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Angst-, Panikstörung geheilt/gezähmt?

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Hallo Desolation,

ich hatte leider nicht genug Zeit, um mir die bisherigen Beiträge durchzulesen, aber ich wollte dir Mut machen.

Ich habe 2004 angefangen zu studieren, bekam nach 2 Wochen eine Halsentzündung und musste deshalb Antibiotika nehmen, die meinen Darm sehr durcheinander gebracht haben, was ich damals aber nicht erkannt habe. Ich bekam plötzlich aus heiterem Himmel Durchfall, und nach spätestens ein paar Wochen hatte ich eine Angststörung entwickelt, dass ich plötzlich Durchfall haben könnte. Das Ganze war mir so schrecklich peinlich, ich habe mit niemandem darüber geredet. Das Ganze war durch die zeitliche Nähe stark an die Uni gekoppelt, ich hatte also jeden Morgen schlimmste Panikattacken auf dem Weg dahin. Dort verbrachte ich meine Zeit komplett in Angst, wie ich mein Studium überhaupt schaffen konnte, ist mir ein Rätsel. Ich erinnere mich auch an gar nichts mehr. Ich entwickelte immer stärkere Zwänge mein Essen betreffend. In ganz schlimmen Zeiten hätte ich nicht einmal ein Bonbon in der Öffentlichkeit gegessen. Nach einem Jahr konnte ich nicht mehr. Ich war kurz davor, mein Studium zu schmeissen. Und damit auch meine letzte Verbindung in die soziale Umwelt, alles andere hatte ich mehr oder weniger gekappt. Meinen Freund traf ich nur noch bei ihm daheim, bei mir oder bei ihm daheim ging es immer ganz ok.

So wie du schaute ich mir die anderen Menschen an und konnte nicht mehr verstehen, was in mir so anders geworden war. Meine Gedanken drehten sich nur noch um die Verdauung.

Meine allerletzte Rettung war der Besuch bei einem Heilpraktiker. Auf dem Weg dahin hatte ich wieder einmal meine Panikattacke in der Ubahn, ich war körperlich und seelisch ein Wrack. Die Akupunktur hat insofern gewirkt, als dass ich 20 Minuten angstfrei war trotz anschließender Vorlesung. Die restlichen 4 Jahre Uni habe ich dann mehr oder weniger rumbekommen. Immer noch mit Angst, aber ohne Panikattacken und meine Essensauswahl wurde ein wenig größer.

Richtig gut wurde es erst nach dem Studium. Mein (jetzt Ex)Freund trennte sich kurz darauf wegen seiner besten Freundin von mir, war ne unschöne Geschichte. Das war nun so schlimm, dass ich mich das erste Mal nach über 5 Jahren nicht mit meiner Verdauung beschäftigen konnte. Mir ging es so mies vor lauter Liebeskummer, das überlagerte alles. Und ein Jahr ohne permanente Gedanken an meine Angst reichten aus, um mich zu ent-konditionnieren. Das ist jetzt 8 Jahre her.

Ich habe zwar heute noch Phasen, in denen es mal ein Tickchen schlechter geht. Und zu oft ohne konkrete Ursache Durchfall triggert mich immer noch sehr. Ich bin aber mittlerweile selbst Heilpraktikerin und kann mir helfen.

Aber so im Grossen und Ganzen bin ich sehr stabil. Ich brauche viel Ruhe, mehr als andere. Aber ich kann wieder an allem teilnehmen, ich esse gerne und viel, meine Verdauung ist so wie sie ist, und ich bewerte da einfach nicht mehr soviel.

Ich wünsche dir viel viel Kraft. Permanent diese Angst zu haben ist schon sehr hart. Vielleicht hast du einen guten Heilpraktiker bei dir in der Gegend? Ich weiss, dass besonders die Homöopathie nicht für jeden was ist. Ich war auch sehr skeptisch. Letzendlich war es aber das Einzige, was mir helfen konnte.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig Mut machen. Du wirst nicht für immer so viel Angst haben müssen, du wirst irgendwann einen Weg raus aus der Spirale finden. Aber es wird Zeit brauchen, viel Mitarbeit und Überwindung von dir, viel Erkennen, was dich in diese Lage gebracht hat. Ich glaube dir, dass es ganz plötzlich anfing. Das war quasi der letzte Tropfen in dem Fass. Aber was waren all die anderen Tropfen? Überforderung? Sich selbst Zuviel zurücknehmen? Lärm? Stress?

K9leiZo


Desolation

Die Therapie wurde vor zwei Wochen unterbrochen, da meine Psychologin im Urlaub ist und ich dort nur meine Zeit abgesessen hätte. Unterm Strich hat es mir bislang nicht viel gebracht.

Gehst Du dann zurück und/oder machst Du eine Therapie weiter?

Welche würde ich gerne ändern... Hm... Ich habe in jedem Moment Todesangst. Die muss weg. Etwas anderes muss sich nicht ändern. Ich führte zuvor auch ein gutes Leben und war mit mir scheinbar im Einklang.

Die Diagnose lautet ja anders. Du warst scheinbar bis vor einem Jahr in einem Verdrängungsmodus, nur ist halt irgendwann Schluss und man ist dann auch psychisch in der Lage, sich seinen Traumata zu stellen und sie aufzuarbeiten. Übersprungen werden kann dieser Punkt eher nicht. Bist Du denn bereit, Dich dem zu stellen? Ein ich will wieder unbeschwert leben bedeutet durch eine Zeit der Aufarbeitung zu gehen.

Es gibt Menschen, die sind ängstlicher als andere. Dazu gehörte ich schon immer. Aber ich fühlte mich noch nie so bedroht durch meine Ängste. Seit einem Jahr täglich Todesangst. Die hatte ich vorher definitiv nicht.

Du erwähnst weiter unten Traumata – sind die schon greifbar, also klar, welche Traumata Du hast? Das hängt ja alles zusammen, die Depression, PTBS – das ist ja nicht mit einem Handwisch weg.

Ich hatte in der Klinik auch Achtsamkeitstraining.

Es bringt bei mir aber alles nichts. Es bessert sich dadurch gar nichts. Ich kann die Angst nicht einsortieren. Ich weiß nicht, warum sie plötzlich vor einem Jahr begann. Sie kam ja nicht einmal über Nacht, sondern von jetzt auf gleich.

Du warst da 5 Wochen, wenn ich das richtig verstanden habe. Wie lange hast Du Achtsamkeitsübungen gemacht? Machst Du sie heute und wenn ja, in welcher Regelmäßigkeit? Wie lange hast Du eine probiert und hast Du dann die nächste probiert? Welche Übungen sind/waren das?

Ich weiß nicht so recht, worauf du hinaus willst.

Es hat sich nichts geändert. Wie oben geschrieben war die Angst, das Gefühl plötzlich zu versterben einfach da. Einfach so.

Ich versuche nur zu verstehen, wie es Dir geht. Du schreibst, es hat sich nichts geändert. Aber Du hattest vorher ja keine Angst, oder? Was ich meinte ist, wie Du vorher gelebt hast, als die Angst nicht war? Was hast Du für Hobbys ausgeübt? Was hat Dir Spaß gemacht? Wie hast Du z. B. in Deinen Mann verliebt und wie habt ihr die Hochzeitsvorbereitungen gemacht? Bist Du gerne zur Arbeit? Hast Du Dich oft mit Freunden getroffen, mit Eltern? Etc.

Bewegung, Entspannung, Achtsamkeit

Achtsamkeitstraining

Ergotherapie

Und wie ging es Dir mit den Entspannungsübungen? Welche hast Du gemacht und welche machst Du jetzt? Was also kannst Du für Dich ausschließen, weil Du es probiert hast? Nicht jede Übung ist für jeden geeignet. Ich z. B. kann völlig entspannen, wenn ich meditiere, meine Mutter, wenn sie putzt. Meditaiton bringt ihr gar nichts. Probieren heißt ja etwas eine Zeitlang zu machen, damit auch festzustellen ist, ob es hilft bzw. was passiert. Probieren heißt nicht etwas einmal zu tun. Das ist kein Probieren.

Es gibt also einen "man" und einen von Dir? Unabhängigen Kopf, der Dich nicht lässt? Du hattest auch erwähnt, dass Du Dich durch Deinen Körper bedroht fühlst? Ist das so zu verstehen?

Ja. Ich weiß, dass ich keine Angst haben muss, aber ich habe sie weiterhin. Als führe mein Unterbewusstsein ein Eigenleben.

Das meinte ich nicht. "Man" – ist nicht greifbar. Mein Körper – sind alles distanzierte Formulierungen. Du schreibst:

Ich lasse mich darauf ein, weil ich diese Angst mit allen Mitteln loswerden m9chte. Ich will! leben. Aber man lässt mich nicht. Mein Kopf lässt mich nicht.

Aber "man" lässt mich nicht. "Mein Kopf" lässt "mich" nicht? "Mein Unterbewusstsein führt ein Eigenleben" – eine Ohnmacht, weil man, der Kopf, das Unterbewusstsein dafür sorgt, dass es Dinge denkt, die mich nicht leben lassen. Wenn ich schreibe, ich denke, ich bin für meine Gedanken verantwortlich, dann bin ich bei mir, entscheide ich, was ich denke und durch Achtsamkeit kann es Fortschritte geben. Probierst Du das? Hast Du Dich schon mal beobachtet, wenn Du gedacht hast: "Ich sterbe gleich" und daraufhin gedacht: "nein, jetzt ich sterbe ich nicht", bis Du dann irgendwann so achtsam bist, dass Du bewusst so bei Dir bist bist, dass Du gar nicht mehr denkst: ich sterbe, weil Du gerade ein Bad genießt und Du Dir denkst, wie toll ist das Bad (ersetzbar durch andere Dinge, die Dich entspannen) und dann einfach aufhörst irgend etwas zu denken. Also ich entscheide, was ich denke und nicht "mein Gehirn", "mein Unterbewusstsein".

Ich habe keine einzige freie Sekunde, außer, wenn ich schlafe, ohne Angst und Panik. Seitdem es begonnen hat, war ich nicht mehr frei davon. Keine einzige Sekunde. Demnach sehr! präsent. Ich kann dadurch weder arbeiten, noch irgendwas unternehmen.

Du arbeitest jetzt nicht? Ich muss da jetzt nachfragen, weil ich es bisher so verstanden habe, dass Du alles machst, was vorher und Du innerlich ständig von dieser Angst begleitet wirst, aber trotzdem einen geregelten Alltag hast.

Meine Ehe läuft schlecht. Nicht wegen mangelnder Gefühle. Eher andersrum: wegen zu viel. Ich wollte mich in dem Jahr oft von meinem Mann trennen - in der Verzweiflung. Er geht daran zugrunde. Er kennt mich ja noch vor der Krankheit und ich habe mich um 180 Grad gedreht. Es tut mir so weh, zu sehen, wie sehr er sich bemüht, dass es mir bald wieder gut geht. Er sprach letztens an, dass er alles von mir digitalisieren würde und alle Kliniken deutschlandweit anschreiben würde, damit mir geholfen werden kann. Es ist schrecklich. Es ist ein sehr elendiges Leben, was ich führe. Mein Mann baut immer mehr ab, würde mich nie verlassen. Will das mit mir zusammen durchstehen. Ich sehe aber täglich wie er leidet und gehe daran kaputt. Ich liebe ...wir lieben uns sehr. Da ist ein sehr großes Band zwischen uns.

Aber auch diese Liebe kannst Du nicht leben, ohne, dass Du ständig dazu denkst, Du könntest sterben oder ähnliches? Wobei ja nicht der Gedanke, Du könntest sterben das Problem ist, sondern das Gefühl, die Angst, weil Du das als sehr negativ bewertest, oder?

Eine andere Erkenntnis kommt Dir bei dieser Aussage nicht in den Sinn?

???

Naja, Du schreibst:

Es bringt alles nichts. Dieses Gefühl, dass ich im nächsten Moment, nicht irgendwann heute oder morgen, sondern sofort sterbe, ist immer da. Ich frage mich sehr oft, wie ich das aushalte.

Hast Du mal darüber nachgedacht, dass Du seit einem Jahr sekündlich, täglich, monatlich denkst, Du könntst sterben und dadurch Angst in Dir auslöst, permanent, Angst, dass Du heute, morgen sterben könntest und dass dieses Jahr auch ohne das Gefühl der Angst so gewesen wäre, denn Du bist nicht gestorben.

Ich denke jetzt, ich könnte sterben. Ich bin nicht gestorben. Sogar wenn, es nützt mir auch nichts, dass ich das negativ bewerte, dass ich sterben könnte, denn irgendwann werde ich sterben. Aber ich weiß nicht, wann ich sterben werde. Ich bewerte es nicht negativ. Ich denke es auch nicht mehr, weil es ja nicht passiert ist. Ich genieße, dass ich lebe.

ich habe mich irgendwie damit abgefunden, ja.

Womit?

Dass alles endlich ist.

Das wäre ja das Ziel, oder? Aber das hast Du ja nicht, oder wir definieren sich mit etwas abfinden unterschiedlich. Mein Leben ist endlich, es endet irgendwann. Eine sachliche neutrale Aussage, wie – jeden Morgen geht die Sonne auf, jeden Abend geht sie unter. Die Erde dreht sich um ihre Achse. Fakten. Ob ich diese Fakten neutral auffasse oder sie bewerte, darin liegt der Unterschied. Für Dich ist es ja ein Horroszenario, dass Du stirbst, vor allem, Dir ständig denkst, dass Du stirbst, so stribst Du quasi jede Sekunde, weil Du Dich damit nicht abgefunden hast, es nicht akzeptiert hast und lebst dann doch.

ich habe die Tage mit einer Bekannten geschnackt. Sie hatte sechs Wochen einen Klinikaufenthalt mit Hypnose. Sie hat mir das nahegelegt. Ich glaube, das wäre etwas für mich. Bei den ganzen Traumata weiß ich nicht, was genau mich am Meisten belastet. Ich kann mich auch an Vieles nicht mehr erinnern. Es ist zu weit weggepackt, aber es nagt an mir.

Ja und das muss nichts Schlechtes sein. Es heißt, viele verdrängen so lange, bis sie in der Lage ist, sich den Problemen zu stellen und vielleicht ist es bei Dir jetzt soweit.

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