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Plötzliche Angst vor dem Tod

BEal=yndxis hat die Diskussion gestartet


Vor kurzem ist mein Schwiegervater unerwartet mit Mitte 50 verstorben. Die Trauer ist groß. Doch nun kommt noch eine Art Panik vor dem eigenen Ende dazu. Der Gedanke das plötzlich ohne Vorwarnung alles vorbei sein kann, raubt mir den Lebensmut. Alles erscheint so sinnlos. Warum sollte ich dies und das tun, wenn ich doch eh sterben muss. Abends im Bett ist es besonders schlimm, aber mittlerweile kann ich mich auch nicht mehr auf meine Arbeit konzentrieren. Ich rechne aus, wie lange ich oder andere Personen wohl noch leben werden, und bin erschrocken über die paar Jahre.

Mein Partner war immer meine Rettungsleine, wenn meine Psyche mal wieder verrückt spielt. Ich habe schon ewig immer mal wieder Probleme mit unbegründeter Angst. Meist nur Lappalien. Aber hiermit kann und will ich ihn nicht belasten. Im Gegenteil, ich muss mich zusammenreißen und ihn unterstützen. Weil mir dieser Halt gerade fehlt, befürchte ich aus diesen negativen Gedanken nicht mehr heraus zukommen.

Ist das normal, liegt es an der Trauer? Soll ich es verdrängen oder mich mit dem Tod auseinandersetzen?

Antworten
L5etzsrocxk


Ich denke die Angst vor dem Tod das alles ohne Vorwarnung vorbei sein kann liegt mit dem Tod deines Stiefvaters zusammen.Da er ja auch ohne jegliche Vorwarnung gestorben ist (war doch so oder?) klar kann dies passieren aber du musst davor keine Angst haben versuche dich abzulenken.Ich gehe mal davon aus du bist noch nicht so alt ;-)

Was auch mir manchmal hilft ist sich mit den Dingen zu befassen und zu lernen.gruß letsrock :-D

WQäHltxi


Warum sollte ich dies und das tun, wenn ich doch eh sterben muss.

Warum solltest Du es nicht tun? Dann hast Du bist dahin eine gute Zeit.

Lenke Dich ansonsten ab von diesen schwarzen Gedanken. Die Grübelei über Dinge, die nicht zu ändern sind, ist vergeudete Lebenszeit.

P_A/sporxts


Warum sollte ich dies und das tun, wenn ich doch eh sterben muss.

Na eben weil wir irgendwann mal sterben und es dann ggf. vorbei ist.

Im Urlaub bleibst ja auch nicht die letzten Tage permanent im Zimmer weil du in paar Tage abreisen musst sondern du machst soviel es geht um die Tage noch zu genießen.

Deine Angst vor dem Tot solltest du nutzen um dir jeden Tag zu sagen das Leben muss ausgekostet werden.

B3alRyndyixs


Ich versuche mich ja abzulenken, so gut es geht. Aber gerade so "sinnlose" Tätigkeiten wie Hausarbeit, Rasenmähen, kommen mir einfach so dumm vor. Ich mähe Rasen, damit er wieder wächst, damit ich ihn wieder mähen muss. Klar, ich will auch keine wilde Wiese im Garten haben... Aber trotzdem!

Und diese blöden Kleinigkeiten über die sich Andere aufregen. Ich möchte am liebsten schreien: Ist doch sch***egal, bald sind wir eh alle tot!

Und abends im Bett schnürt es mir regelrecht die Kehle zu. Nicht nur der Gedanke, was nach dem Tod passiert, sondern auch wie meine Angehörigen damit klar kommen. Gerade mein Partner würde es wohl nicht verkraften und es macht mir Angst, mir vorzustellen, dass er ohne mich nicht klar kommt.

Ich weiß ja dass das alles unsinnig ist. Wir müssen alle sterben. Und es ist gut, das wir nicht wissen, wann und wie es passieren wird. Aber das es passiert und ich nichts dagegen tun kann, macht mich gerade wahnsinnig!

Ich bin sonst eher ein zu vernünftiger Mensch. Ich bin nicht spontan, oder entscheide aus dem Bauch heraus. Denke immer darüber nach, was es für Konsequenzen auf mein späteres Leben haben könnte. Bin sparsam, etc.

Und jetzt? Wozu das alles?

PiAsporxts


Und jetzt? Wozu das alles?

Weil die Alternative nen Kopfschuss wäre und das bedeuten würde das du früher Tot bist.

Da ist etwas niedere / stupide Arbeit doch die bessere.

c/riec+harxlie


Für mich hört sich das ehrlich gesagt eher weniger nach Angst/Trauer als nach Traumatisierung an.

Das würde ich ansehen lassen, bevor es sich verselbstständigt.

T(hDalinxa


Ich glaube, gerade dieses sehr.vernünftige, für die Zukunft vorsorgende, sparsame, vorsichtige ist manchmal ein Problem. Weil man dann irgendwie ständig in der Zukunft lebt, von Ängsten gelähmt, nicht mehr im Jetzt.

Mein Vater starb als ich ein Kind war und ich habe das bei meiner Mutter sehr krass so erlebt. Sie war immer so sehr in der Zukunft dass sie vergessen hat jetzt zu leben.

"Das Leben findet heute statt" - Das hat mein Vater ihr sogar mal als Buch geschenkt.

Nach seinem Tod durfte ich mir dann anhören( ich war 13) - sie stürbe ja sowieso auch bald... Da war sie 54, mein Vater 61.

Heute ist sie 80 und ich habe leider verinnerlicht dass man ständig Angst haben muss vor der Zukunft, dass irgendwie ja alles sinnlos ist. Ich Kämpfe gegen dieses Gefühl an seitdem, weil ich weiß, vom Kopf her, dass das eine destruktive Einstellung ist, die einen blockiert, lähmt, kein Stück weiter bringt.

Ich würde sagen, nimm Dir zwar Zeit zum Trauern, aber genieße auch bewusst was Du schön findest. Sag Dir immer wieder, dass es der Sinn des Lebens eben ist, zu leben - das sage ich mir zumindest. Leben und das Beste drauf machen, genießen was schön ist, überstehen was unschön ist - und sich auch nicht zu sehr in Negatives reinsteigern.

Schwer, gelingt mir oft nicht. Aber so versuche ich es.

Hast Du schon mal an eine ehrenamtliche Tätigkeit gedacht? Hier werden zum Beispiel immer Leute gesucht die mit Grundschülern lesen üben "Lesepaten" oder mit ihnen Hausaufgaben machen - oder Ähnliches. Ich könnte mir vorstellen dass es Dir gut täte etwas zu machen dass Dir irgendwie "Sinn" vermittelt.

WAaterxli2


Ich find es gar nicht mal so schlimm, dass man sich Fragen danach stellt, wie sinnvoll Hausarbeit und Rasenmähen sind und wozu es gut sein soll, dass man sparsam ist. Das sind irgendwie völlig normale Sinnfragen, die man sich eigentlich auch mal stellen sollte, ohne dass jemand gestorben ist.

Ich putze jedenfalls nicht jeden Tag meine Bude, sondern erst, wenn sie ziemlich dreckig ist. Ist ja jedem seine Sache, wie ordentlich er es haben will und was er wichtig findet oder nicht, aber ich finde es gut, wenn ein Todesfall dazu anregt, eingefahrene Muster mal zu hinterfragen und ggf. zu ändern.

Vielleicht solltest du dir echt von einem Teil des Ersparten mal was leisten und siehst danach erst wieder den Sinn am Sparen. Einfach Geld nur anhäufen bis man stirbt ist nämlich nun wirklich sinnlos. Es gibt ja auch andere Möglichkeiten, z.B. weniger sparen und dafür einmal im Monat schön essen gehen oder sich was überlegen, was man mit dem Ersparten machen will und das mal genauer durchrechnen, wie lange es noch dauern würde usw.

Ich vermute viel eher, dass dir durch den Todesfall grade bewusst wird, dass dein Leben vielleicht nicht so läuft, wie es soll bzw. du daran zweifelst, ob es das jetzt alles gewesen sein soll. Du denkst halt jetzt über alles nach und hinterfragst es.

Zu der Todesangst an sich: du sagst ja, die Angehörigen machen dir Sorgen. Zum Beispiel dass dein Partner nicht ohne dich klarkommt. Das klingt ehrlich gesagt ziemlich übertrieben, der ist ja sicherlich nicht unselbständig und hilflos, nehm ich an, also natürlich wird der vermutlich irgendwann auch wieder klarkommen, muss er ja. Oder ist er etwa so abhängig von dir? Vielleicht hast du dann ja auch nur diese Gedanken, weil es dich insgeheim belastet? Oder umgekehrt, weil du vielleicht insgeheim daran zweifelst, dass dein Partner dich braucht. All sowas kann ja dahinterstecken.

Oder einfach nur eine bestimmte Sichtweise auf den Tod. Ich mache mir z.B. wenn ich an meinen Tod denke null Gedanken an meine Angehörigen, weil ich glaube, dass ich dann tot bin und a) mir das dann egal sein kann, da ich eh nix davon mitkriege und b) ich dann eigentlich die bin, die am Schlimmsten dran ist. Die Angehörigen haben immerhin dann noch ihr Leben und können weiterleben und das sollen sie auch tun, wenn sie dann ein bisschen getrauert haben. Und das werden sie sicherlich auch. Ich halte generell nichts von der Ansicht, dass der Tod für Angehörige so furchtbar ist. Ich finde, der ist furchtbar für den, dessen Leben endet und der seine Träume und Ziele nicht mehr verwirklichen kann. Meine Tante ist z.B. gestorben und alle fanden es ganz schlimm, klar, aber jetzt ist das 6 Jahre her und mein Onkel z.B. hat eine neue Freundin, die Kinder haben alle Abi oder geheiratet etc. ER konnte das alles sehen und miterleben. Seine Frau nicht, die ist tot und hat nichts davon erlebt. Wer ist denn da nun schlimmer dran? ":/

BkalWynOdxis


Weil die Alternative nen Kopfschuss wäre und das bedeuten würde das du früher Tot bist.

Das hat gesessen. Aber war nötig.

Ich würde sagen, nimm Dir zwar Zeit zum Trauern, aber genieße auch bewusst was Du schön findest. Sag Dir immer wieder, dass es der Sinn des Lebens eben ist, zu leben - das sage ich mir zumindest. Leben und das Beste drauf machen, genießen was schön ist, überstehen was unschön ist - und sich auch nicht zu sehr in Negatives reinsteigern.

Danke Thalina, das hast du schön geschrieben!

Ich mache mir z.B. wenn ich an meinen Tod denke null Gedanken an meine Angehörigen, weil ich glaube, dass ich dann tot bin und a) mir das dann egal sein kann, da ich eh nix davon mitkriege und b) ich dann eigentlich die bin, die am Schlimmsten dran ist.

Ich sehe es eher andersherum. Ich existiere dann (vermutlich) nicht mehr und kann auch nichts mehr fühlen. Meine Familie leidet aber, weil sie um mich trauert. Wenn ich vielleicht mal Kinder haben sollte, ist mir ganz bestimmt nicht egal, was aus ihnen wird. Klar, wenn ich tot bin, kann ich dann eh nichts mehr ändern, aber ich kann (zumindest finanziell) vorsorgen.

Heute geht es mir ganz gut. Ich denke, es hat geholfen meine Gedanken mal bei völlig Fremden rauszulassen, ohne die mitleidigen Blicke und Tränen.

Für mich ist es der erste Verlust einer nahestehenden Person. Vermutlich nimmt es mich deshalb so mit.

Ich habe gestern Abend versucht, mich bewusst nur mit Dingen zu beschäftigen, die mir sinnvoll erscheinen und auch immer Spaß gemacht haben. War zumindest eine gut Ablenkung.

pJarazellxnuss


Hi Balyndis. Der Tod gehört zum Leben dazu. So wie die Trauer, die Liebe, das Erleben, die Freude, die Ängste eben auch. Du machst das schon richtig. Wichtig ist es, mit anderen Menschen darüber zu reden. Ja, und die Zeit heilt ja auch. Ich habe schon viele Menschen gehen sehen. Man muss sie gehen lassen. Das ist auch wichtig. Und es kommt auch wieder eine Zeit der Freude, eine Zeit, in der man mit einem Lächeln auf jene zurückblicken kann, die einem das Leben bereichert haben.

W6ältmi


Wenn einen der Tod überängstlich macht durch das Sterben eines Angehörigen, können sogar andere nie bewältigte Trauergefühle und Abschiedsängste dahinterstehen.

C!omraxn


Ist das normal, liegt es an der Trauer? Soll ich es verdrängen oder mich mit dem Tod auseinandersetzen?

Ich würde sagen: auseinandersetzen, auch wenn es ein schmerzvoller Prozess ist. Auch bei mir war es eine Phase, in der meine Mutter Krebs hatte und die Hoffnungen schwanden. Mir wurde es vor den Augen (das ist wohl der Unterschied) gewahr, was Endlichkeit bedeutet und auch wie schnell so eine Krankheit oder ein Unfall zuschlagen können. Es war kein leichter Prozess, denn er zog sich über 1 Jahr. Aber er war abgeschlossen, bevor meine Mutter starb. Ich habe diese Zeit genutzt, es akzeptieren zu lernen. Vorbereitet zu sein. Auch in einigen praktischen Dingen (ich blicke mit 48 bereits auf ein längeres Leben zurück, und je mehr man "vollbracht" hat, umso mehr muss man auch wieder loslassen können) habe ich Entscheidungen getroffen in Form von Vorsorgen. Es klingt vielleicht morbide, sich mit knapp über 40 als kerngesunder Mensch mit seinem Sterben und dem Tod auseinanderzusetzen, aber mir hat es geholfen. Ich fühle mich nun nicht mehr unvorbereitet und vor allem lebe ich ganz normal weiter. Trotz dieser Dinge. Ich habe etwas "erledigt" - das gute Gefühl kennt sicher jeder. Und hier war es auch so.

Ich wünsche dir Fortschritte in deiner Trauer, und dass du einen Weg findest, dich mit dem unausweichlichen Thema zu arrangieren. Verdrängen ist sehr schwer, daher tritt den Dingen entgegen. :°_

Wmälxti


Ich finde das überhaupt nicht morbide, sondern realistisch, sogar mutig.

Und für die Angehörigen ist es immer hilfreich, wenn rechtzeitig Vorsorge getroffen wird. Es ist ja einiges zu bedenken, z. B. ob Organspende oder nicht, wer eine Vollmacht bekommt, was mit eventuellem Besitz passieren soll und einiges mehr, bis zur konkreten Vorstellung davon, wie man sich die eigene Bestattung wünscht.

Ist natürlich nicht bei immer so, aber es kann paradoxerweise auch eine Möglichkeit sein, mit den eigenen Ängsten umzugehen.

B-alyqndixs


Gestern war wieder ein schlimmer Tag. Mein Partner konnte nicht zur Arbeit, weil es ihm morgens so schlecht ging. Ich habe dann schon mittags Feierabend gemacht und ihn zu seiner Mutter begleitet. Es ist immer noch so vieles zu klären. Gestern wurde mein Schwiegervater erst von der Staatsanwaltschaft freigegeben, so dass er endlich eingeäschert werden kann.

Bei meiner Schwiegermütter bröckelt immer mehr die Fassade. Bisher hatte sie sich gut im Griff, hat "funktioniert", weil sie musste. Ich befürchte, das nach der Beisetzung die Trauer in voller Wucht einsetzt. Ich fühle mich hilflos, weil mehr als da sein und zuhören kann ich nicht. Und egal was ich sage oder tue, dadurch kommt er trotzdem nicht wieder :°(

Und jetzt bin ich an der Arbeit, hab eigentlich wichtige Aufgaben zu erledigen, und doch kommen mir immer wieder die Tränen...

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