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Angst-, Panikstörung geheilt/gezähmt?

D2es1olgatixon hat die Diskussion gestartet


Werte med1-community,

ich leide an einer Angst- und Panikstörung. Mit im "Päckchen" sind Depressionen und PTBS.

Ich habe seit über einem Jahr tagtäglich das Gefühl zu sterben. Für mich ist das alles sehr real. Ich bin nicht auf dem Kopf gefallen und dennoch schaffe ich es nicht, die Ketten zu sprengen. Ich denke, da ich seit über einem Jahr, wirklich tagtäglich, Angst habe, plötzlich zu versterben, dass einiges in meinem Kopf "verstellt" wurde.

Es fühlt sich an, als wäre ich, allein durch diese alltägliche Angst, traumatisiert wurden.

Nun, mein eigentliches Anliegen ist:

Gibt es unter euch welche, die's geschafft haben?

Habt ihr ebenso gedacht, dass ihr nie wieder ein normales Leben führen könnt; eure Welt nun für immer so bleibt?

Wie habt ihr es geschafft? Wie lang hat's gedauert?

Was war der! Wendepunkt?

Ich danke euch vielmals und erhoffe mir ein paar Anregungen und Beiträge, welche mir Mut machen,

diesen Kampf weiterzuführen.

Antworten
D%eAsolaitixon


Ihr, die immer noch davon geplagt sind, ihr könnt euch ebenso gerne melden. Mich würde es interessieren, ob es unter euch ebenso welche gibt, die jeden Tag diese Angst zu sterben massiv verspüren... Vielleicht kommen wir hier auf zumindest ein Puzzlestück. :)*

KHleixo


Vielleicht helfen Dir diese Fäden:

immer wieder Angst, und Angst vor der Angst

[[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/136874/1/]]

Angst VERSTEHEN statt Angst HABEN?

[[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/148970/1/]]

N_eanxuk


Hey,

ich fühle mich von deiner Frage zwar nicht direkt angesprochen, aber ich würde es gerne versuchen zu verstehen.

Wenn ich an meinen Tod denke, habe ich keine Angst. Aber wenn ich drohe eine Klippe runter zu fallen, dann werde ich vermutlich Todesangst haben.

Wie ist das bei dir genau? Hast du tatsächlich jeden Tag diese Angst dass dir im nächsten Moment etwas lebensbedrohliches passiert, wie als wenn du an einer Klippe stehst? Oder ist es mehr so, dass wenn du an deinen Tod denkst, dann hast du Angst vor der Vorstellung?

Wenn ein schlauer Mensch aus der Zukunft kommen würde und dir sagt, dass du erst in 30 Jahren stirbst, würde das etwas an deiner Situation ändern?

Ich hoffe meine Fragen sind nicht zu direkt. Anonsten vergess sie schnell wieder.

T{atja$na6x472


Es fühlt sich an, als wäre ich, allein durch diese alltägliche Angst, traumatisiert wurden.

Die Angst vor der Angst ist ja das was den Kreislauf aufrecht erhält. Ganz typisch.

Gibt es unter euch welche, die's geschafft haben?

Was meinst du mit geschafft? Ich bin angstfrei, aber ich würde nicht die Hand ins Feuer legen dass es so bleibt.

Habt ihr ebenso gedacht, dass ihr nie wieder ein normales Leben führen könnt; eure Welt nun für immer so bleibt?

Nein, damit wollte ich mich nicht abfinden. Ich hab sofort Nägel mit Köpfen gemacht um da rauszukommen.

Wie habt ihr es geschafft? Wie lang hat's gedauert?

Beim ersten Mal ein halbes Jahr. Ich ging in eine psychosomatische Kur, danach in Verhaltenstherapie.

Was tust du denn gegen deine Angst? Was ist dein größtes Problem? Hast du Agoraphobie?

Dxes7o5latioxn


Kleio,

vielen Dank für die Links.

Ich war bis eben ganz vertieft darin.

Mitunter sehr interessant.

Neanuk,

denke ich an meinen Tod, an meinen späteren, grau und glücklich, stimmt mich das freilich etwas traurig, da ich diese Endlichkeit allgemein schlecht akzeptieren kann, jedoch weiß ich, dass selbst der Tod zum Leben dazugehört.

Ich fühle mich allerdings jetzt, im Hier und Jetzt, bedroht.

Bedroht durch meinen Körper. Ich habe keine Angst, dass ich morgen vom Auto überfahren werde. Die Bedrohung bin ich. Ich habe viele belastende Symptome, durch welche ich vergessen habe, wie es sich anfühlt, "normal" zu leben. Normal aufzustehen. Normal etwas anzusehen. Normal zu gehen. Normal an einem Gespräch teilnehmen.

Ich habe vergessen, wie es ist.

Diese Angst, welche mich seit über einem Jahr nonstop in Ketten hält, fühlt sich so an, als stünde ich die ganze Zeit am Rande des höchsten Berges und würde nach unten sehen. Und ich habe Höhenangst. Zuvor schon gehabt.

Vielleicht können nur diese dieses Gefühl in sich erzeugen, welche selbst Höhenangst haben, aber dieses Gefühl ist immer da. ...So fühlt es sich an.

Dieser Mensch aus der Zukunft...

Ich glaube, meine Angst wäre verflogen. Ganz ehrlich.

Ich rechne ja tagtäglich mit meinem Tod.

Käme da jemand und könnte mir versichern, dass ich noch Jahrzehnte lebe; das wäre ein sehr guter Angstvertreiber.

D?esolaTtixon


Tatjana,

seitdem es begann, gab es keinen einzigen Moment, in welchem ich mal keine Angst zu sterben hatte. Wirklich nicht... Mit geschafft meine ich demnach, die Akzeptanz, dass das "nur" der Kopf ist und so der Angst ein Wenig den Rücken kehren zu können. Mit geschafft meine ich, so gut wie möglich angstfrei zu sein, sein Leben wieder aufnehmen zu können.

Ich war bereits bei einigen Psychologen/-therapeuten.

Zuletzt war ich bis zum 26. Juli in einer psychosomatischen Klinik. Erfolge blieben aus...

Ich weiß bereits so viel über Angst und Panik, kann es aber nicht verinnerlichen. Ich erziele durch nichts Erfolge.

Da hilft keine Progressive Muskelentspannung und dergleichen. Ich lasse mich darauf ein, weil ich diese Angst mit allen Mitteln loswerden m9chte. Ich will! leben. Aber man lässt mich nicht. Mein Kopf lässt mich nicht.

T)atja4na6x472


Ich sag mal so, ich weiß dass ich ein Problem im Kopf habe, trotzdem ist da immer eine Stimme die mich vor etwas warnen will.

Das Urvertrauen, dass alles schon irgendwie gut wird, das fehlt mir vollkommen. Das ist in meiner Biographie begründet.

Ich führe einen ewigen Kampf gegen diese düstere Stimmung (keine Depression), diese Furcht.

Diese Grundunsicherheit hat das Fass ja grade zum überlaufen gebracht, und da war sie dann die Panikstörung.

An manchen Tagen kann ich das ganz gut verdrängen, an anderen denk ich: genieß den Tag, wer weiß wie viele du noch hast.

Das geht auch nicht mehr weg, das ist mir klar.

Ich bin eine ewige Grüblerin, die sich von kaum einem Elend distanzieren kann, und immer nur das Schlimmste erwartet.

Auf der anderen Seite will ich diesen Gedanken nicht zuviel Platz einräumen, und mein Leben damit vergeuden was könnte morgen sein. Also tret ich mir meist selbst in den A**** und versuche nicht zuviel zu denken , beschäftige mich mit sinnvollem Zeug.

Ich kenn das nur zu gut wenn man an Gedanken hängenbleibt, da hilft nur ablenken.

Jetzt ist die Frage, geht es dir ähnlich? Oder hast du das Gefühl in einem Horrorfilm gefangen zu sein, aus dem es kein entkommen gibt? So ging es mir in meiner akuten Phase....

N=eanuxk


Danke, dass du auf meine Fragen so ausführlich geantwortet hast. Ich würde gern weitere Fragen stellen. Einmal weil es mich wirklich interessiert, und vielleicht ist ja mal etwas dabei, was dich auf eine andere Art zum Nachdenken anregt als du es bisher getan hast.

Bedroht durch meinen Körper. Ich habe keine Angst, dass ich morgen vom Auto überfahren werde. Die Bedrohung bin ich. Ich habe viele belastende Symptome, durch welche ich vergessen habe, wie es sich anfühlt, "normal" zu leben. Normal aufzustehen. Normal etwas anzusehen. Normal zu gehen. Normal an einem Gespräch teilnehmen.

Mich hat der erste Satz etwas verwirrt. Die Frage geht jetzt sehr tief auf deine innere Einstellung, aber bist du nicht auch dein Körper? Mir ist klar, dass es Teile des Körpers gibt, die wir mit unserem Bewusstsein nicht steuern können, aber glaubst du wirklich, dass dieser Teil ein anderes Ziel verfolgt als du mit deinem Bewusstsein? Dass sein oberstes Ziel nicht auch das Überleben ist und er den Tod nur zulassen würde wenn es wirklich nicht mehr anders geht?

Vielleicht interpretiere ich das auch zu heftig, aber es klingt für mich so als wenn du gegen deinen Körper/Unterbewusstsein kämpfst. Vielleicht würdest du irgendwann die Angst in deinem Bewusstsein unterdrücken können. Aber was passiert denn wenn du sie ernst nimmst?

Ich vermute mal, dass deine Symptome in medizinischer Sicht nicht lebendsbedrohlich sind oder? Kannst du denn grundlegend die Symptome als ein Hilfeschrei deines Körpers annehmen? Wofür verwendest du die meiste Energie deines Tages oder genauer, wie viel davon ist gegen deinen Körper gerichtet, z.B. zur Bekämpfung der Angst und der Wut(?) über die Symptome?

Verstehst du in welche Richtung ich will? Ich belass es erstmal dabei. Ich weiß nicht ob du Lust hast darüber zu reden..

h~ollea, Adie Jwaxldfee


Gibt es unter euch welche, die's geschafft haben?

Ich würde vorsichtig mal sagen, ja. Ich bin jetzt schon seit vielen Jahren panikfrei, es gibt zwar immer mal wieder ein paar Momente, wo ich denke, na, wird das jetzt eine? Aber wie durch Magie kommt sie nie zum vollen Ausbruch. Ich denke, weil ich in nunmehr drei Therapien gelernt habe, dass die Panik sich zwar scheiße anfühlt, aber letztendlich nicht bedrohlich ist. Ich hatte schon 100.000 Panikattacken, ich habe sie alle überlebt und keiner der schlimmen Visionen, die man bei so einer Attacke hat, wurde jemals wahr. Deswegen bin ich gegenüber der Panik jetzt viel entspannter und ich glaube, dadurch kommt sie nicht. Wie hier schon jmd schrieb, es ist eben ein Kreislauf bzw. eine Spirale. Du fühlst Dich komisch, Du bewertest das negativ, bekommst noch mehr Angst, das bewertest Du noch schlimmer, kriegst noch mehr Panik usw. Der Trick ist, diese negativen Bewertungen irgendwie zu durchbrechen. Das kann man meiner Ansicht nach nur mit viel Geduld und Übung erlernen, am besten in einer Verhaltenstherapie (meine Ansicht).

Habt ihr ebenso gedacht, dass ihr nie wieder ein normales Leben führen könnt; eure Welt nun für immer so bleibt?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe wirklich jahrelang befürchtet, dass ich da nie wieder rauskomme. Wobei ich sagen muss, dass ich letztendlich wohl doch irgendwie noch Hoffnung hatte, denn es war an vielen Tagen so schlimm, dass ich am liebsten tot gewesen wäre. Ich habe zwar nie ernsthaft geplant, mich umzubringen, es war einfach nur die Verzweiflung, weil es nicht aufhören wollte und ich das nicht mehr ertrage konnte und wollte. Zum Glück hab ich es nicht gemacht und alles wurde gut.

Wie habt ihr es geschafft? Wie lang hat's gedauert? Was war der! Wendepunkt?

Also, ich glaube, so ca. sieben Jahre. Wahnsinnig lang, leider. Mit ca. 19 Jahren wurde es richtig heftig, ich habe aber dennoch bestimmt zwei Jahre gebraucht, um zu verstehen, was eigentlich los ist mit mir (waren noch die Zeiten ohne Internet, ich hab von ner Freundin erfahren, was Panikattacken sind und dass ich das habe, ich konnte das alles gar nicht einordnen) und mich dann auch endlich mal in Therapie zu begeben. Die erste dauerte ca. 2-3 Jahre, war tiefenpsychologisch, war interessant und gut, um mich kennenzulernen und mein Leben bis dato aufzuarbeiten. Aber so richtig gut wurde es leider trotzdem nie. Das hat mich sehr verzweifeln lassen, weil ich wirklich eine Art Musterschülerin in der Therapie war, d.h. ich habe mich allen unangenehmen Themen gestellt, war offen für Anregungen, habe an mir gearbeitet. Dann habe ich einen Riesenschritt nach vorne gemacht, mein Leben komplett umgekrempelt. Ich war damals unglücklich im Job, hab dann alles hingeschmissen, meine Sachen gepackt, in eine andere Stadt gezogen und mein Abi nachgeholt. Ich hatte dann erst mal noch eine ganz schlimme Zeit mit Panik, hab mir dann eine Verhaltenstherapie gesucht. Ich muss noch dazu sagen, dass ich in all den Jahren und auch sehr oft beim Hausarzt war und immer wieder versucht habe, meine Probleme zu schildern und dass ich glaube, dass auch körperlich was nicht stimmt. Niemand hat je was gefunden. Bis dann durch einen Zufallsbefund rauskam, dass ich eine Schilddrüsenerkrankung habe (Hashimoto). Ich habe dann Medis bekommen. Ich weiß nicht, ob es wirklich nur daran lag oder ob es an der Verhaltenstherapie lag oder an beidem, aber mir ging es sehr schnell plötzlich viel besser. Seit dieser Zeit bin ich panikfrei, das war meine große Wende. Durch die jahrelange Belastung hat meine Seele doch ganz schön gelitten, ich habe ständig Sorgen und Ängste, ABER durch die vielen Therapien habe ich gutes Handwerkszeug bekommen, wie ich damit umgehen kann. Ich merke, wenn ich wieder übertrieben grübel und versuch mich dann zu unterbrechen. Ich glaube, im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich heute sehr gut klar komme.

Ich wünsche Dir alles Gute und Liebe und dass sich für Dich auch alles zum Guten fügt. Niemals aufgeben :)*

D"esol:ation


Die Frage geht jetzt sehr tief auf deine innere Einstellung, aber bist du nicht auch dein Körper? Mir ist klar, dass es Teile des Körpers gibt, die wir mit unserem Bewusstsein nicht steuern können, aber glaubst du wirklich, dass dieser Teil ein anderes Ziel verfolgt als du mit deinem Bewusstsein? Dass sein oberstes Ziel nicht auch das Überleben ist und er den Tod nur zulassen würde wenn es wirklich nicht mehr anders geht?

Nun ja, ich bin mir dessen bewusst, dass unser Körper sehr komplex ist. Nehmen wir als Beispiel unser Herz.

Es begann bereits im Mutterleib zu schlagen. Es schlägt und schlägt und schlägt. Das ist ja schon beachtlich, dass es einfach so ...schlägt, bis sich dieser Kreislauf irgendwann einmal einstellt und wir tot sind.

Jetzt, in dem Zuge, wo ich das schreibe, fällt mir (wieder) ein, wie sonderbar ich das alles finde. Ich denke zu viel nach. Vielleicht ist es mit einem Flugzeug zu vergleichen:

So'n Ding ist wirklich gigantisch schwer. Dennoch hält es sich in der Luft. Physik eben. Ich bin noch nie geflogen; habe wahnsinnige Angst davor, weil ich dem kein Vertrauen aufbringen kann. Ich weiß zwar, dass es fliegt, aber ich bin skeptisch. Ebenso ist es mit dem Herzen. Es schlägt und schlägt. Aber es könnte genauso nicht mehr schlagen. Einfach so. "Systemfehler". Ich muss dazu sagen, dass ich eine Herzangstneurose habe und das Beispiel mit dem Herzen eben darum gut passt.

Vor knapp über einem Jahr begann alles. Schwindel, Benommenheit. Eine Art Derealisation. Sehstörungen. Permanente Übelkeit. Gangunsicherheit. Nebel im Kopf. Kopfdruck. Tinnitus. Herzrasen. Brustenge. Atemnot. Schwächegefühl. Und, und, und... Jeden Tag. Ich habe mein Leben vergessen. Ich schau aus dem Fenster, sehe Menschen, welche einfach so da draußen langlaufen und ich denke: Damals konnte ich dich auch... Damals habe ich mir noch keine Sorgen darum gemacht... Damals bin ich einfach so gegangen. Einfach so. Ich habe nicht darüber nachgedacht, wie und ob ich überhaupt gehe. Ich hab's einfach gemacht. Es ist sehr schwer zu beschreiben. Sehr, sehr schwer. Obwohl ich es jeden Tag verspüre. Ich denke, es liegt daran, weil ich keinen Vergleich mehr habe. Ich weiß nicht mehr, wie sich das alles anfühlt. Ich weiß nicht mehr, wie es ist, keine Todesangst haben zu müssen. Ich hab's wirklich vergessen...

Vielleicht interpretiere ich das auch zu heftig, aber es klingt für mich so als wenn du gegen deinen Körper/Unterbewusstsein kämpfst. Vielleicht würdest du irgendwann die Angst in deinem Bewusstsein unterdrücken können. Aber was passiert denn wenn du sie ernst nimmst?

Natürlich kämpfe ich dagegen an. Ich will nicht, dass mich alles einholt. Ich kam super klar. Ich war zufrieden. Ich habe gelebt. Mein Unterbewusstsein, wenn es denn allein die Psyche ist, tyrannisiert mich. Es quält mich. Und ich weiß nicht, was es von mir will. Andere können das festmachen, an etwas, was sie jahrelang unterdrückten.

Bei mir ist so Vieles, welches ich nach dem Motto "Knicken, lochen, abheften." weit weggesperrt habe und ich verstehe nicht, weshalb das alles, gerade jetzt, an die Oberfläche kommt. Ich habe letztes Jahr geheiratet! Ich hatte meine Hoch!zeit und einen Monat später ...BAM! Alles ist anders. Wirklich alles. Ich versteh es nicht.

Ich vermute mal, dass deine Symptome in medizinischer Sicht nicht lebendsbedrohlich sind oder? Kannst du denn grundlegend die Symptome als ein Hilfeschrei deines Körpers annehmen? Wofür verwendest du die meiste Energie deines Tages oder genauer, wie viel davon ist gegen deinen Körper gerichtet, z.B. zur Bekämpfung der Angst und der Wut(?) über die Symptome?

Ich wurde mehrmals durchgecheckt - alles unauffällig...

Das muss aber ein gewaltiger Hilfeschrei sein.

Nie im Leben hätte ich gedacht, dass das möglich ist.

Da steckt eine enorme Kraft hinter. Es ist, als hätte sich alles vertauscht. Mein Unterbewusstsein hielt viele Jahre die Klappe; ich lebte. Nun ist es wahnsinnig laut und ich sterbe.

Die meiste Energie verwende ich dafür, mich am Leben zu halten. So gut es geht. In jedem Moment taucht die Frage "Sterbe ich jetzt/gleich/heute?" in meinem Kopf auf. Das ist unwahrscheinlich kräftezerrend, da ich so in ständiger Todesangst lebe. Und ich kann nichts daran ändern. Nichts hilft. Ich gehe einkaufen. Ich fahre Auto. In der Klinik sollte ich Treppen laufen; hoch, runter, hoch, runter. Es bringt alles nichts. Dieses Gefühl, dass ich im nächsten Moment, nicht irgendwann heute oder morgen, sondern sofort sterbe, ist immer da. Ich frage mich sehr oft, wie ich das aushalte. Ich verstehe es selbst nicht. Echt nicht...

D9eso2lation


Tatjana,

Jetzt ist die Frage, geht es dir ähnlich? Oder hast du das Gefühl in einem Horrorfilm gefangen zu sein, aus dem es kein entkommen gibt?

Jeder Tag ist wie in einem Horrorfilm.

Ohne Mitleid zu erwecken (Das möchte ich auch nicht.), aber so ist es nun einmal. Für mich ist es die Hölle.

Ich bin nicht wirklich tot, aber auch nicht wirklich lebendig. Eher schon tot. Eine Endlosschleife. So fühlt es sich an.

Ab dem Zeitpunkt, an dem ich die Augen öffne, bis zum Zeitpunkt meines Einschlafens. Jeden Tag. Und täglich grüßt das Murmeltier.

youkumxu


Nun ja, diese Angst ist real, d.h. sie stammt aus früheren Zeiten, vielleicht aus der frühen Kindheit, wo du vielleicht so eine Todesangst erlebt hast und diese Erfahrung aber nicht durch andere, positive Erfahrungen wieder "korrigiert" werden konnte.

So blieb sie unverarbeitet und dadurch wirksam.

Daher ist sie auch so unbezwingbar und stark, weil sie real ist.

Das, was ich oben beschreibe, ist ein möglicher Versuch, deine Angst zu interpretieren.

Diese Interpretation kann richtig sein oder falsch.

Nur du kannst es herausfinden, vielleicht mit der Unterstützung einer guten Psychotherapie.

Eine andere Möglichkeit der Erklärung wäre, dass diese Angst eigentlich eine Angst vor dem Leben ist. Leben ist immer, jede Sekunde, gefährdet. Selbst wenn man ruhig und entspannt in seinem Bett liegt, kann man sterben. In jedem Alter.

Diese zweite Angst, die Angst vor dem Leben, die sich in Form einer Todesangst äußert, kann sich mit der zuerst beschriebenen "überschneiden", d.h. die Angst vor dem Leben, die sich in Form einer Todesangst äußert, kann ihren Ursprung auch in frühesten Kindheitserfahrungen haben.

Man konnte vielleicht in seinen ersten Lebenserfahrungen kein Zutrauen entwickeln. Keine Sicherheit, keine Geborgenheit erleben. Fortan sucht man dann nach Sicherheit.

Eine vergebliche Suche, weil es keine Sicherheit gibt.

Eine dritte Form wäre eine Angst, die dann entsteht, wenn man sein Leben nicht gelebt hat und dies wenigstens in der Zukunft tun will.

Diese Hoffnung, das bis heute nicht so recht gelebte Leben doch ab jetzt oder in der Zukunft leben zu können, hat aber einen sehr dicken Haken: Das Leben ist immer gefährdet. Es gibt keine Sicherheit.

Das Leben kann jeden Moment aufhören. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, die zu einem abrupten Ende des eigenen Lebens führen können. In jedem Alter.

Die Hoffnung einerseits, das nicht gelebte Leben endlich doch bald leben zu können und die Tatsache andererseits, dass das Leben immer und jeden Moment zu Ende sein kann, das kann einen kaum auszuhaltenden Konflikt auslösen, eine schwere Angst, weil die Gefährdung des Leben sehr real ist und egal, was man sich sagt und egal, wie man sich zu beruhigen versucht, man doch weiß, dass alles von einem Augenblichk zum nächsten vorbei sein kann.

Der Körper ist der seidene Faden, an dem alles hängt und das kann eben Angst machen, weil der Faden eben jeden Augenblick reißen kann. Das ist sehr real und nicht wegzuleugnen.

T]atjanax6472


Das hat mit Mitleid erwecken nichts zu tun! Ich kenne diesen Zustand sehr gut, und für Nicht-Betroffene hört sich das sehr theatralisch an. Man muss es erlebt haben.

Ich hatte Todesangst wenn ich alleine raus sollte (ich könnte ja wieder ein Blutgerinnsel bekommen, und man findet mich nicht. Oder wieder eine Tachykardie...). Ich hatte Angst daheim allein zu sein, aus den gleichen Gründen. Und, und,und...

Meine Erfahrung, Konfrontation, merken dass du deinem Körper vertrauen kannst, ist der einzige Weg. Geh ins Sportstudio, fahr mit dem Rad in den Wald (ich stand da oft mit Atemnot und hab geheult), belaste dich.

Führe ein Angsttagebuch, versuche die schlechten Gedanken zu kontrollieren. Kurz: Verhaltenstherapie! Und wenn es gar nicht geht, vielleicht ein Medikament?

Dpes"olatQion


So, nach den Beiträgen an Neanuk und Tatjana;

nun zu dir liebe Waldfee:

Ich habe mich sehr stark mit der Thematik Angst und Panik auseinandergesetzt. Ich weiß, wie das alles zustande kommt und dennoch schaffe ich es nicht, damit umzugehen. Ich wurde bis dato noch kein einziges Mal bewusstlos. Mein Herz setzte nie aus. Dennoch. Ich habe die Thematik regelrecht studiert - wie besessen. Weil ich wieder normal sein will. Nichts hilft.

Was war bei dir das Problem? Gab es ein Trauma? Einen Auslöser?

Ich habe zwar sehr große Angst zu sterben, aber manchmal wäre ich auch lieber einfach tot, statt so weiterzuleben. Ich habe das Gefühl, als schwanke ich die ganze Zeit zwischen tot und lebendig und wünsche mir, dass sich mein Kopf mal endlich entscheidet. Entweder tot oder lebendig, aber doch nicht beides.

Hashimoto... Interessant.

Meine Mutter hat Hashimoto und meinte immer wieder, ich soll meine Schilddrüse mal untersuchen lassen.

Ließ ich auch. Laut Ärzten ist alles top. TSH, fT3, fT4 - alles top. Meine Mutter meint dennoch, dass ich es nochmal untersuchen lassen sollte. Mit der Diagnosestellung soll es wohl nicht so einfach sein...

Ich freue mich sehr für dich, dass du es zurück ins Leben geschafft hast. Auch, wenn es sieben Jahre gebraucht hat, aber du bist wieder da. Ach, wäre es doch bei mir und all den anderen ebenso so weit. Das wünsche ich nicht einmal meinem schlimmsten Feind...

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