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Asperger Syndrom

T#okon


Kann eine Verdachtsdiagnose (eine feste Diagnose brauche ich im Grunde genommen nicht) eigentlich auch ein Neurologe ohne die Durchführung der spezifischen Test stellen?

Ein Neurologe wird sich nicht darauf einlassen. Bei den spezifischen Tests geht es nicht nur darum, offiziell als Autist anerkannt zu werden. Es ist die einzige Möglichkeit eine verlässliche Diagnose zu machen. Alles andere ist Spekulation.

p?elzGtier8x6


und natürlich auch ein Arzt, selbst eine Koryphäe seines oder ihres Fachs.

Das kann dazu führen, dass man dann manchmal von solchen Menschen nicht für voll genommen wird und manchmal sogar auch nicht so behandelt wird (medizinisch; nicht mit der erforderlichen Sorgfalt und dem Einsatz), wie es sein sollte (das sollte bzw. darf nicht so sein, kommt aber gelegentlich vor!).

Niemand wird das so zugeben, nicht einmal sich selbst gegenüber, aber manchmal passiert es doch.

Das sollte man vielleicht mit bedenken.

Ohja, da sagst du etwas Wahres...gerade bei den sogenannten Koryphäen ist das oft der Fall, zumindest bei den deutschen Ärzten.

Allerdings kann ich nicht umhin wahrzunehmen, dass dieser neurologische OA einer der seltenen Exemplare war, die mir durchaus verständnisvoll und mir wohlgesonnen erschienen. Und wenn es selbst bei diesen zu Missverständnissen kommen kann, könnte es zu einem (geringeren) Teil auch an meinem Kommunikationsverhalten liegen. Aber auf den anderen, größeren,in den meisten Fällen zutreffenden Teil (= Arroganz und Ignoranz, z.T. auch imho Persönlichkeitsstörungen und Machtgelüste der deutschen Ärzte) habe ich schon gar keinen Einfluss.

M\onsxti


Tokon

Bei Asperger-Autisten merkt man in der Regel ziemlich deutlich, dass etwas "nicht stimmt".

Das stimmt so nicht. Gerade hochbegabte und weibliche Aspies sind sehr oft in der Lage, ihre Defizite so weitgehend zu kompensieren, dass sie kaum auffallen - zumindest im Erwachsenenalter.

Ich habe selbst ausgeprägtes Asperger-Syndrom und wurde trotzdem erst mit 58 Jahren diagnostiziert, eben weil ich gut kompensieren konnte. Einzig mein Mann meinte schon vor vielen Jahren, dass ich ausgeprägte autistische Züge habe. Für alle anderen war ich ab und an zwar etwas seltsam, doch ab der Jugend stets gut integriert.

pelztier

Hast Du schon mal den "Aspie-Quiz" (--> [[http://www.rdos.net/de/)]] gemacht? Als bei mir der Verdacht im Raum stand, hatte ich ihn mehrfach gemacht (die Fragen sind immer etwas anders). Das Ergebnis war bei mir stets eindeutig. M.E. ist dieser Test der beste im Netz.

Der Verdacht auf Asperger-Syndrom liegt nahe, wenn

- man sog. Spezialinteressen pflegt, die einen Großteil der Zeit (aktiv und im Kopf) in Anspruch nehmen,

- man Probleme hat, Mimik, Gestik, Ironie, Sarkasmus, Redewendungen u. dgl. spontan zu verstehen,

- man in einzelnen Bereichen über großes Wissen verfügt, während andere Bereiche mehr oder weniger brach liegen,

- man mitunter unangenehm ehrlich und direkt ist (Diplomatie = Fremdwort ;-D ),

- man Probleme mit spontanen Besuchen und Berührungen hat,

- man großen Wert auf einen geregelten Tagesablauf legt,

- man in Gruppengesprächen, bei Massenveranstaltungen, in großen Geschäften und ähnlichem schnell reizüberflutet und überfordert ist,

- man eine andere Schmerzwahrnehmung und ein anderes Warm-/Kalt-Empfinden hat,

- man auffällig detailorientiert wahrnimmt und

- sehr empfindlich auf bestimmte Gerüche, Geräusche und Lichter reagiert.

Aspie ist man sicher nicht, wenn nur zwei oder drei der o.g. Merkmale zutreffen. Die Kombination an Eigenarten macht es zum Syndrom. Die sog. "Spezialinteressen" habe ich oben nicht ohne Grund an die erste Stelle gesetzt. Ich kenne keinen einzigen Aspie, der solche nicht hat. Dabei handelt es sich nicht um Hobbys, die man nebenbei in der Freizeit betreibt, sondern um Leidenschaften, die Ausschließlichkeitscharakter besitzen und nicht selten mit viel Arbeit verbunden sind.

Ich kann anderen übrigens sehr wohl in die Augen schauen, ohne mich dabei unwohl zu fühlen. Überwiegend schaue ich im Gespräch aber woanders hin (vor allem auf den Mund).

Meine Diagnose erfolgte durch eine anerkannte Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie. Sie wurde in einer Klinik bestätigt. Mir war die Diagnose wichtig geworden, nachdem mit mit zunehmendem Alter und aufgrund schwerer körperlicher Erkrankungen die mühsam angeeigneten Kompensationsstrategien immer schwerer fielen.

Vielleicht hilft Dir das eine oder andere ja weiter.

MConsBti


Nachtrag:

Allerdings könnte das m.E. auch schlicht Folge der Intelligenz sein. Wenn man über eine hohe Intelligenz verfügt - warum sollte man sich da mit einem Gebiet zufrieden geben?

Auch ich bin angeblich hochbegabt, d.h. als intelligent zu bezeichnen (IQ = 134-138). Die Tests wären noch besser ausgefallen, hätte ich nicht eine ausgeprägte Dyskalkulie. Trotzdem habe ich keine breit gefächerten Interessen. Mich interessieren die Naturwissenschaften und sonst fast nichts.

M]o@nstxi


Nochmals der Link (der oben funktioniert nicht) --> [[http://www.rdos.net/de/]]

pVelzt+iemr86


@ Monsti

bei den von dir erwähnten Eigenschaften kann ich fast hinter allen ein Häkchen setzen.

Das einzige, was stark herausfällt, ist die Sache mit dem Spezialinteresse. Allerdings ist das natürlich auch eine Frage dessen, was man darunter versteht. Ich habe mir bisher darunter vorgestellt, dass man sich auch innerhalb eines größeren Gebietes wie Naturwissenschaften oder Technik intensiv nur mit einem speziellenThema beschäftigt, also z.b. mit dem Echolot der Fledermäuse oder mit Flugzeugtechnik. Wenn du dagegen sagst, du seist nur an Naturwissenschaften interessiert, dann ist das ja schon ein großes Gebiet. Wenn man mich danach fragen würden, mit was ich mich am ausgiebigsten und teilweise für ein Kind diesen Alters wirklich exzessiv in der Kleinkind/Grundschulzeit und in der ersten Hälfte der Sekundarstufe beschäftigt habe, dann waren das Kunst (vor allem, allerdings nicht unbedingt Musik) und Bücher, und zwar sehr früh schon Sachbücher und Bücher bzw. dann Literatur, die meiner Altersklasse weit voraus waren. Auch später waren Kunst und Literatur noch meine Steckenpferde, und gerade mit meinen Malprojekten konnte ich Stunden und halbe Nächte zubringen; allerdings weitete sich mein Interesse in den höheren Klassenstufen auch zunehmend auf Naturwissenschaften (insb. Astrophysik, Biologie: Genetik/Evolution, Anthropologie...) und innerhalb der Geisteswissenschaften (Ethnologie, Religionswissenschaften, slavische Sprachen...) aus. Dabei gab es tatsächlich bestimmte (Teil)Gebiete (z.b. einiges in der Chemie und Mathematik, einiges in der Literaturwissenschaft...) gab, die mich als eigenständiges Fach nicht sonderlich interessierten, deren Grundkenntnisse aber notwendig waren um die Gesamtzusammenhänge verstehen zu können. Und um das analytische Verstehen und das künstlerische Abbilden von Zusammenhängen und Kausalitäten ging es mir schon immer.

, nachdem mit mit zunehmendem Alter und aufgrund schwerer körperlicher Erkrankungen die mühsam angeeigneten Kompensationsstrategien immer schwerer fielen.

Genau darum ginge es bei mir auch. Ich denke, ohne die Erkrankungen hätte ich mein Kommunikationsverhalten vollständig anpassen können. Aber mit den schweren körperlichen Erkrankungen fehlen mir einfach die Kapazitäten.

Pslanpetenxwind


Ich komme mit dem Test nicht klar. ":/ Jedes mal heisst es ich hätte Kontrollfragen uneinheitlich beantwortet. ;-D Dabei hab ich mir echt Mühe gegeben. Und es sogar noch ein zweites mal versucht. Ich schätze ich interpretiere manche der Wortlaute der Kontrolfragn anders und antworte dann anders. Aber bei so vielen Fragen finde ich die Übeltäter nicht. |-o

y>uk~umu


Bedenken könnte man auch, dass Asperger auch zu einer Art "Mode-Diagnose" geworden ist.

Es gibt Menschen, bei denen die Diagnose zutrifft und vielleicht sogar noch mehr, bei denen sie nicht zutrifft.

Das Bedürfnis sehr vieler Menschen nach einer Diagnose, womit sie sich identifizieren können und auch glauben, sich selbst dadurch besser zu verstehen können, wird sehr unterschätzt.

Sehr viele Menschen suchen einen "Ort", eine "Erklärung". Manche finden dieses "Zusause" bei einem vermeintlichen Asperger, andere bei ADHS, andere bei Hochsensibilität usw.

Die Nachfrage ist riesig.

Die "Chancen", die gewünschte Diagnose verpasst zu bekommen, auch wenn sie nicht zutrifft, stehen ziemlich gut.

Mto&nsxti


Die "Chancen", die gewünschte Diagnose verpasst zu bekommen, auch wenn sie nicht zutrifft, stehen ziemlich gut.

Nicht bei einer seriösen Diagnostik, und schon gar nicht bezüglich des Asperger-Syndroms. Dafür ist die Kombination an "Symptomen" einfach zu eindeutig. Zudem darf man nicht außer Acht lassen, dass diese Autismus-Variante erst Anfang der 90er Jahre bekannter wurde. Von "Mode-Diagnose" kann zumindest bei uns in Österreich keine Rede sein.

pcelz1tieHr8x6


@ yukumu

Die "Chancen", die gewünschte Diagnose verpasst zu bekommen, auch wenn sie nicht zutrifft, stehen ziemlich gut.

Von diesem Wunsch kann bei mir wiederum auch keine Rede sein. Wenn es Asperger nicht ist, ist es auch gut. Wenn er es aber sein sollte, wäre es in meiner jetzigen Situation mglw. für mich günstiger eine Diagnose zu haben, auch wenn ich eine Diagnose unter anderen Umständen mit Sicherheit nicht angestrebt hätte, da sie für mich ausschließlich Kategorisierung bedeutet hätte.

@ Monsti

Inwieweit dir die Diagnose denn Druck genommen, gerade auf dem Hintergrund deiner körperlichen Erkrankungen? Welches Verhalten von dir wird jetzt eher akzeptiert und/oder nicht mehr missverstanden?

Und wie ist das nun genau bzgl. der Spezialinteressen? Ist das wirklich so eng begrenzt, wie man es in den Medien von den Darstellungen des Autismus (auch des Asperger-Autismus) her kennt (sprich: Faszination für Eisenbahnen, geschichtliche Daten, Zahlen) oder kann doch ein größeres Gebiet von Interesse sein, wie z.B. bildnerische Kunst, und alles, was dazugehört (Kunstgeschichte und die Fachdisziplinen, die in ihr enthalten sind)? Bei mir wäre vermutlich das Letztere das früheste und konstanteste Interesse gewesen. Ich habe nicht nur früh ziemlich gut gemalt/gezeichnet und habe damit zum Teil sehr viel Zeit verbracht, sondern ich habe auch schon in der Grundschule Bücher über Kunstgeschichte und Künstler gelesen, wie z.B. über Frida Kahlo, Leonardo da Vinci etc pp.

Anders gefragt: Was bedeutet bei dir konkret Interesse für Naturwissenschaften?

M)oGns}ti


Der Druck wurde mir insofern genommen, als ich mittlerweile zu meinen Defiziten und Eigenarten stehen kann, ohne mich zu schämen. Das ist schon sehr viel. Ich bin authentischer geworden, was von meinem engsten Kreis auch problemlos akzeptiert wird.

Meine Spezialinteressen haben sich im Verlauf des Lebens öfters verändert. Angefangen hatte es mit Malen und Zeichnen. Mit 3 Jahren konnte ich bereits perspektivisch zeichnen, mit 4,5 Jahren konnte ich lesen. Mit der Pubertät stürzte ich mich auf das Klavierspielen. Später folgten Geographie (habe ich studiert), Natur- und Makrofotografie, Schmetterlingsaufzucht und schließlich die Mikroskopie und Moore. Zu meinen Untersuchungen in Mooren gibt es auch eine Homepage, die mein Spezialinteresse am besten beschreibt --> [[http://moor-impressionen.at]], ebenso gibt es bereits mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen.

pjel{ztieJr8x6


Meine Spezialinteressen haben sich im Verlauf des Lebens öfters verändert.

Ah okay, danke für die Erläuterung. Wenn man auf entsprechenden Seiten über das sogenannte Spezialinteresse liest, wirkt es nämlich fast so, als ob Asperger-Autisten in ihrem gesamten Leben nur ein einziges, konstant bleibenden, auch innerhalb des Fachgebietes sehr begrenztes Interesse haben und ausleben.

Oft wird das auch in den Medien so dargestellt, und das mag auch für die schwerer betroffenen Asperger zutreffen.

Mzon stxi


Planetenwind

Jedes mal heisst es ich hätte Kontrollfragen uneinheitlich beantwortet.

Komisch, einen solchen Hinweis gab es bei mir noch nie. Allerdings lese ich die Fragen auch sehr genau, da manche durchaus irreführend gestellt sind. Z.B. "Hast du Spaß an Mannschaftsportarten?" versus "Hast Du eine Abneigung gegenüber Mannschaftssportarten?" Bejahst Du beides, so wurden die Fragen uneinheitlich beantwortet. ;-)

Pqlanetevnwinxd


Also ich habe gestern Nacht den Test zweimal versucht und wirklich sehr aufmerksam gelesen, ich weiss auch nicht welche der Fragen mir das Problem machten. Verstehe was du meinst mit dem Beispiel. Wobei mir vorhin möglicherweise was aufgefallen ist: da gabs ne Frage ob ich viel Regelmäßigkeit brauche (weiss den Wortlaut nicht mehr), das hatte ich bejaht. Und dann die Frage ob mein Rhythmus vom normalen 24h Rhythmus abweicht, was ich auch bejaht habe. Vielleicht hat sich das widersprochen? ":/ Das Problem ist, dass ich einderseits tatsächlich eine Regelmäßigkeit brauche, aber mein "Rhythmus" sich rund um die Uhr dreht, eben weil ich meist etwas später ins Bett komme, als ich sollte und wenn ich dann ausschlafen will, stehe ich halt einen Tick später auf als am Vortag. :=o Vielleicht sollte ich bei der Antwort mal was ändern.

P.lane3tenwixnd


Jetzt hats geklappt! ;-D Wahrscheinlich wars genau diese Frage.

Test sagt sehr wahrscheinlich Asperger.

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