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Wie wird Depression diagnostiziert?

k1aiexr hat die Diskussion gestartet


Guten Morgen,

habe kein Forum für Psychatrie gefunden, deshalb hier:

Unser Sohn (16) hat uns neulich gestanden, dass er glaubt, seit Jahren unter Depressionen zu leiden. Und es stimmt, die Zeichen sprechen in diese Richtung.

Wir hatten deshalb gestern ein Beratungsgespräch bei einer Kinder- und Jugendpsychiaterin (Dr. med.). Was uns verwundert hat ist, dass die Diagnose nur auf das Gespräch hin stattgefunden hat. Folgende Dinge soll unser Sohn nun tun:

* Verhaltenstherapie

* Nüsse und Bananen essen

* vor dem Schlafen warme Milch mit Honig

* Vitamin D sowie Vitamin B-Komplex und Omega-3-Pillen einnehmen

Kommt mir etwas sehr banal vor; ist das in Ordnung? Klar, Ärzte sind genervt, wenn man mit Dr. Google ankommt und auf die Frage nach einer Blutuntersuchung meinte die Ärztin, der Serotonin-Spiegel im Blut hätte keine Aussagekraftm, weil man dann immer noch nicht wisse, wie viel Serotonin im Gehirn vorhanden ist. - Aber es gibt ja auch noch andere Blutwerte, die in ihrer Gesamtheit vielleicht doch Anhaltspunkte bieten.

Versteht mich nicht falsch, wir wollen unseren Sohn sicher nicht mit Medikamenten füttern, aber wenn es nötig ist, soll sich eine Depression wohl medikamentös in jungen Jahren gut behandeln lassen (falls sie physiologische Ursachen hat). Einen ICD10-Test hat sie auch nicht gemacht.

Kann mir jemand seine Meinung dazu geben?

Vielen Dank und viele Grüße

Kaie

Antworten
DTeprix93


Für mich klingt das sehr komisch.

Habt ihr noch eine andere Jugendpsychatrie in der Umgebung?

Ihr solltet den psychologischen ICD10-Test machen, finde das fahrlässig euren Jungen zu sagen sein Leiden käme nur von falscher Ernährung.

Habt ihr mit eurem Sohn ausgiebig mal gesprochen? Was schwirrt ihm so im Kopf? Warum denkt er das er seit "mehreren Jahren" unter Depressionen leidet.

Depressionen beginnen im Kopf, und nicht mit körperlichen Symptomen.

Auslöser sind posttraumatische Belastungstraumatas oder lebensbeeinträchtigende negative Verhaltensmustern.

(vom erlebtem schwerem Unfall - bis hin zu jahrenlanger Selbstverleumdung)

Depressionen sind aber an sich ein heikles Thema, ich glaube auch daran ich habe sie. Mein Therapeut hat sich eher abratend dennoch auf eine Therapie eingelassen weil er bis heute daran festhält ich hätte nichts.

Komischerweise kontrolliert mein Kopf mich, mein Handeln, und die Einflüsse.

Nicht jeder depressive ist todestraurig und will immer nur sterben, manche sind lethargisch, antriebslos, andere fallen in Esstörungen wegen Heißhungeranfälle oder Appetitlosigkeit.

Andere bekommen starke Schlafstörungen, andere sind total überstresst, ausgereizt und emtionslos monoton.

Habt ihr denn selbst Veränderungen an eurem Sohn festgestellt?

P4lüschxbiesxt


Dass die Leiden von falscher Ernährung kommen hat die Ärztin ja so nicht gesagt.

Vitamin D sowie Vitamin B-Komplex und Omega-3-Pillen einzunehmen, das macht durchaus Sinn und die Verhaltenstherapie ebenfalls.

Antidepressiva kann man später immer noch nehmen.

Bei einem 16 Jährigen würde ich es nicht als zwingend notwendig ansehen, es sei denn er hätte sehr schwere Depressionen.

s2chn:ecke1w98Z5


Vitamin D sowie Vitamin B-Komplex und Omega-3-Pillen einzunehmen, das macht durchaus Sinn und die Verhaltenstherapie ebenfalls.

:)z

Antidepressiva kann man später immer noch nehmen.

Dazu möchte ich noch ein paar Punkte anmerken:

a) Die meisten (alle?) Präparate sind nicht an Jugendlichen / Kindern erprobt. Sie werden zwar eingesetzt, streng genommen ist die Wirkung bei Heranwachsenden noch nicht erforscht bzw. sind die Medikamente eigentlich nicht für Kinder / Jugendliche zugelassen, sondern für Erwachsene.

b) Der Glaube, dass der medikamentöse Weg ein einfacherer ist, ist meiner Erfahrung nach nicht wahr. Sicher gibt es glückliche Fälle, die mit dem ersten Präparat gut klar kommen und an Lebensqualität gewinnen. In der Praxis ist aber ein langer / längerer Einstellungsprozess, mit verschiedenen ADs über längere Zeit, die Regel. Meine optimale Medikation habe ich nach ca. 4 Jahren gefunden.

c) Medikamente sind meines Erachtens dann Gold wert, wenn es sich um akute Zustände / Krisen handelt, die sofort einer Linderung bedürfen. Eine Person, die schon mehrere Jahre unter Depressionen leidet, aber jetzt auch noch irgendwie am normalen Leben teilnehmen kann, ist nicht zwangsläufig ein guter Kandidat für eine Medikation.

d) Medikamente alleine sind nicht die Lösung. Eine Verhaltenstherapie ist auf jeden Fall vonnöten, Medikamente sind ein optionales Angebot, das individuell entweder Sinn macht oder auch nicht. Will heißen: Der Betroffene muss auf jeden Fall Strategien in einer Gesprächstherapie finden, wie er mit der Krankheit umgeht, wie er sich selber aus Tiefs holt, wann es nötig ist, sich wieder Hilfe zu holen, wo die Ursachen der Krankheit liegen usw. usw.


Demnach finde ich die Ernährungstipps zwar etwas schräg, aber es ist auch ein legitimer Ansatz, um die Gesamtsituation vielleicht etwas zu verbessern. Ob das nun über Ernährung läuft (das wäre in meinem Fall total obsolet gewesen), ob vielleicht Sport Linderung bringt, Musizieren oder Tagebuch schreiben... das ist höchst individuell. Per se kann die empfohlene Ernährungsumstellung ja nicht schaden, oder?

Dass Psychiater nicht unbedingt eine umfassende Diagnostik fahren, das kann ich ehrlich gesagt verstehen. Zumal es ja der erste Termin war. Umfassende Diagnostik / Tests macht eher der Gesprächstherapeut / Verhaltenstherapeut, der sieht den Patienten auch deutlich öfter und intensiver, als ein Psychiater. Der Psychiater ist eher gut für eine erste Einschätzung der Situation, als primäre Anlaufstelle oder wenn der Patient wirklich Medikamente braucht.

k&aixer


Vielen Dank für Eure Antworten und Meinungen.

Ich hoffe nicht, dass hier etwas falsch 'rübergekommen ist: Natürlich wollen wir NICHT, dass unser Sohn medikamente nehmen muss, wenn es nicht nötig ist und die therapie auch anders erfolgversprechend ist. Es ist nur so, dass Dr. Google gemeldet hat, dass unter bestimmten Voraussetzungen (Blutwerte, Bio-Marker etc.) eine medikamentöse Therapie erfolgversprechend ist, vor allem, wenn die Patienten noch jung sind...

Ich habe die Vorgehensweise der Psychiaterin mit der Info-Line der Stiftung Deutsche Depressionshilfe besprochen und bin etwas beruhigt. Auch wenn ich da vermutlich keine Ärztin am Telefon hatte, hat mir die Dame plausibel erklärt, dass die Psychiater nicht zwingend ICD-Fragebögen verwenden, um die Diagnose zu stellen. Sie hätten die Fragenkresie im Kopf und würden die im Gespräch entsprechend mit einbauen.

Viele Grüße

Kaie

XZiruain


Ich denke, gerade bei Kindern und Jugendlichen, ist es besser nicht einfach einen Fragebogen hinzuwerfen. Oftmals sind diese Teenies dann überfordert oder fühlen sich sogar noch schlechter.

Bei mir war es so, dass ich erst ein Gespräch hatte, mein Therapeut mir dann sagte, dass er nicht glaubt, dass die Diagnose vom Hausarzt stimmt und er eher denkt, dass ich eine depressive Episode habe.

Dann hat er mir diesen ICD Test mitgegeben, den ich ausfüllen musste.

Allerdings meint er, das wäre vordergründlich für die Krankenkasse.

Die Antidepressiva haben mir selbst geholfen. Allerdings haben sie mich nicht glücklicher gemacht...sie haben mir geholfen die Therapie durchzustehen, und mich "bereit" dafür zu machen etwas zu ändern.

Allerdings haben sie auch erhebliche Nebenwirkungen, weswegen ich diese Entscheidung auf jeden Fall mit dem Jugendlichen zusammen treffen würde.

Auch muss man sie sehr regelmäßig nehmen, nichtmal eben auslassen...

Allerdings würde ich die Therapie vielleicht mal ohne versuchen, und schauen wie es läuft.

Ich würde an deiner Stelle aber auch einfach mal zum hausarzt gehen und komplett durchchecken lassen.

Gerade im Jugendalter kann es durch Wachstum zu Mangelerscheinungen kommen, die als Nebenwirkung auch depressive Verstimmung haben können.

Ich hatte mit 14 zBsp einen Eisenmangel und habe nurnoch geschlafen...

Auch Schilddrüsenprobleme können Depressionen auslösen...

Man sollte das einfach mal grundsätzlich abklären lassen, dass es keine körperlichen Ursachen hat.

Abntig,one


Ich finde es gut, einem Jugendlichen nicht gleich Medikamente zu geben.

Als Nebenwirkung kann es bei einigen Medikamenten sogar schlimmer werden, bis hin zum Suizid. :-(

Demnach seien vor allem junge Patienten unter 25 Jahren einem erhöhten Risiko ausgesetzt, nach der Einnahme dieser Antidepressiva suizidale Gedanken zu entwickeln.

(Quelle: [[http://news.doccheck.com/de/41160/antidepressiva-suizid-test-kommt/)]]

Einige Nahrungsmittel sind gut für den Serotoninspiegel, z.B. in diesem Buch beschrieben:

[[https://www.amazon.de/gp/product/3608947108/ref=oh_aui_detailpage_o01_s00?ie=UTF8&psc=1]]

LVuci3x2


Es gibt keine ICD-10 Test! ICD ist eine Katalog den wir benutzen, um Diagnoseschlüsseln zu vergeben (man kennt natürlich einige auswendig). Die Diagnose stellt man durch einen Gespräch. Aber: um die Diagnose zu stellen, muss man vorher die Schilddrüsenwerte überprüfen

Psychopharmaka sind keine Smarties! Die sollten nur in bestimmte Fälle verschrieben werden und möglichst nicht bei Kinder.

XSiraiIn


Ich meinte natürlich den "Goldberg-Test"...

Nur musste ich grad echt erstmal googeln wie der hieß...

Was halt dafür da die Schwere der Depression einzuschätzen.

Und ja auch ich sehe den Einsatz "kritisch", ABER sie können einem auch helfen.

Ich hab meine zBsp nur 1 1/2 Jahre lang genommen, ohne wäre ich vermutlich heute nicht mehr hier, weil ich nicht so hätte mitarbeiten können in meiner Therapie, wie ich es brauchte.

AD sind ein zweischneidiges Schwert.

Wenn man aber nach einem Jahr Therapie immernoch Selbstmordgedanken hat, können sie lebensrettend sein.

Shunf)lo0wer_7x3


Sicherlich kann eine Fragebogendiagnostik "objektivere" Ergebnisse liefern. Oder gar ein diagnostisches Interview. Aber: Es gibt eine ganze Reihe von Fragebögen. Die NIEMALS den sog. "klinischen Eindruck" ersetzen können und sollen. Denn man kann auch nie sicher sein, ob jemand den Fragebogen wahrheitsgemäß ausgefüllt hat. Gängige Verfahren wie der BDI erfassen eh nur Symptome, die man auch im Gespräch abfragen kann.

Es gibt natürilich auch Diagnosen, wo man mehr Aufwand betreiben muss; andere hingegen sind eher leicht zu diagnostizieren. Bei einer Depression gibt es nicht so unendlich viele Aspekte, die man im Hinterkopf haben muss. Und neben dem, was der Betroffene erzählt und was ggf. ein Fragebogen als Informationen liefert, zählt immer auch der sog. psychopathologische Befund: WIE verhält sich jemand im Gespräch? Wie reagiert er emotional; stimmen gezeigte Emotionen und Erzähltes übereine; und und und.

Bzgl. der Ernährungstipps: Die Milch mit Honig klingt mehr nach Ritual, um abends zur Ruhe zu kommen... Gar nicht so verkehrt. Und das Wichtigste, nämlich die Therapie, wurde ja empfohlen. Medikamente sind bei leichten bis mittleren Depressionen immer nur eine ergänzende Option, kein Muss.

k[aie8r


Naja, wir haben uns halt gefragt, warum die Ärztin zu Vitamin D und B-Komplex rät, ohne vorher zu schauen, ob es tatsächlich einen Mangel gibt.

Inzwischen gibt es eine neue Entwicklung:

Die Kraft uns das zu sagen hat er, weil sein Freund ihm dazu geraten hat. Es schien, als hätten wir nun Zeit, das Problem in Ruhe anzugehen. Gestern gab es wohl Zoff zwischen den beiden und nun ist unser Sohn mit "gedrückter Stimmung" unterwegs. Eigentlich wäre es sinnvoll, da wäre jemand, der ihn an die Hand nimmt und Tag für Tag ein bischen Therapie macht oder ihn an die Freuden des Lebens (Hobbys) heranführt. Ich glaube, eine Sitzung wöchentlich ist in dieser Situation zu wenig. Meine Frau hat schon überligt, sich für ein halbes Jahr von der Arbeit zu beurlauben und sich intensiv um ihn zu kümmern. Aber man kennt das ja von den Schulaufgaben zu hause: eine externe Lösung scheint meist der bessere Weg...

Übermorgen ist erst mal der 2. Psychiater-Termin und dann sehen wir weiter

Vielen Dank

Kaier

PUyHthron ist


Unser Sohn (16) hat uns neulich gestanden, dass er glaubt, seit Jahren unter Depressionen zu leiden. Und es stimmt, die Zeichen sprechen in diese Richtung.

Da wären ja nun mal die Zeichen interessant. Und eben nicht *nur* die Zeichen, sondern ein Gesamtbild. Wer sich stark auf eine Sache fokussiert, findet leichter alle möglichen Gebrechen an sich oder anderen.

Naja, wir haben uns halt gefragt, warum die Ärztin zu Vitamin D und B-Komplex rät, ohne vorher zu schauen, ob es tatsächlich einen Mangel gibt.

Die Frage hätte sich an die Ärztin gelohnt.

Meine Vermutung: sie sind günstig, Nüsse und Omega-3-Fettsäuren sind als Nervennahrung bekannt.

Milch mit Honig schafft ein Gefühl von Wärme und Verbundenheit, von noch umsorgt sein.

Vitamin D ist generell ein Mangel in der Bevölkerung ggü den Empfehlungen der Gesellschaft für Ernährung.

Naja, und man kann da wenig falsch machen. Und auch schauen, wie es sich entwickelt.

Sie wird euren Sohn so einschätzen, dass er so wie er ist, therapiefähig für die Verhaltenstherapie ist. Sie wird ja viel mehr Informationen gehabt haben, als du hier schreibst. Und das ist auch gut so.

Ich denke, du solltest dich verabschieden von der Vorstellung, die Psyche sei quasi wie ein Motor untersuchbar, zu diagnostizieren und dann gezielt zu therapieren. Ein Blutbild wäre jetzt kein Hexenwerk gewesen, aber sie wird ihre Erfahrungen damit haben.

Eigentlich wäre es sinnvoll, da wäre jemand, der ihn an die Hand nimmt und Tag für Tag ein bischen Therapie macht oder ihn an die Freuden des Lebens (Hobbys) heranführt.

So wird er bestimmt nicht selbstständiger. Die Therapie macht keiner "mit eurem Sohn", sondern er macht sie quasi für sich selbst. Es sollte Impulse von außen geben, gerade dann, wenn er selbst nicht den Antrieb findet. Aber er muss merken: auch er selbst kann diese Impulse schaffen. Er kann selbst z.B. nach einen Sportverein suchen, oder einer kleinen Erwerbsarbeit, oder nach einem Hobby, oder nach sozialen Kontakten. Und nach Mädels (oder Jungs), wofür ist man schließlich 16? :-D Und das schrittweise Finden in diese Selbstständigkeit ist Teil der Verhaltenstherapie. Denn sie soll keinen Patienten bringen, der sich vom Therapeut abhängig macht (mit schwierigem Ende und schwerem Absprung), sondern einen, der von seinem Lebensweg wieder eine klarere Vorstellung hat, aber auch für sich selbst zu sorgen weiß.

Ich glaube, eine Sitzung wöchentlich ist in dieser Situation zu wenig.

Zu Beginn denken das mit Sicherheit ganz viele Patienten. Der Sinn dahinter ist, dass wirklich Zeit für Verhaltens-Veränderungsmöglichkeiten zwischen den Sitzungen ist. Und man kann auch fragen, ob z.B. anfangs Doppelstunden möglich sind. Sonst braucht man halt noch Ideen zur "Eigentherapie" zwischen den Sitzungen, und diese Ideen, die freie Zeit zu füllen, sind Teil der Therapie. So wie die Pause Teil der Musik ist. Denk mal drüber nach.

Meine Frau hat schon überligt, sich für ein halbes Jahr von der Arbeit zu beurlauben und sich intensiv um ihn zu kümmern.

Schon die Idee, für einen 16-Jährigen eine halbjährliche mütterliche/elterliche Dauerumsorgung / Intensivbetreuung einrichten zu wollen, finde ich richtig schrecklich. Ich würde eher sagen: unterstützt seine Selbständigkeit und seinen Freiheitsdrang, den Kontakt zu Gleichaltrigen. Er könnte sich ja auch selbst an so ein Forum wie hier wenden und seine Sicht darstellen. Das wäre schon mal was aktives von seiner Seite.

Aber man kennt das ja von den Schulaufgaben zu hause: eine externe Lösung scheint meist der bessere Weg...

Naja, die letzten Jahre war er in einem gewissen Umfeld, familiär wie schulisch. Es liegt nahe, dass auch dieses konkrete Umfeld in irgendeiner Form auch zu den Verhaltenstendenzen beigetragen hat. Z.B. wenn Verhalten der Eltern auf die Kinder abfärbt. Ein Teil wird sicherlich als Erziehung gewollt weitergegeben, anderes wird halt an Verhaltensweisen beeinflusst oder übernommen. So sind die Selbstheilungskräfte des gleichen Umfelds dann eben auch begrenzt, weil keiner weiß, was Ursache und was Wirkung ist.

Der Vorteil, den eine externe Kinder- und Jugendpsychiaterin hat: sie hat viele Vergleichsmöglichkeiten mit anderen ihrer jungen Patienten. Und damit eine gewisse Erfahrung und kann so auch Vergleiche heranziehen. Auch mit den Verläufen.

XWirwain


Eigentlich wäre es sinnvoll, da wäre jemand, der ihn an die Hand nimmt und Tag für Tag ein bischen Therapie macht oder ihn an die Freuden des Lebens (Hobbys) heranführt.

NEIN! (Nimm mir dieses Nein nicht böse...)

Das stimmt so nur, wenn du dir einen Menschen heran züchten willst, der für immer in Therapie ist und nurnoch vom Therapeuten gesagt bekommt, was nun richtig ist.

Ich glaube tatsächlich, dass eine Therapie ihm helfen wird, aber maximal 1mal die Woche.

ich habe meine nur 1mal alle 2 Wochen gemacht sogar, wenn mich eine Situation stark aus der Bahn geworfen hat, habe ich sie mir notiert und mit meinem Therapeuten ausklamüsert.

Ich verstehe, ihr wollt eurem KIND helfen, aber er ist kein Kleinkind mehr. Er wird erwachsen und er möchte dann auch sein eigenes Leben führen, ohne dass Mama ihn an die Hand nimmt und sagt "Probier das doch mal aus". Im besten Falle macht es ihm vielleicht Spaß, aber mit Mama ists peinlich. Im schlechtesten Falle fühlt er sichbedrängt und bevormundet, glaubt er ist Schuld daran, dass seine Mutter nicht mehr arbeitet und denkt er sei an generell allem schlechten Schuld.

(So denken Depressive, ich berichte das aus Erfahrung.)

Unterstützt ihn bitte mit der Therapie. Fahrt ihn ggf hin, aber das wars.

Ihr könnt natürlich danach fragen, wie es gelaufen ist, aber ihr müsst auch ein "Ich will darüber nicht reden" akzeptieren.

Was ihr tun könnt allerdings ist, all seine Veränderungen, die mit der Therapie kommen zu begrüßen und sie nicht zu manipulieren.

Wenn er sagt, er möchte das und das machen, unterstützt ihn, setzt dabei aber altersgerechte Regeln und Begrenzungen.

Die Situation mit dem Freund wird immer wieder vorkommen und außer es bringt ihn soweit, dass er sagt "Ich kann so nicht mehr LEBEN, ich will mich umbringen". Alles was ihr tun könnt, ist ihn als halbwegs erwachsenen Menschen zu akzeptieren und ihn zu unterstützen.

Fragt ihm wie es ihm geht, und wenn er mit euch reden will, dann lasst ihn reden, wenn er euch nach eurer Meinung fragt, sagt ihm eure Meinung.

Aber wenn er es nicht tut, mischt euch nicht unendlich in seine Angelegenheiten ein.

Übrigens kommen sehr viele Verhaltensauffälligkeiten aus dem Elternhaus. Das ist kein Vorwurf an euch, keinesfalls, denn Ihr habt alles genauso gut gemacht wie ihr es konntet. Es gibt keine perfekten Eltern, aber manche bringen uns unbewusst Eigenarten bei, die später uns Probleme machen.

ich kann dir da ein Beispiel aus meiner Familie nennen:

Bei uns wurde gestritten. Es wurde laut, es wurde eklig, ich habe geweint, meine Mama hat geweint und Papa schlug sich sowieso auf Mamas Seite. Aber am nächsten Tag war alles wieder gut.

Klingt alltäglich, Streits kommen in den besten Familien vor.

Aber diese Streits haben sich im Laufe meines Lebens zu einem Problem für mich entwickelt.

Ich habe gelernt diese Streits zu vermeiden, ich habe sie nämlich gehasst. Ich hab gelernt, am nächsten Tag ist alles wieder gut. Aber es war garnicht so....für meine Eltern war vielleicht alles gut, aber ich als Mensch knabbere einfach sehr an so etwas.

Ich habe gelernt, traurig zu sein.

Denn ich habe nie wütend werden dürfen. Wenn ich wütend wurde und rumschrie, gab es eins auf den Hinterkopf. Mein Jüngeres Ich speicherte also ab "Wütend werden ist nicht erlaubt". Also wurde ich stattdessen traurig.

Wenn meine Mama mich nicht abholen konnte, war ich enttäuscht. Brachte ich das gegenüber meiner Mama zum Ausdruck indem ich etwas zickte, gab es Streit.

Also speicherte ich ab "Enttäuscht sein ist nicht erlaubt" und wurde traurig.

All das endete damit, dass ich von meinen Gefühlen her so eingeschränkt war, dass ich nur traurig war, obwohl ich hätte wütend oder enttäuscht sein sollen.

Trotzdem sage ich heute mit 26: Meine Eltern haben alles getan, was sie konnten. Sie haben mich ernährt, sie haben mir viele wichtige Dinge beigebracht, mit mir viele Hürden gemeistert, denn ich war Beileibe...kein einfaches Kind.

Aber ihre Streitkultur, die verabscheue ich und habe sie für mich so gut es geht abgelegt.

Ich meine damit auf keinen Fall, dass ihr daran Schuld seid, aber vielleicht ist er überbehütet (was ich daraus lese, wenn du sagt du willst ein halbes Jahr daheim bleiben wegen deinem Sohn, was ihm wirklich keinesfalls helfen wird, denn er liegt nicht todkrank auf einer Krankenhausstation, er hat Depressionen. Er wird weiterhin zur Schule gehen und er wird mit seinem Therapeuten an sich arbeiten. Du...darfst und wirst daneben stehen und zusehen MÜSSEN.) oder ...ihr seid garnicht die richtigen Ansprechpartner für ihn, weil er 16 ist...

Ihr seid halt grad nur die "Alten".

Es ist eine Phase zwischen Kindsein und Erwachsenwerden.

ich finde es wirklich schön, dass er sich euch anvertraut hat. Sagt ihm "Du kannst immer zu uns kommen" und dann lasst ihn selbst entscheiden!

kGaier


Vielen Dank, das hat sehr geholfen.

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