» »

Uni und Kreativität

rZandomu_daxwg hat die Diskussion gestartet


Seit meinem Studium (etwa seit 4-5 Jahren) habe ich immer mehr das Gefühl, die Uni würde mir meine ganze Kreativität rauben und mich einer Gehirnwäsche unterziehen. Ich weiss, es ist auch Teil des erwachsenwerdens seine kindlichen Eigenschaften hinter sich zu lassen (darunter vorallem Kreativität), aber es ist etwas sehr trauriges. Das gleiche habe ich auch während der Schulzeit erlebt, aber nicht in diesem Maße.

Noch vor dem Studium sind mir zufällige Gedanken durch den Sinn gegangen, mein Humor war irgendwie besonderer und verspielter. Jetzt muss ich mich ziemlich anstrengen um überhaupt einen kreativen und eigen durchdachten Gedanken von mir zu geben. Da ich auch gerne Musik mache ist mir ebenso aufgefallen, dass sich mein Schwerpunkt immer mehr vom Kreativen zum Technischen gewandt hat.

Fühlt sich jemand von euch genauso und wenn ja, wie geht ihr damit um?

Antworten
CIomTran


Die Uni soll dir zwar beibringen, nach akademischen Standards zu handeln und mit einem vermittelten Tiefenwissen arbeiten zu können. Dennoch finde ich, dass man sich seine Kreativität dabei behalten kann - die Einführungskurse und ersten Scheine wirst du nach 5 Jahren ja gemacht haben. Ich weiß ja nicht, was du studierst, aber gerade Forschung & Lehre lebt doch von historischen Sternstunden der Kreativität. Es ist nur nicht die verspielte Kreativität, die du ansprichst. Geht es vielleicht eher darum - um die unbelastete Kreativität?

Warte mal ab, bis du im Beruf bist und 8 Stunden täglich mehr oder weniger weisungsgebunden oder zielgebunden handelst. Dagegen ist die Uni ein kunterbunter Sandkasten ;-)

PCyth!onQisxt


Für deine Kreatitivität bleiben doch locker die Abende/Nächte, Wochenenden, Semesterferien.

Wenn du die Stunden zusammenzählst, sind das viel mehr als die Stunden in der Uni. Und gerade die Uni mit ihren wenigen Pflichtvorlesungen und einem hohen Anteil an Nebenfächern, Wahlpflichtfächern und Zusatzangeboten (und dann die Punkte über ECTS zusammenstückeln) ist doch ne Ausbildungseinrichtung, die recht viel individuelle Freiheit lässt. Also mal verglichen z.B. mit einer Fachhochschule.

Und für den Arbeitsalltag genau so. Wer ne 40 Stunden-Woche hat, hat 7*24-40 = 128 Stunden Freizeit. Das ist 3x mehr.

Und der Raum für Unbelastung sollte doch davon kommen, dass mit der Arbeit ein Einkommen sichergestellt ist. Genau wie eine gute Ausbildung ein sanftes Ruhekissen sein kann, auch eine Arbeitsstelle zu finden.

Und die Kreativität wirst du auch als Erwachsener dringend brauchen, an Stellen wo sie als Kind vorgegeben oder noch nicht gefordert waren:

* für die Gestaltung der eigenen Wohnung/WG-Zimmers,

* die Wahl und Zusammenstellung deines Essens,

* deiner Kleidung und Mobilität,

* für Freizeitaktivitäten und Freunde,

* Partnersuche,

* Geburtstagsgeschenke,

* vielleicht ein Auslandssemester,

* in der Erziehung,

* beim Basteln, Spielen und Toben mit Kindern (den eigenen Kindern, sonst Neffen, Nichten, Nachbarkindern)

* in der Gestaltung einer Partnerschaft,

* und nicht zuletzt beim Sex..

Es lohnt sich, sie zu erhalten und zu fördern.

Fühlt sich jemand von euch genauso und wenn ja, wie geht ihr damit um?

Ich habe mir nach anstrengenden Phasen auch mal 2 Jahre Auszeit gegönnt. Ich plane manche Sachen nicht. Schon öfter mal ÖPNV statt Auto, Laufen und Radfahren in der Stadt, sowie Bahnfahren statt Fernfahrten mit dem Auto, Reste-Kochen frei Schnauze statt Rezept, Wochenendtrip in ein Land mit fremder Sprache fördern die Kreativität deutlich. Ich schalte das Navi nur selten ein. Und ich nehme manchmal bewusst wenig Geld mit oder lasse das Smartphone zuhause. Kreative Freunde färben auch gut auf mich ab - und ich auf sie. Manchmal bin ich Tiersitter für einen Hund. Der bringt auch gut Chaos ins Leben, selbst wenn er gut erzogen ist.

Chomxran


Und für den Arbeitsalltag genau so. Wer ne 40 Stunden-Woche hat, hat 7*24-40 = 128 Stunden Freizeit. Das ist 3x mehr.

Das ist eine Milchmädchenrechnung, denn den Schlaf, die Erholungszeit und Erledigungen musst du abziehen. Wenn ich von der Arbeit komme, kann ich nicht einfach umschalten und kreativ werden. Sport ist da gut. Aber ansonsten muss ich auch mal wieder "ankommen". Effektiv ist bei einer 40-Stunden-Woche die Hälfte der verfügbaren Zeit weg. Ich merke das schon, dass bei mir der kreative Output nur gehemmt rauskommt - Ideen sammeln sich schneller an, als ich sie realisieren kann. Und der größte Zeiträuber ist im Leben nun mal die Arbeit.

MNelxete


random_dawg

Seit meinem Studium (etwa seit 4-5 Jahren) habe ich immer mehr das Gefühl, die Uni würde mir meine ganze Kreativität rauben und mich einer Gehirnwäsche unterziehen. Ich weiss, es ist auch Teil des erwachsenwerdens seine kindlichen Eigenschaften hinter sich zu lassen (darunter vorallem Kreativität), aber es ist etwas sehr trauriges. Das gleiche habe ich auch während der Schulzeit erlebt, aber nicht in diesem Maße.

Ich habe das ähnlich empfunden. Die ganze Erziehung ging einfach irgendwann in die Richtung, dass mir die Dinge, die mir Spaß gemacht haben outgesourced wurden. Dass die ganze Kreativität auf der Strecke blieb, kann ich nicht sagen, denn in jedem Bereich ist Kreativität möglich und auch willkommen. Wenn ich Jus studiere, dann ist Kunst kein Inhalt des Studiums. Egal ob es um ein Instrument geht oder etwas anderes, so habe ich ja auch das nicht in der Schule gelernt, sondern in einem extra Unterricht. Das Problem war gar nicht die zunehmende Konzentration auf das Studium oder vorher die Schule, sondern einfach die fehlende Zeit. Während des Studiums war es tatsächlich so, dass ich keine Bücher mehr gelesen habe, es sei denn, für das Studium, keine Musik oder auch sonst irgendwie groß kreativ war. Das hat sich aber tatsächlich geändert, als ich angefangen habe zu arbeiten. Da war die Zeit wieder da. Die Kreativität geht ja nicht verloren. Sie ist auf "schlummern" gestellt.

Noch vor dem Studium sind mir zufällige Gedanken durch den Sinn gegangen, mein Humor war irgendwie besonderer und verspielter. Jetzt muss ich mich ziemlich anstrengen um überhaupt einen kreativen und eigen durchdachten Gedanken von mir zu geben. Da ich auch gerne Musik mache ist mir ebenso aufgefallen, dass sich mein Schwerpunkt immer mehr vom Kreativen zum Technischen gewandt hat.

Kreativität und Anstrengung sind aber Feinde. Also ich kann nur dann kreativ sein, wenn ich entspannt bin, keinen Stress. Nur dann kann ich unbeschwert sein und diese Unbeschwertheit war auch bei mir mit dem Studium abrupt weg. Ich bin ausgezogen, war für mich selbst verantwortlich, habe gearbeitet, gelernt. Aber die Abende mit den Mitstudenten waren dafür mit viel Spaß verbunden und viel Humor.

Fühlt sich jemand von euch genauso und wenn ja, wie geht ihr damit um?

Mir fiel das damals gar nicht auf, sondern erst, als ich mehr Zeit hatte, also zu arbeiten anfing.

m;nef


Ich weiss, es ist auch Teil des erwachsenwerdens seine kindlichen Eigenschaften hinter sich zu lassen (darunter vorallem Kreativität)

Nein, wie kommst du darauf?

Inwiefern wird einem an der Uni die Kreativität geraubt? Das ist jedem selbst überlassen. Zum Erwachsenwerden gehört vielmehr, Lebensbereiche voneinander zu trennen. Wenn du ein Fach studiert hast, sind kreative Eingebungen und Verschwurbelungen welcher Art auch immer evtl. einfach nicht angebraucht. Das heißt aber nicht, dass du sie nicht 'privat' beibehalten und ausleben kannst.

Jetzt muss ich mich ziemlich anstrengen um überhaupt einen kreativen und eigen durchdachten Gedanken von mir zu geben.

Dann hast du dein Leben vielleicht einfach zu sehr an der Uni ausgerichtet, was aber eher eine persönliche Entscheidung ist/war.

Da ich auch gerne Musik mache ist mir ebenso aufgefallen, dass sich mein Schwerpunkt immer mehr vom Kreativen zum Technischen gewandt hat.

Das hängt doch von der Studienrichtung ab.

Uni ist tendentiell in erster Linie immer mehr verschult und immer mehr Auswendiglernen und reine Reproduktion. Kann man gut finde, ich finds nicht gut. Aber das alles ist nicht schuld daran, wenn man sich umkrempeln lässt.

dqanaxe87


Bei mir ist Kreativität auch Übungssache. Also, wenn ich nach langer Zeit erstmals wieder mein Instrument anfasse, dann fehlt nicht nur den Fingern die Beweglichkeit sondern auch meinem Kopf. Da hilft nur die ersten Hürden einfach überstümpern und gucken, bis der Kopf wieder dabei ist. Vielleicht musst du es nur erstmal einfach wieder regelmäßig tun, damit dein Gehirn da wieder Bahnen aktiviert, die nun eine zeit lang brach lagen.

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH