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Umgang mit Freund, ich weiß nichtmehr wie verhalten

DrasWacrWo>hlNix hat die Diskussion gestartet


Tag,

ich hab gerade ein kleines Problem. Ich hab einen Kumpel, er ist bei uns im Freundeskreis super integriert, eine sehr intelligente, nette und hilfbereite Person. Er kämpft gerade mit ein paar Problemen was sein Leben angeht (er räumt bei sich nie auf, schafft es nicht sich um sein Studium zu kümmern, geht auf die 30 zu ohne Ausbildung (fängt jetzt neu an zu studieren)). Ihm macht das alles sehr zu schaffen und er ändert sich gerade mithilfe einer Therapie auch. Die Therapeutin hat ihm ein paar Hilfestellungen gegeben, in denen wir miteinbezogen sind (z.B. für seine Wohnung, wir sollen ihn regelmäßig besuchen, bevor wir aber was zusammen machen muss er eine gewisse Zeit unter unserer Aufsicht aufräumen und putzen). Das ganze zeigt auch wirkung, es wird gerade alles besser. Nur haben einige von uns gerade ein Problem: Irgendwie ist das einzige was er in letzter Zeit macht, alles schlecht zu finden. Es ist sehr schwer sich mit ihm zu unterhalten. Er interessiert sich sehr für Politik, allerdings in der "Ich bin dagegen" Haltung, bläst uns mit Satirikern voll, etc. Ist ja alles in einem gewissen Rahmen OK. Sprechen wir allerdings über Dinge die wir toll finden, gerne tun, etc, dann kommt nur zurück "find ich kacke", "voll der scheiss", etc. Es ist nicht möglich einfach mal über nichtigkeiten mit ihm zu sprechen. Neue Band bringt ein Album raus: "man ist das scheisse". Einer von uns hat einen neuen Job bei einer Softwareentwicklung: "Eure software ist voll kacke". Wir bauen einer Freundin zum geburtstag einen neuen PC zusammen (mit Budget): "Würd ich nie so bauen, nur schrott". Jemand feiert geburtstag: "Die musik und das bier ist mist". Ich mein, OK, man muss nicht überall auf einer Wellenlänge sein, aber ich habe keinen Bock mehr mich mit dem negativen Scheiss ausseinanderzusetzen. Ihm muss nicht alles gefallen, was anderen von uns gefällt. Aber kann man nicht, wenn jemand über Dinge redet die einem Spaß machen, den Leuten auch den Spaß daran lassen? Er könnte es höflicher ausdrücken in form von "Schön das es dir gefällt, meins ist es leider nicht". Nein, es "ist alles scheisse". Er gibt es nicht als eigene Meinung wieder, sondern als festgesetztes Status. Ich habe gerade mal alle Chats und persönlichen Gespräche durchgegangen, es ist nichts dabei bei dem ich sagen kann, dass das gesrpäch angenehm war. Wir haben ihn schon drauf angesprochen. Er reagiert mit "ich weiß, das ich das mache, aber irgendwie überkommt es mich immer". Er braucht gerade hilfe und wir versuchen sie ihm zu geben, er macht es uns aber nurnoch lästig und unangenehm.

Wie geht man damit um, wie reagiert man da? Wir wollen ihn auch nicht im regen stehen lassen, gerade wenns ihm gerade so kacke geht. Aber er ekelt sich gerade alle Weg. Wir haben schon vorgeschlagen ob einer von uns mal mit zur Therapie soll und der Therapeutin da mal ein paar einblicke geben. Abgeneigt ist er nicht, aber er kümmert sich auch nicht drum...

Ich weiß nichtmehr weiter und schränke gerade den Kontakt etwas ein, weil ich mich einfach nichtmehr runterziehen lassen will.

Was würdet ihr tun?

Antworten
C`omUrxan


Wenn Menschen sich verändern, dass sie einem nicht gut tun, dann muss man - wie du schon geschrieben hast - den Kontakt einschränken. Aber da er ja ein guter Freund ist, hat er eine Chance verdient. Ich würde unter 4 Augen (sonst zwingst du ihn in die Defensive) eine klare Ansage machen, wie sehr dich sein Verhalten stört und dass du seine Art unangenehm findest. Unter Freunden darf man das. Vor allem sprich immer von "Ich" - ergreife keine Partei für andere, die nicht dabei sind.

Ich glaube, er kompensiert Komplexe damit, dass er alles andere runterputzt. Vermutlich hält er sich für besonders schlau und kritisch, aus Prinzip gegen den Strom zu schwimmen.

Er interessiert sich sehr für Politik, allerdings in der "Ich bin dagegen" Haltung, bläst uns mit Satirikern voll, etc.

Das kann ich leiden ... Menschen, die sich dadurch hervortun, aus der Opposition heraus alles niederzumachen und sich dann auch noch mit fremden Federn/Zitaten schmücken. Wenn er sich für Politik interessieren würde, könnte er sich ja konstruktiv engagieren. Stattdessen sucht er nur Fettnäpfchen, damit er was zum Rumptrampeln hat. Das ist kein Interesse.

B:elaMfoTnte


Die Therapeutin hat ihm ein paar Hilfestellungen gegeben, in denen wir miteinbezogen sind (z.B. für seine Wohnung, wir sollen ihn regelmäßig besuchen, bevor wir aber was zusammen machen muss er eine gewisse Zeit unter unserer Aufsicht aufräumen und putzen).

Damit bist du in erster Linie Therapeut, und erst an zweiter Stelle Freund. Wie er sich aufführt ist Ausdruck seines Leidens. Natürlich erwartest du irgendwann wieder "normale Verhältnisse", aber bis das soweit ist, kann noch viel Zeit vergehen.

DYasWa,rW[ohlN0ixx


Damit bist du in erster Linie Therapeut, und erst an zweiter Stelle Freund. Wie er sich aufführt ist Ausdruck seines Leidens. Natürlich erwartest du irgendwann wieder "normale Verhältnisse", aber bis das soweit ist, kann noch viel Zeit vergehen.

Nein, ich bin nicht in erster Linie der Therapeut. Ich tue ihm den Gefallen aus freundschaft, nicht, weil ich jetzt unbedingt helfen muss. Er hat um die Hilfestellung gebeten und bekommt sie aktuell auch und es fruchtet scheinbar auch. "Normale Verhältnisse" ist ein dehnbarer Begriff. Wir haben, nach der Aufräumaktion, normale Abende zusammen. Wenn das gemecker und gemotze nicht wäre.

Ich würde unter 4 Augen (sonst zwingst du ihn in die Defensive) eine klare Ansage machen, wie sehr dich sein Verhalten stört und dass du seine Art unangenehm findest. Unter Freunden darf man das. Vor allem sprich immer von "Ich" - ergreife keine Partei für andere, die nicht dabei sind.

Ich habe schon aus meiner perspektive mit ihm gesprochen und ihm auch gesagt, wie schwer mir das Fällt (ich habe selbst zwei Jahre Therapie und Agoraphobie hinter mir und führe erst jetzt wieder ein "normales" Leben, jemandem meine ehrliche Meinung zu sagen fällt mir sehr schwer, aber ich beisse mich durch). Er ist dann immer kurz vor dem heulen und sagt dass er es ja weiss und sich bessern will, nur merke ich davon einfach nix. Und ich hab einfach keine Lust mehr drauf aktuell. Vor allem, wenn er meinen neuen Job niedermacht, für den ich mich sehr einsetze und stolz drauf bin (ja, es ist mein Job, ich schrieb zwar ein Freund und ich kann auch nicht sagen warum ichs nicht rausgehauen habe, das es hierbei um mich geht). Vor allem kam der Kommentar aus heiterem Himmel, ich bin heute morgen aufgewacht und das erste was ich auf dem Handy sehe ist, dass meine Software scheisse ist. Das hat mir erstmal den ganzen morgen versaut. Würde er mir wenigstens Konstruktiv sagen, was ihn stört könnte ich damit ja was anfangen, aber "deine software ist scheisse" ist einfach respektlos. Vor allem so ganz ohne zusammenhang.

B:e{laf[oxnte


Wenn das gemecker und gemotze nicht wäre.

Ich hatte das als Ausdruck seiner Erkrankung gedeutet.

Nword#i84


Wahrscheinlich könnte er dann nicht mal ernsthaft Argumente anbringen, es geht ihm nur darum sich selbst besser zu fühlen in dem er andere schlecht macht. Funktioniert allerdings nicht und das scheint er mit zu bekommen, dementsprechend geht es ihm immer schlechter und seine Laune wird immer mieser.

Du bist allerdings wirklich nicht sein Therapeut und ja, genau so verhälst du dich im Moment, du kannst ihm nicht wirklich helfen. Sag ihm vielleicht nochmal ganz direkt das er euch als Freunde immer weiter von sich weg stößt wenn er sich so verhält und das es am Ende darauf hinaus laufen wird das ihr nichts mehr mit ihm unternehmt. Vielleicht braucht er genau das, vielleicht muss er mal fürchterlich auf die Schnauze fallen um aufzuwachen. Alternativ kann es natürlich genau so dazu führen das er völlig abstürzt, garkeine Frage.

h~ave*n't._waxited


Reizendes Kerlchen, der Freund. ]:D

Ändern kannst du ihn aber nicht, auch niemand anderes schafft das. Was bedeutet, ihn entweder zu nehmen, wie er ist, und sich selbst dagegen zu immunisieren - (das müsste ja ganz einfach sein, denn ihr erwartet ja auch von ihm, dass er sich einfach ändert, also sollte euch das doch leicht fallen ;-) ) - oder sich wirklich - praktisch aus Selbstschutz - von ihm zurückzuziehen.

h|aven't_Ywaitxed


Ihr habt nicht die Freundespflicht, ihn zu erziehen und auch nicht, seinen Blick auf das Leben zu verbessern. Im Gegenteil, kümmert euch um euch selbst, seid selbst fröhlich zu ihm - trotz seiner offensichtlichen Probleme oder gerade deswegen - und vielleicht merkt er, dass es ihm dann auch leichter fällt, euch eine Chance zu geben. ;-)

DsaisWarWuohlNixx


(das müsste ja ganz einfach sein, denn ihr erwartet ja auch von ihm, dass er sich einfach ändert, also sollte euch das doch leicht fallen ;-) )

Nein, ich erwarte nicht das er sich von heute auf morgen ändert. Und er war ja auch nicht immer so. Das hat vor ~12 Wochen angefangen und ist immer schlimmer geworden. Ich erwarte das er sich ein wenig respektvoller verhällt.

E hemaliger_ NuStzFer (P#5900A71)


Ich erwarte das er sich ein wenig respektvoller verhällt.

Dann verlasse seine Wohnung und brich deinen Besuch bei ihm stets sofort ab, sobald er wieder verbal ausfällig wird - unter Hinweis darauf, dass Kontakt für dich mit ihm unter "Gemecker und Gemotze" für dich nicht akzeptabel ist. Bleib dagegen, wenn er nicht motzt.

... Wobei du dadurch nicht nur die Quasitherapeutenrolle von vorher inne hättest, sondern auch die seiner Eltern. Musst du wissen, ob du dir das geben willst. Kontakt gibt es nur, wenn er sich dir gegenüber respektvoll verhält und sonst gehst du eben wieder direkt.

CVomraxn


Er ist dann immer kurz vor dem heulen und sagt dass er es ja weiss und sich bessern will, nur merke ich davon einfach nix. Und ich hab einfach keine Lust mehr drauf aktuell. Vor allem, wenn er meinen neuen Job niedermacht, für den ich mich sehr einsetze und stolz drauf bin (ja, es ist mein Job, ich schrieb zwar ein Freund und ich kann auch nicht sagen warum ichs nicht rausgehauen habe, das es hierbei um mich geht).

Es hilft ihm in seiner Situation gar nicht, wenn du ihm eine Komfortzone bietest, nur weil er dann nicht heulen muss und eine schwierige Zeit hat. Damit milderst du nur seine Situation. Du musst glaubwürdige Eskalationsstufen einhalten.

Geredet hast du schon mit ihm. OK, das finde ich super, vor allem weil es für dich ja nicht leicht war, dies anzusprechen.

Zunächst einmal musst du auch eine Grenze ziehen. Er weiß ja, um was es geht. Wenn so ein Klöpper von ihm kommt musst du ihm die Grenze mitteilen. Was sagst du, wenn er von Scheiß-Software spricht oder politisch alles in den Dreck zieht? Bring ihn in die Pflicht. Frag ihn, warum er etwas scheiße findet. Da wird nicht viel kommen oder er wird Kleinigkeiten hochspielen, um Recht zu behalten. Dann sagst du ihm, dass du das anders siehst und auf diesem Niveau nicht darüber sprechen willst. Themenabbruch, solange er nur meckert und nicht konstruktiv ist.

Die nächste Eskalationsstufe ist dann Dialogabbruch. Wenn er scheiße kommt, stellst du den Dialog ein. Ohne Rechtfertigung. Er wird schon merken, dass er wieder auf dünnem Eis ist. Wenn er wieder normal redet, kann man ja wieder einsteigen. Aber davor muss man zur Not auch gehen, wenn es zu doof wird.

Wenn du das durchhältst, bekommt es eine eigene Dynamik in die eine oder andere Richtung. Aber deine Grenzen müssen glasklar gezogen sein.

D|as\WarxWohlNix


Werde ich wohl so machen müssen. Und den Kontakt eben einschränken. Ich hab besseres nach Feierabend zu tun als mich ankacken zu lassen... Danke für die Meinungen...

DLi;e Seh9eroin


Werde ich wohl so machen müssen. Und den Kontakt eben einschränken. Ich hab besseres nach Feierabend zu tun als mich ankacken zu lassen...

auch, wenn du deine entscheidung wohl schon getroffen hast: ich persönlich finde 12 wochen nicht so wahnsinnig viel - noch dazu, wenn du selber ja schon die erfahrung gemacht haszt, wie lange es dauern kann, bis eine therapie einen "lebensfähig" macht! mir scheint sein verhalten sehr eng mit seiner therapie zusammen zu hängen und ich frage mich eher, ob du ihm nicht vermitteln kannst, welche punkte dir auffallen an ihm, welches verhalten seinerseits er eventuell aktiv in die therapie einbringen könnte...

... selbstschutz verstehe ich unheimlich gut, aber freundschaft ist für mich etwas ganz großes! da würde ich genau überlegen, ab wann meine schutzbedürftigkeit beginnt!

h~aven&'t_wauited


Schwierige Gratwanderung, finde ich. Wenn man den Eindruck gewinnt, sich im Namen der Freundschaft ausnutzen zu lassen, tut man sich selbst etwas an. Wo nur noch schlechte Gefühle im Spiel sind, ist es der aufrichtigste Dienst an dem anderen - und somit auch der Freundschaft - mit ihm ganz offen zu reden, auch von dem Bedürfnis, sich von ihm zurückzuziehen, weil man mit dem Verhalten so gar nicht mehr klarkommt. Wenn das aber getan ist und man sich weiterhin als Mülleimer für die entgegengebrachte Negativität fühlt?

D"asWar0Woh!lNxix


auch, wenn du deine entscheidung wohl schon getroffen hast: ich persönlich finde 12 wochen nicht so wahnsinnig viel -

Die hab ich noch nicht getroffen. Hier spielen eben zwei Welten mit rein, die logische und die emotionale. Ansicht tut es mir schon leid um ihn und ja, ich weiß, wie lange eine Therapie braucht. Ich weiß auch, dass man extrem viel Rücksicht nehmen muss, etc. Aber den Spieß kann ich umdrehen. Auch wenn ich aktuell wieder ein "normales" Leben führe, meine Therapie ist auch noch lange nicht rum. Um eines meiner Triggerpunkte kam von meiner Mutter, weil ich immer alles falsch gemacht habe, nie was richtig, etc. Daher ist die Situation für mich natürlich doppelt anstrengend. Das weiß er auch, ich habe das offen mit allen kommuniziert. Ich tue mir das glaube ich auch nur an, um selbst etwas zu "trainieren" und sowas nicht so extrem an mich ranzulassen. Da kommt dann aber das Problem ins Spiel, dass ich meinungen von leuten, die mir eigentlich wichtig sind, eben doch an mich ranlasse. Leider auch, wenn es absoluter unfug ist. Und es macht mich fertig. Ich muss nicht nur an ihn denken, in erster Linie muss ich auch an mich und meine psychische Gesundheit denken...

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