» »

Unsere Auszubildende, wie mit ihr umgehen?

MRari}e2x7


Alias,

ich finde es sehr gut, dass Du Dich dem Thema angenommen hast.

Bzgl. Verhalten ihr gegenüber - wie steht es denn mit dem Thema Integration? Geht ihr zusammen mittags in die Kantine oder macht mal eine Kaffeepause? Werden die Azubis, bzw. sie, da auch gefragt oder ist jeder sich selbst überlassen?

C^aramaola 2


Werkstattton. ;-D

Naja, gibt es auch in anderen Gewerken. Man kann nur gut funktionieren, wenn man seine Anforderungen kennt, man sie verstandlich und gefühlsmäßig nachvollziehen kann und man sie durch Übung, ohne Probleme umsetzen kann. Geht bei dem einen schneller, bei dem anderen braucht es mehr Zeit. Das ist in allen Lebensbereichen das gleiche.

Ich selbst war die einzige Auszubildende unter Männern (sieben) und ich kam gut zu Recht. Der Umgangston und die "lustigen" Foppereien von einigen, haben wohl dazugehört. Aber im Nachhinein, ich war ein paar Jahre dabei, kann ich sagen, die die am lautesten gepoltert haben, haben tatsächlich ihre eigenen Probleme und Unsicherheiten gehabt, die sie versucht haben zu überspielen. Wir hatten dann auch einen Azubi dazubekommen, der nicht in ihr Bild von Männlichkeit gepasst hat. Da fand ich das Benehmen einiger, die selbst ihre Probleme gehabt haben, einfach nur noch grenzwertig. Man bohrt meist in den Wunden anderer herum, wenn man selbst welche hat.

Das Mädchen braucht eher eine Therapie, die ihr hilft, die lange zurückliegende Sache zu verarbeiten und die ihr hilft, damit sie auf eigenen Beinen stehen kann. Sie scheint nicht belastbar zu sein und nimmt, dass was andere sagen, für voll, da sie sich selbst noch nicht einmal kennt. Die psychologischen Besonderheiten der profilierenden Fopper kann sie deshalb auch nicht einschätzen. Das ist schwierig, auch für den Betrieb, wenn sie nicht dazulernt. Dabei kann man sie durchaus unterstützen. In Watte packen muss man sie deshalb nicht, das stimmt. Aber ein bisschen Nachdenken bevor man den Mund aufmacht, hat noch keinem geschadet. Dient das, was man ausdrücken will, aber nur der eigenen Belustigung, Profilierung, dann ist es einfach fehl am Platze und ein verzichtbares Machogehabe. Ist das der Fall, dann kann der Chef mal näher hinsehen, denn vom Betriebsklima hängt auch die Leistung ab, die abgeliefert werden soll.

Alias 728065


Danke für die An- und Einsichten!

Ich sehe, dass es wohl in die richtige Richtung geht, was wir hier unternehmen.

Das Mädchen beendet gerade ihr 2. Lehrjahr, ab der kommenden Woche ist sie im 3. Jahr.

Ich bin selbst verwundert, dass sich bei ihrem auffälligen Verhalten noch niemand näher mit ihr beschäftigt hat. Sie hat bisher nur Ablehnung erfahren. Ich denke auch, man kann sie nicht sich selbst überlassen, nicht bei dem Hintergrund. Sie scheint weder von ihrer Familie noch von außenstehenden Personen irgendwelche Hilfe, meinetwegen auch zur Selbsthilfe, zu bekommen.

Den Termin bei der Sozialberatung hat mein Chef für sie gemacht. Sie weiß bisher nur von einem Termin, den sie mit dem Ausbildungsleiter hat. Mein Chef, der als Lehrherr die Ausbildung betreut, wird spontan entscheiden, ob er an dem Gespräch teilnimmt. Wenn er merkt, dass seine Anwesenheit eher stört, will er die Runde verlassen. Ich denke aber, es ist ein guter erster Schritt für unsere Azubine. Ich sehe es auch so, dass ihr Verhalten weder ihrem Alter noch ihrer Situation angemessen ist und sie ganz klar Hilfe braucht. Und ich finde, es ist an der Zeit, dass wir unsere Fürsorgepflicht endlich mal wahrnehmen!

Zum Umgangston und Betriebsklima: gerade im Werkstattbereich ist er rauh aber herzlich, nicht assig. Die allermeisten Azubis fühlen sich bei uns sehr wohl, blödeln und foppen auch gerne mal mit.

@ sunflower_73:

Danke, ich sehe es genauso, dass man einen solchen Kommentar abgeben darf. Mit 21 sollte man es hinkriegen, seinen Schlüssel mitzunehmen. Vor diesem Hintergrund wurde sie damit auch aufgezogen. Hätte einer von uns ihre Hintergründe gekannt, hätte niemand sowas gesagt! Oder man hätte es anders formuliert, aber niemand wäre auf dem Reizwort "Mama" herumgeritten.

Ich habe heute darauf geachtet, bei dem Mädchen nicht danebenzutreten. Smalltalk ist okay, solange es nicht um die Familie geht, ich habe sie die Themen vorgeben lassen, über die sie so reden wollte. Bin nur darauf eingegangen und habe keine tiefgreifenden Fragen gestellt. Einmal hat sie von ihrem Bruder erzählt und ein anderes Mal von ihrer Schwester, aber ich habe z.B. nicht gefragt, wieviele Geschwister sie hat. Ich lasse sie einfach erzählen, was sie erzählen mag.

Fachlich habe ich sie heute ein bißchen fester an die Leine genommen, da sie noch sehr unsicher ist und auch bei einfachen Dingen um Hilfe bittet. Sie dankt es mir mit guter Laune. Und geweint hat sie auch noch nicht! :)^

Danke für die Ratschläge! @:)

Alias 728065


@ Marie27:

Danke :-)

Wir machen morgens immer eine kleine Tee- und Kaffeerunde, bis alle Kollegen da sind. In dieser Zeit gebe ich als Gruppenleiter Infos herum, aber es ist auch Zeit für persönlichen Smalltalk. Mittags gehen einige in die Kantine, unser Grüppchen macht gemeinsam Kaffeepause. Die Azubine bleibt bei uns. Ich denke, Integration ist gut vorhanden.

@ Caramala 2:

Danke für die interessante Ansicht, du hast recht: Die Typen, die am lautesten herumpoltern, sind bei uns die mackigsten Vögel. Es sind diejenigen, die mit sich selbst nicht im reinen sind und deswegen immer die Schwächen der anderen suchen, um selbst gut dazustehen!

Der Kollege, der sie so böse erwischt hat, gehört alerdings zu den sonst sehr netten und verträglichen Menschen. Er hat nur einen Sohn im gleichen Alter, der auch immer seine Sachen vergisst, wenn niemand zu Hause ist - die Fopperei kam also aus einer ganz anderen Motivation.

S@unflow[er_x73


@ Alias:

Neben der formellen Seite (wo definitiv etwas geschehen MUSS; und JA, da ist der Betrieb in der Verantwortung!): Ich denke, Dein jetziges Vorgehen ist momentan das Richtige: Durchaus Interesse signalisieren, durchaus SmallTalk und Persönliches. Vielleicht auch mal Kleinigkeiten nachfragen, damit es ein "normales" Gespräch ist. Daneben fachlich anleiten, aber eben auch rannehmen. Loben, wenn es gut läuft; ausreichende Hilfestellung - aber auch Ermutigung, Dinge allein anzugehen. Sie ist letztlich immer noch Azubi und jetzt, im letzten Lehrjahr, ist so ein bisschen auch die letzte Chance, da noch was zu erreichen.

Schade nur, wenn sie gar nicht lange bei Dir bleibt. Immerhin hat sich ja bislang noch niemand richtig gekümmert!

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH