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Sich von (seelischen) Altlasten befreien

E/l Pzintxor hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

im Laufe des Lebens legen sich alle Erfahrungen , Begegnungen , Enttäuschungen , Erfolge, Eindrücke welche wir tagtäglich sammeln wie ein Schleier auf unser Selbst nieder. Wie bei der Sedimentantion bilden sich unterschiedlische Schichten welche sich gleichsam auf uns ablagern. Auch bei mir hat sich die letzten Jahre ein dicker Bodensatz gebildet und ich merke wie dieser tagtäglich mein Handeln determiniert und mir Kraft und Antrieb raubt und mir den Weg versperrt etwas neues zu wagen. Ich wünsche mir so etwas wie eine innerliche Kartharsis, dass die Zukunft aufhört die Gegenwart zu spiegeln. Die Frage lautet also, wie entrümple ich meinen Keller? Wie entrümpelt ihr euren Keller? Ich will wieder diese Leichtigkeit und Unbeschwertheit in meinem Leben haben. Stattdessen lähmen mich Ängste, Leere , Zukunftsängste, Sinnkrisen etc. Ferner will ich mich auch nicht ständig selbst hinterfragen bzw. alles um mich herum in Frage stellen. Ich bin es Leid über die selben Fragen tagtäglich zu grübeln. Ich will kein Sklave meiner Vergangenheit mehr sein.

Ich weiß dass es keine Kochrezepte gibt um damit fertig zu werden. Jeder findet seinen individuellen und persönlichen Umgang mit seiner Vergangenheit. Gleichwohl es ja allgemein anerkannte Konzepte gibt (Achtsamkeit). Letztlich geht es immer darum eine relativierende Sicht auf die Dinge zu entwickeln um eine Neubewertung der Situation. Trotzdem will ich hier mal die Frage in den Raum werfen wie man am besten die sich von den Fesseln seiner Vergangenheit löst.

Antworten
N5ad,enixa


Also ich schließe mich dieser Frage mal an.

Ich habe die letzten Jahre wirklich sehr hart an mir gearbeitet. Habe angefangen Positiv zu denken und diese ständigen negativen Gedanken gleich gegen positive zu ersetzen.

Mittlerweile fällt es mir deutlich leichter und ich erlebe oft Tage an denen ich mich gut, frei und zufrieden fühle.

Aber ab und zu holt mich mein "altes ich" doch ein und ich fühle mich schlecht. Wegen Dingen welche ewig her sind.

Ob man solche Dinge jemals komplett loslassen können wird?

Zumindest versuche ich weiter mich davon nicht fertig machen zu lassen.

Mkadame MChalrelntoxn


Ob man solche Dinge jemals komplett loslassen können wird?

nein und ich sehe auch wenig Sinn darin, was geschehen ist, ist geschehen - wenn es etwas war dass einen wütend oder traurig macht, dann ist es doch nur natürlich dass es einen emotional berührt wenn man daran denkt....oder wenn es etwas geschieht dass die Erinnerung an Vergangenes triggert.

die emotionale Last sollte natürlich abnehmen, aber es darf einen z.B. auch mit 50 noch etwas wütend machen wenn man in der Kindheit geschlagen wurde (nur als Beispiel)

ich denke es geht weniger um die Akzeptanz der Vergangenheit, sondern mehr um die Akzeptanz der eigenen Emotionen dazu - diese regulieren sich auf ein gesundes Maß wenn man gelernt hat sich und alles was man fühlt und denkt ernst zu nehmen :)_

M-ann0x42


Ich finde die Eingangs-Frage berührt den Sinn des Lebens. Wenn ich verstehe was der Sinn des Lebens ist, dann kann ich auch mit meinen Erfahrungen der Vergangenheit besser umgehen. Das was ich jetzt hier als Sinn des Lebens präsentiere ist nur eine von vielen Möglichkeiten:

Der Sinn des Lebens: In jedem von uns steckt ein "Stück von Gott, oder besser vom Schöpfer". Dass es viele Menschen gibt, die dies nicht so empfinden oder gar abstreiten, tut nichts zur Sache. Es kann ja trotzdem so sein. Und es hängt auch vom Entwicklungsstand der Seele ab. Dieses Stück von Gott ist eben die Seele. Die Seele ist am Anfang ein unbeschriebenes Blatt. Mit Hilfe der menschlichen Inkarnation schwärmt sie quasi aus um Erfahrungen zu sammeln. Das können gute und schlechte Erfahrungen sein. Mit Hilfe dieser Erfahrungen erfährt sich Gott durch seine Schöpfung selber.

Wenn man diess als den Sinn des Lebens betrachtet, dann kann man sich vielleicht leichter von seinen alten und schlechten Erfahrungen frei machen. Gott wertet nicht (meine Meinung, wenn in der Bibel auch was ganz anderes steht.) und darum sind ihm schlechte Erfahrungen genauso lieb wie gute Erfahrungen. Nur wir Menschen mit unserem rationalen und wertenden Verstand sind halt nicht in der Lage die Wertung wegzulassen. Und mit schlechten Erfahrungen tun wir uns deshalb schwer.

die emotionale Last sollte natürlich abnehmen, aber es darf einen z.B. auch mit 50 noch etwas wütend machen wenn man in der Kindheit geschlagen wurde (nur als Beispiel)

Ganz klar darf man das machen. Aber man sollte vielleicht auch bedenken, dass man in der Zeit in der man über Geschehenes nachdenkt und nachsinniert man Zeit verliert in der man über neues, schöneres hätte nachdenken können und es auch umsetzen könnte und dadurch Freude empfinden. Letzten Endes geht es bei diesen "Altlasten" um Verzeihung, Vergebung und Loslassen. Es gehört zu unserem Leben in der Raum-Zeit-Dimension, dass Geschehnisse vergange Realität sind und wir sie nachträglich nicht ändern können. Folglich können wir das Geschehene nur als Realität annehmen und am besten auch wieder loslassen. D.h. geschlagen wurde ich gestern/vor 40 Jahren. Heute bin ich aber der oder die und ich mache dies oder das unabhängig vom alten Geschehen. Nur so kann ich mich frei machen und ohne die Altlasten agieren.

Und noch ein Gedanke (nicht von mir, kann man in 1000 Büchern nachlesen) glücklich sein ist kein Zustand der erfolgt, wenn auf der materiellen Ebene etwas für uns super läuft. Also wenn ich Heidrun einen Heiratsantrag mache und sie ja sagt und wir zwei gesunde Kinder bekommen und uns ein Haus leisten können etc. etc., dann bin ich glücklich, sondern

glücklich sein

ist ein Seins-Zustand. Ich entscheide mich ganz bewußt dafür glücklich zu sein.

MYurphkiliTnuxs


Ich bin ein Baby-Boomer (in den "geburtenstarken" 60igern geboren)und hatte eine grauenhafte Kindheit voller Gleichgültigkeit,Überforderung,Vereinsamung und Gefühllosigkeit.Es braucht keine körperliche Gewalt um Kinder zu misshandeln!

Neben sehr viel Psychotherapie hat mir sehr geholfen,meine Eltern in ihrer Zeit zu verstehen.Zb,dass mein Vater im WK II in Isolationshaft war und meine Mutter während der Berlin-Blockade '46/'47 fast verhungert ist,dass die Familie vom Calwinismus (alles,was dir passiert, hast du in Gottes Augen selbst verschuldet/ verdient) geprägt war etc etc.Ob das eine Entschuldigung ist-keine Ahnung,aber es erklärt/relativiert vieles.Ich konnte Mitgefühl entwickeln.

Die sind krasse Beispiele,aber Eltern haben ja immer eine eigene Geschichte,auch ohne Krieg.

Ziemlich klar,dass ich erstmal kein gesellschaftlich erfolgreiches Leben führen konnte-und das war unglaublich bitter,weil ich immer nur das wollte!!Und mich irgendwann selbst als Versager/Pfeife gesehen und behandelt habe.Als ich dann kurz vorm Selbstmord war,hab ich alle Brücken,alle Kontakte abgebrochen und an einem Ort,an dem mich niemand kannte,daraufhin hingearbeitet,so zuleben/zu sein,wie ich es mir gewünscht hatte.In weiten Teilen hat das geklappt! :)z Beruflich komme ich nicht mehr auf die Beine,damit muss ich leben und natürlich läuft einem immer etwas hinterher.

Aber das Studium im 2.Bildungsweg habe ich buchstäblich geschenkt bekommen....genau wie die Naturheilkunde und anderes.Gewöhnungsbedürftig ist halt,dass man soviele tolle Sachen nur noch inoffiziell und ehrenamtlich macht,ich würde gerne Geld verdienen können,aber

die Vergangenheit ist vergangen.

Das weiss ich heute.Ich bin wieder Studentin in jeder Hinsicht und die Gegenwart ist viel zu schön/aufregend,für endloses Jammern um vergossene Milch."Leben ist,was dir passiert,während du eifrig andere Pläne machst."J.Lennon :)D

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