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Depressionen, Selbstzweifel, Ratlosigkeit nach der Therapie

M%oppxen hat die Diskussion gestartet


Ich versuche mal, möglichst kurz zusammenzufassen:

Letztes Jahr bin ich im September zum HA wg ständiger Erschöpfung, Überforderungsgefühlen, Hoffnungslosigkeit, Zerfahrenheit im Denken, Unfähigkeit, selbst kleine Entscheidungen zu treffen. Ich hatte ein beschissenes Jahr hinter mir, einen recht vollgepackten Alltag, und so hat die HÄ nach Ausschluss von Schilddrüsenproblemen, VitD-Mangel etc. den Verdacht auf ein Burnout ausgesprochen, die Maschinerie ging ihren schleppenden Gang, ich habe einen Psychiater besucht, der mir direkt Sertralin entgegenwarf und recht schnippisch auf meine Bedenken reagierte, bin dann in einer Psychotherapeutisch-psychiatrischen Praxis gelandet, in welcher in darin unterstützt wurde, keine Medis zu nehmen, sondern meine Suche nach einem Psychotherapeuten fortzusetzen (diese Praxis bot nur Gruppentherapie an, und wann ich hätte einsteigen können, war noch nicht klar, psychiatrisch haben sie mich aber weiter bereut).

Ich fand einen Therapeuten, hatte 25 Sitzungen Verhaltenstherapie. Er diagnostizierte eine mittelschwere depressive Episode. Am Ende der 25 Sitzungen entließ er mich mit der Empfehlung, mir einen Therapeuten zu suchen, der tiefenpsychologisch fundiert oder psychoanalytisch arbeitet. Diese Suche hält an, gestaltet sich als recht fruchtlos bislang. Ich stehe jetzt immerhin auf einer Warteliste. Diese Empfehlung sprach er aus, aufgrund des psychischen Missbrauchs, den ich in meiner Kindheit (und auch danach) durch meine Mutter erlebt habe, und aufgrund des Alkoholmissbrauchs meines Vaters beginnend ab meinem 13. Lebensjahr.

Ich habe eine ständige Stimme in meinem Kopf, die mir sagt, was ich alles schlecht mache, worin ich versage oder versagt habe, was ich nicht geschafft habe. Ich mache mich selbst schlecht und klein, ich sehe keine guten Dinge, kann nur das highlighten, was nicht klappt - oder nicht ausreichend gut geklappt hat. Ich lebe in der ständigen Frage, was meine Mitmenschen wohl denken, ob das was ich tue, sage, trage, wie ich mich kleide, schminke, frisiere in irgend einer Form einen schlechten Eindruck macht. Ich bin mein größter Kritiker. Ich überdenke Situationen, die längst vergangen sind, spiele sie in Gedanken erneut durch und hinterfrage, ob ich richtig gehandelt, gesprochen, entschieden habe. Auch die Dinge, die noch auf mich zukommen, denke ich durch, bereite mich vor. Ich mache mir Sorgen über alles mögliche, was passieren könnte, wie völlig normale Dinge schief gehen könnten. Wenn dann alles gut geht, zählt das nicht als positiv. Wenn es jedoch nicht gut geht, war es völlig klar, dass ich wieder versagen würde.

Über diese schlechten Denkstrukturen, ihre schädliche Wirkung, und wie sie mir verunmöglichen, mich zu entspannen und in Ruhephasen, diese zu genießen und mich zu erholen, bin ich mir seit der Therapie im Klaren. Wir haben besprochen, dass ich mit Entspannungmethoden arbeiten kann, dass 95% der Sorgen, die ich mir mache, niemals real werden etc., aber geändert hat all das leider nichts. Daher der Rat zur tiefenpsychologischen/psychoanalytischen Therapie. Gut und schön. Aber es geht mir immer schlechter.

Ich rutsche in irgendetwas rein. Wenn ich allein auf der Couch liege, ist es okay. Ich lese oder gucke etwas, lenke mich ab. Aber selbst Kleinigkeiten bringen mich dazu, mich selbst in meinem Kopf mit Worten und negativen Gefühlen zu bestrafen, die so sehr Überhand nehmen, dass ich sie nicht mehr gestoppt bekomme. Ich reagiere genervt auf den 5. Versuch meiner Tochter, das 'Abendprogramm" in die Länge zu ziehen, und empfinde es als Versagen meinerseits als Mutter, nicht geduldiger zu sein sondern genervt zu sein und ihr das auch zu zeigen. Dann fühle ich mich wieder darin bestärkt, eine totale Versagerin zu sein, die nur Scheiße macht und nichts vernünftig geregelt bekommt.

Wir mussten sogar unseren Sommerurlaub vorzeitig abbrechen, weil es mir dort nicht besser sondern von Tag zu Tag schlechter ging. Zuhause war es dann besser. Wenngleich ich natürlich schuld daran war, dass wir und ddie Kinder nicht so lange weg bleiben konnten wie geplant.

Letztes Jahr war es anders als dieses Jahr. Ist es trotzdem wieder eine depressive Phase? War ich überhaupt raus? In den 25 Wochen der Therapie ging es mir auch ganz gut. Da waren auch Tage bei, an denen es mir schlecht ging, aber es war anders. Ich spüre über die letzten Wochen hinweg, wie es wieder schlimmer wird. Was soll ich tun? Wenn ich zur Psychiatrischen Praxis gehe, schreiben sie mich krank. Das erhöht meinen Stress aber noch. Denn sie haben letztes Mal schon angekündigt, dass sie mich diesmal länger rausnimmt, direkt für ein paar Monate. Das ist aber schlecht für die Arbeitskollegen (arbeite im Krankenhaus) und auch für mich von wegen Krankengeld und der damit verbundenen finanziellen Einbußen. Ich habe keine Ahnung, wie es weiter gehen soll. Aber so geht es nicht mehr. Ich komme aus dem Gedankenkarussell nicht heraus. Aber darauf halte ich es auch nicht mehr aus.

Antworten
k~a-tiafFox


Hallo Moppen,

zum Thema akut und schnell aus diesen Gedankenschleifen rauskommen:

Hast du es schon mal mit geführten Achtsamkeitsmeditationen probiert? Als ich vor ein paar Jahren eine schwere Zeit durchgemacht habe, habe ich mir, wenn es ganz schlimm war, sowas angehört, immer mit dem Gedanken: Hör mal dem Mann da zu, der meint es gut mit dir und mach mal, was der da sagt. :-)

Mir hat das damsls ganz gut geholfen, mal mehr, mal weniger, aber auf Dauer trainiert man wirklich gut, die Gedanken Gedanken sein zu lassen und sich lieber auf etwas anderes (den Atem z.B.) zu konzentrieren.

Wenn du magst, schau doch mal bei youtube, da gibt es für den schnellen Einstieg wahnsinnig viel, auch auf Englisch. Kopf hoch! @:)

k8ati"afox


Ohjee, ich habe gerade selbst mal bei youtube geschaut. Da ist auch ganz schön viel Schund dabei. %:|

Also falls dich das interessiert, kann ich dir auch konkrete Tipps geben und ich sag's gerne nochmal dazu: Ich bin keine Eso-Tante, es gibt da ganz vernünftiges Material, was wirklich hilfreich ist.

_=Pa5rvatxi_


Achtsamkeitsübungen, PMR, Meditation, Yoga... hilft alles ganz gut um das Gedankenkarussell zu stoppen. Sollte aber regelmäßig, möglichst täglich, geübt werden. Man kann sich auch einfach gedanklich ein Stoppschild setzen.

MSopxpen


Heute bin ich wieder so unglaublich müde. Heute Vormittag war eine Aktivität mit Schule und Kindergarten, vielen Menschen um mich herum, und jetzt fühle ich mich völlig ausgesaugt, keine Energie mehr, nur noch Müdigkeit.

Warum gibt es keinen objektiven Messwert für Depressivität ähnlich einem Laborparameter? Das würde die Sache erleichtern, finde ich. Denn meist weiß ich gar nicht, wie es mir eigentlich wirklich geht.

Das gedankliche Stoppschild. Hatten wir in der Therapie. Ich versuche es beim Gedanken-kreisen, wenn meine Gedanken von einer Sache einfach nicht ablassen können. Dann sage ich mir: Lass es jetzt gut sein, du hast eine Entscheidung getroffen, akzeptiere sie. Ist aber schwer. Hält nur ein paar Minuten, dann muss ich mich wieder daran erinnern. So geht das ein paar Mal, dann kommt mir meist was anderes in den Sinn. In akuten Situationen funktioniert das aber nicht, weil es mir viel zu spät bewusst wird, und ich dann schon zu tief in der Stimmung drin bin.

Zur Achtsamkeitsmeditation: wenn du nen guten Link hast, gern. Ich habe schon mal Tiefenentspannungssachen probiert, das war in Ansätzen gut, aber ich war immer viel zu unruhig, um es länger durchzuhalten. Um es regelmäßig zu machen, fehlte mir die Fähigkeit, mir selbst Raum und Zeit dafür zu verschaffen. Aber ich weiß, dass es so nicht weiter geht. Irgendwas muss ich versuchen.

h#avAen't_wxaitxed


Es gibt eine Methode zur Gedankenüberprüfung: "The Work" von Katie Byron. Hat mir gut geholfen, deshalb Empfehlung.

XOir-a;ixn


Also mir hat es geholfen meine Gedanken nieder zu schreiben und DANN erst zu sagen "Stopp! Du hast das jetzt groß und breit aufgeschrieben, jetzt ist mal gut."

Hat eine Weile gedauert bis ich das so hinnehmen konnte, aber dann half es.

Die Gedankenschleifen waren aufgeschrieben, sie waren also DA, wenn ich nochmal hätte darüber nachdenken wollen, aber das wollte ich meist garnicht.

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