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Partner sah Bekannten sterben - Traumabegleitung aber wie?

f<i4l0ad8elfia hat die Diskussion gestartet


Hallo liebe Forenmitglieder,

am Wochenende ist meinem Freund (nenne ihn jetzt einfach mal so, wir kennen uns erst seit 5 Monaten und leben sogar in unterschiedlichen europäischen Staaten) etwas Fürchterliches passiert:

bei einer Feier hat einer seiner Freunde aus dem entfernteren Freundeskreis plötzlich einen Herzstillstand erlitten. Mein Freund wusste als Einziger, wie eine Herzmassage durchzuführen ist und hat das alleine 20 Minuten lang gemacht, während alle auf einen Krankenwagen gewartet haben. Danach hat er den Sanitätern (Beleuchtung, Infusion halten, Leute beruhigen) geholfen. Sein Bekannter ist trotz allen Maßnahmen noch vor Ort gestorben und die Sanitäter haben meinen Freund damit beauftragt, dies auch anderen Anwesenden mitzuteilen .. Das ganze ist nicht in Deutschland passiert. Ich bin selbst total fassungslos und getroffen und wende mich an euch mit den folgenden Fragen:

Wie kann ich als im momentan am Nahenstehendste beistehen, ohne vor Ort zu sein? Wir können uns erst wieder in 4 Wochen sehen.

Hat jemand schonmal eine ähnliche Erfahrung gehabt?

Wie konkret sieht Traumabegleitung aus?

Meiner Meinung nach steht er noch unter Schock und funktioniert gerade einfach nur. Seine beiden besten Freunde habe ich schon angeschrieben, dass sie bitte auf ihn Acht geben mögen. Psychosoziale Begleitung gibts in der Region noch nicht wirklich - habe aber schon angefangen diesbezüglich zu recherchieren und werde ihm in ein paar Tagen oder Wochen, je nach dem wie es mir passend erscheint, vorschlagen, solch eine Stelle aufzusuchen.

Vielen Dank und herzliche Grüße

Antworten
D(iieKrXuemi


und werde ihm in ein paar Tagen oder Wochen, je nach dem wie es mir passend erscheint, vorschlagen, solch eine Stelle aufzusuchen.

Ich denke nicht, dass es gut ist, sich das jetz schon vorzunehmen. menschen haben unterschiedliche Belastungsgrenzen und auch Mechanismen, Ereignisse zu vearbeiten bzw sie nicht zu nah an sich ran zu lassen. Du kennst ihn ja noch nicht besonders gut, ggf braucht er keine Traumabegleitung / psychologische Begleitung.

Alleine die Tatsache, dass er dir so viele Details von dem Ereignis erzählt hat, spricht dafür, dass er es gut verarbeiten wird-ohne professionelle Hilfe.

Wie alt ist dein Bekannter und wie alt war der Verstorbene?

fmilaCdelxfia


Danke für den Hinweis und deine Einschätzung.. könnte unter Umständen stimmen, er ist auch ein sehr rational denkender und disziplinierter Mensch. Er 24, sein Bekannter auch in dem Alter.

CFomrxan


So ein Erlebnis ist sicherlich kein Zuckerschlecken und dein Freund wird sich auch ein Stück weit verantwortlich fühlen, weil er dem Sterbenden sehr nahe war und es auch nicht geschafft hat, ihn zu retten. Das belastet zusätzlich.

Aber - ohne deinen Freund zu kennen - rate ich erst einmal, ihm nicht zu viel helfen zu wollen, sondern ihm Zeit zu lassen. Gib ihm ein offenes Ohr, aber dränge ihn nicht zu irgendwas, nur weil er gerade ein bisschen neben sich steht. Ich gehe stark davon aus, dass sich das in ein paar Tagen wieder legt. Der Vorfall zwar ja noch recht frisch.

Wenn du ihn in irgendeine Rolle oder Handlung drängst, dich jetzt zur Hilfe verpflichtet fühlst und alles in seinem Verhalten interpretierst, dann wirst du ihn eventuell sogar noch mehr davon abhalten, in Ruhe und mit sich selbst auf seine eigene Art damit umzugehen. Wenn er tatsächlich noch in 3-4 Wochen irgendwie belastet oder traumatisiert zu sein scheint, dann ist es immer noch rechtzeitig, sich Hilfe zu holen. Als rationaler und disziplinierter Mensch wird er aber die Entscheidung vermutlich auch selbst zu seinem Besten treffen.

Mach dir keine Gedanken, beim nächsten Treffen ist er sicher schon wieder ganz "der Alte" @:)

f\iladxelfia


.. vielleicht mache ich mir auch nur so einen Kopf weil ich nicht da bin und ihn nicht erlebe. Aber was du geschrieben hast klingt sehr gut und passend. Vielen vielen Dank für deine Worte @:)

Pzlanetienwxind


Nicht jeder Mensch der sowas erlebt braucht psychologische Hilfe oder Begleitung. Sei einfach als Freund für ihn da, wenn er es wünscht. :)_

I)sabmexll


Ich schließe mich den Anderen an.

Auch mit dem Satz "Keine Hilfe ohne Auftrag".

Für einen Trauernden ist das Wichtigste, dass sich das Umfeld ihm anpasst und nicht, dass das Umfeld glaubt zu wissen was er fühlt (fühlten muss).

Ich kann Dich verstehen, aus der Distanz ist es schwierig einzuschätzen, man geht automatisch von sich selbst aus. Von der Vorstellung die man sich bezüglich der Situation gemacht hat.

Doch übertrage das nicht automatisch auf ihn, sondern frage ihn einfach.

Ich hatte vor Kurzem einen Todesfall einer mir am nahestehendsten Person - ich gehe auch ganz anders damit um als ich es mir je vorgestellt hätte. Ich habe zu meinem Partner gesagt: "Lass' mich mein eigenes Tempo, meinen eigenen Weg finden, behandle mich bitte ganz normal - habe ich ein (Trauer)tief, brauche ich Trost etc - dann sage ich es Dir". Und das klappt wunderbar.

fPilTaTde\lfixa


Ihr habt vollkommen Recht.. auch mit

Ich kann Dich verstehen, aus der Distanz ist es schwierig einzuschätzen, man geht automatisch von sich selbst aus. Von der Vorstellung die man sich bezüglich der Situation gemacht hat.

schreiben jetzt ganz normal und er hat zB gesagt dass er erstmal nicht telefonieren möchte. Hab ihm gesagt dass er sich immer melden kann wenn er möchte und das fand er gut.

Viel Kraft weiterhin Isabell und danke für den persönlichen Bericht @:)

IZsab8eslgl


filadelfia

schreiben jetzt ganz normal

:)^

und er hat zB gesagt dass er erstmal nicht telefonieren möchte.

Hier würde mich die Begründung aber mal interessieren? ":/

Iis7abexll


Oh, sorry...

Viel Kraft weiterhin Isabell und danke für den persönlichen Bericht

Gerne und Danke @:)

fRilad_elxfia


Heute hat er einige Leute von der Party wiedergesehen, ich denke das hat ihn nochmal in die Situation versetzt. Ausserdem muss er heute nochmal zur Polizei, die "ihm noch etwas mitteilen müssen". Was weiß er auch nicht, und er ist sehr sehr angespannt. Er meinte dass er auch kaum was essen konnte.

Ich habe die Vermutung, dass er sich nicht traut, darüber mit mir in der vertrauten Situation am Telefon zu sprechen weil er fürchtet dass dann die Dämme brechen. Emotional hat er das ganze noch in keiner Sekunde an sich rangelassen. Und für heute will er nochmal stark sein .. denke ich. Er sagte er könne gerade nicht. Aber schreibt mir die ganze Zeit, also sucht schon den Austausch.

foilaadelfxia


vielleicht sollte ich dazu noch erklären, dass wir nachdem wir uns kennengelernt haben 2 Monate in der gleichen Stadt gewohnt und ziemlich viel geteilt haben. Wir stehen uns recht nah für die kurze Zeit.. aber solche Situationen haben wir noch nicht erlebt gemeinsam

SIommevrson_n@e8?0


Es ist schön, dass du dir Gedanken um deinen Freund machst - und ich finde es toll, dass er so fachgerecht reagiert hat. Solche Menschen müsste es viel öfter geben.

Ich weiß, man kann nicht von einem Menschen auf den anderen schließen aber ich erzähle es trotzdem ....

Wir führen eine Frühstückspenion mit Sommerbetrieb. Vor fast genau 4 Jahren - wir waren schon im Bett klopfte es plötzlich an unserer Tür - ein Gast braucht dringend Hilfe.

Bin mit meinem Mann hoch ins besagte Zimmer, dort lag eine Gästefrau, 50 Jahre am Boden - ihr Mann verzweifelt daneben. Sofort begannen die beiden Männer mit Wiederbelebungsmaßnahmen - ich rief den Rettungsdienst - der mich am Telefon auch weiterhin anleitete und begleitete bis Rettung und Notarzt vor Ort waren. Andere Gäste wiesen die Rettung ein - also kurz die Rettungskette funktioniert lückenlos. Trotzdem verstarb diese Frau in der Nacht.

Es war eine sehr schwierige Situation - es kam noch Polizei, Leichenbestatter usw.. Mein Mann ging mit dem Witwer auch am nächsten Tag noch sämtliche notwendigen Wege.

Sowas ist keine leichte Kost - ich habe auch länger gebraucht als mein Mann - der hatte soviel zu tun während ich danebenstand und die Ansagen der Rettungszentrale weiterleitete, sodass ich mir dieses Bild viel deutlicher einprägen konnte - oder bin ich einfach zart besaiteter.

Trotzdem in den ersten Tagen danach fühlte sich alles unwirklich an - die ganze Stimmung im Haus war verständlicherweise gedrückt. Ich hatte anfangs auch Schwierigkeiten das Zimmer zu betreten, hatte eben ständig diese Bilder im Kopf.

Er braucht jetzt sicherlich Zeit um alles zu Verdauen. Ich wollte dir mit dieser Geschichte aber auch zeigen, dass es ohne psychologische Begleitung funktionieren kann. Diese Ausssage möchte ich aber in keinster Weise pauschalieren - würde aber - wie soviele Vorschreiber angedeutet abwarten, Zeit geben und wieder Normalität einkehren lassen.

Danach wird er wohl selbst entscheiden müssen, ob er Hilfe braucht oder nicht.

Du kannst sehr stolz auf ihn sein - sag ihm das!

f&ila delxfia


Liebe Sommersonne, vielen Dank für deine ausführlichen Erzählungen von der Situation und davon, wie du dich danach gefühlt hast .. es muss wirklich schwer zu verdauen sein, wenn man jemanden sterben sieht und dann auch noch die Reaktionen der anderen Personen so intensiv mitzuerleben. Aber ich freue mich umso mehr, dass du es auch so geschafft hast @:)

Dass ich stolz bin, sage ich ihm jedes Mal wenn wir über das Thema sprechen. Du hast Recht, die Bestätigung tut ihm sehr gut.

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