» »

"Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon."

dmanaex87


Mh, in Ordnung, da liesse sich vielleicht was machen ;-)

Verhindern:

- setze nicht auf eine Person, versuche zu streuen, wenn dann eine Person wegbricht, bricht nicht die Welt zusammen sondern es gibt Menschen auf die du ausweichen kannst

- such dir andere Bereiche damit auch nicht alles von Leistung in einem bereich abhängt oder vom Lob einer Person

- lern dich selbst zu mögen, dann ist es weit weniger wichtig ob andere dich gern haben

Umgehen wenn es schief gegangen ist:

Das ist gar nicht mehr so ein Problem wenn du die oberen Punkte umsetzt. Wenn du dann noch lernst Trost ein bisschen anzunehmen, nur ein wenig, dann wäre schon viel gewonnen, weil du ja andere Leute und andere Tätigkeiten hast, die dir Halt geben.

Deé.l_ixée


Naja, aber ich suche es mir ja nicht aus. Das entsteht einfach so, wirklich einfach so und ganz plötzlich mit einem Knall. Buff.

Deshalb kann ich das ja so schwer verhindern...

l)uom{arexn


Ich habe heute nicht die Zeit gehabt, früher zu schreiben. Ich kann mir diese Art von Abhängigkeit nicht so wirklich vorstellen, weil ich sie nicht erlebt habe. Wenn ich mich vor meinem Zusammenbruch nur auf die Arbeit konzentriert hätte und sonst keine anderen Aktivitäten gehabt hätte, wäre ich vielleicht auch bei dieser Situation angelangt.

Normalerweise löst sich das Problem der Abhängigkeit mit einem ausreichend großen Freundeskreis. Zu gewissen Leuten hast du besseren Kontakt, zu anderen weniger. Gewisse Freunde oder Bekannte sind gut für ein Thema, aber halt nicht für die gesamte Lebensgeschichte. Im Summe ist dann dein Leben etwa drei- bis viermal auf die Freunde verteilt. Dann ist es auch nicht so schlimm, wenn jemand in dem Netzwerk wegfällt.

Ein praktisches Beispiel für deine jetzige Situation: Du könntest deine Mutter bitten, dir mal zuzuhören, womit du dich bei deiner BA herumschlägst, weil du jemanden brauchst, dem du das mal erzählen musst, damit du dich sortieren kannst. Sie muss es nicht verstehen. (Okay, ich kann nicht einschätzen, wie realistisch das ist. Ich kenne die Beziehung zu deiner Mutter nicht.) Damit hättest du zumindest schon mal einen Teil ausgelagert.

Rein interessehalber für mich: Wäre es für dich schlimm, wenn ich hier nicht mehr antworten würde?

dKan-aex87


Naja, aber ich suche es mir ja nicht aus. Das entsteht einfach so, wirklich einfach so und ganz plötzlich mit einem Knall. Buff.

Deshalb kann ich das ja so schwer verhindern...

Eben drum geht es wohl erstmal mehr darum die Puffer darum herum zu bauen. Freundeskreis aufbauen damit du dann nicht alleine bist und üben mit trauer nicht sich einzubunkern sondern um Hilfe zu bitten. Wie ein Airbag.

Dré.~liéxe


Ja, es wäre schlimm. Schlimm, weiß nicht, ob schlimm das richtige Wort ist. In Bezug auf das Forum geht es mir da mittlerweile besser und ich bin nicht mehr so "abhängig". Ich kann tagelang nicht hier reinschauen, nicht schreiben, nicht sofort antworten und das war mal eine Weile lang nicht möglich.

Aber irgendwie treffen würde es mich schon. Mich trifft es immer ziemlich, wenn Menschen nicht antworten, sich nie melden und einfach irgendwie "weg" sind. Also im Normalfall starre ich nicht permanent auf mein Handy und warte auf Antworten ;-) , aber so auf längere Sicht, weil es mir ganz oft das Gefühl vermittelt, aufgegeben zu werden. Und das ist für mich ganz schlimm, weil das wohl mein Halt ist? Wenn ich selbst das Gefühl habe, aufgegeben zu haben, dann hält es mich irgendwie am Kämpfen, wenn zumindest andere noch an mich oder daran glauben, dass es mir eines Tages besser gehen wird.

Ich kann mir diese Art von Abhängigkeit nicht so wirklich vorstellen, weil ich sie nicht erlebt habe.

Das ist auch unheimlich schwer zu erklären. Viele antworten da immer, dass sie das kennen, dass das in Beziehungen doch immer so ist, dass man klammert, usw., aber es nimmt eben andere Dimensionen an. In normalen Freundschaften habe ich das ja auch nicht, sondern nur bei bestimmten Menschen. Da greift wohl noch mehr die Panik, dass sie plötzlich weg sind und die Verlustsängste überkommen mich. Das wird dann aber ziemlich existenziell und ich glaube wirklich, zu sterben, wenn diese Menschen weg sind. Manchmal fange ich dann an, die Beziehung zu boykottieren und schubse diese Menschen durch Handlungen von mir weg. Drogen, besonders auch die Essstörung.

Gerade ist in der Hinsicht eher die Essstörung das "Problem", weil sie auf der einen Seite dafür sorgt, dass mir Menschen nicht zu nahe kommen (irgendwann bekommen Menschen ziemlich starke Berührungsängste), ich zeige nach außen "Stärke" (ich weiß, dass das keine Stärke ist), dass ich alleine sein kann (eigentlich drücke ich aber wohl eher das Gegenteil aus, aber wenn ich meinen Film fahre, dann ignoriere ich das. Trotz?) und ich zeige mir, dass ich eben die Kontrolle habe. Über mich. Naja, das wird ja immer verneint, aber eigentlich habe ich sie ja wirklich. Ich beweise mir, dass ich meine Triebe kontrollieren kann und stärker bin als meine Grundbedürfnisse. Zu denen Nähe ja auch gehört...

Ich will aber nicht verneinen, dass trotzdem die Essstörung die Kontrolle übernimmt. Hm, ich glaube, das ist eine Art Wechselspiel.

Du könntest deine Mutter bitten, dir mal zuzuhören, womit du dich bei deiner BA herumschlägst, weil du jemanden brauchst, dem du das mal erzählen musst, damit du dich sortieren kannst.

In Bezug auf die BA spielt das gar nicht so eine große Rolle. Ich werde sehr oft kritisch beäugt und damit betitelt, nichts zu tun, weil man ja "nichts sieht". Ja, tut mir leid, dass man die Arbeit erst so richtig sieht, wenn sie vom Druck zurück ist %-| . Gerade die letzten Tage habe ich dann mal geblufft, dass wir gerne tauschen können. Die wissen halt so gar nicht, was ich eigentlich tue, wie man so Arbeiten schreibt und wie viel Arbeit das sein kann (ich mache mir meistens mehr Arbeit durch meine Art zu arbeiten, aber naja).

Und alle meine Gedanken zum Thema Depression, Leere und Suizid werden einfach nicht verstanden. Das passt nicht in deren Lebens- und Gefühlswelt. Das gibt es zwar, aber nicht hier. Deshalb war hier auch so die Hölle los, als ich so zusammengebrochen bin, aber die können damit nicht umgehen? Und es sich halt auch nicht erklären, wie man so unglücklich sein kann.

Freundeskreis aufbauen damit du dann nicht alleine bist und üben mit trauer nicht sich einzubunkern sondern um Hilfe zu bitten.

Ich habe Freunde, nur halt nicht hier. Und ich werde mir hier auch keine suchen. Gut, eine handvoll sind nicht soo weit, aber irgendwie schafft man es halt trotzdem nie, sich zu treffen. Ich bewege mich ja mittlerweile in einem Umkreis von immerhin 150km (zu Dir nochmal eine ganze Menge mehr) und das geht eben schwer eben so. Zumal es mir sehr schwer fällt, länger bei Menschen zu sein und eben nicht abends wieder zu fahren. Aber ich weiß, wieso und dagegen komme ich gerade einfach nicht an.

l]uomra#ren


In Bezug auf die BA spielt das gar nicht so eine große Rolle. Ich werde sehr oft kritisch beäugt und damit betitelt, nichts zu tun, weil man ja "nichts sieht". Ja, tut mir leid, dass man die Arbeit erst so richtig sieht, wenn sie vom Druck zurück ist %-| .

Ich finde diese Art von Arbeiten immer ganz gut zu beschreiben. Du hast eine Sollanzahl von Seiten oder Wörtern und du sagst wieviel du davon geschafft hast. Du ist eigentlich ganz einfach zu kommunizieren. Eine Bekannte, die Bücher schreibt, macht das auch so.

Und alle meine Gedanken zum Thema Depression, Leere und Suizid werden einfach nicht verstanden. Das passt nicht in deren Lebens- und Gefühlswelt. Das gibt es zwar, aber nicht hier. Deshalb war hier auch so die Hölle los, als ich so zusammengebrochen bin, aber die können damit nicht umgehen?

Aus eigener Erfahrung kann ich da sagen, dass diese Thematiken außerhalb der Erfahrungswelt deiner Eltern liegen. Sie werden es auch nicht nachempfinden können, weil sie sich dafür in ähnliche Situationen begeben müssten, wie du sie erlebt hast. Verständnis wirst du nicht bekommen. Meine Eltern können es auch nicht nachvollziehen. Damit sie dir weiterhelfen können, kannst du ihnen Handlungsempfehlungen geben. Wenn ich in dem und dem Zustand bin, macht das uns das. Meine Handlungsanweisung an meine Chefin nach meinem Zusammenbruch war: "Es kann passieren, dass ich bei etwas, das du erwähnst, zusammenzucke. Behandle mich ganz normal."

Und ich werde mir hier auch keine suchen. Gut, eine handvoll sind nicht soo weit, aber irgendwie schafft man es halt trotzdem nie, sich zu treffen.

%-| . Ich erwarte jetzt nicht, dass du die Meisterin im Networken wirst, aber so ein paar Leute außerhalb deiner Familie wirst du schon noch treffen können. Distanzen sind mittlerweile nicht mehr so extrem schlimm. Wenn du es willst, sind 150 km gar nichts. Ich habe ja auch noch Kontakt zu meiner Freundin in Beijing, und das sind knapp 8.000 km.

DOé).liée


Sie werden es auch nicht nachempfinden können, weil sie sich dafür in ähnliche Situationen begeben müssten, wie du sie erlebt hast.

Genau da ist aber das Problem. Meine Mutter hat sehr ähnliches erlebt wie ich, aber ist, weil sie eben ein anderer Mensch ist, ganz anders damit umgegangen als ich.

Aber sie kann nicht verstehen, dass ich damit umgehe wie ich umgehe.

Gerade ist das aber alles sowieso kein Thema mehr, weil ich ja - im Gegensatz zu letzter Woche - wieder "normal" bin.

Zum Thema Leute treffen ;-) : Ich gehe schon raus! Momentan gehe ich sozusagen im 2-Wochen-Takt am Wochenende weg. Morgen auch. Theoretisch steht danach auch schon der nächste Termin, aber da muss ich durchwuseln, wie das möglich ist nach dieser Konversation mit diesem Menschen, den ich ziemlich gerne mag. Ich würde gerne. Hm.

Und klar sind 150km im Prinzip nichts, aber das ist für mich gerade ganz klar eine finanzielle Sache. Wobei die 150km finanziell sogar noch einigermaßen gehen, weil mein Studententicket ab einer gewissen Entfernung zumindest wieder ein wenig greift... hier in meinem direkten Umfeld dagegen leider so gar nicht.

Dhé.Pliéxe


Ich habe ja auch noch Kontakt zu meiner Freundin in Beijing, und das sind knapp 8.000 km.

Kontakt haben meine ich ja auch nicht. Den habe ich zu eigentlich vielen Menschen. Momentan etwas weniger, aber eigentlich halt schon. Ich meine wirklich Menschen treffen, das ist gerade nicht so leicht.

Aber 8.000km ist auch eine Wucht. Ich finde, dass Entfernungen das Vermissen noch viel viel schlimmer machen, weil man sich eben nicht so oft und so halbspontan treffen kann.

Fällt Dir das nicht auch schwer?

d%aRnaex87


Dann ruf die LEute halt an, spiel online mit ihnen ein Spiel, mail rum oder so. Es ist zwar schöner wenn man zusammen sitzen kann, aber alles andere geht immerhin ein wenig und hilft auch schon. :)_

Und ich glaube solange du dir das mit der Kontrolle einbildest, kommst du einfach nicht voran. Ja, du kannst dich foltern um dich von Bedürfnissen abzulenken, aber das ist keine echte Kontrolle. Echte Kontrolle setzt voraus, dass man mit dem umgehen kann, was man kontrollieren will.

l8uomiaren


Na ja, bei der Entfernung kommt noch die Zeitverschiebung hinzu. Eine Zeitlang konnten wir chatten, wenn es hier morgens war. Ein reales Treffen ist ja fast unmöglich. Dann beschränkt sich das darauf. Ich habe auch Freunde, mit denen telefoniere ich alle zwei Monate.

Ansonsten kannst du auch jedes reale Treffen als Übungsfeld sehen, wie du dich weniger abhängig machen kannst. Solange du nicht davon ausgehst, dass immer alles perfekt läuft, wird das schon. Wenn eine Freundschaft Richtung Beziehung steuert, kommen sowieso Probleme hinzu, die vorher nicht da waren. (Allerdings kann ich diesen Satz nicht durch persönliche Erfahrung verplausibilisieren.)

Dwé.lipée


Hm, ja, die Kontrolle ist halt so eine Sache.

Das soll jetzt nicht verherrlichend klingen, aber gerade habe ich SO viel Kraft. Immer und immer haben sich in meinem Kopf die Stimmen über das Essen gestritten. Allein das hat mich schon so ausgezehrt und mir die Energie geraubt, die ich für andere Dinge brauchen würde.

Ich habe schon eine Weile überlegt, ob ich mal versuche, das irgendwie zu erklären... warum ich SO sehr an dieser Illusion hänge, die Kontrolle zu haben oder zu erlangen, dass ich mich so sehr selbst belüge und das sogar weiß, aber mich auch dahingehend selbst belüge.

Ich habe immer gekämpft und gekämpft, trotzdem gegessen, mich dem Heißhunger hingegeben, gegen den Heißhunger gekämpft, gehungert, gegessen. Hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich gegessen habe, hatte irgendwie auch eins, wenn ich nicht gegessen habe. Da gab es kein richtig oder falsch, weil alles, was ich gemacht habe, immer irgendwie falsch für... für irgendeinen meiner beiden Anteile. Und ich wurde nur unglücklicher, müder, gereizter und verzweifelter. Ich habe mit diesem Hin und Her sehr lange mein Gewicht gehalten, was ich nach der Klinik hatte. Das alles war schon so ein kräftezehrender Kampf, diese Wut und Hilflosigkeit und Panik und dieser Schmerz... ich hatte ja sehr schnell sehr viel zugenommen von BMI knapp unter 16 Anfang Februar 2016 auf 19,8 Ende März 2016, dann bin ich in die Bulimie gerutscht und die Klinik konnte damit nur schwer umgehen bzw. mich einfach nicht auffangen oder mir "helfen", weil die Klinik halt auch Essstörungen an sich gar nicht so behandelt, nur in Komorbidität, ja. Aber es ist ja schon lange klar, dass die Essstörung nicht DAS Problem ist, sondern nur ein Symptom. Ich wurde kurzzeitig entlassen, um mich zu sammeln und das wieder in den Griff zu kriegen, das Gewicht ging meine komplette Zeit in der Klinik immer hoch und runter. Wie sehr das immer gesprungen ist, kann ich gar nicht mehr so genau sagen, weil dieser Kampf ja immer weiter ausgeartet ist. Essen wurde das einzige Thema und im Prinzip kam man gar nicht mehr an mich ran bis ich eben auf der Geschlossenen gelandet bin. Ja, weil ich halt suizidal war und gerade mein wahnsinnig schlechtes Körperbild - ich muss das nicht weiter ausführen - haben da eine sehr große Rolle gespielt. Ich habe von Anfang an immer mehr die Kontrolle verloren. Erst über das Hungern, denn ich habe ja gegessen, dann über das Essen und ich habe erbrochen und dann eben über die ganzen damit verbundenen Emotionen. Meine Verlegung war wohl so Tiefpunkt mit fast schon absolutem Kontrollverlust, weil ich habe ja selbst auf der Geschlossenen damit weitergemacht, mir zu schaden. Danach wieder eine Pause, in der ich die Bulimie wieder in den Griff kriegen wollte, weil die ja auch nur so wirklich in der Klinik da war. Anfangs war es Zuhause auch kurz schwer, aber spätestens am dritten Tag nach der vorläufigen Entlassung hatte ich das im Griff, aber sobald ich wieder in der Klinik war ging es wieder los und letztendlich wurde ich mit 15kg mehr Gewicht dieses Jahr entlassen, BMI 20,7. Normalgewicht. Mir ging es furchtbar damit, aber das wisst ihr ja. Ich gebe ganz offen zu, dass ich permanent versucht habe, wieder abzunehmen, nahm dann ja auch ein bisschen ab, aber war eben gerade noch so im Normalgewicht und besser ging es mir ja auch nicht, weil mein Körperbild ja nicht besser wurde. Aber ich bin auch ständig "gescheitert", Gewicht wieder ein bisschen hoch, ein bisschen runter. Ich wollte die Kontrolle über den Heißhunger bzw. überhaupt über mein Essverhalten. Ich war zwar lange nicht mehr bulimisch, aber habe halt abwechselnd so gut wie nichts gegessen und ein paar Tage später dann wieder normal, mal ein bisschen mehr, wieder weniger. Ich hatte halt eben nicht die Kontrolle, was ich esse. Joa, Gewicht hat aber mehr oder weniger stagniert an dem Punkt, wie gesagt, ich habe das Gewicht mehr oder weniger gehalten. Unglücklich war ich ja aber sowieso immer noch und so so bemüht, die Kontrolle zurückzuerlangen.

Aber dann war ich plötzlich beflügelt durch diese so schön beginnende Geschichte, von der Nähe, der Sehnsucht, die da total aushaltbar und irgendwie auch schön war, weil ich noch nicht wusste, dass sie nicht erfüllt werden wird. Hm, da kann ich rückblickend sagen, dass Essen viel weniger Thema wurde. Der Heißhunger wurde weniger, nein, er ist verschwunden und ich habe mich ganz kurz fast schon frei gefühlt und als würde ich gerade mal erfahren wie es sich anfühlt, zu leben. Ich war ganz oft sogar irgendwie glücklich? Ich glaube nicht, dass ich bewusst weniger gegessen habe, ich hatte halt einfach nur viel weniger Hunger, weil ich eben so so so umhüllt war von diesen ganzen Gefühlen. Schönen Gefühlen. Ja, mein Gewicht hat einen kleinen Sprung nach unten gemacht und natürlich hat es mich gefreut, aber gleichzeitig war es auch gar nicht so wichtig, weil die Essstörung gerade eben nicht Hauptthema war. Weil ich wirklich versuchen wollte, das Gute in mein Leben zu lassen und wahrzunehmen. Naja und die Kontrolle, die war auch nicht so wichtig?

DRé.liéxe


Ja, vielleicht ist das das erste Mal der Punkt gewesen, an dem ich vielleicht sogar wirklich die Kontrolle hatte. Eben weil ich sie nicht gebraucht habe, versteht ihr, was ich meine? Die Essstörung hat mich nicht kontrolliert, sondern diese Leichtigkeit, die ich zwei Wochen haben durfte... die Essstörung bildete schon ganz lange immer meinen kompletten Lebensinhalt und jetzt war da plötzlich was anderes. Dieses warme Gefühl, das Gefühl gemocht zu werden und ganz ganz viel Hoffnung.

Es fällt mir ziemlich schwer, das so wirklich zu beschreiben, weil es mich selbst ja total umgeworfen, total durchgerüttelt hat.

Ich habe wirklich wirklich geglaubt, dass ich das schaffen kann und dass ich vielleicht doch leben und mir alles verzeihen kann... als wäre loslassen nicht mehr so etwas diffuses, sondern ganz leicht.

Aber als das dann so geendet ist wie es eben ist, hat es mich einfach wieder überrollt. Gefühlt aber noch viel mehr als vorher. Ich konnte mir ja eben nur sehr schwer eingestehen, dass ich ein Mensch bin und Menschen Nähe brauchen. Ich habs gemacht. Und dann sogar nicht nur mir gegenüber, sondern sogar anderen und Nähe zugelassen und vertraut. Es fällt mir sehr schwer, Menschen so sehr zu vertrauen, dass ich diese Nähe eben zulassen kann.

Dann kam die Wut, die Verletzlichkeit, diese schreckliche Scham eben nicht meine Gefühle zu bändigen UND Sehnsucht nach etwas zu haben, was ich eigentlich überhaupt nicht haben wollte. Ich wollte nicht DAS empfinden, was andere empfinden wollten oder tatsächlich empfunden haben und es sich ja auch irgendwie mit Gewalt geholt haben? Und ich habe es ja nicht nur empfunden, sondern auch mitgeteilt... und eigentlich total die Kontrolle aufgegeben. Eben in Bezug auf die Gefühle.. ich habe sie "laufen lassen". Ja.. und eben sehr diese Verletzlichkeit und Blöße und Schwäche. Ich will so gar nicht empfinden, aber das schreit in meinem Kopf. Ich weiß, dass das was Schönes sein könnte und nichts, wofür man sich schämt oder sich schuldig fühlt, aber ich fühle es nicht mehr. Die Sehnsucht, die sich mal so schön angefühlt hatte, weil ich endlich mal wieder gespürt habe, dass ich noch lebe und dass es da draußen so viel mehr gibt als eine Zahl, die mir morgens sagt, ob es ein guter Tag oder ein schlechter Tag wird, die hat sich gar nicht mehr schön angefühlt, sondern mich so sehr zerrissen...

An diese Woche erinnere ich mich nur sehr bruchstückhaft, weil ich sehr viele Blackouts habe und irgendwann auch nichts anderes mehr tun konnte, als Medikamente nehmen und den Schmerz betäuben. Ich habe schon immer gesagt, dass ich nicht daran glaube, dass ich mir wirklich etwas antue, weil ich mich kontrollieren kann. Ich könnte immer diesen Wunsch, zu sterben, bezwingen und mir würde ganz bestimmt nichts passieren. Aber gefühlt wurde mir da alles entrissen, jeder Halt genommen und ja auch wieder die Hoffnung, an die ich mich so geklammert habe. Ich hatte so gar keine Kontrolle, sondern wirklich Angst, dass ich es tue. Ich hätte nienienieniemals meiner Mutter gesagt, dass ich mich umbringen will, wenn ich es nicht gemusst hätte, weil ich wirklich dachte, dass ich es tue. Ich habe hier meine ganze Fassade, mein Funktionieren und mein ganzes Lügenkonstrukt zusammenstürzen lassen, wissend, dass ich das nicht so einfach wieder aufbauen kann. Da ist jetzt dieser Riss... und der bleibt.

Ich habe ja dann auch versucht, das irgendwie zu lösen, gerade mit der Person und das zu retten, weil mir dieser Mensch wirklich sehr wichtig ist. Wieder über die Scham drüber, die Verletzlichkeit und überhaupt. Ich weiß nicht, ob wir das wirklich geklärt haben und ob wir Freunde bleiben können, auch, wenn ich es mir so so wünsche. Aber ich habe da nicht die Kontrolle drüber und kann nichts tun außer schauen, was passiert. Ja, ich fühle mich dem Ganzen total hilflos und ohnmächtig gegenüber und ja, ich musste mich ganz dringend wieder an irgendwas festhalten und mir das Gefühl geben, nicht unendlich tief zu fallen, sondern etwas selbst in der Hand zu haben. Natürlich kanalisiert sich das alles wieder über das Essen, weil das meine Art ist, mich mitzuteilen. Und was kann ich besser kontrollieren, als das, was ich esse oder nicht esse? Man kann die Welt nicht kontrollieren, man kann eigentlich nur sehr wenig kontrollieren und ich sollte mich von dem Gedanken befreien, dass ausgerechnet ich anders bin und das kann. Und ich bin so wütend auf mich und will mich bestrafen, weil ich mir eingebildet habe, dass ich mich aus meinem Gefängnis befreien kann. Und ich bin so wütend auf ihn und will ihn bestrafen und ihm zeigen, dass er mir sehr weh getan hat. Und ich will mir selbst wieder beweisen, dass ich keine Nähe brauche, dass ich stärker bin und ich will mit meinem Körper schreien, dass ich sie nicht brauche und dass ich ihn nicht brauche, aber dann auch wieder, dass ich ihn brauche und dass er nicht gehen darf. Und dass er mich festhalten soll. Ich will stark sein, unabhängig wirken und so, als wäre ich der Situation gewachsen und gleichzeitig auch nicht, sondern um Hilfe schreien.

Ich habe einfach angefangen mich zu verlieren... und auf der einen Seite, die Kontrolle zu verlieren, aber auch gleichzeitig, die Kontrolle an mich zu reißen. Ja schon, ich bin halt gefallen und habe mich an dem festgehalten, was ich am besten kann, was mich high macht und mir das Gefühl vermittelt, dass ich unbesiegbar bin: hungern.

Und es macht mich high und ich wache morgens auf und glaube, dass ich es mit der Welt aufnehmen kann. Ich arbeite, ich funktioniere, ich schreibe und schreibe und versuche mir zwanghaft zu beweisen, dass ich lebe, aber eigentlich bin ich innerlich tot. Aber es ist, als wäre das okay? Ich glaube, ich habe mich selbst schon so sehr daran verloren, dass ich gar keinen Zugang mehr zu mir habe und gar keine Gefühle mehr zulassen kann. Entweder verschlingt mich die Leere oder es überrollt mich die falsche Euphorie. Aber ich spüre, dass ich noch am Leben bin, wenn ich jeden Morgen auf die Waage steige und die Zahl weniger wird, immerimmer weniger. Ich bin durchgedreht, ich habe die absolute Kontrolle, was ich esse und was ich trinke, aber über die Essstörung habe ich komplett die Kontrolle verloren.

Ich habe aber gerade keine Kraft, dagegen anzukämpfen? Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mit jedem Tag mehr und jedem Kilo weniger, immer ein Stückchen weiter aufgebe. Nicht mein Leben, das glaube ich nicht, aber irgendetwas eben schon. Mir geht es nicht schlecht, ich bin nicht unglücklich. Manchmal fühlt es sich sogar wieder so an, als wäre ich glücklich, aber nur weil ich so sehr will, dass die Essstörung mich hält und dann bin ich ganz kurz mal nicht mehr innerlich tot.

Ich sagte ja schon ganz am Anfang, dass sich die Stimmen in meinem Kopf endlich nicht mehr streiten und die ganze Energie, die immer dafür aufgebraucht wurde, zwischen meinem gesundem Anteil und meiner blinden Zerstörungswut zu wechseln und zu vermitteln, die ist jetzt einfach da? Ich fühle mich gerade stärker als jemals zuvor, eben als könnte ich alles schaffen, dabei weiß ich eigentlich - und ich weiß es wirklich - dass mein Körper gerade eigentlich so erbittert kämpft, um jedes Gramm. Aber ich habe einfach keinen Hunger mehr und selbst, wenn ich essen will, kann ich es nicht, weil ich einfach nichts herunter bekomme. Ich weiß gar nicht so genau, wie lange das jetzt schon geht, weil es einfach so passiert ist. Ich weiß auch nicht, wie lange dieser Zustand so bleibt? Wie lange können einem all diese Gedanken so sehr den Hals zuschnüren?

D.é`.liéxe


Ich habe mir das alles jetzt nochmal durchgelesen und keine Ahnung, irgendwie müsste da Verzweiflung sein, Angst oder irgendein anderes Gefühl, aber das ist halt gar nicht so.

Wenn ich nicht gerade über sowas nachdenke oder schreibe, dann gehts mir ja sogar irgendwie ganz gut? Ich wache morgens nicht mehr auf und werde direkt von dieser Schwere erdrückt, sondern bin stattdessen ausgeschlafen, stehe gut auf, arbeite an der BA und die nimmt so langsam auch echt Gestalt an, ich bin ziemlich aktiv, ich treffe Menschen... es ist fast, als wäre alles normal?

Ich habe halt nur so gar keinen Hunger und keinen Appetit mehr. Ich lasse mich da nicht gänzlich fallen, sondern versuche tatsächlich sogar trotzdem zu essen. Nicht viel, aber ich zwinge mich. Hm, ich war ja die Woche auch bei meiner Ärztin, um das Langzeit-EKG und meine Blutwerte zu besprechen und abgesehen von der Tachykardie, die ich aber halt auch schon Jahre habe, ist alles top! Ich habe ziemlich gute Blutwerte, die hatte nicht so viel zu beanstanden. Die ist total toll, die nimmt sich immer ziemlich viel Zeit und redet dann auch noch so mit mir, wie es mir so geht. Ich bin da auch immer ziemlich ehrlich und habe eigentlich nichts von dem verschwiegen, was ich gerade tue, also habe ich auch gesagt, dass das Thema Essen momentan sehr schwer ist. Wir sind dann zusammen durchgegangen, was ich momentan so esse und ja, es ist zu wenig - dazu brauche ich aber auch keinen Arzt - , aber wir haben dann überlegt, wo ich ansetzen könnte, damit wir zumindest einen Kompromiss finden und das nicht ausartet. Mit welchen Lebensmitteln ich mich arrangieren kann und so. Auch über Sport haben wir geredet und sie meinte, dass ich nicht komplett aufhören muss, aber auch da eben einen Kompromiss finde, weil sie glaubt, dass Sport für mich trotzdem sehr wichtig ist... einfach als Ausgleich neben der Schreiberei und eben als Ventil.

Dass das so keine Dauerlösung sein kann, darüber waren wir uns einig, aber sie versteht halt auch, dass es ziemlich schwer und vielleicht auch zu viel wäre, wenn ich mich zu sehr fordere, gerade, weil ich ja schon irgendwie viel Stress habe mit allem, auch, wenn die BA gerade relativ läuft. Es belastet mich ja trotzdem. Dass es jetzt gerade halt okay ist, wir aber mein Gewicht irgendwie ein bisschen im Blick haben müssen.

Das sind aber auch alles Dinge, die ich ja selbst auch weiß und ganz blöd bin ich ja auch nicht. Ich weiß ja, dass ich eine gewisse Grundlage brauche, damit ich leistungsfähig genug bin, aber ich weiß eben auch, dass ich mich nicht überfordern darf, weil diese "Stabilität", die ich gerade habe, doch eher ein zartes Pflänzchen ist.

Das ist eben die eine Seite und dann steht dem Ganzen halt das gegenüber, was ich oben geschrieben habe. Das sind wieder zwei so unterschiedliche Welten, aber es ist halt SO händelbar für mich?

d9ana"e87


Bla Bli Blupp.

Da ist ganz schön viel Luftgepluster drinne für eine kurze Botschaft: Ich habs aufgegeben.

D[é3.lixée


Das finde ich ziemlich unfair und irgendwie auch sehr schade, weil ich mir wirklich Mühe gegeben habe, das zu erklären, gerade auch, was das in Bezug auf ihn alles bei mir ausgelöst hat und ja, keine Ahnung, dann halt nicht. Und nein, der Punkt ist ja eben, dass ich nicht aufgegeben habe.

Aber manchmal habe ich auch keine Lust, mir Blabla an den Kopf knallen zu lassen, wenn es mir eigentlich wirklich wichtig war.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH