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Neid auf andere Betroffene (Angst/Depressionen)

k`lei`ne_axida hat die Diskussion gestartet


Hallo, ich leide schon ganz lange unter Ängsten und Depressionen, habe schon verschiedene Therapien gemacht und war/bin in einer Selbsthilfegruppe, in diversen FB-Gruppen zum Thema und habe auch einige reale Bekannte dadurch.

Eigentlich war ich immer froh, dass es die Möglichkeit gibt, mit anderen Betroffenen in Kontakt zu kommen, aber seit ich trotz meiner Ängste und Depressionen arbeite, bin ich einfach nur noch frustriert und neidisch. Die meisten anderen Betroffenen arbeiten nämlich nicht, obwohl sie normaler und kommunikativer wirken als ich. Ich gehe jeden Tag mit Angst und Bauchschmerzen zur Arbeit, bin immer nervös und kann zu niemandem (Kollegen, Klienten etc.) keine richtige Beziehung aufbauen, schäme mich die ganze Zeit für alles Mögliche, bin antruebslos... Wenn ich dann wieder Kontakt mit anderen Betroffenen habe und Sätze lese/höre wie z.B., sie könnten nicht arbeiten oder Arbeiten wäre ja sowieso nur Ausbeutung, werde ich voll sauer und denke, dass ich mich gar nicht trauen würde, so eine Haltung einzunehmen.

Eigentlich waren diese Gruppen mit anderen Betroffenen immer ein Schutzraum für mich, wo ich mich wohl/verstanden gefühlt habe, aber seit ich arbeite, obwohl ich starke Ängste habe, bin ich nur noch frustriert und fühle mich gar nicht mehr zugehörig zu den anderen.

Mich macht es irgendwie wütend, dass Menschen wegen sozialer Ängste entscheiden, dass sie nicht arbeiten können/wollen, obwohl sie viel kommunikativer und kontaktfreudiger wirken als ich. Es gab mal ein reales Treffen, da haben alle außer mir viel geredet und gelacht, nur ich saß verkrampft daneben. Für mich ist es paradox, dass gerade ich arbeiten und mich so quälen "muss".

Was könnte ich dagegen machen? Fühle mich nirgendwo mehr zugehörig. Bei den normalen selbstbewussten Menschen nicht, die keine Angst beim Arbeiten haben, aber auch nicht bei den anderen Betroffenen, die größtenteils nicht arbeiten oder sich ständig negativ über Arbeiten äußern. Ich kenne eigentlich niemanden, der so stark ängstlich ist wie ich, aber trotzdem arbeiten geht. Mir fehlen irgendwie gleichgesinnte Bezugspersonen. :(

Antworten
Nvordxi84


Eigentlich waren diese Gruppen mit anderen Betroffenen immer ein Schutzraum für mich, wo ich mich wohl/verstanden gefühlt habe, aber seit ich arbeite, obwohl ich starke Ängste habe, bin ich nur noch frustriert und fühle mich gar nicht mehr zugehörig zu den anderen.

Ohne selbst was mit solchen Gruppen zu tun zu haben würde ich vermuten das es nicht wenige Menschen gibt die in ihrer Krankheit "schwelgen". Entweder aus so ner Art Selbstbetrug ("so wie es jetzt ist geht es mir super, Arbeit ist nur Ausbeutung") um sich nicht mit der Realität auseinander setzen zu müssen, vielleicht weil sie garnicht so richtig krank sind sondern eher auf dem "Modetrip Depression" und vielleicht auch einfach nur als Show nach außen im Sinne von "bloß keine Schwäche zeigen".

Es ist schwer hinter die Online-Maske zu schauen, selbst gesunde Menschen zeigen da ja bloß das Bild von sich das sie zeigen wollen und spielen eine Rolle. Das kann der sein, der nur Fotos von Urlauben, Ausflügen und Unternehmungen postet um zu zeigen wie toll sein Leben doch ist oder auch derjenige der krampfhaft lustig oder auch tiefsinnig sein will (mit den entsprechenden Sprüchen im Profil). Was da wirklich hinter steckt weiß man nunmal nicht, das wird in diesen Selbsthilfegruppen nicht anders sein.

Möglicherweise leiden dort auch Menschen unter der selben Angst und den gleichen Kommunikationsproblemen wie du, die überspielen das aber entweder oder sie posten einfach garnichts in diese Richtung weil ihre Angst sie lähmt.

L(ila8x4


Die meisten anderen Betroffenen arbeiten nämlich nicht, obwohl sie normaler und kommunikativer wirken als ich. Ich gehe jeden Tag mit Angst und Bauchschmerzen zur Arbeit, bin immer nervös und kann zu niemandem (Kollegen, Klienten etc.) keine richtige Beziehung aufbauen, schäme mich die ganze Zeit für alles Mögliche, bin antruebslos... Wenn ich dann wieder Kontakt mit anderen Betroffenen habe und Sätze lese/höre wie z.B., sie könnten nicht arbeiten oder Arbeiten wäre ja sowieso nur Ausbeutung, werde ich voll sauer

kleine_aida

Hallo, lb. TE :-)

eine Arbeit kann auch eine wichtige Stütze sein (Alltagsstrukturierung), die anderen Menschen fehlt.

Schade, dass Du das Gefühl hast, zu Kollegen keine richtige Beziehung aufbauen zu können. Warum?

Haben die Ängste, zur Arbeit zu gehen, damit zu tun? Oder gefällt Dir Deine Arbeit nicht?

Selbsthilfegruppen können sehr unterschiedlich gestaltet sein. Vielleicht ist die Gruppe einfach die falsche? Gäbe es die Mölichkeit, in eine andere Gruppe reinzuschauen?

Es ist klasse, dass Du Arbeiten gehst und Dich nicht durch Deine Krankheit entschuldigst. Messe Dich nicht mit den anderen in der SHG.

Deinen individuellen Weg kannst Du so gestalten, wie Du es für richtig erachtest.

Seit einem halben Jahr mache ich eine Therapie (gestaltet durch Einzel, Gruppe, andere Angebote) und in der (kleinen, 6 Leute+ Therapeutin) Gruppe ist nur Einer, der laufend krankgeschrieben ist.

Ach und der "scheiß auf Arbeit - Freibier für alle" - Pogo - Parteiduktus ist doch alt. Wenn das der einzige Lebensinhalt sein soll, Glückwunsch. Ist Dir mal aufgefallen, dass es eine gewisse Sparte von Menschen gibt, die ein Talent besitzen, immer anderen die Schuld zu geben. Zur Not dem Staat, da gibt es immer was auszusetzen ;-)

Schlussendlich kommt es darauf an, was Du Dir für Dich wünschst?!

Hab einen guten Tag :)*

L5ilwax84


P.S. Z.11"nur Einer, der laufend krankgeschrieben ist" = nur Einer, der somit die Arbeit umgeht, sonst arbeiten wir alle.

zum Verständnis ;-)

k8leine_iaixda


Ich denke immer, Leute wollen mir was Negatives oder mögen mich nicht, ich bin immer total nervös und ernst. Seit ich Arbeit (ca. 8 Monate) fühle ich nur noch Stress.

Die Arbeit ist von den Aufgaben her ok, teilweise am PC, teilweise mit Kunden. Es sind halt immer viele Leute/Kollegen da, die oft Smalltalk führen und lachen und da gerate ich innerlich oft sehr in Panik und habe Angst, mit meinen Ängsten/Depressionen aufzufallen.

Wenn ich dann nach einem anstrengenden 9-Std-Tag nach Hause komme und in diesen Gruppen lese oder zur SHG gehe und dann oft sowas lese wie

- das ganze System ist scheiße

- es gibt sowieso nicht genug Arbeit

- Jobcenter soll einen in Ruhe lassen mit irgendwelchen Jobangeboten

- man sollte als Arbeitsloser mehr Geld pro Monat bekommen

- jemand mit 38 denkt, er hätte sowieso keine Chance mehr in seinem Alter

Mich nervt das so sehr und ich frage mich dann immer, warum ich so dumm bin und mich zur Arbeit quäle. :( Das sind auch nicht irgendwelche dummen Proleten, sondern sie können sich gut ausdrücken. WEnn ich was über meine Arbeit erzähle, werde ich so hingestellt, als wäre ich viel stärker oder weniger ängstlich als sie, was aber überhaupt nicht stimmt. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand noch unsicherer oder ängstlicher ist als ich.

Oder die Berichte über meine Arbeit werden als Bestätigung für die bestehende Arbeitslosigkeit gesehen, also wenn andere (ich z.b.) so viel Stress habe, sollte man wirklich besser nicht arbeiten..

NZordix84


Ich denke du solltest da in dich gehen und für dich selbst entscheiden ob diese Gruppe dir noch gut tut. Bringt die dir noch soviel das du die Energie und Mühe investieren solltest oder zieht sie dich zu sehr runter ?

Ich denke du hast dich einfach weiterentwickelt in dem du trotz deiner Krankheit und deiner Probleme versuchst einen normalen und geregelten Alltag zu leben, du bist dieser Gruppe möglicherweise einfach entwachsen.

M3i[lky#_ex77


Willst du denn arbeiten oder wärst du auch lieber zuhause, so wie die anderen in der Gruppe?

Bist du neidisch weil die anderen sich ihre Arbeitslosigkeit gönnen oder bist du stolz auf dich, weil du dich überwindest und was leistest?

LHiolai84


Ich denke immer, Leute wollen mir was Negatives oder mögen mich nicht, ich bin immer total nervös und ernst. Seit ich Arbeit (ca. 8 Monate) fühle ich nur noch Stress.

Seit wann hast Du diese Gedanken, dass Leute Dich nicht mögen, Dir schlechtes wünschen, etc? War das vor Deiner jetzigen Arbeit auch schon so?

Mich nervt das so sehr und ich frage mich dann immer, warum ich so dumm bin und mich zur Arbeit quäle. :( Das sind auch nicht irgendwelche dummen Proleten, sondern sie können sich gut ausdrücken.

Äh, viele intelligente Menschen nutzen ihre Klugheit zum Negativen.

Falls Du es tatsächlich als "dumm" erachtest, zur Arbeit zu gehen, verstehe ich Deinen Beweggrund, es dennoch zu tun, nicht ganz.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand noch unsicherer oder ängstlicher ist als ich.

Möchtest Du Mitleid? Gibt das ein Battle in "mimimi, mir geht es aber viel schlechter, als dir!"?

Meine Zeilen sollen Dich nicht angreifen. Aber lies Dir vllt. nochmal durch, was Du geschrieben hast.

Falls Dir Dein Alltag so belastend erscheint, verstehe ich nicht, warum Du Dein Leben nicht änderst und warum Du keine Therapie machst. Vielleicht haben die vorherigen Dir nicht geholfen, Deine Ängste zu bändigen..eine SHG reicht für Manches nicht aus.

NsorCdi8x4


eine SHG reicht für Manches nicht aus.

Ganz im Gegenteil, ich würde behaupten eine Selbsthilfegruppe die garnicht oder in die falschen Bahnen gelenkt wird kann mehr schaden als das sie nutzt. Wenn sich da gegenseitig nur hochgeschaukelt und in seinem Leid bestätigt wird dann bringt das niemanden vorwärts. Klar ist Mitleid mal ganz schön, wenn dieses Mitleid aber der einzige Zweck dieser Gruppe ist und einen lähmt dann sollte man sich davon befreien.

kcleineg_aidxa


Wenn ich so von den Leuten höre/lese, dass sie immer online sind, spazieren gehen, Fahrrad fahren, den Vormittag gemütlich zuhause verbringen und sagen, dass es ihnen gerade gut geht, bin ich schon neidisch, warum ich mir nur für ein bisschen mehr Geld und aus Pflichtgefühl diesen starken Stress antue, obwohl ich eindeutig Ängste/Depressionen habe.

In der Anfangszeit war ich vielleicht mal stolz, das überhaupt zu schaffen, aber mittlerweile ist es fast nur noch Stress, ich habe für nichts anderes mehr Energie. Habe seit langem keinen Sport mehr gemacht, weil ich nach der Arbeit und am WE durch das Soziale so kaputt bin, dann nervt es mich, wenn ich höre, dass jemand (ohne Arbeit) am vormittag gemütlich eine Radtour macht.

Es liegt nicht an der Arbeit, an sich ist das nicht so schwer (so verwaltungsmäßig), aber egal wie nett die Leute sind, ich bin immer total nervös und ängstlich und antriebslos.

Leider habe ich keine anderen Kontakte außer diesen Leuten. Woanders wird halt auch nicht so gut verstanden, dass man Ängste hat. :(

k"lei%ne[_aixda


Ich habe die Ängste schon seit Kindheit und ich bin zurzeit auch in Therapie 1x alle 1-2 Wochen.

Ich gehe aus Pflichtgefühl zur Arbeit und weil ich meine Wohnung sonst nicht bezahlen könnte und auch wiederum Angst hätte zu sagen, ich höre auf, und wie ich das sagen soll und wie andere dann reagieren. Ich arbeite jedenfalls nicht, weil ich so tough bin.

M^il'ky'_e77


Wie bezahlen die anderen in der Gruppe ihre Wohnungen usw?

Rede mal mit denen.

Entweder um Tipps zu bekommen, wie die sich noch kränker gegenüber dem Arzt stellen, um Krankengeld zu bekommen oder um zu sehen, dass die sich noch weniger finanziell leisten können als du.

Und dann entscheide, ob du lieber mit noch weniger Geld am Vormittag Fahrrad fahren möchtest, oder weiterhin arbeiten und dir materiell dafür mehr leisten kannst.

Trraumfägngerinxa


Ich kann verstehen, dass dich diese Aussagen wütend machen.

Warum gehst du arbeiten?

Um eigenes Geld zu verdienen, unabhängig zu sein und um eine Struktur im Tagesablauf zu haben, vermutlich?

Und ich an deiner Stelle wäre unheimlich stolz auf mich selbst, dass ich das trotz der Depression hinbekomme. :)^ und würde mich den anderen sowas von überlegen fühlen ;-)

Insgeheim finden es diese Leute auch nicht so toll, dass sie nicht arbeiten gehen (können). Da ist es nur menschlich und normal wenn sie es sich schönreden.

Und zu guter Letzt: niemand zwingt dich dazu, arbeiten zu gehen! Du kannst es, ganz genauso wie die, einfach bleiben lassen, wenn es wirklich das ist, was du aus tiefstem Herzen willst und mit den Konsequenzen, die sich daraus ergeben, eher leben kannst, als mit dem, was die Arbeit alles mit sich bringt!

Es ist dein Leben und du kannst damit machen, was du möchtest :)*

Manchmal bringt so eine bewusste Entscheidung "Ich gehe jetzt nicht mehr arbeiten, weil..." auch einen Selbstbewusstseinsschub mit sich, warum diese Leute auch auf dich stärker, kontaktfreudiger usw. wirken.

Im umgekehrten Fall "Ich gehe aber trotzdem weiterarbeiten, weil..." ist dies aber auch möglich.

Mtilkgy_eS77


Arbeitest du Vollzeit?

Vielleicht kannst du deine Stunden ja ein bisschen reduzieren, zB auf 35, 32 oder 30 Stunden.

Ich hatte auch immer ein großes Problem mit Arbeit und Neid gegenüber denen, die zuhause sind.

Habe jetzt auf 30 Stunden reduziert und es geht mir viel besser dadurch.

Finanziell ist es natürlich jetzt weniger, aber dafür eben mehr Freizeit.

R"eisf"inkeHnMut+ti


Ich wäre froh, Arbeit zu haben. Meine Psyche hat mir schon zweimal eine Ausbildung versaut, zweimal musste ich die wegen meiner Erkrankungen abbrechen. (Depressionen, ADHS, Zwangsstörungen, PTBS, Hypochondrie, Kardiophobie, soziale Phobie). Arbeiten kann ich zurzeit aber nicht deswegen, sondern wegen meiner Hand. Mal wieder. Und ja, ich habe auch Angst. Angst, dass erst wieder alles gut läuft, und dann sagt meine Psyche wieder: so, Feierabend. Ich mach nicht mehr mit...ich war schon neun mal in stationärer Behandlung, ambulant natürlich auch, muss mehrmals am Tag Medis schlucken, und bin auch als chronisch eingetragen. Los werde ich das alles nicht mehr. Trotzdem bin ich nicht jemand, der gerne darüber spricht, oder die Arbeit damit in Verbindung bringt. Was mich ehrlich gesagt viel mehr stört ist nicht die Tatsache, das ich ja 'sooo krank' bin. Und ich würde auch nie behaupten, das es mir von allen am schlechtesten geht. Das einzige, was ich als unfair empfinde ist die Tatsache, dass die Dinge, die mir von gewissen Personen in der Vergangenheit angetan wurden, und für die ich absolut nichts konnte, noch heute Steine in den Weg legen. Ganz abgesehen von den Vorurteilen. Aber die gehen mir inzwischen am Arsch vorbei. Und ich selbst habe mich noch nie irgendwo zugehörig gefunden, ich bin eh sehr introvertiert. Trotz allem bin ich immer froh, wenn ich mal Arbeit habe. Den grade die lenkt immer gut ab. Und ein geregelter Tagesablauf ist generell wichtig. Viel schlimmer finde ich solche, die wirklich nicht arbeiten wollen, weil Hartz4 so bequem ist. Wenn dann Menschen wie ich Zuhause sitzen, die wirklich arbeiten wollen, aber derzeit nicht in der Lage sind, sei es psychisch oder physisch, werde ich stinksauer. Wie dem auch sei: es gibt mehr von unserer 'Sorte', als man denkt. Nur zeigen es viele nicht. Sie sind ebenso wie ich ein Meister der Tarnung.

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