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"Blitzradikalisierung" wie funktioniert das?

Eevolu]zzexr hat die Diskussion gestartet


Im Zusammenhang mit dem Zug-Attentäter wird von einer "Blitzradikalisierung" gesprochen.

Kann jemand erklären, wie so etwas funktioniert?

Muss ich jetzt Angst haben, dass mein "netter" Nachbar von nebenan, innerhalb weniger Wochen, bei der nächsten Meinungsverschiedenheit zum Axtmörder wird?

Antworten
1|trox3


Viele der Täter haben ein ähnliches Muster:

- Ein verfutschtes Leben ohne Perspektive. Deshalb wirbt der IS nicht unter Salafisten, sondern vorallem unter Kleinkriminellen.

- Gläubig, aber nicht an eine Gemeinde gebunden, sondern eher "Ich bin Muslim, mein Umfeld besteht aus Ungläubigen"

- Die Überzeugung, dass Muslime weltweit benachteiligt und bedroht werden. Und Schuld sind die Ungläubigen.

- Eine Lebenskrise: Man sucht nach Antworten und findet diese im Internet. Plötzlich ergibt alles einen Sinn.

- Und es gibt einen Ausweg der sogar direkt ins Paradies führt und der auch vom Umfeld erstaunlich oft akzeptiert wird. Eben nicht Terrorist, sondern Märtyrer.

- Das was die Nachbarn dann als ruhig und unauffällig beschreiben ist in Wirklichkeit jemand, der den Kontakt zu den kuffar meidet. Und der in seiner Moschee keine Antworten erwartet.

CIloZdine


Unsere Medien müßen ja nun das was da so alles Schief läuft irgendwie Erklären. Da passt doch so ein Ausdruck ganz gut!

Ehvol&uzzexr


@ 1to3

Alles mögliche Ursachen, die du da aufzählst, aber eine "Blitzradikalisierung", so wie es das Wort vorspiegelt ist das ja wohl nicht.

Da liegen die Ursachen ja viel weiter zurück. Wenn jemand einer "Blitzradikalisierung" das Wort redet, dann führt das wohl eher in die Irre.

Wenn eine "Blitzradikalisierung" funktioniert, dann müsste ja auch eine "Blitzpositivierung" funktionieren. Das wäre dann der Fahrplan für Integrationsarbeit.

a]uag233


Muss ich jetzt Angst haben, dass mein "netter" Nachbar von nebenan, innerhalb weniger Wochen, bei der nächsten Meinungsverschiedenheit zum Axtmörder wird?

Evoluzzer, wenn du lange genug in den Archiven der Zeitungen forschst, und zwar in der Zeit von 1962 bis 1988; also absolut dichter "Eiserner Vorhang"; dann wirst du darin immer wieder Morde mit verschiedensten Gegenständen finden, die nachher zwar erklärt wurden mit Beziehungsprobleme, Eifersucht, Mafia... . Immer wieder hat sich die Nachbarschaft gewundert, dass eine unauffällige Person plötzlich ausgerastet ist. Vor solcher Personen war man nie sicher! Einzig folgende Gedankenkette ließ einen beruhigter sein: ich habe niemandem einen Nachteil zugefügt; es gibt keine ungeklärte Beziehungskiste; ich habe keine Spiel- oder andere Schulden; ich habe.... (individuelle Gründe). Umkehrschluss: wer sollte einen Grund haben, auf mich mit Messer, Axt oder was auch immer loszugehen? Einen hinterhältigen Verkäufer defekter Geräte hat nur der Rechtsstaat davor bewahrt, dass ihn die Geschädigte öffentlich an den Pranger stellten.

a{ug23x3


"Blitzintegration" findet nur dann statt, wenn das Überleben vom Einhalten bestimmter Vorgaben abhängt. Das ist zwar keine Integration, eher eine Dressur. Aber solches haben viele der heute 75 bis 100jährigen durchgemacht. Was glaubt ihr wonach sich ein begeisterter Hitler-Junge Jahrgang 1938 in 1945 gerichtet hat, wenn er überleben wollte? Nach dem, was ihm die neuen Machthaber erklärten. Anpassung = weiter leben; nicht anpassen oder gehorchen = verhungern.

Eyvolguzzxer


Ich kann der Argumentation folgen, dass es schon immer ein gewisses Gefahrenpotential (Restrisiko?) gegeben hat. Allerdings ist nicht immer ein Opfer-Täter-Zusammenhang gegeben. Die Opfer im Zug haben ja eigentlich nicht falsch gemacht, oder sind jemanden vorher auf die Füße getreten.

Wird da nicht versucht, ein falsches Sicherheitsgefühl mit falschen Erklärungen zu verkaufen?

1zt)o3


Alles mögliche Ursachen, die du da aufzählst, aber eine "Blitzradikalisierung", so wie es das Wort vorspiegelt ist das ja wohl nicht

Man kann über die Wortwahl streiten, aber es ist eben ein Unterschied, ob sich jemand innerhalb weniger Wochen/Monaten zu einem Märtyrer entwickelt oder ob er über Jahre fundamentalistisch lebt. Blitzradikalisierungpasst da durchaus.

Aber im Prinzip ist es auch Selbstschutz: "Das kam völlig überraschend-Das konnte man ja nicht ahnen". Natürlich konnte man was ahnen, aber dazu hätte man misstrauisch sein müssen. Und das ist ja verbotene Hetze und Generalverdacht. Man hätte zB mit einem einfachen Sprachtest feststellen können, dass er über seine Herkunft gelogen hat. Und wahrscheinlich auch über sein Alter.

Wenn eine "Blitzradikalisierung" funktioniert, dann müsste ja auch eine "Blitzpositivierung" funktionieren. Das wäre dann der Fahrplan für Integrationsarbeit.

Das wäre also in etwa: Wenn sich jemand innerhalb einer Woche in einer Lebenskrise zum Selbstmord entschließt, dann müsste es auch funktionieren, ihn innerhalb einer Woche total glücklich zu machen. Wir brauchen nur mehr Sozialarbeiterstellen.

Mzakklabxi


Ein verfutschtes Leben ohne Perspektive.

Was ja anscheinend auf den letzten Terroristen in Würzburg nicht zutrifft. Er hatte ein Praktikum und einen Ausbildungsplatz in Aussicht.

h|uzzxel


Glaubt Ihr wirklich, dass der Irre sich radikalisiert hat? oder nicht doch einfach nur durchgeknallt ist? Aber ein blitzradikaliserter IS Kämpfer kommt wohl zur Zeit besser als, als einer, der Durchgeknallt ist und dabei die große Bühne nutzen wollte (schnell noch eine IS Fahne malen und dann geht's los). Der IS Dreck ist halt leider eine gute Möglichkeit einmal im Leben im Mittelpunkt zu stehen.

Die ganzen "normal Tragödien", da kräht kein Hahn mehr danach, das kommt, wenn überhaupt, mal bei RTL, aber es gibt bestimmt keine x Sondersendungen. Aber als mehr sehe ich diese Sache nicht an. Da ist einer einfach durchgeknallt. Nicht mehr und auch nicht weniger. Und wenn jetzt nach Verschäfungen geschrieben wird, dann haben die Verrückten gewonnen!

FREIHEIT ist das Zauberwort, nicht Einschränkungen!

Mit der Freiheit unterscheiden wir uns, also fasst die bitte nicht an.

Eavoluzzzexr


Das wäre also in etwa: Wenn sich jemand innerhalb einer Woche in einer Lebenskrise zum Selbstmord entschließt, dann müsste es auch funktionieren, ihn innerhalb einer Woche total glücklich zu machen. Wir brauchen nur mehr Sozialarbeiterstellen.

Das klingt doch sehr verheißungsvoll. Dann müssten unsere Politiker nur mehr Geld für Sozialarbeiter locker machen. ;-D

WTältxi


Unter dem Wort verstehe ich eine latente "Verrückt-heit", die sich ein Objekt aussucht, im Sinne einer fixen Idee, woran sie sich ausrichten und festmachen kann. Eine Belohnung irgendeiner Art, und wenn es nur das Weg-Sein anschließend ist, wird vermutlich auch immer dabei sein. Aber es ist keinesfalls normal, was da geschieht - wird doch der Selbsterhaltungstrieb ausgeschaltet.

Es ist Wahnsinn, sich selbst zum Opfer zu machen; ebenso wie es Wahnsinn ist, Amok zu laufen: eine absolute psychische Wahn-Lage, die sich in Wahn-Taten manifestiert. Dabei ist es praktisch egal, welche "Idee" hier einhakt und im Grunde gleich, ob hier eine Radikalisierung stattfinden muss. Wie der German Wings-Fall zeigt, geht das auch ganz unradikalisieert.

SRtjalf,yr


Unsere Medien müßen ja nun das was da so alles Schief läuft irgendwie Erklären. Da passt doch so ein Ausdruck ganz gut!

Eben. Frei nach dem Motto "Er hat sich blitzradikalisiert, wir konnten nichts ahnen (und daher auch nichts machen)".

Im Falle des Pariser Attentäters war er einfach nicht auf dem Schirm der Behörden. Das heißt ja noch lange nicht, dass er 4 Wochen zuvor noch der harmlose Mitbürger war.

Der Zug-Attentäter musste sich vermutlich gar nicht radikalisieren - er ist wahrscheinlich schon radikalisiert aufgewachsen, sozialisiert worden. Intoleranz, religiös motivierter Hass, drakonische Strafen, Gewalt gegen andere, gegen Minderheiten, gegen Abweichler sind in seiner Heimatregion, sei es nun Afghanistan oder Pakistan, an der Tagesordnung. Das kriegt natürlich eine nette deutsche Pflegefamilie so schnell nicht weg.

vuamp0irelxla75


Jeder Amokauf hat immer einen Auslöser, jeder erweiterte Selbstmord auch.

Und wenn man vorher irgendwas mit Allah schreit, nimmt man nicht nur schön Leute mit sondern hat auch noch posthum 15 minutes of fame.

Sprich ob das wirklich was mit dem IS zu tun hatte oder der Typ nur völlig durchgedreht ist wird sich erst noch zeigen.

Schlimm sind aber die 15 minutes of fame, denn es gibt genug Irre, die das bestimmt extrem anmacht.

Finden inzwischen auch die Kinder hier super: Allah brüllen, Rucksack in den Laden werfen und wegrennen und schaun was passiert... Hier inzwischen nix mehr, außer neulich ein kräftiges Paar Schellen vom Papa und auch wenn ich Gewalt gegen Kinder nicht gut heiße hat mich das gefreut.

a;ugx233


Sozialarbeiter als Mittel gegen Lebenskrisen - "Kinners neeee" würde man regional sagen. Perspektiven führen aus Lebenskrisen und jemand, der bei den ersten Schritten einer solchen Perspektive hilft. Das ist von Person zu Person verschieden. Wenn ich heute "nackt" überleben müsste, dann reichten mir beim Bäcker die abgelegten Klamotten eines Gesellen, die Zusage für Frühstück, Mittagessen und Abendbrot und einen Schlafplatz in einer Kammer. Der Rest findet sich. Was in unserem Land fehlt sind die "Bäcker"; also jene Menschen, die einem anderen den Einstieg in ein neues Leben ermöglichen. Zweites Beispiel: im Osten gibt es noch viele Kasernenbauten aus der Kaiserzeit, schön mit Backsteinen und Klinkern gebaut. Gebrauchte Klinker werden gut bezahlt. Gebt den Menschen die erforderliche Kleidung, einen Schlafplatz, Verpflegung - einen Haufen mit 100.000 Steinen und lasst diese aufarbeiten. Braucht es dazu Sozialarbeiter? Mein 80jähriger Nachbar hat das vor 70 Jahren praktiziert.

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