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Soviele Baustellen im Leben...

jDandLvic hat die Diskussion gestartet


Hallo,

das wird nun ein etwas längerer Text und sicherlich auch kompliziert zu verstehen weil es soviele verschiedene Probleme in meinem Leben gibt.

Ich fange mal bei der Schulzeit an, gerne bin ich nicht zur Schule gegangen. Seit ich mit 8 Jahren dann Übergewicht bekam (der Hausarzt "diagnostizierte" Frustessen als Ursache) und deswegen gemobbt wurde waren meine Leistungen in der Schule schlecht.

Das zog sich über meine gesamte Schulzeit. Doch es hatte Spuren hinterlassen, schon damals konnte ich schlecht Kontakte knüpfen und auf andere zugehen. Irgendwie schaffte ich die Schule dann doch und begann eine Ausbildung.

Aber ich kam in der Realität nicht klar, es gab in der Arbeit immer öfters Probleme da ich unkonzentriert und antriebslos war. Schließlich verschwand ich immer öfter in virtuellen Welten, nach einigen Monaten bestand meine Welt aus Arbeiten, Computer, Schlafen. Und am Ende kündigte ich meine Ausbildung und verbrachte 2 Jahre nonstop am Schreibtisch. Es gab Zeiten da bin ich 2 Monate nicht ein einziges mal aus dem Haus gegangen. Die Versuche meiner Familie mir zu helfen, alle Warnungen und Hilfsangebote habe ich ignoriert. Ich war etwas älter als 16 zu dieser Zeit.

Nach fast 3 Jahren kam mir dann das böse Erwachen. Ich war 19 Jahre, habe für außenstehende quasi aufgehört zu existieren. Die wenigen Bekanntschaften die ich hatte waren verloren, wenn sich jemand nur noch vor dem Computer versteckt fragt man ihn irgendwann auch nicht mehr ob er etwas unternehmen möchte. Einhergehend mit Bewegungsmangel und falscher Ernährung wog ich dann gut 160 Kilo.

Irgendwann schaffte ich es, mich aufzuraffen. Ich änderte meine Ernährung, trieb Sport und schaffte es auf mein Normalgewicht von ~80-85 (schwankt immer ein bisschen) Kilo zu kommen. Doch wie es bei einer so starken Abnahme eben ist und ich noch dazu von der Natur mit einem sehr schwachen Bindegewebe blieb sehr viel an Haut übrig.

In 2 Operationen wurden schließlich 2,5 Kilogramm Haut entfernt. Es wären 2 weitere Operationen nötig um nochmal ca. die gleiche Menge zu entfernen, da ich aber bei der letzten OP schon schwere Komplikationen hatte und das nur knapp überlebt habe traue ich mich da nicht mehr richtig ran.

Durch einen guten Kontakt kam ich schließlich zu einem Job, konnte etwas Geld ansparen, meinen Führerschein machen und ein Auto kaufen. Ich fühlte mich gut, war zum ersten mal in meinem Leben in einer Disco, fand einen guten Freund und dachte es geht bergauf.

Doch bereits kurz nach meinem Gewichtsverlust schlichen sich erste Symptome einer Depression ein, schlechte Stimmung, Reizbarkeit, Antriebslosigkeit, irgendwann auch Suizidgedanken. Aber es war nur phasenweise, zwischendurch hatte ich auch normale Phasen und in ganz wenigen Momenten habe ich mich gut gefühlt.

Anschließend fand ich durch Zufall meine erste Partnerin. Plötzlich war alles vergessen, ich war wie ausgewechselt.

Doch nach etwa 2 Jahren war damit schluss, meine Probleme holten mich wieder ein, was auch die Beziehung belastete. Ich wurde wieder zum Stubenhocker, hatte erneut in der Arbeit Probleme, war unkonzentriert, rasend eifersüchtig. Meine Freundin konnte sich das alles nicht erklären und wir haben uns im Laufe der Zeit auseinander gelebt. Irgendwann erzählte ich ihr von meinen Problemen, allerdings etwas zu spät...sie wollte nicht mehr mit mir zu Hause sitzen, sich nicht sozial isolieren und wusste auch nicht damit umzugehen.

Im Dezember 2016 wurde es wieder ganz akut, ich hatte eine länger dauernde depressive Phase und beschloß meinen ganzen Mut zusammen zu nehmen und zu meinem Hausarzt zu gehen. Ich erzählte ihm von meinen Beschwerden und er meinte es könnte eine depressive Episode sein und ich bekam 10mg Escitalopram. Zusätzlich wurden mir Spaziergänge an der frischen Luft verordnet die mir subjektiv gefühlt auch sehr geholfen haben.

Die Therapie schlug nach etwa 2 Wochen sehr gut an, ich konnte meine Gedanken sortieren, auch mal abschalten und wurde optimistischer.

Nach 6 Monaten beschloß ich mit meinem Arzt, es ohne Medikamente zu probieren. Eine neue Stelle habe ich auch angetreten, ich wollte ganz neu durchstarten ohne Altlasten.

Aber lange hielt meine geistige Gesundheit nicht an. Nach nicht einmal 3 Monaten stehe ich nun wieder dort wo ich anfing. Den neuen Job habe ich verloren in der Probezeit da sich wieder meine alten Symptome eingeschlichen haben. Ich habe es einfach nicht bemerkt.

Jetzt bin ich wieder auf dem Status quo ante: Ich scheue soziale Kontakte, bekomme bei ganz einfachen Dingen wie Einkaufen (wenn ich überhaupt dazu in der Lage bin) schnell Schwindel, Kopfschmerzen und Panik. Ich habe kein Selbstwertgefühl, Suizidgedanken schleichen sich wieder ein, ich habe starke Stimmungsschwankungen, fühle mich durch die Nachwirkungen des Übergewichts entstellt und weiß bei sovielen Baustellen gar nicht wo ich anfangen sollte und wie ich soviele Baustellen überhaupt schaffen soll.

Mein Umfeld (zumindest die Leute, die wissen dass ich mich so entstellt fühle) findet meine Bedenken lächerlich und übertrieben, ebenso mein Argument dass eine Partnersuche SO überhaupt keinen Sinn machen würde und ich bei meiner ersten Partnerin nur Glück hatte. Auf Wunsch schicke ich gerne Bilder (keine Angst nichts verwerfliches), jedoch nur per PN ich bin ja schon paranoid dass jemand mich hier erkennen könnte.

Was ich mir nicht erklären kann: Ich fahre seit 3 Jahren im Rettungswagen als Sanitäter mit, sobald ich meine Uniform anhabe verschwinden meine Selbstzweifel und ich bin ein anderer Mensch. Ich kann mit Patienten kommunizieren, fühle mich in der Anwesenheit der Kollegen wie "einer von ihnen", zusammen mit den anderen auf der Dienststelle sitzen einen Kaffee trinken, sich unterhalten, das sind Dinge die ich niemals in "Zivil" machen könnte. Die Uniform ist für mich Schutzkleidung im doppelten Sinne.

Ich weiß, das ist jetzt eine richtig dicke Wall of Text geworden und wenn jemand keine Lust hat sich das durchzulesen verstehe ich es gut. Mein nächster Weg ist am Montag zum Hausarzt um wieder mit den AD's anzufangen, vielleicht schaffe ich es auch ihn auf eine Psychotherapie anzusprechen, ich weiß nicht ob meine Probleme überhaupt noch behandelbar sind oder ich ein hoffnungsloser Fall bin :(v Aber es tat gut, sich das Leid etwas von der Seele zu schreiben.

Ich wünsche euch allen ein schöneres Wochenende als ich es habe.

Antworten
O?ran.geYCanByon


Die Therapie schlug nach etwa 2 Wochen sehr gut an, ich konnte meine Gedanken sortieren, auch mal abschalten und wurde optimistischer.

Nach 6 Monaten beschloß ich mit meinem Arzt, es ohne Medikamente zu probieren. Eine neue Stelle habe ich auch angetreten, ich wollte ganz neu durchstarten ohne Altlasten.

Antidepressiva sollten in erster Linie von einem Psychiater im Zuge einer Therapie verschrieben werden. 6 Monate Medikamente zu nehmen, aber nicht an der Psyche und am eigenen Verhalten zu arbeiten und so weiter zu machen wie bisher, kann nicht gut gehen.

Dein Weg sollte also an erster Stelle in Richtung Psychotherapie gehen und nicht in Richtung Antidepressiva und mal schnell ein Rezept dafür vom Hausarzt holen.

jmandv"ixc


Antidepressiva sollten in erster Linie von einem Psychiater im Zuge einer Therapie verschrieben werden. 6 Monate Medikamente zu nehmen, aber nicht an der Psyche und am eigenen Verhalten zu arbeiten und so weiter zu machen wie bisher, kann nicht gut gehen.

Dein Weg sollte also an erster Stelle in Richtung Psychotherapie gehen und nicht in Richtung Antidepressiva und mal schnell ein Rezept dafür vom Hausarzt holen.

Das kam vielleicht etwas falsch rüber, mein Hausarzt hat die Zusatzqualifikation Psychotherapeutische Medizin und ging von einer depressiven Episode aus. Um meine Gemütslage zu stabilisieren versuchte man also die medikmentöse Therapie die auch sehr gut anschlug und ich die falsche Hoffnung hatte, die Geschichte wäre so einfach aus der Welt zu schaffen. Bei mehreren folgenden Terminen berichtete ich dann von meinem wohlergehen und somit war auch kein wirklicher Ansatz mehr für eine Therapie vorhanden. Wenn ich am Montag erneut vorstellig werde, wird die Behandlung wohl in Richtung medizinisch unterstützter Therapie gehen, hoffe ich zumindest.

OtraSngeCxanyon


Um meine Gemütslage zu stabilisieren versuchte man also die medikmentöse Therapie die auch sehr gut anschlug und ich die falsche Hoffnung hatte, die Geschichte wäre so einfach aus der Welt zu schaffen. Bei mehreren folgenden Terminen berichtete ich dann von meinem wohlergehen und somit war auch kein wirklicher Ansatz mehr für eine Therapie vorhanden.

Antidepressiva sollen helfen, dich in einen Gemütszustand zu versetzen, der es ermöglicht am eigentlichen Problem zu arbeiten. Aber Medikamente ohne Begleittherapie ist nur Symptom- und keine Ursachenbekämpfung.

Das sollte dein Arzt eigentlich auch wissen, zumal ich davon ausgehe, dass er auch sicher deine Vorgeschichte kennt.

Viel Glück am Montag :)

S*um\iKl&ee


@ OrangeCanyon :)^

@ jandvic

Wie sieht es mit Deiner körperlichen Gesundheit aus? Können bei Dir Mangelerscheinungen (Vitamin B12 Mangel, hormonelle Störungen...etc) ausgeschlossen werden, die auch depressive Symptome auslösen können? Ich frage deshalb, weil Du geschrieben hattest, dass Du nach Deinem starken Gewichtsverlust (übrigens, meine Hochachtung für Deine Disziplin! :)= ) die ersten Symptome erlebt hast...

Hast Du vielleicht daran gedacht, dass die Wiederkehr Deiner Symptome mit dem Absetzen des Serotonin-Wiederaufnahmehemmers zu tun haben könnte (SSRI- Absetzsyndrom)?

Alles Gute am Montag!

jrandvvlic


Antidepressiva sollen helfen, dich in einen Gemütszustand zu versetzen, der es ermöglicht am eigentlichen Problem zu arbeiten. Aber Medikamente ohne Begleittherapie ist nur Symptom- und keine Ursachenbekämpfung.

Das sollte dein Arzt eigentlich auch wissen, zumal ich davon ausgehe, dass er auch sicher deine Vorgeschichte kennt.

Viel Glück am Montag :)

Er kennt die Geschichte schon, nur halt nicht im Detail, das würde einfach mehrere Stunden dauern wirklich alle Einzelheiten durchzugehen, man weiß ja wie ausgelastet Arztpraxen sind.

Wie sieht es mit Deiner körperlichen Gesundheit aus? Können bei Dir Mangelerscheinungen (Vitamin B12 Mangel, hormonelle Störungen...etc) ausgeschlossen werden, die auch depressive Symptome auslösen können? Ich frage deshalb, weil Du geschrieben hattest, dass Du nach Deinem starken Gewichtsverlust (übrigens, meine Hochachtung für Deine Disziplin! :)= ) die ersten Symptome erlebt hast...

Hast Du vielleicht daran gedacht, dass die Wiederkehr Deiner Symptome mit dem Absetzen des Serotonin-Wiederaufnahmehemmers zu tun haben könnte (SSRI- Absetzsyndrom)?

Alles Gute am Montag!

Körperlich ist alles in bester Ordnung, ich wurde in den letzten Jahren mehrmals gründlich untersucht, bevor ich mir bewusst war dass etwas nicht stimmt war ich mehrmals wegen plötzlich auftretenden Kopfschmerzen, immer wieder kehrende Verspannungen und Schwindel (hauptsächlich in sozialen Situationen was ich aber damals nicht so wahrnahm) beim Arzt wobei dort auch mehrmals Blut und Harn untersucht wurden, auch ein großes Blutbild. Ein MRT der Brustwirbelsäule ergab auch keinen behandlungsbedürftigen Befund, ebenso wenig ein Ultraschall des Bauchraumes, wurde vom Orthopäden angeordnet da man im Bewegungsapparat nichts fand.

Seit ich dann mit den SSRI anfing hatte ich keines dieser Symptome mehr, konnte mich "frei" und überall hin begeben, hatte keine Angst mehr vor sozialer Interaktion. Zufrieden mit mir war ich trotzdem nicht, es beherrschte aber nicht mehr 24 Stunden meine Gedanken.

Vorhin habe ich mich zu einem kleinen Spaziergang und einem kleinen Einkauf durchgerungen, ich komme mir vor wie jemand von einem anderen Planeten, ich weiß nicht wie ich reagieren soll wenn ich an der Ampel warte, wenn mir jemand entgegen kommt wechsel ich am liebsten die Straßenseite. Der Einkauf selbst lief erstaunlich gut, dafür der Heimweg wieder nicht so gut ":/

j'an_dvic


So, ich war heute beim Hausarzt. Als Erstmaßnahme habe ich wieder begonnen, Escitalopram einzunehmen, dazu habe ich eine Überweisung zum Facharzt für Psychiatrie um eine Untersuchung mit Verdacht auf Sozialphobie und rezidivierende depressive episoden.

Jetzt, wo ich den Stein ins rollen gebracht habe, fühle ich mich sehr erleichtert. Und bin bereit den Kampf aufzunehmen.

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