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Erwachsene Kinder: ist es möglich, den Eltern zu verzeihen?

KZleixo


Phoebe

Meine Ansicht bezieht sich absolut auf Gewalt, Terror, Missbrauch, Misshandlungen in jedweder Form, Eiseskälte usw. usw. Ich wurde von jedem Erwachsenen in meiner unmittelbaren Umgebung beeinflusst und meine Erkenntnisse waren meistens – wenn ich groß bin, dann werde ich das nicht machen *ggg*. Es war eine meiner Erkenntnisse, dass ich, wenn ich groß bin, andere achten werde, weil ich der Meinung bin, dass jeder Mensch gleichwertig ist. Ich hatte keine Vorbilder, weil ich mir bei keinem Menschen gedacht habe: "So möchte ich sein, dem möchte ich nacheifern."

Scheinbar wird hier von vielen Vernunft und Gefühl vermischt, das ist bei mir nicht der Fall – Achtung hat für mich nichts mit meinem Gefühl, das ich für jemanden empfinde zu tun. Ich kann jemanden achten, ihm Aufmerksamkeit widmen, mich für seine Denkweise interessieren und ihn nicht mögen.

Kclxeio


Zina 5

Wie ich schon schrieb, ich habe nichts zu "verzeihen". Wenn ich von jemandem geschlagen werde, dann habe ich schmerzen. Bin ich jahrelangem Terror ausgesetzt, dann werde ich für mich eine Lösung finden, wie ich die Situation durchstehe. Irgendwann bin ich erwachsen und nicht mehr abhängig. Wie schon einmal erwähnt, bekomme ich mein Selbstvertrauen, meine Selbstachtung und meinen Selbstwert nicht von anderen.

Ich kann das aber sehr gut nachvollziehen, wenn jemand anders denkt und fühlt. Wenn man sein Selbstwertgefühl über die Achtung anderer bezieht, ist es mir schon klar, dass man dann irgendeiner Handlung bedarf, dass man dem "Täter" verzeihen kann. Wenn aber der andere nicht dieselben Kriterien für Achtung hat, dann kommt eben nicht das Eingeständnis, dass man "Fehler" gemacht hat.

K|lexio


Tizian

Ich plädiere nicht für "verzeihen". Vielleicht habe ich mich schlecht ausgedrückt. Mich kann man nicht beleidigen, darum ergibt sich das "verzeihen müssen" nicht – vielleicht ist das klarer ausgedrückt.

Es ist eine reine Interpretation (ein Vorurteil) von Dir, dass ich nicht weiß, wovon ich spreche.

Im Sinne des gesellschaftlichen Sozialverhaltens gibt es Gesetzte, aufgrund derer kann man mehr oder minder die Täter verklagen. Verantwortung ist auch ein durch Vernunft aufgestellter Begriff nach Kriterien, und im Hinblick auf das gesellschaftliche Sozialverhalten habe ich nur von Deiner Verantwortung Dir gegenüber gesprochen und nicht, dass Du womöglich für die Taten der Täter verantwortlich bist oder zu Kreuze kriechen sollst.

Meine Frage war: Welchen Anlass hast Du heute, depressiv zu sein?

K~leio


ninja

Ich "ahne" worum es hier geht. *gg*

Wieso ärgerst Du Dich über meine Meinung?

-MAn/gsptx-


am schlimmsten ist die hilflosigkeit...

eltern haben mehr einfluss auf die entwicklung ihrer kinder als es irgendjemand anderes je haben wird. ich denke einen körperlichen missbrauch kann man nur sehr schwer verzeihen. erst wenn man so etwas für sich selbst verarbeitet hat (falls man es überhaupt schafft), kann man versuchen, so etwas mit seinen eltern zu "klären".

ich weiss nicht, ob ich die "verbal-attacken" meiner eltern jemals verzeihen kann. ich liebe sie trotz allem, aber oft empfinde ich einen solchen hass für das, was sie aus mir gemacht haben...

sie haben mich über jahre fertig gemacht (teils unabsichtlich, teils absichtlich). wie dumm ich bin, wie nutzlos. das es besser für alle wäre, ich würde einfach gehen. meine mutter hat nach der scheidung versucht mich ins heim zu geben (hat leider net geklappt)... seidher wurde alles noch schlimmer... dazu ständig schuldgefühle, dass ich meinen vater (er "existiert" allein in seiner verdreckten wohnung vor sich hin) im stich gelassen habe.

über jahre bin ich alle 2 wochen zu ihm gefahren und jedesmal hat er mich runtergemacht. oft bin ich nachts weggelaufen, weil ich es nicht mehr ertragen habe. ich liebe meinen vater über alles, doch manchmal denke ich, es wäre besser, er wäre tot.

seit etwa 5 monaten wohne ich nun nicht mehr bei meiner mutter, sondern mit meinem freund 600 km weit weg in unserer eigenen wohnung (p.s. ich bin 16, werde in einem monat 17). meine mutter hat einen neuen freund und eine "stieftochter", mit der sie wunderbar klar kommt. das sagt sie mir jedesmal, wenn wir telefonieren. ich muss dabei jedesmal daran denken, wie sie vor 2 jahren in der küche mit einem brotmesser auf mich losgegangen ist... ich bin weggelaugfen und habe mich stundenlang im wald versteckt...

bald verkauft sie das haus, in dem ich aufgewachsen bin (mein traum war es immer eines tages mit meiner familie dort zu wohnen). bei dem gedanken daran kommen mir immernoch die tränen. bald wohnt sie mit ihrem freund, meiner kleinen schwester und ihrer "neuen tochter" (sie ist ein halbes jahr jünger als ich) in ihrem neuen haus. wird sie die auch mit tellern, tassen, schlüsselbunden und vasen beschmeissen?

das schlimmste daran ist, dass ich immer noch denke, es ist meine schuld. wieso sollte sie diese probleme sonst nur mit mir haben?

wahrscheinlich haben sie recht und ich bin es nicht wert zu leben. hat eure mutter euch jemals ein messer hingehalten und euch aufgefordert euch die pulsadern aufzuschneiden?

ich weiss nicht, ob ich ihnen das alles verzeihen kann. ich weiss nicht, ob ich es mir je verzeihen kann. sie hat sich nie entschuldigt...

T!iz%ian


Hallo Kleio

Du weißt, dass ich, wie an anderer Stelle geschehen, gern mit Dir diskutiere. Aber hier habe ich doch den Eindruck, dass Du einfach nicht weißt, wovon Du sprichst. Ich möchte Dir dazu nur soviel sagen, dass ich mich als ein außerordentlich rational denkenden Menschen begreife. Auf vieles habe ich Antworten gefunden. Nur in einer Frage ist es mir nicht gelungen. Nämlich nachzuvollziehen, wie manche Menschen es schaffen, ihre eigenen Kinder sehenden Auges, rührungslos und über sehr lange Zeiträume hinweg regelrecht zu Tode zu quälen. Und ihnen damit regelrecht die Basis für ihr eigenes Leben entziehen.

Da stellst Du Dich hin und fragst, wieso wir oft nicht die Kraft finden gerade zu stehen? Ich erspare mir hier lieber eine Antwort und möchte Dich lieber bitten, Dich über die Folgen von kindlichen Missbrauch und Misshandlungen zu informieren.

Danach könnte Dir vielleicht ein Licht angehen, warum Betroffene hier so argumentieren.

@Angst

Ich kann sehr gut nachempfinden, wie verlassen und wie ein lästiges Stück Dreck Du Dich behandelt fühlst. Ich weiß, wie weh es tut, nie die Anerkennung zu finden, die Dir als Mensch und vor allem als Kind Deiner Eltern zugestanden hätte.

Es ist fürchterlich zu wissen, dass Du niemals die Liebe erhalten wirst, die Du Dir sehnlichst gewünscht hast. Warum dies so ist, kann ich Dir nicht erklären, aber wenigstens sagen, dass Du auch ohne diesen Rückhalt Deinen Weg finden kannst. Er wird nicht einfach sein, aber Du schaffst es, wenn Du Dir eigene Ziele setzt. Da kann es auch schon recht hilfreich sein zu wissen, dass es Dir nicht allein so geht. Schau danach, dass Du Dich bewusst darum bemühst, Deinen eigenen Kindern dieses Glück zu geben. Du wirst soviel Liebe zurück bekommen, das wird Dich wieder für vieles entgangene entschädigen, auch wenn die Wunde in Dir immer mal wieder schmerzen wird.

Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute. Tizi

KNleio


Tizian

Das habe ich bis jetzt nicht gewusst, dass Du stellenweise mit mir gern diskutierst, aber jetzt weiß ich es. *ggg* Ich bin nicht für Deine Meinung über meine Aussage verantwortlich.

Die Frage, wieso viele Menschen nicht die Kraft finden, gerade zu stehen, ist vielschichtig, genauso vielschichtig, wie es Betroffene und Betrachter gibt – jeder reagiert anders. Sogar, wenn man sich noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt hätte, kann man hier schon einiges lesen, wie Menschen damit umgehen. Die Frage habe ich auch nicht gestellt. Ich habe kein Problem damit, dass Du meine Frage nicht beantwortest.

Was veranlasst Dich zu denken, dass ich nicht weiss, wovon ich spreche, dass ich nicht betroffen bin und dass ich uninformiert bin? Worüber müsste ich Deiner Meinung nach informiert sein, wenn ich hier meine Auffassung und Empfindung mitteile?

Glaubst Du, dass nur Menschen ein Thema beurteilen können, die auch betroffen sind?

n'in&ja


Kleio

Die "Fehler" der Eltern, die einem Schmerz bereitet haben, die sind Vergangenheit. Sicher kann man darauf herumreiten und ihnen vorwerfen, was sie nicht alles getan haben, aber wozu sich ständig mit der Vergangenheit beschäftigen? Das Verhalten der Eltern hatte damals negative Auswirkungen auf Dich, aber welche negativen Auswirkungen hat es heute noch auf Dich, dass Du Dich damit beschäftigst?

Erwartungshaltungen sollten schon realistisch aufgestellt werden. Kann man von jemandem eine Gefühlsregung erwarten, die er nicht hat? Sicher, erwarten kann man vieles, aber damit sorgt man dafür, dass man enttäuscht wird und hat auch gleich viel Grund für Selbstmitleid. Das ist ein Kreislauf und vor allem betrifft es Dinge, die schon lange vorbei sind. Ich lebe jetzt und heute...

Es ist mir bewusst, dass viele Mensche ihr Selbstvertrauen und ihren Selbstwert über andere glauben bekommen zu können, aber das Wort besagt doch schon, dass es um das Vertrauen zu sich selbst geht und nicht, welches Vertrauen andere zu einem haben... Welchen Anlass hast Du heute, depressiv zu sein?

Es hat absolut nichts mehr damit zu tun, dass Deine Eltern Dich irgendwann geschlagen haben. Es hatte damit zu tun, dass Du zu dem Zeitpunkt depressiv warst, als sie es getan haben, aber heute ist es nicht mehr Grund.

... und noch einiges mehr ärgert mich, und warum ich mich darüber ärger, hab ich schon geschrieben (18.04. 20:31 und 20:36), leider hab ich die Antwort direkt an Unkräutlein gerichtet. An Dich war sie auch hauptsächlich gerichtet.

Und eines möchte ich noch klar zum Ausdruck bringen: Ich bin bestimmt kein Mensch, der gerne haßt. Im Gegenteil, ich versuche oft genug, dieses - mir schadende Gefühl - zu bekämpfen. Ich bemühe mich ständig um Verzeihung... ABER ES GIBT PHASEN; DA GELINGT MIR DAS NICHT; WEIL MEINE DERZEITIGE LEBENSQUALITÄT ZU STARK EINGESCHRÄNKT IST. Und deshalb ärgern mich unter anderem o.g. Zitate.

ZZina F5


verzeihen...

ist es nicht so, daß man schon früher immer wieder verzeihen mußte, um überhaupt weitermachen zu können? Jedenfalls habe ich das so in Erinnerung. Verzeihen, um nicht den Halt zu verlieren, eine Einheit zu wahren...?

War das nicht ein scheinheiliges Verzeihen, bzw. ein erzwungenes, unselbständiges Verzeihen, kam nicht von innen heraus, war einfach nur devot und eine Notwendigkeit zum Überleben...?

Verzeihen hat im allgemeinen immer so viel mit "innerer Größe" und Reife zu tun, aber momentan weiß ich das nicht...

Grüße

Zina

TwizNiaxn


Hallo Zina

Wenn es nur um ein formales Verzeihen geht, ohne zu wissen warum, dann stimme ich Dir gern zu, dass es sich hierbei wohl eher um einen devoten Akt des eigenen Verbiegens handelt.

In der Praxis ist es sicher möglich, teils auch nötig, um mit sich und der Welt ins Reine zu kommen. Aber es gibt meiner Ansicht nach durchaus berechtigte Gründe, nach denen es mir wenig angebracht erscheint, anderen die Vergebung regelrecht hinterher tragen zu müssen. Wenn Täter/innen selber mal die gleichen Erfahrungen machen dürften, mit denen sie andere bedacht haben, dann bräuchten wir uns hier ganz bestimmt keine Gedanken mehr darüber machen, wie wir ihnen Verzeihen könnten, weil sie sich ihrerseits längst beeilt hätten uns auf Knien um Vergebung zu bitten. Dabei hätte mir schon eine kleine Geste gereicht.

cu Tizi

w0unde"rwes%en


ich habe mal eine ähnliche frage in diesem forum gestellt

ich habe nach den ganzen antworten (teilweise die gleichen wie hier) versucht, meinen eltern zu "verzeihen". aber glaubt mir, es geht nicht wirklich :-(

ICH KANN ES EINFACH NICHT.

ich hasse sie nicht. ich kann sie nur einfach nicht mehr ertragen. ihre ganze art geht mir so auf die nerven, dass ich dasitze, vergesse zu atmen, wirklich keine luft mehr kriege und einfach nur denke: geht nach hause, seid glücklich da (ich wünsche ihnen wirklich, dass sie glücklich sind), aber ich will euch nicht mehr sehen und nicht mehr ertragen.

ich habe es jetzt auch aufgegeben, um ihre liebe zu kämpfen, ich will einfach nur meine ruhe. sie sollen für sich leben und ich will für mich sein. ohne hass. ohne liebe... einfach jeder für sich...

UGnkrCäutl2ein


Sie nannten mich "Es"

Hallo Ihr Lieben,

ich habe hier einen sehr interessanten Buchtitel zu Eurem bzw. unserem Thema, ich denke mir, daß er vielen von Euch auch helfen wird, sofern er noch nicht bekannt ist.

Das Buch ist erschienen im Wilhelm Goldmann Verlag - München. Der Autor heißt Dave Pelzer und der genaue Titel, übrigens ein Weltbestseller:

Sie nannten mich "Es" - Der Mut eines Kindes zu überleben

Ich zitiere hier einmal ein paar Zeilen aus dem Buch:

"Du hast mein Leben zur Hölle gemacht. Jetzt ist es an der Zeit, daß ich dir zeige, wie die Hölle ist!" Mit diesen Worten zerrt die Mutter ihren fünfjährigen Sohn von einem teuflischen Plan besessen zum Herd und hält seinen Arm in die orange-blaue Gasflamme, bis ihnen der Geruch von versengter Haut in die Nase steigt.

Die schier unglaubliche Geschichte einer Kindesmißhandlung: Jahrelang wird Dave von der eigenen Mutter brutal geschlagen und in grausamen "Spielchen" beinahe umgebracht. Immer wieder wird er Zielscheibe ihrer ungezügelten Agression - physische und psychische Folter von beinahe unvorstellbarer Grausamkeit. Einzugreifen und der rohen Gewalt ein Ende zu bereiten wagt in der Familie niemand. Erst als seine Lehrer sich einmischen, kommt für den bereits halb verhungerten Jungen die Rettung.

Ein aufrüttelnder Schicksalsbericht, der uns alle mit der Frage konfrontiert, wie lange man die Augen vor elterlicher Gewalt verschließen darf.

Der Schluß des Buches ist sehr ergreifend:

Dave hat es geschafft, er kann von sich sagen

Ich bin frei, an der Hand seinen kleinen Sohn, weint er bei dieser Aussage Freudentränen...

Noch eine letzte Aussage, Ihr alle werdet wissen, was sie bedeutet "Ich bin so lebendig"

Das Buch ist ein Tatsachenbericht, ein Trauma einer Kindheit und ich glaube, daß es gute Hilfe leisten kann!

K-leio


ninja

Mir ist das absolut nicht fremd. Ich kenne jemanden, der auch sagt, dass wenn der andere, der ihn jahrelang verletzt, missbraucht und geschlagen hat, wenn der einmal nur einsehen würde, dass das ein Fehler war, ... aber was sollte das bringen, wenn sich das Verhalten des Täters nicht geändernt hat und das wird es nicht, weil der das einfach nicht als Fehler sieht.

In diesem Fall ist die Erwartung "absurd", denn in der Sekunde, in der der Täter seine Taten als "Fehler" eingestehen würde, würde seine ganze Welt zerbrechen und damit würde er nicht fertig werden, also wird er sich an seinen Erklärungen festhalten, solange er lebt. Genauso, wie das Opfer sich sein Leben lang nach dieser Einsicht sehnen wird. Aber genauso irreal ist es, das sich diese Erwartungshaltung des Opfers jemals ändern wird. Auch das Opfer will es nicht wahrhaben, dass es etwas Unmögliches vom Täter erwartet und wird Jahr für Jahr die meisten seiner Gedanken und Erwartungen darauf konzentrieren, dass das Einsehen vielleicht doch noch kommt.

Dich ärgert es, wenn ich anders als Du empfinde und denke? Ich ärgere mich nicht über Deine Aussage, dass Deine Eltern noch heute an Deinen Essstörungen und noch anderen Dingen Schuld sind. Du empfindest es so und ich anders.

Was ruft in Dir heute Deinen Hass hervor? Was empfindest Du denn anders? Würde es Deine Probleme lösen, wenn Du Fehler verzeihen würdest? Oder, ich weiß ja nicht in welchen Zusammenhängen Du denkst?

Wenn ich in meiner Kindheit missbraucht, psychisch und physisch misshandelt werde, dann ist meine Kindheit traurig, wütend, usw. Die ersten Jahre meiner Selbständigkeit sind schwer, weil ich alles aufarbeiten muss, aber auch aufregend, weil ich zu mir und meinen Werten finde. Mit 30, 40 oder 50 sind nicht mehr meine Eltern daran Schuld – von denen ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Wenn ich dann Probleme habe, trage ich die Verantwortung dafür und nicht meine Eltern. Wenn ich da noch Probleme habe, dann hätte ich sie auch, wenn ich eine "Friede-Freude-Eierkuchen-Kindheit" gehabt hätte.

Wenn mich heute jemand anschreit, dann nützt mir seine Entschuldigung überhaupt nichts, weil er mich trotzdem angeschrien hat. Damit kann ich leben, oder nicht. Aber wenn er in 10 Jahren mit seiner Entschuldigung käme, dann wäre es für mich absolut unsinnig, denn ich hätte weder an ihn noch an sein Geschrei 9 Jahre 364 Tage einen Gedanken verschwendet. Ich habe zugelassen, dass ich mich einen Tag meines Lebens darüber ärgere, aber doch nicht die letzten 10 Jahre.

Ich ziehe es vor die Gegenwart zu genießen, anstatt jahrelang wütend über eine Vorstellung zu sein. Natürlich bringt eine Entschuldigung bei Menschen etwas, die ihren Ärger und ihre Wut versuchen durch Selbstdisziplin unter Kontrolle zu halten und das auch von anderen erwarten, Gefühle bewerten, etc. jeder in einer anderen Kombination. Eine Entschuldigung erfolgt aufgrund bestimmter Abwägungen auf das "richtige" Verhalten. Das erübrigt sich für mich, wenn sich jemand gegen sein Gefühl verhält, nur weil es allgemein nicht als "richtig" gewertet wird, dass man herumschreit.

Jedem bleibt selbst überlassen, ob er sich eine Verhaltensmaske aufsetzten will oder nicht, aber dieses Roboter-ähnliche Verhalten langweilt mich und es funktioniert ja auch nicht. Es ist halt die Frage, ob es das Wert ist, dass sich jene, die sich einer allgemeinen Vernunft unterwerfen, sich selbst vergewaltigen, um jemand anderen nicht zu verletzten. Egal wer, nach so einer Denk- und Verhaltensweise wird einer verletzt.

Für die Mehrheit schein der Weg der Vernunft und der Konditionierung auf bestimmte Werte erstrebenswert zu sein. Nur weil ein Opfer den Täter hasst, ist sein Leben noch nicht beschränkt. Ein Opfer ist man solange, solange man einer Situation ausgesetzt ist, in der es einen Stärkeren gibt. Zu einem lebenslangen Opfer macht man sich durch seine Vorstellungskraft, die man genauso für etwas Anderes einsetzen könnte. Aber niemand kann aus seiner Haut.

Uznkräu|tlxein


Kleio - ninja

Ein Opfer ist man solange, solange man einer Situation ausgesetzt ist, in der es einen Stärkeren gibt. Zu einem lebenslangen Opfer macht man sich durch seine Vorstellungskraft, die man genauso für etwas Anderes einsetzen könnte. Aber niemand kann aus seiner Haut.

Kleio

Das ist auch meine Meinung, lest bitte meinen Artikel über das Buch "Sie nannten mich "ES" - Der Mut eines Kindes zu überleben von Dave Pelzer!

A3prislhase


@kleio

Mir ist das absolut nicht fremd. Ich kenne jemanden,...

Eben ! Aber du hast es nicht selbst erlebt. Und deshalb kannst du es nicht verstehen.

In der Kindheit wird die Persönlichkeit eines Menschen geprägt. Und seine Persönlichkeit kann man nicht einfach ablegen, oder grundlegend ändern, auch wenn man durchaus in der Lage ist, genau so wie du, das Ganze theoretisch zu erkennen und zu analysieren.

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