-Alter ist es noch am "einfachsten" - da die Erinnerungen nicht so klar sind - was es allerdings für langfristige psychische Auswirkungen auf die betroffenen Kinder hat möchte ich hier nicht mutmaßen.

Cyhoupetdt,e_Finnxian


Aber warum ist das schlimm für viele Kinder? Es ist doch viel schlimmer, wenn sich die Eltern nichts mehr zu sagen haben oder gar viel streiten?

Meine Eltern haben sich nicht getrennt, aber ich glaube aus meiner damaligen Sicht hätte ich sie lieber streitend in einem Haus, als getrennt, aber still, woanders. ":/ Als Kind hat man ja irgendwie keine große Wahl zur Veränderung und muss die Eltern so hinnehmen wie sie sind. Meine Oma und Opa haben sich damals auch ständig angemuckt und gestichelt, als Kind fand ich das zwar ätzend, aber normal. Ich denke mit sich zoffenden Eltern wäre es das auch. Man kennt es ja nicht anders. Man kennt aber die Eltern trotzdem nur zusammen. Wenn sie getrennte Wege gehen, wäre das eine große Veränderung gewesen und mir damals vermutlich nicht recht. ;-)

DKi9na9M0


Ich war bei der Trennung meiner Eltern 5 bzw. 6 (geht ja nicht von heut auf morgen) und war schon damals relativ bald heilfroh. Habe die Zeit davor eher als belastend in Erinnerung. Ständige Streitereien, die aufgrund der Lautstärke und Intensität auch mal die Polizei auf den Plan gerufen haben. Danach war ich ein paar Jahre mit meiner Mama allein, was für sie bestimmt nicht einfach war (alleinerziehend in einer Zeit in der die Kinderbetreuung nach der Schule bis maximal 13 Uhr ging). War aber trotzdem besser so weil mehr Ruhe rein kam. Und dann hat sie einen neuen Partner kennengelernt, mit dem sie seit 12 Jahren auch verheiratet ist. Wir haben ein super Verhältnis, er ist mehr ein Vater für mich als es mein leiblichen je werden könnte.

Insgesamt bin ich heilfroh dass es so gekommen ist.

Kommt aber bestimmt auch immer auf die Charaktere der Eltern an.

m/istyDmouDntains


Ich war fast 30 als sich meine Eltern getrennt haben und ich fand es auch sehr schlimm. Auch weil die Trennung von einem Elternteil ausging und den anderen extrem mitgenommen hat und es für mich schwer zu ertragen ist, wenn jmd der mir nahe steht, so leidet. Die Umstände waren auch nicht so schön.

Ich kann überhaupt nicht sagen, ob es mich mehr oder weniger mitgenommen oder beeinflusst hätte, wenn sie sich zu einem viel früheren Zeitpunkt getrennt hätten.

FBlyi%ng wKithIout wxings


Meine Eltern haben sich bevor sie sich getrennt haben eigentlich gar nicht großartig gestritten.

Ich war damals 14 und für mich kam das so aus dem Nichts.

Ich glaube es ist so schlimm, dass da etwas zerbricht, das man immer für selbstverständlich gehalten hat. Es geht dieses Vertrauen in die Familie verloren und dieser Glaube, dass man zusammen als Familie eine starke Einheit ist.

Und mit einem Elternteil geht auch ein Stück "zu Hause" verloren. Es ändert sich ja alles und wir nie, nie wieder wie es mal war.

Und ich glaube auch, dass es viel daran liegt, was die Eltern daraus machen.

Ich hatte danach ein Jahr Besuchsverbot bei meinem Papa. Von einen auf den anderen Tag war er aus meinem Leben verschwunden und ich habe ihn unglaublich vermisst, aber durfte ihn nicht sehen. Das hat mich schon sehr geprägt.

Ich glaube auch, dass man sich zwangsläufig für ein Elternteil entscheiden muss. Zu dem Elternteil bei dem man nicht lebt, ändert sich einfach die Beziehung. Er ist nicht so nah dran am Leben, interessiert sich vielleicht nicht so sehr.

Ob es bleibt? Ja - es bleibt. Zumindest bei mir. Aber es ändert sich. Mein Papa und ich haben nach vielen Jahren viel miteinander geklärt und haben heutzutage eine ganz gute Beziehung zueinander. Das ändert aber trotzdem nichts daran, dass es insbesondere für meine Mama nicht möglich zu sein scheint, beide Elternteile in mein Leben zu integrieren. Laut ihr muss ich mich entscheiden. Und ich finde, man sollte sich nicht entscheiden müssen. Und das wird immer eine Belastung bleiben.

Aber man lernt damit zu leben. Über die Zeit. Glaube ich zumindest.

R=alpah_HxH


Ich habe neulich einen Artikel einer Psychologin gelesen, die da einen sehr interessanten Aspekt geschildert hat: Kinder definieren sich über ihre Eltern. Sie sind das Produkt ihrer Eltern, durch die Zeugung und durch die Erziehung. Eine Mutter, die den Vater ablehnt, lehnt aus unbewusster Sicht des Kindes immer auch das Kind ein Stück weit ab, nämlich den Teil des Kindes, der vom Vater kommt. Das Kind liebt den Vater, fühlt sich als ein Teil von ihm und nun ist der Vater auf einmal unerwünscht. Und nicht selten wird der Ehestreit auch über die Kinder ausgetragen, es wird verlangt, dass sie sich positionieren. Der Exmann wird gehasst, er ist böse. Um der Mutter zu gefallen, wird die Meinung geteilt, das zerreißt das Kind, das den geliebten Vater nun auf einmal böse finden soll.

Viel davon können einvernehmliche Trennungen abfedern, wenn man den Kindern vorleben kann, dass der/die Ex kein böser Mensch ist, nicht gehasst ist, man sich weiter mag und auch sieht, den Kindern bestenfalls weiterhin gelegentlich die gemeinsame Elternrolle vorleben kann. Aber wenn die Partnerschaft in Hass und Streit auseinandergeht, dann ist das kaum möglich, dass die Kinder da keinen Schaden nehmen.

m`apdonn<acyxrus


Meine Eltern haben eh getrennt geschlafen und mein Vater war immer nur arbeiten.

Mir war es ziemlich egal.

T"h+alixna


Ich glaube Ralph hat das ziemlich gut beschrieben. Ein Kind ist immer irgendwie ein Teil Mama, ein Teil Papa, aus beiden "gemacht". Ich stecke ja in der blödenSituation, dass der Vater meines Sohnes sich aus irgendwelchen Gründen nicht um sein Kind kümmert. Dennoch bemühe ich mich, meinem Kind ein differenziertes Bild zu zeichnen. Denn sein Vater *ist* kein schlechter Mensch, er hat mir sehr gut getan als es mir mal sehr schlecht ging.Nur ist er irgendwie nicht in der Lage sich adäquat zu kümmern.

Was ich damit sagen will: Ich fühle das es für mein Kind, auch wenn es keine Erinnerungen an den Vater hat, dennoch irrsinnig wichtig ist ,sehr interessant, was der Vater für ein Mensch ist, wo er wohnt, was wir mal unternommen haben - und das es ihn ohne den Mauerfall gar nicht gäbe weil sein Papa aus dem Osten und ich aus dem Westen bin.

Also - ich glaube schon, dass es wichtig für ein Kind ist. Ich glaube aber, dass Menschen das unterschiedlich verarbeiten. Daher gibt es die, die erzählen dass es für sie nicht schlimm war oder nicht mehr schlimm ist - und die, die das nie verkraften.

Ich finde es vor allem wichtig dass Eltern sich vor Augen führen, dass Ihr Kind "auf dem Ohr" empfindlich sind. Also: Dem Kind zuhören, Türen gegenüber dem Ex nicht verschließen und "JA!!!" zu jedem Kontaktversuch sagen.

Meine Türen sind offen und ich hoffe, der Vater meines Sohnes besinnt sich irgendwann . Er hat einen tollen Sohn und ohne ihn gäbe es ihn ja gar nicht!

Akleoxnor


Heute ist das doch so häufig.

Aber das bedeutet ja nicht das es das Kind nicht erschüttert und einen ziemlichen Einschnitt in seine Kleine Welt darstellt.

ROaup%eN%immersxatt


Meine Eltern haben sich getrennt, als ich 20 war. Mein Auszug zu Studienbeginn hat das wohl getriggert, sie merkten dann, dass sie als Paar nichts mehr gemeinsam hatten, nur noch als Eltern. Die Trennung war einvernehmlich, es gab keinen Stress (zumindest nicht vor uns Kindern) und für mich war das überhaupt kein Trauma. Ich war ja schon aus dem Haus, hatte meine Eltern als Kind gehabt, so wie ich sie brauchte und sie waren immer noch als Ansprechperson für mich da. Beide haben innerhalb einer gewissen Zeit nette, passende neue Partner gefunden und sind jetzt glücklicher, als sie es in ihrer Beziehung waren. Somit bin ich froh, dass sie diesen Schritt gemacht haben.

T3halxina


Heute ist es so, dass das für die Kinder immer noch eine echt heftige Veränderung ihrer Welt bedeutet (gut, vielleicht hat es ein Kind dessen Eltern sich vor der Geburt haben damit dann etwas leichter, aber die Frage des "Warum" ist trotzdem da) Was heute denke ich wirklich leichter ist, ist die Tatsache dass sich kein Kind damit als Ausnahme sehen muss. Für meinen Sohn war es super sich mit seinem besten Kindergartenfreund als "gleich" zu erleben - der wurde nur vom Papa und ganz ohne Mama großgezogen. Es war für ihn schon gut zu erleben dass er nicht das Einzige Kind war, dass in seiner Umgebung keinen Kontakt zu einem Elternteil hatte.

dKanlae87


Ich glaube das so eine Trennung viele Aspekte hat die alle einzeln oder zusammen eben ziemlich erschütternd sind. Das beginnt bei den ganz normalen Sachen. Der Alltag ändert sich und das ist für viele Kinder unangenehm und mit Verunsicherung verbunden. Manchmal müssen die Kinder sogar ihren Freundeskreis aufgeben, das Umfeld fällt weg. Doch selbst wenn Wohnraum und Freundeskreis gleich bleiben können ist der Alltag plötzlich ein anderer, nach dem neuen Unterhaltsgesetz kann es bedeutet das nun statt Mama/Papa am Nachmittag Hort angesagt ist weil der betreuuende Elternteil Vollzeit arbeiten muss und und und. Das macht schonmal eine unsichere Grundstimmung.

Auf die kommt dann noch darauf das Kinder, je nach Altern, nicht zwischen verschiedenen Lieben unterscheiden. Die wissen nicht das partnerschaftliche Liebe etwas anderes ist als die zu den Kindern, zum Beispiel. Die Unendlichkeit der elterlichen Liebe ist also durch das Ende einer Liebe in Frage gestellt. Kommt sicher auch darauf an wie man die Trennung kommuniziert.

Und zu diesem in Frage stellen von vielem Grundlegenden kommt ein Loyalitätskonflikt. Man sieht das die Eltern leiden, unglücklich sind. Sind ja nicht alle Trennungen einvernehmlich und selbst dann kann man sich doch meist am Ende einer Beziehung nicht einer gewissen Trauer erwehren. Kann man also Papa/Mama noch lieb haben obwohl er/sie solchen Schmerz verursacht? Ich glaube das ist etwas das besonders ältere/erwachsene Kinder in Schwierigkeiten bringt.

Dazu die Ablehnung wie von der Psychologin beschrieben. Alles in allem ist es eine Situation die alles ganz grundlegend in Frage stellt woran Kind bis dahin geglaubt hat. Da muss der Streit schon sehr heftig sein, damit die Unsicherheit nicht schlimmer ist als das Bekannte.

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