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Kann man das wirklich so locker verarbeiten?

E6inehGuteFrcagxe hat die Diskussion gestartet


Guten Abend Forengemeinde,

ich lese hier sehr viel mit, bin auch in dem ein oder anderen Thema aktiv und ich möchte einfach mal etwas von mir erzählen, was ich m.M. nach sehr gut verarbeitet habe, wofür ich aber oft sehr erstauntes Staunen ernte. Selbst eine Therapeutin hatte Tränen in den Augen als ich ihr von meiner Geschichte erzählt habe, die mich einfach nicht mal selbst berührt. Kann man sowas echt so locker wegstecken oder ist das irgendein Verdrängnismechanismus.

Als ich 13 war, lebte ich in einer Wohngruppe. Dort gab es einen Mitbewohner, in den ich mich verschossen habe. Er war ein Jahr älter als ich. Er hatte aber eine Freundin, doch er erzählte mir von seinem besten Freund, der gaaaanz dringend eine Freundin suchte. Ich, das naive, kleine, dumme Mädchen wollte ihn fröhlich machen und ging mit zur Verabredung. Es war ein Marrokaner, dreimal so breit und 2 Köpfe größer als ich. Ich wollte nicht mit ihm zusammen sein, aber man überredete mich, es doch mal ein paar Tage zu versuchen. Also willigte ich ein. Ich war Jungfrau, ungeküsst, total naiv und dumm.

Nach 2 Tagen wollte er Sex, den ich nicht wollte. Er ließ mir Ruhe, aber befummelte mich an jedem Tag überall. Wir saßen oft im Partykeller, die Hand zwischen den Beinen, im Top, ich hatte dem nichts entgegenzusetzen. Mein Schwarm sagte mir man mache das so und seine Freundin ließ ihn auch gewehren. Es waren noch 3 andere Jungs dabei die mir auch sagten, anständige Frauen machen das so.

Eine Woche nachdem ich W. kennenlernte, saßen wir Abends an einem Denkmal herum. Es wurde getrunken und gekifft, mit beidem hatte ich keine Erfahrung. Aber es war so toll endlich mal dazuzugehören, schließlich war ich immer das brave Strebermädchen in der Schule gewesen, dass nie bei den Coolen saß. In der "Gang" fühlte ich mich toll... Bis zu dem Abend. Ich bekam einen Joint, zog paar Mal, wir tranken Wodka. Prost. Es brauchte nicht viel, bis ich den Alkohol spürte.

W. hat mich wieder befummelt, angefeuert durch all die anderen. P.'s Freundin war diesmal nicht dabei. Irgendwann sagte man mir, ich solle meinen Mund aufmachen und ich tat es. W.'s Schwanz war der erste, der in meinem Mund war. Es folgten 4 weitere und danach sind sie alle 5 über mich drüber gerutscht. Mein erstes Mal war somit ein 6-er, eine gröhlende Meute Teenager, die mir die Unschuld genommen haben.

Das ganze zog sich nun über Wochen so hin, schließlich war ich mit P. in einer Wohngemeinschaft. Man bedrohte mich, fing mich nach der Schule ab und ich hatte die Wahl, entweder Sex mit den 5 Kerlen oder ich kauf mich frei. 50 Mark kostete ein Tag freikaufen und ich habe geklaut was nicht niet- und nagelfest war. Klassenkasse, Geld bei meiner Mutter, ich hab alles mitgenommen, nur um mich manchmal freikaufen zu können.

Sie sind sogar mit mir mal durch die Stadt gelaufen und haben wildfremde Männer angesprochen. "Willst Du die Kleine ficken? Kostet nur 50 Mark". Keiner wollte, was wohl daran lag, dass ich wild zerschnittene Arme hatte, mir tat das damals irgendwie gut. W. hat mich dafür ganz schön beschimpft, denn er würde keinen hochkriegen, wenn er so eine Scheiße sieht.

Das Ende kam erst, als W. mich eines Tages mal allein nach der Schule abpasste und mich unter Drohungen und Einsatz eines Messers in den Park zwang. Dort hat er mich anal vergewaltigt und danach bin ich zusammen gebrochen und habe meinen Betreuern alles erzählt. Da ich ja eh schon wegen "klauen" so oft erwischt worden und mit der Polizei in Verbindung war, zweifelten die alles an. Einzig meine Mutter hat mir geglaubt und ist mit mir ins Krankenhaus gefahren.

Dort wurden eindeutige Spermaspuren im After festgestellt und leichte Risse. Ich musste zur Polizei, alles erzählen, W. wurde festgenommen, ganze 24 Stunden lang. Danach schlug er mich zusammen. Ich sollte zurück in die Wohngruppe, aber ich weigerte mich standhaft. Schließlich kam ICH in die Kinder- und Jugendpsychiatrie, wo es mir besser ging als jemals zuvor.

Der Gerichtsprozess fing mit einem Gutachten an, dem ich nicht standgehalten habe. Ich konnte nicht. All die Fragen, die detaillierten Fragen wie sein Glied aussah, wie es schmeckt, wie es sich anfühlt, wo er mich berührt hat, ich war gerade mal 14 geworden und nicht in der Lage das alles auszudrücken. Ich brach zusammen, was meine Glaubwürdigkeit in Mitleidenschaft zog und schließlich wurde auf einvernehmlichen Beischlaf entschieden, der Typ läuft frei rum. Jahre später hat er das gleiche mit einem anderen Mädel abgezogen, sie hat ihn nie angezeigt, es würde ihr eh keiner glauben.

Ich seh P. heute noch manchmal, er läuft an mir vorbei und kennt mich nicht mehr. Ich hasse ihn nicht mal mehr. P und W und wie sie alle heißen. Sie sind mir egal. Das einzige was mich ekelt ist, dass P. ein Kind hat. Er ist zu einem ausgewachsenen Proleten geworden, schlimmer noch als früher. Solchen Leuten gehören keine Kinder.

Zu Sex habe ich keinen Bezug heute. Ich bin orgasmusfähig, aber ich sehe in Sex nix besonderes. Könnte ich mit jedem haben, ohne was zu spüren. Vielleicht kommt das daher? Ich sage oft, ich wäre die perfekte Nutte, denn ich bin eine perfekte Schauspielerin im Bett. Stöhnen, jammern, flehen, mich bewegen, ich kann es wie es sein muss. Nur das Gefühl fehlt. Einzig mein Freund knackt manchmal die Hülle ein wenig, ab und an weine ich, wenn der Sex mit ihm sehr intensiv und gefühlvoll war.

Antworten
Hayp+er3ioxn


Faden verschoben

Pal(üs(chbriest


Hattest du das hier schon einmal thematisiert?

Mir kommt deine Geschichte bekannt vor.

E9ineG'uteFr]axge


Hattest du das hier schon einmal thematisiert?

Mir kommt deine Geschichte bekannt vor.

Nein

POLsc7hbiexst


":/

d}a@noae8x7


Ja, diese Distanz beim Sex kann schon von sowas kommen. Das ist das dissoziieren aus dem Artikel in dem anderen Thread. Aber wenn du zwischendurch das durchbrechen kannst ist das ein echt gutes Zeichen. Wenn du das ändern willst dann wäre es vielleicht gut nur noch dann Sex zu haben wenn du nicht so wegdriftest und in jedem anderen Fall sofort aufzuhören. Immer nur soweit gehen wie du voll da bist und ganz dabei, damit Sex überwiegend in der Ecke vernetzt wird.

P_lüsc"hb$iest


Na toll, ich zermarter mir jetzt wieder das Hirn, woher ich diesen Beitrag kenne. ":/

Die TE des Beitrags schrieb fast dasselbe wie du.

Da war auch von einem Partykeller und 5 Jungs die Rede.

ESineGuQteKFragxe


Na toll, ich zermarter mir jetzt wieder das Hirn, woher ich diesen Beitrag kenne. ":/

Die TE des Beitrags schrieb fast dasselbe wie du.

Da war auch von einem Partykeller und 5 Jungs die Rede.

Kann ich Dir nicht sagen. Ich habe das irgendwann mal in einem Psychologieforum gepostet, ähnlich, weil ich meine Angststörung erforschen wollte. Aber wenn das von hier sein soll, dann keine Ahnung.

P)l^üsclhbiexst


Vielleicht im Gina Lisa Lohfink Faden mal erwähnt?

EJin^eGutxeFrage


Vielleicht im Gina Lisa Lohfink Faden mal erwähnt?

angedeutet ja, nicht detailliert.

E#ineGu[tekFhragxe


Ja, diese Distanz beim Sex kann schon von sowas kommen. Das ist das dissoziieren aus dem Artikel in dem anderen Thread. Aber wenn du zwischendurch das durchbrechen kannst ist das ein echt gutes Zeichen. Wenn du das ändern willst dann wäre es vielleicht gut nur noch dann Sex zu haben wenn du nicht so wegdriftest und in jedem anderen Fall sofort aufzuhören. Immer nur soweit gehen wie du voll da bist und ganz dabei, damit Sex überwiegend in der Ecke vernetzt wird.

Das Ding ist, ich disoziiere nicht richtig, ich fühle nur nichts positives. Also ich weiß ja nicht was andere Menschen beim Sex empfinden, aber ich brauche z.B. kopfkino, um zum Höhepunkt zu kommen und da spielen Männer keine Rolle. Rein durch Berührungen und "fallen lassen", kann ich nicht genießen, undenkbar, geht nicht.

Was ich genieße ist die Nähe zu meinem Freund.

KLlexio


EineGuteFrage

Kann man das wirklich so locker verarbeiten?

Meiner Ansicht nach ist da gar nichts locker verarbeitet bzw. irgend etwas überhaupt verarbeitet.

Nqur4arihyxon


Meiner Ansicht nach ist da gar nichts locker verarbeitet bzw. irgend etwas überhaupt verarbeitet.

Dem schließe ich mich an.

Nicht jedes Opfer sexueller Gewalt leidet zwangsläufig lebenslang an "klassischer" (wie "man" sich diese eben gemeinhin vorstellt) PTBS. Es gibt durchaus Menschen, die so ein Ereignis besser zu verarbeiten in der Lage sind als andere. PTBS hin oder her, das ist nur ein Oberbegriff, unter dem sehr viele Störungen zusammengefasst werden.

Wenn ich den Eingangsbeitrag so lese, hört sich das für mich schon reichlich... hm, wie drücke ich das dezent aus?... kaputt oder gestört an in dem Sinne, dass die TE auf ihre Gefühlswelt wenig bis keinen Zugriff hat. Das ist eine häufige Folge eines traumatischen Erlebnisses.

Aber ich will die TE jetzt auch nicht pathologisieren. Wenn sie meint, damit leben zu können, nicht mehr darunter zu leiden, dann ist es eben so. Nicht für jeden ist die totale Aufarbeitung eines Traumas der richtige Weg.

Wenn die TE keinen akuten Leidensdruck verspürt, dann muss das nicht zwingend therapeutisch behandelt werden. Vielleicht kommt der große Schock noch, vielleicht auch nicht.

dDanaex87


Das Ding ist, ich disoziiere nicht richtig, ich fühle nur nichts positives. Also ich weiß ja nicht was andere Menschen beim Sex empfinden, aber ich brauche z.B. kopfkino, um zum Höhepunkt zu kommen und da spielen Männer keine Rolle. Rein durch Berührungen und "fallen lassen", kann ich nicht genießen, undenkbar, geht nicht.

Was ich genieße ist die Nähe zu meinem Freund.

Dissoziieren ist ja nicht das eine Verhalten sondern beinhaltet eine ganze Bandbreite von Abständen zu einem selbst. Und du hast da deutlich eine innere Wand vor deinen Gefühlen und nimmst deinen Körper nur sehr sehr eingeschränkt war. Das bedeutet das du schon bis zu einem gewissen Grad dissoziierst.

Nebenbei und im Kontext zu dem GLL Thread, dass klingt so von aussen verdammt nach einer Machtnummer. Gerade deine Hilflosigkeit scheint die enorm angemacht zu haben. Macht aus Demütigung und Erniedrigung heraus.

Die Frage ist, willst du was ändern?

E(ine2GupteFraxge


Danke @ Nurarihyon für Deine Antwort. Wenngleich es mich auch irritiert hat, dass Du über mich und nicht mit mir sprichst :-D

@ danae:

Diese Wand von Gefühlen passt schon zu mir, das stimmt. Ich scheine sowieso in Extremsituationen meist "abzuschalten". Ich erinnere mich an eine sehr schlimme Situation für mich, in der ich wie aus der Ferne mich selbst gesteuert habe. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie war ich mit einem Mädchen auf dem Zimmer, mit der ich mich schnell angefreundet habe. Eines Abends hat sie sich das Leben genommen, sie hat sich erhängt. Ich bin in das Zimmer gekommen was wir gemeinsam bewohnten und sie hing am Fenster, aufgehängt mit einem Bettlaken. Ich weiß noch, dass ich rückwärts aus dem Zimmer raus bin, in Richtung Zimmer der Betreuer und in meinem Kopf der Satz war: "Ich glaube jetzt musst Du schreien, das ist angemessen". Dann hab ich geschrien und einen kurzen Filmriss. Es ist dann, als wäre ich wie entrückt, Gefühle spalten sich ab.

Genauso als ich im Februar meinen geliebten Kater einschläfern lies. Ich war dabei als er eingeschlafen ist, aber ich habe nichts gefühlt. Keinen Schmerz, nichts, wie tot. Erst Stunden später bin ich in einem Weinkrampf zusammengebrochen, wochenlang hab ich mich leer und ausgebrannt gefühlt. Aber dieses Gefühl, der Schmerz, den andere vermutlich in der Situation fühlen, ich habe oft den Eindruck den fühle ich nicht. Oder nur sehr selten, in Extremsituationen.

Ja, eigentlich würde ich gern etwas daran ändern, aber ich habe auch Angst davor. Ich habe Angst vor einer Überflut an Gefühlen, wenn ich die Hülle ankratze. Bzw. ich wüsste auch gar nicht wie ich das machen soll. Es ist nicht so dass mir Empathie oder sowas fehlen, in den letzten Jahren ist meine Empathie anderen gegenüber sogar enorm gestiegen. Aber wenn ich an meine Jugend zurückdenke, da gab es Phasen, in denen ich Gefühle anderen Personen gegenüber überhaupt nicht empfunden habe.

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