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große schuld

dcaSnaex87


Mir kam noch ein Gedanke: Du schreibst, dass du dich vorallem für all das unvorhergesehene Schlecht fühlst. Da frage ich mich dann in wie weit du die Verantwortung für das Handeln anderer übernimmst und dich für die schuldig fühlst.

Wenn ich das richtig verstehe hast du etwas getan und das hat quasi eine Lawine losgetreten in deren Gefolge jede Menge Kollateralschäden entstanden. Das klingt so als hätten weitere Personen sich sehr bescheiden verhalten und du addierst das alles auf dein Konto, weil du der Auslöser warst.

Diese Art Schuld, die die einem gar nicht wirklich gehört, wird man meiner Erfahrung nach viel schwerer los als die eigene. Seltsamerweise, eigentlich sollte es ja umgedreht sein. ":/ ":/

Die Frage die du mal ansehen könntest wäre also: was genau geht wirklich auf mein Konto und wo haben andere Leute ihrerseits Entscheidungen getroffen und damit maßgeblich zur Lawine beigetragen?

k)olt3rast


Danae bringt einen neuen Aspekt in unsere Betrachtungen - vielen Dank dafür. Ihr wisst ja, dass auch mich dieses Thema (wegen eigener Erfahrung) sehr berührt.

Wenn ich das richtig verstehe hast du etwas getan und das hat quasi eine Lawine losgetreten in deren Gefolge jede Menge Kollateralschäden entstanden. Das klingt so als hätten weitere Personen sich sehr bescheiden verhalten und du addierst das alles auf dein Konto, weil du der Auslöser warst.

...das wäre dann sowas wie Fremdschämen: Fremdschuldigfühlen.

Zitat

Jeder von uns hat sich schon sehr daneben benommen oder andere belogen... von da her werden Deine Leute Deine Ehrlichkeit sicher wertschätzen.

hm es macht aber schon einen ganz ganz großen unterschied ob man sich daneben benimmt oder richtig richtig scheiße baut.

"Scheisse bauen" ist für mich nicht genau fassbar, weil meine Muttersprache nicht hochdeutsch ist. Ich wählte "daneben benehmen" oder "belügen", um ein "breiteres Spektrum" abzudecken. Vielleicht würdest Du in meinem Fall auch von "Scheisse gebaut" reden - ich weiss es nicht.

Aber das was koltrast schreibt, das Verzeihen allein aufgrund der Reue, dass ist doch Gnade und die Fähigkeit dazu ist eine der besten die Menschen haben.

...dazu kommt mir gerade ein Sprichwort in den Sinn, dessen Urheber ich im Moment nicht weiss: Gnade ist unverdiente Güte.

Die, welche Dir noch nicht wieder gut gesinnt sind, würden viel gewinnen, wenn sie die Chance bekämen, Dir zu verzeihen. In meinem Fall bekam ich DEN Seelenfrieden zurück, den ich während der leidvollen 5 Jahre vermisste. Die Zeit war nach 5 Jahren reif. Irgendwann wird sie auch für Dich reif sein - und ich hoffe, dass das bald ist.

Wer aber in der Lage ist, sich das "einfach so" schenken zu lassen - wunderbar! Es ist, wie gesagt, ein Paradox: Für viele ist es ein unabdingbarer, jahre- oder jahrzehntelanger Weg. Aber auch eine plötzliche Befreiung kann gelingen, wenn wir selbst es schaffen, uns und anderen ohne großes Nachdenken und Abwägen zu vergeben.

Schön wieder von Biskotti!

Ich hoffe, dass Du Dir Verzeihung schenken lassen kannst - und die Opfer werden Befreiung verspüren. (=Seelenfrieden)

Mach Dir klar: Solange Du glaubst, Du solltest es allein hinkriegen, weil Du es ja auch allein verbockt hast, bestrafst Du Dich selbst. Solange hast Du Dir noch zusätzlichen einen schweren Stein auf den Rücken gepackt.

Lass' Dir eine kleine Geschichte erzählen.

Wir tragen "unser Leben" in einem grossen Rucksack mit uns mit - wohin wir auch gehen. Im Lebensrucksack hat es auch Steine, grosse und kleine. Durch das Gehen reiben die Steine aneinander und es schafft sich Sand ab. Manchmal setzen wir den schweren Rucksack ab und halten inne - damit wir ihn wieder tragen mögen. Manchmal bringen wir während so einer Rast "Ordnung" in den Rucksack. Wir packen alles aus und sortieren es neu ein. Den Sand, der sich unten im Rucksack angesammelt hat, leeren wir aus. Der Rucksack ist leichter geworden und trägt sich weniger mühsam. Es ist auch wieder Platz für Neues im Rucksack, Schönes auch, das vorher keinen Platz mehr drin fand wegen dem vielen Sand.

Die Geschichte ist nicht von mir und das Original finde ich im Moment auch nicht.

k.oltraxst


...worauf ich hinauswollte: ein guter Therapeut/Psychiater kann Dir helfen, die Steine zu Sand zu verwandeln und Deinen Rucksack neu zu packen. (Im übertragenen Sinne gemeint.)

Bgiskrottxi


Ich bin wieder bei Dir, Koltrast. Zeit ist ein Faktor der inneren Entwicklung, damit wir geben - auch vergeben - und annehmen können. Währenddessen versuchen wir, uns ein gutes Ergebnis vorzustellen und merken, dass wir dazu kein Bild finden. Dies passsiert aber vielleicht, weil die Entwicklung dazu die Voraussetzung ist und diese noch gar nicht abgeschlossen ist.

Ich bin auch bei Danae. Diesen Packen an Schuld überhaupt zu entwirren, ist oft schwierig. Wir fühlen uns manchmal wohl auch für Dinge schuldig, die irgendwo und unausweichlich in der Entwicklung lagen. Sind wir in manchem determiniert und hatten zum Zeitpunkt des Geschehens keine Wahl? Das soll keine flaue Rechtfertgung sein, aber es ist nicht immer klar zu erkennen.

Genau deshalb ist alles Verzeihen im Grunde Gnade, ja!

BuiskXo}tti


Mein eigenes Erleben: Ich selbst war noch sehr jung und unreif, als mir Dinge übergestülpt wurden, wofür ich eindeutig noch nicht reif war. Die Schuld resultierte also zum Teil aus einer Überforderung und zu einem Teil aus meiner Familiengeschichte. Das hat meine Schuld nicht geringer gemacht, aber ich hatte "Erbarmen" mit mir selbst an einem bestimmten Zeitpunkt meiner Fortentwicklung: Wie sollte ich es nicht haben mit diesem unfertigen, hilf- und haltlosen jungen Mädchen, das ich war?

Ich konnte mich auf einmal wahrnehmen in diesem Zustand und spürte statt Selbstablehnung und Selbstverdammen zum erstenmal so etwas wi Liebe zu mir und Verständnis. Und seitdem ist es mir - nicht immer, aber immer öfter - auch möglich, anderen mehr Verstehen entgegenzubringen.

daanaxe87


Für mich war wichtig erstmal Verantwortung und Schuld zu trennen und danach aufzudröseln was überhaupt meines ist und was man mir nur zuschustern wollte. Und dann irgendwann konnte ich mir einfach sagen: ist gut. So wie ich auch anderen verzeihen und sagen konnte:ist gut.

k@o;ltrxast


Ich vermutete es... sowohl Biskotti, als auch Danae und ich sind schon durchs Feuer gegangen. Was Biskotti über ihre "junge Zeit" schreibt, habe ich ähnlich ertragen müssen.

Für mich war wichtig erstmal Verantwortung und Schuld zu trennen und danach aufzudröseln was überhaupt meines ist und was man mir nur zuschustern wollte. Und dann irgendwann konnte ich mir einfach sagen: ist gut. So wie ich auch anderen verzeihen und sagen konnte:ist gut.

Biskotti, Danae und ich sind diesen Weg gegangen - und hello Darkness scheint mir jetzt am Anfang dieses Weges zu sein. Soweit wir es hier können, begleiten wir sie. Manchmal ist Anonymität sehr gut. Vielleicht heisst sie in ein paar Jahren hello Light. :)*

yGumkumu


Jemand oder vielleicht auch einige haben es schon hier geschrieben (ich habe nur etwa die Hälfte des Fadens gelesen): Es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich zu stellen.

Meine Erfahrung: Der Schmerz ist elementar. Selber zu fühlen, was der andere empfunden hat.

Das geht intuitiv.

Und das wird - bei mir jedenfalls - nie verschwinden. So wie es auch im Leben des anderen Menschen nie verschwinden wird. Man kann den Schmerz verarbeiten, ihn überwinden. Aber er wird nicht ausgelöscht. Er bleibt Bestandteil des eigenen Lebens.

Schuld?

Damit kann ich nicht viel anfangen. Der Schmerz, den ich zugefügt habe, ist für mich das Wichtigste.

Damit stehe ich auch ganz zu meiner Verantwortung, 100%. Und zwar vor allem emotional.

Schuld? Sagt mir nichts. Leeres Wort.

Ich weiß nicht, was andere damit meinen, wenn sie von Schuld sprechen.

Ich brauch auch nicht, mich zu bestrafen, zu geißeln usw. Wozu?

Ich habe diese Dinge im Verdacht, dass sie Versuche sind, sich auf einem Umweg von etwas zu befreien. Strategien der "Erlösung".

Das zugefügte Leid zu spüren. Darum geht es. Der Rest ist verfälschende gesellschaftliche Konvention, wonach man greift, wenn man sich nicht stellen kann.

Freilich gilt das für meine persönliche Erfahrung.

Es handelt sich weder um Gewalt, noch um etwas Illegales. Es ist etwas Zwischenmenschliches. Das macht es aber nicht unbedeutend.

Auch Zwischenmenschliches kann ganz, ganz schlimm sein und einen Menshen, der davon betroffen ist/war, für den Rest seines Lebens beeinflussen und eine sehr tiefe, ja kaum richtig vernarbende Wunde hinterlassen.

Ich sehe aber nicht, warum ich davor fliehen sollte. So wie der andere Mensch damirt leben muss, muss ich es auch - als der, der es getan hat.

Verzeihung?

Nein. Das sagt mir nichts.

Was geschehen ist, ist geschehen.

Wenn der andere Mensch mir es verzeihen würde, das würde es für mich nicht ungeschehen machen, so wie ein Verzeihen es für den anderen auch nicht ungeschehen macht.

Man kann es nur in beider Leben vielleicht so integrieren, dass eine menschliche Beziehung wieder möglich wird - wissend, was geschehen ist, aber weiter gehend, statt nur da stehen zu bleiben.

Ich möchte auf gar keinen Fall, dass der andere so tun würde, als wäre nichts geschehen.

Das wäre schlimm.

B-isko;tti


Schuld ist einfach unser Anteil am Leid anderer.

Das bedeutet, was Leid erzeugt, hat irgendwo seine Ursache. Wenn die bei anderen Menschen liegt, ist der Konsens, es "Schuld" zu nennen. Diesem Gefühl dann mit tätiger Liebe zu begegnen, kann im Sinne von Karma das zugefügte Leid wieder gutmachen. Ohne Reue funktioniert da nichts.

Über religiöse Teilaspekte zu diskutieren, möchte ich an dieser Stelle vermeiden, das geht in den persönlichen Glaubensbereich, und ich selbst würde darüber in einem anonymen Forum nicht schreiben wollen.

huelklo darkxness


biskotti, koltrast und danae87

ihr habt viel geschrieben, danke! es ist ein bisschen viel für mich muss ich gestehen, weil das beschäftigen mit dem thema nicht gerade emotionslos abläuft.

Ich finde irgendwie wird "Schuld" in unserer Kultur zu sehr auf Wiedergutmachung/Vergebung reduziert. Dabei gibt es ja auch noch die Gnade, also eine neue Chance ohne das man etwas wieder gut gemacht hätte.

Ich schrieb weiter vorn schon: Letztlich kommt es nicht so sehr darauf an, WIE ich Vergebung - und somit Gnade - erlange, sondern DASS ...

damit habe ich mich noch nie auseinandergesetzt. nicht mit dem begriff und nicht mit der idee dahinter. was ist gnade denn? die befreiung von der schuld, einfach so? oder die nachsicht der anderen, einfach so? im grunde wieder die frage nach dem zusammenhang zwischen schuld und vergebung/wiedergutmachung oder die verbindung zwischen shculdigem und betroffenem.

Und man darf auch mit sich selbst gnädig sein

das finde ich schwer. ich will mich in diesen bestimmten punkten gar nicht selbst verstehen und nachsichtig mit mir selbst sein. ich habe angst davor.

Mir kam noch ein Gedanke: Du schreibst, dass du dich vorallem für all das unvorhergesehene Schlecht fühlst. Da frage ich mich dann in wie weit du die Verantwortung für das Handeln anderer übernimmst und dich für die schuldig fühlst.

Wenn ich das richtig verstehe hast du etwas getan und das hat quasi eine Lawine losgetreten in deren Gefolge jede Menge Kollateralschäden entstanden. Das klingt so als hätten weitere Personen sich sehr bescheiden verhalten und du addierst das alles auf dein Konto, weil du der Auslöser warst.

Die Frage die du mal ansehen könntest wäre also: was genau geht wirklich auf mein Konto und wo haben andere Leute ihrerseits Entscheidungen getroffen und damit maßgeblich zur Lawine beigetragen?

das sind fragen denen ich aus dem weg gehe, weil es sich für mich so anfühlt als würde ich ausreden suchen oder meine fehler anderen in die schuhe schieben wollen.

der zweite grund ist der dass es natürlich eine vorgeschichte gibt und natürlich kompliziert ist.

das alles was ich gemacht habe, hatte schon gründe und sicher haben die anderen ihren teil beigetragen. trotzdem hätte ich das nicht tun dürfen oder aber nur ganz ganz anders.

wenn ich anfange das alles auseinanderzunehmen und den anderen personen jeweils ihr schlechtes verhalten zuzuschieben, das jeweils auch nur eine reaktion auf schlechtes verhalten von anderen ist hat das doch alles keinen anfang und kein ende.

in meinem fall war die direkt betroffene person scheiße, aber das rechtfertigt nicht solchen mist zu bauen und nur wiel die person scheiße war, macht es mich nicht besser und meine schuld nicht leichter, leider.

Die, welche Dir noch nicht wieder gut gesinnt sind, würden viel gewinnen, wenn sie die Chance bekämen, Dir zu verzeihen. In meinem Fall bekam ich DEN Seelenfrieden zurück, den ich während der leidvollen 5 Jahre vermisste. Die Zeit war nach 5 Jahren reif. Irgendwann wird sie auch für Dich reif sein - und ich hoffe, dass das bald ist.

Ich hoffe, dass Du Dir Verzeihung schenken lassen kannst - und die Opfer werden Befreiung verspüren. (=Seelenfrieden)

koltrast ich weiß nicht was ich sagen soll. was du selbst erlebt hast klingt so schön und gleichzeitig (für mich) so bitter. ich glaube nicht daran dass einer meiner verwandten mir gegenüber so empfinden würde. ich kann es natürlich nicht mit sicherheit wissen aber kann es mir beim besten will nicht vorstellen. wir sind im bösen auseinander, das war so endgültig und furchtbar.

deswegen denke ich vor allem: was wenn nicht? wenn es keine verzeihung und keine befreiung geben wird?

bleibt es dann immer so wie es jetzt ist? (=nicht gut)

h(ellox darfknexss


Mein eigenes Erleben: Ich selbst war noch sehr jung und unreif, als mir Dinge übergestülpt wurden, wofür ich eindeutig noch nicht reif war. Die Schuld resultierte also zum Teil aus einer Überforderung und zu einem Teil aus meiner Familiengeschichte. Das hat meine Schuld nicht geringer gemacht, aber ich hatte "Erbarmen" mit mir selbst an einem bestimmten Zeitpunkt meiner Fortentwicklung: Wie sollte ich es nicht haben mit diesem unfertigen, hilf- und haltlosen jungen Mädchen, das ich war?

Ich konnte mich auf einmal wahrnehmen in diesem Zustand und spürte statt Selbstablehnung und Selbstverdammen zum erstenmal so etwas wi Liebe zu mir und Verständnis. Und seitdem ist es mir - nicht immer, aber immer öfter - auch möglich, anderen mehr Verstehen entgegenzubringen.

puh biskotti das was du schreibst trifft mich gerade sehr. danke

und an alle anderen: danke dass ihr mir weiter helft.

k`oltFraxst


deswegen denke ich vor allem: was wenn nicht? wenn es keine verzeihung und keine befreiung geben wird?

bleibt es dann immer so wie es jetzt ist? (=nicht gut)

...dann hast Du es wenigstens versucht und schon das wird Dir ein besseres Gefühl geben.

Den ersten Schritt zu wagen, ist immer sehr schwer und ein grosses Unterfangen mit unsicherem Ausgang. Ich finde, dass "der Täter" den ersten Schritt tun sollte - die "Opfer" sind durch die Tat und den Kontaktabbruch getroffen und verunsichert.

In meinem "Fall" hätte ich NIE IM LEBEN den ersten Schritt gemacht und zwar deshalb, weil ich kurz vor meiner Bewusstlosigkeit noch gehört hatte, dass es "für immer" ist. Das glaubte ich und respektierte es auch. Ein paarmal war ich drauf und dran, anzurufen oder zu schreiben - liess es wegen dem "für immer" bleiben.

WIE Ihr damals genau auseinander gegangen seid, wissen wir nicht - ist nicht nötig - aber DU weisst es und kannst Dir Deine Gedanken dazu machen.

wenn ich anfange das alles auseinanderzunehmen und den anderen personen jeweils ihr schlechtes verhalten zuzuschieben, das jeweils auch nur eine reaktion auf schlechtes verhalten von anderen ist hat das doch alles keinen anfang und kein ende.

Bei diesem Auseinandernehmen und Sortieren wird Dir der Psychiater helfen - darin sind sie Spitze, Ordnung in die Gedanken ihrer Patienten zu bringen. Mit der Zeit wird er das Muster dieser Kettenreaktion erkennen und es Dir bewusst machen können.

puh biskotti das was du schreibst trifft mich gerade sehr. danke

Lass' Dich in dem Tempo auf das ein, was wir Dir hier schreiben. DASS Du Dich drauf einlässt und "diese Sache" bearbeiten willst, ist ein guter Anfang. Mach' kleine Schritte und schöpfe zwischendurch auch Atem, so kommst Du langsam ans Ziel, dafür ganz sicher.

Ich bleibe hier bei Dir im Faden, und die anderen ganz gewiss auch.

BBiskxotti


Ja, Darkness, und wenn unser Leid "nur" dazu da ist, andere besser verstehen zu können und vielleicht sogar für sie mehr zu tun, dann war es doch nicht ganz umsonst auf dieser Welt, nicht?

dYanaex87


ihr habt viel geschrieben, danke! es ist ein bisschen viel für mich muss ich gestehen, weil das beschäftigen mit dem thema nicht gerade emotionslos abläuft.

Das ist völlig logisch und gar nicht schlimm. Du bist nicht verpflichtet hier postwendend zu antworten. Es ist auch ganz in Ordnung wenn du erstmal etwas sacken lässt oder eine Woche nachdenken musst oder wie lange es eben halt dauert.

was ist gnade denn? die befreiung von der schuld, einfach so? oder die nachsicht der anderen, einfach so? im grunde wieder die frage nach dem zusammenhang zwischen schuld und vergebung/wiedergutmachung oder die verbindung zwischen shculdigem und betroffenem.

Es geht eben nicht um Wiedergutmachung sondern um den Verzicht auf jede Strage, jede Form von Rache. Im christlichen Kontext ist es die Reue alleine die reicht um frei zu werden. Die Idee dahinter ist das jeder Mensch Schuld auf sich lädt und es im Grunde niemals wieder gut machen kann, weil die Mittel eben begrenzt sind. Denn selbst wenn ich mich entschuldige, Schulden bezahle oder so, eine Narbe bleibt ja meist zurück, wie bei koltrast zu sehen. Aber Gott liebt einen wie Eltern ihre Kinder lieben sollten. Einfach so, weil sie da sind und wenn sie ihren Fehler erkennen und bereuen, dann ist das schon das Allerwichtigste.

Frei von dem Gottes-Gedanken finde ich die Idee sehr sinnig, denn was ist am Ende durch diese Selbstgeißelung gewonnen? Was haben deine Verwandten davon, dass du hier und heute so leidest? Am Ende nicht viel oder? Es macht ihren Schmerz nicht ungeschehen, kittet eure Beziehung nicht, ändert nichts, heilt nichts. Am Ende steht bei der Bilanz nur mehr Schmerz und Leid und Elend. Vielleicht bei ihnen, ganz sicher aber bei dir und in der Folge auch bei einem Umfeld, dass nicht nahe an dich rankommt und nicht weiß weshalb oder ähnliches.

Gnade zu erfahren bedeutet nicht, dass man munter weiter machen kann. Gnade bedeutet nur, von diesem Wiedergutmachungsgedanken frei zu werden, den Schmerz und das Geschehene anzunehmen, zu zulassen, zu betrauern und dann wieder offen zu sein für etwas Neues, schönes, nicht noch mehr Leid zu produzieren in dem man festhält was mal war.

ich will mich in diesen bestimmten punkten gar nicht selbst verstehen und nachsichtig mit mir selbst sein. ich habe angst davor.

Weshalb.

das sind fragen denen ich aus dem weg gehe, weil es sich für mich so anfühlt als würde ich ausreden suchen oder meine fehler anderen in die schuhe schieben wollen.

Erklärungen und Zusammenhänge sind nicht das gleiche wie Ausreden oder Rechtfertigungen. Sie sind viel mehr elementarer Teil des Prozesses, der einen befähigt solche Fehler nicht zu wiederholen.

Man sieht hinterher klar, was man so gemacht hat und welche Situation einen soweit gebracht hat, sich in dieser Weise zu verhalten, auch kann man sich Handlungsalternativen suchen. Den Prozess zu reflektieren bedeutet nicht, den eigenen Fehler klein zureden.

wenn ich anfange das alles auseinanderzunehmen und den anderen personen jeweils ihr schlechtes verhalten zuzuschieben, das jeweils auch nur eine reaktion auf schlechtes verhalten von anderen ist hat das doch alles keinen anfang und kein ende.

Doch, dass sieht nur am Anfang so aus. Es ist in meinen Augen auch keine Handlung geboren aus Feigheit sondern eine Handlungsweise die auf Respekt den Anderen gegenüber fusst. Den anderen Menschen nämlich ihren Anteil zu lassen, bedeutet sie als Erwachsene und selbstständig denkende und entscheidende Wesen wahrzunehmen. Nehme ich alles auf mich, mache ich jede Chance auf Augenhöhe zunichte, denn ich erhöhe mich über sie, in dem ich mich erniedrige. In dem ich so tue als wäre ich alleine verantwortlich und schuldig, tue ich so, als hätten die anderen keinen eigenen Willen gehabt.

in meinem fall war die direkt betroffene person scheiße, aber das rechtfertigt nicht solchen mist zu bauen und nur wiel die person scheiße war, macht es mich nicht besser und meine schuld nicht leichter, leider.

Siehe oben Erklären ist ungleich rechtfertigen. Es ist nur ein Schritt um ernsthaft und tiefgreifend daraus zu lernen.

Weißt du, ich war früher ziemlich gewalttätig, aber auch ich war das nicht einfach nur so, aus dem luftleeren Raum heraus. Da gab es Gründe für, Zustände in meinem Umfeld, die das begünstigt, ja in manchen Fällen sogar erfordert und damit verstärkt haben. Mein Defizit war nicht allein, dass ich Zugeschlagen habe, dass habe ich getan wenn ich mich schon rettungslos in die Ecke gedrängt fühlte. Mein hauptsächliches Defizit war, dass ich vorher keine klaren Grenzen gezogen und nicht deutlich kommuniziert habe, oft um niemanden zu verletzen. Die scheinbar nette Eigenschaft der Rücksichtnahme, war also ursächlich für die wenig tolle Eigenschaft eher ein Kampf-Mensch, als ein Flucht-Mensch zu sein. Ohne die Situation aufgedröselt zu haben, bliebe mir nur ein verzicht auf zu engen Kontakt mit zahlreichen Angehörigen und anderen Menschen, weil ich sonst immer in der selben Falle verweilen würde.

deswegen denke ich vor allem: was wenn nicht? wenn es keine verzeihung und keine befreiung geben wird?

Dann wirst aller wahrscheinlichkeit Muster entwickeln, die dem Drang sich zu bestrafen entgegen kommen. Wie das dann aussieht, ob du immer auf Distanz und damit Einsam bleibst oder andere Verhaltensweisen entwickelst, kommt einfach auf die Veranlagungen an. Aber irgendwie bricht sich so ein Selbstekel immer bahn und macht einen kaputt.

kuoFltrxast


Doch, dass sieht nur am Anfang so aus. Es ist in meinen Augen auch keine Handlung geboren aus Feigheit sondern eine Handlungsweise die auf Respekt den Anderen gegenüber fusst. Den anderen Menschen nämlich ihren Anteil zu lassen, bedeutet sie als Erwachsene und selbstständig denkende und entscheidende Wesen wahrzunehmen. Nehme ich alles auf mich, mache ich jede Chance auf Augenhöhe zunichte, denn ich erhöhe mich über sie, in dem ich mich erniedrige. In dem ich so tue als wäre ich alleine verantwortlich und schuldig, tue ich so, als hätten die anderen keinen eigenen Willen gehabt.

Ja - wieder ein Schlüssel zu einem Schloss, das rostig ist und klemmt.

Mein Defizit war nicht allein, dass ich Zugeschlagen habe, dass habe ich getan wenn ich mich schon rettungslos in die Ecke gedrängt fühlte. Mein hauptsächliches Defizit war, dass ich vorher keine klaren Grenzen gezogen und nicht deutlich kommuniziert habe, oft um niemanden zu verletzen.

Ich denke, dass Dir das auch viel gibt - Du hast am Anfang das Wort "Gewalt" erwähnt.

Du bist nicht allein auf der weiten Welt mit einer solchen Problematik! Danae ist davon frei geworden und hoffentlich wirst Du es auch. Ich finde, dass es ein Trost sein kann, dass Mitmenschen so etwas selber auch durchmachen mussten und Dich nun zwischen den Zeilen wissen lassen, dass es möglich ist, Abstand davon zu bekommen und mit der Zeit wieder frei zu werden.

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