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Agressionen, Aufmerksamkeit, Denkblockade

Alias 740509 hat die Diskussion gestartet


Hallo liebes Forum,

Ich neige schon länger, aber nun immer häufiger, an 'Verzweiflungsanfällen' die ich nicht so recht in den Griff bekomme.

Irgendwie glaube ich zu verstehen wie sich diese zusammensetzen, aber es ist als mache sich meine Psyche an einem gewissen Punkt immer selbstständig. Als würde sie einfach umklappen.

Ich erläutere kurz meine Ahnung, woher diese 'Anfälle' kommen:

Ursprünglich war ich immer eine recht präsente Person die ihr Meinung oft ehrlich rausgekeilt hat. Mit Anfang zwanzig wurde ich darauf immer wieder angesprochen, weswegen ich anfing mit zurück zu halten. Ein Schlüsselerlebnis war, als eine Bekannte häufig andere im Bekanntenkreis anfuhr, sich andere untereinander beschwerten und ich sagte, ich würde sie mal unter vier Augen darauf ansprechen. Darauf kam dann: "Mach das bloß nicht, du bist immer viel zu direkt!"

Dazu kam der Wechsel von der Ausbildung ins Studium (selber Fachbereich, Praxisbezogen). Obwohl ich zuvor gelernt hatte Präsentationen zu halten und dies in der Ausbildung u.a. mein Steckenpferd war, wurde ich zu Anfang von einem Dozenten ordentlich durchkritisiert. Ich hätte so locker vorgetragen, das Thema nicht ernst genug genommen - inhaltlich soll es aber gut gewesen sein

Der selbe Dozent schrieb mir zum Ende des Semesters einen Roman unter eine schriftliche Abgabe; Darin stand, dass ich wohl keine großen Aussichten auf einen Abschluss hätte.

Dazu kamen noch weitere Aktionen, die an mir gezerrt haben. Also fing ich an mich zusammen zu reißen: Ich hielt mich in generell in Diskussionen zurück, zwang mich bei Präsentationen 'nicht zu locker' zu sein und - was wohl der Fehler war - äußerte mich gar nicht mehr wenn mir etwas stank. Ich verlagerte mich darauf mein Gegenüber immer bestmöglich zu verstehen und so einzulenken, dass gar keine Reiberei entstehen könnte um nicht 'im alten Modus hoch zu fahren'.

Heute kann ich gar nicht mehr spontan sauer, laut oder wirklich direkt werden. Alles was in konfrontierenden Situationen - oder in solchen in denen ich im Mittelpunkt stehen soll/muss - passiert ist, dass ich nervös werde.

Unter Menschen plappere ich dann bescheuert, wenn ich alleine bin knallt alles in meinem Schädel zusammen und ich bekomme eben einen Verzweiflungsanfall mit apokalyptischen Gedanken und Heulkrampf.

Wenn das ganze dann vorbei ist, halte ich mich einfach für bescheuert - aber dann ist es als wäre mein Gehirn gesperrt. Es geht nichts mehr rein oder raus. Irgendwas produktives zu tun ist dann erst recht nicht mehr drinne.

Das so weit zur Erläuterung.

Wenn im Schädel alles so zusammenklatscht, werde ich auch schonmal agressiv. Hocke dann total Steif rum, atme flach, bekomme drückende Kopfschmerzen und 'schreie in meinem Kopf rum'. Es in solchen Momenten einfach raus zu lassen geht nicht, weil es nicht mehr Verhältnismäßig wäre. Es ist ein angesammelter Wut-Brocken den ich komplett loslassen würde, denn in Bröckchen funktioniert es nicht. Es wäre wie im Schwall zu kotzen.

Irgendwie ist es genau umgekehrt zu Menschen, die unter Kontrollverlust oder mangelnder Impulssteuerung leiden. Ich bin quasi durchkontrolliert und mache keinen Schritt mehr. Zu dem kommen immer mehr Ängste dazu, die ich zwar immer wieder angreife, aber in diesem ganzen Verzweiflungsanfallchaos immer mehr Raum einnehmen.

Ich weiß nicht genau was ich damit möchte, aber vielleicht kennt ja jemand von euch ähnliches und hat eine Ahnung an welchem Ende ich am besten anpacken kann, um es aufzulösen.

Liebe Grüße

Antworten
Alias 740509


Achso, zu Aufmerksamkeit : Durch den ganzen Gedankenwust habe ich zwischenzeitlich ziemliche Konzentrationsprobleme - wie Züge die durch den Kopf fahren. Auch wenn ich mich länger mit jemandem angeregt und eigentlich interessant unterhalte. Da schweben mir schonmal die Gedanken weg.

PVlüscahbiexst


Ich denke, du solltest es raus lassen, nur eben nicht so direkt.

Sag es doch einfach durch die Blume durch, eben nett umschrieben.

Z:achar8ias M


(Verhaltens-)Therapie schon probiert?

Bist du in einer Beziehung? Wie sieht es sonst mit deinen sozialen Kontakten aus.

Männlich, weiblich? Du schriebst von Ausbildung, dann Studium. Ist es ein eher männerdominierter Bereich?

Alias 740509


Ja, vielleicht. Danke.

Alias 740509


@ Zacharias

Sorry, hatte deinen Post vorm abschicken nicht mehr gesehen. Ging wohl durcheinander.

Nein, eine Therapie hab ich bisher nicht probiert. Ich habe mal meinen Mut zusammengekratzt und meinen Hausarzt um eine Überweisung gebeten, die er mir zugesagt hat. Am Helferinnen-Schalter meinte die Dame dann auf Nachfrage: "Woooaaas? Da machen Sie erstmal den Termin, dann können sie sich das abholen. Dauert doch eeeeewig und da ist die Überweisung eh abgelaufen." Danach bin ich in der Richtung nicht weiter, weil ich ohne die ÜW irgendwie gehemmt war. Klingt doof, ich weiß.

Bin weiblich und in einem gut gemischten Studiengang. Aber wo du es schreibst: Der Dozent hat tatsächlich eher technische Kurse. Eine Beziehung habe ich - da hab ich auch das eine oder andere Problem das ich vermutlich nicht hätte, wenn ich mit der beschrieben Art nicht so viel hinnehmen würde.

Soziale Kontakte habe ich - auch beste Freunde. Aber darüber reden kann ich nicht wirklich. Ich kann diesen bedauernden Blick nicht ab ... und zur Klugscheißerei leiden einige davon leider auch. Du musst doch einfach nur ...

Alias 740509


Ich meinte neigen statt leiden.

Alias 740509


Da ich im Text von 'als ich Anfang zwanzig war' schrieb ergänze ich kurz: Ich bin nun Ende zwanzig.

Alias 740509


Okax, scheinbar ein unpopuläres Problem.

BDirneBnaYpfel


Ich denke auch, dass eine verhaltens-theapie für dich was gutes wäre, bevor das ganze immer schlimmer wird und zu irgendwann daran zusammenklappst!

Viel Glück!

Alias 740509


Habe letztlich mal den Schritt gemacht ehrlich zu sein und damit offenbar ein paar Leuten böse vor den Kopf gestoßen.

Bin auch jetzt ehrlich ... ein bisschen Frust wollte ich schon abbauen, habe mich aber sehr korrekt und diplomatisch ausgedrückt ... naaaaja, es scheint ein Fettnäppfchen zum Einstieg gewesen zu sein. Als Rückschlag nehme ich das nun nicht unbedingt, aber ich denk da schon über mich nach.

Mit dem Einstieg in eine Verhaltenstherapie habe ich das Problem noch laufende Projekte zu haben die brennen und vorher abgeschlossen sein wollen. Ein Umzug soll darauf folgen. Wenn ich also jetzt einen Termin vereinbaren wollte, müsste ich wohl ein halbes Jahr darauf warten, bin dann aber vielleicht gar nicht mehr hier und müsste am neuen Wohnort erneut suchen und warten. Leider ließe die Distanz kein Arztpendeln zu (ca. 600 km). Das ist in dem Punkt das Problem.

Hat jemand Erfahrung mit Lebensberatung? Taugt das etwas zum Übergang?


Liebe Alias,

so gut wie allen Mädchen wird anerzogen, dass sie nicht so vorlaut sein sollen, dass sie hübsch brav und lieb und zuvorkommend und hilfsbereit und nicht so laut sein sollten, dass sie gerade sitzen und die Beine geschlossen halten und sich bitte nicht dreckig machen sollen. Meine persönliche Meinung dazu ist: Mädchen werden viel zu oft verzogen (Jungs aber entsprechend genauso) und dabei verlieren sie viel von ihrem ursprünglichen Wesen. Du warst laut, direkt und impulsiv? Okay! Warum sollte das nicht okay sein, das bist doch du. Sicherlich ist es hilfreich, als Erwachsener die Normen zu kennen und einzuhalten, wenn man Wert auf Gesellschaft und gesellschaftliche Akzeptanz legt. Aber das heißt nicht, dass man seine Persönlichkeit komplett verbiegen und verbergen muss. Ich glaube, deine "Verzweiflungsanfälle" sind Hilfeschreie deiner Seele. Man hat dich gelehrt, was sich gehört und was sich nicht gehört, du hast unmittelbare Konsequenzen für "nicht erwünschtes" Verhalten erfahren. Es ist normal, dass du den Mund mittlerweile nicht mehr aufmachst. Aber irgendwas schreit in dir und zwar zu Recht und verschafft sich von Zeit zu Zeit eben entsprechend Gehör.

Meiner Meinung nach musst du einen Mittelweg finden. Man kann nicht immer und jedem direkt ins Gesicht sagen, was man denkt, aber man sollte auch nicht alles schlucken und mit sich alleine ausmachen. Vielleicht hilft es dir, die Dinge auch erstmal aufzuschreiben? Kannst du dir vorstellen, Tagebuch oder vielleicht Gedichte oder Kurzgeschichten zu schreiben? Man kann sich nämlich Dinge nicht nur von der Seele reden, sondern auch von der Seele schreiben. Und vielleicht findest du so ja auch eine Form, in die du deine Worte kleiden kannst, sodass sie sagbar sind, ohne andere zu verletzen. Wobei es immer Menschen geben wird, die die Wahrheit entweder nicht hören wollen oder nicht vertragen, da kannst du Zuckerwatte drumherum packen, das wird immer falsch ankommen, das muss man auch im Kopf behalten. Aber dann solltest Du Dich fragen, ob es nicht mehr Sinn macht, einen Kaffee trinken zu gehen oder ein gutes Buch zu lesen. Von Frauen, die unangepasst und trotzdem gut durchs Leben gehen, gibt's einige ...

Alias 740509


Hallo Elisada,

Danke für deine Mühe. @:)

Alias 740509


Schreiben, in jedweder Form, habe ich hinter mir. ;-)

Ich bin selbst ein großer Fan davon es anderen vorzuschlagen, aber mir persönlich hilft es nur sehr bedingt. Ich muss, denke ich, wieder mehr aus mir heraus als in mich zurück. Aber das wie ... naja ... nicht ganz so einfach. Wird schon werden.

zu einem sprichtwörtlich klassischem Mädchen wurde ich übrigens nicht erzogen; Ich schätze genau deswegen ist es heute ein Problem, wenn dem Klischee entsprechend mit mir umgegangen wird

Ich bitte auch hier gern noch mal darum: Könntet ihr diesen Faden bitte einfach löschen? ;-) @:)


Liebe Alias, das hört sich für mich ganz so an, als ob noch genügend "Rebellentum" in dir steckt, um einen Weg da rauszufinden und vielleicht auch alleine gehen zu können. Wenn das Schreiben nichts für dich ist und es dir um das Aus-sich-Herausgehen geht - was ist mit Theater? Tanz? Schlagzeug-Spielen (o. Ä.)? Alles sehr "extrovertierte" Hobbys für mich, zumal in einem Rahmen, der es erlaubt, sich auszuleben und zu verausgaben ohne schiefe Blicke zu ernten, weil man zu laut oder "zu expressiv" ist. Aber das hast du vielleicht auch schon alles durchdacht. Vielleicht brauchst du nur jemanden, der dein Selbstwertgefühl wieder stärkt? Und niemanden, der dir Freizeitbeschäftigungen vorschlägt :) In dem Fall macht es vielleicht doch Sinn, über eine Beratung nachzudenken. Ich persönlich kann dir da aber leider keine Tipps geben oder Erfahrungen teilen.

Ich hoffe aber, jemand anders hier kann dies tun, denn löschen können wir die Diskussion leider nicht und es wäre auch schade, sie so enden lassen zu müssen.

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