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Beziehung mit unsicherem und labilem Menschen?

P]henolpUhtalezin hat die Diskussion gestartet


Hallo ihr Lieben,

es geht um meinen Freund, wir sind erst seit August zusammen. Es war für uns beide Liebe auf den ersten Blick, ich konnte mein Glück nicht fassen, so einen wundervollen, intelligenten, wunderhübschen Menschen meinen Freund nennen zu dürfen.

Mittlerweile habe ich hinter die Fassade gesehen und es zerreißt mir das Herz zu sehen, wie viele Probleme er hat. Er spricht von seinen "Eigenheiten" die er eben hat. Ich sehe da nur schlimme Komplexe, die sein ganzes Leben beeinflussen.

Er ist Jurist, hat es bereits in eine der top Kanzleien geschafft, er ist objektiv betrachtet ein richtig richtig hübscher Mann. Ich bekomme regelmäßig die Frage ob er denn noch einen Bruder hätte. Er hat liebe Freunde und eigentlich könnte alles super sein. Ist es aber nicht. Er findet sich selbst hässlich. Am Anfang dachte ich das geht eher in Richtung fishing for compliments, aber nein... Das Ganze geht soweit, dass er es hasst sich mit anderen Menschen zu treffen, er hasst es fortzugehen, Abende in einer netten Runde zu verbringen... Ich dachte wieder, ja ok, ist er eben nicht so gesellig, gibts auch... Wie ich mittlerweile weiß, bekommt er regelrechte Panikattacken wenn er sich mit anderen Leuten treffen muss, auch wenn es sich um seine Freunde handelt. Die könnten dann sehen, dass ihm langsam die Haare ausfallen (er hat noch total volles Haar, höchstens minimale Geheimratsecken ":/ ), die sich dann dies und das denken und überhaupt er ist zu hässlich sich zu zeigen. Ich meine wenn er jetzt wirklich nicht der Hübscheste wäre, könnte ich solche Gedanken ja noch ein wenig nachvollziehen. Aber er wurde zB. schon angesprochen, ob er modeln möchte...also ich sage jetzt nicht nur mit meiner rosa Brille, dass er ein hübscher Mann ist. Ich verstehe generell nicht, wie man sich selbst so über sein Äußeres definieren kann :-/ Hinzu kommt das eigentlich schlimme Problem: Seine massiven Schlafprobleme. Er darf keinen pieps hören, alles muss dunkel sein, es darf kein Termin anstehen, es muss Essen im Haus sein, sollte der Fall eintreten er muss mitten in der Nacht was essen (ja genau wtf) und er darf mich auf keinen Fall neben sich schlafen sehen (haben ne Kissenwand im Bett aufgebaut), wenn auch nur ein Parameter leicht abweicht kann er nicht schlafen. und wichtigste Regel: Es darf nicht nach 11 sein. Wenn er nach 11 ins Bett kommt, kann er nicht mehr einschlafen. Er liegt dann wirklich bis 6 wach. Er ist in einer richtig krankhaften Gedankenspirale drinnen... Er steht an einem Arbeitstag um 9:15 auf, arbeitet bis 8 und geht um 11 schlafen. Ihr könnt euch denken wieviel er vom Tag hat.

Er hat sich nie wirklich durchchecken lassen...war bei einem Schlafexperten, der ihn mit Delorazepam nach Hause schickte %-| Er meint, das war alles immer schon so und das ist eben sein Charakter. Ich erkenne hingegen eine Neurose nach der anderen in seinem Verhalten und verstehe nicht wie er sich damit abfindet, sich sein Leben selbst so schwer zu machen.

Es geht ihm ja absolut nicht gut damit und unsere noch sehr frische Beziehung ist mittlerweile durch seine ganzen Probleme ziemlich belastet. Er merkt, dass ich mit seinem Verhalten eben nicht klar komme und fühlt sich nicht akzeptiert. Was ich ja absolut nachvollziehen kann, aber ich weiß auch nicht wie ich mich anders verhalten soll, weil mich eben wirklich viele Dinge stören, die auf seinen Komplexen basieren. Er sieht es nur als Charakterunterschiede, ich fühle mich manchmal als hätte ich einen Sack Ballast bekommen :°(

Ich bin kurz davor auszusprechen, dass ich diesen Mann liebe, weiß aber auch nicht ob ich mit den ganzen Problemen dauerhaft klarkomme.... Ich habe ihm zur Therapie geraten, ob er sie macht ist eine andere Frage. Ich bin sehr selbstbewusst, weiß wer ich bin, was mich ausmacht. Bei ihm habe ich das Gefühl er definiert sich grade nur über diese Beziehung, ist so extrem fixiert auf mich, dass mir manchmal die Luft zum atmen fehlt. Er wirkt so labil, dass er mir auch nicht das Gefühl gibt, als könnte ich mich an ihn anlehnen, dass er eine Stütze für mich sein könnte. Ich bin täglich nur damit beschäftigt, seine "Macken" hinzunehmen und darauf zu achten, dass die Stimmung nicht völlig kippt. Könnt ihr mir zu irgendwas raten? Hat jemand Erfahrung wie man mit Menschen mit absolut null Selbstbewusstsein umgeht? Hat so eine Beziehung eine Zukunft?

Antworten
aayaJsxha


Puh, das hört sich alles nicht gut an. Ich hatte auch mal eine Beziehung mit einem extrem unsicheren, labilen Menschen und es gab kein happy end. Mein Ex war auch sehr attraktiv, überaus beliebt und wirkte nach außen total selbstbewusst. Aber hinter der Fassade sah es ganz anders aus, und das war unglaublich zermürbend für mich. Letztendlich kaputt gegangen ist es an seinen Bindungsproblemen/Beziehungsunfähigkeit, aber seine tiefe Unsicherheit war eine Ursache dafür. Ich war irgendwann einfach nur noch total erleichtert, dass ich mir um seine Probleme keine Sorgen mehr machen musste.

Die traurige Wahrheit ist, dass du als Partnerin keinen Einfluss darauf hast, wie er sich mit sich selbst fühlt - du kannst ihn lieben, aber ihm nicht helfen und schon gar nicht retten. Das muss er schon alleine tun. Wenn er das gar nicht will, bleibt dir nur noch zu gehen, bevor seine Ängste, Neurosen und Komplexe dich auch kaputt machen. Wenn seine Probleme eure Beziehung nach nur wenigen Monaten schon so belasten, habt ihr sicher keine Zukunft (und das kann ich verstehen - ich möchte nie wieder so eine Beziehung haben).

C4anis&Majoris9x3


@ Phenolphtalein:

In einigen Teilen deiner Beschreibung deines Partners erkenne ich mich wieder. Insbesondere, was die Eitelkeit angeht und interessanterweise gerade meine Haare - ich achte jeden Tag darauf, ob sich was auf der Kopfhaut verändert hat, ob es nicht weniger geworden ist. Ich gehe auch zum Brötchen holen nie ungestylt aus dem Haus und bin eigentlich nie zufrieden mit meinem Aussehen, immer gibt es irgendetwas zu meckern. Ob das bei mir jetzt noch im gesunden Rahmen ist, sei mal dahingestellt, aber eins ist sicher: Ich suche in der Hinsicht dauernd nach Bestätigung, weil ich sie brauche, und es ist ein Punkt, an dem man mich leicht treffen kann, falls mal eine falsche Bemerkung fällt. Dieses Verhalten kommt allerdings nicht von ungefähr - es gibt Ursachen und ich weiß, was die Ursachen sind. So wird es auch bei deinem Partner sein - auch, was seine anderen Besonderheiten angeht.

Die Aussage deines Partners, es sei "schon immer" so gewesen, deute ich als unzureichendes Vertrauen dir gegenüber, die Ursachen zu offenbaren. So habe ich es auch immer gemacht, als ich noch verschlossener war und keinem meine Probleme anvertrauen wollte, obwohl eindeutig von außen zu erkennen war, dass welche da sind. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass dein Partner die Ursachen wirklich nicht weiß, oder sie verdrängt hat und das Verhalten sich unbewusst über die Zeit geformt hat. Für mich persönlich steht jedoch fest: Solche Verhaltensweisen tauchen nicht "einfach so" auf. Auch nicht das Schlafproblem, das scheint ja wirklich extreme Ausmaße zu haben. Versuche, der Sache auf den Grund zu gehen. Hast du vielleicht dennoch eine Vermutung, woran es liegen könnte? Irgendetwas in der Vergangenheit vielleicht?

Du schreibst, dass er sich über eure Beziehung definiert - vielleicht sieht er diese als eine Form der Bestätigung und ist daher süchtig danach. Bist du zufällig seine erste Partnerin?

PwhenoLlpht=aleRin


Danke für eure Antworten.

Ich war irgendwann einfach nur noch total erleichtert, dass ich mir um seine Probleme keine Sorgen mehr machen musste.

Ja das kann ich mir gut vorstellen. Ich bin eher ein Mensch der Dinge nicht so schwer nimmt, ich hänge mich nicht an Problemen auf, sondern schau einfach wie man da jetzt am besten weiterkommt... Ich kann gar nicht nachvollziehen, wie man sich selbst das Leben so schwer machen kann ":/

Die traurige Wahrheit ist, dass du als Partnerin keinen Einfluss darauf hast, wie er sich mit sich selbst fühlt - du kannst ihn lieben, aber ihm nicht helfen und schon gar nicht retten.

Er meinte letztens er fühlt sich mit seinem Schlafproblem allein gelassen, weil ich zu wenig auf ihn eingehe. Ich bin bei solchen Dingen aber recht pragmatisch. Wenn man jammert, dann sollte auch der Wille da sein das Problem anzugehen. Natürlich tut er mir schrecklich leid, aber wenn er mal wieder sagt, er kann jetzt nicht mehr einschlafen, weil es schon einige Minuten nach 11 ist, kann ich nur noch mit den Augen rollen %-| Er geht davon aus, dass das eben so ist und er damit leben muss....

@ CanisMajoris93

Er ist ein sehr ehrlicher Mensch, wir führen eine sehr offene Beziehung und sagen uns alles. Er ist extrem direkt und hat mir schon so manches Mal schonungslose Ehrlichkeit entgegen gebracht ;-D Also ich glaube nicht, dass er weiß woran das liegt. Ich glaube er hinterfragt das so auch gar nicht. Weil er das alles eben als Charakter einstuft, seine Ängste, Komplexe und diese kranken Gedankengänge.... Er sagt aber selbst von sich, dass er weiß, dass er sonderbar ist. Die Komplexe kamen mit der Pubertät, geschlafen hat er schon immer schlecht. Aber so schlimm ist es wohl erst seit es auch auf der Arbeit stressiger wurde.

Er hat kein gutes Verhältnis zu seinem Vater und ich kann mir schon vorstellen, dass er vielleicht eine gewisse Bestätigung von Zuhause nie bekommen hat, dass er sich so unsicher fühlt. Aber das ist jetzt reine Küchenpsychologie meinerseits. Seine Mama ist total lieb, sie stehen sich auch nahe, aber ansonsten kann man absolut nicht von einem warmen herzlichen Familienklima sprechen. Auch mit einer Schwester spricht er nicht und sich haben nichts miteinander zu tun. Warum hab ich leider noch nie verstanden, er meinte sie mögen sich einfach nicht, weil sie so unterschiedlich sind.

Ich bin seine 3. längere Beziehung. Die letzte ging wohl auch aufgrund seines Schlafproblems in die Brüche. Aber du hast schon recht, er hat vor mir viele Frauen angesprochen und er sagt ganz offen, dass er das nur zur Bestätigung braucht. Um Sex geht es ihm in dem Moment gar nicht.

Ich hoffe echt er überlegt sich den Gang zum Psychologen. Ich darf diesbezüglich nichts mehr sagen, er fühlt sich unter Druck gesetzt. Ich habs in meiner Verzweiflung wohl übertrieben mit dem guten Rat :-/

Pplüs(chbiexst


Gib ihm ein paar Wochen Zeit zum Nachdenken und dann sprich das Thema nochmal an.

Sag ihm dass du dir Sorgen um ihn machst.

Sobald du Sätze sagst wie, mich stört aber das....., wird er abblocken.

Er muss gewisse Rituale einhalten, weil sie ihm Sicherheit geben.

Würde er sie unterlassen , würde er sich unwohl fühlen.

f]ussHelx88


Ich war irgendwann einfach nur noch total erleichtert, dass ich mir um seine Probleme keine Sorgen mehr machen musste.

Das habe ich genauso erlebt. Ich war 4 Jahre mit einem Mann zusammen, der psychische Probleme hatte und ich fühlte mich am Ende wie seine Mutti. Ich da irgendwann ausgebrochen.

Ich bin bei solchen Dingen aber recht pragmatisch. Wenn man jammert, dann sollte auch der Wille da sein das Problem anzugehen. Natürlich tut er mir schrecklich leid, aber wenn er mal wieder sagt, er kann jetzt nicht mehr einschlafen, weil es schon einige Minuten nach 11 ist, kann ich nur noch mit den Augen rollen %-|

Das geht nicht. Du kannst einem depressiven Menschen ja auch nicht sagen: Alter, reiß dich mal zusammen! oder einer magersüchtigen Person: Komm, jetzt iss das und gut ist!

Das geht bei psychischen Krankheiten nicht. Und ganz offensichtlich läuft da was nicht normal ab.

K.ris`iuPn86


Die Komplexe kamen mit der Pubertät, geschlafen hat er schon immer schlecht. Aber so schlimm ist es wohl erst seit es auch auf der Arbeit stressiger wurde.

Also ein gesunder Schlaf ist doch absolut lebenswichtig. Wie kann er, wenn er schon so lange ein Problem damit hat, einfach nichts unternehmen, damit das besser klappt?

Ich sehe es auch so: Das sind krankhafte Komplexe (aus welchen Gründen auch immer) und diese sollten von einem Psychologen angegangen werden.

a0.Ffish


Weil er das alles eben als Charakter einstuft, seine Ängste, Komplexe und diese kranken Gedankengänge.... Er sagt aber selbst von sich, dass er weiß, dass er sonderbar ist.

Mh, das finde ich kritischer als all die existierenden Probleme. Denn damit verbaut er sich mMn den Weg, sie zu lösen. Wenn er das als Teil seiner Identität ansieht, wird er wohl kaum eine Therapie o.ä. anstreben, die - aus seiner Sicht - darauf abzielt, Teile von ihm zu verändern. Die eigene Identität und das Selbstbild schützen Menschen oft mehr als alles andere, denn jeder "Angriff" darauf geht quasi sofort an die eigene Existenz.

Wenn man lange mit solchen Problemen lebt, ist es, denke ich, recht normal, dass man diese in sein Selbstbild einbaut und vielleicht ein Stück weit auch als eigene "Besonderheit" aufwertet. Niemand will sich defizitär fühlen. Lieber ist man dann seltsam, verschroben, hat Macken - damit macht man sich ja auch ein bisschen interessant und andere Menschen können sich um einen kümmern (was er sich wohl auch von Dir erhofft). Man hat immer ein Thema, um das man kreisen kann und wenn sich der Partner darauf einlässt und das mitmacht, hat man eine recht verlässliche Bindung . Zumindest bis einer evtl. genug hat und aussteigt, wie es hier ja schon einige geschildert haben.

Also, puh, ich will ihm gar nichts negatives unterstellen, schon gar keine böse Absicht, aber auf mich wirkt das wie eine Beziehung "mit umfangreicher Bedienungsanleitung", wie es hier mal jemand so schön schrieb, und das mit Ankündigung.

PThenoIlphtalexin


Das geht nicht. Du kannst einem depressiven Menschen ja auch nicht sagen: Alter, reiß dich mal zusammen! oder einer magersüchtigen Person: Komm, jetzt iss das und gut ist!

Das geht bei psychischen Krankheiten nicht. Und ganz offensichtlich läuft da was nicht normal ab

Ja das ist mir klar. Aber es geht ihm ja offensichtlich nicht gut und er fordert ja auch meine Unterstützung ein. Nur in welcher Form er die haben möchte, kann ich nicht nachvollziehen. Von Mitleid ist noch nie was besser geworden. Das er von einer Therapie selbst überzeugt sein muss sehe ich ein. Ich merke nur, wie sich seine Probleme auf mich übertragen. Ich schlafe mittlerweile auf dem Sofa, weil ich neben ihm auch nicht mehr schlafen kann. Ich habe angefangen ständig darauf zu achten, ob er nun denn schläft und er wälzt sich ständig hin und her und geht mehrmals auf die Toilette. Der Schlafmangel hat mir dann auch noch zugesetzt. Ja vielleicht, bin ich da auch echt ein wenig zu schroff und sehe es aus dem falschen Blickwinkel. Ich versuche dem ganzen nur ein wenig mit Abstand zu begegnen, weil ich mir vorstellen kann, dass man sich da schnell mit nach unten ziehen lässt. Davon hätten wir dann beide nichts. Dass er sich dann alleine gelassen fühlt kann ich aber nachempfinden. Danke für deinen Input.

Das habe ich genauso erlebt. Ich war 4 Jahre mit einem Mann zusammen, der psychische Probleme hatte und ich fühlte mich am Ende wie seine Mutti. Ich da irgendwann ausgebrochen.

Ha da sagst du was... er meinte eh schon mal er fühlt sich bei mir gleich umsorgt wie bei seiner Mutter (im positiven Sinne). Ich musste erstmal schlucken. Anfangs hab ich ihn auch echt umsorgt, mit Bekochen, hab Besorgungen für ihn gemacht, weil er ständig so gestresst ist. Das hab ich aber mittlerweile gelassen....spätestens seit dem Spruch :-o

Wenn er das als Teil seiner Identität ansieht, wird er wohl kaum eine Therapie o.ä. anstreben, die - aus seiner Sicht - darauf abzielt, Teile von ihm zu verändern.

Ja genau hier liegt der Hund ja auch begraben. Er nimmt das ganze einfach so an. Deine Erklärung dazu finde ich sehr schlüssig und ich kann mir durchaus vorstellen, dass er das auch so sieht. Und die Bedienungsanleitung hätte ich gerne :°(

Ich finde auch seine Prioritäten komplett falsch gesetzt. Er wüsste zB. auch nicht wann er eine Therapie machen könnte, weil sich das bei ihm zeitlich gar nicht ausgeht. Mal eine Stunde früher aufstehen oder frei nehmen kommt nicht in Frage....

Ich fühle mich mit ihm einfach extrem eingeschränkt und ich weiß einfach nicht, wie ich seinen "Eigenheiten" und meinen Bedürfnissen gleichzeitig nachkommen soll.

Er wohnt zur Zeit bei mir (anderes Thema) bis Anfang Dez. Nächste Woche kommt mein Bruder zu Besuch mit Freunden. Ich wohne im Ausland und sehe ihn deshalb nicht so oft. Mein Freund möchte nicht, dass Leute zu mir in meine Wohnung kommen, solange er hier ist. Eben aufgrund seiner Komplexe und wenn er zB wüsste das am Abend eine meiner Freundinnen vorbeikommt, könnte er den ganzen Tag nicht arbeiten, weil er so unruhig wäre.

Nun geht mein Bruder extra in ein Hotel, er hat ansonsten aber immer bei mir übernachtet. Mein Freund meinte zwar es sei kein Problem, wenn er bei mir/uns schlafen würde, aber ich kann mir das Drama drum rum schon vorstellen. Jedenfalls würde ich meinen Bruder gerne zum essen zu mir einladen, weiß aber, dass das für meinen Freund wieder mega Stress wäre. Heute hat er mir gesagt, dass er an besagten Tag wegfährt... er hat den Braten wohl gerochen. Ich hatte extra nichts gesagt, damit er nicht jetzt schon der Panik verfällt. Ich weiß einfach nicht wie ich damit umgehen soll. Er sieht hier einfach nur, dass wir eben einen unterschiedlichen Charakter haben, er abends eben lieber alleine ist. Ich finde das ganze einfach nur krank :|N Ich versuche ja schon so gut es geht auf ihn einzugehen. Aber das ist meine Wohnung und ich bin nicht bereit mein Sozialleben für ihn aufzugeben. Er gibt sich viel Mühe mir ein wenig entgegen zu kommen, hat sich auch schon mal mit meinen Mädels zusammen getroffen und ist mal auf eine Feier nachgekommen. Er lässt aber auch immer klar raushängen, wie er sowas hasst. Davon habe ich dann genau null. Und es geht mir auch nicht darum, dass er mit mir fortgeht...aber das mal ne Freundin vorbei kommt ohne, dass er einen Panikanfall bekommt wäre schön.

Wie würdet ihr weiter verfahren, wenn ihr in meiner Haut stecken würdet? Ihm erstmal total entgegen kommen, bis er das Problem wirklich mal angeht? Aber wie lange soll das gehen? Wie kann ich ihn denn um Himmels Willen aus dieser Misere rauskriegen?

X6i-raixn


Ich würde zwar schon auf ihn Rücksicht nehmen...aber nicht in MEINER Wohnung.

Er kann nicht neben dir schlafen? Warum schläft er dann nicht auf dem Sofa und du in deinem Bett.

Er mag keinen Besuch oder Übernachtungsgäste? Dann muss er zu der Zeit eben in seine eigene Wohnung.

Du stellst dich total auf ihn an, beachtest deine eigenen Bedürfnisse nicht mehr, und DAS wird dir zum Verhängnis. Nicht er und seine psychischen Probleme, sondern du dir. Ich weiß du meinst es nur lieb und nett und und und, aber das wichtigste, wenn man mit einer psychisch kranken Person zusammen ist, ist auf sich selbst Acht zu geben. Wenn du merkst, es belastet dich, nimm dir ruhig auch eine Auszeit. Du MUSST auf dich achten. Wenn du das nicht tust, landest du selbst ganz unten.

Es könnte ihn natürlich verletzen, wenn du sagst "heute nicht", aber ich empfinde eure Beziehung nicht als frische Liebesbeziehung.... Du machst alles für ihn, schläfst sogar auf dem Sofa statt in deinem Bett...das ist zu viel des guten...

Ich hatte selbst Depressionen und wenn ich schwere Nächte hab, gehe ICH auf das Sofa. Ob nun meine Wohnung oder die meines Freundes... Allerdings ist das nicht JEDE Nacht.

Ihr verfahrt euch jetzt schon so in alltäglichem Horror und Anforderungen...

Denk mal drüber nach, wo du euch in ein paar Jahren siehst...getrennt schlafend? Ich mein, das ist grundsätzlich möglich aufgrund von bestimmten Umständen, manche mögen es einfach nicht mit andren in einem Bett, oder mancher schnarcht gar so laut, dass man das nicht will... Aber willst du das so, wie es grad ist?

Ich würde ihn darauf ansprechen, das könnte natürlich eure Beziehungsblase platzen lassen....

Ich würde etwas sagen wie "Ich wünsche mir für dich, dass du weniger Angst hast und selbstbewusster wirst. Es tut mir weh, dich leiden zu sehen, obwohl du so ein toller Mensch bist und dir alle Türen offen stehen... Ich denke eine Therapie könnte dir helfen dich deinen Problemen und deiner Angst zu stellen damit zu langfristig mit weniger Angst leben kannst."

Keine Vorwürfe machen, einfach neutral viel in der Ich Form. Es belastet dich, aber das würde ich erstmal garnicht so sagen.

Wenn er eine Therapie aber nicht als nötig empfindet, sehe ich ehrlich gesagt sehr schwarz für eure Zukunft. Du fühlst dich jetzt schon eingeengt...noch nimmst du ihm das nicht stark übel...in 1 oder 2 Jahren wirst du das aber.

a*.fixsh


Wie kann ich ihn denn um Himmels Willen aus dieser Misere rauskriegen?

Gar nicht. Echt nicht. Du kannst nur für Dich entscheiden: wie will ich leben? Wie weit will ich mich einschränken? Wo kann ich ihm entgegen kommen?

Genau dasselbe kann Dein Freund auch nur für sich entscheiden. Wie es klingt, entscheidet er sich derzeit dafür, so weiterzuleben wie immer in der Erwartung, dass Du Dich ihm anpasst (pseudomäßig mal was mitmachen, aber dabei Schnute ziehen und gleich einen Präzedenzfall schaffen für "Ich hab's ja versucht!", nee, das zählt mMn nicht).

Und ich denke, so würde ich vorgehen. Mir immer wieder neu überlegen: was will ich gerade. Dass kann in einem Fall bedeuten, ihm entgegenzukommen, in einem anderen Fall, das eben nicht zu tun. Und dann muss er sich überlegen, wie er damit umgeht. Er ist ja schon groß und hat Optionen.

L:.vanPEexlt


Die Beschreibung Deines Partners erinnert mich an meine Schwester: Verschroben, völlig absurde Selbstwahrnehmung, was ihre Optik betrifft, Hände voll von Ticks und Macken, geringe Belastbarkeit, soziale Angelegenheiten bringen sie an den Rand eines Nervenzusammenbruchs etc. pp. Diagnose: Asperger Autismus. Sie hält sich selbst wohl für anders aber eigentlich normal, da sie ja ihre ganz eigene "Normalität" hat. Sie hat übrigens auch die Art, sich auf jemanden krankhaft emotional zu fixieren und das von Dir beschriebene, krankhafte Festhalten an Ritualen spricht auch für obige Diagnose bzw. ist zumindest ein Hinweis. Sie ist auch nur begrenzt therapierbar und eine richtige Einsicht gibt es auch nicht. Dafür ist die Persönlichkeitsstörung zu tiefgreifend und sie zu sehr in ihrer eigenen Welt.

Wie würdet ihr weiter verfahren, wenn ihr in meiner Haut stecken würdet?

Ich sehe das so, dass nur eine Beziehung auf die Art möglich ist, wie es von a.fish beschrieben wurde und das wäre für mich unmöglich. Bei meiner Schwester muss ich ihr quasi regelmäßig eine Grenze für die Tolerierbarkeit ihrer Macken setzen und ich kann den Umgang mit ihr auch nur in begrenzten Dosen "ertragen". Klingt nun härter als es soll, aber eine Beziehung würde ich mit so jemanden (nicht herabwürdigend gemeint) nicht eingehen.

Kann es sein, dass Du Dich von seinem guten Aussehen hast blenden lassen? Die von Dir beschriebenen Macken sind nichts, was man wegdiskutieren oder wegkompromissen kann, da hilft wohl nur ein dickes Fell, viel Nachsicht und Gelassenheit - und eine eigene, ganz starke und belastbare Persönlichkeit.

Für mich gibt es für eine Partnerschaft ein Maximum an tolerierbaren Macken - und das wäre bei dem von Dir beschriebenen Mann für mich überschritten.

a1.f>isrh


Wenn ich schreibe, ich würde das so machen, dann meine ich, dass ich es so versuchen würde, aber ob ich das letztendlich durchhalten könnte, weiß ich nicht. Ich ganz persönlich habe eh ein Problem mit Abgrenzung, also ich würde es wohl so versuchen und genau daran scheitern und dann endet es in viel Blut und Tränen. ;-)

PZhe-nolbpht_alein


@Xirain In seine Wohnung kann er grad nicht. Und das er auf dem Sofa schläft geht nicht, da man das Wohnzimmer nicht so abdunkeln kann wie mein Schlafzimmer. Meinen Bruder hätte ich so oder so eingeladen, aber ich hätte es ihm erst kurz davor gesagt. Das mit dem Übernachten hab ich aber lieber gelassen, das hätte ihn viel zu unruhig gemacht.

Natürlich denkt man auch weiter und wenn ich nur dran denke mal Kinder mit ihm zu haben, sehe ich rot. Kein Baby wird ab 11 ruhig sein, weil Papa jetzt schlafen muss. Ich sehe mich schon mit getrennten Zimmern, damit er nichts vom Kindergeschrei mitbekommt. Aber gut, jetzt tue ich im Unrecht. Vielleicht würde es auch ganz anders kommen, aber nur der Gedanke daran, das möglicherweise alleine stemmen zu müssen macht mir Angst. Er hat mir gleich gesagt, dass er nicht in einem Bett mit mir schlafen kann. Ich wollte es aber unbedingt und war traurig. Ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, nie wieder Arm in Arm mit jemanden einzuschlafen. Es gibt doch nichts Schöneres. Doch mittlerweile bin ich einfach froh, mal wieder ein Auge zu zu bekommen. Meine Ansprüche haben sich eh schon angepasst :°(

@ a.fish

Du hast schon recht.... ohne Therapie sehe ich ebenfalls schwarz. Er sieht das hingegen alles so, als würde ich seinen Charakter nicht akzeptieren. Er weiß eh, wie sehr mich das alles stört. Wir reden sehr viel darüber. Aber ich musste ihm mittlerweile auch versprechen, die Therapie nicht mehr zu erwähnen. Was das jetzt heißt, ob er es angehen will oder nicht, keine Ahnung. Wie sehr mich das ganze belastet weiß er glaub ich eh nicht.... er sagt mir zwar ständig ich soll immer alles sagen, aber das bringt uns gerade eh nicht weiter. In dieser Beziehung ist gerade kein Platz für mich und meine Bedürfnisse. Was nützt es auch zu sagen, hey ich würde so gerne mit dir kuscheln beim einschlafen- geht nicht; ich würde mit dir gerne mit Freunden essen gehen- geht nicht... Damit muss ich klar kommen, weil er es mir eh nicht geben kann. Darüber zu reden, versaut eh nur die Stimmung, die bei uns eh schon mehr schlecht als recht ist. Trotzdem hab ich mich verliebt, anfangs gab er sich als mega selbstbewusst und ich hätte nie nie nie gedacht, dass er so drauf ist. Ich kann ihn ja nicht einfach so aufgeben....

a#.fixsh


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