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Erwachsene Kinder: ist es möglich, den Eltern zu verzeihen?

M*anovn-Micxhou hat die Diskussion gestartet


Mich beschäftigt die Frage, ob, bzw. unter welchen Bedingungen es möglich ist, seinen Eltern für Verletzungen, die man durch sie in der Kindheit erlitten hat, (Gewalt, Missbrauch, aber auch permanente verbale Verletzungen, die dem Kind das Gefühl geben, nichts wert zu sein, nicht geliebt zu werden, usw.) und deren Folgen jetzt, im Erwachsenenalter, das Leben, die eigenen Gefühle usw., bis hin zur psychischen Störung oder Krankheit, beeinträchtigen, zu verzeihen.

Ist so ein Verzeihen leichter, wenn das erwachsene Kind die Ursachen versteht, warum sich die Eltern so verhielten (z.B. Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, eigene psychische Störung, eventuell auch durch eine eigene "schwere" Kindheit hervorgerufen, usw.) und ist es nötig, wenn man verzeihen möchte, mit den Eltern darüber zu reden?

Ist es leichter, wenn die Eltern selbst erkennen, was sie falsch gemacht haben, und es ihnen leid tut? Und sie sich jetzt anders verhalten? Und vielleicht von sich aus mit ihrem erwachsenen Kind darüber reden möchten? Oder gibt es auch hier Fälle, wo ein Verzeihen NICHT möglich ist?

Was ist, wenn die Eltern keinerlei Einsicht zeigen, und verleugnen, überhaupt etwas falsch gemacht zu haben ? (z.B. "ein Klaps auf den Po hat noch niemandem geschadet." bei permanenter körperlicher Misshandlung, oder "Ich habe alles nur für dich getan." "Ich habe immer nur dein Bestes gewollt.""Was willst du eigentlich, du hast doch alles gehabt!" usw.) ?

Vor Allem interessiert mich, ob es hier jemanden gibt, der seinen Eltern bereits verzeihen konnte, wie er das gemacht hat, und ob seine psychischen Probleme dadurch besser geworden, bzw. verschwunden sind? Und ob so ein Verzeihen überhaupt die Voraussetzung ist, um selbst gesund zu werden, oder ob man es auch so schaffen kann?

Das Thema betrifft mich als Partnerin (meinem Freund wurde dieser Weg von seinem Therapeuten geraten, und wir hatten schon einige Diskussionen darüber) und teilweise mich auch selbst, und auch als Mutter.

Für Antworten wäre ich dankbar.

Antworten
K:ungF1uKitxten


Jain

Wäre ich missbraucht worden, könnte ich nicht verzeihen... Fehler sind menschlich, doch so etwas ist das Letzte und niemand könnte das wieder gutmachen.

Meine Mutter hat mich eine zeitlang sehr viel angebrüllt... sie verlor viel die Nerven, beschimpfte und erniedrigte mich, ich habe sicher deshalb heute auch einige Probleme und psychische Beschwerden, aber ich liebe meine Mutter über alles, ich hab ihr verziehen, ich weiß, in welcher Situation sie damals gewesen ist, und ich weiß ja, wie sie wirklich sein kann - eine liebe, humorvolle, herzliche Frau... und ich weiß, dass sie mich liebt und immer für mich da ist. Nein, ich bin ihr nicht böse...

Kinder lieben ihre Eltern und wenn sie sich dessen auch nicht immer bewusst sind, weil sie Trauer oder Schmerz empfinden... ich denke es kann ein glückliches Ende geben, viel Glück

dgerKa9txrin


Es gab mal ne Zeit...

da haben mein Vater und ich uns gegenseitig verklagt. Bis zum Bezirksgericht. Heute lachen wir drüber. Warum soll ich nachtragend sein. Er hat damals Gründe gehabt und ich auch. Es ist auch für mich irgendwie befreiend, wenn ich verzeihe, Ist ja nicht so, daß es eine schwere Arbeit ist. Nachher fühlen sich beide besser.

eElatIeufoelchxen


manche dinge kann man nicht verzeihen...

ich hatte zwar das glück in einem wahnsinnig tollen elternhaus aufgewachsen und erzogen worden zu sein, aber die familie meines vaters, also seine eltern sind unter alle sau... >:(

die haben sich ziemlich viele dinge erlaubt und mist gebaut... ich kann die ihnen nicht verzeihen. sie sind für mich gestorben...

freunde kann man sich aussuchen, familie nicht.

Mfanon/-Michxou


ich denke es kann ein glückliches Ende geben, viel Glück

Das hast du lieb geschrieben, KungFuKitten (), als meine Töchter klein waren, habe ich über längere Zeiträume ziemlich viele Fehler gemacht, so ähnlich, wie du das auch von deiner Mutter beschreibst, wir haben auch später oft darüber gesprochen, und ich habe mich für viele Dinge bei ihnen entschuldigt. Mir tut Vieles, was ich damals gemacht (bzw. nicht gemacht) habe, sehr sehr leid, und ich würde am liebsten die Zeit zurückdrehen, und alles besser machen. Ich hatte damals selbst ziemlich schlimme Probleme, aber das ist für mich keine Entschuldigung, ich denke immer, ich hätte das nicht an den Kindern auslassen dürfen. Meine (inzwischen erwachsenen) Töchter sagen das genauso wie du, und wir haben jetzt ein sehr gutes, offenes und liebevolles Verhältnis zueinander. Und darüber bin ich sehr glücklich und dankbar.

An derKatrin

Ich glaube, du hast nicht so genau verstanden, was ich wissen wollte. Ich meinte nicht, ob man sich wieder versöhnen kann, wenn man als Erwachsener Streit mit seinen Eltern hat, sondern, ob (und unter welchen Umständen) man ihnen seelische und körperliche Verletzungen, die sie einem bewusst oder unbewusst über längeren Zeitraum in der Kindheit zugefügt haben, verzeihen kann.

Ich denke, je weniger die Eltern ihr falsches Verhalten überhaupt einsehen, umso schwieriger ist es?

M}anovn-M.icVhxou


an elateufelchen

ich kann die ihnen nicht verzeihen. sie sind für mich gestorben...

Ja, ich weiß, daß das viele machen, den Kontakt einfach abzubrechen, aber selbst, wenn man sagt, sie sind für mich gestorben, trägt man doch die Erinnerungen immer mit sich herum. Außer, wenn man sie verdrängt, natürlich, aber dann bekommt man doch andere Probleme, und weiß manchmal gar nicht, warum? Also ich glaube nicht, daß sich so das Problem lösen läßt? Ich finde es schon besser, sich damit auseinanderzusetzen?

TBiJzian


Hallo Manon-Michou

Mensch, mit Deiner Frage rennst Du bei mir geradezu offene Türen ein. Bin selber leidtragender recht massiver Gewalt gewesen und habe mir bis zuletzt nie etwas sehnlicheres gewünscht, als wenn meine Eltern, bzw in meinem Fall, besonders die Mutter, für ihr völliges Versagen, mir nur mal ansatzweise so etwas wie Einsicht oder eine irgendgeartete Entschuldigung, entgegengebracht hätten.

Ist aber leider nie geschehen. Obwohl ich inzwischen davon ausgehen darf, dass meiner Mutter, ihr unrechts Handeln ganz sicher bewußt gewesen sein muss.

Wie gesagt, bis zuletzt, habe ich vergeblich auf eine entschuldigende Geste gewartet und bin davon überzeugt, dass ich damit hätte besser leben können.

Nur jetzt, im Wissen, dass sie wegen ihrer geistigen Demenz nie mehr dazu in der Lage sein wird und somit der status quo für ewige Zeiten bestehen bleiben wird. Nee, mit diesem Wissen hab ich nur noch eines für sie übrig. Nämlich Hass, Hass und nochmal Hass! Selbst wenn ich noch so viel Gründe finden würde, um ihr Verhalten eventuell nachzuvollziehen. Nein ich denke, es wird dabei bleiben.

Und es gibt auch keinen Grund, da unbedingt etwas dran ändern zu müssen. Zumindest kommt eine Therapeutin und Schriftstellerin Susan Forwad in ihrem Buch Vergiftete Kindheit ebenfalls zu dem Schluss, dass es nicht notwenigerweise eines Verzeihens bedarf, um selber zu seinen eigenen inneren Frieden zurück zu gelangen.

Das Buch kann ich wirklich jedem dringend ans Herz legen, der oder die, noch ein unbewältigtes Problem mit den eigenen Eltern hat.

Denn in dem Buch werden nicht nur die verschiedenen Formen und Folgen elterlicher Gewalt dargestellt, sondern in einem wirklich sehr leicht nachvollziehbaren zehn Punkte Programm, ein Weg vorgestellt, um sich aus der Konfliktsituation und den damit verbundenen Ängsten zu befreien. Es ist wirklich fantastisch. In Bezug zu meiner Mutter hat es sicher nichts mehr gebracht. Aber den Erfolg habe ich trotzdem sehr deutlich wahrnehmen können, da es mir auf diesem Weg gelungen ist, mich von meinen ebenfalls sehr problematischen Verhältnis zu meinen Geschwistern zu lösen.

Kann man z.B. bei Amazon bestellen und ist mit Sicherheit weit mehr Wert, als die 8 Euro, die Du dafür auf den Tisch legen mußt. Na denn, auf ein gutes Gelingen :-)

cu Tizi

-5ph oebe


dieses Buch kann ich ebenfalls nur sehr empfehlen!!!

Mir ist es so ergangen, das ich jahrelang meinen Eltern die Bude eingerannt bin... hab um Liebe gebettelt, in dem ich Dinge tat, die ihnen imponieren mussten... habe mehrere Berufe erlernt... usw. doch leider kam nie etwas dabei rum... sie wissen nicht einmal, was ich überhaupt gelernt habe... sie haben sich nie weiter darum gekümmert... und auch meinen kindern erging es nie besser, obwohl von dort schon etwas mehr kam.

Irgendwann habe ich eine psychosomatische Kur gemacht... und in dieser Kur habe ich beschlossen, das ich meine Eltern nicht mehr wiedersehen möchte... das ich nicht mehr buhlen möchte um Liebe... das ich nicht mehr kämpfen möchte... und es mir egal sein solle... Eines kann ich mit Sicherheit sagen, es ist viel, viel Ruhe in mein Leben eingetreten, seitdem ich nicht mehr kämpfen muss... keine Anerkennung mehr von ihnen brauche und mich total verausgaben muss dabei...

Aber... es ist ja nie etwas ausgesprochen worden... also, ich hätte mir gerne ein Gespräch gewünscht... das hat aber nie funktioniert und wird auch nie funktionieren... weiterhin habe ich Angst vor einem etwaigen zufälligen Treffen... Warum ich Angst habe... ich weiß es nicht... es wird wohl noch die alte Macht sein, die da mit herumgeistert...

Meine Eltern hassen?? ... Nein, definitiv nein!! Ich will kein Gefühl mehr für sie haben... selbst den/meinen Hass gönne ich ihnen nicht... denn das würde mir schon wieder ein Stück meiner Kraft rauben.

Ich hätte gerne geredet mit den beiden... hätt gerne gehört, das sie Fehler gemacht hätten... das es ihnen leid tut und das es damals ein Fehler war, den sie aber nie wieder machen würden und es nur geschah, weil sie selbst Gewalt in der Familie erfahren hatten... so was werde ich wohl nie hören...

Bei meinem jüngeren Bruder haben sie alles richtig gemacht... er ist ohne Gewalt aufgewachsen... aber bei meinem älteren Bruder und mir (er hat auch keinen Kontakt mehr) wollen sie wohl nicht mehr wissen, was sie gemacht haben...

Wie dem auch sei... ich habe meine Ruhe... und möchte sie auch behalten. Wenn jemand stirbt von den beiden... ist es Zeit nachzudenken, ob man sich am Grab sieht oder nicht... keine Ahnung.

hFeracklxit


@Manon-Michou

ich glaube, das mit dem Verzeihen ist eine sehr große Sache, und ich bin mir nicht sicher, ob wir Menschen das bei schweren Verfehlungen der Eltern überhaupt schaffen können.

Ich habe vor kurzem von einem mir sehr sympathischen Pastoralassistenten folgendes gehört - er könne sicherlich nicht alles verzeihen, denn er maße sich nicht an, Gott zu sein.

Das hat mir sehr gut gefallen, denn auch ich kann meiner Mutter nicht wirklich verzeihen, sondern kann nur versuchen, sie so zu nehmen, wie sie ist und sie zu akzeptieren. Das alleine genügt schon, um ständig an sich arbeiten zu müssen. Noch dazu, wo meine Mutter auch überhaupt keinerlei Schuldeinsicht besitzt und sich jetzt, wo sie alt wird, in ihren negativen Eigenschaften höchstens noch verstärkt.

Und ich glaube schon, daß man, auch wenn man die Hintergründe durchschaut, warum sich die Eltern genauso verhalten haben, wie sie es taten, nicht alles verzeihen kann. Und trotzdem seinen inneren Frieden finden kann.

Liebe Grüße

Z,inax 5


Ich glaube auch,

daß es zwar ein Verstehen für die Verhaltensgründe von damals auf verstandesmäßiger Ebene geben kann... aber dadurch wird nichts ungeschehen gemacht. Der Schmerz, die Angst, die Verletzungen, die Defizite, all daran kann sich im Nachhinein nichts ändern.

Ich verzeihe ich meinen Eltern auch nicht. Sie leben beide schon lange nicht mehr. Bei meiner Mutter hatte ich jahrelang versucht, ein - ja, was ??? Schuldeingeständnis? Entschuldigungen? zu bekommen, aber dazu hätte sich ihr Charakter um 180 Grad ändern müssen, und so etwas passiert nicht. Mit der Zeit hatten sich dann die Machtverhältnisse auch fast umgekehrt... aber letzendlich hat mir das auch nicht mehr viel genutzt.

Ich finde den Gedanken, nicht unbedingt verzeihen zu müssen, auch irgendwie positiv.

viele Grüße Zina

l9i)ssyx-k


Ich bin auch in dieser Doppelsituation

Bin halt das Kind meiner Mutter, hab aber auch selber schon erwachsene Kinder.

Meine Mutter hat bei mir als Kind, genau wie ich bei meinen Kindern, viele Fehler gemacht. Aber auch bei uns ist es so, dass meine Mutter niemals ihre Fehler eingestehen würde. Ich hab das mal vor ein paar Jahren in einem Gespräch versucht, aber sie wiegelt ab, ich würde mir alles nur einbilden. Dann haben wir total verkracht und ich habe 2 Jahre den Kontakt zu ihr abgebrochen. In der Zeit habe ich eine Familienaufstellung gemacht und das hat mir sehr geholfen. Ich habe erkannt, dass sie versucht hat, mir ihre eigenen Probleme aufzuhalsen und mich für ihr Glück verantwortlich zu machen.

Ich habe ihr nicht verziehen, aber wir haben heute wieder einen lockeren Kontakt. Das ist auch für mich entspannender, als immer damit zu rechnen, ihr irgendwo zu begegnen und nicht zu wissen, wie man sich verhalten soll.

Bei meiner älteren Tochter war es so, dass sie mir gerade vor einigen Wochen einen Brief geschrieben hat, in dem sie mir all ihre Nöte und negativen Kindheitserfahrungen mitgeteilt hat. Mir wäre gar nicht der Gedanke gekommen, NICHT zu meinen Fehlern zu stehen, im Gegenteil, ich war dankbar für ihren Mut, dass sie auf mich zugekommen ist. So konnte ich Stellung nehmen und ihr in einigen Dingen sagen, wie leid mir das tut und ihr auch erklären, WARUM ich damals bestimmte Dinge getan oder unterlassen habe.

Was aber am allerwichtigsten war (für mich war das immer selbstverständlich), sie schien nicht zu wissen, wie sehr ich sie liebe, und das habe ich ihr deutlich gesagt. Bei meiner Mutter kann ich darauf lange warten. Sie wird jetzt 70 und fängt schon langsam an, senil zu werden. Ich glaube und hoffe, dass meine Tochter mir meine Fehler verzeihen kann!

Liebe Grüße Lissy

-yphoexbe


lissy..

genau das ist es ja, was ich meinen eltern auch vorwerfe...

auch ich habe viele fehler mit meinen Kindern (auch schon fast erwachsenen 3 Söhnen) gemacht... habe vieles wiederholt, was ich in meiner Kindheit gelernt habe... aber ich habe wenigstens eingesehen, das ich Fehler gemacht habe... hab mit meinen Kindern oft darüber gesprochen... und vor allem: um Verzeihung gebeten und ihnen gesagt, das ich das gegeben habe, was ich geben konnte!!!

Ich habe mir alle erdenklich große Mühe gegeben... und ... sage ihnen sehr sehr oft das ich sie über alles liebe!!

mOonxart


ui...

das ist wirklich schwer zu beantworten... ich habe meine krankheit, bzw. psychische störung auch dadurch, das meine eltern mich damals ziemlich oft, ziemlich lange alleine gelassen haben... daher meine ängste... (einmal waren sie sogar drei wochen in amerika, ich mit 10, meine schwester 18) alleine zu hause...

das ist für mich, heute selber mutter von zwei kindern unverständlich! ohne meine kinder in urlaub fände ich ungerecht, und dann noch 3 wochen amerika!

na, ja... auf jeden fall habe ich heute viele probleme durch das verhalten meiner eltern damals, sie sehen das alles ganz anders, sagen zum teil: ach, da kann ich mich gar nicht dran erinnern (sie sind erst 63 und 65 und geistig eigentlich superfit!).

ich suche immer nach halt und geborgenheit und gehe meinem mann, meinen kindern und freunden damit glaube ich manchmal ganz schön auf den senkel. verzeihen und mit liebe begegnen, das habe ich über drei jahre lang versucht. aber durch die krankheit werde ich in so vielen situationen wieder daran erinnert, das das irgendwie nicht möglich ist. es ist eben die ursache und die begegnet mir superoft. und es kommt auch nichts von der seite meiner eltern.

ich gehe heute ganz normal mit ihnen um, als wären es bekannte, oder so... wir sehen uns ab und zu, trinken kaffee, essen miteinander und tauschen dinge des alltags aus... immerhin mehr als manch anderer, der den kontakt vielleicht ganz abgebrochen hat.

aber als mutter stehe ich immer mit dem gedanken da: das ich meinen kindern auch vorleben muss, das oma und opa dazugehören... und das man auskommen kann... vieles ist dadurch schwerer, weil ich es mit meinenm kindern ja so ganz anders machen will... da setzt man sich glaub ich manchmal ganz schön mit unter druck... aber: es gehört eben zu meinem leben mit dazu. wenn man es annimmt ist man einen riesen schritt weiter...

liebe grüße an alle...

KHlexio


Manon-Michou

Die "Fehler" der Eltern, die einem Schmerz bereitet haben, die sind Vergangenheit. Sicher kann man darauf herumreiten und ihnen vorwerfen, was sie nicht alles getan haben, aber wozu sich ständig mit der Vergangenheit beschäftigen? Das Verhalten der Eltern hatte damals negative Auswirkungen auf Dich, aber welche negativen Auswirkungen hat es heute noch auf Dich, dass Du Dich damit beschäftigst?

Für mich gibt es keinen Grund meinen Eltern zu "verzeihen", weil es keinen Grund gibt, ihnen etwas "vorzuwerfen". Sie haben mich so erzogen, wie sie es für richtig hielten. Einiges hat mir gefallen, andere Dinge nicht. Trotzdem käme ich nie auf die Idee, es ihnen vorzuwerfen, denn es betrifft meine Kindheit und damals war ich von ihnen abhängig. Heute bin ich selbständig und für mein Glück selber verantwortlich. Ich bin glücklich und zufrieden.

Hätten meine Eltern nicht die "Fehler" gemacht, die sie gemacht haben, wäre ich heute ein anderer Mensch und ich möchte kein anderer Mensch sein, denn genau so wie ich bin, bin ich in Ordnung. Meine Eltern haben ihre Auffassung vom Leben und ich habe meine. Wenn ich meine Kriterien auf ihr Leben anwende, dann ist sehr viel "falsch" was sie machen, aber so gehe ich weder mit meinen Eltern um, noch mit anderen. Wenn man die Logik des anderen nachvollzieht, dann kommt man zum selben Ergebnis des anderen.

Sicher kann man hergehen und sagen, warum hast Du denn nicht das gemacht, aber die Frage ist meistens überflüssig. Wenn man weiß, wie der andere denkt, dann weiß man auch, dass für ihn bestimmte Fragen nie auftauchen, die für einen selber logisch sind.

z.B. hat mein Vater auch eine recht "mittelalterliche" Einstellung, absolut faszinierend und logisch, wenn ich seine Kriterien berücksichtige. Es sind nicht meine Kriterien, aber sind sie deshalb "falsch", nur weil ich es anders lieber gehabt hätte? Ich finde nicht.

Erwartungshaltungen sollten schon realistisch aufgestellt werden. Kann man von jemandem eine Gefühlsregung erwarten, die er nicht hat? Sicher, erwarten kann man vieles, aber damit sorgt man dafür, dass man enttäuscht wird und hat auch gleich viel Grund für Selbstmitleid. Das ist ein Kreislauf und vor allem betrifft es Dinge, die schon lange vorbei sind.

Ich lebe jetzt und heute. Im Verlauf meines Lebens gab es Menschen, die mir Freude und Menschen, die mir Schmerzen bereitet haben und das wird in Zukunft genauso sein. Wenn ich mich ständig damit beschäftigen würde, wer was und wie hätte anders machen sollte, dann würde ich heute nicht wahrnehmen, was es für ein Tag ist, was es schönes entdecken könnte und welche Menschen mir heute begegnen und darum finde ich solche Gedanken absolut überflüssig.

Tbi"zHi_axn


Also Kleio

Da bin ich doch entschieden anderer Meinung!

Wenn man nahezu täglich daran erinnert wird, welche Folgen das Handeln der Eltern auf einen selbst hat und wahrnimmt, dass man z.B. besonders in der Gefühlsebene nicht mal annähernd dahin kommt, was andere für selbstverständlich erachten, wie auch Selbstvertrauen, Depressionen und dergleichen mehr, dann kann mal wohl kaum davon sprechen, dass deren Fehlverhalten heute keinen Einfluss mehr auf einen hat. Und somit genügend Gründe liefert, dem Hass ständig neue Nahrung zu geben.

Wenn ich dann daran denke, wie vielen Kindern von den eigenen Eltern auch noch das Bewusstsein eingeimpft wurde, selber Schuld an der Lieblosigkeit der Eltern gewesen zu sein und sie sich quasi mit einem finalen Suizid das eigen Leben nehmen, dann könnte ich geradezu platzen vor Wut. Aber dass sind wohl eher Dinge, die nur nachvollziehen kann, wer selber solche Situationen durchleben dufte. Wahrscheinlich genau der Grund, warum der Staat auf diesem Auge vollkommen blind zu sein scheint, um endlich die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

Nämlich aufzuklären. Möglichst als Pflichtschulfach um jungen Menschen von ihrer eigenen Erfahrung abweichende Wege aufzuzeigen, wie man Kinder bewusst und verantwortungsvoll zu erziehen hat. Denn nur auf diesem Weg wird es möglich sein den Kreis der Gewalt zu durchbrechen, der auch gegenwärtig noch immer von einer Generation zur nächsten vererbt wird.

Cu Tizi

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