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Asperger Syndrom

pIelzstierx86 hat die Diskussion gestartet


...eigentlich dachte ich, dass für mich das Thema Asperger-Autismus nicht mehr relevant wäre, und ginge es nur um meine Identität und Selbstverständnis, würde es auch vermutlich tatsächlich keinerlei Rolle spielen.

Allerdings fiel im Rahmen meiner neurologischen Vorstellung wegen meiner metabolischen neuromuskulären Systemerkrankung einmal mehr auf (und ich wurde darauf angesprochen, was mir etwas unangenehm war), dass ich schwer Blickkontakt halten kann und nicht aktiv suche gerade bei fremden Menschen. Zum einen ist mir ein direkter Blickkontakt gerade bei fremden Menschen sehr unangenehm; es hat aber nichts mit Schüchternheit zu tun. Zum anderen weiß ich auch wenig damit anzufangen, wenn ich ständig in die Augen schaue; vielmehr lese ich das Gegenüber über den Mund, Augenbrauen, Mimik etc., indem ich es gelernt habe diese Zeichen zu analysieren und (meistens richtig) zu interpretieren. Gerade wenn ich mich intensiv mit einem Menschen auseinandersetze (auch wenn der mir bereits bekannt ist) oder ich mich auf das Gesprächsthema ganz konzentrieren will, lenkt mich das Halten des Blickkontakts unheimlich ab, nimmt einen überdurchschnittlich großen Anteil meiner Kapazitäten in Beschlag - in diesen Situationen fühlt es sich an, als ob mein Hirn "vernebelt" wäre. Es ist nicht so, dass ich dann überhaupt nicht mehr denken kann (a la Panikattacke), aber ich merke einfach, dass meine Aufmerksamkeit und Konzentration sowie Denkfähigkeit reduziert sind, ausgehend von meinem üblichen, recht hohen Niveau.

Im Grunde denke ich, dass ich im Laufe der Zeit vieles durch meinen Intellekt kompensiert habe, was früher (im Kindergarten/Grundschulalter) noch ein Problem war im sozialen Bereich. Ich kann mich erinnern, dass ich die gesamte soziale Sprache nicht intuitiv erlernt habe, sondern bewusst zunächst dekodiert habe um sie dann zum großen Teil selbst anwenden zu können. Auch wenn ich als Baby, Klein - und Vorschulkind einige besondere Verhaltensweisen (zunächst Panik, dann nur Aufregung bei Abweichen von der Routine, neuen Situationen, fremden Menschen, ein paar stereotype Verhaltensweisen; feste Vorstellungen davon, wie etwas zu sein/gehen hat, und wenn dem nicht so war, leichte emotionale Überforderung etc pp) hatte, hat sich der Großteil dieser gelegt. Nur wenig ist mir davon geblieben; anders gefühlt habe ich mich allerdings schon immer, und das hat sich auch nie geändert, auch wenn ich später in der Schule durchaus Kontakt zu "Normalos" geschätzt habe; richtig wohl gefühlt habe ich mich aber nur mit Menschen, die auch ein wenig anders waren und ähnliche Interessen wie ich hatten. Das ist aber vermutlich nichts sehr Ungewöhnliches. Bei den Schülern und Lehrern, die mich nicht näher kannten, galt ich als unnahbar und arrogant, aber Letzteres bin ich eigentlich nicht, und das merkten diejenigen, die mehr mit mir zu tun hatten und mich erlebten auch. Von Letztgenannten wurde ich respektiert, wohl als durchaus liebenswerten, etwas chaotischen Freak mit einem Hang zum Professor-Dasein, der aber gerne Mitschülern beim Stoff geholfen hat, wenn er helfen konnte; Abschreiben war für mich auch kein Thema, und war allenfalls dadurch limitiert, dass ich gerade in den oberen Stufen meist keine Hausaufgaben mehr machte. In für mich langweiligen Stunden zeichnete ich (Kunst war für mich immer eine Möglichkeit gewesen meine innere Gefühlswelt auszudrücken, was ich anderweitig nur schwer vermochte); die Lieblingsschülerin war ich längst nicht, zumindest nicht durchgängig bei allen Lehrern. Bei mir war es eher so, dass ich auch bei den Lehrern unbewusst stark polarisierte; die Gemeinsamkeit unter den Meinungen war lediglich, dass man mich für ziemlich intelligent und meine Noten nicht Resultat von eifrigem Lernen und Strebsamkeit hielt. Neben der Schule hatte ich immer eigene Projekte am Laufen, die mir zum Teil auch wichtiger waren. Z.b. nahm ich für meine Abiturkunstarbeit, die mir auch ein persönliches Anliegen war, in Kauf, selbst für meine Verhältnisse ziemlich unvorbereitet in das Deutsch- und Franzözisch-LK-schriftliche Abitur zu gehen.

Was ich damit sagen will: Integriert war ich also zumindest in den höheren Stufen sehr wohl, und ich war weder ein sich deutlich abnorm verhaltender "Psycho" noch ein unglücklicher Streber. Außerhalb der Schule hatte ich zwar keinen sozialen Kontakt mehr, aber das lag nicht daran, dass es für mich nicht potenzielle interessante Mitschüler gegeben hätte, zu denen ich eine Freundschaft hätte aufbauen können, sondern schlicht an dem Umstand, dass meine letzten Schuljahre und vor allem mein Alltag zunehmend von der damals noch unbekannten Erkrankung bestimmt wurden.

Während der gesamten Schulzeit kam immer mal wieder der Verdacht eines Asperger-Autismus (evtl. kombiniert mit Hochbegabung; ich habe ohne große Probleme und ohne dass ich nennenswert nachgelernt hätte die 10. Klasse übersprungen ) auf, aber ich hatte schon früh eine Abneigung gegen jegliche Form von Labels entwickelt, insbesondere auch, weil meine damals schon beginnenden und im Verlauf der restlichen Schulzeit zunehmend schwereren körperlichen Probleme von den Ärzten a priori als psychosomatisch abgetan wurden.

Was neben dem Halten/Suchen des Blickkontakts mir auch geblieben ist, sind meine Schwierigkeiten meine Emotionen adäquat auszudrücken bzw. zu vermitteln, und eine Unfähigkeit zur emotionalen Vermittlung mit dadurch bedingten Missverständnissen in der Kommunikation scheint mir langsam auch ein Problem in der Kommunikation mit Ärzten zu sein. Denn auch wenn ich meine Beschwerden sachlich korrekt und präzise sowohl in ihrer Art wie in ihrem Ausmaß und der Schwere darstellen kann, so habe ich immer mehr das Gefühl, als ob ich diese Information auf einer emotionalen Ebene nicht vermitteln kann, und das mit ein Grund dafür ist, warum die meisten Ärzte zumindest bei dem initialen Kontakt nicht verstehen, wie schwer meine Symptome sind und was sie für meinen Alltag und mein Leben bedeuten.

Ganz generell habe ich Gefühle (und davon nicht zu wenig, nur nicht unbedingt in den Situationen, bei denen man laut der gesellschaftlichen Norm Gefühle haben sollte) und bin auch weit davon entfernt ein Egoist zu sein und kann Empathie unter bestimmten Umständen durchaus empfinden. Vor allem ist mir das Wahren von ethischen Werte sehr wichtig (wobei das tatsächlich mehr rational-moralisch verankert ist, nicht (bezogen auf alle Menschen) emotional), und ich habe ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Um jemanden mit Respekt zu behandeln, gerecht zu sein und ethisch zu denken und möglichst danach zu handeln, muss ich schließlich nicht mich in andere, mir fremde Menschen einfühlen können.

Daneben gibt es noch ein paar kleinere Dinge, die nicht "völlig" normal, aber auch noch hochgradig auffällig sind, wie meine Abneigung von plötzlichen, unangekündigtem Körperkontakt insbesondere von fremden Menschen (aber auch bei bekannten Menschen/Familie mag ich Körperkontakt nur einer bestimmten Dosis und in bestimmten Situationen), von Smalltalk (...finde ich ermüdend, anstrengend und sinnlos; habe ihn aber einigermaßen gelernt) und von starken Licht- und Geräuschreizen (...Discos und Bars waren für mich immer der blanke Horror gewesen, und ich war in meiner Jugend genau zweimal in diesen Etablissements).

Sozialen Kontakt außerhalb meiner Familie und außerhalb des Umgangs mit Ärzten und Klinikpersonal habe ich jetzt natürlich nicht mehr.

Bei dem eingangs erwähnten Gespräch mit dem neurologischen Oberarzt (der im Übrigen ein unter Neurologen seltenes Exemplar eines fachlich kompetenten und durchaus einfühlsameren Arztes war) kam mir aufgrund der Rückmeldung des Neurologen (und seiner Frage, ob ich überhaupt an einer weiteren Diagnostik interessiert sei, er spüre ein Stück weit Ablehnung, was angesichts meiner Erfahrungen mit Ärzten auch nur zu verständlich sei) erstmals der Gedanke, ob hier ein möglicher Asperger-Autismus doch auch heute für mich und auch für mein jetziges, von den schweren körperlichen Erkrankungen bestimmten Leben relevant sein könnte, und ob eine Diagnose mir auch in meiner jetzigen Situation helfen könnte. Konkret für die erwähnte Situation hätte eine Diagnose vielleicht bedeutet, dass er meinen mangelnden Blickkontakt von Beginn an hätte richtig einschätzen können und nicht als Zeichen von Desinteresse und Ablehnung interpretiert hätte.

Zudem könnte theoretisch ein etwaig bestehender Asperger-Autismus in meinem Fall im Rahmen meiner genetischen Defekte zu sehen sein.

Andererseits befürchte ich auch wieder negative Folgen, das Abstempeln zu einem "Psycho", was ich mit Sicherheit nicht bin (tatsächlich musste ich zwangsläufig in all den Jahren eine große mentale Stärke entwickeln, sonst wäre ich nicht mehr hier). Überhaupt sehe ich Asperger nicht per se als Behinderung an.

Mir stellen sich also aktuell vor allem zwei Fragen.

1. Wäre mit diesen Dingen, die ich beschrieb, die Diagnose eines Asperger-Autismus tatsächlich zu erwägen, und wenn ja, wie hoch wäre die Wahrscheinlichkeit schnell und unkompliziert eine Diagnose zu bekommen, so denn ein Asperger-Autismus vorläge? Eine Therapie im eigentlichen Sinne brauche ich ja nicht, und ich habe weder Lust, Kraft noch Zeit neben meinen schweren entkörperliche Problemen und Behinderungen und der diesbezüglich noch längst nicht abgeschlossenen Diagnostik einen weiteren Diagnose- und Ärztemarathon zu bestreiten.

2. Wäre eine Diagnose in meiner Situation vermutlich eher von Vor- oder von Nachteil?

Ich würde mich über Meinungen (insbesondere von Betroffenen oder Usern, die Umgang mit Betroffenen haben und/oder das Krankheitsbild kennen) freuen.

Antworten
cDr6iecXhar$lie


hatten wir das nicht alles schon, auch per pns? alles vergessen?

Taokoxn


Bei Asperger-Autisten merkt man in der Regel ziemlich deutlich, dass etwas "nicht stimmt".

Sprich sonst mal deine Eltern darauf an.

Eine Autismus-Diagnose geht nicht überall und läuft über mehrere Tage. Das kostet natürlich Zeit und Kraft.

Hast du schon Differentialdiagnosen wie z.B. die Schizoide Persönlichkeitsstörung ausgeschlossen?

CVonansDe3rZerstxärer


Meiner Meinung nach lohnt es sich das abzuklären, weil es einen selber und auch anderen mehr Informationen über die eigene Persönlichkeit an die Hand gibt.

Pro Asperger:

- deine auffällige Art bei der non-verbalen Kommunikation

- Mühe mit lokal üblichen willkürlichen sozialen Normen

- von der Umwilt wird die emotionale Mitschwingfähigkeit als vermindert wahrgenommen

- Interesse an Ehrlichkeit und Authentizität

- Besondere analytische Begabung, Überspringen einer Klasse

- Verstörung durch unerwarteten Körperkontakt oder unerwarteten persönlichen Kontakt

Natürlich sollte man alle Differenzialdiagnosen machen, damit man hinterher nicht irgendwas hat, sondern etwas aussagekräftiges, das einen weiterbringt.

Ich kenne es von Beratern, dass wenn man nicht Sachen mit Augenkontakt schildert, und den anderen wohl nicht irgendwie emotional anregt, und Sachen analytisch auseinanderlegt, dass die eigenen Schilderungen der eigenen Situation als irgendwie nicht glaubwürdig, oder erklärungsbedürftig angezweifelt werden. Ich nehme das als sehr verletzten wahr, wenn man als emotionslos beschrieben wird, oder Sachen angezweifelt werden, die man erfasst hat und wiedergibt.

Nach meinem Geschmack kann ich lange und interessante Gespräche führen, vollständig ohne Blickkontakt, nur über die Sprache. Es gibt auch jemanden mit dem wir das öfters so machen.

Ob dich die Diagnose unterstützt, wenn du beim Arzt deine Interessen vertreten willst, das weiß ich nicht. Vielleicht hängt dem Arzt ja etwas anderes quer, vielleicht kann er dir kaum helfen, oder es ist anstrengend, oder er weiß nicht was er noch machen soll, oder er hat viel zu tun.

Trotzdem finde ich es im wesentlichen grundsätzlich vorteilhaft, wenn zutreffende Diagnosen auch gestellt sind, ich kann keinen Nachteil erkennen den das haben könnte.

p(elzti:er86


@ chriecharlie

Natürlich kann ich mich an das, worüber wir damals auch über PN sprachen, erinnern. Neben dem neuerlichen Ereignis und der daran anschließenden Frage, ob ein Teil der Kommunikationsschwierigkeiten mit Ärzten auf ein Asperger-Syndrom zurückgehen könnten, war das das Auslösemoment für meine hier dargestellten Überlegungen.

Ich bin aber auch an Meinungen anderer (Betroffenen) interessiert, und es ging damals meiner Erinnerung nach auch nicht um konkrete Fragen bzgl. der Diagnostik bzw. Vor- und Nachteile einer Diagnose.

Vielleicht kannst du noch etwas zu Letzterem sagen, und auch dazu, wie lang eine solche Diagnose braucht, selbst wenn der Verdacht bereits schon mehrfach ausgesprochen wurde? Einige, dem Asperger-Syndrom zugeschriebenen Eigenschaften habe ich nämlich nicht. So habe ich kein Spezialinteresse, sondern war schon immer recht breit interessiert. Allerdings könnte das m.E. auch schlicht Folge der Intelligenz sein. Wenn man über eine hohe Intelligenz verfügt - warum sollte man sich da mit einem Gebiet zufrieden geben?

@ Tokon

Meine Mutter, die vor allem für die Betreuung und Erziehung meines Bruder und mich zuständig war, hat schon früh einen eklatanten Unterschied zwischen meinem Verhalten und dem meines Bruder und des anderer Kinder bemerkt. Aber Eltern sind wohl kaum objektiv, und selbst wenn sie merken, dass ihre Kind schon immer "anders" gewesen ist (wie meine Mutter zu sagen pflegt), dann werten sie dies nicht unbedingt als (krankhaft) anormal (und das ist auch bis zu einem gewissen Grad gut so!)

Wie du allerdings auf eine schizoide Persönlichkeitsstörung kommst, ist mir schleierhaft. Eine Persönlichkeitsstörung gleich welcher Art habe ich gewiss nicht.

@ CononDerZerstärer

Bist du denn auch betroffen, oder ist es einfach ein Charakterzug von dir, dass du Menschen nicht unbedingt in die Augen schauen musst/willst und dadurch mitunter falsch eingeschätzt wirst?

Ich kenne es von Beratern, dass wenn man nicht Sachen mit Augenkontakt schildert, und den anderen wohl nicht irgendwie emotional anregt, und Sachen analytisch auseinanderlegt, dass die eigenen Schilderungen der eigenen Situation als irgendwie nicht glaubwürdig, oder erklärungsbedürftig angezweifelt werden. Ich nehme das als sehr verletzten wahr, wenn man als emotionslos beschrieben wird, oder Sachen angezweifelt werden, die man erfasst hat und wiedergibt.

Ja, genau das meinte ich. Ich vermute, das kommt daher, weil viele Menschen unbewusst immer auch zumindest zum Teil emotional das vermitteln, was sie schildern. Nicht unbedingt nur oder vor allem über die Sprache, sondern auch nonverbal.

mjond+s^terxne


1. Wäre mit diesen Dingen, die ich beschrieb, die Diagnose eines Asperger-Autismus tatsächlich zu erwägen, und wenn ja, wie hoch wäre die Wahrscheinlichkeit schnell und unkompliziert eine Diagnose zu bekommen, so denn ein Asperger-Autismus vorläge? Eine Therapie im eigentlichen Sinne brauche ich ja nicht, und ich habe weder Lust, Kraft noch Zeit neben meinen schweren entkörperliche Problemen und Behinderungen und der diesbezüglich noch längst nicht abgeschlossenen Diagnostik einen weiteren Diagnose- und Ärztemarathon zu bestreiten.

Ich betrachte Diagnosen als ein Mittel zum Zweck. D.h. (ganz allgemein gesagt) eine Krankheit wird diagnostiziert, damit man sie therapieren kann.

Wenn Du keine Therapie brauchst, sehe ich deshalb keine Notwendigkeit für eine Diagnose.

2. Wäre eine Diagnose in meiner Situation vermutlich eher von Vor- oder von Nachteil?

Wenn Du eine Diagnose hast, kannst Du Dich als behindert einstufen lassen. Den entscheidenden Vorteil würde ich darin sehen, dass Du dann leichter einen geeigneten Arbeitsplatz bekommst.

Menschlich gesehen halte ich eine psychiatrische Diagnose eher für einen Nachteil.

Ich würde mich über Meinungen (insbesondere von Betroffenen oder Usern, die Umgang mit Betroffenen haben und/oder das Krankheitsbild kennen) freuen.

Ich möchte als Mensch so gesehen werden, wie ich bin, und ich mag es nicht haben, wenn ich in eine Schublade gesteckt werde, in die ich nicht passe.

(Und eine psychiatrische Diagnose ist nichts anderes als eine Schublade.)

Aber um professionelle Hilfe zu bekommen, musste ich mich notgedrungen schubladisieren lassen.

Besonders schlechte Erfahrungen habe ich mit medizinischen Laien gemacht, die aus ihren Fehldiagnosen Schlüsse ziehen, die nicht richtiger sind als ihre Diagnose.

CponaznDerMZerustäxrer


Ich bin nicht von Asperger betroffen. Meine Persönlichkeit wird von außen u.a. als schizoid beschrieben (aus meiner Sicht reagiere ich normal auf meine Umwelt, bestenfalls ähnlich bizarr wie der Durchschnitt).

Emotional neige ich soweit ich weiss zu einem hohen Level von Vertrauen und bin mindestens durchschnittlich sozial ausgerichtet. Ich habe mir aber Vertrauen abtrainiert, und bin weitgehend genesen, nur noch vereinzelt leide ich unter isolierten Rückfällen, erlange aber schnell die Kontrolle zurück. Emotional bin ich falls ich in eine Gruppensituation geraten sollte sehr kontrolliert ("emotionslos", "Ausstrahlung von einem Nachrichtensprecher") - das ist aber nur die halbe Wahrheit, so wie du es auch beschreibst.

Ich habe auf jeden Fall eine markante Überschneidung mit Asperger. Was mir auch fehlt ist Fixierung auf ein Spezialgebiet, ich bin wohl auch nicht so intilligent (wie ich mal dachte), manche Irritierbarkeiten sind bei mir erworben, nicht wie bei Asperger gegeben. Ich neige auch nicht zu Ritualen oder Irritation wenn ein bestimmter Ablauf durchbrochen wird.

C!onanD-erZerPstärxer


Augenkontakt in Gesprächen zu halten bindet bei mir genauso viel Resourcen wie du es beschrieben hast, ich fühle mich nach kürzester Zeit als ob ich unter Drogen stehe. Mich strengt die Bearbeitung nonverbaler Kommunikationsmittel an. Dafür bin ich nicht (mehr?) gemacht. Mich strengt auch Unsicherheit bodenlos an. Wenn ich im Radio jemanden reden höre der gerade unsicher wird oder in einer peinlichen Situation ist, dann muss ich abschalten, davon stehen mir die Haare zu Berge und es erzeugt Stress.

y9uk9umxu


Diagnosen im Psychiatrischen Bereich sind mit Vorsicht zu gebrauchen.

Die Namen und Bezeichnungen einer Störung oder einer Problematik sind Modelle.

Sie bedeuten nicht, dass ein Mensch, bei dem die Krankheit/Störung etc. x diagnostiziert wird,

a) sie auch tatsächlich hat (d.h. die Diagnose ist nicht immer korrekt)

b) auch genau so ist, wie es das Krankheitsbild beschreibt.

Man kann psychische Krankheitsbegriffe so auffassen, dass sie ein Versuch sind, "auffällige", "abweichende" Merkmale zu kennzeichnen.

Viele Menschen, sehr viele, haben anscheinend ein Bedürfnis, Erklärungen für sich selbst zu finden und greifen gerne nach diesen Modellen.

Der Nachteil ist, dass man anfangen kann, Dinge in sich entsprechend dem Krankheitsbild zu deuten. Man fängt an, sich in das Krankheitsbild einzuschleichen, man identifiziert sich damit.

Ob es für dich Vor- oder Nachteile hätte, so eine Diagnose, kann ich überhaupt nicht beurteilen.

Sagen kann ich aber nur eines: Die Diagnose sollte von jemandem gestellt werden, der wirklich weiß, wovon er redet, also jemand mit gründlicher Erfahrung.

Es ist leicht, eine Diagnose verpasst zu bekommen.

Es ist nicht genauso leicht, eine zu bekommen, die korrekt ist.

Es ist nicht jedem Menschen möglich (und oft sogar seitens der "Betroffenen" gar nicht so erwünscht), zu realisieren, dass eine psych. Diagnose nur ein Modell ist, das bestenfalls nur einen Bereich eines Menschen ein wenig zu durchleuchten versucht.

Die Psychiatrie kennt den Menschen nur wenig.

Der Mensch kennt den Menschen nur wenig.

Oft wird aber so getan, als wüsste man Bescheid. Das Nicht-Wissen ist weitaus größer als das, was wir wissen.

Ich denke an Placebo.

Die Wirkungen von Placebo kann man gar nicht überbewerten.

Ähnlich wie beim Placebo kann es sich auch hierbei günstig auf einen auswirken, wenn man etwas brauchen kann (also eine Diagnose).

D.h., was dir gut tut, ist auch gut - ob es stimmt, würde ich als eher unwichtig betrachten.

Wenn du es dir gründlich überlegst, in dich hinein gehst und deutlich spürst, dass eine Diagnose gut für dich wäre - warum nicht.

Über die rechtlichen und sonstigen Folgen allerdings, so es sie denn gäbe, wäre/bin ich vollkommen überfragt

wYintersqonnWe 01


Bist du denn beruflich angekommen? Oder hast du Schwierigkeiten trotz deines IQ den Eintritt ins Berufsleben zu schaffen, dann würde ich eine Diagnose empfehlen...

Aber sonst? Was willst du damit? Du machst dir genug Gedanken, reflektierst dich... deine Probleme, kannst damit umgehen. Was würde eine klare Diagnose ändern. ":/

C"onanDe3rZeArstä$rexr


Kann auch einfach persönliche Präferenz sein.

Oder Entwöhnung von einer sozialen Einbindung. Im Sinne mangelnder Übung.

cZriec~haKrlie


inige, dem Asperger-Syndrom zugeschriebenen Eigenschaften habe ich nämlich nicht. So habe ich kein Spezialinteresse, sondern war schon immer recht breit interessiert.

Hatten wir auch schon, sowohl per PN als auch quer durch alle Threads. Nur, weil Du etwas immer wieder aufgreifst, wird es sich inhaltlich nicht ändern.

pce`lztTie@rx86


@ yukumu

Es ist leicht, eine Diagnose verpasst zu bekommen.

Es ist nicht genauso leicht, eine zu bekommen, die korrekt ist.

Es ist nicht jedem Menschen möglich (und oft sogar seitens der "Betroffenen" gar nicht so erwünscht), zu realisieren, dass eine psych. Diagnose nur ein Modell ist, das bestenfalls nur einen Bereich eines Menschen ein wenig zu durchleuchten versucht.

Die Psychiatrie kennt den Menschen nur wenig.

Der Mensch kennt den Menschen nur wenig.

Das ist mir sehr wohl bewusst. Gerade ich weiß das sehr gut.

Wie ich bereits schrieb: ich hege eine tiefe Abneigung gegen Labels und Kategorisierungen. Eine Diagnose ist auch nicht wichtig für mein Selbstverständnis und - wahrnehmung. Ich bin eben so, wie ich bin.

Allerdings zeigt mir dann doch die für mich zum Teil nicht nachvollziehbare Reaktion der Mitmenschen, dass diese mit meiner Kommunikation zumindest zum Teil nicht gut umgehen können und eigentlich vermeidbare Missverständnisse entstehen. Und ich frage mich, ob dies auch ein Teil (sicher nicht alle) meiner Schwierigkeiten im Umgang mit Ärzten erklären könnte. Da würde eine Diagnose evtl. für weniger Missverständnisse sorgen. Und da Asperger nun einmal die Diagnose ist, die meinem Verhalten noch am nähesten kommt, auch wenn ich selbst solche Kategorisierungen nicht gut heiße, gibt es nur diesen Weg.

Ich betrachte Asperger aber auch nicht per se als Behinderung und erst recht nicht als Krankheit bzw. als Persönlichkeitsstörung. Es ist schlicht eine Eigenart, eine andere Art des Denkens und der Wahrnehmung, die nicht der gültigen "Norm" entspricht. Daher finde ich auch ein Therapie zumindest in meiner jetzigen Situation völlig sinnlos, aber eine Diagnose könnte zu mehr Verständnis bzw. weniger Missverständnissen in der Kommunikation führen.

@ wintersonne

Bist du denn beruflich angekommen? Oder hast du Schwierigkeiten trotz deines IQ den Eintritt ins Berufsleben zu schaffen, dann würde ich eine Diagnose empfehlen...

Aber sonst? Was willst du damit? Du machst dir genug Gedanken, reflektierst dich... deine Probleme, kannst damit umgehen. Was würde eine klare Diagnose ändern. ":/

Ähm - hast du meinen Beitrag eigentlich wirklich gelesen? Wie bitte soll man mit einer schweren körperlichen Erkrankung und Behinderung "beruflich angekommen sein"? Mein Leben sieht so aus, dass ich nicht selbstständig leben kann, daher noch zuhause wohne, nach meinen Abitur aufgrund der Progression der Erkrankung(en) keine Ausbildung machen konnte, und ich seit 4 Jahren jeden Tag darum kämpfen muss weiter durchzuhalten und mich aufgrund der schweren Symptome nicht ins Jenseits zu befördern.

Und meinen IQ weiß ich gar nicht; es war mir im Grunde auch nie wirklich wichtig diesen genau zu kennen.

Aber sonst? Was willst du damit? Du machst dir genug Gedanken, reflektierst dich... deine Probleme, kannst damit umgehen.

Stimmt, die meisten meiner früheren Probleme habe ich für mich gelöst bzw. zumindest gut gemanagt. Aber offensichtlich gibt es in der Kommunikation immer noch (kleinere?) Probleme, zumindest in meiner jetzigen Situation. Kann gut sein, dass ich bei einem normalen Lebenslauf nach meinem Abitur meine Kompetenz diesbezüglich hätte so erweitern können, dass ich mich auch in der Kommunikationsfähigkeit einem "Normalo" vollständig angenähert hätte. Aber obwohl ich weiß, dass Augenkontakt für "Normalos" wichtig ist, und dass meinen Schilderungen eine emotionale Vermittlung fehlt (schriftlich klappt das im Übrigen viel besser), so bin ich doch nicht fähig (zumindest in meiner jetzigen, extrem belastenden Situation) an meinem Verhalten etwas zu ändern. Daran wird aber auch keine Therapie etwas ändern können, da meine Kapazitäten aufgrund der körperlichen Erkrankungen sehr begrenzt sind.

@ mond+sterne

Ich betrachte Diagnosen als ein Mittel zum Zweck. D.h. (ganz allgemein gesagt) eine Krankheit wird diagnostiziert, damit man sie therapieren kann.

Wenn Du keine Therapie brauchst, sehe ich deshalb keine Notwendigkeit für eine Diagnose.

Wenn Du eine Diagnose hast, kannst Du Dich als behindert einstufen lassen. Den entscheidenden Vorteil würde ich darin sehen, dass Du dann leichter einen geeigneten Arbeitsplatz bekommst.

Siehe das, was ich zu yukumus und wintersonnes Beitrag geschrieben habe. Ich brauche keine Diagnose um mich als "behindert" einstufen zu lassen. Erstens empfände ich Asperger in meiner Ausprägung nicht als Behinderung, zweitens brauche ich ganz gewiss nicht noch eine Diagnose um als behindert zu gelten, denn alleine meine körperlichen Erkrankungen ergeben mittlerweile einen Behinderungsgrad von 100%. Ich wünschte, es wäre anders.

@ chriecharlie

Hatten wir auch schon, sowohl per PN als auch quer durch alle Threads. Nur, weil Du etwas immer wieder aufgreifst, wird es sich inhaltlich nicht ändern

Daran kann ich mich dann in der Tat nicht mehr erinnern. Sorry, aber ich habe in den letzten Jahren so viel mitgemacht und muss so viel in meinem Kopf haben (in Bezug auf meine Erkrankungen), dass dieses Thema mit Sicherheit keinen großen Raum einnahm, und nur aufgrund der neuerlichen Situation wieder "aufgeploppt" ist. Und was heißt "alle Threads"? - ich kann mich genau an einen persönlichen Thread von mir erinnern, in dem das Thema aufgegriffen wurde (und zwar initial nicht von mir selbst).

Wenn du das also noch einmal wiederholen könntest....mein Gedächtnis ist wie gesagt leider nicht mehr ganz so gut, wie es einmal war. Hat vielleicht auch etwas mit meiner Erkrankung, die mittlerweile auch Teile des Gehirn betrifft, zu tun. Wobei es mich nicht wundern würde, wenn es einfach nur an zu viel Input im Rahmen dessen, was ich mit meinen Erkrankungen erleben muss, läge...

p$el(ztiefr86


Kann eine Verdachtsdiagnose (eine feste Diagnose brauche ich im Grunde genommen nicht) eigentlich auch ein Neurologe ohne die Durchführung der spezifischen Test stellen? Immerhin ist jeder Neurologe, auch wenn er sich primär mit somatischen neurologischen Erkrankung beschäftigt, prinzipiell dazu berechtigt psychiatrische Diagnose zu stellen (mit ein Grund dafür, warum ich gerade diesen Fachärzten misstraue)...

ykuBkumu


Eines kommt mir in diesem Zusammenhang noch in den Sinn:

Es gibt Menschen, die sehr im Leben stehen, die sich selbst und die Realitäten des Lebens nicht verleugnen.

Solche Menschen haben es nicht nötig, sich über Andere zu "erheben", da sie sich selbst annehmen können.

Es gibt aber eine ganze Menge Menschen, die Probleme mit sich selbst haben, die sie aber so nicht wahrnehmen. Sie haben dann oft ein Bedürfnis andere herabzusetzen.

Das kann offen geschehen oder auch verdeckt. Dadurch kaschieren sie ihre eigenen Akzeptanzprobleme mit sich selbst.

Sie findet man überall. Es kann der Nachbar sein, eine Kasssiererin, ein Verkäufer, ein Journalist, ein Politiker, ein Metzger, ein Lehrer - und natürlich auch ein Arzt, selbst eine Koryphäe seines oder ihres Fachs.

Das kann dazu führen, dass man dann manchmal von solchen Menschen nicht für voll genommen wird und manchmal sogar auch nicht so behandelt wird (medizinisch; nicht mit der erforderlichen Sorgfalt und dem Einsatz), wie es sein sollte (das sollte bzw. darf nicht so sein, kommt aber gelegentlich vor!).

Niemand wird das so zugeben, nicht einmal sich selbst gegenüber, aber manchmal passiert es doch.

Das sollte man vielleicht mit bedenken.

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