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große schuld

MHalvlaig


Es geht immer um die jeweils persönliche Perspektiven ;-) Wir lernen unser ganzes Leben lang, den Blickwinkel anderer einzunehmen, das ist Fakt. Gesellschaftlicher oder religiöser Kontext gehört zu den wertenden Haltungen, die wir erst einmal als "nicht neutral' erkennen müssen, um sie anzugehen.

Zum Kontext gehört auch, dass bestimmte Gefühle (und Gedanken, Taten) entweder Pflicht oder unmöglich sind. Das muss wohl so sein, damit das gesellschaftliche und familiäre Zusammenleben geregelt wird: man schafft Gesetze. Auch der Kopf schafft sich diese (obwohl die ganz anders aussehen können).

Das ist nur insofern nützlich, indem es damit tatsächlich besser läuft. Wo es behindert und Neurosen hervorrtuft, läuft es in die falsche Richtung. Dann können wir am System basteln, wie wir wollen - erreichen werden wir etwas, sobald wir unsere persönliche Sicht und damit unseren Weg ändern. Dazu wird unsere innere Moral ins Wanken gebracht, Therapien tun dies - manchmal erfolgreich.

Nichts ist wirklich in Stein gemeißelt, da lässt sich eine Menge an der Betrachtungsweise ändern. Gerade Schuld ist etwas womit der Mensch zu leben lernen hat, sie zu bewältigen ist eine große Aufgabe. Eine gute Religion gibt Hilfestellung - Schuld als untilgbar hinzustellen, ist lediglich eine Knute, die alles noch schlimmer macht. Der schlimmste Verurteiler steckt aber nicht in der Religion und nicht im Gesetz, das sind wir selbst.

Binsenweisheiten, nicht? ;-)

Maall<aig


Im Klartext sollte das heißen:

Unterscheide zwischen Fakten und Bewertungen.

Bei Schuld bedeutet es:

Das und das ist geschehen. Alles andere sind unsere Gefühle schaffenden Gedanken dazu.

Wenn man sich das richtig klarmacht, merkt man: Nur die nüchternen Fakten herauszufiltern ist schon eine manchmal schier kaum zu schaffende Aufgabe. Allzu schnell mischen sich hier Wertung, Urteil, Verurteilung ein.

Fakten sind neutral.

"Der und der ist damals zu Schaden gekommen." Das wäre ein Fakt.

"ch bin schuld daran und habe Leben zerstört ist schon die Bewertung." Und die unterliegt keinen festen Gesetzen, auch keiner in Stein gemeißelten Moral. Religionen meißeln in Stein, aber gerade Religionen beschreiben keine Faktenlage.

M@allxaig


"Ich bin schuld und habe Leben zerstört" ist die Bewertung. So sollte das oben lauten.

k,ol*trMaxst


Religionen meißeln in Stein, aber gerade Religionen beschreiben keine Faktenlage.

Ja, und deshalb habe ich so Mühe mit diversen Religionen / Kirchen, weil ich nicht glaube, dass der Schöpfer Menschen geschaffen hat, dass sie sich "ewig schuldig fühlen" sollen und, nach einem Vergehen, weder Verständnis noch Milde erfahren dürfen.

Das ist eigentlich ein anderes Thema. Passt aber irgendwie trotzdem in den Faden.

Nein, ich bin nicht ungläubig!

dpaUnae087


Ja, und deshalb habe ich so Mühe mit diversen Religionen / Kirchen, weil ich nicht glaube, dass der Schöpfer Menschen geschaffen hat, dass sie sich "ewig schuldig fühlen" sollen und, nach einem Vergehen, weder Verständnis noch Milde erfahren dürfen.

Wobei auch das ja nur die Interpretation anderer Menschen ist, die Texte selbst lassen da ja einen sehr großen Spielraum an Interpretation. Was sich da durchgesetzt hat zeichnet sich ja nicht unbedingt dadurch aus, dass sie die meisten Textteile damit am schlüßigsten erklären lassen sondern dadurch, dass es den entscheidenden Leuten zu einem bestimmten Zeitpunkt am besten in den Kram passte. ;-)

Mqall_aig


Die Ironie an der Sache ist, dass das Christentum ja eigentlich aus der unbewältigten Schuldfrage entstanden ist, denn das Judentum hatte dafür nur Rituale und Opferbußen. Dass der christliche Katholizismus genau hier wieder einstieg, ist schon aberwitzig. Für mich sagt Christus aus, dass genau das eben unnötig ist: diese ganze Selbstzerfleischung, mea culpa ... man könnte fast meinen, dass genau DAS die Kardinalsünde ist ... Wenn Gott doch eines ist, dann Liebe, Erbarmen und Vergebung (sorry, in meinen Augen jedenfalls).

kholtrxast


Wenn Gott doch eines ist, dann Liebe, Erbarmen und Vergebung (sorry, in meinen Augen jedenfalls).

JA, so sehe ich es auch.

M<allxaig


Liebe Darkness,

ist dir die Luft ausgegangen? Täte mir leid, wenn wir dich in irgendeiner Form entmutigt hätten.

LG

d2ana)e87


Ich tippe eher auf Panik, ist ja fast wieder Freitag...

k-olt%rast


Ja, ich denke auch, dass Darkness wieder Bauchschmerzen hat, wenn sie an die morgige Therapiestunde denkt.

Wisse: uns allen geht/ging es auch so, wenn wir auf dem "Heissen Stuhl" Platz nehmen müssen, dh. wollen - damit es uns mit der Zeit besser geht.

M^allxaig


So wird es wohl sein.

Darkness, dann alles Gute für morgen - und denk dran, du musst dich hier für nichts schämen.

h\ell#o |darskness


hallo ihr! klar bin ich noch dran, alles beim alten. (hatte die tage bloß keine zeit, weil ich in meinem neuen zweitjob in dieser woche jeden abend eine schicht gemacht habe, um mich da gut reinzufinden.)

aber cool dass ihr in der zwischenzeit viel geschrieben und weiter diskutiert habt. @:) das werde ich morgen in ruhe nachlesen.

ich glaube, heute hatte ich zum ersten mal das gefühl dass die therapie stunde ganz okay war. trotzdem fühle ich mich ein bisschen komisch, so mit "fiebergefühl" im kopf und auch vielen schlechten gefühlen (scham, überforderung, verwirrung alles zusammen), aber es war zumindest zum ersten mal fast ein richtiges gespräch und darüber bin ich ehrlich gesagt sehr froh grade.

das thema war übrigens etwas was du, mallaig, geschrieben hast:

Sich verantwortlich fühlen für das was war, ist rückwärtsgewandt und hält sich an der Vergangenheit auf (oder klammert daran fest) - also an etwas, das nicht mehr zu ändern ist.

Sich als gegenwärtig Handelnder wahrzunehmen, gibt uns eine Wahl, ist vorwärtsgewandt und bezieht sich auf die Zukunft.

Nur die Gegenwart, der gegenwärtige Moment, ist das, was wir bestimmen können. Und das hat Auswirkung auf unser gesamtes weiteres Leben.

ich hatte es für mich abgeschrieben weil es mich sehr beschäftigt hat und mich auch zu vielen fragen geführt hat. es ist schwer zu erklären, aber ich glaube, es ist ein wichtiger oder sogar entscheidender punkt für mich. vergangenheit, gegenwart... und naja, verantwortung natürlich. aber das ist ein ganz anderer level. ich glaube es fällt mir leichter mit dem therapeuten über das ganze thema erstmal nur theoretisch zu sprechen.

d anaex87


Super, das seltsmae Gefühl ist normal, ist ja auch nicht gerade die Besprechung des letzten Urlaubs da. ;-) Ich wünsch dir viel Spaß mit dem neuen Nebenjob, machst du den weil du musst oder weil du willst?

h9el>lo daprkness


Super, das seltsmae Gefühl ist normal, ist ja auch nicht gerade die Besprechung des letzten Urlaubs da. ;-)

ja das stimmt. habt ihr ja auch schon gesagt dass es fast allen so geht mit komischen oder schlechten gefühlen hinterher. es ist auch in der stunde selbst sehr anstrengend finde ich. ich strenge mich immer sehr an mich zu konzentrieren und gleichzeitig fühle ich mich zwischendurch plötzlich total unkonzentriert, müde und "weit weg". nicht wie betrunken, aber so ähnlich.ich hoffe das wird mit der zeit besser.

Ich wünsch dir viel Spaß mit dem neuen Nebenjob, machst du den weil du musst oder weil du willst?

eigentlich weil das geld nicht mehr ausreicht (miet erhöhung, höhere kosten für meine oma usw) aber ich denke es ist insgesamt ganz gut für mich, weil ich jetzt auch an den wochenenden oder an freien tagen etwas zu tun habe.

feiert ihr alle morgen eigentlich muttertag (wenn ihr kinder oder eine mutter habt)? ich wünsche euch viel spaß @:)

hDellIo daXrkxness


@mallaig

Die Relativierung unserer Erfahrungen und Eindrücke ist tatsächlich ein großes Thema. Als ich erst einmal begriffen hatte, wie sehr alles unserer - gesellschaftlichen und persönlichen - gedanklichen und emotionalen Bewertung und Einstufung unterliegt und wie wenig Fetstehendes es wirklich gibt (fast nichts!), schien mir plötzlich auch nichts mehr sicher. Es ist so: Alles ist relativ, und schon viele Philosophen haben dazu ihr Bild entworfen, dem wir uns anschließen können oder auch nicht.

aber ist das nicht sehr theoretisch? oder anders: gibt es nicht bewertungen die mehr oder weniger feststehen und andere, die flexibler sind? es gibt dinge (taten) die sind einfach falsch oder nicht?

Es ist aber nicht nur erschreckend sondern kann auch sehr befreiend sein. Wenn man beispielsweise die Rolle des Herkunftssystems nicht aufüllen konnte, weil sie dem eigenen Gefühl entgegen lief, kann es total toll sein ein System zu finden in dem man seinem Gefühl entsprechend handeln und dabei "richtig" sein kann.

puh da triffst du einen punkt...

aber wie funktioniert das? sein eigenes system finden? ich hatte schon immer andere gedanken als der rest meiner familie und fand vieles nicht gut... aber das fühlt sich nicht richtig an, nicht mal jetzt wo ich doch schon lange keine familie mehr habe. ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. mein kopf weiß das in dem system meiner familie vieles total falsch lief. ich habe doch auch lange genug versucht mich dagegen zu wehren, abzuhauen usw. aber es ist eben nur mein kopf. trotzdem ist mein gefühl dass ich der verräter bin und es vermasselt habe. ivh weiß dass es für euch keinen sinn ergibt, es ergibt ja nicht mal für mich sinn.

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