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Angst, keinen Anschluss zu finden

SWold&aneTlle hat die Diskussion gestartet


Hallo,

in einer Woche beginne ich eine einjährige Weiterbildung, gehe ab dann mehrmals die Woche ganztägig in eine Schule, nebenbei arbeite ich.

Jetzt, da der Starttermin immer näher rückt, kommen in mir altbekannte Ängste zum Vorschein: Ich habe Angst, dass ich keinen richtigen Kontakt zu meinen Klassenkameraden finde, dass ich in der Pause allein dasitze, dass ich einsam bin....

Diese Angst kommt noch aus meiner Jugendzeit, mit 14 bin ich auf eine neue Schule gekommen, ich kannte niemanden in der Klasse (meine Klassenkameraden kannten sich teilweise). Ich habe fast zwei Jahre gebraucht, um Anschluss zu finden, hatte zu dieser Zeit so gut wie kein Selbstbewusstsein. Danach wurde es besser, ein Mädchen hat in unsere Klasse gewechselt und wir haben uns angefreundet.

Diese Zeit hängt mir aber sehr nach, obwohl ich mittlerweile doppelt so alt bin! Ich habe mühsam mein Selbstbewusstsein aufgebaut, an diese Zeit denke ich aber gar nicht gerne zurück. Ich war so froh, als ich zum Studieren mehrere hundert Kilometer weggezogen bin. Wenn ich jetzt an nächste Woche denke, werde ich ganz nervös. Viel zu lernen, keine Freizeit mehr? - scheißegal, wie verbringe ich meine Pausen, das ist die Frage!

Ich bin grundsätzlich eher introvertiert, was mich nicht stört. Aber in den letzten Jahren habe ich meine beiden besten Freundinnen verloren. Das hatte unterschiedliche Gründe, unsere Lebensentwürfe waren wohl zu unterschiedlich. Jedenfalls merke ich, dass ich auf der Freundschaftsebene niemanden mehr so richtig an mich ranlassen kann. Ich habe Angst vor Ablehnung.

Was kann ich gegen diese Ängste tun? Wie kann ich entspannt dem nächsten Jahr entgegenblicken?

Antworten
T!heEnvtrxopy


Guten morgen, Soldanelle.

Das Problem ist, diese Furcht kann dir keiner nehmen. Du kannst nir versuchen in Ruhe abzuwarten, was auf dich zukommen wird. Ich war auch schrecklich unsicher und hatte angst, ehe ich an meine jetzige Schule gekommen bin. Ich wurde jahrelang gemobbt und verstehe deine Sorge. Meine Klasse ist jedoch jetzt endlich super. Hätte ich nicht erwartet und ich habe mir selbst den Kopf sehr lange bevor ich alle kennengelernt habe wegen Ablehnung und Ausschluss zerbrochen.

Jetzt weiß ich, dass die ganze Sorge unbegründet war.

Am besten ist es, neutral in diese neue Situation zu gehen oder es zumindest zu versuchen. Vielleicht geht es dir ja so wie mir und du knüpfst dort neue Freundschaften.

Auf jeden Fall drück ich dir die Daumen. :)

SWoldanxelle


Danke für deine Antwort! Ich habe eben manchmal das Gefühl, dass ich nicht so wirklich dazugehöre, dass ich grundlegend anders bin, als die meisten Menschen. Ich verstehe mich auch meistens mit Personen, die so ca. 15 bis 20 Jahre älter sind als ich, viel besser, als mit Gleichaltrigen oder jüngeren. War schon als Kind so, dass ich lieber am Erwachsenentisch gesessen hab ;-)

Heute bin ich auch schon irgendwie ruhiger und freue mich auf die Weiterbildung. Ich musste einen Aufnahmetest dafür absolvieren, habe 4 Wochen lang gelernt und dann soll es nicht an meiner Furcht vor Ablehnung scheitern.

c9riecha~rxlie


In ein paar Wochen beginnt das neue Semester und ich beobachte bei den neuen Kursen immer, dass auch erwachsene Menschen froh sind, wenn sie jemanden kennen.

Völlig normal, da Herdentiere, die soziale Umgebung ist unser habitat. Mich selbst haben solche Ängste auch immer geplant und ich weiß nicht, welche Pläne ich im Vorfeld solcher Situationen zu deren Verbesserung ersonnen habe. Im Endeffekt hat mir glaube ich ein Gedanke geholfen: es liegt nicht (immer) an mir. Manche Leute passen halt nicht und gut ist.

Ansonsten hilft es bestimmt, sich relativ früh einzubringen, z.B. vor den Pausen, " wer geht jetzt wohin? Alleine ist doof..." oder "geht jemand... und wir gehen zusammen?".

Bissl Offenheit zeigen, das hilft meistens.

SAolda>nelZlxe


Danke criecharlie für deine Antwort, jetzt fühl ich mich besser :-)

Gut zu hören, dass es auch anderen ähnlich geht. Und ja, ich sollte versuchen, mich mehr einzubringen, das ist wirklich eine Schwäche von mir. Ich verpasse da meist den richtigen Zeitpunkt, weil ich mich noch in der neuen Situation zurechtfinden muss und dann haben sich meist schon die ersten Grüppchen gebildet. Ich werde es einfach mal versuchen.

Im Moment überwiegt bei mir sogar eher die Vorfreude und ich bin gespannt, wie der Unterricht wird, da hat die Angst jetzt gar nicht so viel Platz. Am Wochenende kam bei mir so vieles zusammen, ich war müde, traurig und dann kam die Panik...

ceriecIharlixe


Was auch hilft: aufmerksam sein. Sachen merken, die jemand anders erzählt, sich wirklich für jemanden interessieren und das auch vermitteln. Wenn man mit jemanden geredet hat, ihn am nächsten Tag im Vorbeigehen begrüßen, wenn derjenige zum Beispiel erzählt, was er am Nachmittag noch erledigen muss, aufmerksam zuhören, sich nach zwei Tagen danach erkundigen etc..

Suoldkanellle


Danke für die Tipps! Ich werd's dann mal ausprobieren.

Mir hat es schon sehr geholfen, dass ich einfach mal meine Gedanken hier aufschreiben und ordnen konnte. Ich kann ja dann berichten, wie's mir so ergeht.

S+old'anxelle


Hallo,

ich hab ja geschrieben, dass ich mich nochmal melden werde.

Grundsätzlich geht's mir ganz gut, die Klasse ist bunt zusammengewürfelt, viele haben sich schon gekannt, aber trotzdem hab ich eigentlich recht schnell ein paar Leute gefunden, mit denen ich mich verstehe.

Trotzdem hab ich oft das Gefühl, dass ich mich in der großen Gruppe sehr unwohl fühle. Ich habe zur Zeit sehr viel zu tun (Arbeit + Unterricht + Hausübungen + Prüfungsvorbereitungen) und fühle mich deshalb von anderen Menschen schnell "ausgesaugt". Ich freue mich, wenn ich Zeit für mich selbst habe und mein Kopf aufhört zu brummen. Das Schöne ist, dass ich den Eindruck habe, dass es ein paar Leuten in der Klasse auch so geht, mit denen verstehe ich mich auch am besten :-) Einfach mal nebeneinander sitzen und Zeitung lesen, kann auch sehr schön sein :-)

SRVK|99


ich wünsch dir,dass du es packst ,alles unter einen Hut zu bringen und du dich einigermassen in der "Gruppe " wohlfühlst..hatte vor ca 5 Jahren eine eigentilch interessante umschulung wegen diesen "Ängsten"abgebrochen..das häng mir immer noch irgendwie nach..

Stold8anel~le


Danke! Ein Abbruch kommt für mich nicht in Frage, im schlimmsten Fall muss ich bei meiner Arbeit Stunden reduzieren. Wie gesagt, eigentlich fühle ich mich ganz wohl, merke aber trotzdem, dass ich wohl nie so 100%ig "dazugehören" werde und dass ich anders als die meisten Menschen bin - ich hoffe, dass mir das irgendwann nichts mehr ausmachen wird.

SMimonWe86x3


Liebe Soldanelle, schön, dass sich das jetzt gut für dich entwickelt hat! Ich glaube es geht vielen Menschen so, dass die das Gefühl haben, nicht richtig dazu zu gehören. Mir hilft es immer, solche Gedanken anderen gegenüber, zu denen man ein gewisses Vertrauen hat, auszusprechen. Oft öffnen sich die anderen dann auch und das kann sehr bereichernd sein. Falls du da mal hinschauen möchtest bzw. es schlimmer wird, würde ich dir zu einer Familienaufstellung raten. Solche Gefühle können von Familienangehörigen übernommen sein, die in der Familie tatsächlich keinen Platz hatten. Das ist aber in der Regel unbewusst und in Familienaufstellungen kann das aufgedeckt warden. Falls du nichts über die Methode weisst, schau mal hier: [[http://www.sorge-dich-nicht-liebe.de/familienaufstellung]] oder [[https://de.wikipedia.org/wiki/Familienaufstellung]]. Wenn du so etwas machst: lass dir jemand Gutes empfehlen oder schau hier: [[http://www.familienaufstellung.org/listen/aufstellersuche.php]]. Alles Gute dir wünscht Simone

CSonanDer6Z!erst'ä_reCr


Grundsätzlich zu dem Bipol Herdentrieb <-> Individualismus:

Wenn wir Distanz zur Gruppe haben, dann macht uns das vulnerabel dass wir als Fremdkörper gemobbt werden, wir spüren die sehr reale Gefahr dieses Gruppendruckes. Wir müssen uns irgendwie verträglich einfügen, sonst kann es passieren das wir gerade eben an- oder aufgefressen werden, oder als Omega-Tier als Fußabtreter dienen.

Wenn wir uns mit der Gruppe komplett assimilieren, stehen wir in der Gefahr jeden Mist mitzumachen, den die aktuelle Stimmung oder das aktuelle Alpha-Tier ausgeheckt hat. Da entstehen immer wieder die inakzeptabelsten Zustände, sogar auf einer riesigen Skala, wie wir genauestens wissen.

Es kontrolliert nicht nur die Gruppe den Einzelnen. Der einzelne kontrolliert auch die Gruppe.

Besonders, wenn vorherrschende Normen fragwürdig oder bösartig sind, dann ist die Zersetzung der Gruppeneffizienz durch die Divergenz des Einzelnen die sich auch aus den ethischen Normen und dem widerspruch des Individuums speist, ein Riesenfortschritt. Auch wenn er aus gutem Grund wider die Gruppe steht, dann dient der Einzelne dem Ganzen als teils bitter notwendiges Korrektiv.

Es gibt natürlich auch noch andere Interpretationen von sozialem Unwohlsein, z.B. einfach persönliche Disposition, etc.

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