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große schuld

kdoltrxast


ich bin einfach so unendlich enttäuscht von mir und wünschte einfach ich könnte zurück zu diesen entscheidungen und wende punkten.

LEIDER ist das nicht möglich. Nicht nur für Dich nicht, sondern für niemanden.

ABER: Du kannst (mit fachkundiger Hilfe der Therapeutin), alles noch einmal "anschauen", "Revue passieren lassen", "durchstehen" und "aufarbeiten" - und dann kannst Du geläutert (ist ein blödes Wort, fällt mir kein besseres ein im Moment, bin müde...) und gestärkt weitergehen und das Ganze hinter Dir lassen.

ich bin einfach so unendlich enttäuscht von mir

dazu schreibt Danae Tröstliches und Ehrliches: ja, JEDER Mensch hat ALLES in sich und Glück, wenn er seine schwarze Seite nicht kennenlernen muss. DU hattest dieses Glück nicht, leider.

Dafür hast du diese Seite von dir nun im Blick und die Chance das du damit dann bewusster umgehst und deshalb im normalen Alltagsgeschehen weit weniger ekeligkeiten verbreitest als andere, ist ziemlich hoch.

DAS hatte ich auch schon mal angedeutet auf den letzten 11 Seiten, denn ich bin felsenfest davon überzeugt.

Dass Du das Mail abgeschickt hast, ist nicht nur ein weiterer Schritt auf Deinem Weg, sondern ein SPRUNG! @:) Weitere werden folgen, wenn Du sicherer wirst.

Hoffentlich reagiert die Therapeutin von sich aus in der nächsten Stunde darauf.

hWello Vda'rknxexss


@danae

Mh, aber du weißt ja gar nicht wie es alles gekommen wäre, hättest du dich anders verhalten. Vielleicht wäre alles anders, aber noch viel schlimmer geworden.

vielleicht. eigentlich wollte ich genau das verhindern, ich wollte dass alles ein bisschen besser wird für uns. ja, und meine kleinen geschwister beschützen. am ende kam genau das gegenteil dabei raus und nur allein durch mein verschulden.

Du bist enttäuscht weil du etwas an dir gesehen hast, woran man so im Alltag lieber vorbei guckt. Jeder Mensch hat das in sich, davon bin ich fest überzeugt, aber viele haben das Glück nie so in die Ecke gedrängt zu werden, dass sie sich von der hässlichen Seite kennenlernen müssen.

dass jeder auch "schlechte anteile" in sich trägt, das glaube ich auch und stimme dir zu. aber ich denke, der riesen unterschied ist einfach, das die meisten das zwar in sich haben, aber es in letzter konsequenz nicht realisieren und niemals realisieren würden. die haben vielleicht mal schlechte oder sogar böse gedanken, aber würden sie nie in die tat umsetzen. das ist der wichtigste und entscheidende unterschied und dabei spielt es am ende auch keine rolle mehr, ob man durch irgendwelche personen oder umstände dazu gebracht wurde oder nicht. man hat sich dazu entschieden, etwas schlechtes zu tun.

Mag sein das du einmal so richtig Prozellan zerschlagen hast. Was solls. Dafür hast du diese Seite von dir nun im Blick und die Chance das du damit dann bewusster umgehst und deshalb im normalen Alltagsgeschehen weit weniger ekeligkeiten verbreitest als andere, ist ziemlich hoch. Du kannst immerhin damit arbeiten.

das ist auch einer der wenigen dinge, die mich am laufen halten. nie wieder zurück zu dieser seite von mir, besser sein, besser werden, es stets gut machen und aus all dem schlechten zumindest die chance mitnehmen dass ich alles daran setze mich zu verbessern.

@koltrast

LEIDER ist das nicht möglich. Nicht nur für Dich nicht, sondern für niemanden.

ich weiß.

ABER: Du kannst (mit fachkundiger Hilfe der Therapeutin), alles noch einmal "anschauen", "Revue passieren lassen", "durchstehen" und "aufarbeiten" - und dann kannst Du geläutert (ist ein blödes Wort, fällt mir kein besseres ein im Moment, bin müde...) und gestärkt weitergehen und das Ganze hinter Dir lassen.

ja, hoffentlich. es ist das mindeste was ich tun kann nach allem, was war. und es ist komisch, gerade in den letzten tagen finde ich das alles sehr intensiv und schwierig, da sind so viele schlimme gedanken und negative gefühle, die nicht weg gehen und sehr weh tun ABER zugleich fühle ich auch den willen in mir es jetzt wirklich durchzuziehen und nicht mehr wegzulaufen vor dem verarbeiten.

GnroLttxig


Ich mag das Wort Schuld nicht, denn es ist mir zu endgültig, irgendwie. Ich finde Verantwortung besser, denn das wertet auch nicht so. In erster Linie kommt mir da mein Vater in den Sinn. Der hat schlimme Dinge getan und hat dafür nie gerade gestanden. Und ja, er hat darunter gelitten, so sehr, dass er von mir immer die Absolution wollte, die ich ohm nie geben konnte. Denn es war nicht meine Aufgabe. Er hätte sich vor sich selbst die Verantwortung geben müssen und seine Taten vor sich selbst bereuen. Er hat es nie verstanden. Im November ist er gestorben. Er hatte sehr viele Freunde und war sehr bekannt in der Stadt. Als es darum ging, wer die Urne zu Grabe trägt, habe ich dafür gesorgt, dass ich das mache und kein anderer. Und das aus einem Grund. Ich wollte dass er sich der Wahrheit stellt (der er nie ins Auge blucken konnte) und nicht wissentlich oder unwissentlich von Freunden in eine Lüge gebettet wird. Und das habe ich ihm an seinem Totenbett auch so gesagt. Und so bescheuert das jetzt klingen mag. Er war einverstanden und dankbar dafür. Jetzt weiss ich, er ruht in Frieden. Und ich bin befreit.

h)ello dMarkn>ess


hallo grottig und danke für deine sehr persönlichen zeilen!

leider kann ich nicht viel dazu sagen, ich habe angst nicht die richtigen worte zu finden und will nichts fragen was wahrscheinlich zu intim ist. aber ich bin froh dass du befreit bist. wie gut!

und spannend was du hier sagst:

Ich mag das Wort Schuld nicht, denn es ist mir zu endgültig, irgendwie.

endgültig, hm. ich emfinde es ja auch so, aber nicht unbedingt als wertung gemeint. ich weiß aber einfach, dass es bleibt. ich hoffe sehr dass ich es irgendwann hinkriege besser damit klarzukommen, aber trotztdem glaube ich, dsass es immer bleiben wird.

k3ol'tvraCst


in den letzten tagen finde ich das alles sehr intensiv und schwierig, da sind so viele schlimme gedanken und negative gefühle, die nicht weg gehen und sehr weh tun ABER zugleich fühle ich auch den willen in mir es jetzt wirklich durchzuziehen und nicht mehr wegzulaufen vor dem verarbeiten.

Die Bewältigungsarbeit hat begonnen - und die innere Stärke ist am Wachsen. Ich lese das zwischen Deinen Zeilen. Du packst es diesmal; SO nahe dran warst Du wahrscheinlich noch nie in den letzten Jahren.

ich emfinde es ja auch so, aber nicht unbedingt als wertung gemeint. ich weiß aber einfach, dass es bleibt. ich hoffe sehr dass ich es irgendwann hinkriege besser damit klarzukommen, aber trotztdem glaube ich, dsass es immer bleiben wird.

Du kannst noch die Hoffnung haben, eines Tages von Deinen Opfern Vergebung zu bekommen - NACH der Aufarbeitung der Angelegenheit, wenn Du persönlich einen weiteren Reifeprozess durchgemacht hast und die Kraft gewonnen hast, den allerletzten Schritt zu gehen.

Der Vater von Grottig hat Schritte nicht gemacht, die DU schon getan hast: Du bereust zutiefst. Eine sehr schöne Geste finde ich, dass Grottig die Urne zu Grabe getragen hat.

EQmotLionxale


Hallo,

zwölf Seiten - da habe ich jetzt das meiste nicht gelesen, daher nur kurz ein paar Gedanken. Da ist es wohl so, dass Du Dich irgendwann in einer Situation wiedergefunden hast, in der Du eine Entscheidung getroffen hast, die gegen das ging, was Du als richtig empfindest. - Viele Menschen werden nicht so brachial mit sich konfrontiert (in welcher Weise auch immer, wie gesagt, ich habe nicht alles gelesen), manche würden vielleicht sagen, sie haben Glück. Sie fühlen sich aber auch nicht gezwungen, so bewusst zu reflektieren wie Du (auch wenn es einige sicher brauchen könnten).

Dass man dann erlebt, wie fehlerhaft man als Mensch sein kann, das muss man erstmal verknusen, und wenn es einem ernst ist mit dem eigenen Gewissen und dem Richtig und Falsch im eigenen Leben (genau das entnehme ich aus Deinen letzten Beiträgen auf dieser Seite), dann kann man versuchen herauszufinden, wie es bei einem selbst dazu kommen konnte und sich selbst neu sortieren (die Prioritäten, die Werte, die Wünsche wie "meine Welt" aussehen soll). Und wenn man das Gefühl hat, etwas gutmachen zu wollen oder zu sollen, dann kann man sich im Zuge dessen darauf ausrichten, anderen zu helfen, soweit einem das möglich ist (z.B. in dem Themenkreis, den die "Schuld" vielleicht berührt).

Hast Du mal den Roman "Todesengel" (von A. Eschbach) gelesen? Da geht es u.a. um einen Journalisten, der mit seiner Gier auf eine Story den Tod eines Jungen verschuldet. Am Ende der Geschichte (Jahre später) ist er Sozialarbeiter in Südamerika und holt dort Jungen von der Straße (etwas, das ohne die Schuld nicht geschehen wäre).

VG

GNrottaig


Schuld ist immer impliziert von aussen. Meist auch, um von sich selber abzulenken, und sei es nur, wenn ein Geschädigter jemanden hat, den er hassen kann. Aber auch das kann einen Geschädigten dann wunderbar von seiner eigenen Verletzlichkeit ablenken.

Ich weiss nicht, was du "angestellt" hast. Ich habe nur deinen Eingangspost gelesen, auch um zu umgehen, ob du es mittlerweile vielleicht doch gepostet hast. Einfach, um es für mich wertfrei zu halten. Aber allein dass du hier schreibst, zeigt doch eine gewisse Auseinandersetzung mit dem, was geschehen ist. Hilft dir das?

hvello( d}artkness


@ grottig

Aber allein dass du hier schreibst, zeigt doch eine gewisse Auseinandersetzung mit dem, was geschehen ist. Hilft dir das?

ja, es hilft mir. ich will mich schritt für schritt zu der chance hin arbeiten, irgendwann um verzeiung bitten zu können und vielleicht sogar ein klitze kleines bisschen wieder gut machen zu können. das möchte ich so, so unbedingt.

die kehrseite ist, dass mich das viele nachdenken über das alles sehr durcheinander bringt innerlich und es mir insgesamt nicht so gut geht emotional durch die vielen gedanken, erinnerungen, gefühle. aber das ist das mindeste was ich in kauf nehmen muss, wenn ich will dass sich etwas ändert. deswegen ist das schon ok so.

übrigens nein, ich habe nicht aufgeschrieben, was ich damals gemacht habe. ich will es nicht und inzwischen ist mir der austausch hier so eine wichtige stütze geworden, dass ich das nicht aufs spiel setzen möchte.

@emotionale

hallo emotionale und danke für deinen beitrag. das buch kenne ich nicht, aber über die grundidee in der geschichte habe ich auch schon oft nachgedacht. hier war es auch schon mal kurz thema (stichwort wiedergutmachung).

für mich ist es ein komplizierter punkt. seit der tat damals gebe ich mir wahnsinnig mühe, ein guter mensch zu sein. wahrscheinlich eher passiv (keine fehler machen, niemandem in die quere kommen, zu allen, mit denen ich zu tun habe nett, hilfsbereit und zuvorkommend sein, anderen gefallen tun, usw) als im großen stil aktiv zu helfen. das heißt also dass ich mich jetzt normal und anständig verhalte, aber das löscht das verhalten von damals trotzdem nicht aus. es bleibt.

ich weiß nicht wie es wäre wenn ich aktiver rangehen würde und mich wie der man aus deinem buch intensiv für eine große gute sache einsetzen würde.

@koltrast

ja, so nah dran war ich noch nie. ich habe mich die ganze zeit über gezwungen nach vorne zu schauen und ein kleines leben aufzubauen und alle gedanken rund um das thema sehr lange "ausgeschaltet", zumindest die aktiven, reflektierten gedanken. ich werde dran bleiben.

vergebung, das weiß ich nicht, ich traue mich nicht daran zu glauben und zu viel darüber nachzudenken. aber ich würde die bestimmten personen von damals einfach gerne noch einmal sehen und mich entschuldigen. das wäre schon sehr sehr viel für mich. einfach sagen zu können dass es mir leid tut.

d;anaex87


aber ich denke, der riesen unterschied ist einfach, das die meisten das zwar in sich haben, aber es in letzter konsequenz nicht realisieren und niemals realisieren würden. die haben vielleicht mal schlechte oder sogar böse gedanken, aber würden sie nie in die tat umsetzen.

Da hälst du echt zuviel von deinen Mitmenschen, würde ich sagen. Kennst du "das Experiment" oder "die Welle"? Es ist vielmehr so, dass die allermeisten Menschen sehr viele hässliche Dinge tun wenn die Umstände passen. Und da geht es um Menschen die nichtmal selbst in eine Ecke gedrängt wurden sondern einfach um Menschen die plötzlich die Möglichkeit bekamen so richtig die Sau raus zu lassen.

Die allermeisten Menschen, egal wie lieb sonst, sind um sich oder andere zu verteidigen in der Lage wirklich böse Dinge zu tun. Guck dir nur die Folterfälle in Afghanistan an. Der eine Mann hat eine Grundschule gestürmt und die "Dämonenbrut" erschoßen. Er vermeinte seine eigenen Kinder, sein Land zu schützen.

Ich kenne Briefe aus der NS-Zeit von der Ostfront nach Hause in denen Mänenr von Morden berichten und dabei schreiben sie würden dabei an ihre Kinder denken, die sie ja vor diesen "Parasiten" zu schützen hätten.

Was da auf einer Elternversammlung abgeht, wenn die Eltern meine ihre Kinder schützen zu müssen, wie erwachsene Menschen eine echte Hexenjagd auf einen fünf Jahre alten Jungen eröffnen, dass hat mir wahrhaftig die Augen geöffnet.

Hirschhausen sagte dazu mal:"Das wir von uns selbst immer so schlecht denken liegt daran, dass wir von der Scheiße die uns durch den Kopf geht 100% hören, während wir von der Scheiße der anderen maximal 50% mitbekommen." Das gilt auch für Taten...

G{rottKig


ja, es hilft mir. ich will mich schritt für schritt zu der chance hin arbeiten, irgendwann um verzeiung bitten zu können und vielleicht sogar ein klitze kleines bisschen wieder gut machen zu können. das möchte ich so, so unbedingt.

die kehrseite ist, dass mich das viele nachdenken über das alles sehr durcheinander bringt innerlich und es mir insgesamt nicht so gut geht emotional durch die vielen gedanken, erinnerungen, gefühle. aber das ist das mindeste was ich in kauf nehmen muss, wenn ich will dass sich etwas ändert. deswegen ist das schon ok so.

übrigens nein, ich habe nicht aufgeschrieben, was ich damals gemacht habe. ich will es nicht und inzwischen ist mir der austausch hier so eine wichtige stütze geworden, dass ich das nicht aufs spiel setzen möchte.

Also erstmal bitte ich zu verzeihen, dass ich hier nicht von deiner Schuld sprechen möchte, sondern von deiner Verantwortung. Wie bereits gesagt, ich mag das Wort Schuld nicht.

Wenn du den Schritt gehen willst, um Verzeihung zu bitten, dann bist du doch auf einem guten Weg. Und es scheint ja auch ein sehnlicher Wunsch zu sein, was ja von Verantwortung übernehmen zeugt.

Hast du jemanden, mit dem du ganz offen reden kannst? Das fände ich wichtig, wenn es dich so runterzieht. Denn es ist ja auch wichtig, dass du mit deiner Verantwortung auch leben kannst, ohne dich ständig grämem zu müssen, das ist nicht gesund auf Dauer.

Wie gesagt, für mich ist das, was du getan hast nebensächlich. Ich finde die eigene Auseinandersetzung damit wichtiger, als das, was wirklich passiert ist. Weisst du, ich bin ein Opfer, auch wenn ich das Wort auch nicht unbedingt mag, aber nebensächlich. Auch da wird man in Schubladen gesteckt. Es kommen nur allzu gerne Aussagen "Das Leben ist für immer zerstört." Und solche Dinge. Ich sage dir aber, dem ist nicht so. Das Leben ist dann zu Ende, wenn man tot ist. Ich mag in einigen Dingen behindert sein und ich habe immer auch mal Phasen, die schlimm sind. Aber ich lebe. Und ich lache. Und ich bin. Ich möchte nicht, nur weil das einige von Opfern ertwarten, nur heulend in der Ecke sitzen. Weisst du, es gibt Täter, die ihre Verantwortung auf ihre Opfer abwälzen. Und es gibt Opfer, die sich in ihrem Opfer sein wohl fühlend. Beides zeugt davon, sich nicht mit den Geschehenen Dingen auseinandersetzen zu wollen.

Die Täter wälzen ab, weil eine Auseinandersetzung halt schmerzhaft ist, und die Opfer, die verharren, machen es aus dem selben Grund.

Vielleicht mal als Beispiel meine Mutter, unmittelbare Täterin sozusagen. Wie oft habe ich versucht, die Dinge mit ihr zu klären. Und ich habe niemals den Satz gesagt:"Du bist Schuld."

Trotzdem bekam ich als Antwort nur:Ich wusste von nix und bin unschuldig." Um dann im Anschluss sämtliche Verantwortung auf mich abzuwälzen. Und ich sage dir, es tut mir leid für sie, weil sie sich quält und leidet, mehr als ich meist. Ich finde es so unendlich schade, dass sie so blockt, denn ich bin sicher, es würde ihr nach dem Tal der Schmerzen besser gehen. Aber sie will es nicht verstehen. Mittlerweile habe ich aufgegeben, ich kann ihr da nicht helfen, bin aber auch nicht mehr bereit, dass alles auf mich abwälzen zu lassen. Da lebe ich nun mit der radikalen Akzeptanz.

Gpr[otztixg


Noch etwas, was mir gerade einfällt. Das ein Opfer dem Täter verzeiht, ist eine schöne Geste. Ich glaube aber es ist zielführender wenn der Täter sich selbst verzeiht, denn es fällt ungemein schwerer. Das hat mein Vater erst mit seinem Tod getan, aber für mich war es befreiend.

h[ello d[arknexss


@danae

Da hälst du echt zuviel von deinen Mitmenschen, würde ich sagen. Kennst du "das Experiment" oder "die Welle"? Es ist vielmehr so, dass die allermeisten Menschen sehr viele hässliche Dinge tun wenn die Umstände passen. Und da geht es um Menschen die nichtmal selbst in eine Ecke gedrängt wurden sondern einfach um Menschen die plötzlich die Möglichkeit bekamen so richtig die Sau raus zu lassen.

meinst du wirklich, danae? "die welle" und "das experiment" kenne ich nicht, aber ich werde gleich mal nachlesen.

klar, ich weiß schon dass es menschen gibt, die schlimmes tun, einfach weil sie es können. etwa wenn sie sich in einer gruppe stark fühlen, zum beispiel mobbing gegen einen einzelnen.

in meiner situation vergleiche ich aber mit denen, die damals mit mir im selben boot waren: meine geschwister. keiner von ihnen hat oder hätte das gemacht, was ich getan habe. und der unterschied ist für mich schwerwiegender und näher an mir dran als andere menschen im allgemeinen. ich kann es nicht gut erklären, ich hoffe du verstehst, wie ich es meine.

übrigens hat die therapeutin nicht auf meine email geantwortet. also gar nicht geantwortet. ich habe natürlich nicht erwartet, dass sie inhaltlich etwas dazu schreibt, aber vielleicht nur, dass wir es beim nächsten mal in ruhe besprechen werden oder so. ich hoffe, sie hat das nicht irgendwie in den falschen hals bekommen...

@grottig

Also erstmal bitte ich zu verzeihen, dass ich hier nicht von deiner Schuld sprechen möchte, sondern von deiner Verantwortung. Wie bereits gesagt, ich mag das Wort Schuld nicht.

alles okay, kein thema.

ich persönlich gebrauche das wort, weil ich mich einfach so fühle. aber ich verstehe gut wenn du es nicht benutzen möchtest und da ist eine erklärung genauso wenig nötig wie eine entschuldigung. jeder soll so machen wie er mag und kann, finde ich.

Hast du jemanden, mit dem du ganz offen reden kannst? Das fände ich wichtig, wenn es dich so runterzieht. Denn es ist ja auch wichtig, dass du mit deiner Verantwortung auch leben kannst, ohne dich ständig grämem zu müssen, das ist nicht gesund auf Dauer.

Wie gesagt, für mich ist das, was du getan hast nebensächlich. Ich finde die eigene Auseinandersetzung damit wichtiger, als das, was wirklich passiert ist

ich gehe seit kurzem zu einer therapeutin. das ist aber wirklich noch ganz neu, ich war erst ein paar mal da und fand es bis jetzt leider sehr schwierig zu reden. ich bin in dem punkt sehr blockiert und habe viel angst davor, gleichzeitig aber ja schon irgendwie das bedürfnis?

ganz offen konnte ich noch nicht mit jemandem reden, ich habe keine engen freundschaften und keinen kontakt mehr zu meiner früheren familie.

ich finde es richtig klasse und vor allem auch mutig was du von deiner persönlichen situation hier schreibst. was du über das leben und täter und opfer geschrieben hast bewegt mich sehr tief, gerade weil ich sehr viele probleme mit meiner eigenen identität und meinem selbstbild habe.

darf ich dich etwas persönliches fragen? deinen beiträgen nach hat dein vater schlimmes getan, genau wie auch deine mutter. aber du hattest weiterhin kontakt? wie ging das für dich? und wieso?

bitte, ich kann mir vorstellen, dass es furchtbar intim ist, wahrscheinlich auch sehr komplex. wenn du nicht antworten möchtest oder kannst, ist selbstverständlich kein weiteres wort zu dem thema nötig. vergiss meine frage bitte in dem fall einfach. ich wollte nicht respektlos zu dir sein, sondern das gegenteil.

duaDnae8x7


in meiner situation vergleiche ich aber mit denen, die damals mit mir im selben boot waren: meine geschwister. keiner von ihnen hat oder hätte das gemacht, was ich getan habe. und der unterschied ist für mich schwerwiegender und näher an mir dran als andere menschen im allgemeinen. ich kann es nicht gut erklären, ich hoffe du verstehst, wie ich es meine.

KLar, abe rsie waren ja auch in einer anderen Situation. Es hat nämlich jemand etwas unternommen und ganz oft kriegt ja auch ein Geschwisterkind die voll Ladung ab während die "Kleinen" recht geschützt im Windschatten segeln. Es ist in jedem Fall leichter einem Geschwisterkind die Schuld zu geben als die eigenen Eltern in Frage zu stellen und je jünger man ist desto mehr gilt das. Es könnte also durchaus sein, dass deine Geschwister wenn sie etwas länger in der Situation geblieben wären oder wenn du weg gewesen wärest ähnliches getan hätten. Nicht zwingend, so fühlt sich zum Beispiel nicht jeder gleichermaßen für den Schutz anderer verantwortlich, aber möglich ist das durchaus. Und du weißt ja auch gar nicht was da seit dem gelaufen ist.

In meiner nächsten Familie ist vor vielen vielen Jahren einmal der älteste von drei Söhnen ziemlich durchgedreht. In seinen Augen waren seine Handlungen damals wohl notwehrhandlungen, aber für die Umwelt war das alles andere als klar ersichtlich. Seine Brüder haben, obwohl gar nicht immer der Meinung, automatisch die Schutzposition vor den Eltern eingenommen. Einer bricht aus dem System aus und alle anderen fallen in Panik und versuchen zu retten was vom Bekannten zu retten ist. Nun ist das schon mehr als zehn Jahre her, einiges mehr. Und heute sind beide Brüder an einem Punkt an dem sie die Handlung ihres älteren Bruders nachvollziehen können, die haben zum Abnabeln etwas länger gebraucht... Das bedeutet aber nicht, dass sie nun ihren Bruder plötzlich suchen oder so. Dafür ist die Entfremdung zu groß.

Lange Rede kurzer Sinn: du weißt gar nicht wie deine Geschwister heute denken.

GGrTottixg


Die Welle und Das Experiment kann ich nur empfehlen. 2 gute Filme, die die Abgründe des Mensch sein (oder eher nicht mehr sein), verdeutlicht. Was aus der Gemeinschaft entstehen kann.

ich gehe seit kurzem zu einer therapeutin. das ist aber wirklich noch ganz neu, ich war erst ein paar mal da und fand es bis jetzt leider sehr schwierig zu reden. ich bin in dem punkt sehr blockiert und habe viel angst davor, gleichzeitig aber ja schon irgendwie das bedürfnis?

ganz offen konnte ich noch nicht mit jemandem reden, ich habe keine engen freundschaften und keinen kontakt mehr zu meiner früheren familie.

ich finde es richtig klasse und vor allem auch mutig was du von deiner persönlichen situation hier schreibst. was du über das leben und täter und opfer geschrieben hast bewegt mich sehr tief, gerade weil ich sehr viele probleme mit meiner eigenen identität und meinem selbstbild habe.

darf ich dich etwas persönliches fragen? deinen beiträgen nach hat dein vater schlimmes getan, genau wie auch deine mutter. aber du hattest weiterhin kontakt? wie ging das für dich? und wieso?

bitte, ich kann mir vorstellen, dass es furchtbar intim ist, wahrscheinlich auch sehr komplex. wenn du nicht antworten möchtest oder kannst, ist selbstverständlich kein weiteres wort zu dem thema nötig. vergiss meine frage bitte in dem fall einfach. ich wollte nicht respektlos zu dir sein, sondern das gegenteil.

Na ja, ich hätte in meinen ersten Therapiestunden auch nicht gleich die Hosen runterlassen können. Da muss sich ja erstmal ein Vertrauensverhältnis entwickeln.

Ich habe durchaus auch meine Probleme mit der eigenen Idendität und dem Selbstbildnis, vorallem wenn ich in einer starken depressiven Phase stecke. Und da bin ich dann auch meist weniger nett und stoße den Leuten auch mal vor den Kopf, weil halt alles, was ankommt, verzerrt ist in meiner Sicht. Und mit Identität sprichst du auch was an. Ich hatte einen Rufnamen, der nicht auf dem Papier stand, aber jeder hat mich so genannt, von klein auf, über 40 Jahre lang. Ich habe diesen Rufnamen mit meinem Vater zusammen beerdigt und allen gesagt, dass ich mit meinem richtigen Namen angesprochen werden möchte. Rufname und richtiger Name sind wirklich völlig verschieden. Haben eigentlich alle um mich herum sofort akzeptiert, ohne doofe Bemerkungen oder so.

Warum ich weiterhin Kontakt zu meinen Eltern hatte? Ja, das darfst du fragen. Da ist nichts respektloses an der Frage. Ich versuche es zu erklären. Also, ich als Frau X, bestehe ja nicht nur aus meinem derzeitigen erwachsenen Ich, sondern auch aus dem, was ich mal war, ein Kind. Ich bin das Kind meiner Eltern. Das Verhältnis ist halt zwiespältig. Und es gab immer mal Zeiten, wo ich ganz klar gesagt habe zu beiden Elternteilen "Ich möchte derzeit keinen Kontakt mit dir". Einfach weil es mir zu schlecht ging. Ob ich gegenüber meinen Vater Liebe empfunden habe? Eher nein, irgendwie fühle ich in Bezug auf ihn nichts, weder als er noch lebte, noch jetzt, wo er tot ist. Vielleicht so ganz tief in mir drinnen, aber da komme ich nicht ran, vielleicht so etwas wie Selbstschutz. Und trotzdem bin ich ein sehr empfindsamer Mensch. Er hat gelitten unter dem, was er getan hat. Er hat es nie ausgesprochen, aber trotzdem konnte ich es fühlen. Ich habe mich aber strikt geweigert, ihm zu helfen, bzw. ihn freizusprechen und das habe ich ihm auch gezeigt, aber auch nicht deutlich gesagt. Er konnte relativ nüchtern über seine Taten offen sprechen, auch mit mir, als ich ihn darauf ansprach. Er hat aber sehr wohl auch vieles verdrängt. Es war so als sagte er "Ja, das habe ich getan, aber ich zermatere mir den Kopf, ich kann mich nicht erinnern etwas getan zu haben." Also irgendwie strange. Aber genau so war es. Ich habe ihm mal gesagt, dein Sohn (mein Bruder) ist genauso geworden wie du und ich erwarte von dir, dass du mit ihm sprichst. Das hat er wohl tatsächlich gemacht. Nach seiner Beerdigung sass ich mit meinem Bruder in seinem Haus. Und mein Bruder sagt plötzlich:" Er hat mir gesagt, dass die Wahrheit sehr wichtig für dich ist. Ich möchte dir jetzt die Wahrheit sagen. Ja, ich habe dir das angetan und es tut mir leid. Ich weiss es ist sehr wichtig für dich. Du hast richtig gefühlt und es dir nicht eingebildet." Und er hat mir dabei in die Augen geschaut, ein ganz wichtiges Detail. Und er konnte es auch erst mit dem Tod unseres Vaters aussprechen. Gott, mir wird gerade wieder klar, wie schräg diese Familie war bzw. ist. Ich hoffe einfach es hilft dir, ein bisschen zu verstehen. Sichtweisen zu erlangen. Etwas für dich rauszuziehen. Ein bisschen glaube ich nämlich dass du nicht nur Täter sondern irgendwie auch Opfer bist.

Irgendwie hat alles zwei Seiten. Ich bin einfach jemand, der die Sachen differenzierter sieht. Ich urteile auch nicht über eine Sache, bei der ich nicht selbst dabei war. Ein Mensch in seinem ganzen Dasein ist nicht nur gut oder nur schlecht. Ich versuche immer auch das gute nicht ausser Acht zu lassen. Denn nur Hass zerfrisst einen. Er ist nicht zielführende und verschwendete Energie.

Über meine Mutter kann ich jetzt gerade nix schreiben. Die ist noch komplexer und komplizierter. Da bin ich heute zu müde für.

GHro/ttxig


Das ist Herr Larsson, mein Hund und er schenkt dir ein Lächeln, dem ist es nämlich sowas von Schnurz egal, was du getan hast.

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