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Weiblicher Narzissmus

pKinknKico7x5


Bei mir lief Kritik meistens so ab "ach, ist ja typisch dass Du DAS auch wieder nicht hinbekommen hast. Du machst uns keine Freude.."

Bei mir lief das subtiler ab, oft so

"Bist Du Dir sicher, dass Du das wirklich kannst? Du scheinst mir nicht so, als ob Du das hinbekommst weil Du so und so bist.....und wenn man so ist, dann ist es mehr als fraglich ob das funktioniert".....

Also es wurde immer verunsichert und einem jedes Talent von vorneherein abgesprochen...

rTrk20A1x7


Ja das dürfte noch deutlich schlimmer sein, weil mans nicht merkt..

puinlkn1ico75


rr2017

Beides ist schlimm und schwächt das Urvertrauen zu den Eltern und noch schlimmer das Vertrauen in sich selbst.

Ganz doof war es auch immer, wenn man nichts von seinem Vorhaben erzählt hat, es nicht erfolgreich verlief oder man selbst enttäuscht war, wenn man nicht erfolgreich war und der eigene Vater dann lachte und selbstgefällig meinte "das hätte ich Dir gleich sagen können (dass Du das nicht schaffst)"

Da hat man solche Wut in sich, man würde am liebsten Gewalt anwenden gegen den eigenen Elternteil. Also auch hier wieder völlig unverhältnismäßig

rOr201x7


also bei mir bliebs nicht bei "man würde am liebsten Gewalt anwenden" ;-)

p[iYnknicxo75


Ich hab öfters davon geträumt ihm eine reinzuhauen :-X

Abartig oder...

Okay aber mit der notwendigen Distanz und seinem zunehmenden körperlichen Verfall bin ich milder geworden und habe die Situation für mich abgehakt. Ich versuche da nichts mehr zu ändern (geht ja eh nicht). Ich besuche ihn und halte lösen Kontakt und versuche ihn nicht mehr allzu emotional an mich heranzulassen.

rar201x7


Nein, ich finde das überhaupt nicht abartig.

Man ist da einer manipulativen Gewalt ausgesetzt, die zum einen nicht bekämpfbar ist (weil immer alles so verdreht wird dass es in deren System passt) und zum anderen aufgrund der engen Bindung an die Eltern als Bezugsperson geradezu existenzielle entkräftende Ausmaße annehmen kann. Es geht letztlich um Leben und Tod dabei.

Sich gegen diese Gewalt in purer Not gegebenenfalls auch körperlich zu wehren, ist verständlich und (finde ich) auch legitim.

Dass Du das abartig findest könnte eher darauf hinweisen dass Du immer noch zu viel schlechtes Gewissen mit Dir rumträgst.

EdhemZaliger NutYze&r (#568697)


@ rr2017

so oder ähnlich haben das ja vermutlich viele die hier im Faden lesen erlebt. Aber darum gings mir momentan nicht, sondern darum gerade das ja mit eigenen Kindern anders zu machen und dafür braucht man ja Ideen wie. Diese Strukturen sind bei uns unbewusst ja drin und selbst wenn man selbst so gut man kann vermeidet sie anzuwenden ist die Schwierigkeit ja immer es selber ganz anders zu machen, besonders, wenn man grad selber noch auf dem Weg aus den Strukturen raus ist. Da hilft es ja manchmal Ideen zu bekommen, wie man es statt dessen macht.

@ Alias

ich hoffe ich greife da jetzt nicht vor, aber weil Du ja erwähnt hast, dass Du auch wegen Deiner Kinder etwas verunsichert warst dazu etwas aus meiner Erfahrung( so kurz wie möglich ;-) ).

(Falls das wichtig ist: Mein stark verkürzter Backround: Vater diagnostizierter Narzisst, Mutter (Ex- (soweit man das bei Abhängigkeit sein kann))Co-abhängig. Mutter verliess mit uns Kinder das "System" als ich 17 war. Ich habe in dem Alter dann eine Einzeltherapie gemacht ( Depression/ SVV / Verdacht auf Bullemie) und später während des Studiums noch mal ein paar Stunden wegen Procastination hinterher geschoben. Bin Anfang 30 - noch keine eigenen Kinder).

Womit ich gerade in der Thearpie anfangs große Probleme hatte war eben Lob / Kritik. Vermutilch bin ich da nicht die einzige. Und ein Grund den ich für mich gefunden habe war, dass konstruktive/s Lob/Kritik bei mir eher selten statt fand. Väterlicherseits gar nicht. Mütterlicherseits etwas, aber auch wenig. Meine Oma mütterlicherseits war noch die, die das öfter brachte. In meinem Umfeld sonst hauptsächlich ein Karatelehrer und einen Englisch Lehrer, aber ich war- aus heutiger Sicht - zu sehr in kontrollierendem Funktionsmodus um etwas anderes zu realisieren als das ich Oma, den Karatelehrer und den Englisch Lehrer von den Erwachsenen etwas lieber hatte als alle anderen (incl meiner Eltern - auch meiner Mutter zu dem Zeitpunkt).

Ich bekam hauptsächlich das was ich als (destruktives) "Definitionslob" bezeichnen würde: Du bist gut - Du bist schlecht. Wenns von meinem Vater kam manchmal eben auch in Gefühls-Befehlsform: "Da hat man nicht traurig zu sein" (wenn ich unangemessen traurig schaute - für seine Verhältnisse) "Du bist doch sicher traurig jetzt - zeig das doch auch." (wenn es aus seiner Sicht angemessen war und ich nicht genug Trauer zeigte) und natürlich sein beliebstes: "Du freust dich doch über Papas erfolg - genier Dich nicht, das darf jeder sehn" und so weiter. Er konnte nicht nachfragen wie wir Kinder uns fühlten - es war entweder irrelevant, wurde uns "vorgeschrieben" oder wir wurden kritisiert wenn wir in seinen Augen falsch fühlten. Das versucht er auch heute noch - klar. Es ist seine Art "in Kontakt zu gehen".

Das Problem war, dass ich das Definitionsloben für mich unbewusst übernommen hatte, obwohl ich es instinktiv verabscheute! Will sagen wenn ich jemanden loben oder Kritik üben wollte, wählte ich als Kind unbewusst dieses Mittel, weil ich das andere was es auch gab nicht wirklich bewusst wahrnahm. Dieses destruktive Definitionslob ist aber ein Mittel bei dem keine Verbindung entsteht, es ist nicht lebendig, sondern ein statisches nicht entwickelndes. Zumindest wenn es allein steht - ohne konstruktives Lob - konstruktive Kritik in der das Gegenüber auch vorkommt. Mir war zu dem Zeitpunkt nur keine andere Art bewusst.

Mein Therapeut hat dann natürlich völlig anders mit mir geredet. Zu dem Zeitpunkt habe ich nicht erfassen können was genau anders war. Ich weinte nur sehr viel in den Studen, weil er zu mir durchdrang und verstand nicht warum ich weinte, wenn es sich doch jetzt richtig anfühlte, bis ich dann mit Anfang 20 in einer Vorlesung über Kommunikation sass und ungefähr das hier hörte:

[[https://www.youtube.com/watch?v=7M6mkkvWkbE Compliments & Praise]]

(falls Du Dich näher damit beschäftigen willst und englisch kannst: [[https://www.youtube.com/watch?v=nWb2B2uPfMo ein ganzer workshop mit sehr praktischen Beispielen]] indem [[https://youtu.be/nWb2B2uPfMo?t=2h54m8s es hier]] um Lob geht)

Seither habe ich mich immer wieder bemüht - besonders wenn ich mit Kids oder Teenagern rede und Kritik oder Lob geben will selbst sehr viel mehr vorzukommen: warum finde ich was genau toll und wenn ich wissen will wie diese Kids gerade "sind" sie zu fragen anstatt ihnen zu sagen: Du bist gut.

Anfangs fiel mir das schwer ( vielleicht geht Dir das ähnlich), weil ich in diesem Zustand war, den Du im Faden beschrieben hast, wo ich das Gefühl hatte, wenn ich von mir selbst die gesamte "Fremdsteuerung" abziehe - was bleibt denn da überhaupt noch übrig? Ist da überhaupt noch ein "ich" was eben fühlt, das der andere etwas für mich wertvolles, tolles gemacht hat? Und will der andere dieses ich tatsächlich sehen und hören was das zu sagen hat?

Insofern wurde das "richtig loben" und "richtig kritisieren" für mich im Lauf des Studiums ein wichtiges Thema und ist es bis heute. Es ist für mich eine Art Marker geworden anhand dessen ich auch meine eigenen Entwicklungsschwankungen beobachten kann - auch meine Tagesform. Sich aus einer Lage wie dieser Co-Narzisstischen herauszubewegen ist auch für mich immer noch ein Tango und je nach Trigger kann ich trotz Fortschritten immer mal wieder kurz ins alte Schema fallen.

Deine ältere Tochter scheint jemand zu sein der gern "außer" sich lebt - auch "in den Gefühlen anderer". Da ist jemand dann für "Du bist" Lob/Kritik sehr offen und verletzbar. Wenn Du Dein Lob ihr gegenüber mit "für mich ist besonders das und das toll weil sich das für mich so und so anfühlt" anfüllst gibst Du ihr die Möglichkeit auch wieder vom beobachten Deiner Gefühle zu sich selbst zurückzugehen indem Du anschliessend nachfragst wie sie sich bei dem was sie gemacht hat gefühlt hat. Das ist "Hilfe" beim bewusst werden der eigenen Gefühlswelt und möglichst positives wahrnehmen derselben. Je mehr sie z.b fühlt, das das was sie da gemacht hat ihr Spass gemacht hat - und das kann sie wenn du nachfragst - desto leichter, wird es ihr mit der Zeit fallen negative Kommentar links liegen zu lassen. Das wird - weil sie wohl jemand ist der mit ihren Gefühlen mehr bei den anderen als bei sich selbst ist - eine Zeitlang dauern bis sie mehr Bewusstsein über ihr selbst hat (konkret was ihr spass macht oder welche anderen Gefühle sie sonst noch hat). Aber wenn du ihr weniger sagt wie sie ist ,sondern mehr warum du etwas was sie tut toll findest und wie Du bist weil Du ihr zugeschaut hast - kann sie das unterstützen...

Klar auch Deine jüngeres Kind profitiert von der konstruktiven Kommunikation. Es hat nur das Glück bereits gut mit den eigenen Gefühlen verbunden zu sein, während Deine Ältere ständig ausser sich ist. Angst zu überwinden ist auch kein Zuckerschlecken, aber der Weg von "innen" nach "außen", selbst wenn innen viele Ängste sind, ist eigentlich ein stabilerer als anders rum und Routinen im Ängste überwinden in der Kindheit langsam herauszubilden - etwas besseres kann man später wenn man dieses "Tool" auch kognitiv überreisst gar nicht haben.

Ist das verständlich? Etwas nachvollziehbar?

Versteh das bitte nur als Anregung Dir darüber bewusster zu werden. Ich fand es anfangs sehr schwer das umzusetzen, aber wichtig es mal gehört zu haben. Deshalb hab ich es geschrieben in der Hoffnung, dass es unterstützend wirkt, jetzt wo Du gerade dabei bist auch diese Dinge aufzudröseln. Vielleicht wendest Du das ja auch schon verstärkt an - dann wärs nochmal eine Bestätigung dass Du auf dem richtig Weg bist und wenn Du Dir bewusst wirst, vielleicht etwas mehr Sicherheit für Dich, dass Du meilenweit davon entfernt bist ähnliche Fehler wie dein Vater zu machen.

Alias 736247


Wir haben einen Todesfall....nicht böse sein, wenn es mit dem Antworten ein paar Tage dauert....ich habe gerade den Kopf nicht frei.

EHhemFa]liguer Nutyzeer (o#568697)


Mein herzliches Beileid und viel Kraft für diese Zeit. :°_

p-inknixco75


Mein herzliches Beileid.

Natürlich brauchst Du jetzt viel mehr Kraft, um damit fertig zu werden. Alles liebe für Duch und Deine Familie :)- :)*

Alias 736247


Nun ist einige Zeit vergangen. Seit mir bitte nicht böse. Aber mein Kopf ist irgendwie noch immer überfüllt und die Trauer überrennt mich. Irgendwie wird mir im Augenblick ständig alles zuviel. Aber es kamen so eben auch neue Dinge hoch....

Womit ich gerade in der Thearpie anfangs große Probleme hatte war eben Lob / Kritik. Vermutilch bin ich da nicht die einzige. Und ein Grund den ich für mich gefunden habe war, dass konstruktive/s Lob/Kritik bei mir eher selten statt fand.

Ich kann mich an Lob und Kritik immer nur bei wirklicher Leistung erinnern. Wenn ich gute Noten geschrieben hatte, irgendwo die Beste war. Aber einfach nur so, für etwas banales, gab es das auch nie. Und grundsätzlich war Lob immer mit Geld verbunden. Ich wurde dafür bezahlt, wenn ich etwas gut gemacht habe. Diese Vorgehensweise habe ich nun bei meinem Vater auch gegenüber meiner Kinder schon erkannt. Allerdings handhaben wir das eben garnicht so. Und Lob gibt es auch für ein schön gemaltes Bild, eine selbstbewusste Antwort in einer schwierigen Situation oder ähnliches...

Ich bekam hauptsächlich das was ich als (destruktives) "Definitionslob" bezeichnen würde: Du bist gut - Du bist schlecht. Wenns von meinem Vater kam manchmal eben auch in Gefühls-Befehlsform: "Da hat man nicht traurig zu sein" (wenn ich unangemessen traurig schaute - für seine Verhältnisse) "Du bist doch sicher traurig jetzt - zeig das doch auch." (wenn es aus seiner Sicht angemessen war und ich nicht genug Trauer zeigte) und natürlich sein beliebstes: "Du freust dich doch über Papas erfolg - genier Dich nicht, das darf jeder sehn" und so weiter. Er konnte nicht nachfragen wie wir Kinder uns fühlten - es war entweder irrelevant, wurde uns "vorgeschrieben" oder wir wurden kritisiert wenn wir in seinen Augen falsch fühlten. Das versucht er auch heute noch - klar. Es ist seine Art "in Kontakt zu gehen".

@ NotMichaelCaine

Das kommt mir jetzt sehr bekannt vor. Allerdings erst wenn ich es lese. Von alleine wäre ich da glaub nie drauf gekommen, dass das bei mir ähnlich war. Dazu muss ich mir nochmal Gedanken machen.

Seither habe ich mich immer wieder bemüht - besonders wenn ich mit Kids oder Teenagern rede und Kritik oder Lob geben will selbst sehr viel mehr vorzukommen: warum finde ich was genau toll und wenn ich wissen will wie diese Kids gerade "sind" sie zu fragen anstatt ihnen zu sagen: Du bist gut.

Das finde ich sehr interessant. Ich glaube, dass ich meine Kinder da auch zu selten frage. Wobei ich schon merke, dass ich, gerade wenn meine Tochter mir was erzählt, ich sie frage, wie es sich für sie anfühlt, eh ich ihr meine Meinung dazu sage. Und je nach dem was es ist versuche ich sie mit meiner Meinung auch garnicht zu beeinflussen, sondern bestätige sie einfach und behalte meines für mich.

Vielen lieben Dank für die vielen Denkanstöße bezüglich meiner Tochter. Das ist mir alles total schlüssig. Die Frage wird nun sein, wie ich es im Alltag umgesetzt bekomme.

So, was hat sich verändert.

Die Person, die starb, war sehr wichtig für mich - meine Schwiegermutter. Sie gab mir immer genau dieses Lob und Anerkennung, die ich in meinem Elternhaus so sehr vermisst habe. Ich konnte immer zu ihr kommen, sie hörte zu, war für mich da. Es ist jetzt ein sehr wichtiger Teil meines Lebens weggebrochen. Und obwohl ich eben wieder an ihrem Grab stand und den Namen las, kann ich es noch immer nicht glauben. Ich weine unheimlich viel und ich fühle mich sehr sehr alleine.

Wir bekommen unheimlich viel Hilfe. Was ich allerdings nicht bekomme, das ist eine Umarmung, ein offenes Ohr.

Mein Vater war in der ganzen Zeit noch überhaupt nicht für mich da. Und auch Freundinnen melden sich nicht wirklich. Die zwei Freundinnen, die mir am wichtigsten sind, haben nicht einmal angerufen in dieser schrecklichen Zeit. Es kam eine Whatsapp, wie es mir geht und ich habe geschrieben, dass es mir schlecht geht. Hätte mir eine Freundin sowas geschrieben, dann hätte ich sie angerufen oder besucht. Ich bekam auf diese Whatsapp nicht mal eine Antwort. Und ich bin so sauer, dass ich von mir aus auch nicht anrufen möchte. Vielleicht wieder ein narzisstisches Fehlverhalten. Keine Ahnung. Aber ich kann einfach nicht anrufen, weil ich denke, dass es sie garnicht wirklich interessiert.

Aber es geht mir schlecht. Ich bin ständig am Weinen. Mein ganzes Leben verändert sich durch diesen Tod. Und ich komme überhaupt nicht damit klar. Mit meinem Mann sind da nicht wirklich Gespräche möglich. Ich möchte in den Arm genommen werden. Weinen können. Reden......

Ist das so falsch? Wascht mir den Kopf....müsste ich die Leute anrufen?

mtond+,sterxne


Schwierige Frage ... einerseits bräuchtest Du jemanden, der auf Dich zukommt, der Dich in den Arm nimmt, der sich bei Dir meldet und sich nach Deinem Befinden erkundigt.

Andererseits gibt es so jemanden anscheinend nicht. Da wäre es naheliegend, dass Du dann doch die Inititative ergreifst. Aber wenn Du jemanden anrufst, obwohl Du richtig sauer auf ihn, bzw. sie bist, kann ich mir nicht vorstellen, dass da etwas Gutes bei rauskommt.

Also, wie gesagt, schwierige Frage, eine Antwort habe ich nicht.

Nur eins noch: Meiner Ansicht nach liegt es nicht daran, dass es sie nicht interessiert, sondern daran, dass Tod, Trauer und Abschied keine angenehmen Gesprächsthemen sind.

Alias 736247


Hier muß ich jetzt wohl noch ergänzend anfügen, dass dieses sich nicht melden, sich nicht nur auf Tod und Trauer beziehen. Ist eher eine generelle Sache.

Gleichzeitig finde ich jedoch auch, dass es zwar durchaus keine schönen Themen sind, ich aber dennoch genau in solchen Momenten für jeden da wäre.

Ich bin heute durch Zufall über einen schönen Artikel gestoßen, der eigentlich das aufführt, was wir hier auch schon hatten. Das Urvertrauen, was fehlt. Ich kopier ihn mal rein. Ist recht lange, aber interessant. Verlinken ging irgendwie nicht.

Kannst du gut mit dir alleine sein?

Gabriele Rudolph·Samstag, 13. Mai 2017

Ein Baby braucht, vor allem in den ersten neun Monaten seines Lebens, ebenso wie danach, das Gefühl, eine geliebte Bezugsperson steht zuverlässig zur Verfügung.

Die Betonung liegt auf "zuverlässig".

Wenn ein Baby bzw. Kleinkind hingegen immer wieder die Erfahrung macht, dass seine Eltern nicht zuverlässig für seine Bedürfnisse zur Verfügung stehen, fühlt es sich verlassen und verspürt tiefe Unsicherheit. Und so beginnt eine Art Überlebenskampf. Es tut alles in seiner Macht stehende, um seine Bedürfnisse zu befriedigen: Es weint und schreit nicht mehr, weil Mama dann länger freundlich ist. Es lächelt, obwohl es wütend ist, kurz: Es lernt, sich selbst, seine Gefühle und Bedürfnisse zu verleugnen, um eine Art Notversorgung zu gewährleisten.

Wenn das funktioniert, lernt es, dass es – wenn auch mangelhaft – versorgt wird, wenn es versucht, sich und andere zu kontrollieren. Und es wird diese Überlebensmaßnahmen ins Erwachsenenalter übernehmen – zu einem enorm hohen Preis. Denn dieser kleine Mensch gibt sein tiefes Urvertrauen, seine Selbstliebe und Lebendigkeit auf, um zu funktionieren. Er wird zu einer Art Maschine, darauf trainiert zu überleben anstatt zu leben, zu genießen, einfach nur da zu sein und sich am Leben zu freuen.

So ein Mensch verliert häufig auch die Fähigkeit, mit sich alleine glücklich zu sein, da er – in gewisser Weise und oft ein ganzes Leben lang – eine Art abhängiges Kind bleibt, immer darauf ausgerichtet, die Liebe, Anerkennung und Bestätigung anderer zu gewinnen bzw. bloß nicht zu verlieren.

Da er seinen Gefühlen, natürlichen Bedürfnissen und Impulsen nicht mehr vertraut, sind Angst, Unsicherheit, Einsamkeit und Wut ebenso wie Unruhe und Getriebensein häufige, wenn auch meist unbewusste, Begleiter.

Wenn ein Kind hingegen zuverlässig erfährt, dass es alleine sein kann und darf, wissend und zutiefst darauf vertrauend, dass wohlwollende Menschen in der Nähe sind, wird er es auch als Erwachsener schätzen, hin- und wieder mit sich alleine zu sein. Er wird aus diesem Alleinsein gesättigt hervorgehen – satt von sich selbst, der tiefen Freude, Lebendigkeit und Stille, die seine Natur ist.

Wenn dies hingegen nicht geschehen ist, bleibt ihm als Erwachsener, wenn ihm an sich selbst liegt, nichts anderes übrig, als verspätet erwachsen zu werden.

Wirklich erwachsen zu sein bedeutet, dir bewusst zu sein, was bzw. wer du wirklich bist und dieses Sehen immer tiefer zu verkörpern.

In Bezug auf das Alleinsein heißt das, du entdeckst dich selbst und zwar auch und vor allem dadurch, dass du dich immer wieder dem physischen Alleinsein stellst – in deinem Rhythmus und gemäß deinem natürlichen Drang nach Selbstständigkeit. Du lernst deinen Körper und seine Sprache kennen. Und du entdeckst dein wahres Zuhause, die Stille, den unendlich weiten Raum, der du wirklich bist.

Und in dem Erkennen, was wirklich ist und was nicht, was alte Gefühle und Gedanken sind und was aktuell ist, lernst du zu unterscheiden zwischen Dem, was du wirklich bist, und den künstlichen Identitäten, die du erworben hast, um zu überleben.

Dadurch dass du all das immer besser durchschaust, haben dich deine Abwehrmechanismen und Inneren-Kind-Trancen nicht mehr im Griff und du bist in der seltenen Lage, mit deiner Aufmerksamkeit in der Stille zu verweilen bzw. immer wieder dorthin zurückzukehren, wenn sie sich denn mal wieder – in den Hereinforderungen des Alltags – losgerissen hat.

Denn nur von dort aus kannst du dem verlassenen inneren Kind zuverlässig die Mutter bzw. der Vater und damit der Halt sein, den es braucht. Erst dann bist du frei – von der Vergangenheit, destruktiven Denk-, Fühl- und Verhaltensmustern, dem traumatischen Wiederholungszwang, Angst, Scham, Depressionen und der rastlosen Suche nach Anerkennung, Bestätigung, Liebe, Frieden und Freiheit.

Willkommen zu Hause!

(aus: "Das innere Kind und die Stille” von Gabriele Rudolph, mehr zum E-Book findest du unter [[http://www.einfachnursein.de/seite2]]…)//

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m ondg+steerne


@ rr2017

Ich grabe diesen Thread noch einmal aus, weil ich mit dem Thema noch nicht durch bin.

Wie ist es mit Dir? Hast Du noch etwas zu sagen?

Hattest Du überhaupt jemals etwas zu sagen? :-X

raru201x7


Wir sprechen hier nicht sondern schreiben!

Ich weiss aber nicht ob ich hierzu noch etwas zu sagen hab. Vielleicht, wenn ich konkret etwas gefragt werde.

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