» »

"Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon."

l*uxomaxren


Hmmm. Ich bin noch am Überlegen, wie ich meine Gedanken geordnet bekomme. Du hast ja auch etwas kryptisch geschrieben, was du gerade machst.

Aber beim Thema Essen ist jetzt halt einfach die Puste raus... aber wie. Bei dem Thema fühle ich mich schrecklich allein. Aber ich weiß halt auch, dass es da keine Lösung gibt und es deshalb logisch ist, dass ich damit alleine bin. Was soll man da groß tun?

Es könnte einfach helfen, sich mit Leuten auszutauschen, die auch aus einer Esstörung herausgekommen sind. So ein paar Gemeinsamkeiten sollte es schon geben. Dann kannst du deine Gefühle besser einordnen. Klar, bist du auf einer gewissen Weise dann immer noch mit deinem Körper alleine, weil es dein Körper ist und er individuell reagiert.

Ich mache gerade die Erfahrung, dass Körperreaktionen etwas super tolles sind. *Ironie aus* Meine Haut sah nach der Klinik ganz gut aus. Jetzt reagiert sie auf das ganz normale Leben, indem der ganze Mist wiederkommt. %:| Ich hadere gerade mit allen Theorien, nach denen die Psyche über der Haut stehen soll. Dann müsste ich anders aussehen. Ich vermute mal, dass du momentan auch damit kämpfst, dass du genauso viel Kontrolle über deinen Körper hast wie ich.

Und ich fühle mich gerade eben immer noch, als hätte ich keine Kraft mehr. Schon ewig, ich habe trotzdem immer weitergemacht, aber irgendwann werde ich auch müde sein.

Wenn du nicht aus dem Quark kommst, dann könnte das aber auch daran liegen, dass du eine Depression hast, die alles lahmlegt. Um deine Leistung richtig zu beurteilen, würde das bedeuten, dass du auch noch zusätzliche Aktivierungsenergie berücksichtigen musst.

Naja, gerade fühlt es sich wieder viel extremer und verbissener an. Also eigentlich schlechter, das war mal besser.

Bei Stimmen berichten einige Leute, dass diese noch einmal lauter werden, bevor sie verschwinden. Vielleicht hat sich aber auch einfach deine Wahrnehmung geändert, so dass es verbissener wirkt.

Ich habe auch nicht den Eindruck, dass du absichtlich destruktiv sein möchtest. Du scheinst einen Halt zu suchen und das hat in der Vergangenheit über diesen Weg geführt. Wenn du es anders machen möchtest, dann solltest du die soziale Schiene unseres Wesens nutzen und aus deinem Zimmer kommen. Es ist für uns Menschen extrem wichtig, mit anderen Menschen in Person in Kontakt zu kommen. Ich würde dich jetzt täglich in die Unibib schicken, nur damit du andere Leute siehst. Wahrscheinlich löst das andere Probleme aus, aber das ignoriere ich jetzt mal.

Mir fällt gerade auf, dass wir immer wieder über Vertrauen in andere Personen geschrieben haben, weil es dir unheimlich schwer fällt, dich auf andere Menschen einzulassen. Das bedingt natürlich auch, dass du dich recht schnell auf dich alleine gestellt fühlst. Mit dem Einzelkämpferdasein brauchst du noch mehr Energie. Irgendwie müsstest du eher auch aus diesen Kreiseln raus.

Es ist nicht einfach. Hauptsache, du bewegst dich irgendwie weiter. @:) :)*

dpanaxe87


Erinnerst du dich an die Szene in der Alanna ihr Schwert bekommt? In der sie aufgeben muss um zu überleben? Ich glaub du bist an genau dem Punkt. Du musst, was dein Körpergefühl angeht, einfach aufgeben, um rauszukommen. Du musst den Wunsch aufgeben es in deinem Körper erträglich zu finden. Das widerliche Gefühl als teil deines Lebens ertragen, wenn du ein Leben willst und dann gucken was passiert. Und einfach hoffen das es dir geht wie ihr (und mir), dass es langsam irgendwann in den Hintergrund tritt und beherrschbar wird. Solange du dich in deiner Haut wohlfühlen willst, steckst du fest. An diesem Gedanken hängst du seit Jahren.

EFhemaliVger N,utzmerD (#611x899)


Es hat nämlich niemanden in der Klinik interessiert, wie ich mich damit fühle, hauptsache, das Gewicht ist jetzt "okay" und "Das ist jetzt ein gesundes Gewicht" und nicht mehr im Untergewicht, aber dass mich das viel eher umbringt als ein zu niedriges Gewicht, weil ich das psychisch gar nicht aushalten kann, dass ich so zugenommen habe, das ist halt egal?

(...)

Es war in der Klinik auch egal, dass ich in die Bulimie gerutscht bin und da der Heißhunger, der mich jetzt gefühlt umbringt, überhaupt erst aufkam. "Sie brauchen ein Ventil", blablabla. In der Hinsicht bin ich kränker als zuvor, aber es ist egal.

Bulimie ist für den Körper schneller gefährlich als nur zu wenig essen (bei einer reinen Anorexie). Das finde ich sehr irritierend, dass das so gehandhabt wurde bei dir in der Klinik und mein Eindruck ist aufgrund vieler Erfahrungsberichte, dass man als Erkrankter besser dran ist, wenn man sich selbst um sich kümmert und in seinem eigenen Tempo macht als in eine Klinik zu gehen und dort auf das Gewicht reduziert zu werden, ob das untergewichtig (= nicht ok) oder normalgewichtig (= ok) ist.

Soll keinen davon abhalten in eine Klinik zu gehen, wem das hilft. Meinerseits bin ich nachträglich froh, das nie getan zu haben und inzwischen vollständig gesund geworden zu sein.

Kommt aber sicher auch darauf an, welche Ursachen die Essstörung jeweils hat.

dda(nae87


Allerdings und wie lange man schon in dem Netz hängt. Es gab auch eine Userin hier im Forum die nicht in eine Klinik wollte, die es alleine schaffen wollte. Mittlerweile ist sie schon einige Jahre tot. Am Ende war sie gar nicht mehr in der Lage ihre Situation richtig einzuschätzen, weil der Hunger ihr Gehirn angegriffen haben dürfte.

EVhemasligerl Nutz1er` (#6x11899)


Manchmal ist das auch gerade das halbbewusste Ziel, sich auf Raten umzubringen. Generell gesprochen - zu der Userin kann ich nichts sagen.

dkanaTe87


Ja, ich weiß. Das spielt ziemlich oft eine Rolle. Aber man darf halt auch die Wahnvorstellungen unter Hunger nicht unterschätzen. Nicht immer kann man sich selbst befreien. Bei schweren persönlichkeitsstörungen halte ich das sogar für absolute Ausnahmeerscheinungen.

EYheImali^ger ZNutzerf (#61189x9)


Wahnvorstellungen unter Hunger

Meinst du das so als Sammelbegriff mit den Wahnvorstellungen für alles, was die Kachexie begünstigt, aufrechterhält und verstärkt, also eigentlich die krankhaften anorektischen Muster an sich insgesamt? ... Oder meinst du damit wortwörtlich Wahnvorstellungen?

D#é.lAiée


was hindert dich dir erneut (eben woanders) Hilfe zu suchen ?

Weil ich nicht kann, ich kann grad einfach nicht.

Die Arbeit ist jetzt aber auch nicht dein Hauptproblem sondern deine Essstörung.

Und die bekommst du glaube ich nicht alleine in den Griff .

Deshalb versuche doch bitte in eine Klinik aufgenommen zu werden .

Doch, mein Problem ist gerade die Arbeit. Klinik kommt für mich derzeit nicht in Frage, so gar nicht. Und ich bin gerade auch ehrlich gesagt zu müde, um gegen die Essstörung anzukämpfen. Es hat nicht funktioniert, sie zu ignorieren, sondern alles nur schlimmer gemacht und jetzt suche ich für mich einen Weg, mich mit ihr zu arrangieren. Ich bin zu müde, das jeden Tag auszuhalten und das Körpergefühl zu ignorieren. Ich habe es so lange versucht, so so lange, aber es geht einfach nicht. Ich werde immer unglücklicher von Tag zu Tag.

Hilft es dir vielleicht, deine Beiträge durchzulesen, die du nach der Klinik geschrieben hast? In denen hast du doch recht aufgeräumt gewirkt, das haben dir ja mehrere bestätigt.

Da habe ich einfach noch Hoffnung gehabt, dass ich das Halten kann. In der Klinik kommt mir das Leben immer gar nicht so schwer vor und dann freue ich mich sogar auf Zuhause und auf die Dinge, die ich alle machen kann, aber Zuhause ist da keine Kraft mehr. Die Lebensfreude, die ich in der Klinik ein bisschen spüre, ist dann einfach weg und nichts macht mehr Spaß. Ganz oft scheint es mir, dass es den Kampf langsam nicht mehr wert ist, weil die Freude das Leid nicht aufwiegt. Ich weiß, dass man nicht jeden Tag glücklich oder zufrieden ist, aber ich bin es gar nicht mehr. Es ist jeden Tag ein Kampf überhaupt aufzustehen, weil es gefühlt keinen Sinn macht. Ich warte nur, bis die Zeit wieder soweit ist, dass ich ins Bett gehen kann. Nicht einmal mehr Klavierspielen macht Spaß oder macht irgendwas mit mir.

Alles dreht sich nur noch um die Essstörung, das Geschrei in meinem Kopf, ich kanns nicht mehr. Und die Worte anderer dazu, wie gesund ich jetzt doch bin, sind nur ein Schlag ins Gesicht. Ich hasse diesen Körper, ich hasse ihn abgrundtief. Jedes Körperteil, alles. Früher gab es Stellen, die waren okay, aber jetzt ist alles einfach nur noch widerlich und ich hasse mich dafür, dass ich das zugelassen habe. Dabei wollte ich nur gesund werden. Ich wollte mich drauf einlassen und vertrauen, dass die anderen Recht haben und das irgendwie mit der Zeit "kommt". Ich hatte ewig Reittherapie für die Körperwahrnehmung, Massagen (und es war schrecklich, angefasst zu werden, aber ich habe es trotzdem über mich ergehen lassen, weil ich dachte, dass das alles hilft. Tanztherapie habe ich versucht, hat nicht so gut geklappt. Nichts klappt, ich bin einfach so "therapieschlecht". In der Therapie geht’s nicht um gut oder schlecht sein, das ist mir klar, und es zählen keine Leistungen, aber ich kann mich anscheinend nur sehr sehr schwer darauf einlassen. Und trotzdem habe ich mich überwunden und es versucht.

Mein Körpergefühl war nie gut, aber es war erträglicher, bloß davon bin ich so weit entfernt, dass es mir unmöglich erscheint, da wieder hinzugelangen. Für diese Quälerei reicht meine Stärke einfach nicht mehr.

Ich weiß nicht, was vor ein paar Wochen anders war, als ich diesen Thread eröffnet habe, aber ich bin überhaupt nicht mehr weiter und konstruktiver und einsichtiger. Ich will einfach nur wieder so dünn sein wie vor 1 1/2 Jahren. Das ist nicht sonderlicher konstruktiv... und ich habe ein richtig schlechtes Gewissen, dass ich wieder so denke.

Alles ist wieder zusammengestürzt und deshalb frage ich mich, wo da der Sinn ist? Wozu Therapie, wenn es nicht anhält?

Es könnte einfach helfen, sich mit Leuten auszutauschen, die auch aus einer Esstörung herausgekommen sind.

Das bringt mir nicht viel. Schon in der Klinik für Essgestörte hats nichts gebracht, sondern war eher kontraproduktiv. Auch in der letzten Klinik waren andere Essgestörte, aber ich kann mich da nicht mit anderen zusammentun, mir sagt dann nur die Stimme, dass ICH noch nicht loslassen darf. Die schon, die sind dünn genug, aber ich nicht. Dabei ist mir klar, dass ich nie dünn genug sein werde, aber das Wissen bringt mir nichts in bezug auf das schreckliche Gefühl.

Es ist für uns Menschen extrem wichtig, mit anderen Menschen in Person in Kontakt zu kommen.

Ich glaube halt, dass ich gerade einfach nichts anderes will. Ich will alleine sein, ich will die Essstörung wieder ausleben und ich will mir schaden. Das ist einfacher und erträglicher als alles andere. Weil ichs kenne.

Das widerliche Gefühl als teil deines Lebens ertragen, wenn du ein Leben willst und dann gucken was passiert.

Genau das habe ich getan und so will ich nicht leben.

dort auf das Gewicht reduziert zu werden, ob das untergewichtig (= nicht ok) oder normalgewichtig (= ok) ist.

Das haben die in der letzten Klinik zum Glück nicht gemacht, also mich alleine aufs Gewicht zu reduzieren. Da wurde anerkannt, dass es mir schlecht geht und ich trotzdem esse. Aber die Klinik am Chiemsee hat mir das so sehr eingetrichtert, dass Gewicht alles ist und darüber entscheidet, ob andere wahrnehmen, dass es einem schlecht geht, dass ich das andere nicht annehmen kann. Für mich ist Essen mein Kanal, mit dem ich zeige, wie es mir geht.

Derzeit esse ich, also geht es mir ja wohl gut. Das denken meine Familie und die anderen in meiner näheren Umgebung. Dann esse ich wieder nichts

Kommt aber sicher auch darauf an, welche Ursachen die Essstörung jeweils hat.

Ich kenne die Ursachen nicht wirklich. Ich bin einfach so, weil ichs kann, glaube ich. Ich kann Nicht-Essen, wenn ich will und beim Nicht-Essen sieht man am ehesten Erfolge. Noten könnten immer besser sein, wie Danae so schön gesagt hat. Ich könnte immer schneller laufen, als ich es tue, immer besser in allem sein. Ganz oft glaube ich, dass ich gar nichts anderes so wirklich kann. Ich bin eine willensschwache Person, deren Willen auch schon zu oft ignoriert oder gebrochen wurde. Durch Gewalt, Drohungen, Übergriffe. Mein Nein ist nichts wert, egal, ob es um meine physischen oder psychischen Grenzen geht. Irgendwann habe ich aufgehört, Nein zu sagen. Aber ich habe das Gefühl, dass ich beim Essen zum ersten Mal in meinem Leben diszipliniert bin (oder eher war). Anfangs wurde ich bewundert, dass ich doch so schön schlank geworden bin. Ich bin wortwörtlich im Turnen die Pyramide hochgeklettert, von dem Moppel ganz unten, zu schwer und moppelig und ungeschickt war, bis ganz nach oben. Leicht und plötzlich so körperbeherrscht. Ich durfte plötzlich Sachen machen, für die ich immer zu schwer war. Immer mehr Lob. Selbst, wenn mir irgendwann gesagt wurde, dass es jetzt reicht, hat es mir nicht gereicht. Mein Ziel ist und war nie, dass andere meine Figur mögen oder mich schön schlank finden. Es hat mich bestätigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin, aber war nie mein Endziel. Erst wurde ich gemobbt, weil ich pummelig und sowieso zu blöd und zu arm war, dann war ich halt irgendwann zu dünn. Ich war nur dazu da für andere Hausaufgaben zu machen. Aber irgendwann war es mir egal, weil ich endlich einen Grund hatte, morgens aufzustehen. Hungern, Rennen und Abnehmen. Da war es egal, dass ich keine Freunde hatte. Ich habe alles über die Essstörung kanalisiert, habe irgendwann außerhalb der Schule sogar Freunde gefunden, aber das Gefühl, dass ich nutzlos und nicht liebenswert bin, ist immer geblieben. Ich habe ständig Angst, dass Menschen mich nicht mögen, weil ich es so gewohnt war, dass sie es nicht tun. Ich versuche über Leistungen geliebt zu werden, weil ich nicht nachvollziehen kann, warum man es sonst tun könnte. Vielleicht versuche ich auch durchs Dünnsein geliebt zu werden. Ich bin gar nicht so stark. Oder kann alles. Besonders in der Klinik werde ich ständig überschätzt, weil ich für andere so kämpfen kann, für mich selbst nicht einmal wirklich um ein Gespräch bitten, während andere aber erwarten, dass ich das schon alleine kann, weil ich es eben für andere ständig tue. Hungern ist meine Art zu schreien. Vor Wut, Hass, um Hilfe und Zuneigung und Anerkennung. Und ich kann sehen, dass ich was erreichen kann (eigentlich traurig) und dass sehr wohl ICH die Kontrolle und Macht über meinen Körper habe und niemand anderes, der mich anfassen will. Nur ich allein.

Hungern ist meine Droge. Neben den Drogen. Mir fehlen die Drogen entsetzlich. Weil ich dann spüre, dass ich lebe.

D(é.lhxe


Wisst ihr jetzt, was ich damit meine, dass ich wieder so gefangen bin? Diese Gedanken sind einfach da, immer und so laut, dass ich sie nicht überhören kann.

Cqomraxn


Ich finde es nahezu kontraproduktiv, dass du dich über Leistung immer beliebter machen wolltest, aber jetzt in deinem Stadium am liebsten alleine bist. Da war das Moppelchen am Fuß der Pyramide ja noch besser dran. Für wen quälst du dich dann mit deiner ungesunden Disziplin? Wirf sie doch einfach über Bord. Riskiere es, einfach mal zu leben. Deine Vergangenheit kann dir niemand wegnehmen, aber du kannst lernen, sie zu ignorieren, anstatt dich ein Sklave dieser zu machen. Die wichtigsten Dinge hast du ja schon erkannt - du warst nicht im Unrecht. Wem willst du dann jetzt was beweisen? Dir selbst? Du bist doch längst dahintergestiegen. Und strafen tust du nie die anderen, sondern nur dich selbst. Betrachte deine Krankheit nicht als dein Eigentum, was man dir ausreden will, sondern als deinen Feind, der dir eingeredet wurde. Sie gehört nicht angeboren zu dir, und nur du entscheidest, wann du sie wieder los wirst.

Emhemaliyger NuJtzer (#46118b99x)


Betrachte deine Krankheit nicht als dein Eigentum, was man dir ausreden will, sondern als deinen Feind, der dir eingeredet wurde.

Persönlich sehe ich die Anorexie nicht als Feind oder gar wie es oft geschildert wird, als eine Art "Dämon" oder "Person", der bzw. die einen beherrschen würde. Es sind keine optimalen oder gesunden/konstruktiven Bewältigungsmuster, die man damit lebt, aber sie haben ihren Sinn für denjenigen aus seiner jeweiligen Lebensgeschichte heraus und wenn man bessere Lösungen gehabt hätte aus der subjektiven Sicht, hätte man die genommen. Und es gibt gewissermaßen auch ein Recht auf Selbstschädigung.

Ich würde persönlich erstmal versuchen, mit der Erkrankung zu leben und die gesundheitliche Schädigung dabei zu begrenzen (u. a. über die Ernährung und das Körpergewicht) und parallel dazu die eigentlichen Auslöser der Erkrankung bearbeiten und lösen/verbessern. Das fand ich für mich sehr hilfreich, auch wenn es kein bewusster Plan war damals und Jahre gedauert hat. Dafür sind die Muster aber allmählich nachhaltig verschwunden. Bei mir waren es auch verschiedene Ursachen älterer cholerischer Bruder mit starken Stimmungsschwankungen, dessen "Lieblingsblitzableiter" ich seit jeher gewesen bin und der in vielerlei Hinsicht aggressiv, grenzverletzend und übergriffig war, auch sexuell, aber meistens körperlich mit Schlägen ins Gesicht etc.. Das Ganze bei überforderten Eltern mit eigenen Problemen und starker Betonung auf Funktionieren und Leistung bei sehr wenig eigenen Freiheiten und einem Recht auf Selbstbestimmung und eigenen Grenzen; mit dem Blick darauf als Handlungsmaßstab, was "die Nachbarn" denken könnten bzw. dass andere ein gutes Bild nach Außen von einem haben....... Dass man die Erkrankung als Feind sieht und ihr gewissermaßen abschwören soll, das ist meiner Erfahrung nach immer etwas, was von Außen vom Umfeld kommt, sodass man gefühlt immer nur die Wahl zwischen zwei nicht zufriedenstellenden Möglichkeiten hat: Zusammen mit dem Umfeld die Erkrankung verteufeln und fremdbestimmt "gesund werden" oder "selbstbestimmt" weiterhin oder erst recht krank zu bleiben. Gerade in Kliniken scheint es mir eher auf Ersteres hinauszulaufen - das wird dann aus Therapieerfolg verkauft, kracht aber später wieder zusammen. ... Dafür, dass es so oft um (fehlende) Selbstbestimmung/Autonomie geht als eine der auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren, finde ich das persönlich nicht so sinnvoll.

w-intherso*nn`e 01


Ich will alleine sein, ich will die Essstörung wieder ausleben und ich will mir schaden. Das ist einfacher und erträglicher als alles andere. Weil ichs kenne.

und willst du sterben? (du weist, dass das dann geschehen kann)

Ich glaube du verharmlost zur Zeit für dich die schweren Folgen der Essstörung. ":/ (du bist krank und willst dir nicht helfen lassen gesund zu werden.... so einfach ist das ganze was du schreibst zusammen gefasst.)

l7uomafren


Ich habe mich am "besseren Leben" aufgehängt. Besseres Leben hängt für mich mit Freiheitsgraden zusammen, je mehr Freiheitsgrade, umso besser. Wenn du mich vor 5 Jahren gefragt hättest, wie mein Leben aussehen soll, damit es mir besser geht, mein jetziger Lebensstil wäre nicht dabei gewesen. Auf einer gewissen Ebene ist das Leben sogar schwieriger als vorher, weil ich nicht mehr Verantwortung an unbestimmte andere abgeben kann.

Alles ist wieder zusammengestürzt und deshalb frage ich mich, wo da der Sinn ist? Wozu Therapie, wenn es nicht anhält?

In der geschützten Atomsphäre der Klinik kannst du Probleme angehen, die sonst im Alltag untergehen. Rückschläge gehören auch dazu, weil die Verbesserung nie linear erfolgt. Meine Haut fängt auch wieder an, sich etwas zum besseren zu drehen.

Dabei wollte ich nur gesund werden. Ich wollte mich drauf einlassen und vertrauen, dass die anderen Recht haben und das irgendwie mit der Zeit "kommt". Ich hatte ewig Reittherapie für die Körperwahrnehmung, Massagen (und es war schrecklich, angefasst zu werden, aber ich habe es trotzdem über mich ergehen lassen, weil ich dachte, dass das alles hilft. Tanztherapie habe ich versucht, hat nicht so gut geklappt. Nichts klappt, ich bin einfach so "therapieschlecht".

Fallls es dir hilft, ich bin genauso therapieschlecht, was meine Hauterkrankung anbelangt. Gewisse Geheimtipps sind sogar echt kontraproduktiv. Ausprobieren würde ich es trotzdem, aber wenn es dir nicht zusagt, ist es vielleicht (noch nicht) das richtige.

Besonders in der Klinik werde ich ständig überschätzt, weil ich für andere so kämpfen kann, für mich selbst nicht einmal wirklich um ein Gespräch bitten, während andere aber erwarten, dass ich das schon alleine kann, weil ich es eben für andere ständig tue.

Das ist mir auch hier aufgefallen. Du bist aus meiner Sicht extrem auf andere ausgerichtet. Das macht es auch schwierig, dich auf dich selbst zu konzentrieren. Bei dem ganzen Kram geht es um dich, und nicht um andere. ":/

Bei meinem ersten Krankenhausaufenthalt hat mir ein Pfleger, der selbst an einer total seltenen Krankheit litt, mal folgendes gesagt: "Ich habe gedacht, dass es mir besser geht, wenn ein Laborwert auf einem bestimmten Wert ist. Als der Wert endlich da war, ging es mir so schlecht wie nie."

Alle Lösungen, wie es dir wirklich besser geht, werden ganz anders sein, als du dir das jetzt vorstellst.

d.anaex87


Kitsune

Das geht ja graduell ineinander über. Körperbildstörungen sind ja auch eine Form von Wahnvostellungen, aber am Ende einer Magersucht kommen dann ja auch noch echte dazu. Eigentlich ist jedes Hungerhigh ja eine Form von Wahn.

De.liee

Ich könnte dir nun eine Predigt halten, dir erklären weshalb ich glaube das du es eben nicht komplett akeptiert hast und so, aber das ist alles gerade absolut sinnfrei oder? Das kommt alles nicht bei dir an. Ich setz mich also einfach mal neben dich, stelle eine kleine Kerze in den dunklen Raum, und wenn du in den (virtuellen) Arm willst, dann lehnst dich einfach an, ja? :)-

D=é.Jlixée


Alles, was ich schreiben könnte, sind die Worte meiner Krankheit. Eigentlich weiß ich um diese Lüge Bescheid, aber sie gibt mir gerade so einen riesigen Halt, dass ich mir einrede, dass es keine Lüge ist. Ist das nicht verrückt?

Es wären meine kranken Gedanken, von denen ich weiß, dass sie krank sind.

Aber ja, wahrscheinlich kommt bei mir gerade nichts an. Aber ich will Euren Worten nichts entgegensetzen, von dem ich weiß, dass es eine so riesige Lüge ist. Wisst ihr, was ich meine? Eure Worte sind so wertvoll, aber ich kann gerade einfach nicht mehr gegen die Krankheit ankämpfen. Ich weiß, dass Ihr Recht habt, aber ich kann mir nicht jeden Tag sagen, dass mein Leben gerade aus der Bahn gerät. Es fühlt sich gerade an, als würde es bergauf gehen. Nicht im Gesamten (weil ich weiß, dass es mir nur besser geht, weil ich die Essstörung kontrollieren kann und mal wieder "gut" in was bin), aber für meine derzeitige psychische Konstitution eben schon. Ich wache nicht morgens ausschließlich mit dem Gedanken auf, gänzlich ein Versager zu sein, sondern dass ich, wenn schon nichts anderes, wenigstens die Essstörung im Griff habe.

Ich will doch nur einmal kurz Pause haben von dem Kampf. Ich kämpfe jetzt so lange und ich will mich nur ausruhen, bevor ich den Mut vollkommen verliere.

Deshalb kann ich derzeit nicht wirklich schreiben. Irgendwann werden meine Worte wieder klarer sein und ich werde wieder aufstehen und weiterkämpfen. Ich weiß das!

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH