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"In Treatment" (TV-Serie) realitätsnah?

dfaknape8x7


Erwartet habe ich direkt eigentlich nichts. Indirekt eventuell doch so etwas wie eine Anamnese, Diagnosestellung, Therapieplanung usw. Dass das ganz so planlos abläuft, wie in dieser Serie gezeigt, hat mich etwas verwundert. Der Therapeut macht sich auch nie Notizen.

Na ja, das Problem ist ja das man bei psychischen Problemen höchst selten schon zu beginn genau den Finger drauf legen kann. Das ist das Problem, da ist die Ursache, gehen wir es an. In der Regel sieht man erstmal was der Klient als Problem wahrnimmt, meist irgendwas das man nicht kann, ganz vage einfach kein Bock mehr auf gar nichts oder so. Und da tastet man sich erstmal im Dunkeln vor.

Und ganz oft werden vom Klienten Sachen als total normal gefunden die Menschen mit weniger destruktiven Grundstrukturen auf den ersten Blick ungesund erscheinen und solche Sachen kommen zum Vorschein wenn man über das redet was in der Woche so passiert ist, wie man sich gefühlt hat und sowas.

Und wenn man gerade emotional sehr mit einem Thema beschäftigt ist, kommt man an die anderen Themen eh nicht so ran. Gerade wegen dieses ungeplanten muss es zwischen Therapeut und Klient ja auch so gut passen, weil man eben einen Zugang braucht um einzuschätzen wann nachhacken sinnvoll ist und wann man sich einfach auf das gerade aktuelle Thema einlassen muss.

Notizen machen oder nicht scheint dabei Geschmacksfrage zu sein. Ich hatte schon beides, einer hat zwischen den Terminen immer längere Pausen gehabt um Notizen zu machen, dabei Revuee passieren zu lassen und dann sich auf den nächsten einzustellen und jemanden der in der laufenden Sitzung Notizen gemacht hat.

DyuRsk2Daawn


Danke für die Erläuterungen. Ich glaube, ich hab's verstanden.

Meine Denkweise ist wohl typisch männlich: Problem ist da, Problem wird systematisch identifziert und dann nach den Regeln der Kunst möglichst schnell gelöst. Rational, sachlich, technisch, geradlinig. Mir liegen jetzt keine Zahlen vor, aber sehr wahrscheinlich brechen Männer viel eher und öfters eine Therapie ab als Frauen.

Frauen ticken da wohl im Allgemeinen etwas anders: Emotional, intuitiv, natürlich, nicht ganz so geradlinig :=o

Es haben auch nur Frauen auf meine Frage geantwortet. Wundert mich jetzt auch nicht besonders, da eher Frauen

- Serien wie "In Treatment" schauen

- eine Therapie machen

- bereit sind, sich über beides auszutauschen

muss es zwischen Therapeut und Klient ja auch so gut passen, weil man eben einen Zugang braucht um einzuschätzen wann nachhacken sinnvoll ist

Bei deinem Schreibfehler musste ich unwillkürlich an Dr. Hannibal Lecter denken und seine Art der Essenszubereitung..

E9hemalYiger NYutzer (Z#59007x1)


Problem ist da, Problem wird systematisch identifziert und dann nach den Regeln der Kunst möglichst schnell gelöst. Rational, sachlich, technisch, geradlinig.

Das hast du doch keine Probleme und brauchst keine Therapie.

m6neBf


Man kann sich ja trotzdem dafür interessieren. %-|


Wundert mich jetzt auch nicht besonders, da eher Frauen

- Serien wie "In Treatment" schauen

- eine Therapie machen

- bereit sind, sich über beides auszutauschen

Naja, es haben generell wenig Leute geantwortet, ein männlicher User scheint von Haus aus lieber unsachgemäße Einwürfe zu machen statt zur Sache zur Antworten, eigentlich typisch weiblich ;-D

Die Serie ist auch in Deutschland nicht so wahnsinnig bekannt, oder? Zumindest habe ich sie nicht im Deutschen Fernsehen gesehen, da waren/sind eher andere angesagt.

Die antwortenden Frauen machen auch nicht alle eine Therapie, gibt schließlich noch andere Gründe sich ein wenig damit auszukennen. Also deine Schlussfolgerungen sind etwas mutig ;-D

Problem ist da, Problem wird systematisch identifziert und dann nach den Regeln der Kunst möglichst schnell gelöst.

So weit weg von der Realität ist das ja nun auch nicht. Natürlich handelt es sich um ein emotionales Thema und es gibt etliche Ausbrüche zu allen Seiten, man kann da nicht stur mit Scheuklappen einen roten Faden verfolgen. Aber grundsätzlich besteht natürlich auch Therapie aus Problemidenfikation mit anschließender Problemlösung. Man setzt da nicht betont auf Schnelligkeit, aber natürlich will man so gut vorankommen, wie es im Rahmen der Möglichkeiten eben geht. In anderen Bereichen kann man schließlich auch nicht automatisch geradlinig durchrauschen, sondern muss auch links und rechts schauen.

SJunflow[er_x73


Es haben auch nur Frauen auf meine Frage geantwortet. Wundert mich jetzt auch nicht besonders, da eher Frauen

- Serien wie "In Treatment" schauen

- eine Therapie machen

- bereit sind, sich über beides auszutauschen

1. Ist "In Treatment" ist nun sicherlich keine typische Unterhaltungsserie. Sie fordert dem Zuschauer schon einiges ab...

2. Ja, Frauen sind häufiger in Therapie, weil sie (mit Ausnahme der Schizophrenie) wesentlich häufiger an psychischen Erkrankungen leiden. Ganz grobe Faustregel: Doppelt so häufig. Dann sind sie natürich auch überrepräsentiert in Therapien.

3. Das kann man so stehen lassen. Frauen reden halt eher über Emotionen und Probleme als Männer. Ist immer spannend, das in gemischten Gruppentherapien zu beobachten.

N=otMZicha{elCainxe


2. Ja, Frauen sind häufiger in Therapie, weil sie (mit Ausnahme der Schizophrenie) wesentlich häufiger an psychischen Erkrankungen leiden. Ganz grobe Faustregel: Doppelt so häufig. Dann sind sie natürich auch überrepräsentiert in Therapien.

Das stimmt so nicht ganz:

Psychische Störungen sind von wachsender gesellschaftlicher, gesundheitsökonomischer und gesundheitspolitischer Bedeutung. Im Gegensatz zu den allgemein sinkenden Krankenständen haben die durch psychische Störungen bedingten Fehlzeiten zugenommen – und zwar deutlich stärker bei Männern als bei Frauen. Erste Auswertungen des Jahres 2011 zeigen, dass 5 Prozent aller Krankschreibungen und 12,5 Prozent aller betrieblichen Fehltage durch psychische Erkrankungen verursacht werden. Somit gehören psychische Störungen zu den häufigsten und kostenintensivsten Erkrankungen. Obwohl psychische Erkrankungen bei Männern auf dem Vormarsch sind, ist die Gesundheitsberichterstattung der Männermedizin hauptsächlich internistisch ausgerichtet. Krankenkassendaten werden selten nach Geschlechtereinteilung ausgewertet; wenn doch, dann liegt der Schwerpunkt auf den Daten der Frauen. Daher beschäftigt sich der Männergesundheitsbericht 2013 der Stiftung Männergesundheit schwerpunktmäßig mit psychischen Erkrankungen.

[[http://www.maennergesundheitsbericht.de/startseite.html Quelle]]

Es ist bei der psychischen Gesundheit nur genauso wie bei der physischen: Männer gehen im Durschnitt später zum Arzt als Frauen - erst wenn es gar nicht mehr anders geht. Auch zu sehen bei den Vorsorgeuntersuchungen - Prozentual deutlich weniger Männer als Frauen nehmen die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen tatsächlich in Anspruch.

SAunfl(ower!_7B3


Das stimmt durchaus. Nur weil die Männer sich MITTLERWEILE häufiger krankschreiben lassen bedeutet es nicht, dass sie häufiger als Frauen erkranken. Bitte einfach mal "Prävalenzrate" und beliebige Störungsdiagnose googlen.

Hinzu kommt, dass Männer eher Vollzeit arbeiten und das Pensum nicht mehr schaffen; Fraueh mit Teilzeitjobs aber so gerade noch. Man kann von Krankschreibungsquoten nicht 1:1 auf Prävalenzraten schlussfolgern.

Ich empfehle v.a. folgendes pdf: [[https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=4&ved=0ahUKEwi62vGr7qfOAhVjFMAKHZG1CV4QFgg4MAM&url=http%3A%2F%2Fwww.psychenet.de%2Ffileadmin%2Fredaktion%2FAktuelles%2Fpsychenet_Abschlusssymposium_Jacobi_Studie_zur_Gesundheit_Erwachsener.pdf&usg=AFQjCNHneL3Lnz8ZEGWghe2d3v2g9dexKg&cad=rja]]

NAotMicyhae9lCaine


Kannst Du den genauen Titel des PDFs nochmal angeben? Ich lande auf einer redirect Seite.

ddaname8x7


In Treatment lief auf 3sat, glaube ich, aber unfassbar spät.

Problem ist da, Problem wird systematisch identifziert und dann nach den Regeln der Kunst möglichst schnell gelöst. Rational, sachlich, technisch, geradlinig.

Genau, aber das ist eben bei psychiatrischen Problemen, genau wie bei komplizierten körperlichen Problemen, oft ein Weg mit Schleifen und Umwegen. Du kennst sicher diese ewigen Jungmann-Jammer-Threads? Die glauben auch das Problem erkannt zu haben. Sie haben keinen Sex und daran sind Frauen schuld die keinen wollen.

So auf den ersten Blick haben sie ja nichtmal unrecht. Sie leiden in der Tat darunter keinen Sex zu haben und da haben Frauen einen großen Anteil dran. Nur ist das ja im Grunde ein Symptom, nicht das Problem. Und wenn nun jemand damit zum Therapeuten läuft muss erstmal das eigentliche Problem gefunden werden. Liegt es am Frauenbild, am Selbstbild, am Auftreten, an Ängsten die dann unbewusst aggressiv transportiert werden oder oder oder. Nun ist den Leuten das alles nicht bewusst und man kann es nur über längere Gespräche herausfinden, denn man kann die Person ja auch nicht in AKtion beobachten. Und dazu kommt das die wenigsten Leute gerne hören das sie bei SICH anfangen müssen.

Oft gehen Leute mit der Idee in die Therapie das der Therapeut da irgendwas macht und dann ist alles gut, aber so läuft das eben nicht.

Kann man in den besagten Threads ja auch trefflich beobachten. An den jmmernden Jungmännern liegt es natürlich grundsätzlich nicht. %-|

Und wenn man das eigentliche Problem dann am Schlafitchen hat und der Klient es auch als solches erkennt beginnt der lange Weg der Bearbeitung und Ungewöhnung, je nachdem wo es denn nun lag. Und es ist sehr viel leichter zu wissen das man offen lächeln soll als es dann in einer Angstsituation auch zu tun. Sowas dauert, es erfordet neue Strukturen die einem Sicherheit geben und einen bei Misserfolgen abfedern und das muss alles erstmal aufgebaut werden.

Das braucht Zeit und da nimmt man massig Umwege.

d`anae8x7


Sunflower

Sind in die Zahlen eigentlich auch die höheren Suizidzahlen bie Männern mit eingerechnet? nach gängiger Definition müssten die doch auch alle als psychisch krank gelten und entsprechend einfließen oder?

EIhemal^iger Nutze%r (#59x0071)


Ich bleibe dabei, dass der TE keine Probleme hätte, wenn er tatsächlich so funktionieren würde, wie er behauptet:

Problem ist da, Problem wird systematisch identifziert und dann nach den Regeln der Kunst möglichst schnell gelöst. Rational, sachlich, technisch, geradlinig.

Das Problem ist, dass die meisten Menschen zu emotional funktionieren statt rational und dass insbesondere manche Männer das bei sich verleugnen. Der Te funktioniert insgeheim "weiblich" (nach seiner Definition).

E0hemaliger? Nutzier ($#59Y0071x)


p.s.:

Die einschlägigen Jungmänner in den Threads hier funktionieren ebenfalls alles andere als rational und sachlich, sondern "weiblich".

S(upnfJlowter_G7x3


@ NotMichaelCaine:

Ich kann es nicht anders verlinken. Bitte mal "prävalenz psychische störungen" googlen und dann den 3. Treffer (pdf von "psychenet", "Abschlusssympsoisum Jacobi").

@ danae:

Sind in die Zahlen eigentlich auch die höheren Suizidzahlen bie Männern mit eingerechnet? nach gängiger Definition müssten die doch auch alle als psychisch krank gelten und entsprechend einfließen oder?

Puuh, da bin ich absolut nicht sicher. Suizid ist an sich ja keine codierbare Störung lt. ICD oder DSM im engeren Sinne. und was man auch bedenken muss: Männer begehen häufiger erfolgireich Suizid, da sie zu "härteren" Methoden greifen. Frauen begehen dafür viel häufiger Suizidversuche, aber eben nicht erfolgreich (makabere Wortwahl...).

N otMiHchaeloCainxe


danke - dann find ichs schon :)

S0unXfloXwe0rx_73


Nochmal zur Häufigkeit:

Wenn man hier [[http://www.psychenet.de/psychische-gesundheit/informationen.html]] konkret auf die einzelnen Störungsbilder geht, findet man unter "Häufigkeit" auch entsprechende Angaben. Bei Depression steht bspw. "Frauen doppelt so häufig wie Männer".

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