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Ich weiß nicht, ob das Missbrauch war. Bin ich ein Weichei?

v^eggieSXhaxri hat die Diskussion gestartet


Ich war als Kind mit 9 Jahren bei einer Freundin für ca. eine Woche. Die ältere Schwester (damals 14 und Missbrauchsopfer des Bruders der Familie) von ihr kam nachts in mein Zimmer und wollte, dass ich sie sexuell berühre, sollte sie auch oral befriedigen, das ging nicht lange, ein paar Minuten. So ein ähnliches Erlebnis hatte ich später nochmal bei einer anderen Schulfreundin. Außerdem wollte mich ein Junge mal in der Schule abpassen und zog mir die Hose runter, machte sonst aber nichts, weil ich ihm eine Ohrfeige verpasste. Ich fühlte mich beide Male danach nicht gut, hatte aber auch nicht klar "nein" gesagt und ein schlechtes Gewissen und wollte meine Eltern nicht ennttäuschen, weil sie mir ja eine Freude machen wollten, indem ich dort übernachten durfte. Ich hatte mit Anfang 20 eine Beziehung zu einem Mann (bin bi) konnte Sex aber nie genießen, habe große Hemmungen, kann mich nicht fallen lassen oder muss betrunken sein. Wir hatten höchstens fünfmal Sex. Später hatte ich noch zwei Beziehungen zu Frauen, auch da war es schwer und ich fühlte mich immer schmutzig. Ich bin heute fast asexuell, wenn ich betrunken bin, habe ich manchmal Sex. Trotzdem geht es mir manchmal aus diesen Gründen schlecht. Mobbingerlebnisse tun ihr Übriges. Mit Anfang bis Mitte 20 hatte ich während meines Studiums auch eine Phase, in der ich Magersucht hatte, da bin ich aber nicht mehr betroffen. Ich habe wenig Selbstvertrauen, trotzdem denke ich oft, diese Erlebnisse sind nicht schlimm genug, als dass sie mich wirklich belasten dürfen. Und so schlimm war es doch gar nicht und es war nur kurz. Außerdem habe ich mich nicht gewehrt. Andere haben doch viel Schlimmeres erlebt. Wieso bin ich so empfindlich? Mit 15 stand ich daneben als sich mein Vater umbringen wollte. Zum Glück überlebte er und ihm geht es heute wieder sehr gut, dennoch hatte ich mal ein Flashback davon. Kann das wirlich sein? Andere erleben viel Krasseres und kommen damit klar. Ich bin zimperlich. Andere dürfen stolz sein.

Antworten
P-iMBa050x9


Für die einen ist das schlimm, für die anderen das.

Und dich beschäftigt es ziemlich also war es schlimm. Nebenbei: ich finde auch beides schlimm.

Warst du mal bei einem psychologen deswegen?

Ein Weichei bist du ganz sicher nicht.

Ich hab ne Freundin die viel mehr durchgemacht hat als ich. Sie war aber immer stark während ich mit ner angststörung zum therapeuten gerannt bin. Seit Anfang des Jahres geht sie auch. Da brach ihr gerüst zusammen. Achte nicht auf die anderen....du weisst nicht mit was sie sich nachts quälen

vyeggwieSYhari


Danke für Deine Antwort. Ich war mal bei einem Psychologen. Allerdings nicht deswegen und habe das auch nach drei Sitzungen wieder abgebrochen. Er war mir gänzlich unsympathisch.

Generell denke ich eben, dass es ja wohl nicht so schlimm sein kann. Nach außen bin ich auch eher stark und für die wenigen Freundinnen und Freunde da, die ich habe. Im Studium und Job lief immer alles soweit gut. Ich bin nicht arbeitsunfähig, bekomme keine Panikatttacken oder ähnliche Dinge. Diese Geschichte mit der älteren Schwester dauerte insgesamt so 10-15min. Die Oralbefriedigung, was ich am Schlimmsten fand, nur kurz... Aber dann lese ich von anderen, die innerhalb der Familie Missbrauch erlebten, da komme ich mir vor wie ein Jammerlappen. Wobei ich ja jetzt nur hier jammere. Wie gesagt, ich weiß ja nicht mal, was es war, ob es überhaupt Missbrauch war. Sie war 13-14. Also selbst ein Kind.

SFe@ldoxm


Es kommt vor, dass Missbrauchsopfer ihrerseits andere missbrauchen - wie von dir geschildert.

Auch Kinder können missbrauchen, wobei dabei die Frage der Verantwortung genau beleuchtet werden muss. Nicht umsonst wird juristisch zwischen nicht strafmündig, eingeschränkt strafmündig usw unterschieden.

Für das Opfer jedoch muss diese juristische Unterscheidung nicht zwangsläufig von Bedeutung sein.

Du bist kein Jammerlappen. Missbrauch, wenn er auch nur kurz angedauert hat, bleibt Missbrauch. Du solltest dir kompetente Hilfe suchen.

v;egg]ieAShaxri


Das ist über 20 Jahre her. Ich denke eben, ich hätte einfach deutlich "nein" sagen können. So richtig gezwungen hat sie mich nicht. Sie hat es mir nicht unter irgendwelchen Drohungen etc. befohlen. Ich weiß auch nicht.

Das mit meinem Dad kam mir damals auch schlimm vor. Ich kenne aber einen, der bei mir studiert hat, dessen Vater sich erschossen hat und er hat ihn gefunden. Er musste auch irgendwie klar kommen. Und da alles gut ausging letztendlich bei mir, muss ich ja auch nicht weiter nachdenken. Oder ist es angebracht?

v`eg@gieSVh;ari


Ich denke eben, es war kein Missbrauch im eigentlichen Sinne.

WIM e20C14


Hör auf damit, dich mit anderen zu vergleichen. Jeder Mensch ist da anders. Und es gibt nicht "der andere hat ein größeres Problem". Jeder hat sein eigenes Problem und DIESES PROBLEM ist in dem Moment für denjenigen, der es hat, das Größte. Fertig.

Glaub mir, als ich in der Klinik war und mitbekommen habe, was für Erlebnisse andere mit sich rumgetragen haben, kam ich mir auch vor wie ein Jammerlappen. Bin ich aber nicht. Das habe ich aber auch erst in der Therapie gelernt.

Tu was für dich selbst und gehe noch einmal zu einem Therapeuten. Vielleicht fühlst du dich bei einem anderen Therapeuten wohler und du kannst dich dort so fallen lassen und die Therapie zulassen.

Kopf hoch, ich wünsche dir viel Kraft dafür. :)-

Sdeld{om


Einerseits schreibst du, dass die genannten Erfahrungen nur kurz und nicht so schlimm waren, auf der anderen Seite beschäftigen dich diese noch viele Jahre später.

Sicher hättest du als Kind womöglich "NEIN" sagen können. Doch wie soll sich ein Kind wehren, wenn es doch gar nicht genau weiß, welche Handlungen folgen? Dazu kommen Faktoren wie Autoritätsdruck bezüglich Altersgefälle, außerhalb des eigenen sozialen Umfeldes, Mangel an Möglichkeiten, sich Rat/Hilfe zu holen usw.

Deine Erlebnisse müssen nicht, aber können eine individuelle Belastung darstellen. Deinem Vater geht es zum Glück besser, du scheinst dir bezüglich deiner Bewertung des Erlebten nicht ganz sicher zu sein.

Je nach Lebenssituation halte ich das vielfältige Hinterfragen des Erlebten auf verschiedenen Ebenen für angebracht - im besten Fall dient dies der Verarbeitung.

v=eggxieS5ha2ri


Von einer Bekannten, sie ist sogar Psychologin, wurde mir mal gesagt, ich soll mich nicht so anstellen, nachdem ich sie mal fragte, wegen der Geschichte mit meinem Dad.

Eahemal(ige(r Nutzer (V#60i649x6)


Wenn das stimmt, was Du schreibst, dann solltest Du solche oberflächlichen Leute meiden.

Es beschäftigt Dich sehr, also solltest Du das verarbeiten und mit jemanden reden, der Verständnis hat.

Welche Bezugspersonen hast Du denn?

Wie man es nennt, ist übrigens egal. Grundsätzlich sind sexuelle Handlungen mit Kindern als Missbrauch zu sehen, selbst wenn es scheinbar einvernehmlich geschieht. Denn Kinder sind damit überfordert, wie man an Dir sieht. Aber das hilft Dir doch nicht weiter. Die Sache mit Deinem Vater war kein Missbrauch und beschäftigt Dich dennoch. Genauso täte es ein Unfall, ein Schicksalsschlag etc.

Also lass Dir nichts erzählen, sondern such Dir Leute zum Reden. Alles Gute @:)

vdegegieShaxri


Mir ist es überhaupt nicht gal, wie es genannt wird.

Bei der Geschichte mit meinem Vater hatte ich auch Schuldgefühle.

Ich weiß nicht, ob ich deswegen extra zu einer Psychologin/einem Psychologen gehe. Denn es gibt mit Sicherheit krassere Fälle. Und die Wartezeiten sind ja ohnehin nicht gerade kurz.

E|hemalig3er Nutze+r (#6c064x96)


Wäre Telefonseelsorge etwas für Dich?

EXhem=aligevr jNutzer (#606~496)


Und wenn Du mich fragst und es Dir hilft: Ja, das war ganz klar Missbrauch.

vOegIgi^eSharxi


Ist Telefonseelsorge nicht irgendwie religiös?

Ewhema9ligeXr NuptzeZr (#60x6496)


Nur kirchlich betrieben, aber das macht nix, es geht um die Hilfe ;-)

Es gibt weitere Angebote, Kummernummern etc.

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