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Unsere Auszubildende, wie mit ihr umgehen?

Alias 728065 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich schreibe mal als Alias, da das hier alles möglichst anonym bleiben soll!

In dem Betrieb, in dem ich arbeite, haben wir immer wieder Azubis, die durch die Gewerke laufen. Sie sind also ein paar Wochen in der Arbeitsvorbereitung, Fertigung, Qualitätskontrolle etc.

Nun haben wir eine Azubine, von der mir die anderen Kollegen schon erzählt haben. Sie sei sehr schwierig, dickköpfig und launisch, außerdem körperlich sehr schwach, und öfter sitzt sie da und flennt stundenlang, und keiner weiß warum. Hm, ich habe das erstmal so aufgenommen. Da ich die Leute kenne, die mir diese Sachen zugetragen haben, weiß ich aber auch, wie ich mit einigen Aussagen umgehen muß. ]:D da sie bis jetzt im Fertigungsbereich war, wo munter im Werkstatt-Ton geschnackt wird, dachte ich mir, daß sie vielleicht etwas zu hart von den Kollegen angefasst wird oder mit dem rauhen Ton nicht klarkommt. Sensibelchen haben wir immer mal hier.

Nun ist sie in meiner Abteilung, wo es nicht ganz so rauh zugeht, wo aber auch mal geflachst und gefoppt wird o:) und letzte Woche hat einer meiner Kollegen bei ihr ins Wespennest gestochen. Sie hatte ihren Schlüssel zum zweiten Mal zu Hause vergessen, woraufhin er meinte, ob Mami nicht zum Aufpassen da sei. Bums, das war's. Sie erklärte nur knapp, daß ihre Mutter nicht mehr zu Hause sei, seit sie im Kindergarten ist, und dann fing sie an zu weinen. Den restlichen Vormittag hat sie zwar gearbeitet, allerdings befand sie sich in einer Art Schockstarre, war manchmal nicht ansprechbar und hat nebenbei fast mechanisch ihren Job erledigt. Zwischendurch weinte sie immer wieder. Nach der Mittagspause "normalisierte" sie sich dann etwas.

Ich habe daraufhin einen Kollegen aus einem anderen Gewerk gefragt, der sie etwas besser kennt (sind wohl privat Nachbarn). Der meinte, so ging es mit ihr die ganze Zeit, und ihre Mutter sei wohl abgehauen, als sie noch klein war, das hat sie nie verwunden.

Mir ging daraufhin ein Licht auf. Das arme Mädel muss ja völlig im Eimer sein, wenn sie seit x Jahren - sie ist jetzt 21 - jeden Tag daran denken muss, dass ihre Mutter nicht mehr bei ihr ist. Und es scheinen ja ganz einfache Auslöser zu sein, die sie jeweils in einen tiefen Abgrund stürzen.

Ich habe meinen Chef ins Vertrauen gezogen, der mit dem Ausbildungsleiter gesprochen hat - auch in der Lehrwerkstatt war das Problem schon bekannt. Allerdings wurde die Azubine überall immer nur abgelehnt, die Azubikollegen haben sie einfach für bescheuert erklärt, einen Ansatz zur Hilfe hat noch niemand geleistet.

Mein Chef hat jetzt mit ihr und dem Ausbildungsleiter einen Termin bei der Sozialberatung gemacht.

Hat jemand eine Idee, wie wir weiterhin mit der Azubine umgehen sollen? Ich versuche, möglichst unbefangen mit ihr zu reden, vermeide dabei auch bestimmte Themen, die etwas bei ihr auslösen können. Meinen Kollegen habe ich gesagt, dass sie nicht so viel derben Humor verträgt und sie sie bitte nicht foppen oder ärgern sollen.

Über Ideen und Anregungen zu Umgang und Hilfe würde ich mich echt freuen! @:)

Antworten
S<talxfyr


Hat jemand eine Idee, wie wir weiterhin mit der Azubine umgehen sollen?

Ich hätte eher die Idee, unabhängig von dieser Azubine mal euer Betriebsklima zu hinterfragen.

Werkstatt-Ton

Kann mir lebhaft vorstellen was das heißt. :-/

Schilderungen zufolge ist so ein Asi-Ton in Werkstätten, auf Baustellen und in der Gastro ja offenbar Normalität.

Sorry, aber sowas

ob Mami nicht zum Aufpassen da sei.

ist kein flapsiger Umgangston, sondern angreifend und herablassend. :|N

Wenn das in jeder Abteilung bei euch normal ist, wundert es mich wenig, dass sie sich nicht wohlfühlt.

Eure Azubine tut mir leid. Echt toller Start ins Berufsleben. :|N

kYati2a9fox


Stalfyr :)^

Ich hatte ähnliche Gedanken. Ist hier wirklich die Azubine das Problem oder doch eher euer Betriebsklima?

Ich habe daraufhin einen Kollegen aus einem anderen Gewerk gefragt, der sie etwas besser kennt (sind wohl privat Nachbarn). Der meinte, so ging es mit ihr die ganze Zeit, und ihre Mutter sei wohl abgehauen, als sie noch klein war, das hat sie nie verwunden.

Ich finde es prinzipiell gut, dass du dich ihr annimmst und sich für sie einsetzt, aber ist das hier nicht ein wenig grenzüberschreitend? Möchte sie den Termin bei der Sozialberatung überhaupt oder war der nur für euch, um einen Umgang mit ihr zu finden?

Trotzdem: Respekt, dass du dich der Sache so fair annimmst und sich vor sie stellst. @:)

N2ordYi8x4


Na man kanns auch übertreiben, so ein Spruch muss zwar nicht sein darf allerdings auch kein Grund für nen halben Zusammenbruch darstellen. Jeder hat sein Päckchen zu tragen und jeder hat Probleme, man muss die halt angehen und darf das nicht stumpf unterdrücken. Der Weg führt hier einfach direkt zum Fachmann und in Therapie, alles andere bringt doch nix. Irgendwann ist sie mit der Ausbildung fertig, kommt als ausgelernte Kraft in nen anderen Betrieb, bekommt da nen flappsigen Spruch gedrückt und klappt wieder zusammen. Sowas passiert 2-3 mal und sie ist den Job los.

Ja, man kann sie jetzt an die Hand nehmen da sie Probleme hat aber auch nur für die ersten Schritte, laufen muss sie dann alleine. Und in der Zeit ? Joah, Sprüche mit Bezug auf die Mutter vielleicht verkneifen aber sonst würde ich sie jetzt nicht in Watte packen.

W}alk[ingwGhoxst


@ Alias 728065

Du hast eigentlich in allen Punkten vollkommen richtig gehandelt.

Bei der Ansage gegenüber den Kollegen hätte ich allerdings auf einen ernsthaften, nicht näher bezeichneten Hintergrund verwiesen. Erfahrungsgemäß wird das sonst nicht ernst genommen, sondern einfach nur als "launisch" interpretiert.

SQunf+low5exr_73


Mein Vater war Handwerker und mein Freund ist auch in der Baubranche. Der Ton ist etwas anders; assi aber bestimmt nicht.

ob Mami nicht zum Aufpassen da sei.

Sorry, aber bei einer 21jährigen, die es nichtmal schafft, an ihren Schlüssel zu denken, darf man schon mal (ohne den Hintergrund zu kennen), so einen Kommentar abgeben. Wenn da noch ein gewisse Humor mitschwingt. Lässt mich an den Artikel hier denken: [[http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/us-schule-stoppt-helikopter-eltern-mit-schuld-a-1108493.html]]

Zum Umgang mit der Auszubildenden:

Ich würde normal und ohne sonderliche Rücksichtnahme mit ihr umgehen; aber momentan auch die Foppereien unterbinden. Normale Anforderungen, normaler Umgang. Kein In-Watte-packen, aber auch keine übermäßigen Foppereien.

Und ggf. mal mit ihr zusammensetzen und rückmelden: Was auffällt, das dies auf Dauer so nicht geht. Das man den Hintergrund auf dem Schirm hat, sie aber Hilfe braucht, um anders mit Dingen umzugehen. Dass es im Arbeitsleben auf Dauer so nicht geht; man ihr jetzt aber noch nicht den Druck machen will. Bisschen an die Hand nehmen, ohne falsche Rücksichtnahme. Sie muss letztlich lernen, im normalen Leben klarzukommen. Die Welt kann sich auf Dauer nicht auf ihre Sensibilitäten einstellen.

S unflo]wer_7x3


Ich finde es prinzipiell gut, dass du dich ihr annimmst und sich für sie einsetzt, aber ist das hier nicht ein wenig grenzüberschreitend? Möchte sie den Termin bei der Sozialberatung überhaupt oder war der nur für euch, um einen Umgang mit ihr zu finden?

Grenzüberschreitend hin oder her: Das Mädel zeigt kein Verhalten, welches dem Alter und der Situation angemessen ist. Wenn die Mutter vor wenigen Wochen verstorben/verschwunden wäre: Nachvollziehbar. Aber sie ist erwachsen und im Berufskontext, da sollte sie etwas besser funktionieren.

Auf Dauer ist es so nicht akzeptabel. Rauswurf wäre ebenso indiskutabel. Also bleiben nur Rückmeldung und Hilfe von einer Stelle, die dafür der richtige Ansprechpartner ist.

Und im Umkehrschluss: Wenn die Mutter so früh verschwunden ist und der Vater ggf. überfordert war oder was auch immer (kriegt er eigentlich mit, was mit der Tochter los ist?), dann ist es ggf. erst Recht an der Zeit, da einzugreifen. Vater/Familie kriegen es ja offensichtlich nicht hin. Also muss mal jemand anders eine gewisse Verantwprtung übernehmen.

PqauHl_Revxere


Keine Rücksicht nehmen, möglicherweise weniger Smalltalk mit ihr betreiben, das wars auch schon.

Die Dame muss lernen mit der Realität klarzukommen. Ignorieren und Anweisungen geben. Problem gelöst. Es ist schließlich nicht deines, sondern ihres und das muss sie auch alleine lösen.

M,aVriMe27


Hallo Alias.

Wie lange ist eure Azubine schon im Betrieb?

MParNi;e27


Paul, ein Unternehmen welches ausbildet hat auch eine Fürsorgepflicht und eine Sozialberatung gibts nicht umsonst. Ignorieren und Anweisungen durchdrücken ist echt das Schlimmste was man da machen kann.

W)amlkinKgGWho/st


@ Paul_Revere

Keine Rücksicht nehmen, möglicherweise weniger Smalltalk mit ihr betreiben, das wars auch schon.

Die Dame muss lernen mit der Realität klarzukommen. Ignorieren und Anweisungen geben. Problem gelöst. Es ist schließlich nicht deines, sondern ihres und das muss sie auch alleine lösen.

Ich sehe das etwas anders. Man kann den Aufwand für beide Seiten minimieren, indem man weder arbeitgeber- noch arbeitnehmerseitig bei allem mit dem Kopf durch die Wand will.

So eine Baustelle sich selbst zu überlassen, bringt absolut nichts.

EslafDRe`mich`08x15


Das Mädel ist schon 21 aber auch erst 21.

Das sie derart zusammenbricht wenn man sie z.B. daran erinnert das ihre Mutter sie vor 16-17 Jahren (!!!) verlassen hat, ist keine normale Reaktion. Da bedarf es vermutlich ernsthafter und professioneller Hilfe. Und natürlich muss und sollte man als Arbeitskollegen entsprechend Rücksicht nehmen. Immerhin verbringt sie einen nicht kleinen Teil des Tages im Ausbildungsbetrieb.

Man darf sie aber auch nicht komplett in Watte packen und komplett vor der großen, bösen Welt beschützen. Sie muss lernen so einen Spruch - der nichtmal böse gemeint sein muss - nicht nur zu ertragen sondern zu kontern. Das Sprichwort kann nur lauten "Hilfe zur Selbsthilfe". Am Ende muss sie alleine fertig werden mich sich, mit der Welt.

Es wird eine Mischung aus Angst, mangelndem Selbstvertrauen, Erfahrungslosigkeit und Unsicherheit sein, die sich zu echter Panik aufbaut. Dann setzt der Fluchtinstinkt ein. Rationale Argumente bringen in dem Moment gar nichts. Sie steckt dann den Kopf in den Sand und möchte sich am liebsten komplett aus der Gefahrensituation zurück ziehen.

P5aul_wRev8ere


Paul, ein Unternehmen welches ausbildet hat auch eine Fürsorgepflicht und eine Sozialberatung gibts nicht umsonst. Ignorieren und Anweisungen durchdrücken ist echt das Schlimmste was man da machen kann.

Die Fürsorgepflicht wird in der Form erfüllt. Eher noch als würde man sie mit Samthandschuhen anfassen. Damit fördert man das Verhalten nur.

Ich sehe das etwas anders. Man kann den Aufwand für beide Seiten minimieren, indem man weder arbeitgeber- noch arbeitnehmerseitig bei allem mit dem Kopf durch die Wand will.

So eine Baustelle sich selbst zu überlassen, bringt absolut nichts.

Selber herumdoktorn bringt überhaupt nichts. Sein Verhalten muss man selbst anpassen (wollen!). Nicht der Betrieb hat sich an die Frau anzupassen, sondern umgekehrt.

Übrigens habe ich nicht von "Kopf durch die Wand" gesprochen. Ganz im Gegenteil, habe ich ja gesagt Smalltalk und Blödeleien mit ihr einzustellen. Wenn sie sich dann irgendwann mehr zutraut kann man auch damit wieder anfangen.

M;arqie27


Es hätte längst ein Gespräch mit zumindest dem jeweiligen Ausbildungsbeauftragten der Abteilung stattfinden müssen. Das meine ich mit Fürsorgepflicht. Man kann das Mödel nicht sich selbst überlassen, das ist sowohl für sie als auch für die Firma / Belegschaft nicht tragbar.

WOalk:ingZGhoxst


@ Paul_Revere

Selber herumdoktorn bringt überhaupt nichts. Sein Verhalten muss man selbst anpassen (wollen!). Nicht der Betrieb hat sich an die Frau anzupassen, sondern umgekehrt.

Übrigens habe ich nicht von "Kopf durch die Wand" gesprochen. Ganz im Gegenteil, habe ich ja gesagt Smalltalk und Blödeleien mit ihr einzustellen. Wenn sie sich dann irgendwann mehr zutraut kann man auch damit wieder anfangen.

Kommt darauf an, wer der Ausbildungsbeauftragte ist. Und ja, selber ohne die dafür vorgesehene Stelle (hier Sozialberatung) herumzulaborieren bringt überhaupt nichts.

Davon abgesehen hat ein Betrieb an der Leistungsfähigkeit seiner Mitarbeiter ein ureigenes Interesse, zumal Ausfälle und Mitarbeiterfluktuation viel größere Kostentreiber als präventive Mitarbeitergespräche sind. 18 bis 27 ist auch so ein Alter, in dem selbst von gesetzlicher Seite noch Defizite in der Persönlichkeitsentwicklung in Betracht gezogen werden. Im Übrigen hab ich von deutlich älteren Mitarbeitern deutlich unreiferes Verhalten erlebt und da wurde die Arbeit definitiv nicht noch nebenher ordnungsgemäß weiterverrichtet.

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