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"Krankenakte" verhindert therapeutische Hilfe?

S1ternenJlicyht9x0 hat die Diskussion gestartet


Hallo Forum,

wie in meinem anderen Beitrag hier schon angedeutet, leide ich unter kürzlich erst auftretende körperliche Empfindungen, von denen meine Hausärztin meint, sie seien psychosomatischer Natur. Ich selber bin mir nicht ganz sicher, schließe es allerdings auch nicht komplett aus.

Momentan soll ich es mit LASEA probieren, um meine innere Unruhe und Ängstlichkeit zu bekämpfen, aber man legte mir auch schon mal therapeutische Hilfe ans Herz - einfach mal alles, was sich innerlich über die Jahre so angestaut hat und ich immer wieder verdrängt habe, "rauskotzen" bei jemandem, der das auch versteht. Habe das Gefühl, dass ich bei meiner eigenen Familie nur bedingt damit ankommen kann, obwohl sie mir dauernd sagt, man könne mit allem kommen, aber es gibt dann doch immer wieder Momente, wo es einfach ausartet in Diskussion oder Streit. Vielleicht fühlen sie sich überfordert, überrascht, dass bei mir keine Friede-Freude-Eierkuchen-Welt herrscht, wie sie es gerne hätten, ich weiß es nicht.

Jedenfalls ist es so, dass das mit der therapeutischen Hilfe bei mir schwierig ist. Ich studiere momentan auf Gymnasial-Lehramt und für das bevorstehende Referendariat muss ich zuvor zum Amtsarzt und mich gesundheitlich untersuchen lassen. Dies ist für eine spätere etwaige Verbeamtung notwendig, denn Vater Staat will ja sicherstellen, dass er nur "gesunde" und "diensttaugliche" Leute in den Staatsdienst aufnimmt.

Gerade alles, was in Richtung Psyche und dergleichen geht, sind bei solchen Amtsärzten im Bezug auf eine Verbeamtung natürlich fast immer K.O.-Kriterien. Früher zwar noch mehr als heute, aber da braucht nur mal irgendwo eine Diagnose oder Verdacht auf "Depression" o.ä. stehen und schon sieht's zappenduster aus beim Amtsarzt.

Jetzt kann man natürlich sagen, klar, Gesundheit geht vor Karriere und auch längst nicht alle Lehrer sind oder werden verbeamtet - da ich aber jemand bin, dem Sicherheit wichtig ist und so wenig wie möglich Unsicherheit und Risiko im Leben möchte, wäre die Verbeamtung natürlich schon eine wichtige Errungenschaft.

Ich traue mich daher vor der amtsärztlichen Untersuchung nicht wirklich, therapeutische Hilfe oder Gespräche zu beginnen, denn ich muss mit meiner Unterschrift sämtliche meiner Ärzte von ihrer Schweigepflicht entbinden und sämtliche jemals gestellte Diagnosen angeben. Sollte ich da etwas verheimlichen oder lügen und es kommt später (sogar Jahrzehnte später) heraus, dann kann mir da rückwirkend immer noch die Verbeamtung aberkannt werden, von eventuellen Strafanzeigen wegen Betrugs o.ä ganz zu schweigen.

Schließlich geht es momentan auch noch um meine Berufsunfähigkeitsversicherung, die meine Eltern vor ein paar Jahren als Sicherheit für mich abgeschlossen haben und die nun bald erneuert werden muss. Auch hier muss natürlich genau geschaut werden, was für eine "Krankenakte" ich habe, denn die wollen natürlich auch kein Risiko eingehen und jemanden versichern, der ein Risiko darstellen könnte.

Meine Frage wäre nun: gibt es trotz dieser Einschränkungen irgendwelche Möglichkeiten? Gibt es Gespräche oder Therapien, die man vielleicht anonym durchführen kann und bar-bezahlen auf die Hand, ohne dass das irgendwo in irgendwelche Akten oder Systeme kommt?

Streng genommen müsste man beim Amtsarzt selbst solche Dinge angeben, aber wo kein Kläger, da auch kein Richter. Wenn es nirgends in einer Akte oder System auftaucht, wie soll es dann je herausgefunden werden?

Mich nervt diese Stigmatisierung total. Nicht alle, die einen Therapeuten aufsuchen, sind doch gleich psychische Wracks, die ein gesundheitliches "Risiko" darstellen bezüglich Berufsausfall oder dergleichen. Aber was soll man machen - man muss eben mit dem anderen Auge auch seine Karriere im Blick behalten und sich jetzt möglichst nicht im Voraus schon Steine in den Weg legen.

Was meint ihr?

Antworten
B?en\itxaB.


Gerade Lehrer, Polizisten, Krankenschwestern ist mit ihren Problemen vermehrt in psychosomatischen Kliniken zu finden.

Was jetzt schon Probleme macht, wird sich dort unter dem immensen Druck, der heute im Berufsleben stattfindet, noch verstärken. Wer sich als Leherer vor frech mobbenden Kindern nicht durchzusetzen weiß - prost Mahlzeit.

Aber das ist ja nicht das Thema.

Klar, Du wirst von Therapeuten, die Du selbst bezahlst, doch mit Kußhand genommen. Und die müssen eben die Schweigepflicht einhalten, sofern Du sie nicht entbindest. Und wenn Du das nicht tust, wird doch auch kein Amtsarzt hellsichtiger Weise darauf kommen, dort nachzuforschen....

Geh zu jemandem, der mit neusten Methoden arbeitet. Effektiv. Nicht mit den meist nix bringenden uralten Vorgehensweisen.

Ein modern arbeitender Therapeut schaut sich nur mal kurz die Vergangenheit an, arbeitet aber dann sofort daran, die Probleme, die jetzt und hier stören, zu lösen. Wie man damit umgehen kann. Und genau das will man doch, eine Lösung für das, was man heute mit dem oder dem oder dem hat, wo man hilflos ist, weil man immer wieder die gleichen besch.ssenen Gefühle hat.

Nicht die Vergangenheit muß man ändern sondern lernen, in der Gegenwart die Dinge anders anzugehen, sie aus einer neuen Perspektive zu sehen, für die man bislang keinen Blick hatte.

Trabakxi


Hallo,

ja i h kenne deine Situation nur zu gut.. Ich befand mich vor einigen Jahren in einer geradezu identischen Lage.

Ich würde dir tatsächlich abraten, dir aktuell offenziel Hilfe bei einem Therapeuten zu suchen.

Das kann(!) wirklich mit schweren Folgen für deine weitere Karriere verbunden sein.

Aber du kannst trotzdem Hilfe erhalten, denn es gibt in jeder Stadt Beratungsstellen mit Dipl. Psychologen.

An diese kannst du dich jeder Zeit wenden und das hat keinen Einflussauf deine Krankenakte.

Damit würde ich diese Zeit überbrücken.

T5abakyi


Offiziell ... Irgendwie macht mein IPad, was es will.

SSt2ermnen.lichxt90


Tabaki schrieb:

Aber du kannst trotzdem Hilfe erhalten, denn es gibt in jeder Stadt Beratungsstellen mit Dipl. Psychologen.

An diese kannst du dich jeder Zeit wenden und das hat keinen Einflussauf deine Krankenakte.

Irgendwie traue ich mich selbst das nicht. Beim Amtsarzt bekommt man eine Fragebogen, zu dem man nach bisherigen Erkrankungen und Diagnosen gefragt wird. Wäre es denn nicht auch schon "Betrug" oder "Verheimlichung", wenn ich dann solche Gespräche oder Therapien verschweigen würde, selbst wenn sie nie irgendwo auftauchen? Kann sein, dass ich dann für den Rest meines Lebens immer mal wieder bibbere, weil ich damals beim Amtsarzt bewusst etwas ausgelassen habe und ständig Angst habe, ob es nicht eines Tages doch rauskommen wird...

Ich bin durch die Amtsarzt-Geschichte ziemlich eingeschüchtert - gleichzeitig weiß ich aber auch nicht, ob ich es selber noch schaffe, diese Dinge zu beseitigen. Vermutlich bräuchte ich da schon mal Gespräche.

mdini)mixa


Ich habe dir gerade auch in deinem Parallel-Faden geantwortet.

Wäre es denn nicht auch schon "Betrug" oder "Verheimlichung", wenn ich dann solche Gespräche oder Therapien verschweigen würde, selbst wenn sie nie irgendwo auftauchen?

Ich sehe das als deine Privatsache. Der eine kann mit seinem besten Freund Probleme bequatschen, der andere nimmt dafür lieber eine fremde Person. Und der Mensch hat per se nun mal immer wieder Stress-Probleme, die sich unterschiedlich auswirken können. Du mit deinem Herzen, andere mit Rücken, Kopfschmerzen, Reizdarm, Magenschmerzen, Leber, Knie usw. usf.

Du siehst, du bist beileibe nicht die Einzige mit Beschwerden. Jedoch solltest du unbedingt an einer Therapie dran bleiben, denn dem...

Gerade Lehrer, Polizisten,... ist mit ihren Problemen vermehrt in psychosomatischen Kliniken zu finden.

Was jetzt schon Probleme macht, wird sich dort unter dem immensen Druck, der heute im Berufsleben stattfindet, noch verstärken

... kann ich nur zustimmen. Du läufst absolut Gefahr, dass wenn du deine gegenwärtige Angst-Periode wieder nur unterdrückst und nicht daran arbeitest, dir das alles irgendwann geballt um die Ohren fliegt.

dJanae8x7


Dich hält nicht die Krankenakte per se ab, obwohl ich die Einstellungspraxis total daneben finde, dich aber lähmt gerade deine Angst. Angst vor Entdeckung, Angst vor Unsicherheiten in der Zukunft, in allen Richtungen lauert die Angst und hält dich gefangen, da wo du bist.

Die Frage ist was in deinem Leben die schlußendlich höchste Priorität eingeräumt bekommt: du oder eine vermeintliche Sicherheit.

Und nebenbei: So eine Verbeamtung kann auch ein Gefängnis werden, wenn man nämlich mit den Belastungen nicht mehr zurecht kommt und wieder raus will, dann ist das schon mit einigen Einschnitten verbunden oder wenn man dringend umziehen will und das nicht so einfach genehmigt bekommt.

m1inIimia


So eine Verbeamtung kann auch ein Gefängnis werden, wenn man nämlich mit den Belastungen nicht mehr zurecht kommt und wieder raus will, dann ist das schon mit einigen Einschnitten verbunden

Das gleiche kann aber auch passieren, wenn man in der freien Wirtschaft arbeitet. Dort kommt noch hinzu, dass es keinen Status der Unkündbarkeit gibt. Und bei Verlust eines Jobs muss man da wie dort mit Einschnitten rechnen.

oder wenn man dringend umziehen will und das nicht so einfach genehmigt bekommt.

Und als Nichtbeamter besteht das Risiko, in der eigenen Branche keine geeignete neue Arbeitsstelle zu finden.

Hat alles sein Für und Wider.

P-lüscFhbiexst


Es gibt in so ziemlich jeder Stadt psychologische Beratungsstellen für Familien und Kinder und Erwachsene.

Das läuft dann nicht über die Krankenkasse

PMlüsBchbixest


Du warst doch schon mal mit anderem Nick und demselben Problem hier. ":/

Ps!sWchbiesxt


[[https://www.caritas.de/hilfeundberatung/onlineberatung/onlineberatung]]

[[http://gemeinden.erzbistum-koeln.de/kirche_koeln/seelsorge/Erziehungs-_und_Familienberatung_.html]]

Bitte nicht an dem katholisch stören.

Die Konfession spielt bei der Beratung keine Rolle.

So etwas gibt es in jeder Stadt.

dTanae#87


minima

Ja, ich wollte ja auch nur darlegen das die Verbeamtung nicht das allseeligmachende sein muss, die ultimative Sicherheit für die man notfalls auch mal seine Gesundheit opfert. Hab das schon zu oft gesehen. Da wurden schwere Probleme nicht behandelt damit man sich die Verbeamtung nicht versaut und dann brachen die Leute im Ref so zuammen, da hatte sich das Thema dann auch erledigt und ihr Job als Lehrer gleich mit.

c7unc@tatoxr


@ Danae 87

Hallo, ich schalte mich hier mal ein, weil ich vermutlich ein vergleichbares (Teil-)Problem habe.

Und nebenbei: So eine Verbeamtung kann auch ein Gefängnis werden, wenn man nämlich mit den Belastungen nicht mehr zurecht kommt und wieder raus will, dann ist das schon mit einigen Einschnitten verbunden oder wenn man dringend umziehen will und das nicht so einfach genehmigt bekommt.

Du scheinst ja hier genauer Bescheid zu wissen. Was meinst Du genau mit Einschnitten? An wen könnte ich mich konkret wenden, wenn ich eingehendere Informationen zu dem Thema haben möchte?

S)unfxlotwerx_73


@ Sternenlicht:

Das ist tatsächlich ein Balanceakt. Unbehandelt solltest Du die Symptomatik nicht lassen. Eine offizielle Therapie könnte aber durchaus Probleme mit sich bringen. Das muss man so sagen, auch wenn es immer wieder unterschiedlich gehandhabt wird. Die Tatsache, dass viele Beamte in Therapie/Kliniken sind, ist hier irrelevant. Denn Du bist noch nicht verbeamtet.

Kurzum: Es bleiben nur Wege, die im Rahmen der "üblichen" Schweigepflichtsentbindungen nicht aktenkundig werden. D.h. keine Therapie auf Kosten der Krankenkasse. Es bleibt der Weg als Selbstzahler oder eben über Beratungsstellen. Ja, das fühlt sich für Dich nach Grauzone an. Aber ebenso absurd ist es, das nach wie vor leichtere psychische Probleme und entsprechende Hilfe bestraft werden. Es muss im Bereich Verbeamtung sicherlich best. Grenzen geben. Bei jedem Kleinkram aber gleich die gesamte berufliche Perspektive unsicher werden zu lassen, ist einfach Blödsinn. Wobei man sagen muss: Es bleibt immer noch die Option als angestellter und nicht verbeamteter Lehrer.

Ergänzung: Bzgl. einer privaten Krankenversicherung könnte es sinnvoll sein, sich jetzt schleunigst um eine Anwartschaft zu kümmern, damit in der Hinsicht eine Therapie nicht zum Problem wird (und andere Dinge auch nicht).

mpinixmia


Was meinst Du genau mit Einschnitten? An wen könnte ich mich konkret wenden,

Einschnitte kann es von bis geben, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, und, soweit ich weiß, variiert das zusätzlich in den Bundesländern. Kontaktiere mal deine Beihilfe, die können dich bestimmt auf den Weg bringen. Das Beamtenversorgungsgesetz könnte auch hilfreich sein.

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