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große schuld

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Ich finde schon, dass es eine Art Pflicht von dir ist, dass du vertrauten Leuten, die zu deinem "neuen" Leben gehören sagst, was du getan hast. Das kann wirklich wer weiß was für ein Horror gewesen sein und mit Mord oder sonstwas zu tun gehabt haben. Da sollten engere Kontakte schon frei entscheiden dürfen, ob sie mit dir weiter Kontakt haben wollen oder nicht.

Und dieses Herumkokettieren, sich selbst als Arschloch bezeichnen und so versuchen Pluspunkte für sich zu sammeln, so nach dem Motto...wie nett sie doch ist und sich selbst rügt...das bringt es auch nicht wirklich.

Du scheinst wirklich etlichen Menschen Schlimmes angetan zu haben und das sollte man zumindest engeren Kontakten nicht verschweigen.

H ann-ahWe


etwas was ich noch dazu sagen wollte: ein riesenproblem ist für mich das thema identität.

ich habe mein umfeld quasi komplett gewechselt, habe mit den alten leuten fast nichts mehr am hut. von den neuen wissen 2 oder 3 so einigermaßen bescheid. für mich ist das immer richtig schwer. wenn ich neue leute kennenlerne, eine freundschaft schließe oder sich eine engere beziehung welcher art auch immer entwickelt, will ich erstmal nicht, dass jemand weiß, was für ein arschloch ich mal war (oder bin). prinzipiell binde ich das niemanden einfach so auf die nase, geht auch nur mich etwas an. irgendwann kommt für mich aber der zeitpunkt, andem ich dsas gefühl habe, dass etwas fehlt und mich der eigentlich mittlerweile gute freund oder die eigentlich mittlerweile enge freundin, gar nicht richtig wahrnehmen kann und nichts über mich weiß. einerseits will ich dieses kapitel meines lebens bewusst raushalten und von meinem leben, wie es jetzt ist, abkapseln. andererseits habe ich damit das gefühl, dass ein ganz wesentlicher teil von mir versteckt bleibt und das stört mich auf ganz komische weise auch.

Das kann ich verstehen. Du hast dir selbst dieses Kapitel deines Lebens nicht verziehen, dadurch fühlst du dich jetzt, als ob du den neuen Menschen in deinem Leben etwas vorspielst. Ich glaube es geht darum, dieses Kapitel, diese Seite an dir, die "schlechte" Seite, an dir zu akzeptieren.

Jeder Mensch hat positive und negative Eigenschaften, wobei negativ natürlich vor allem auch von unserer Gesellschaft definiert wird. Wenn du beispielsweise oft neidisch oder missgünstig bist, dann ist das halt so, wird aber von unserer Gesellschaft als negativ betrachtet. Jeder Mensch hat aber solche Seiten an sich.

Weil der Mensch schlecht mit Schuld umgehen kann, hat er die Vergebung innerhalb der Religion erfunden. Kannst du etwas mit Religion anfangen? Ich leider nicht, aber ich wünschte manchmal ich könnte es.

Wenn du etwas schlechtes getan hast dann gehst du zur Beichte, erzählst deine Sünde, und bekommst eine göttliche Strafe, also z.B. 20 Rosenkränze beten. Danach wird dir vergeben.

ich identifiziere mich heute übrigens kaum mehr mit der art mit der ich damals agiert habe. aber irgendwie ist dsas ganze für mich doch teil meiner identität? ganz komische widersprüche, die sich da auftun. vielleicht hat jemand dazu ein paar gedanken, würde mich freuen.

Was auch immer du damals getan hast, es IST Teil deiner Identität. Es gehört zu dir. Du hast aber auch viele positive Eigenschaften, die du anscheinend jetzt heutzutage mehr zum Vorschein kommen lassen kannst als damals.

Wie gesagt, wenn du mit Religion etwas anfangen kannst, könntest du versuchen dort Vergebung zu finden.

Wenn es möglich ist, hilft auch, Wiedergutmachung anzustreben. Dich also per Brief, persönlich oder durch ein Geschenk bei denjenigen Entschuldigen, denen du schlechtes getan hast. Sie um Vergebung bitten.

Wenn du eher praktisch veranlagt bist, kannst du es mal mit einer Übung versuchen:

Stell dich vor den Spiegel und sieh dir selbst in die Augen. Dann sag laut und mit fester Stimme:

"Auch wenn ich damals xzy getan habe, ich bin ein guter, wertvoller Mensch."

"Xyz zu tun war falsch. Es war ein Fehler. Menschen machen Fehler. Ich wusste es damals nicht besser und habe entsprechend meines damaligen Wissens gehandelt. Ich vergebe mir. Ich bin trotzdem ein guter Mensch."

Mach das jeden Tag, so lange, bis du es deinem Spiegelbild glaubst, bis es sich nicht mehr komisch anfühlt. Alles Gute dir. @:)

h|avlfdevOil


Xyz zu tun war falsch. Es war ein Fehler. Menschen machen Fehler. Ich wusste es damals nicht besser und habe entsprechend meines damaligen Wissens gehandelt. Ich vergebe mir. Ich bin trotzdem ein guter Mensch.

Natürlich hat sie es damals besser gewußt, sie hat es nur nicht besser getan.

Und sorry, wenn man es sich immer so einfach machen kann wie in dem Zitat oben geschildert, dann kann man sich wirklich alles herausnehmen. Jemandem die Kehle aufschneiden und sich dann vor den Spiegel stellen, man hätte es nicht besser gewußt und sei trotzdem ein guter Mensch. Wer bitte ist dann ein schlechter Mensch?

Ok, so leicht würde ein Selbstverzeihen wohl nicht funktionieren, wie ich es jetzt geschildert habe, ABER...soll es auch nicht. Man kann über schwerwiegende Schuld nicht einfach so -Schwamm drüber- sagen.

H{ann/ahWxe


Natürlich hat sie es damals besser gewußt, sie hat es nur nicht besser getan.

Und sorry, wenn man es sich immer so einfach machen kann wie in dem Zitat oben geschildert, dann kann man sich wirklich alles herausnehmen. Jemandem die Kehle aufschneiden und sich dann vor den Spiegel stellen, man hätte es nicht besser gewußt und sei trotzdem ein guter Mensch. Wer bitte ist dann ein schlechter Mensch?

Muss denn überhaupt jemand ein schlechter Mensch sein? Geht es dir darum, diesen Posten zu besetzen oder geht es darum, der TE dabei zu helfen, ein gutes Leben zu führen, mit ihrer Schuld zu leben?

Das Beispiel mit dem Kehle aufschneiden ist "bla" - denn die TE hat ja bereits gesagt, dass es nicht um eine noch nicht gebeichtete Straftat geht. Auch jemand, der jemandem die Kehle aufgeschnitten hat, und der seine gesetzliche Strafe verbüßt hat, sollte geholfen werden während des Absitzens und danach ein Leben ohne ständige Schuld zu führen.

Die "Opfer" von Fehlverhalten können sich nämlich leider auch nichts davon kaufen, wenn der Täter sich lebenslang schlecht fühlt.

Ok, so leicht würde ein Selbstverzeihen wohl nicht funktionieren, wie ich es jetzt geschildert habe, ABER...soll es auch nicht. Man kann über schwerwiegende Schuld nicht einfach so -Schwamm drüber- sagen.

Hat ja auch niemand gesagt. Die TE hat sich anscheinend bei der Opfern ihres Fehlverhaltens entschuldigt und um Wiedergutmachung bemüht. Es gibt keine Straftat die gebeichtet werden muss.

Wenn die Opfer ihrer Taten ihr nicht verzeihen, muss sie es irgendwann selbst tun.

Oder jemanden von extern finden (Pfarrer, Psychologe) der ihr "vergibt", damit sie irgendwie weiterleben kann und es loslassen kann.

hcellvo dharknxess


Ich finde schon, dass es eine Art Pflicht von dir ist, dass du vertrauten Leuten, die zu deinem "neuen" Leben gehören sagst, was du getan hast.

Da sollten engere Kontakte schon frei entscheiden dürfen, ob sie mit dir weiter Kontakt haben wollen oder nicht.

ja, okay. bei engerem kontakt, stimmt das. auch wenn ich das wort "pflicht" irgendwie komisch finde, aber grundsätzlich gebe ich dir recht. nachdem die paar leute, die ich zu meinem engen umfeld zähle, bescheid wissen, passt das wohl. habe da im laufe der zeit aber auch schon distanzierung erlebt, nachdem ich erzählt habe. ist ja auch okay, muss jeder selbst wissen.

alle anderen leute geht es aber absolut nichts an, meiner meinung nach.

Und dieses Herumkokettieren, sich selbst als Arschloch bezeichnen und so versuchen Pluspunkte für sich zu sammeln, so nach dem Motto...wie nett sie doch ist und sich selbst rügt...das bringt es auch nicht wirklich

nichts anderes als deine interpretation (die ich im übrigen ziemlich lächerlich finde, aber bitte).

Ich glaube es geht darum, dieses Kapitel, diese Seite an dir, die "schlechte" Seite, an dir zu akzeptieren.

Weil der Mensch schlecht mit Schuld umgehen kann, hat er die Vergebung innerhalb der Religion erfunden. Kannst du etwas mit Religion anfangen?

nein, so gar nicht.

Dich also per Brief, persönlich oder durch ein Geschenk bei denjenigen Entschuldigen, denen du schlechtes getan hast.

ja, nur weiß ich nicht, ob ich das überhaupt will und kann.

geschenk sowieso nicht, das erscheint mir einfach nur unpassend und lachhaft. eigentlich will ich eine kontaktaufnahme nicht, auch nicht per brief. eigentlich ist auch alles wichtige gesagt, zumindest den personen gegenüber, denen ich es sagen wollte.

Was auch immer du damals getan hast, es IST Teil deiner Identität. Es gehört zu dir.

ja, stimmt leider und macht mich ziemlich unglücklich.

Mach das jeden Tag, so lange, bis du es deinem Spiegelbild glaubst, bis es sich nicht mehr komisch anfühlt.

den ansatz an der selbstwahrnehmung zu arbeiten, finde ich gut. das beispiel mit dem spiegel ist nicht so meins, ich hätte dabei eher komische gefühle. insgesamt ist selbstwahrnehmung auch so ein ganz widersprüchliches thema bei mir, es ist ganz, ganz schwierig für mich.

hPello} darknxess


vielleicht ist das auch für andere interessant:

ich habe am wochenende ein paar folgen domian gehört, dabei auch [[https://www.youtube.com/watch?v=2_R0hhoZ9cM das gespräch mit einem jungen anrufer]] (ab ca. 7:50), der als 12 jähriger mit einem messer auf einen klassenkameraden losging, in der absicht ihn umzubringen. der junge rief an, weil es ihn ein paar jahre später noch immer belastet und er oft daran denken muss, auch angst hat, dass es die leute in seinem neuen umfeld erfahren. er sagt unter anderem, dass es ihm manchmal vor ihm selbst graut und es zeiten gab, in denen er vor sich selbst angst hatte.

am ende des gesprächs sagt domian folgendes zu ihm (ab ca. 20:10)

"weißt du, ich höre ja hier immer von so vielen menschen, die sich auch vorwürfe machen und die große schuld haben und die schlimme dinge gemacht haben. ich finde, man muss das reflektieren. man muss sich zu der schuld bekennen. dann muss man das beste aus dem leben danach machen und man muss sich irgendwann auch selbst vergeben können. man soll anderen menschen vergeben, wenn die mal scheiße gebaut haben und sich danach gut benehmen und man darf sich selbst aber auch vergeben."

mich hat das, was domian da gesagt hat, sehr berührt. wahrscheinlich weil ich ihn und seine ansichten schon immer sehr schätze, aber ich habe mich auch stark mit dem jungen identifiziert, obwohl sein thema ein ganz anderes ist als meins.

wahrscheinlich würde domian das so nicht zu allen sagen, die etwas schlimmes getan haben, aber den grundgedanken in seinen worten finde ich sehr schön und sehr tröstlich.

CUach~oe"irxa


Hi hello darkness,

das ist ein sehr interessantes Thema. Ich hoffe, dass meine Überlegungen dazu nicht zu abstrakt sind:

Ganz wichtig finde ich persönlich die Akzeptanz, dass es geschehen ist und nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Also rein rational weiß man das natürlich, aber das wirklich zu akzeptieren finde ich nochmal eine andere Ebene. (Ähnlich, wie ich zwar jemandem sagen kann, dass ich ihm/ihr vergebe und das auch gerne möchte, aber es tatsächlich und wirklich zu tun, das ist bei mir doch nochmal ein anderer Prozess). Wenn ich das Geschehene als das, was es ist (unfassbar schlimm, gänzlich falsch, unwiderruflich) akzeptiert habe, erst dann kann ich darauf etwas aufbauen und konstruktiv weitermachen.

Ich glaube nicht, dass man eine Schuld der Größe X mit einer Anzahl von Y guten Taten oder einer Strafe des Ausmaßes Z aufwiegen bzw. ausgleichen kann. Aber ich glaube, dass wir alle eine Verantwortung für die Mitgestaltung unseres Umfelds und unserer Gesellschaft haben. Auch mit all meinen Fehlern und Fehlentscheidungen erachte ich es als meine Aufgabe, dazu einen bescheidenen, aber gleichzeitig doch so wichtigen Beitrag zu leisten. Und dieser Verantwortung kann ich nur gerecht werden, wenn ich das Geschehene akzeptiere und konstruktiv weitermache. Dazu gehört, dass ich mich und das, was ich getan habe, reflektiere, nach den Ursachen forsche, an mir arbeite und nicht vergesse, was passiert ist. Aber dazu gehört auch, in die Zukunft zu blicken und sie anzupacken.

Ob es das ist, was man "sich selbst vergeben" nennen kann, weiß ich nicht. Leider kann ich auch keinen Weg beschreiben, wie man zu dieser "Akzeptanz" gelangt. Ich weiß nur, dass das für mich eine sehr wichtige Erkenntnis war – vielleicht kannst du damit auch etwas anfangen?

Rqufus!III


Mit sozialer Verarbeitung meine ich, dass man mit Leuten darüber sprechen kann, dass man von mir aus dieses oder jenes Verbrechen gemacht hat.

In dem Beispiel "Yugotrip" geht es um Vergewaltigung. Da spricht der Täter auch irgendwann mit jemandem und wird von ihm verstoßen. Am Ende des Filmes sucht er, glaube ich, nach dem Opfer von damals.

Oder sagen wir mal man hat schwere Eigentumsdelikte begangen, dann wäre für mich soziale Verarbeitung wenn man mit Leuten offen darüber spricht, und im Idealfall die Erfahrung macht: das wird als abgehakt angesehen, und man wird trotzdem als Freund/Bekannter/Familienmitglied akzeptiert.

Natürlich auch alle Arten Täter-/Opferausgleich. Z.b. nach einem Verkehrsunfall mit fahrlässiger Körperverletzung mit dem Opfer reden.

Also ich glaube im Grundsatz geht es darum, das harte Bild, was man von sich selbst hat, evtl. auch als sein erbarmungslosester Richter, zu relativieren, indem man es in eine Reihe von menschlichen Stimmen stellt, die einem besser vergeben können, als man selbst.

Natürlich gibt es auch schlimme Vergehen, über die jeder nur den Kopf schüttelt. Hier kann man sich nur noch darauf zurückziehen, dass man so etwas nie wieder tun will und tun wird. Immerhin! Das ist schließlich extrem wichtig, nicht noch Schuld zu mehren.

So eine Schuld, oder Verantwortung trägt man dann sein Leben. So ist es nun mal. Es gibt auch sicher Verbrechen, die nach menschlichem Ermessen unverzeihlich sind. Damit leben man dann. Punkt. Vielleicht gibt es auch Sachen wo nur noch wenige einen akzeptieren könnten, wenn sie sowas wissen.

Siehe KZ-Täter, Genozid, Sadismus, Kindesmissbrauch, Mord, Vergewaltigung und dergleichen unumkehrbare Sachen.

Ein Beispiel aus "der Pate" als Corleone am Boden zerstört beim Priester beichtet, dass er unter anderem seinen Bruder hat ermorden lassen, die Antwort:

"Das sind schreckliche Verbrechen die du begangen hast, und es ist gerecht dass du leidest".

Ich glaube dass es nicht wenige Menschen gibt, die Schuld lebenslang tragen, schon wegen weniger schweren Verbrechen. Sogar wegen kleiner Vergehen! Das gehört in irgendeinem Umfang fest dazu zum Phänomen Mensch.

RlufusiIIxI


Ein starkes Statement zum Thema Verarbeitung von Schuld finde ich auch die Szene im Film Stander (2003), als Andre Stander den Vater des Jungen aufsucht, den er bei einer Demonstration erschossen hat.

hxelloM daCrkne&ss


guten morgen!

@cachoeira

Ganz wichtig finde ich persönlich die Akzeptanz, dass es geschehen ist und nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Also rein rational weiß man das natürlich, aber das wirklich zu akzeptieren finde ich nochmal eine andere Ebene.

Wenn ich das Geschehene als das, was es ist (unfassbar schlimm, gänzlich falsch, unwiderruflich) akzeptiert habe, erst dann kann ich darauf etwas aufbauen und konstruktiv weitermachen.

ich finde es schwer, weil ich eigentlich unbewusst die sache und die folgen auseinanderhalte. glaube ich zumindest.

was ich gemacht habe (die beweggründe) ist für mich noch immer, also auch mit abstand und viel selbstreflexion, irgendwie nachvollziehbar und schlüssig. was nicht heißt dass ich es wieder machen würde. würde ich nicht, schon gar nicht genauso. es war einfach dumm und falsch und ich bereue es. aber mir tun mehr die folgen leid, mit denen ich in der form nicht gerechnet habe. was ich gemacht habe, die "tat" tut mir auch leid, aber die kann ich sogar viel eher akzeptieren als die auswirkungen auf die anderen leute. deswegen stehe ich mir in dem punkt selbst im weg, weil ich mich viel mehr darauf einschieße es vor mir selbst zu rechtfertigen. nicht unbedingt schönzureden, aber irgendwie erklärbar und nachvollziehbar zu machen und das heißt im umkehrschluss ja dass ich das ganze nicht so akzeptiere, wie es nun einmal passiert ist.

Ich glaube nicht, dass man eine Schuld der Größe X mit einer Anzahl von Y guten Taten oder einer Strafe des Ausmaßes Z aufwiegen bzw. ausgleichen kann.

hm. das glaube ich auch nicht, nicht so. ausgleich ist auch ein blödes wort. wiedergutmachung passt auch nicht. aber mir ist es wichtig mir mühe zu geben. das brauche ich für meine selbstachtung und der gedanke, dass ich auf der welt nicht nur scheiße hinterlasse, sondern vielleicht auch ein paar gute kleinigkeiten spielt schon eine rolle. im hintergrund steht unbewusst sicher schon der ausgleichsgedanke, aber nicht im sinne der kalkulation: wenn ich x gute taten mache, bin ich frei von der schuld für tat y.

Dazu gehört, dass ich mich und das, was ich getan habe, reflektiere, nach den Ursachen forsche, an mir arbeite und nicht vergesse, was passiert ist. Aber dazu gehört auch, in die Zukunft zu blicken und sie anzupacken.

danke, das klingt gut auch wenn es in der praxis kein spaziergang ist. grade der aspekt mit zukunft und so weiter.

Ob es das ist, was man "sich selbst vergeben" nennen kann, weiß ich nicht. Leider kann ich auch keinen Weg beschreiben, wie man zu dieser "Akzeptanz" gelangt. Ich weiß nur, dass das für mich eine sehr wichtige Erkenntnis war – vielleicht kannst du damit auch etwas anfangen?

ja, vielen dank, das kann ich. ich weiß noch nicht ganz genau was, aber einige sehr interessante gedanken nehme ich jedenfalls daraus mit.

rufusIII

Also ich glaube im Grundsatz geht es darum, das harte Bild, was man von sich selbst hat, evtl. auch als sein erbarmungslosester Richter, zu relativieren, indem man es in eine Reihe von menschlichen Stimmen stellt, die einem besser vergeben können, als man selbst.

aber was wenn gerade die direkt und indirekt betroffenen nicht vergeben (können oder wollen, ist ja auch total egal)?

für außenstehende ist es sehr einfach zu akzeptieren und zu sagen, ach was, ist nicht so schlimm, mach dir keinen kopf. die betrifft es ja nicht. deswegen sind menschliche stimmen zwar dafür gut, das eigene gefühl und die eigene einschätzung irgendwie einzupendeln (wenn man es selbst zu sehr verharmlost oder aber sich zu sehr reinsteigert). man findet vielleicht einen gesünderen blick und eine ausbalanciertere gewichtung, aber eigentlich ist allein entscheidend, was die betroffenen sagen, oder?

Natürlich gibt es auch schlimme Vergehen, über die jeder nur den Kopf schüttelt. Hier kann man sich nur noch darauf zurückziehen, dass man so etwas nie wieder tun will und tun wird. Immerhin! Das ist schließlich extrem wichtig, nicht noch Schuld zu mehren.

danke für das "immerhin". das hat mir beim lesen irgendwie gut getan. mehr kann ich dazu gar nicht sagen.

So eine Schuld, oder Verantwortung trägt man dann sein Leben. So ist es nun mal. Es gibt auch sicher Verbrechen, die nach menschlichem Ermessen unverzeihlich sind. Damit leben man dann. Punkt.

punkt, ja. hm.

Ich glaube dass es nicht wenige Menschen gibt, die Schuld lebenslang tragen, schon wegen weniger schweren Verbrechen. Sogar wegen kleiner Vergehen! Das gehört in irgendeinem Umfang fest dazu zum Phänomen Mensch.

ja, meinst du? ich denke, das gefühl von schlechtem gewissen und bereuen kennen viele. aber schuld? naja, was weiß ich schon. vielleicht hast du recht.

Boisqkotxti


Der Buddhismus spricht von Karma, was genau die Auswirkung der schlechten Tat bedeutet, und die Wirkung, die diese auf andere haben.

Wir spüren diese in uns selbst, denn wir sind in dem Sinne ein großer Organismus und nicht voneinander so sehr getrennt, wie wir meinen. Wenn wir Vergebung und Selbstvergebung und künftig in der Liebe, also fürsorglich für andere, spürt natürlich auch das das Umfeld. Dieses gute oder schlechte Mit-Spüren resultiert aus unserem angeborenen Mitgefühl und das können wir, wenn wir uns schuldig fühlen, kultivieren.

Das hilft tatsächlich. Das Christentum würde es als "tätige Reue" bezeichnen (davon abgesehen, dass die Vergebung bewusster und unbewusster Schuld dessen Kern ist).

BIiskotxti


Wenn wir Vergebung und Selbstvergebung und künftig in der Liebe, also fürsorglich für andere,

Hier sollte eigentlich stehen: Wenn wir Vergebung und Selbstvergebung anstreben und künftig in der Liebe, also fürsorglich für andere, handeln. ":/

BLiskdoptti


Wenn wir Vergebung und Selbstvergebung anstreben und künftig in der Liebe, also fürsorglich für andere, handeln. ":/

Hier fehlt immer noch etwas, nämlich fürsorglich nicht nur für andere, sondern auch für uns selbst handeln ... Das beinhaltet den bewussten und liebevollen Umgang mit uns selbst UND anderen. Das halte ich dann auch für die einzige Möglichkeit, wirklich weiterleben zu können. Sonst ist es kaum möglich, zu innerem Frieden zu finden.

h3ello dVarknesxs


danke biskotti.

Eri#str~opfxen


Ich persönlich finde das Thema "Schuld" sehr schwerwiegend, was man im Leben ziemlich unterschätzt. Interessant, dass du von dem Jungen erzählt hast, der bei Domian angerufen hat. Ich habe seine Sendung (ist aber schon einige Jahre her) sehr oft gesehen, da war auch das Thema "Schuld". Und da hat auch ein Mann (Ende 30 J.) angerufen und erzählt, dass er und seine Freunde (er allerdings der Initiator) immer einen Jungen aus der Klasse gemobbt haben. Angefangen mit 10 Jahre bis 15, bis der Junge mit seinen Eltern umgezogen war. Sie haben diesen Jungen systematisch fertig gemacht, Tag für Tag, beschimpft, geschlagen usw. das volle Programm halt wie man so ein junges Leben fertig machen kann. Nun ja, der Junge ist nun weg gezogen, und erstmal war alles ok, ging alles seinen Weg. Danach war dieser (inzwischen) Mann bei der Bundeswehr und unerwarteterweise wurde ER zum Mobbingopfer. Er hat erzählt, dass er noch nie im Leben so gelitten hat. Danach war es aber nicht zu Ende. Er wurde ebenfalls zum Mobbingopfer auf der Arbeit und das jahrelang. So, das Ende vom Lied war nun, dass er bereits seit 15 Jahren diesen Jungen sucht. Es ist sein sehnlichster Wunsch gewesen sich bei ihm zu entschuldigen. Und er findet ihn nicht und so lebt er mit dieser Schuld weiter. Und es macht ihn fertig. Ich fand diese Geschichte sehr schlimm, für beide Seiten. Jetzt zu Deinem Fall:

Ich finde, es ist wichtig um Verzeihung zu bitten. Nicht nur für Dich. Lass den anderen wissen, dass es Dir unendlich leid tut für das was passiert ist. Dass die Folgen für Dich damals nicht absehbar waren. Es wird Dir besser gehen. Auch dem anderen. Meine Meinung.

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