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Menschenähnliche Puppen: Helfen sie, Angst/Trauer zu überwinden?

KzattRhulxt hat die Diskussion gestartet


Hallo alle zusammen,

ich habe vor kurzem einen Artikel in der Süddeutschen gelesen und seither beschäftigt mich dieses Thema. Es geht dabei um Menschen, die mit diesen lebensechten Puppen zusammenleben.

Das ist der Link zum Artikel: sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anz eben-zu-koennen

Zunächst war ich ein bisschen... hm, nennen wir es mal pikiert, dass jemand lieber mit menschenähnlichen Puppen zusammenlebt als mit echten Menschen. Diese Sexpuppen aus Silikon kennt man ja, aber die Fotografin in dem Artikel stellt diese Art der Puppen bzw. das Sexuelle gar nicht so sehr in der Vordergrund. Ihr geht es bei ihrem Projekt mehr um die Kontrolle und das "nicht mehr verletzt werden können" der Personen. Das fand ich dann schon wieder einleuchtender. Diesen psychologischen Aspekt finde ich sehr interessant.

Oder auch die Baybpuppen, die von Frauen zusammengebaut und wie Babys behandelt werden. Irgendwie befremdlich, aber ich glaube, dass da wirklich schlimme Schicksale dahinter stecken und so Frauen vielleicht Schmerz und Trauer verarbeiten können.

Ich hatte das vorher noch gar nicht so gesehen, aber je mehr ich mich da reindenke, desto nachvollziehbarer ist das für mich. Jeder Mensch hat das Bedürfnis nach Nähe und Liebe, will nicht verletzt werden und nicht einsam sein. Und wenn das mit einem echten Menschen nicht geht … dann mit einer Puppe, die ich angstfrei (keine Verletzungen, kein Verlassenwerden … ) lieben kann. Aber ist das jetzt traurig oder tröstlich?

Antworten
KpattGhult


Der Link hat nicht funktioniert. Hier nochmal: [[http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/46367/Die-Puppen-sind-eine-Moeglichkeit-angstfrei-lieben-zu-koennen]]

Ctomr7an


Es wirkt ein bisschen bizarr auf mich. Die Puppe in meinem Haus wäre eine tägliche Erinnerung, dass ich nichts wert bin. Wie tief muss man fallen, um mit einer Puppe einen Ersatz zu schaffen? In einer Prosituierten sehe ich noch einen Zweck - sie ist ein Mensch, erbringt eine Dienstleistung und erfüllt einen Vertrag. Das kann schon ein trauriger Hintergrund sein (wenn man sich nicht traut, zu Frauen in Kontakt zu treten). Es kann aber auch eine rein praktische Veranlagung sein (Lust auf Sex als reine Betätigung).

Aber Puppen? Ich fand schon reine Sexpuppen immer ziemlich spooky. Diese besonders realistischen Puppen wären mir zuhause aber unheimlich - als hätte ich mich vom realen Leben verabschiedet und vor meinen psychischen Problemen kapituliert. Schließlich wird man sich mit einer solchen Puppe nie den eigenen Problemen stellen. Und so wird die Puppe zum Ersatz und auch zur Sucht.

B$oxsprjingbxett


Also dann doch lieber einen Hund. Der geht wenigstens mit einem nach draußen, hat echte Gefühle und mit ihm reden kann man auch.

M=eletxe


Zunächst war ich ein bisschen... hm, nennen wir es mal pikiert, dass jemand lieber mit menschenähnlichen Puppen zusammenlebt als mit echten Menschen. Diese Sexpuppen aus Silikon kennt man ja, aber die Fotografin in dem Artikel stellt diese Art der Puppen bzw. das Sexuelle gar nicht so sehr in der Vordergrund. Ihr geht es bei ihrem Projekt mehr um die Kontrolle und das "nicht mehr verletzt werden können" der Personen. Das fand ich dann schon wieder einleuchtender. Diesen psychologischen Aspekt finde ich sehr interessant.

Das ist doch egal, ob die Puppe nun mehr ein sexuelles Interesse ist oder nicht. Sie erfüllt Bedürfnisse, egal ob für den Alltag oder sexuell und was im Vordergrund steht, hängt einfach von den Bedürfnissen des Besitzers ab. Mir ist es lieber, jemand besitzt eine Puppe für seine sexuellen Bedürnisse, anstatt Frauen zu bedrängen, die nichts von ihm wisen wollen. Was er mit der Puppe macht, ist seine Sache.

Findest du es tröstlich oder traurig, dass ein Kind ein Lieblingsspielzeug hat und viele haben zu diesem Lieblingsspielzeug, oft einem Bären oder einer Puppe ihr Leben lang ein intimes Verhältnis, erzählen ihm oder ihr immer alles. Ist doch nichts anderes.

Ich hatte das vorher noch gar nicht so gesehen, aber je mehr ich mich da reindenke, desto nachvollziehbarer ist das für mich. Jeder Mensch hat das Bedürfnis nach Nähe und Liebe, will nicht verletzt werden und nicht einsam sein. Und wenn das mit einem echten Menschen nicht geht … dann mit einer Puppe, die ich angstfrei (keine Verletzungen, kein Verlassenwerden … ) lieben kann.

Ja, das wäre das Bedürfnis, nur kennen wir die Welt, wie sie ist und an welcher verdammten Ecke wird einem nicht mehr oder minder vorgeschrieben, wie man zu sein hat, wie man denken und fühlen soll, wie man ausschauen soll, wie man sich verhalten soll, usw. Ich kann bald nicht mehr in meinen vier Wänden pinkeln wie ich will, weil es schon für fast alles irgend eine beschissene Regel gibt, die mir vorschreibt, wie ich zu sein habe. Das ist natürlich etwas überspritzt, aber nur etwas. Da brauche ich mich nicht zu wundern, dass sich mancher Mensch einfach nicht anders zu helfen weiß, als sich von diesem Regelwerk zurückzuhien. Und wenn sich jemand mit so einer Puppe gut einrichtet und sich gut fühlt, ist das immer noch mehr, als so manch anderer, der sich selbst so zerfrisst, dass er in Depressionen endet und ständig damit kämpft herauszukommen.

Aber ist das jetzt traurig oder tröstlich?

Ich an deiner STelle würde mir die Frage stellen, ob es nicht traurig ist, in so eine Gesellschaft hineingeboren zu werden, in der sich Menschen nicht aufgenommen fühlen, so wie sie sind.

Es wirkt ein bisschen bizarr auf mich. Die Puppe in meinem Haus wäre eine tägliche Erinnerung, dass ich nichts wert bin. Wie tief muss man fallen, um mit einer Puppe einen Ersatz zu schaffen? In einer Prosituierten sehe ich noch einen Zweck - sie ist ein Mensch, erbringt eine Dienstleistung und erfüllt einen Vertrag.

Nun, in manchen Laufhäusern wohnt eine Prostituierte neben so einer Puppe und die Freier entscheiden auch da schon nicht immer für die Prostituierte. Ich finds aber amüsant, dass du jemanden als unwert ansiehst, wenn er die Dienstleistung einer Prostituierten in Anspruch nimmt und wenn er die Puppe nimmt, dann kann er sich noch weniger wert vorkommen. Jaja, klar, du würdest es so empfinden. Trotzdem klingt es für mich, als würdest du diese Wertigketi auf Menschen übertragen, die eine Puppe als Lebensgefährtin haben und auf sie herabsehen.

Also dann doch lieber einen Hund. Der geht wenigstens mit einem nach draußen, hat echte Gefühle und mit ihm reden kann man auch.

Groß Antworten gibt der Hund aber auch nicht. ":/

Die Besitzer der Puppen fahren mit ihren Puppen auch durch die Gegend. Ihre eigenen Gefühle sind ja keine Illusion. Die Puppen haben keine. Ist das gleiche, wie die immaginäre Fräundin. Aber vielleicht sollten wir das in Zukunft auch verbieten. Das tun wir ja so gerne.

HPasenr(eich


Oder auch die Baybpuppen, die von Frauen zusammengebaut und wie Babys behandelt werden. Irgendwie befremdlich, aber ich glaube, dass da wirklich schlimme Schicksale dahinter stecken und so Frauen vielleicht Schmerz und Trauer verarbeiten können.

Ich hab mir den Link angesehen - und finde es auf den ersten Blick auch befremdlich. Auf den zweiten Blick - denke ich, wie traumatisiert müssen Menschen sein, die mit menschenähnlichen Puppen zusammen leben......

Ich stelle mir Menschen vor, die schreckliche Traumen durchlitten haben, gerade das mit den Babypupen, Kinder, die einfach verschwunden sind und dann das Allerschlimmste zur Gewissheit wurde.....wurde.....ermordet - andere die ihre Partner auf schreckliche Weise verloren haben - oder deren Ehe / Partnerschaft eine einzige Hölle war..........

Ja, ich denke schon, dass diese Puppen eine Hilfe sein können, nach einem furchtbaren Trauma überhaupt weiterleben zu können.

Schließlich wird man sich mit einer solchen Puppe nie den eigenen Problemen stellen. Und so wird die Puppe zum Ersatz und auch zur Sucht.

Mit solchen Urteilen wäre ich sehr vorsichtig. Wir sehen den Menschen nur vor den Kopf - was wissen wir, was Menschen durchlebt / durchlitten haben - und wer will einem traumatisierten Menschen vorschreiben, WIE er sein Leid zu verarbeiten hat?

Ciomnran


Ich finds aber amüsant, dass du jemanden als unwert ansiehst, wenn er die Dienstleistung einer Prostituierten in Anspruch nimmt

Eigentlich habe ich das Gegenteil geschrieben? ":/

Trotzdem klingt es für mich, als würdest du diese Wertigketi auf Menschen übertragen, die eine Puppe als Lebensgefährtin haben und auf sie herabsehen.

Nicht die Wertigkeit, mit der ich diese Person betrachte (ich finde es eher traurig). Sondern ich würde mich in dieser Situation selbst sehr unwert fühlen, da ich mit einer Puppe fehlende menschliche Kontakte kompensieren müsste - das ist kein Urteil von außen. Also mein Stolz würde mir das verbieten. Und dieser Stolz ist den Menschen offenbar schon abhanden gekommen - wie mag es also in ihrer Gefühlswelt aussehen?

e?nigm3a>t<ic1606


Nun, in manchen Laufhäusern wohnt eine Prostituierte neben so einer Puppe und die Freier entscheiden auch da schon nicht immer für die Prostituierte.

[[https://uk.news.yahoo.com/sex-doll-brothel-opens-germany-mens-wives-wait-cars-outside-123502938.html Pass ja zum Thema.]]

K~antenmfechaniGkexr


Ich selbst könnte nicht mit einer Puppe...aber es gibt einen wunderbaren Film über dieses Thema, mit Ryan Gosling: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Lars_und_die_Frauen

CUhoupet&te_<F{inn*iaxn


Ich glaube sowas ist schlichtweg wegrennen. Man lebt lieber mit etwas, das tot ist und die Gefühle nicht verletzten kann, als sich dem Leben zu stellen. Ich denke, man darf auch mal wegrennen. Aber bei etwas so grundlegendem wie menschlichen Kontakt? Ne.

MMyasarena#ria


So eine Puppe als Lebensgenosse ist vergleichsweise als harmlos anzusehen. Schlimm finde ich sowas (die Älteren werden sich erinnern) wie Japaner (Kinder und auch Erwachsene) und ihre Tamagotchis, also diese Kästchen mit dem grobpixeligen Hund im Display, für den sein Besitzer "Verantwortung" wie Knöpfe für Füttern und Streicheln drücken übernehmen muss, damit er nicht den elektronischen Tod stirbt.

Übrigens kann man heutzutage gerade bei jungen Menschen auch die zahllosen virtuellen Facebook- und Chat"freunde" ähnlich sehen wie eine Puppe als Gefährte.

s]ensiEbael~m*axnn99


Aber ist das jetzt traurig oder tröstlich?

Alles, was einem Menschen hilft, sein Problem zu lösen, ohne anderen in deren Freiheit einzugreifen, ist richtig- also tröstlich.

M}yaa5r@enarxia


Nein! Viele Menschen nutzen den Problemlöser Alkohol, und das funktioniert auch ziemlich lange. Dann greift es sehr wohl in den Interessenbereich anderer Menschen bzw. der Allgemeinheit massiv ein, sei es durch einen trunkenheitbedingten schweren Autounfall oder eine alkoholinduzierte schwere Erkrankung samt Berufsunfähigkeit und/oder teure Therapie.

Gelöst werden Probleme weder durch Alkohol noch durch einen Robotergefährten.

eynigmat[ic1606


Gelöst werden Probleme weder durch Alkohol noch durch einen Robotergefährten.

Nur tut die Robotergefährtin niemandem weh, anders als der betrunkene Autofahrer das sehr wahrscheinlich tut. Und sie lindert das Leid des Einzelnen. Gibt also nichts dagegen einzuwenden.

s!ens)i7bbelma\nnx99


Gelöst werden Probleme weder durch Alkohol noch durch einen Robotergefährten.

Mit dem Thema Robotergefährten hat sich der Film [[https://de.wikipedia.org/wiki/A.I._%E2%80%93_K%C3%BCnstliche_Intelligenz A.I. – Künstliche Intelligenz]] science-fictionartig auseinandergesetzt und viele Felder gezeigt, wo tatsächlich Menschen geholfen werden kann. Eine Menschenpuppe ist nur eine Vorstufe davon. Es taucht auch die Frage auf, wann ist ein Mensch ein Mensch oder wann ist ein Roboter ein Mensch. Ich glaube, dass das Problem von Puppen- oder Robotergefährten geringer ist, wenn die Menschen sozialer im Umgang miteinander werden, wenn sie weniger egoistisch denken und handeln, wenn sie mehr aufeinander zugehen anstatt sich abzugrenzen.

Puppe oder Robotergefährte ist ja oft nur eine Notlösung, die aber in dem Moment durchaus eine Hilfe darstellen kann.

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