» »

Erwachsene Kinder: ist es möglich, den Eltern zu verzeihen?

hKera\klixt


Ja, Kleio

aber hier geht's ja darum, ob man den Eltern verzeihen kann oder soll, deine Eltern haben dich nicht mißbraucht. Wenn sie nichts getan haben, um dich zu schützen, aus welchen Gründen auch immer, so ist das doch anders, als wenn die Eltern, die dir das Leben gegeben haben, denen du "geliehen" bist, um dich großzuziehen, dich mißbrauchen, deine Seele ruinieren und du sie dir mühsam aus den Untiefen holen mußt.

Liebe Grüße

Khleio


heraklit

;-D ;-D ;-D ;-D ;-D

Kriterien, worunter ein Kind mehr leidet und worunter nicht?

;-D ;-D ;-D ;-D ;-D

Ist das im Sinne gemeint, wie wer ist hier das größte Opfer?

Das kann doch nicht wahr sein! Es gibt Kinder, die "nur" durch verbale Verletzungen Essgestört sind und das ihr Leben lang. Heißt es, dass jemand, der körperlich missbraucht wurde, dem Essgestörten sagt, dass er nicht so verletzt sein kann, wie der andere? Empfinden alle Kinder gleich, dass man eine genormte Skala aufstellen könnte?

Ist das hier ein Wettbewerb um den Titel "größtes Opfer", aber dafür stellen wir einmal Kriterien auf, die wir anerkennen? Wer entscheidet, wessen Seele wodurch in "Untiefen" fällt?

TyiAzixan


Hallo heraklit

Ich denke Du hast kleio gründlich missverstanden. Sie war/ist selbst Opfer geworden und wollte uns nach meinem Verständnis begreiflich machen, dass sie es geschafft hat mit ihrer Strategie zu ihrem inneren Frieden zu gelangen, was ich ihr bestimmt auch von Herzen gönnen möchte.

Einzig der Umstand, dass mich ihre Argumentationsführung an die wenig differenzierte Agitation religiöser Fanatiker erinnert, macht mich ein wenig nachdenklich. Ob mit dem vehementen Versuch sich mit der eigenen Meinung über die anderer zu erheben, nicht doch der Versuch begründet liegt, die eigenen alten Wunden und Gefühle deckeln zu müssen, mag dahin gestellt bleiben. Aber jeder muss halt sehen, wie sie /er am besten mit seinen Altlasten umgeht.

@Unkräutlein

Ich denke schon, dass mit einem beginnenden Erkenntnisprozess durchaus eine Veränderung der manchmal für die Betroffenen selbst unverständlichen angeeigneten Verhaltensweisen möglich ist.

Cu Tizi

Svkipxpy


Keine Wahl ?

Ich habe meinen Eltern nichts zu verzeihen, denn sie hatten keine Wahl.

??? Das kann ja wohl nicht wahr sein! Aufgabe der Eltern ist es doch wohl auch, seine Kinder vor Gewalt und Missbrauch zu schützen, oder? Meiner Meinung nach sind die, die so etwas geschehen lassen auch schuldig. Ich denke, zum Wohle meiner Kinder habe ich immer eine Wahl. Für mich klingt das eher nach "bloß nicht dran rühren" oder "bloß nicht anfangen zu überlegen". Aber auf Dauer ist es, glaube ich, nicht gut alles unter den Teppich zu kehren. Irgendwann kommt der Zusammenbruch.

KKleio


Tizian

Ich weiß zwar nicht, wodurch Du das Gefühl hast, dass ich mich über irgendjemanden erheben will, aber daran kann ich nichts ändern. Ich habe meine persönliche Einstellung dargelegt. Weder kann sich jemand über mich erheben, noch ich über andere, da für mich alle Meinungen gleichwertig sind, sie sind anders, nicht besser oder schlechter.

Ich habe keine Altlasten. Wenn ich etwas ergreifen will, dann muss ich das, was ich in der Hand halte loslassen. Das, was Du als Religion bezeichnest, sind meine persönlichen Erkenntnisse. Ich denke es dürfte klar herausgekommen sein, dass nachdem für mich jeder Mensch anders ist, er auch logischerweise eine andere Weltanschauung hat.

K)l_eio


Skippy

Nachdem ich die Meinung vertrete, dass Menschen determiniert sind, und es entspricht auch meiner Erfahrung, hatten weder meine Eltern die Wahl, noch habe ich die Wahl anders zu sein als ich bin. Man kann übrigens auch hier im Forum sehr gut beobachten, dass keiner aus seiner Haut kann *ggg*.

Die Aufgabe der Eltern ist das, was die jeweiligen Eltern als ihre Aufgabe definieren. Das, was Eltern zum Wohle ihrer Kinder machen, stellt sich oft heraus, dass die Kinder es nicht so empfinden und ich meine jetzt nicht Missbrauch.

Ob man überlegt oder nicht, hängt davon ab, wie groß das Bedürfnis nach Überlegungen ist. Wenn das Bedürfnis nach Überlegungen nicht groß ist, dann sind Überlegungen nicht so wichtig, wie andere Dinge. Außerdem hängt es noch vom Bedürfnis ab, worüber man Überlegungen anstellt.

-HpChodebae


Tizian..

komisch, zwei Hirne, ein Gedanke! Ich habe mich aus diesem Gespräch gezogen, weil ich dachte, das Kleio noch größere Schwierigkeiten hat, als sie uns glauben machen will... das sie vehement auf ihre Friedenseinstellung pocht, zeigt mir nur, das sie viel, viel mehr Probleme hat als wir, die wir es anerkennen, das wir Probleme haben.

Du kannst jetzt gerne auf mich losgehen... das ist auch so eine Art der Bewältigung derer, die denken das sie keine Altlasten (mehr) hätten - ich werde von diesem Gedanken nicht mehr loskommen... nach dem was ich alles von dir las.

lg

KSlexio


phoebe

Warum sollte ich auf Dich losgehen? Ich finde es sehr interessant, wie meine Aussagen aufgefasst werden, was ignoriert wird und was nicht. :-D

hTerakxlit


Kleio, um Himmels willen!

ich meine sicher nicht, wer ist hier das größte Opfer! Nichts läge mir ferner als das, meine Aussage habe ich so gemeint, daß du vielleicht, ich sage, vielleicht, mehr Bereitschaft zeigen konntest, deinen Eltern zu verzeihen, weil sie nicht die ursächlichen Mißbraucher waren.

Und ich urteile schon gar nicht aus der Ferne, aber auch ich kann nur auf das reagieren, was hier geschrieben steht, und daher manches anders verstehen, als es vielleicht gemeint ist. :-)

KulePixo


heraklit

Das wird schon hinkommen, dass egal, was sie auch getan haben, es nicht zum Bruch geführt hat.

Ich meine, wenn wir schon die Analyse über mich betreiben, vielleicht ist meine heutige Weltanschauung die einzige Möglichkeit gewesen, dass es mit ihnen nicht zum Bruch führt, oder überhaupt mit anderen Menschen nicht zum Bruch führt, wenn diese etwas tun, was mir nicht passt. Warum nicht, hat sicher dazu beigetragen, dass ich keine Erwartungen an jemanden stelle, solange ich nicht festgestellt habe, was ich überhaupt zu erwarten habe.

UqnkRräutlexin


Kleio....

wenn ich Deine Artikel lese, so haben Du und ich eine sehr große Übereinstimmung.

Ich bin auch nach wie vor der festen Überzeugung, wenn man, trotz aller schlimmen Erlebnisse, seine Meinung nicht ändert und so seinen inneren Frieden findet (und das geht nicht mit Hadern und immer wieder im Schmutz wühlen) ist man immer wieder ein Opfer, oder ein total verbitterter, von Selbstzweifeln geplagter, unsicherer Mensch!

Manchmal denke ich auch, wenn ich diese Artikel lese, hier geht es ganz einfach darum, uns zu überzeugen, "Ich bin das größte Opfer, meine Kindheit war die Schlimmste!

Schlimm, ist alles was ich hier gelesen haben, aber ich glaube nicht, daß man weiter kommt, wenn man immer wieder überlegt, warum haben mir meine Eltern das angetan. Sie haben es nun mal, leider, es ist nicht mehr zu ändern. Sicherlich hatten sie auch Probleme, denn gesunde Menschen können nicht so böse sein.

Denkt mal darüber nach, wie krank Hitler gewesen sein muß und laut vieler Studien auch war, als er ein ganzes Volk ins Unglück gestürzt hat. Wie viele Menschen waren denn damals den Quälereien einer "großen Familie", nämlich dem Staat ausgesetzt.

Ich glaube, wenn man mehr in eine solche Richtung denkt, dann werden die eigenen Probleme kleiner und sind irgendwann verschwunden. Wäre das keine Lösung?

T8izixan


Unkräutlein

Bei manchen Beiträgen wie Deinem letzten wundert mich nichts mehr, warum das Thema Gewalt sozialpolitisch so heruntergespielt wird.

Es liegt einfach daran, dass jenen, denen Gewalterfahrungen seitens der Eltern erspart blieben, überhaupt nicht nachempfinden können, in welchen Zwiespalt zwischen Hass und der Suche nach der fehlenden Liebe, solche Kinder gefühlsmäßig zeitlebens bleiben.

Dieser innere Schmerz hat nichts mit Wettbewerben, zu tun, wer am meisten leiden musste, sondern ich denke dass misshandelte Kinder erst viel später realisieren, was ihnen angetan wurde.

Denn solange sie klein sind, lieben sie ihre Eltern, wie halt Kinder mit ihrem ganzen Herzen lieben können. Selbst wenn die Eltern noch so brutal auf sie einwirken. Sie kennen es nicht anders und lieben sie weiterhin. Irgendwann einmal, werden sie sich dann bewusst, dass dieses normale Verhältnis zwischen Geben von Liebe nur noch einseitig, nämlich von ihnen aus gegeben wird, sie hingegen Zuwendung oft nur in gewalttätiger Form zurück bekommen. Schon ein normaler Mensch kann dies kaum nachvollziehen, wie viel weniger dann erst ein Kind? In Folge dessen, entwickelt sich ein Zwiespalt, indem das Kind den Schmerz wahrnimmt und somit lehrt auf Distanz zu gehen, andererseits aber die fehlende Liebe spürt, - sucht, - aber nie empfängt.

So etwas tut verdammt weh. Dieser Schmerz sitzt tief in dir drin und wird Dich vermutlich nie verlassen. Ich könnte mir vorstellen, dass es so ähnlich ist, als wäre Dein, geliebter Ehepartner gestorben, nur mit dem Unterschied dass Du ihn zwar siehst aber nie mehr erreichen kannst.

Mit diesem ständigen wehen Herzen, kann kein Mensch auf Dauer leben, also entwickeln solche Menschen unbewusste Strategien, um diese Schmerzen zu verdrängen. Woraus sicher auch irgendwelche Suchtverhalten hervorgehen, Aggressivität, eben alles tut oder nicht tut, um ja nicht daran denken zu müssen. Das ist eigentlich der Ausgangspunkt unserer Diskussion. Erst jetzt, im Erwachsenenalter kommt es leider immer wieder durch, dass man z. B. beim Anblick der eigenen, oder anderer glücklicher Kinder wieder an die schlummernden Schmerzen erinnert wird. Und somit immer wieder dazu beiträgt, dass man in ein Loch von Depressionen versinkt.

Die Frage ist nun, ist es möglich, durch Verzeihen, diesen Schmerz zu überwinden? Es gibt ganz bestimmt Situationen, da kann ich es mir sehr gut vorstellen. Andere wieder auch nicht. So z.B. wenn ich nun erst erfahren habe, dass nicht ich die Schuld an der Gewalt hatte, wie es mir von meiner Mutter geradezu eingeredet wurde, sondern sie eigentlich genau gewusst haben muss, dass sie selbst dafür verantwortlich war. Aber nie die Notwendigkeit erkannt hat, sich nur mal ansatzweise dafür zu entschuldigen.

Da erwartest Du im Ernst, dass ich angesichts dessen, dass ich völlig für nichts gelitten habe, nun auch noch hergehen soll, ihr zu verzeihen? Nein, ich kann es nicht. Allein schon deshalb nicht, weil ich erst jetzt merke, wie degeneriert ich dadurch mein Leben fristen musste. Was sich nun aber, da ich die Zusammenhänge erkannt habe, wahrscheinlich doch noch etwas ändern wird. Vielleicht ahnst Du nun wenigstens mal ansatzweise, worüber wir hier diskutieren. Wenn es einen Wettbewerb gibt, dann kann er nur darin bestanden haben, wer die perfekteste Strategie entwickelt hat, um keinen Schmerz mehr fühlen zu müssen.

cu Tizi

-kARngs#t-


@ unkräutlein

ich denke nicht, dass probleme irgendwann verschwinden, nur weil man nicht über sie nachdenkt... verzeihen ist ein aktiver prozess, den einem kein mensch abnehmen kann... auch die zeit heilt nicht alle wunden...

ich frage mich nur, warum sollte ich ihnen verzeihen? um ihnen verzeihen zu können, muss man sich wohl oder übel mit ihnen auseinander setzen, verstehen, warum sie so gehandelt haben... warum sollte man das alles freiwillig nocheinmal durchmachen... für meinen teil, können sie mich mal am arsch lecken. ich brauche sie nicht mehr, warum solte ich mich dann weiterhin mit ihnen auseinander setzen... ?

KVlexio


Unkräutlein

Ich bin auch der Meinung, dass alles, was als Verletzung empfunden wird, schlimm ist, vor allem, weil jeder andere Dinge verletzend empfindet.

Mit dem Hadern mit seinem Schicksal, oder als was man es auch empfindet, macht man sich ständig bewusst, welches Trauma man erlebt hat. Jeder Mensch will wichtig sein und definiert das, wodurch er wichtig wird, anders. Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, wie und von wem man diese Anerkennung bekommt, damit man wichtig ist.

Ich persönlich finde, dass gerade der Vergleich, wie es anderen geht zur Unzufriedenheit führt. Dahinter steckt eben oft dieses "besser" sein wollen als andere. Natürlich funktioniert es, wenn man sein eigenes Leben mit solchen vergleicht, wo es anderen noch schlechter geht, als einem selber. In dieser Art des Umgangs entdeckt man aber, dass es eben auch Menschen gibt, denen es besser geht. Ganz natürlich erwacht der Neid, die Eifersucht, usw. weil oft nicht berücksichtigt wird, dass einer, dem es nach den eigenen Kriterien besser geht, ganz andere Ausgangspunkte hatte als man selbst, auch noch charakterlich ganz anders ist, in einer ganz anderen Umgebung aufgewachsen ist, usw.

Interessanterweise, fällt es den Vergleichenden nicht immer auf, dass der Mensch, dem es schlechter geht, in ganz anderen Verhältnissen lebt. Bei denen, denen es besser geht, nimmt man dasselbe nicht wahr und unverzüglich ist man unzufrieden und voller Vorwürfe an die Welt. Man geht von Kriterien aus, die einem sagen, dass man auf ein ganz bestimmtes Verhalten ein "Recht" hätte.

Wo diese Vorstellung herkommt, ob das auch der Realität entspricht, das wird selten verglichen und sogar wenn man vergleicht, wie vielen anderen Menschen dasselbe passiert, so ist das kein Trost, dass es gar nichts Ungewöhnliches ist. Meistens aber vergleicht man eine Illusion der "perfekten Eltern" die man sich wüscht, so ähnlich wie viele Frauen ihren Traummann erschaffen und dann den Mann verändern wollen und ihm dann irgendwann vorwerfen, dass er diesem Wunschbild nicht entspricht.

Bei Eltern ist das Wunschbild noch größer, denn schließlich ist man ja auf sie angewiesen, von ihnen abhängig und im Vergleich zu den eigenen Bedürfnissen, ist das sehr oft eine unüberwindbare Diskrepanz. Aber das Vergleichen mit anderen ist eine von der Gesellschaft konditionierte Denkweise und darum ist es auch schwierig durch Vergleichen Zufriedenheit und Glück zu finden, vor allem wenn man die persönliche Zufriedenheit und Glück durch das Verhalten anderer abhängig macht.

Ich glaube auch nicht, dass es da eine General-Formel geben kann, weil jede Situation von einem Opfer anders empfunden wird, jedes Opfer reagiert anders. Sicher ist das aber auch eine Möglichkeit, wenn man nicht so sehr auf sich konzentriert ist, sondern auch andere Menschen in seine Vergleiche mit einbezieht.

Kcl6eixo


Tizian

Also kein Mensch redet einem egal in welcher Art und Weise missbrauchten Kind seine Schmerzen und Qualen ab. Wenn ein Kind das als Fehler der Eltern definiert, dann ist es für ihn ein Fehler, ganz egal, ob das für andere ein Fehler ist oder nicht. Egal ob es seine Werte als absolut, intersubjektiv oder subjektiv ansetzt. Das ausschlaggebende ist, dass es subjektiv die Tat seiner Eltern als Fehler definiert.

Du schreibst, trotzdem liebt das Kind nach wie vor seine Eltern. Warum? Weil die Selbstreflexion und die Identifikation durch die Reflexion des eigenen Ichs über andere noch nicht vorhanden ist. Für Werte und Fakten hat man sich noch keine Kriterien konstruiert, weil sie einem noch nicht konditioniert wurden. Genauso wenig habe auch ich nie geschrieben, dass Du oder irgendjemand anderer seinen Eltern verzeihen soll, wenn er nach seinen Abwägungen das persönlich als unverzeihlich wertet.

Jeder hat andere Grenzen und andere Bedürfnisse. Bei einem Kind erfolgt die Beurteilung durch seine Gefühle, weil es eben noch nicht in dieser Art und Weise abwägt wie ein Erwachsener. Wenn sich eine Persönlichkeit gebildet hat, die sich seine Welt konstruiert und mit diesen Wertvorstellungen die Kindheit reflektiert, dann beurteilt es, dass die Eltern Fehler gemacht haben. Ein Kind kommt nicht mit "richtig" oder "falsch" zur Welt. Das wird ihm erst nach und nach konditioniert. Gefühle sind nicht automatisch gut oder schlecht. Dass Schmerz schlecht und Freude gut wird, dazu braucht es eine entsprechende Konditionierung.

Die wertende Persönlichkeit, die den Fehler feststellt, hat es aber beim realen Missbrauch als Kind nicht gegeben. Genauso wie diese erwachsene Persönlichkeit in der Lage ist für sich richtig und falsch zu definieren, das sie dann natürlich auch auf die Eltern anwendet, weil sie auch in der Lage ist, sich vorzustellen, wie sie als Kind war, sie sieht das ganze wie in einem Film und ergreift natürlich Partei für das wehrlose und ausgelieferte Kind, das sie einmal war und identifiziert sich jedes Mal aufs Neue mit diesem Kind, weil keiner da war, der ihm geholfen hat, weil es so ungerecht war, unmoralisch und lieblos... Man konstruiert sich immer wieder gedanklich Mitleid mit diesem Kind und natürlich wird der Hass auf die Täter durch den Gedanken wieder ausgelöst, weil man das als unverzeihlich definiert hat.

Wenn man sich nicht immer wieder diesen Film vorstellen würde, dann würde man auch keinen Grund für den Hass haben, sondern das Thema abgehackt haben. Wenn jedes Mal ein subjektives Sucht- oder Fehlverhalten, das sich in der Kindheit manifestiert hat erkannt wird und das Kindheitstrauma nicht abgehackt ist, wird damit wieder der ganze Film abgerollt. So konditioniert man sich an, dass man auf Vorstellungen mit Gefühlen reagiert.

Ich spiele Gewalt auch nicht herab. Ich weise nur darauf hin, dass die Gewalt eine bestimmte Zeitdauer real ist und dann in der Vorstellung weiterlebt. Das kann dann dazu führen, dass man sich so sehr auf die Vorstellung der Vergangenheit konzentriert, dass man nicht mehr in der Lage ist die Gegenwart ganz wahrzunehmen. Was dabei oft geschieht ist, dass dadurch in der Gegenwart Fehler gemacht werden, die dann wieder den Tätern vorgeworfen werden. Meiner Meinung nach ist nicht der Täter dafür verantwortlich, ob sich ein Opfer auch noch nach 20 Jahren mit seinem Trauma beschäftig, sondern abhängig von seinem Wesen und seinen Bedürfnissen.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH